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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Stummer 213

Einzelnummer 150000 Mark.

Donnerstag, 13. September 1923

13. Jahrgang.

Einzelnummer 150000 Mark.

Die Franzosen hintertreiben Verhandlungen.

Um den Widerstand.

Dis letzte Anstrengung.

Der passive Widerstand im Ruhrgebiet gegen die französisch-belgischen Rcchtsbrüche und die Gewaltherrschaft drängt mit der Zeit zu sehr ernsten Erwägungen. Man fragt sich, wie die mit vaterländischer Begeisterung begonnene Ab­wehr, die ein elementares Aufbäumen des ge- quölteti Volkes war, weitergeführt oder beendet werden soll. Daß sie in absehbarer Zeit ent­schieden werden muß, daran ist kein Zweifel, aber leider besteht noch Ungewißheit darüber, wie sie enden wird. In dem stillen, zähen Kampf tritt bedauerlicherweise ein Nachlassen der Kraft ein. Es ist ähnlich wie im Kriege, als die mit fast übermenschlichem Willen durchgeführte Verteidi­gung schließlich durch Hunger und Not geschwächt wurde. Auch jetzt ist es die Not, die schwer ins Gewicht fällt. Im RuhrgÄnet verschlimmert sich außer den Schrecknissen der Besetzung der Mangel an Nahrungsmitteln und das Siilliegen der Verkehrsmittel. Die Produktton dieses größ­ten deutschen Industriegebietes ruht in seinem wichtigsten Teil, während das Reich die Unter­stützung finanziert. In diesem doppelten Vlst- lust: Ausfall der Produktion und Be­schaffung der Unterstützungsgelder ist die E n t w e r t u n g unserer Mark begrün­det, die das ganze deutsche Wirtschaftsleben und zum großen Teil auch das Privatleben in Ver­wirrung und Not gebracht hat. Geldentwer­tung und Koblenmangel drängen auf ein; baldi­ge Aenderung der Methode hin.

Der, Reichswirtschaftsrat hat vor einigen Ta- pen beschlossen, di- Kosten für den passiven Widerstand einzuschränken und stretta überwachen zu lassen, da die Reichskredite bei der bedrohlichen Finanznot nicht mehr im bisherigen Maße gewährt werden können. Es Ware unsäg­lich traurig, wenn wir uns sagen müßten, daß der Erfolg der Rubrabwehr durch ein Erlahmen der Kräfte geschmälert würde. Deshalb muß mit Een verfügbaren Mitteln erstrebt werden, den Widerstand zu stärken, bis Frankreich er- kennt, daß mit Gewalt nichts zu holen ist. In Belgien ist bereits die Einsicht gekommen, da der aus de« Ruhrgebiet heimqekehrte Außen­minister Jasper zugeheben hat, die durch die Be­setzung erhofft« Ausbeute sei für Be'-aien unbe- friedigend! Die Koks- und Kohlenvor­räte gehen zu Ende, so daß die Besatzung nichts mehr abtransportieren kann. Auch für Poincar«r wird der Tag kommenmtd das wird im nächsten Monat sein, wenn er vor dsr Kam­mer Rechenschaft ablegen muß daß er seinen Mißerfolg einqestehen mutz. So lange ist es ein Gebot für uns. durchzuhalten, was un­ter Anwendung der vom Reichskanzler Strese- mann angekündigtenElastizität" geschehen kann. Schon frohlocken die Pariser Blätter, daß der Widerstand aufgegehen werde. DasJour­nal" schreibt u. a.: .Mr wollen zwar nicht allzu ichnell .Sieg" rufen und einer neuen Enttäu­schung in die Arme laufen. Aber die Anzeichen kür Deutschlands Ermüdung sind offenkundig. Deutschland ist materiell am Ende angrlangt^ Diese französische Auffassung sollte uns et» Mahnruf zu neuem Aufraffen sein, zur Stär­kung unseres Willens und unserer Kraft.

