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Nummer 219.

Donnerstag, 20. September 1923,

Einzelnummer 400 000 Mark.

13. Jahrgang

Einzelnummer 400 000 Mark.

Teuerungsuumheu und Streik in Süden.

ist eine Persun gemeldet worden. Wegen der Unruhen in Lüerbaden wurde vom dadisci,en -taatsministerium der Ausnahmezustand über das oberbadische Gebiet verhängt.

Einige Schlagwaffen und Dolche wurden be­schlagnahmt. Unter den ermittelten Arbeitern be­findet sich das frühere Bürgerschaftsmitglied Franz Starker. Ein Verfahren wegen Laüdes- friedensbruchcs ist eingeleitet worden.

polnische Schlägerei in Plauen.

Plauen, 19. September. (Privattelegramm.) Als am Sonntag abend die Plauener Teilneh­mer am D e u t s ch e n T a g e in Hof sich in ge­schloffenem Buße vom Bahnhof nach der Stadt begeben wollten, versperrten ihnen proleta- rischeHundertschattenden Weg und ver­langten, daß der Zug aufgelöst werde. Als dieses Verlangen abgelehnt wurde, kam es «*t Tätlich­keiten. Die Polizei drängte die Menschenmassen in die Seitenstraßen. Erst gegen 19 Uhr abends trat allmählich Ruhe ein. Sechs Verwundet- wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

wichtigste die Rückkehr der Ausgewiese­nen unter Einsetzung in ihre vollen persönlichen und amtlichen Rechte ansehen. Was die Räu­mung des Ruhrgebietes anlangt, so ist Deutsch­land in seinem Anerbieten der französischen These, daß diese Räumung nur nach Maßgabe der Zahlungen erfolgt, ungemein weit entgegen« gekommen.

Frankreich- Mlndestbrblngungen.

Paris, 19. September. (Eigene Drahtmel­dung.) Ueber die Sonntagsrede Poincariz gab Havas eine Note an die französische 9?reffe aus, in der es heißt: Poincarss Rede gibt die ein­mütige Anffaffung des französischen Kabinetts wieder. Auf die Stresemannschen Auslassun- gen der letzten Tage ging der Ministerpräsidem deshalb nicht ein, weil er der deutschen Regie­rung schon mehrmals ein direktes Ange­bot an Frankreich nahegelegt hat. Will Deutsch­land zu einer Lösung der Ruhrkrise kommen, dann soll es diesen Schritt bald tun. Poincarss Reden bedeuten keine Akllehnung eines solchen deutschen Schrittes, sie sprechen ledialich die Mindestbodingungen Frankreichs für Verhandlungen aus.

Die Preise seht eine Koimnission fest.

Sie basieren auf der Ermittlung der Groß­handelspreise zuzüglich eines Gewinn, und U n kvst^ n z n s ch l a g s für den Kleinhan­del, der natürlich für jede Warenart verschieden ist. Nachmittags um 3 Uhr werden sodann die Preise für die wichigsten Kolonialwaren gebil. bei, nämlich für Butter, Schmalz, Margarine, Teigwaren usw. mit Ausnahme von Kaffee, Tee und Gewürzen. Auch diese Preise werden durch Kommissionen ermittelt und festgesetzt. Sie baben dann bis zum nächsten nachmittag 3 Ubr Geltung. Markthallen und Ladenhändler haben sich an diese Besiimmung zu halten, wenn sie nicht mtt dem Gesetz in Konflitt kommen wol­len. Das LandeApolizeiamt hat meine Maßnah. men gebilligt, so daß wir auch einen gesetzlichen Rückhalt haben. Die Revierbeamten werden auf? genaueste instruiert. Auf den Märtten und In den Markthallen überwachen Revicrheamte den Handel, und für die Ladengeschäfte werden Streifen eingesetzt, die jeden Tag eine andere Warengattnng durchprüfen. Es liegt nun kvieder die Gefahr vor, daß die Händler auf un. lere Maßnahme hin, wenn sie von neuer Dollar­steigerung hören, mit der Ware zurückhalten. Darum werden die Streifen ermächtigt, gegebe­nenfalls Ladend urchsuchu na en vorzn- nehmen, wenn nämlich der Geschäftsinhaber plötzlich behauptet, er bade keine Ware mehr. So wie es jetzt gemacht wird, gebt e? nur keinem jjnn weiter. So sehr wir den Bedürfniffen des Kleinhandels Rechnung tragen wollen, so sind rir der Ansicht, daß 24 Stunden lang der Preis oder Ware ausrechterbalten werden kann."

WertbestänSkge« Geld.

Das neue Währungsprogramm.

