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Nummer 216

Sonntag, 16. September 1923.

Einzelnummer 400 000 Marl.

13. Jahrgang

Einzelnummer 400 000 Mark.

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KaM Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Noch keine Entscheidung in der Außenpolitik.

Züngelnde Flammen.

Der endlose Krieg.

Nicht nur im gefesselten Deutschland oder im zerstückelten Österreich oder im bolschewistischen Rußland ist Verwirrung als Folge des verlore­nen Krieges. Auch die sogenannten Siegermächte haben das innere Gleichgewicht noch nicht wie- dergeiunden. Was bei den Unterlegenen in wirt­schaftlichem und innerpolitischem Zusammenbruch zum Ausdruck gekommen ist, das gärt bei den Andern in außenpolitischen Spannungen, die in jedem Augenblick eine gewaltsame Entladung er­fahren können. Haß und Mißtrauen, Größen­wahn und Erobcßungslust haben eine Nervosität bei Jenen geschaffen, die den Völkern die Ruhe und Sicherheit raubt und den Regieninaen im­mer neue Schwierigkiten schafft. Es ist, als seien gewisse Gruppen von Menschen, die sich als Staatslenker berufen fühlen, von Tobsucht befallen, denn man kann nicht annebmen, daß ganze Völker von dem jahrelangen Wahne ge­trieben werden, die Nachbarvölker unterdrücken zu wollen. Wie es im normalen Staatslebed stets nur eine kleine Gruppe ist, die der Politik die Richtung gibt, so ist es auch in erregten Zeiten, und wir beobachten dabei das ewig sich wiederholende Spiel, daß die Massen ganz gleich ob in einer Monarchie oder Republik, ob nach nationalistischer oder demokratischer Staats- auffassung urteilslos ihren Führern nach-- eisern, wenn diese den Massen Vorteile verspre­chen. So war es im Krieg« in allen beteiligten Landern, so ist es in der Nachkriegszeit in den Siegerstaaten, die sich nm die Beute streiten und dw umso gieriger werden, je mehr sie zu erpres­sen und zu rauben hoffen. Sie haben durch Krieg und Sieg die Begriffe menschlicher Gesit­tung verloren und nur die üblen Erscheinungen als Erbe behaltön.

Nur in geistiger Verwirrung ist es möglich daß die Kultur und Zivilisation lvorans die europäischen Großmächte früher so stolz waren, daß hohe Errungenschaften, die man in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen hatte, mutwillig zertrümmert werden. Mit brutaler Gewalt werden fortdauernd neue Ver­brechen begangen, werden Staats- und Privat- recht mißachtet, wird eine junge Generation ver­giftet und die Welt läßt alles in blöder acleichaiiltigkeit geschehen, nur auf den eigenen Vorteil bedacht. Die Stimmen der Vernunft sind schwach itnb geben unter im Lärm der Aben teuer. Richt genug, daß Europa an den noch blutenden Kr-egswunden krankt, di? Stärkeren gehen darauf ans, den Schwächeren neue Wunden zu schlagen. Am Balkan droht die Gefache emporzuwachsen, die nicht nur zwei streitende, sondern toiebet eine ganze Gruppe von Völkern in einen Kriegsstrudel hiuabzuzie- hen scheint. Italien geht auf Raub aus. Es ist nicht Willens, die besetzte griechisch« Insel Korfu zu räumen und streckt die habsüchtiqen Finger auch noch dem jugoslawischen Hafen Fi­ume aus. Jetzt tritt das Desensivbiinduis zwi­schen Griechenland und Serbien in Kraft zur gemeinsamen Abwehr der Italiener.

