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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 220.

Einzelnummer 400 000 Mark.

Freitag, 21. September 1923.

Einzelnummer 400 000 Mark.

13. Jahrgang.

Ausdehnung der lommunislischen Unruhen.

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Gegen die Gitter-Aufteilung.

Besprechung im Ministerrat.

Paris, 20. September. (Eigene Trahtmel-

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Die Kundgebung der Kaffelcr Metzger wurde von einem Kammermitglied als indirekte Hetze gegen die Landwirtschaft bezeichnet mit der Behauptung, die höchsten Preise nehme der Viehhändler, der oft nicht hundert, sondern zwei, hundert Prozent Verdienst an dem Vieh habe. Durch den Zwischenhandel werde das Verhält­nis zwischen Stadt und Land immer schlimmer. Aus diesem Grunde regte der Redner die Grün- düng einer Viehverwertungs-Genos- enschaft an, wie sie in anderen Provinzen bereits ins Leben gerufen worden ist.

Würdig war der Auftakt: Die stehend ver­nommene Kundgebung für Ruhr und Rhein! Im Vordergrund unserer Gefühle steht, so sagte der Kammerpräsident, Herr von

eines wertbeständigen Geldes wurde mit Sei. Metern deutscher Wirtschaft in einer gestrige,, Sitzung im Reichsfinanzministerium eingehend erörtert. Er fand in seinen Grundzügen allge­meine Zustimmung. Ueber verschiedene Einzel, heilen schwebon noch Verhandlungen. Der Ber. liner Lokalanzeiger glaubt fest versichern zu kön- nen, im Reichskabinett werde heute noch die abschließende eingehende Besprechung über die Währungsfrage stattfinden.

Koblenz, 20. September. (Privattelegramm.) Das in Mainz erscheinendeEcho de Rhin" meldet: Die Interalliierte Kommission gibt be­kannt. daß sich die staatlichen Arbeiter in T r i e r, Aachen und Mülheim unter Aufgebung d s paffiven Widerstandes zur Verfügung der alli­ierten Regie gestellt haben-

Wettere Ausdehnung.

Karlsruhe, 20. September. (Privattelegramm.t Die Unruhen in Baden dehnen sich immer weiter aus Nach Meldrmgen aus dem badischen Ober­lande hat der bekannte Berliner Kommunist Eichhorn, der frühere Berliner Polizeipräsi­dent, die Leitung der Bewegung über­nommen. Ihm zür Seite stehen zwei russi­sche B o l s-rh e w i st e n, die sich an der Schwei­zer Grenze aufhalten. Zahlreiche Eisenbah­ner in Offenburg und Karlsruhe er- ktärtcn sich mit dem Streik in Südbaden soli­darisch und verweigerten die Arbeit. Die Eisen- bahnbetrlebsinspcttion gibt bekannt, daß der ge­samte Zugverkehr eingestellt wird. Der Bctriebsrangierbahnof Basel liegt still.

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3ii Bauern verhaftet.

München, 20. September. (Privattelegramm.) Tie Polizei nahm f|:ct nuS Lörrach zugereiste Kommunisten fest, die in München für den Anschluß ay die badische Generalstreikbewcgnng agitiere» wollten. In München ist alles ruh g, dagegen ist es in N ü r n b e r g und Hof zu kom­munistischen Putschen gekommen, die aber in­folge scharfen Eingreifens der Staatspolizei zu keinem Erfolge führten.

Llm Wertbeständiges Geld.

Amttiche Beratung mit WiatschaslSvertecrern. lPttvat-Leltgramm^

Berlin, 20. September.

Ein halbamtliches Telegrapheubüro melde»: Der Plan der Reichsregierung zur Schaffung

Stabt und Land.

Aus der Tagung der Landwirtschaftskammer.

Preis- unb Steuer ragen, Belieferung bet Städte, besonder von Jtnffel, ® uteriojtali- Vierung unb Räudereunwesen auf dem Laube stanben im Borbergruube ber Be­ratungen ber Herbstvoaverfammluna ber LanbwirtfchaftSkammer stir den Regierungs­bezirk Kassel, über deren Eröffnung wir gestern bereits eingehend berichtet haben.

Ilmsturzversukhe In Baden.

