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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

ien mnchentlich ferfi£mnl imh __ I

Nummer 221

Einzelnummer 400 000 Mark.

Sonnabend, 22. September 1923.

13. Jahrgang

Einzelnummer 400 000 Mark.

Die Kasseler Neuesten Nachri-bten erscheinen nwlbentlick, sechsmal und »war nacbm ttaa« »er die zweit«HLlste September 4 500 000 Mark bei freieruueduna m5 Hau-,tn der GeschäftSNeue adgevolt 4 «OOOO Mars.Beilellunaen werden jeder-ei: entaeaen^ d-rlag und Reutti-n: -chlachtbosstratz- 28/30. F^nsyrecher Nummer 9al und 9oX ,TÜt unoerlangt eingesandte Beitrage lann die Redattion eine terant. be>vähr in tetnem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugs^ldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist auSaeschlosten. Postscheck Frankfurt a M «3M. Lruckereü Schlachthosstr. 2%0. Leschäflssielle ÄMnttch- Ltr

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Dor dem Ende der Ruhrabwehr.

I

3m Existenzkampf.

Die Rot der deutschen Wirtschaft.

Roch immer ist man im Auslande vielfach der Auffassung, die deutsche Wirtschaft stehe in bester Mute. Man kommt zu diesem Urteil, weil deutsche Waren ins Ausland gehen und das Angebot noch immer so stark ist, daß man tatsächlich der Auffassung sein könnte, die Pro­duktion stehe auf der Höhe. In Wahrheit täuscht aber dieser deutsche Versuch, im Ausland Absatz zu finden. Vor nicht langer Zeit war es noch lohnend, nach dem Auslande zu liefern, denn entweder kanten bei der Umrechnung Preise zu­stande, die über den deutschen Preisen lagen, und die Produttion für das Ausland lohnend mach­ten. Oder man rechnete in deutschen Indu­strie- und Handelskreisen damit, vor allem Devisen zu erhalten und lieferte sogar vielfach aus diesem Grunde nach dem Auslande billiger als im Inland«. Die Devisen ließ man eine Zeit liegen und hatte dadurch einen ansehn­lichen Verdienst, wenn man sie nicht dazu ver­wenden wollet, Rohmaterialien aus dem Aus­lande zu beziehen. Heute sehen wir ein völlig anderes Bild. Die Goldrechnung ist in Deutschland zur Notwendigkeit geworden. Ein­mal, weil die Rohmaterialien in ®> be­zahlt werden müssen, sodann weil die Löhne in manchen Betrieben sich dem Goldstande anpassen, und sodann, weil die Lasten, die aus Industrie und Handel ruhen, so zugenommen haben, daß die Produktion vielfach so teuer wird, daß sie im Auslände nicht mehr konkurrieren kann. Hinzu kommt, daß bei deutschen Kohlen einen Preisstand erreicht haben, der über dem Weltmarktpreis liegt, daß die Frachten die Preise wesentlich erhöhen, und deshalb die deutsche Konkurrenz im Auslande nach und nach abebbt. Nur jene Industrien können noch im Auslande mit Absatz rechnen, die Qualitätswaren herstellen, Erzeugnisse vertreiben, die im Aus­land« gebraucht und nicht in dem Umfange und der Güte angefertigt werden.