Da die anderen Balkanmächte eine Verschie­bung der unter Entente-Vormundschaft mühsam hergestellten Grenzen befürchten, sind auch B u l- garien und Ungarn in bearckslicher Er­regung. All« rüsten für den Kriegsfall, der, wenn nicht der Völkerbund oder die Boischafter- konferenz einen Ausweg finden, plötzlich elumal eintreten kann. Di« Möglichkeit liegt sogar nabe, da sich auch hierbei hcrausstellt. daß diese wichtig tuenden Körperschaften abschut bedeutungslos sind. Italien hört nicht ^uf die Ermahnungen seiner .Freunde-, waS ganz erklärlich ist, da in einer Gesellschaft von Rechtsbrechern keine Auto­rität herrscht. Mussolini wendet in buchstäb­licher Nachahmung die Methoden Poincares an Englische Einwendungen haben natürlich auch kein Gewicht, denn England ist mitschuldig am französischen Verbrechest an Deutschland. Sollte es zu einer kriegerischen Auseinanderset­zung am Balkan kommen, dann können die En­tentemächte England und Frankreich nicht ab­seits stehen, weil sie Gebiets- und Handelsin- teressen am Mittelmeer haben und nicht zuqeben werden, daß Italien die vorherrschend« Mittel- meermacht wird. Di« werden aber alle Kräfte aufwenden, um eine unbewaffnete Lösung zu er- -iclen. damit sie nicht zu sehr von dem Problem Deutschland, mit dem sie wie mit einer Lebens­frage verwachsen sind, abgelenkt werden.

Während am Balkan die Lunte am Pulverfaß brennt, haben die S p a n i e r An en Maroffoielb- rua gewaat, der ihnen, kaum begonnen, schon einige Niederlagen eingebracht hat. Der Feld­zug gegen die Riffkabvlen war ebenw unqenii- o'nd vorbereitet wie die Innenarbeiten der Re­gierung wirtschaftlich« und finanzielle Mängel a''sweisen. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß nie M'litärvartei. die voraestern durch, owen Dtaatsstrajch die Regierung gestürzt bat w-n Si^g im Innern behalten wird. Da die Militaristen sich nicht gegen den König wenden die Bewegung Aehnlichkeit mit dem Faszis-

mus in Italien. Cb es unter dem neuen Re­gime in Spanien bester werden wird, bleibt ab­zuwarten.Die Unruhe ringsum wirkt auch auf die an sich schon erhitzten Gemüter in Deutsck^ land. Die kommunistische Agitation gegen die Regierung nimmt schon bedenkliche Formen an. Wenn Landtagsabgeordnete offen ihre Umsturz. Pläne verkünden, und wenn selbst der sächsische Ministerpräsident gegen die Reichsregierung hetzt, steuern wir einen direkten Kurs in neue Gefahren. Hier ist Vorsicht vonnöten. Ueberall züngeln unheilkündende Flammest! K. F. D.

Me BerhcmdllmgsMmmung Um die Reichskanzler-Rede.

lPrivat-Telegramm.)

Berlin,. September.

Die Kanzler-Rede am Mittwoch beherrscht die gesamte politische Lage. Der Kanzler Dr. Slrcse- maun hat sich hente privat zu Abgeordneten ge­äußert. von dem Echo seiner Rede in den Ententeländern hänge es ab, ob er ein direktes Verhandlungsangebot nach Paris und Brüssel richten würde. Beachtung findet der eiu- einhlllbstünvige Besuch des italienischen Botschaf­ters in der Reichskanzlei am Freitag srüh. Don­nerstag abend hatte Herr SLrcscmann den letzten Besuch des französischen Botschafters im französi­schen Botschiaftspalais erwidert, wo er etwa eine halbe Stunde lang sich aufhielt. Wie der Pa­riserMatin" erfährt, will Poinrarö die deutsche Kmzlerrede am Sonntag erwidern. Für Sonntag liegen sechs Einladungen franzö­sischer Städte an den Ministerpräsidenten vor an­läßlich der Enthüllung von Kriegerdenkmülern.

Noch nicht genügens.

Paris, 15. September. (Eigene Drahtmel- dung.) DerLemps" berichtet: Die deutsche Kanzlerrebe war Beratungsgegenstand im fr an. zösischen Kabinett am Donnerstag. Po- incarö lonnte in der Sitzung feststellen, daß Zu- geständnisse Deutschlands Vorlagen, daß aber diese Zugeständnisse noch nicht ge­nügend seien. (!) Finanzminister de La­ste wie äußerte nach der Kabincttsitzung am Don­nerstag zu dem Vertreter desFigaro": Wir sind zu Verhandlungen bereit, entspre­chend der ganzenfriedlichen Einstellung" unserer Reparationspolitik. (!) Aber den Verhandlungen muß noch eine weitere Erklärung des deutschen Kanzlers vorausgehen, besonders die, die uns reale Sicherheiten und Garantien und nicht nur neue Versprechungen gibt. Der passive Widerstand ist vorher einzuflellen.