Karlsruhe. 20. September. (Privattelegramm.) In Bruchsaal, Lahr und Rastatt ist es zu kommunistischen Ausschreitungen gekommen. Die Kommunisten versuchten die Ausrufung der badisck>cn Räterepublik. Die Polizei hat sofort Gegenmaßnahmen ergriffen.

Kommunistische Vläne.

Die Agitation zum allgemeinen Ausstand.

LPrivat-Tclearamm.r

Berlin, 20. September.

In der gestrigen Sitzung der kommunistischen Bettiebsräte wurde über einen Antrag der ba­dischen Landesorganisation beraten, die General, treikbewegung in Baden durch einen allgemei­nen deutschen Generalstreik zu unterstützen. D,o Berliner Betriebsräte haben sich für eine» Generalstreik auch in Berlin ausgc- fvrochcn, wenn die Betriebsräteorganisationcn der übrigen deutschen Großstädte und der Berg- orbciterreviore den gleichen Beschluß fassen.

Das Streben nach ber JreglerungSZkwatt.

e ,ur Seite 50 Mark, für R-llam-n 200 Mark malSchlus. Kn; etem-WÄtofL Sdt 12 O*)- auf Familien 'N,eigen und »leine

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i ift S" RechnungSau schlag von 10/,! Bei pieser Rechnungs.

0»3a8e,!^Uäa3ten- «ach Ablauf dieser Frist ist oer Anzeigen. Anseigenschlusselzuve.vielfachen. Laufende en- zeigen werden mit d.m TageSzeil.»preis berechnet. Für die Richtigleil aller durch -ernsprecher aufgegedenen Anzeigen. >°wre für »ufn-bm-daken und Plätze kann nicht garantiert werden

Frankreichs enttchieden sei. Eine Bestäti­gung finde diese Ansicht in der Tatsache, daß in den letzten drei Tagen mehr als fünfzigtausend Arbeiter der deutschen Staatsbetriebe in die ranzöflsche Regie übergegangen seien. (?)

Dor dem Endkampf.

Was wird aus dem Ruhrgebiets

Dieser Tag« ist dem Reichstage ein großes, 138 Druckseiten umfassendes Aktenstück überge­ben worden, das den Ti tel trägt: .Die den Alliierten seit Waffenstillstand übermittel-

Das Ersticken in Milliarden".

Es ist nichts geholfen, sagte Herr von K e u dell später, mit Schlagworten wie Erfas­sung der Goldwerte ... wir sind ja bereits mitten drin in dieser Erfassung und der Gesetz­geber kann nur gewarnt werden, diesen Weg weiter zu beschreiten, da wir dann ganz sicher nicht aus dem Elend herauskommen, son­dern immer nur tiefer hineingeraten müssen. Ein verschuldeter, um seine Existenz ringender Bauer, wie wir ihn am Ende des vorigen Jahrhunderts besaßen, und wie er manchem Gesetzgeber als wünschenswertes Ziel vorzuschweben scheint, kann die Aufgabe nicht erfüllen, die das große Hilsswerk der deutschen Landwirtschaft, das deutsche Volk von der eigenen Scholle zu er­nähren, von ihm ertoartet.

Weg darum mit der Anschauung, fuhr der Kammerpräsident fort, der Landwirt ersticke heute in den Milliarden. Er hat die Milliarden bitter nötig, wenn et seinen Betrieb intensiv er­halten will. Wohl mag es Einzelne geben, die unter besonders günstigen Verhältnissen beson­ders prosperieren, die Gesamtheit, und auf die kommt es an, leidet schon heute unter dem Steuerdr uck und muß sich die Frage vor­legen, ob sie die nötigen Gelder zur Anwen­dung des teuren Kunstdüngers auf« bringen kann. Das aber wäre das Aller- schlimmste, was eintreten könnte, denn es bedeu­tet die Unmöglichkeit, auf dem Wege des Hilfs- wcrks unsere Wirtschaft zu retten!

Im Lause der Aussprache Über die Steuer­gesetzgebung erklärte ein Kammermitglied aus dem Kreise Büdingen, der Kleinbauer habe aus Angst vor dem, was noch alles an Steuern kom­men kann, alles gleich auf einmal bezahlt und könne nun nichts Neues kaufen. Er selbst habe einen Kunstdünger abbestellen müssen ...