So ist es erklärlich, wenn in letzter Zeit die deutsche Ausfuhr auffällig nachgelassen hat, und wenn der deutsche Handel und die deutsche Industrie versuchen, den Jnland- markt wieder zu beleben. Sie haben deshalb das größte Interesse daran, die deutschen Verbraucher kapitalkräftig zw sehen, und sprechen sich dafür aus. daß die Umstellung der deutschen Wirtschaft nicht nur, sondern aller Löhne und Einkommen dem Gold- stande angepaßt wird. Es wird über­raschen, daß gerade die Industrie für die allge­mein« Einführung der neuen Währung eintritt. Indessen liegt darin die einzige Rettung. Die Blütezeit der deutschen Wirtschaft ist vorüber. Die Produktion wird immer mehr einge­schränkt, da di« Aufträge fehlen. Die Zahl der Arbeitslosen nimmt zu. Das ist der beste Beweis, wie sich die Dinge gewandelt ha­ben. Enttassungen zahlreicher Arbeiter, Still­legungen von ganzen Unternehmungen, Be­schränkung der Arbeitszeit sind an der Tages­ordnung. Deutschland kann also heute nicht mehr das durch feine Arbeit hervorbringen, was noch vor wenigen Mmaten möglich war. Die deutsche Wirtschaft ist die Trägerin der Finan­zen. Da sie sich aber, wie hier gezeichnet, ab­wärts entwickelt, muß das Reich darunter lei­den. und kann die Regierung heute auch nicht mehr über Leistungen disponieren, die aufge­bracht werden sollen, um Reparationszahlungen zu nahen. Die Milliardenzahlen, mit denen die deutsche Wirtschaft rechnet, müssen auf den Gold- stand zurückgeführt werden, und dann zckgt sich, daß fast überall, ttotz einer Zeit wirklicher Scheinblüte, die Substanz angegriffen wokden ist. Tatsächlich haben zahllose Werte veräußert werden müssen, sind Einschränkungen erfolgt, die, oberflächlich gesehen, leicht abzu­stoßen waren, innerlich aber das Fundament der deutschen Wirtschaft berührten. Man hat sehr wenig von den großen Zahlungsschwierigkeiten gehört, mit denen große Unternehmungen in der letzten Zeit kämpfen mußten. Und diese Schuvie- ligfeüen nehmen noch zu.

Am deutlichsten zeigt sich der Rückgang der deutschen Wirtschaft beim Kleinhandel, der näher über ein großes Warenlager verfügte, beitte aber ost nur von einem Tag zum anderen Waren heranschaffen kann. Und gewöhnlich ver- ringert sich der Warenbestand derart auffällig, daß die Kleinkaufleute vielfach vor leeren Schrän­ken sichen. Das^ist begreiflich, wenn man die Lasten kennt, die sie zu tragen haben, wenn man bedenkt, daß sie erst am nächsten Tage den Ver­kauf ersetzen können. Wie bei den Kleinkaufleu- nn, so ist es auch in der Industrie und int Groß­handel. Die Warenlager werden Heiner, die Materialien bilden nicht mehr den Bestandteil ier Substanz, den sie früher ergaben. Hier er­kenn: man zuerst, wie die unsicheren Verhält- niffe. die angespannten und immer weiter stei- r enden Pretle. wie die großen öffentlichen Lasten von der Substanz zehren. Und es unterliegt kei- m Zweifel, daß dieser Zustand nicht lange

andauern kann, wenn die deutsche Wirtschaft nicht ganz zusammenbrechen soll. Zunächst mag die Rettung darin liegen, daß jede Kalkulation auf Goldbasis vorgenommen wird. Aber auch dieser vorläufig« Ausweg wird nicht auf die Dauer vor dem völligen Verfall schützen. So lange die innere und äußere Unruwe fortbestehl, muß immer damit gerechnet werden, daß der Weg der deutschen Wirtschaft abwärts führt und einmal da endet, wo es keine Hillfe mehr gibt. Sieht man die Dinge so, wie sie ftrtb, dann Wird auch selbst das Ausland erkennen, wie be­rechtigt der deutsche Wunsch ist, endlich eine klare Zukunft zu sehen, und wie gefährlich es ist, die Lösung der Reparattons- und Ruhrfrage weiter hinauszuzögern. N. P.

Am den Widerftnnd.

Die finanzielle Not drängt zum Ende. tPrtvat-Telearamm)

Berlin, 21. September.

lieber die Auffassung der Berliner Regie- rungSkreise hinsichtlich des passiven Widerstandes und der Berhandlungsmöglichkeiten wurden ge­stern eine Anzahl Mitteilungen ausgegeben, die aber bisher um den Kern der Sache herumgehen. An der Einschränkung des passiven Wi­derstandes ist nicht mehr zu zweifeln. Der Fi­nanzminister hat alle Anordnungen getroffen, um die Ruhrkrcdite abzubauen bezw. zur Einstellung zu bringen. In dem volksparteilichen BlatteDie Zeit" wird Stimmung gemacht für Uebergangsmaßnahmen zur Wiederaufnahme normaler wirtschaftlicher Funktionen im besetz­ten Gebiet. Die neuen Forderungen der Sozialdemokratie, die von der sozial­demokratischen Reichstags-Fraktion beschlossen worden sind, wurden gestern nachmittag vom Vorstand der Partei im Beisein der vier sozia­listischen Minister dem Reichskanzler überreicht. Tie Forderungen gipfeln in dem Verlangen nach radikaler Einstellung des passiven Wi­der st andes und nach der Erfassung der Sach­werte und unproduktiven Vermögen.