Bom Reichsfinanzministerium wird mitgeteilt, daß die Arbeiten fir die Schaffung eines wertbeständigen Geldes soweit gefördert

Dor der Entscheidung.

Ruhrkampf und Geldentwertung.

Wenn nicht alles täuscht, werden wir in den nächsten Tagen schon schwerwiegende Entschei­dungen sich vollziehen sehen. Wir müssen aus dem Stadium der Reden und Diskussionen heraus. Die deutsche Reichsregierung hat bei wiederholten Anläffen, die in den letzten Tagen einzig und allein zu diesem Zweck ver­anstaltet wurden, Frankreich gegenüber seine Bereitwilligkeit zu einer Verstän­digung gezeigt und dabei unzweideutige An­gebote von so ausführlicher Art zugehen lassen, daß nunmehr eine Entscheidung herbeigeführt werden muß. Die letzten Reden Poincarss ga­ben eine Basis für ein Uebereinkommen aller­dings noch nicht. Man muß dabei aber weniger auf das hören, was in der Oeffentlichkeit gesagt wird, als auf das, was h i n t e r d e n politischen i'nd diplomatischen Kulissen in Vorbereitung begriffen ist. In dieser Stund« müssen wir noch einmal in kurzen Zügen barlegen, um was es sich handelt: Die Kernfrage, um die sich jede Ent­scheidung dreht, ist die despassivenWider- standes. Deutschland hat wiederholt erklärt, daß an dieser Frage eine Verständigung nicht zu scheitern brauche, wenn von der Gegenseite bc- 'tlmmte Voraussetzungen gegeben und Bedin­gungen erfüllt sind, unter denen wir als die

Ruhr und ReparaUon.

Um die deuffch-sranzösische Verständigung. (Eigene Drabtmesitung.)

Paris, 19. September.

Ministerpräsident Baldwin hat gestern abend London verlassen. Er trifft heut- früh in Paris ein und wird noch heute von P 0 i n c a empfangen. Die Pariser Abendblätter unter­streichen die Bedeutung der ersten Zusammenkunft dieser beiden Staatsmänner, verneinen aber die Möglichkeit einer französisch-englischen Annähe­rung in der deutschen Frage. DerTemps" schreibt: Frankreich lehnt in der Repara­tionsfrage jede neue Konzession^ab. Es bleiet Frankreich ganz gleich, wer heute oder morgen in Deutschland regiert, selbst die Monarchie kaffe man zurückkehren, wenn ste Frankreich bis auf den letzten Pfennig bezaip.e und die Sicherheiten gäbe, die für Frankreich notwendig seien. Herr Stresemann erhofft zu viel von seiner Politik. Zu seiner Enttäuschung wird die Besetzung der Ruhr nicht wie die Schlacht von Roßbach ausgehen.

werden auftauchen. Eine Entwerttmgserschei- nung löst die andere feit Jahren ab, eine kommt aus der anderen aus dem ungelösten Re­parationsproblem. Den Schlüssel zu der Beseitigung dieser Nebenerscheinungen zu fin­den. könnte nicht fchwer fein. Aber es lohnt sich zumeist gar nicht, ihn anzuwenden, denn es wird nicht besser um Deutschland, solange Poincars seine Politik für die richtige hält. «dt-

Ausschrettungen und Streik.

Belagerungszustand im badischen Wiesental.

(eigener Drubtbericht.l

Lörrach, 19. September.

Trotz des Nachgebens der Arbeitgeber bei den Lohnkämpfen der vorigen Woche sind neue kommunistische Unruhen mit Gene­ralstreik ausgebrochen. Der Streik dehnt sich über das Wiesental von Lörrach bis Fahrena und im Rheintal von Weil-Leopoldshöhe über Rheinfelden-Grenzach-Wyhlen bis fast hinauf nach WaldShut aus. Die Regierung hat zum Schutze der Einwohnerschaft auf Ansuchen der Arbeitgeber Schutzpolizei entsandt, wodurch die Erregung der Arbeiterschaft noch gesteigert wurde. Die Arbeiterschaft hat im Lause des Tages ständig Zuzug kommunistischer Elemente aus der ganzen Umgegend erhalten, die mit Stöcken, Eisensparren, Knüppeln und Hämmern bewaffnet sind. Bei dem Zusammenstoß zwischen Demonstranten und der Schutzpolizei sind acht Pcrtencn verletzt worden. Als tot

Optimismus In Berlin.