Banne frei zu werden und mit den Brüdern nnd Schwestern wieder vereint zu sein, müßte hüben und drüben das gesamte deutsche Volk endlich einmal zu der Einheit und Harmonie zusammen, schweißen, die wir solange vermißt, die wir aber bitter nötig haben, wenn wir wieder ein großes und starkes Volk werden wollen. J. ß.

täte und Baldwin gelegentlich eines Früh­stücks im englischen Botschafterpalais war von stanzöfifcher Seite nur Poincare anwesend. Tie Unterhaltung fand nur in Anwesenheit eines Dolmetschers statt. Sie dauerte fast fünf Stunden. Dann verließ Poincare das Botirbarterpakais und kehrte zum Auswärtigen Amt zurück, wo so- fart ein Ministerrat zusammentrat, wäbreud sich Baldwin nach Rambouillet zum Ministerprä- sidcnten Millerand begab. Es fiel allgemein auf, daß Poincarö feinen englischen Kollegen nicht dorthin begleitete. Er wird den Präsidenten erst nwrgcn im Ministerrgt sehen.

Königsberg, 20. September. (Privattele­gramm.) In Tilsit fand am Dienstag eine Tag­ung deutscher »tnd russischer Kommu­nisten statt Aus Rußland wäre» dreiuud- zwanzig Bolschewisten anwesend. Die Konfr- renz galt, wie aus kommunistisch«» Kreisen ge- meldet wird, ver Aufstellung ein-s gemeinsa- . ______,________ _________

men Aktionsprogram zwischen dem düng.) Bei der Aussprache zwischen Poin- denttchen und dem russischen Kommunismus für----" ~ " ----- ----

die Uübernähme der deutschen RegierungS- g e w a l t im Falle eines Sturzes des Kabinetts Ttresemann-Hilferdinli.

«Keudell, die bange Frage, ob der heldenhafte f Widerstand, den unsere Brüder an Ruhr und Rhein gegen französische Gewalt nnd gegen fran­zösische Kulturschande nun schon acht Monate lang aufrecht erhalten, ihren Lohn findet und die Früchte zeitigen wird, die wir alle von ihm zum Besten unseres Vaterlandes erwarten. Wir wissen es nicht, aber wir geben der Hoffnung Ausdruck ... Was an Rhein und Ruhr in diesen acht Monaten ertragen und schweigend erduldet wurde von deutschen Volksgenossen, muß in dH Herzen des deutschen Volkes gegraben werde wie die Heldenlieder aus alter Vorzeit...

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Präsident v. Keudell führte im Verlaufe der Tagung aus: In der letzten Zeit wird dau­ernde Beunruhigung in die Landwirtschaft ge­tragen durch Anträge, die größeren Güter über ein bestimmtes Maß hinaus aufzuteilen und zu sozialisieren. Gegen diese Versuche muß mit afler Kraft Stellung genommen werden. Wenn die Landwirtschaft es erreichen soll, daß sie das deutsche Volk auf eigener Scholle ernährt, dann und uns die gut geleiteten großen Güter bitter notwendig als Bannerträger des landwirtschaft­lichen Fortschritts. Das Siedlungsgesetz bietet Handhaben genug, daß ein Gut. das feine Schul, digkeit gegenüber der Volksernährung nicht tut, oder dessen Besitzer sich nicht darum kümmert, enteignet wird, aber ... Hände weg von den gut geleiteten Wirtschaften! Ge­radezu ein Verbrechen an der Volkswirtfchast und an der Nation ist es auch, wenn der Ge- danke ausgesprochen wird, den gesamten Pri- vatwaldbesitz zu sozialisieren.

Selbstschutz gegen Räuberbanden.

Alle haben, fuhr Herr v Keudell sott, zu klagen über die überbaudnehmenden Feld- diehstähle und das Hinausziehen von

Der Aufruhr in Baden.

Kommunisten und Bolschewisten. (Bttvat-Telegramm.)

Freiburg. 20. September.