Leölnsungen der SruhrgewerkseLaften.

Essen, 21. September. (Privattelegramm.) Fritz Thyssen yat die Erklärung erlassen, daß er aus dem Vorstand des Wirtschaftsausschusses für das besetzte Gebiet, der den passiven Wider­stand organisiert hatte, ausgetreten ist. Die Gewerkschaften des Ruhrgebietes haben gestern abend beschlossen, daß jede Aenderung des passiven Widerstandes von folgenden B e - d i n g u n g en abhängig gemacht werden müsse: Amnestierung aller Verurteilten und Rückkehr der Äusgewresenen, Wieder- nbernahme der Verwaltung durchdeutsche Beamte, Gewährleistung der freien Arbeit und des freien Verkehrs zwischen dem besetzten and dem unbesetzten Gebiet.

Llenst für die Feinde.

Paris, 21. September. (Privattelegramm.) TerTemps" meldet aus Koblenz: Bis Mon­tag abend hatten sich im Bezirk Koblenz, Aachen, Trier und Mainz etwa zwanzig Prozent der Eisenbahner zur Verfügung der alli- ietten Regie gestellt. (Es ist noch abzuwarten, ob die Meldung des französischen Mattes den Tatsachen entspttcht. Die Red.)

Boincare und Baldwin.

Die alliierten Beratungen um das Ruhrgebiet. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris. 21. September.

Echo de Paris" meldet: Der Besuch Bald wins bei Poinrare stand unter dem Eindruck der beginnenden Aufgabe des passive« Widerstandes im Ruhrrevier, den die letzte Rede Hilferd-ngs offiziell eingeleitet hat. Poinearö konnte diese Tatsache als großen Erfolg seiner Polit'k hin- ftetten. Meldungen von dem Eintritt deut­scher Staatsarbeiter in die alliierte Regie laufen aus dem ganzen besetzten Gebiet ein. (?) Baldwins neuer B orschlag war die Wiederaufnahme der gemeinsamen alliierten Be­ratungen über die Reparationsfrag-, der ftanzö- sische Ministerpräsident konnte diesen Vorschlag nicht ablehnen. Die nächsten Wochen werden e'ne erhöhte Aktivität in der wirtschaftlichen Aus­beutung der besetzten Gebiete für Repara­tionszwecke ergeben.

eine neue Sachlage.

Varis. 21. September. DerTemps" meldet über Baldwins Besuch bei Poincar«: Poinrars hat Baldwins Verständigungsvorschlag mit gro­

ßem Ernst ausgenommen und angesichts der Be- druttmg der Materie den Minister rat bc fragt DerMalin" meldet: Wenn sich Bald­wins Erklärung, daß die deutsche Regierung d n passiven Widerstand einstellt, bestätigt, dann ist jedenfalls eine neue Sachlage geschaffen, die keine Preisgabe der französischen Mindestfor- derungen. aber eine sachliche Aussprache zwischen den Alliierten zur Folge haben kann.

Die Unruhen in Baden.

Fortdauer der Aufstandsbewegung.

tBttvat-Telegramm)

Karlsruhe, 21. September.

Obwohl der Generalstreik in Lörrach und Oberbaden gestern für beendigt erklärt wurde, kam es gestern abend in Lörrach zu neuen Zusammenstößen. Die Polizei mußte wieder von der Waffe Gebrauch machen. Drei Personen sollen getötet, über dreißig schwer ver­letzt sein. In Freiburg fanden gestern nach­mittag Erwerbslosenkundgebungen statt. Die Eisenbahner in Freiburg zeigen eine widerspen­stige Haltung und verlangen vor Wiederaufnah­me der Arbeit die Gewährung einer vorüb rge- henden Teuerungszulage von einer halben Mil­liarde. Weiter wird berichtet: Die Eisenbah­ner in Freiburg und Lahr hab:n den An­schluß an den Generalstreik beschlossen, in Karlsruhe fällt die Entscheidung erst morgen. Stviviattmbeim kam es gestern nach'-nirtoc zu Ausschreitungen der Erwerbslosen, die Polizei verhinderte Plünderungen und nahm viele Demonstranten fest, unter ihnen befinden sich vier bolschcwisttsche Russen.