Berlin, 19. September. (Privattelegramm.) Das Reichskabinett befaßt« sich gestern abend mit der Poinearsfchen Sonntagsrede. Die Buf- faffuna des Kabinetts ist die gleiche wie bisher. Die BerständigungSversuche mit Frankreich wer. den unter allen Umständen fortgesetzt. Vor­gestern nachmittag hat wieder ein Besuch des französischen Botschafters im Auswärtigen Amr stattgeftinden. Da der Botschafter mit dem Kan,- ger Stresemann persönlich unterhandelte, fo bringt man die zuversichtliche Beurteilung der Berständigungsfrage durch das Reichskabinett im Zusammenhang mit diesem Besuch

Wie man Devisen findet.

Eine Razzia in Berliner Lokalen.

(»rtöQt<ele«T«wmj

Geiseln und DeiMftungen.

Karlsruhe, 19. September. (Privattele­gramm, f Aus Lörrach wird gemeldet, daß die Ruhestörer gegen die Schutzpolizei mit Handgranaten vorgingen und daß ste ans Karabinern und Revolvern schossen. Die Po­lizei nahm etwa zweihundert Verhaftungen vor. Die Kommunisten haben führende Persön­lichkeiten der Stadt, darunter den Gaswerkdirek- tor, den Vorsitzenden der Deutschen Volkspartei und zwei Fabrikanten als Geiseln weg­geschleppt. Dir Sicherheitspolizei ist dazu über­gegangen, die Straßen mit der Waffe zu säubern, wird aber dabei fortwährend aus Fenstern und Kellerlöchern beschossen. Die Nacht war sehr un­ruhig, es fand fortwährend ein Geplänkel zwi­schen den Aufrührern und der Sicherheitspolizei statt. Die Sicherheitspolizei wurde mit Handgra. vaten, Gewehren und Revolvern beschossen und erwiderte das Feuer mit Schreckschüssen und ver­einzelt auch mit scharfen Schüssen und Maschinen­gewehren. Die Sicherheitspolizei hat keinerlei Verluste davongetragen, ob die Kommunisten Verwundete haben, ist noch nicht festzustellen. Die Kommunisten haben gestern abend einen wei­teren Fabrikanten schwer mißhandelt.

Vreiszustände.

Wenigstens einen Tag lang feste Preise.

Zu welch unhaltbaren Methoden die Prei«. «chwankungen in den Berliner Markthallen und Lüden geführt haben, leigt nachstehend» Schilderung eine» Berliner Mitarbeiters, Auf dem Lebens Mittelmarkt Ber­lins ist ein vollständiges Preischaos ringe- treten. Kein Konsument weiß mehr, was er in der nächsten Stunde zu bezahlen haben wird, da sowohl in den Markthallen, wie in den La­dengeschäften die Preise ta g s ü b e r fünf- viz sechsmal geändert d. h. hinanfgesetzr werden. Sowie der Standbesitzer oder der La­deninhaber durch die Zeitungen oder durch pri­vate Verbindungen Kenntnis davon erhält, daß der Dollar im Kurse gestiegen ist, setzt er den Preis feiner Waren hinauf, ohne sich darum zu kümmern, daß der amtliche Dollarkurs gewöhn­lich viel niedriger ist, als die ihm zugegangenen Gerüchte berichten. Nattirlich denkt er dann an keine Herabsetzung mehr. In den Markthal« len hat ver Kleinhandel einen Kursdie»st eingerichtet, der zu lebhaften Protesten des Publikums Anlaß gegeben hat. Die Händ­ler mit Schmalz, Margarine, Kolonialwaren und Fleifch eröffneten gewöhnlich ihre Stände über­haupt erst gegen 12 Uhr mittags, wenn sie über die Dollarkurfe einigermaßen informiert sind. Markthallen und Großhandelsfirmen stehen mit der B ö r f« kaufend in Verbindung, und man sieht halbstündlich in den Hallen Leute aufgelegt durch die Gänge eilen, die den Standinhabern

die letzten Surfe zurufen,

Die Entscheidung liegt nicht mehr in deutscher sondern nun in französischer Hand. Die deutsche Regierung wird in diesen Tagen noch einmal einen Schritt unternehmen, der Frankreich keine andere Wahl als die der definitiven und klaren Entscheidung mehr lassen wird. Eine Spekulation Deutschlands kann nicht in Frage kommen, ebensowenig kann auch nur int gering« ft.cn davon die Rede sein, daß die gegenwärtig« oder irgend eine andere deutsche Regierung be­reit wäre, einen zweiten Versailler Vertrag zu unterzeichnen. Die Entscheidung muß und wird bald fallen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß das noch in der laufenden Woche ge- fchieht. Frankreich steht jetzt am Scheidewege. Ueber die Entschlossenheit Deutschlands, in den eben gekennzeichneten Grenzen zu beharren, darf sich Frankreich r:nd die Welt keinem Zweifel hin­geben. Die Verantwortung für alle Folgen die sich aus einer anderen Einstellung Frankreichs ergeben, müßte Deutschland für sich heute schon adleihnen.