Gestern fanden hier zahlreiche Verhaft« n- aen von Berliner und rufFischen Kom­munisten statt. Ein großes Waffenlager wurde im Besitz eines kommunistischen Stadtrats entdeckt. Auch j« diesem Zusammenhang wur­den mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die hei dieser Gelegenheit beschlagnahmten Korre­spondenzen weisen darauf hin. daß Sie Auf- ftandsbewegung in Oderbaden von Freiburg a«8 geleitet worden ist und daß sie rein poli­tischen Charakter trägt. Die badischen kom­munistischen Abgeordneten entfalten an den In- dustrievlätzen des badischen Oberlandes eine lebhafte Propagandatätigkeit und wen­den sich besonders an die Landwirtschaft, die auf- gesordert wird, gegen die Steuerlasten Front zu machen. In Lörrach soll kttrttts die Räterepublik von den Kommunisten ausgerufen worden fein.

ten deutschen Angebote und Vorschläge zur Lösung der Reparations- und Wiederauf­baufrage." Das Dokument ist noch gezeichnei von dem Finanz-, dem Wiederaufbau- und dem auswärtigen Minister des Kabinetts Cuno. In diesem Weißbuch ist das neue Angebot des Reichskanzlers Stresemann, das in der Stutt­garter Rede skizziert und in Ausführungen vor Berliner Vertretern der deutschen Presse in Ein. ^heften dargestellt worden ist, noch nicht ent­halten. Die Politik Frankreichs ist undurchsich­tig un» zweideutig. Frankreich hofft offenbar Noch auf den Zusammenbruch Deutschlands vor der Kapitulation ober auf diese selber um den Zusammenbruch zu vermeiden. Deutschland hin. «egen ist sich bewußt, daß Kapitulation und Zu. sammenbruch gleichzeitig eintreten müßten. Ein zusammen gebrochen es Deutschland ist vollständig reparationsunfähig. Frankreich würde also keine Zahlungen erhalten, die es nach den letzten Versicherungen Poincarez doch haben will. Ein annexionistischer Zugriff auf das Rheinlanv und das Ruhrevier ist in gleicher Weise von PoincarS in offizieller Rede abgelebt worden. Wollte sich aber Frankreich gegen Deutschlands Willen und ohne Deutsch­lands Mitwirkung am Rheinland und Ruhrge­biet bezahlt machen, so würde das ohne An­nexion gar nicht möglich fein.

©eutfcWani» hat es jetzt satt, sich noch länger hinziehen zu lassen. Wir müssen unverzüglich es handelt sich nur noch um eine Frage von

8 6 ^3" Frankreich vor die Frage stellen, ob und tote es sich den neuen deutschen Verhält­nissen gegenüber en treiben will. Deutsch­land kann mit Frankreich nur Verhandlungen fuhren, wenn Aussichten auf ein erträgliches Er­gebnis dieser Verhandlungen von vornherein gegeben sind. Jedoch geflissentliches Hinauszö- Er?11 &inj*?rte5 durch Frankreich muß mit ab loüiter Entschlossenheit durchkreuzt werden. Sir muffen roiffen, woran wir sind Wir machen gar keinen Hehl daraus, daß die Finanzierung des Ruhttampfcs in ber jetzigen f^orm über alle deutsche Kraft hinausgeht und daß wir zu einem Ende kommen müssen. Wir Haden es jetzt noch in der Hand, dieses Ende, ganz gleich wie es sich gestalten möge, selbst zu bestimmen. Wir müssen allen Bestrebungen der Gegenseite, in Deutschland den Zusammenbruch herberziifuhren und uns dann einem neuen Dik­tat gefügig zu machen, unter allen Umständen entgegentreten. Ein neues Diktat nach dem Mu. ster. von Versailles wird von dem deutschen Volke und von feiner gegenwärtigen Regierung unter leinen Umständen hingenommen/ Dar­über herrscht volle Einmütigkeit. Wenn uns -Frankreich keine Möglichkeit gibt, durch Einstel­lung des Ruhrkampfes riesige, täglich in die Hunderte von Billionen gehenbe Aufwendungen zu erfparen und sie probuktiveren Zwecken nutz­bar zu machen, dann bleibt Deutschland gar nichts anderes übrig, als von sich aus mit die­sem Zahlungs-Problem ein Ende zu machen Das wird und kann aber nicht dadurch geschehen! daß man Frankreich selbst die Probe aufs Exem- Vel machen läßt, ob imperialistische Machtpolitir der Wirtschaft dieses Landes zugute kommt.