Spanien unter der Diktatur.

Ein sctwrfes Militär-Regiment.

(Eigener Drahlbericht.1

Genf, 21. September.

Aus Madrid wird gemeldet: Der spanisch« Dittator di Rivera hielt in Madrid eine Rede, in der er sagte, daß der Parlamentaris­mus, dx» Spanien an den Rand des Unter­ganges gebühtt habe, endgültig tot fei. Er werde in Spanien nicht wiederkehren.Wir wollen", sagte der General,keine Männer, die sich auf die Kosten der Allgemeinheit am Staate mästen, sondern die im Dienste der Allge­meinheit arbeiten. Für ein armes Land wie Spanien genügen zwölf vom Volke gewählte Männer, die von der Regierung bei allen Ent- cheidungen vorher gehört wero.'i. Durch die Aufgabe des Parlamentarismus ersparen wir unserem unglücklichen Lande zwei Fünftel aller Staatsabgaben." Einer weiteren Meldung zufolgo hat di Rivera in allen Städten mit mehr als 20 000 Einwohnern Kriegsgerichte ein­gerichtet mit der Aufgabe, die der B e st e ch u u g beschuldigten Parlamentarier in Untersuch­ung zu nehmen und abzuutteilen. Als einzige in Betracht kommende Strafe wurde die To­desstrafe festgesetzt, die innerhalb 24 Stun­den ohne Aufschub zu vollstrecken ist. Dem frühe­ren Minister des Ämtern, Alba, werden Unter« chlagungen der Kriegskredite für Marokko in Höhe von 2 Milliarden Pesetas zur Last gelegt.

Erfolg im Marokkostldzug.

Gens, 21. September. (Eigene Diahtmekdung.) DerMatin" meldet aus Madrid: Die Lage bei Melilla in Marokko wird von Stunde zu Stunde für bie Spanier günstiger. Ter spanische Rückzug ist nicht nur zum Stillstand gekommen, die Truppen haben vielmehr die allgemeine Offensive ausgenommen. Tie Front der Riff, kabilen ist durchbrochen. Eine weitere Mel­dung besagt: Melilla ist außer Gefahr: Die Riff kabylen haben den Rückzug angetreten. Asun ist von den Spaniern wiedergenommen.

Einrichtung von Blirgerwehren.

Madrid, 21. September. (Eigene Drahtmel­dung.)) Der König unterzeichnete eine Berord nung, die starke Bürgerwehren i« samt lichen Provinzen und in de« afrikanischen 2'e sitzungen Spaniens vorsieht. Der Präsident des Obersten Zivilgerichts ist zurückgetreten.

Der Fleischmangel.

Niedergang der deutschen Viehzucht.

Die Flrisehknappheit «nb die durch die Geld, -ntwrrrnng steigenden Preis« greifen so start in den PrivathanShalt ein, datz e« angebracht ist, einmal den Ursachen nachznforschen. SS liegt darüber nachfolgender Bericht vor; Die Knappheit und Teuerung auf dem Fleisch' markt bildet nach wie vor eine ernste Sorg« der Hausfrauen. Die Fleischerläden zeigen seit Wo­chen eine auffallende Leere. Der Fleischgenuß wird für den Mittelstand immer weiter unmög­lich. Die nachfolgenden Ausführungen, die sich aus genaue zahlenmäßige Unterlagen stützen, las­sen erkennen, worin die Urfad>en für di« man­gelnde Versorgung aus dem Fleischmarkt zu su­chen sind.

Verminderte Einfuhr und Viehzucht.