Das weite Eittgegenkommen der Reichsregie- nrng ist nur durch die nicht mehr tragbaren Lasten des Ruhrabwehrkampfes veranlaßt wor­den. Man erinnere sich nur, daß seit der Ruhr- veietzung der Dollar von zwanzigtausend Mark

An,-taenpr«ts«:® r u n hp r e t » für 6U Zeile 50 Wart, für Reklamen 200Mark mal Tchlüs. <euah! iüc das deutsche Zeitungszew rbe -zur Zeit 12000), auf Famtlienanzcigen und Klein« lllnietgen 2d«/, Nachlaß. Auf alle nicht dis zum Avrnv des auf een Ausgabetag folgenden Tages bezahlten Anzeigen erfolgt ein Rechnungsau-schlag von 10°,v Bei dieser Rechnung«, er. eilun . ist der Betrag .nnerhalb . tagen zu iahten. Rach Ablauf dieser Frist ist aer Anzeigen- grunbvrei- mtt d.m am Zahlunastage nütttgen ÄnzeigenfchlUfsel zu ve.vieisachen. Laufend- An­zeigen werden mit dem Tageszeit.-npr-is berechnet. Kur die Richtigkeit aller Mir* ..ernfxrecher abgegebenen Anzeigen,oroie für Aufnahmedaten und Platze kann nicht garantiert werden.

natürlich nach oben abgerundet. Eine Mi"ure später sind Vir alten Preisiausize,- - . niingen verschwunden und durch neue, erhöhte ersetzt. Dem Käufer bemächtigt sich allmählich eine gewisse Verzweiflung, und es kommt tagtäglich zu erregten Szenen. Ganz ähnlich nur etwas stiller, spielt sich der Vorgang in den Ladengeschäften ab. Die Abteilung W des Polizeipräsidiums ist zu der An­sicht gekommen, daß diesem Treiben energisch Einhalt getan werden muß. Sie hat sämtlicb-n Polizeirevieren neue Anweisungen gegeben, dir von nun an stritt durchgesührt werden sollen. Das Grundprinzip ist, daß der Kleinhandel sich von nun an 24 Stunden lang an die einmal sest. gesetzten Preise zu binden bat. Regiernngsrat Hinkel, der Leiter der Abteilung W, teilt hierzu solgendes mit: «Ich verkenne keineswegs die Schwierigkeiten, mit denen der Kleinhandel zu kämpfen hat, aber ich kann es im Interesse der Konsumenten nicht mehr dulden, daß aus dem Lebensmittelmarkt völlige Regellosigkeii Platzgreift. Der Käufer muß doch wenigstens einen Tag lang wissen, woran er sich zu halten hat. Die Anweisung, die ick heute an sämtliche Polizeireviere gegeben habe, lernet dahin, daß die Verkäufer von Obst, Gemüse, Fischen, Kartoffeln und Eiern die des Morgens festgesetzten Preise bis zum nächsten Morgen, an dem neue Richtlinien ausgegeben werden, in» nehalten müssen. Während des Tages darf kein Preisaufschlag mehr erfolgen.

Tie Raffelet Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar nachm ttaas Der Abonnementsvrels beträgt für die zw-tl« Hälfte September 4 500 000 Mark bei kreler SuneHuna ms Hau-,in der lSefchastsit-ue adgehoU 4 400000 Mark.Sefiellungen werden jederlei: entgegen, o-nominen. tierlag und Redaktion: «chlachrhofstratz: 28/30. Fernsprecher Nuinme- 951 und 952. irur unverlangt eingesandte Beiträge kann »te Redaktion eineieranti wonung oder ®ernähr m keinem Falle übernehmen. Rückzahlung de« BezugSaeldel oder Ansprüche meßen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ist ausgeschlostcn. Postscheck Frankfurt a S91 8380. Druckerei: Schlachthofstr.Geschäftsstelle: Kölnisch- Str .5