Wir können uns denken, daß leider die Stunde kommt in der Deutschland ertlärt, es müsse jeg- liche Zahlung für das Ruhrgebiet ein- stellen. Die notwendigen Folgen davon wären, daß naturgemäß auch für die Reparatio­nen kein Pfennig mehr aufgebracht werden konnte. Was wäre die Folge? Frankreich müßte in diesem Falle die völlige Verwaltung und Finanzierung der besetzten Gebiete auf eigene Schultern nehmen. Bei Frankreich liegt die Entscheibilng, ob es zur Uebernahme solcher Lasten und solcher Probleme stark genug ist. Wird es mit militärischen Mitein, also etwa durch weitere Gebietsbesetzungen und gewalt­tätige Zugriffe seinen machtpolitischen Wirkungs. kreis noch erweitern wollen, bann wirb es nicht nur vor neuen Problemen gerade finanzieller, sondern auch weltpolitischer Art stehen. Was sich letzten Endes daraus entwickelt, ist nicht mehr unsere Angelegenheit.

Unsere eigene Sache aber ist es, die auf solche Weise unter vertragslofer Herr, schäft von dem Gegner feftgehaltenen deutschen Gebiete wieder freizumachen. Frankreich würde sich täuschen, wenn es glauben würde, durch die Zuspitzung der Lage dis zu dieser Ent­wicklung die deMschen Gebiete vom Reiche ab- wenstig zu machen. Ganz bas Gegenteil würde erreicht. Tie innere Verknüpfung wäre eine nur noch um so stärkere und die Sehnsucht, vom

England und Frankreich.

1 Angebliche Uebereinstimmung.

(Eigener SrabtberiM)

Paris, 20. September.

Alle politischen Abendblätter besprechen außer­ordentlich optimistisch die durch die Pariser Z u - sammenkunft der beiden Ministerpräsiden­ten P o i n r a r ö und Baldwin gegebene Lage. Im Pariser Auswärtigen Amt erklärt man sich außerstande, weitere Angaben über die Zusammenkunft zu machen als die, daß die gan­zen Beratungen einenungemein herzlichen Charakter" trugen. DasEcho de Paris" rechnet mit der Möglichkeit, daß der ersten Zusammen­kunft der beiden Ministerpräsidenten weitere fol­gen werden und weist darauf hin, daß die Frage der Einstellung des deutschen Wider- standes im Ruhrgebiet durch die letzte Hil- erdingsche Rede bereits im Sinne

Ausgabe des Widerstandes?

Kritik an der Reichsregierung. lPrivat-Telegramm.)

Berlin. 20. September.

Die Gerüchte, die in den letzten Tagen sich mit der Frage des paffiven Widerstandes befaßten, beschäftigen auch in umfangreichem Maße die parlamentrischen Kreise. So trat gestern die Zen- trumsftaktion des Reichstages und die deutsch- nationale Fraktion des Reichs- und Landtages zusammen. Die deutschnationale Er­klärung erhebt schärfsten Einspruch gegen die vom Kabinett Strefemann-Hilferding elngelei- rcte Ausgabe des passiven Widerstandes. Dem deutschen Volke könne damit nur der völlige wirtschaftliche und politische Zusammenbruch be reitet werden. Kapitulation und Unterschrift mürben nicht die Not beseitigen, sondern zur Not auch noch die Schande fügen. Auf in ber Fraktion des Zentrums wurden schwere Beden­ken gegen die Stresemann-Hilferdingsche Politik geltend gemacht. Die Haltung des Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Her­mann Müller, den Auswärtigen Ausschuß nicht zusammentreten zu lassen, sindtt in den bürger­lichen Regierungsparteien schärfste Kritik. Es ist damit zu rechnen, daß das Plenum des Reichsta­ges am 26. September zusammentritt. Die Sit­zung soll damit eröffnet werden, daß Reichskanz­ler Dr. Stresemann Erklärungen über die au­ßenpolitische Lage macht, soweit er eS für nötig erachtet, ^^Reichstag Informationen $u geben.

Arbeit für die Feinde.