Wie stark die Einsuhr von Fleisch und Fleischwaren aus dem Ausland« seit der Vor­kriegszeit zurückgegangen ist. zeigen die folgenden Ziffern: Einer Einfuhr von 1342 195 Doppelzentner lebendem Vieh, frischem Fleisch und Speck im Fahre 1913 steht eine Einfuhr von 995 048 Doppelzentner im Jahre 1922 gegenüber. Ebenso sank die Einfuhr von Schmalz und Talg von 1852920 Doppelzentner im Fahre 1913 auf 1099000 im Jahre 1922. * Zur Kennzeichnung der Sage in der deutschen Viehzucht mögen die folgenden Zahlen dienen, die bte Ergebnisse der Viehzählung vom 1. Dezember 1922 in Vergleich setzen zu den Bkstandsziffern vom 1. Dezember 1913 Es wurden 1922 ermittelt 16309474 Stück Rindvieh gegen 18475804 im Fahre 1913:14 682 622 Schweine gegen 22534 407 -Errege und 5566086 Schafe gegen 4087830 im Jahre 1913. Diese Zahlen scheinen auf den ersten Blick nicht aus einen besonders staMn Niedergang der Viehzucht hinzudeuten, zumal bei Schafen sogar eine Zunahme des Be­standes festzustellen ist. Das Schaf ist leichter zu erhalten als anderes Vieh, für dessen vollendete Ausbeutung Kraftfutter in irgend einer Form gehött. .Das Fehlen dieses Futters macht sich besonders bemerkbar in der ganz auffälligen A b n ah m e des Schwein ebestandes von runp 22,5 Millionen Stück auf 14,5 Millionen. Daß die Zahl in nicht noch stärkerem Maß« abgenom­men hat. ist darauf zurückzusühren, daß die Zahl der Heinen Schweinezüchter, die sich zur ratio­nellen Verwertung der Abfälle in Küche und Garton ein oder zwei Schweine halten, ganz au­ßerordentlich stars zuaenommen hat. Weniger stark hat die Ziffer für Rindvieh abyenom- men. Recht deutlich tritt di« Kalamität der deutschen Fleifchversorgung aber erst in di« Er­scheinung. wenn wir

das Schlachtgewicht

des nun ans dem angegebenen Bestand in den Konsum übergeführten Viehes uns vor Augen führen. Aus Grund stattstischer Angaben über die gewerblichen Schlachtungen im ersten Viertel­jahr 1923 veröffentlichte dieFliag" seinerzeit folgende interessante Zahlen: Die Zahl der Schlachtungen im erften Vierteljahr 1923 betrug in Prozenten der Schlachtungen innerhalb der­selben Zeitspanne 1913 (in Klammem di« Pro­zentzahlen von 1922 gegen 1913) bei Ochsen Januar bis Avril d. Fs. 50 (81) Prozent, Bul­len 55 (83) Prozent. Kühe 81 (100) Prozent Fungrinder 101 (131) Prozent, Kälber 77 (96) Prozent, Schweine 43 (57) Prozent. Schafe 57 (94) Prozent, Ziegen 35 (54) Prozent. Noch weit trauriger ist d.is Bild, wenn man das Ge­wicht der geschlachteten Tiere int ersten Vier­teljahr 1913 gleich 100 setzt: dann ergibt sich fol­gendes Bild der Fleifchversoraung bei Ochsen Januar bis April d. Fs 47 (75) Prozent, Bul­len 47 (70) Prozent. Kübe 70 (87) Prozent, Iungrinder 88 (115) Prozent, Kälber 75 (94) Prozent. Schweine 42 (56) Prozent, Schafe 56 94) Prozent, Ziegen 35 (55) Prozent. Diese Ziffern zeigen die gualitatitrc Ver- chlechterung. die unser Viehbestand erfah­ren hat; denn diel« Schlachttiere stellen ia das ertige Produkt der Whzucht dar. ES fehlt eben, wie schon mehrfach betont, an Kraftfutter. Zufolge der schon erwähnten Knappheit an tierischen Fetten, wie fettem Fleisch erfolgt- ge­gen die Vorkriegszeit eine vollkommene

Umschichtung der Preis«

der einzelnen Fleischarten zueinander. Während vor dem Krieg« Schweinefleisch sowohl im Groß- wie im Kleinhandel ganz erheblich billiger war als Rind- und Kalbfleisch, ist es heutzutage zum teuersten Fleisch geworden. Am Berliner Vieh- marft hatten am 5. September die Preise für Schweine das etwa 3,3millionensache. für Kälber das 2,2mi(firnenfache und für Rinder das 1,6» millionenfach« erreicht. Preiserhöhungen in sol­chem Ausmaß« müssen, obwohl sie fr der ge­samten Wirtschaftslage ihre rechnerisch« Berech­tigung zweifellos finden mögen. Z" Konstim- einschränkungen führen.Was während des Krieges durch staatliche Maßnc-Hmen erregt wurde, die Einstellung der Ernährung auf Ge-