Auf welche Art wir neue Reserven ein­setzen können, saat beisvielsweise ein Vorschlag derKölnischen Zeitung", worin die Regierung aufgefordert wird, die Frage zu prüfen, ob die I n d u st r i e nicht allein in der Lage sei, auf Grund der angesammelten Devisenbestände den Abwehrkampf an der Ruhr zu finanzieren, da der Staat unfähig sei, die gesamten riesigen Aus- tefoen dafür länger zu tragen. Daneben hätten auch die Banken und bis zu einem gewissen Grade der Handel ihren Anteil an den un­bedingt notwendigen Opfern aufzubringen. Fer­ner solle erwogen werden, ob von jedem Voll­beschäftigten (Arbeiter, Angestellten und Beamtem eine Rhein- und Ruhrsteuär erhoben werden könne. Schließlich fordert der Aufsatz ganz allgemein Mehrarbeit, um eine aktive Handelsbilanz zu erzielen. Da der Vorschlag mit dem Regierungsprostramm im Einklang steht, wkrd er möglicherweise bei den Kabinetts- beratitttgen Beachtung finden.

Bei allen unseren Entschließungen ist zu be» denken, daß wir aus dem Elend heraus- kommen und die Freiheit erringen wollen. Denn wenn wir unter dem feindlichen Druck bleiben, sind wir nur die Sklaven der Franzosen, dir die Erträgnisse unserer Arbeit fortnehmen und sich auf unsere Kosten bereichern, währettd das deutsche Volk immer mehr verarmt. Nur durch Freiheit sind wir in der Lage, unfern Aufbau ausznfirhren und auch die durch das Versailler Diktat erzwungenenReparationen" zu erfüllen. Deshalb ist Strescmanns Grund­satz lichtta, daß vor der Wiederaufnahme der Zahlungen und LieferiM-gen die Räumung des

Ruhrgebiets von den feindlichen Truppen erfol­gen und des deutschen Reiches Selbständigkeit gewährleistet werden muß. Um dies« Bedingung durchsetzen zu können, ist die Fortsetzung des pasi siven Widerstandes erforderlich, dem wir durch eine geänderte Methode zum Erfolg verhelfen müssen. K. F. D.

Neue Hindernisse.

Die Franzosen wollen keine Verhandlungen.

(Eigener Druhtbericht.1

Berlin, 12. September.

Aus den Pariser und Londoner Meldungen, die hier vorliegen, geht hervor, daß eine Füh­lungnahme zwischen Berlin, Paris und Brüssel stattgefunden hat, daß aber im letzten Augenblick Zwischenfälle eingetreten fein müssen, die es möglich erscheinen lassen, daß diese Füh­lungnahme eine jähe Unterbrechung er­langen. In Berlin war man angeblich zu weitgehenden Konzessionen Bereit, die sogar über den Versailler Vertrag hinaus­gingen. Inzwischen sollen aber Ereignisse ein- getreten sein, woraus man schließen kann, daß die Franzosen eine glatte Kapitulation Deutschlands verlangen. Nach Informatio­nen von anderer Seite waren innerhalb der deutschen Regierung bestimmte Vorschläge ausgearbeitet worden. Reichskanzler Strese- mann beabsichtigte, diese Vorschläge in seiner heutigen Erklärung bekannt zu geben. S r- «* dazu kommen wird, darf im gegenwärtigen Augenblick nach Lage der Dinge stark bezweifelt werden. In politischen Kreisen erzählte man sich gestern, daß für die Folgerungen der Ge­genseite umfangreicher Besitz des Reiches und der Länder angeboten werden sollte, ja, daß man sogar Hypotheken auf deutschen Pri- vatbesitz einzuräumen gedachte. (!)

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Verworrene Lage.

Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) In einflußreichen Wirtschastskreifen wurde gestern die Lage außerordentlich pessimi­stisch beurteilt, nachdem die ursprüngliche Ver­handlungsgrundlage sich verschoben hat. Roch nie, so sagte eine bekannte Persönlichkeit, war die Lage so verworren wie in diesen Tagen. Gestern tauchten noch allerlei Vermutungen über Be­setzung des Botschasterp ostens in Paris auf. Hier und da wurde Josef Wirth als Kandidat ge­nannt. Alle Gerüchte widersprechen sich jedoch und eine bestimmte Auskunft ist nicht zu erlangen.

Wieder eineFühlungnaymr".

P a r i s, 12. September. (Eigene Drahtmel­dung.) In Pariser diplomatischen Kreisen wird, wie Havas meldet, als wahrscheinlich angesehen, daß der französische Minister für öffentliche Ar­beiten Le Troquer in den nächsten Tagen nach Berlin reifen wird, um über Fragen, die das Ruhrgebiet betreffen, mit der deuffchen Re­gierung Fühlung zu nehmen.

Deutsche «SaranttkyiSne.

Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) In unterrichteten Kreisen verlautet, daß folgen- der Plan in Berlin ernsthaft erwogen werde: Sämtliche deutfchen Aktiengefellfchaften ollten dreißig Prozent neue Aktien herausgeben, die der Reparationskommifsion überwiefen wür­zen. Die Alliierten könnten einen neuen Ans­chuß einfetzen, der eine große Anleihe aufzu­bringen hat, die durch diefei deutsche Attienab- gabe garantiert wird. Der Anleihebetrag solle für Reparationszwecke Verwendung finden.

Schlägerei im Landtag.

Die neuenparlamentarischen Sitten". (Privat-Telegramm.)

Berlin, 12. September.

Die gestrige Eröffnung des preußischen Land­tages führte zu dein unersteulichtzcn Szenen hu "olge des Vorgehens der kommunistischen Abgeordneten gegen die Geschäftsführung des Präsidenten. Bon der Zuhörertribüne erschollen bei der Zurückweisung eines kommuni- tifchen Antrages lärmende Rufe wiePfui, un­erhört". Als sich der Lärm immer mehr steigerte,

zu dem die kommunistischen Abgeordneten Beifall klatschten, ordnete Präsident Seiner! die Räu­mung der T r i b ü n e n an. Während Hausan­gestellte mit der Säuberung der Tribünen be­schäftigt waren, gab es im Vorsaale eine wüste Schlägerei. Tie Hinausgeworfenen setzten einen Höllenlärm in Szene und riefen:Nieder mit der Regierung, hängt euch alle auf." Die kommnniftifchen Abgeordneten fpendeten diesen Szenen lärmenden Dckfall und brachten ein drei­maliges Hoch auf diegroße Revolution" aus, in das die Zuhörer einstimmten. So gestaltete sich der Anstatt der Parlaments-Beratungen.

Das Gchwmben der Mark.

Folgen der Stuttgarter Rede? lBrivat-Telesrmnm.)

Berlin, 12. September.

Die Entwertung der deutschen Reichsmark setzt sich in rasendem und anscheinend unaufhalt­samem Tempo fort, ohne daß hierfür bestimmte Gründe angegeben werden können. Nach den Auslandsmeldungen scheint es, daß Stresemanns Stttttgarter Rede, in der die Papiermark offi­ziell abgesetzt wurde, den furchtbaren Sturz der Reichsmark im Auslande herbeigeführt hat. Eine BestätiMng für diefe Auffassung in den aus- ländischen Zeitungen ist auch aus den Handels­teilen der heutigen Berliner Morgenzeitungen zu ersehen. So schreibt derLokalanzeiger": Dir Regierung hätte zweifellos gut getan, im Zu- ammenh.rng mit der Ankündigung der Errich- iu.tg uwer Goldnoten baut zu erklären, daß sie die Papiermarkbestände jederzeit ge­gen die neue Währung umtaufcheu werde. Ein Dollarkurs von 90 Millionen und ein Kurs von 420 Millionen für das englische Pfund, wie die gestrigen Abendnotierungen in Berlin lau­teten, sind nicht nur ein Warnungssignal, son­dern auch ein Sturmsignal für die zu red­seligen deutschen Staatsmänner. DieDeuffche Zeitung" schreibt: Das deutsche Volk büße jetzt für die Stuttgarter Rede des Reichskanzlers mit einer neuen furchtbaren Teuerung und mit dem unüberfehbaren Absturz der Reichsmark.

Eine friSstÄnbiLe WflyrungsSLnk.

Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) Entgegen den in Berliner Blättern verbreiteten Mitteilungen, daß das Kabinett sich mmmehr dafür enffchieden habe, von der Bildung einer selbständigen Währungsbank Abstand zu nehmen, und die Ausgabe von Goldwährnngszeichen nach dem Plane des Währungsausschusses des Reichs­wirtschaftsrates einer Abteilung der Reichsbank zu übertragen, können wir zuverlässig mitteilen, daß die Regierung unter anderem Maßnahmen erwägt, wonach die Goldwährungszeichen von einer selbständigen Währungsbank, von den deuffchen Berufsständen auf Grund einer gesetzlichen Maßnahme gebildet, ausgegeben werden. Die endgültigen Beratungen sind noch nicht abgeschlossen, auf Grund derer das Kabi­nett sich bann endgültig entscheiden wird.

Die ßapiermerf gilt weiter.