»r. Wirth ist witSrr 6c,

Berlin, 15. September. (Privattelegramm.) Der nach Berlin zurückgekehrte Dr. Josef Wirth war gestern etwa eine Stunde lang beim Reichs­kanzler St re se mann. Wie Dr. Wirth am Abend seinen Parteifreunden mitteilte, bestätigt es sich, daß er zum Botschafter in Paris ausersehen ist. Dr. Wirth liest in Gesprä­chen zu Zentruiusobgeordneien keinen Zweifel, daß er auch jetzt noch auf dem Loden des Er- füllungsprogramms gegenüber Frankreich stehe.

Am den Vrivatbefitz.

DieAngelegenheit der silbernen Kaffeekanne". (Privat-Telegramm i

Berlin, 15. Sept-mber.

Die Pariser Zeitungen besprechen die vom Kabinett Stresemann in Aussicht gestellten Ga­rantien für Deuffchlands Zahlungen. Dazu schreibt Tardieu imEcho Rational":AlS rm Jahre 1920 PoincarS Präsident der Repaca- tronskommission war, entspann sich zwischen ihm und dem englischen Delegierten John B r a r> - bury fine große diplomatffche Debatte. Im Hotel Astoria, dem Sih der Reparationskvmmis- sion, nannte man diese Debatte dieAngele- genheit der silbernon Kaffeekanne". Man stritt sich darum, ob die Hypotbekrn der Sieger, die sich unzweifelhaft auf den öffentlichen Besitz Deutschlands erstrecken, sich auch auf den Privatbesitz ausdehnen, und ob $. B. elae silberne Kaffeekanne, aus dem Büfett eines deut, scheu Speisezimmers euch von dieser Hyvoch"! betroffen werden könne. Poincare sagte ja, Bradburh nein. Poincars trat zurück, bevor der Streitfall entschieden war. Tardieu Ver­breiter sich noch weiter über diese Theorie: und schließt sich dem Standpunkt Poincarös an.

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SüVöruisHer Einspruch.

Berlin, 15. September. (Privattelegramm.) Wie gemeldrt wird, hat eine süddeutsche Regie- rung bei der Reichsregierung angefragt wegen des Teils der Kanzlerrede vom Mittwoch, der

das Angebot einer erstfielligen Hypothek an die Entente auf den deutschen Privatbesitz ausspricht. Die Anfrage der süddeutschen Regierung läßt keinen Zweifel daran, daß gegen ein solches An­gebot Einspruch erhoben wird, da die Bun­desstaaten vor einem solchen Angebot nicht uuS- driiüttch gefragt worden sind.

Der spanische Gewallftreich.

Das Ziel der Bewegung.

cPrivat-Telearammt

Paris, 15. September.

lieber die Tragweite und das Ziel der revo­lutionären Bewegung erklärte der Generalhaupt mann de Estella: Diese Bewegung zielt auf die Bereinigung der spanischen Politik ab. Sir bezweckt eine ftrengere Anwen- dung der Gesetze, das Aufhören der Vergeu­dung, Arbeitsschutz, die rasche unpartoiische Fefi- stellun« der Verauwortlichen für die Katastrophe in Marokko. Außerdem beabsichtigen wir neue Gesichtspunkte für ben Feldzug im Rffchebier aufzustellen. Der Staatsstreich ist ohne irgend­welche Vereinbarung mit den zivilen Elementen auAgebrochvn, obgleich die ganze Bewegung den Gefühlen der Nation entspricht. Sie wurde von den militärischen Verbänden, an deren Spitze die Offiziere stehen, beschlossen. Sie begann zu- -hst in der Garnison von Barcellonn und griff dann auf die Gegend von Tarragona, auf Lcvida, sowie auf Gerona über. Arragon har sich ihr angeschloffen, dann auch Madrid, wo die Offiziere, obgleich sie in den Kasernen festge­halten werden, den Generalhauptmann Mr An­erkennung unserer Bewegung veranlaßten. Wir hoffen, so fügte der Marquis de Estella hinzu, daß andere Gegenden unser Beispiel nachahmen werden. Unterdessen ist der n i g in Madrid eingetroffen, der sich zur Gesinnung des Heeres bekennen wird.

Das Kavinett iss »urßtfgetreteii.

Paris, 15. September. (Eigener Trahtbe- richi.) Aus Madrid wirb gemeldet, daß der Kö­nig gestern srüh aus St. Sebastian eingetroffen ist. Tas Kabinett ist zurückgetreten. Durch dre Ankunft des Königs ist eine gewiffe Beruhigung in der Bevölkerung eingetreten. Das Kabinett hat die Rückkunft des Königs abgewartet, um die der Lage entspreechnd-m Maßnahmen zu tref. fen. Der König soll dem Außenminister Alba zu verstehen gegeben haben, daß sein Rücktritt angenehm sein würde. Dieser habe zwar de» Wink verstanden, aber gezögert sich zurückzu- ziehen. Der König habe in Anerkennung der patriotischen Absichten des General Primo de Rivera und seiner Anhänger auch anderen Kabinettsmitcfliedern zu verstehen gegeben, daß es für sie und daß Land vorMziehen sei, wenn sie ihre Demission einreichen würden, dam-t man dann an die Bildung oh::S neuen Ka­binetts gehen könne.

Die Lirsache des Umsturzes.

Paris, 15. September. (Eigene Trahtmel- duug.) DerMatin" erinnert daran, daß die Anarchie und der Terrorismus in den letzten Monaten in Spanien in einem Maße zngcnommen haben, daß ihm viele hervor­ragende Bürger zum Opfer fielen, so zum Bei- Viel der frühere Ministerpräsident Dato, der Erzbischof von Saranoffa, vier Zivilnouverneure und je nach den Umständen zahlreiche Industrielle oder verdächtig gewordene Syndikalisten. Es kommt hinzu, daß der 6htägige, vor wenigen Wo- chen zu Ende geaanaene Generalstreik in Barcelona bas Geschäftsleben der Stadt mich heute noch völlig lähmt.

Konferenz derBalwnftoaten.

Ein Waffengang unabwendbar?

(Eigener Druhtbericht.1

Wi-m, 15. September.

Aus Belgrad wird gemeldet: In Nifch sind Vertreter aller vier Balkanstaaten am Mittwoch zu einer Konfernz erf chic neu. Bon JugoflavieU nahm der Außenminister, von Ru­mänien der SrleqSminister daran teil. Die Kon­ferenz entschied sich für die G e m i e n s a m k e i t der I n t e r e s f e n an der Aufrechterhaltung fcrt Unverletzbarkeit und Integrität des Balkans. Das RegierungsblattCbjnf" hält ciurn Waffengang zur Verteidigung der Monroe. Dokttin des Battons" für unabwendbar. Das Blatt fordert die Einberufung des jugofta- vischen Parlaments u. allgemeine Mobilisierung.

Stallen Bleibt hartnäckig.

London, 15. September. (Privattelearamm.) Tie Morningposi meldet aus Rom: Mussolini hat dem englischen Botschafter crllärt, ohn? Ga. rantien Griechenlands räume et Korfu njcht.

Die Gteueeflul.

Proteste und Stundungsgesuche.

DomFivanzamt Raffel wird uns feigenbeSHtttitutt« tibetuiUtelt, die von weittragender Bedeutung ist» Es sind in den letzten Tagen von Berufsver« bänden und aus Berufskreisen aller Art zahl­reiche Eingaben und Proteste gegen die Durch­führung bei neuen Steuergesetze beim Reichs- finanzministerium eingegangen. Zum großen Teil wirb bann Abänderung bei einzelnen Ge­setze obei wenigstens Hinausschiebung bei Zah­lungsfristen voi bei Durchführung der Steuer verlangt. Das Reichsfinanzministerium ßft nicht in bet Lage, diese Gesuche im einzelnen zu be­antworten. Stattgeben könnte es überdies den Wünschen doch nicht, da es als Verwaftuags- behörde. lediglich die Aufgabe hat, die von dem Reichstag übrigens einstimmig angenommenen Gesetze beschleunigt zur Durchführung zu brin­gen. Außerordentlichen Härten im Einzelfall wird im Rahmen der bestehenden Gesetze Rech­nung getragen werden. Eine große Reihe Steuerpflichtiger hat ferner unmittelbar beim Reichsfinanzministerium um Stundung oder Erlaß nachgesucht. Diese Gesuche sind den San» dessinanzämtern zur zuständigen Erledigung übersandt worden. Es wird daher darauf hin- gewiesen, daß durch die Einreichung solcher Ge­suche die Verpflichtung zur Zahlung nicht aufge­schoben wird, und daß im Falle der Ablehnung der Gesuche die Folgen der verspäteten Zahlung (Zuschläge usw.) nicht vermieden werden. In diesem Sinne sind auch die Gesuchsteller vom ReichsfinanMinistcrium vorbeschieden Worden.

Die Arbeitgeber-Abgab«

ist am 5., 16. und 25. eines jeden Monats, also gleichzeitig mit der Lohnsteuer, an das Reich abzuführen, und zwar in bar oder durch Heber» Weisung auch von denjenigen Abgabepflichtigen, die die Lohnsteuer durch Verwendung von SteuerMarken abführen. Die Abführung hat je­weils für die dem Fälligkeitstag vorausgegan­gene Monatsdekade zu erfolgen. Erstmalig am 15. September ist also das Doppelte der in der Zeit vom 1. bis 10. September einbehaftenen Lohnsteuer neben dieser zu entrichten. Sind Lohnsteuerbeträge in der Zeit vor dem 1. Sep­tember einbehal'.en und nicht spätestens am 31. August im Ueberweisungsversahren oder durch Verwendung von Steuermarken an das Reich abgeführt worden, so ist auch von diesen Be­trägen die Arbeitgeber-Abgabe zu entrichten. Der Fälligkeitstermin für den hier genannten M- gabobetrag ist der 10. September.

Neue Steuerpolitik

Reformvläne für ben nächsten RqichSftig.

Don unserem Berliner Vertreter toir'e unS geschrieben: Soweit sich bisher die Steuerein- gänge der letzten schweren Erhöhungen übersetzen lassen, sind sie pünktlich eingegangen und haben außerdem scheinbar nicht die nachtei­lige Wirkung ausgelöst, wie vielfach angenom­men wurde. Sie haben aber auch nicht das Ergebnis gebracht, das man erhoffte: die Abstoßung zahlreicher Devisen. Industrie und Handel, wie alle freien Berufe, die zur Zahlung verpflichtet waren, herben von ihren flüssigen Mitteln genommen und andere Wertvapiere üb­gestoßen, teilweise auch Kredite, und zwar Kold- kredite aufnebinen müssen. Unbedingt ist hei vie­len die Substani angegriffen worden, was sich erst später bemerkbar machen muß. Jedenfalls ist man sich in der Regierung und auch in den Parteien darüber flar, daß dieser Weg zwckt not­wendig war, aber Nicht immer besMsitten wer­den kann. Man fragt sich, ob die Ähaffnng der Goldsteuchn nicht berechtigter wäre.

Wie nun verlautet, arbeitet der Reichsftnanz- Minister Hilferding an einem neuen S t e u e r p s a n, der die Goldsteuern zur Vor- ouSfetzung hat. Aber mich die Parteien beschäf­tigen sich eingehend mit der Steuerfrage. Die Deutschnationalen haben Hekfferich beauf­tragt, neue Sieuervorschläae auswardeiten. Die anderen Parteien hoben ihren Steucrspezialisten aufaeaeben. Vorschläge sertigzustellen, die dem Reichstaa bei seinöm Zusammentritt voraeleat ivcrden können. Es hat den Anscknin. als ob der Reichstag sich mit einer völligen Verände­rung der Steuerpolitik beschäftigen müßte. Mit einer nach jeder Richtung einheitlichen Rewrm die mehr auf die Bedürwiss« des Einzelnen Rücksicht nimmt. Diese Steuerreform freilich würde noch weit ein.sS-neidcndere Bestimmunaen bringen, als sie die letzten Reichstaasheschlsttte vornahmen. Aber man ist davon überzeugt, daß die Vmlafle Hnacbcnb aeffüft, durch Anhörung von Sachverständigen gerecht gehandhabt wurde

Maynruk cn öle Kaufmannscstast.

Aufruf d. Hamburger Senats zur DevisenabaabS.

Der Hamburger Senat richter an die Kmif- Mannschast einen Aufruf, die entbehrlichen Devisen an die Reictzsregierung abzuführen. Es heißt darin unter anderem:Ter Senat ist sich wohl bewußt, daß die Maßnahmen, die die