?uf etwa dreihundert Millionen Mark gestiegen ist. Wir sind also zum Nackigeben wieder einmal gezwungen. Aber das allein genügt noch nicht Der Regierung steht noch die weitere Aufgabe bevor, auch an di- Löfung des Repa­rativ n s p r oblem s heranzugehen, das die eigentliche Ursache der Geldentwertung ist. Des­halb ja auch der passive Widerstand, weil man eine Löfvng der Reparationsfrage nur dann für rtdjtig hält, wenn Deutschland nicht um neue Gebiete geschmälert wird. Alle Minister, die wir bisher batten, haben bereits die ReparationZ- srage als die eigentliche und alleinige Ursache der Entwertung gekennzeichnet. Freilich muß man daneben auch andere Erscheinungen beach­ten, di« den Geldumlauf vermehren, die Staats­schulden erhöben. Mer, was es auch sein möge, schließlich wird doch alles wiederum im Zusam­menhang stehen mit der ungelösten Reparations­frage. Und wenn jetzt der Reichsfinanzminister in einer Rede wieder einmal die Ursachen der Entwertung schilderte, so war es begreiflich daß auch er meinte: Wir müssen uns bemühen, die Reparations. und Riihrfrage zu- sen. Wenn das geschehen sei, könne man an andere Pa asiten der deuffchen Entwertung berangehen. Aber dennoch liegen in den Neben­erscheinungen ost Entwettunasherde, die doch viel dazu beitragen, daß die Mark geringer und geringer wird. So ist auch die ungeheure Aus­gabe für den Ruhrwiderstand eine Ausartung, zurück,»führen lediglich darauf, daß der Finanz- mintfter Hermes im Kabinett Cuno verfSumt bat. sie in bestimmten Grenzen zu halten und für rechtzeitige Deckung der Ausgaben zu sorgen. Wenn daher jetzt die Unkosten der Ruhrabwehr eingeschränkt werden, so ist das leider notwendig. Indessen darf man nicht verlangen, alles falle nun besser werden. Andere Jnflattonsursachen

Zusammenstöße auch In Bremen.

Bremen, 19. September. (Privattelegramm.) Auf freiem Felde zwischen Bremen und dem Borori Houchtina kam es zu einem Zusam­menstoß zwischen Mitgliedern des Jungkurs und einer Ansammlung sozialistischer Arbeiter.

Berlin, 19. September.

In der Friedrichsstadt fand gestern ein« De- vifenrazzia unter Leitung des Devisenkommis- ars statt. Die großen und eleganten Kaffee­häuser wurden in der zahnten Abendstunde plötzlich von starken Abteilungen Schutzpolizei und Kriminalpolizei umstellt. Jede« Besu­cher mußte sich ausweiscn und wurde durch­sucht. Zabllos waren die Fälle, in denen De­visen in hohem Werte hinter Sosas und unter Tische geworfen wurden. Bon dan Anwesen- den mutzte sich jeder eine körperliche Durchsuch­ung gefallen lassen. Mehr als hundert Milliar­den unerlaubter Devisen sind beschlag­nahmt worden. Nur die Personen, die nach­weisen konnten, daß sie im rechtmäßigen Be­sitz von Devisen waren, konnten unbehindert die Lokal« vrrlaffen. Auch in einige Hotels drangen Kriminalpolizei und Schutzpolizei ein nahmen eine Durchsuchung der Fremden vor. Auch hier wurden Milliardenwerie beschlag­nahmt. Diese Maßnahmen sollen in den näch­sten Tagen im ganzen Reiche fortgesetzt werden,

2Iu5Brritimg der Änrutzen

Karlsruhe, 19. September. (Privattele­gramm.) Di« Unruhen in Baden breiten sich immer weiter aus. Ganz Baden steht im Ausstand. Auch in Lahr ist es zu Zusam- m e n st ö tz en mit der Schutzpolizei gekommen, die mit Maschinengewehren ausgerüstet ist. In Grenzebach erzwangen die Arbeiter di« Be­willigung eines Sttmdenlohnes von über elf Millionen Mark. Zahlreiche Arbeitgeber sind mißhandelt und zirm Teil als Geiseln nach Lörrach sorigcschleppt worden. Die körn, munistische Partei Badens ruft unter Berufung auf die Vorgänge in Lörrach zum Generalstreik in ganz Baden auf. Die Kommunisten fordern die sofortige Zurückziehung der Schutzpolizei aus dem Streikgebiet, Freilas- laffung der in Haft genommenen Personen und endlich Zahlung von Friedensreallöhnen.

Sperre an der Schweizer Grenze.

Konstanz, 19. September. (Eigene Draht­meldung.) Die Schweiz hat ihre Besatzung an der Grenz« weiter verstärken lassen. Personen dürfen aus der Schweiz nach Deutsch­land nur noch in ganz dringenden Fällen, alle anderen werden zursickgewiesen. Die Kommu­nisten üben von deutscher Seite eine Kon­trolle aus und lassen niemand in di« St^veiz.

Kasseler Neueste Mchrichteu

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung