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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Siummer 215.
Einzelnummer 150 000 Mark.
Sonnabend, 15. September 1923.
Einzünummer 150 000 Mark. 13. Jahrgang.
Die Mckverftimmung im Auslande.
WeltpoNtik.
Die Wirkung wirtschafffiche« Konkurrenz.
Die grobe Politik hat jetzt Formen angenoin- meft »bie jede Handlung kraß ins Auge fallen lassen. Wohin man blickt: überall findet man eine bestimmte Linie, findet man eine Richtung, die die Ziele der Politik deutlich erkennen läßt, von Weltpoliik im alten Sinne des Wortes kann heute keine Rede mehr sein. Auch die Groß- nächte, die sich heute als Sieger über Deutsch» land fühlen, haben anscheinend weder das Trachten, nckch Gelegenheit, Weltpolitik zu treiben, ‘ene Politik, die politische Zwischenträger, Jn- •tfluen, Konsequenz,. Weitblick zeigtch Die Welt- wlitik von früher war eine Politik auf lange Sicht, eingestellt nicht nur, um die Interessen der Länder zu fördern, sondern vor allem, um jede Wirtschaftskonkurrönz auszuschalten. Deshalb strebten die Länder nach Gebieten, die erschlossen werden sollten, nach Stiitz- funftcn, um den Handel auszudehnen, um Rohmaterialien zu finden, um ihrem Handel mit einer überall gestützten Flotte beispringen zu können. Das war die Aufgabe der .Diplomaten zu ergründen, ob irgendwelche wirtschaftlichen Fgden gesponnen wurden, denn «uch rein politische Bestrebungen liefen auf wirtschaftliche Urgründe zurück. Und das war die Aufgabe der Politik, die Fäden der anderen -Macht zu stören, sie vielleicht für sich zu knüpfen Das Wettrüsten in der Welt war die Rivalität auf dem Wirtschaftsmarkt, die p oli ische Hochspannung eine Folae der wir schaftli- ch e n Hochkonjunktur. Weltpolitik treiben, hieß weiten Blick für Wirtsckastsmöglichkeiten haben. Man ging in andere Erdteile, snckiö Verbindungen mit anderen Ländern, um Ausdehnungs- möglickkeiten zu besitzen. Den Ertrag der Arbeit nnterzubringen, die Rohstoffe heranzuschaisen, Märkte zu erschließen, Gewinne zu erzielen: das lag letzten Endes in allem politischen Bemühen.
Der Weltkrieg kam, soweit Enaland und Deutschland in Frage kommen, lediglich aus wirtschaftlichen Gründen. Amerika wurde in den Krieg aus Gewinnabsichten gezogeft. Aber man kann auch sagen, daß die eigentliche Ursache deS Krieges, das Streben Rußlands nach der Vorherrschaft auf dem Balkan, lediglich wirtschaftlichen Ursprunges war. Vielleicht nur Frankreich zettelte den Ktteg aus alter Rache, altem Haß an. Der Krieg hat die Wirtschafts- fäden zerschnitten.' Hauptsächlich Deutschland ist aus der Welt ausgeschloffen, aber auch die übrigen Länder holen aus dem Kriege nicht den Gewinn, den sie sich verhießen: Der Konkurrent ist tot, aber auch das Absatzgebiet ist zu Grunde gerichtet. Ein allmählicher Aufbau ist notwendig. Und es zeigt fick heute, daß nur in der Konkurrenz aller gegen alle, in der — mit einem Worte gesagt — Welt- Politik gesunde und strebsame Völker gedeihen können.
Hat E n g l a n d, die Macht, die Mrend war in der Welt, heute noch eine Weltpolitik? Nein! Die Interessen Englands sind stark in Europa konzentriert. Die englische Weltpolittk hat keine rechten Aufgaben mehr Die Rivalitäten auf dchn Balkan, in der Türkei mi Frankreich, können nicht als Zeichnen weltpolitischer Zukunftspläne gelten. Es sind nur Nachklänge, schwache Versuche, Dinge politisch ck.nznstellen, hie gerade der Lösung bedürften. Ml dem Ausscheiden Deutschlands ist die Weltpolitik gewissermaßen erloschen. Man sagt, daS erstarkte Frankreich strebe nach Weltmacht. Gewiß, nach Weltmacht, aber Weltmacht ist nicht gleichbedeutend mit Weltpolittk. Frankreich ist nicht das Land wirtschaftlicher Erpawsionsgedanken Es siebt feine Ziele in Europa gesteckt, im G e - bietsgewinn an seiner Grenze, in der Unterdrückung und Ausbeutung Deutschlands. Es hat nicht den großen Blick, in der Welt Möglichkeiten zur wittschastlichen Machtontfaltttng zu erspähen. Gewissermaßen beherrschen Amerika und England die W^t. Sie haben indeffen ihre Intereffengebiete umsteckt, sodaß es keine polittsche Auseinandersetzung ans wirtschaftlicher Ursache geben kann.
Die alte Diplomatie ist tatenlos. Und wenn sie noch lebt, fo schaut sie verwundert drein, wie sich eine Welt andsrs gestalten kann. Das haben sie. die Gesandten und Botschafter, niemals geglaubt, daß die geheimen Jnstri-ktio- nen. die sie früher erhielten, einmal nichts mehr gelten sollten. Das verstehen sie heute nicht mehr, daß die Welt das Wesentliche, die Sucht, den anderen zu überflügeln, verlernen sollte. Die große Welwolitik ist ,u einem kleinlichen Gezänk um räuberische Ausbeutung eines Landes herabaesunken. Man sucht nickt mehr nach unentdecktem Land, hat nicht mehr die Ausbeitte wertvoller Bergwerke, die Anlage neuer Bahnen, die Gewinnung wertvoller Oel- auellen. die Erlangung überreicher Robstoffge- l-iote im Auge. Man streitet sich nickt mehr, wer der erste gewesen ist, wer von altersher zunächst das Recht erwarb, seine Flagge aufzuziehen. '">an kennt feine Konferenz mehr um solche Din
ge, keine diplomatischen Verhandlungen und keine kriegerischen Drohungen. Nicht der Völkerbund ist es, der hier schlichtet, nicht der Umstand, daß die Welt inzwischen verteilt ist. O nein, die Anregung fehlt, wcsil die Konkurrenz beschränkt ist.
Die Länder müssen Weltpolittk treiben, wenn sie gedeihen wollen. Das toitb aber nicht möglich sein, solange nicht Deutschland wieder, dessen heFköpfige Pioniere Möglichkeiten wirtsckaftlicher Krastentfalttmg erspähtön, gleich- berechttgt geworden ist. Schon von diesem Gesichtspunkte aus müßte die heutige Lage ausgefaßt werden. In England sieht man den begangenen Fehler längst ein, Amerika weiß lange schon, was es gesündigt Frankreich kann und wird nicht an die Stelle Deutschlands treten, denn mit dem Schießprügel in der Hand kann niemals die Welt erschlossen, niemals die Wirtschaft auf- gebaut und angetrieben werden. Die Geschäfte verlieren an Stoßkraft und büßen ihre Rührigkeit ein, die einen alten Konkurrenten in sich aufnahmen. Sie finden feind Anregung mehr. Ebenso ist es mit dem Ausscheiden Deutschlands Der Konkurrenzkampf belebt die Welt,' läßt die Völker vorwärts streben, bringt die große Polittk ntit ihren tragenden, weltschcmenden Linien. Deutschland gehört in die Weltpolitik, dann wird die Welt wieder Kulturstufen empor klimmen.
Die Mark und das Ausland.
Keine Hoffnung auf Befferung?
(Privat-Telegramm i
Berlin, 14. September.
Die Hoffnung auf ein Befferwerden der Mark- notierung an den ausländischen Börsen war nur kurz. Anscheinend besteht nicht mehr das geringste Vertrauen auf die Fähigkeit Deutschlands. Matznahmen Lu treffen, die Ein- und Ausfuhr in Einklang zu bringen, so daß die passive Handelsbilanz, der, neben der Ruhrbesetzung, die Markverschlechterung zuzuschreiben ist, beseitigt werden könnte. In Newqork notierte gestern der Dollar amtlich 114 876 000 Mark; nachbörslich zog die Markparität auf 115 Millionen an. Im Gegensatz zu dieser Newyorker Bewegung, der eilte gleiche Bewegung in London gegenübersteht, waren die Auslandsdevisen im Berliner Abendverkehr weiter nachgebend. Die Dollarnote wurde um 6 Uhr mit 92 und um 7 Uhr mit 93 Millionen genannt und die englische Pfundnote mit 420 bezw. 418 Millionen.
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Die Notierung In Der Schweiz.
Berlin, 14. September. (Privattelegramm.) Zu der gestern von einer Berliner Depefchenstelle verbreiteten Meldung über die Einstellung der Kursnotierung der Reichsmark in Basel wird heute früh erklärt, daß der Kurs nur am vorgestrigen Tage gestrichen werden mußte, weil keine Nachfrage vorhanden war. Jin Zürich wurde gestern die deutsche Reichsmark, wie bis- Ikr, weiter amtlich sestgcstellt und sie hatte dort eine, wenn auch vorübergehende Steigerung um einen Punkt zy verzeichnen. In Basel wird die Mark heute wieder notiert, vorausge- etzt, daß Abschlüsse Zustandekommen.
Reglerungssturz in Spanien.
Ein militärischer Staatsstreich.
(Eigener Drubtberickt.1
Paris, 13. September.
Die Agence Havas veröffentlicht folgende Nachricht aus Barcelona: Der Gouverneur von Katalonien, Primero de Rivera, hat eine Proklamation erlassen, in der er die Regierung anklagt, sie führe das Land dem Untergänge entgegen, und mitteilt, daß die M i l i t ä r p a r- tri beschlossen habe, die Regierung zu übernehmen und den Belagerungszustand zu verhängen. Um vier Uhr morgens ist die Telephonzentrale besetzt worden. Die Stadt lft ruhig. Man erwartet die Ausfiihrung der angekündigten Maßnahmen in kürzester Frist. Raq aus Madrid eingetroffenen Nachrickten ist die Madrider Regierung in der vergangenen Nacht in aller Eile zu einer Beratung zusammen getreten. Sie will nur der Gewalt weichen.
Ausbreitung der MUttürgewaN.
Genf, 14. September. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Spanien wird berichtet: Der lange angekündigte militärische Staatsstreich ist qusgcbrochrn. Es ist einstweilen noch schwierig, die Ausdehnung und die Erfolgsaussichtcn des Staatsstreiches zu erkennen; jedenfalls aber scheint das parlamentarische System in Spanien sehr diskreditiert zu sein, und dersaszistffche Geist macht sich anscheinend auch auf der Pyre- näcnhalbinsel breit. Daher ist es denn auch zu erklären, daß die Bewegung sich u i ch r gegen drn König, sondern gegen die Regierung richtet. Die Qua^iere der kommunistischen und revolutionären Bereinigungen wurden besetzt, die Gefängnisse, Banken, ElcktrizitätSzentralen,
Wasserwerke usw. ebenfalls. Alle verdächtigen Personen wurden verhaftet. Die Proklama. tton des General-Kapitäns schließt mit einem Appell an den Patriotismus
der Bevölkerung. Er beschwört das Militär, wenn es nöttg sei, das Leben für das Vaterland hinzugeben. — Die militärischen Garnisonen, insbesondere von Madrid, Saragossa, Sevilla und Bilbao schloffen sich der Bewegung an. Es handelt sich um einen wirklichen Staatsstreich. Gegen den Außenminister sowie gegen den Ministerpräsidenten d'AlhuccmaS wurde ein Prozeßverfahren eröffnet. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, welcher in Barrelona eintreffen wollte, um eine Möbelaus- swllung zu eröffnen, wurde in Saragossa angr- halten. Alle telegraphischen Verbindungen sind unterbrochen. Es heißt, daß der Außenminister in St. Sebasttan verhaftet wurde.
Folgen der Wirtschrrftsnol.
Plünderungen in Oberfchlcflen. tBrivat-Telearamm!
Breslau, 14. September.
Infolge der unerschwinglichen Lebensmittelpreise ist es im ganzen oberschlesischen Industriegebiet zu großen Lebensmittelunruhen gekommen. In B e u t h e n sowohl als in G l e i- witz dauerten gestern die Plünderungen stundenlang. Die Ladengeschäfte wurden von der Volksmenge, soweit die Hauptverkehrsstraßen in Frage kommen, radikal ausgeräumi. Das Butterhaus Silefia wurde von der Menge vollkommen ausgeplündert und der Berkäuser halb tot geschlagen. Die Schutzpolizei mutzte eingrei- fen. Als die Menge der Aufforderung, die Strotzen zu räumen, nicht nachkam, wurde von der Schußwaffe Gebrauch gemacht. Drei Personen wurden getötet» vier andere verletzt.
Die Lohnbewegung.
Krise auf den Hamburger Schiffswerften.
(Privctt-Lelegramm.)
Hamburg, 14. September.
Zur Lohnbewegung der Werftarbeiter bei den See-Schiffswerften ist mitzuteilen, daß im Reichsarbeitsministerium zunächst über die von den Arbeitnehmern beantragte Berbindlich- keitS-Erklärung des Schiedsspruches vom 3. September verhandelt wurde, da die Arbeitgeber die Anerkennung abgelehnt hatten. Die dem Schiedsspruch angefügte Empfehlung, die Lohnregulierung nach den Abschlüssen der Spitzenver» bände eine den heutigen Teuerungsverhältnisscn entsprechende Ortsklassen-Einteilung vorzunch- men, und ein einheitliches Stücklohn-System etn- zuführen, werden nicht als Gegenstand einer Berbindlichkeits - Erklärung betrachtet. Beide Parteien erklärten, daß sie dann den materiellen Inhalt des Schiedsspruches cnwrkennen, wodurch diese Angelegenheit erledigt war. Es folgten dann die Lohnverhandlungen für die lausende Lohnwoche. Es wurde ein Schiedsspruch verkündet, der eine Lohnerhöhung von zirka 130 Prozent vorsah. Da aber die tar- sächliche Teuerung in Hamburg 249,3 Prozent betrug, lehnte die Berhandlungskommisflon der Werftarbeiter diesen Schiedsspruch ab und heaustragte den Borstand des Metallarbeiteroer- bandes, beim Reichsarbeitsminister Einspruch gegen das Verfahren zn erheben. In den Ber- sammlnugen der Werftarbeiter wurde wieder mit Streik gedroht.
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Streik im besetzten Gebiet?
Köln, 14. Septmber. (Eigener Drahtbericht.) Rach einer Meldung der „Rheinischen Zeitung ist es kaum möglich, eitle Arbeitsniederlegung in den Eisenbahn - und Postbetrieben zu verhindern. Die Arbeiter-Organisationen erklär- ten sich mit den angebotencn Löhnen von 160 bis 170 Millionen pro Woche nicht einverstanden, da in der Privattndustrie Löhne von 340 bis 380 Millionen bezahlt werden. Wenn bis heute abend feine Erklärung der Reichsregierimg vorläge, dürste die Arbeitseinstellung größeren Umfang annehmen. Sollten in den cinterufenen Versammlungen, zu denen Vertreter aus dem ganzen besetzten Gebiet kommen, keine genügenden Zugeständnisse vorlicgen, so ist mit einem Streik im ganzen besetzten Gebiet zu rechnen.
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2?anfBeamttnflrt$f in Leipzig,
Leipzig, 14. September. (Privattelegramm.) Die Beamten der Leipziger Großbanken sind gestern in den Streik getreten. Gegen elf Uhr vormittags zogen die Streikenden in einem mehrere lausend Personen zählenden Zuge vor das Gebäude des Schtichtungs-Ausschuffcs am Roß- vlaß, wo die Verhandlungen vor dem Schlich- tungs-Aussckuß zurzeit noch mtbanern. Die Ar- beitswilligen wurden durch Bankbeamte am Betreten ihrer Arbeitsstätten verhindert.
Der maskierte Tod.
Das Gartenhaus als Meuschenfalle.
Mit n>el<f>ee Mittel» die Franzosen im Ruhr- gebiet die derrrsehe Bevölkerung verfolgen, geht ans der nachstehenden Schtldernng hervor.
Aus dem RuhrMbiei, 13. Sept.
Es ist in den letzten Wochen soviel geschrieben worden über die Brutalität und Gefühlsroheit der Franzosen. Man hörte täglich, fast stündlich von rücksichtslosen Vertreibungen, Verhaftungen, Verurteilungen,Mißhandlungen, Morden, Straßen- und Bankrauben, Vergewaltigungen usw. Sind die Franzosen wirklich so verkommene Menschen, die nur darauf sinnen, die Bevölkerung der von ihnen gegen Gesetz, Vertrag und Recht besetzten Gebiete zu quälen? Ich wurde kürzlich anderen Sinnes. Ta bewegte sich durch die Straßen Bochums ein Gefährt, dessen Aufmachung auf Gemütstiefe der Veranstalter schließen ließ. Auf einem Wagen war ein wundernettes, kleines Gartenhäuschen auf- gebaut, dessen frisches Ziegelrot mit leuchtenden, weißen Fugen und den grünen Türen und Fenstern, ein so entzückendes Bild abgab, daß Erwachsene ihre Freude daran hatten und die Kinder vor Vergnügen in die Hände klatschten. Die Freude wurde auch dadurch nicht getrübt, als man erkennen mußte, daß dieses Bild des Friedens getragen wurde von einem französischen Tank, von dem man nur die unflätig breiten und schweren Raupenräder sah. Ich sagte mir, die Franzosen hüben sicherlich erkannt, daß diese Tanks inmitten einer friedlichen, waffenlosen Bevölkerung mehr als überflüssige Vehikel sind; um die gedrückte Stimmung wieder etwas freundlicher zu geftalten. haben sie diese Ungetüme zu Gartenhäuschen mngewandelt, die sie durch die Straßen fahren, damit Alt und Jung sich an ihrem Anblick freuen können.
Wenige Tage später mußte ich notwendig nach X., leider lag die französische Sperrgrenze davor. Da es aussichtslos war, einen „Geleit- schein" zu erhalten, so unternahm ich den Versuch, auf bekannten verschwiegenen Psaden ins freie Deutschland zu gelangen. Alles schien gut zu gehen. Da stutze ich: Mitten in einem Kartoffelfeld, kaum hundert Meter vor der Sperrgrenze, steht ein reizendes Gartenhäuschen. Ich konnte mich nicht erinnern, es je dort gesehen zu haben und dennoch kam mirs bekannt vor. Ich konnte mir die Erscheinung nicht recht erklären, hatte aber das bestimmte Gefühl, daß hier etwas nicht in Ordnung war. Und wie ich noch stehe und überlege, höre ich aus der Richtung des Gartenhäuschens ... Maschinengewehrfeuer und in der Ferne jenseits der Sperrlinie kann ick gerade noch beobachten, wie zwei Männer in eiliger Flucht davon- und zu Boden stürzen. Unwillkürlich habe auch ich mich zu Boden geworfen. Wenige Minuten darauf sehe ich, wie miS dem Gartenhaus im Karlo ffeld zwei Poilus in voller Kriegsausrüstung treten, die lachend und übermütig sich darüber unterhielten, wie ihr „Gartenhaus" die dummen „Boches" anziehe, die den Versuch machten, über die Grenze zu kommen.
Jetzt wurde mir alles klar, es wurde mit auch klar, wo ich dieses friedliche Häuschen bereits gesehen hatte: in den Straßen Bochums, wo sich Groß und Klein darüber fronte. Und nun wußte ich, was es mit biefer „friedfertigen' Gesinnung der Franzosen auf sich hatte. Sie benutzten biete Maskerade für ihre Tanks, um die Personen, die es nicht verstehen können und wollen, daß mitten durch ihre Heimatfluren eine Linie gezogen wurde, die zu Werschreiten für te von fremder Macht verboten ist, an sich zu öden, um sie dem Tod oder der befangen- ch a st in die Arme zu treiben. Ich wußte nun, raß in diesem Gartenbau schon in den Heimat» Türen an Ruhr mtb Lippe der Tod in der Gestalt g r in sendet, zynisch lachender P o i l u s sitzt. Und ich wußte auch, daß ich niemals wieder daran glauben kann, daß die Franzosen an der Ruhr eine andere Gesinnung haben, als zu rauben; jit foltern, zu schänden und zu morden. Zu dieser lieber,feugung bin ich durch daS Gartenbaus an der Ruhr gekommen.
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Säuglinge ohne Milch.
Unter der Ueberschrist: „Die Franzosen und di« Milchversorgung ber Städte" berichtet bie „Frankfurter Zeitung": Von Milchhäudlern aus mehreren Großstädten des besetzten Gebietes gehen uns fortgesetzt Klagen bantber zu, baß an ber spärlichen Milchversorgung, die selbst Säuglingen und werdenden Müttern bi« notwendige Milch entzieht, einen gro- ren Teil der Schuld die Franzosen durch ihre übermäßigen Ansprüche tragen. In einer Nachbarst odr zum Beispiel beträgt die Menge, die sie verlangen und erhalten müssen, ein Zehntel ber am Tage für bie ganze Bevölkerung gelieferten Milch. Einzeln« Offizierssamt« l i e n beziehen bis jtt fünf Liter amTag «. Tie Milchheli esertinqs sckcinc stellt bie frawjö- rsche Behörde übrigens selbst aus. Da es ihre Praxis «ft, um die deutschen Vorschriften z» um--