Berlin, 12. September. (Privattelegramm.) Unter der Einwirkung der Folgen der Stuttgar­ter Sttesemann-Rede sieht sich die Reichs- regierung nunmehr zu der amtlichen Erklärung veranlaßt, daß gegenüber unzu­treffenden Gerüchten, die anläßlich der gegeuwär- tigen Berattmgen über die Währungsfrage ent- tanden find, die Papiermark ihre G"l- tung als gesetzliches Zahlungsmittel beibe­halten wird. Wahrscheinlich ist es schon zu pät, um eine neue Markstützung zu erleichtern. An der gestrigen Abendbörse waren Effetten stür­misch begehrt. Berkaufsausträge lagen so gut wie gar nicht vor. Im Vordergrund des Inter- effes im Börsenverkehr standen Montan-, Ma- chinen-, Petroleum- und Valutawerte.

Thüringer Mgremngskrise.

Rüüftitt infolge des Mißtrauensvotums.

(Privat-Telearmiun.)

Weimar, 12. September.

Im thüringischen Landtag ist eine Regierungs. krffe ausgebrochen. In der gestrigen Sitzung des thüringischen Landtages wurde ein Antrag der bürgerlichen Parteien, der sozialistisch-kommuni- stifchen Regierung das Mißtrauen des Landtages auszufprechen, mit 30 gegen 22 Stim­men angenommen. Dagegen stimmten nur Mit­glieder der U. S. P. Hieraus erttärte Staatsmi- nister Fröhlich, daß die R e g i e r u n g z u rück­trete. Inzwischen ist von den Rechtsparteien ein Antrag auf Auslösung des Landtages cingegangen. Dieser Antrag wird in der nächsten Sitzung, die noch nicht bestimmt ist. beraten.

Auslands-Besucher.

Vorsicht beim Rede».

Wenn Deutsche in# Ausland reifen, feUteit sie sich bemühen, ihre guten Eigenschaften hervo-znkehren, nicht aber überall al« Besserwisser aufzutreten. Wie da« Auftre­ten mancher Besucher in fremden Lande wirkt, zeigt folgender Brief au« Amerika.

Rewyork, Mitte August 1923.

Während im vorigen Jahre verhältnismäßig wenige Besucher aus Deutschland hierhergekom­men sind, die mit sehr vereinzelten unersreuli- gen Ausnahmen im deutschen Allgemeininteresse recht günstig gewirkt haben, ist in diesem Jahre und besonders in den letzten Monaten, der Strom der Besucher stark angeschwollen und hat auch manch' leichteres Treibholz mitgespült. Da die meisten überwiegend mit deutschblütigen Amerikanern in Berührung kom­men, so mehren sich aus diesen Kreisen die K l a. gen über die Fülle der Besucher, zumal ihrer viele besondere Anliegen auf Barhilfe haben. Schon fangen auch bin deutsch geschriebenen Zei. tungen an, auf Druck ihrer Leser hin hierüber unruhig zu werden. Aber noch immer steigt die Flut der Zureifenden.

Die Besucher bestehen aus drei Gruppen. Die größte Zahl stellen zurzeit deutsche Geschäfts- l e u t e. Daß ihrer viele herüberkommen, ist er­freulich, zumal, wenn sie von früher her hier ge­schäftliche Beziehungen haben, die sie wieder aufnehmen. Zu bedauern bleibt nur, daß ver­hältnismäßig wenige wirklich große Geschäfts­leute und Vertreter erster Häuser darunter sind. Von ihren geschäftlichen Bemühungen soll hier nicht gesprochen werden. Leider sinh sich hier­bei manche nicht toenw bewvtzt? daß sie bei ihrer geschäftlichen Betätigung neben ihren eigenen persönlichen Interesse auch das allgemeine deutsche Interesse berücksichtigen sollten. Einzelne Besucher haben sich indessen gerade nach der allgemeinen deuffchen Seite hin in hervor­ragender und dankenswerter Weise betätigt. Für andere gilt leider nicht dasselbe und für manche gar das Gegenteil. Sehr viele übernehmen nach Amerika die leidig« deutsche Angewohnheit des Herunterreißens von allem anderen, was sie nicht selber tun. Zunächst wird die eigene deutsche Konkurrenz möglichst schlecht gemabt, nach der unparteiisch sein sollenden Art: »Ja, richtig, das ist auch eine ganz gute Sirma, hat dort und dort schlecht abgeschnitten, bas kommt überall vor, und sie hat auch schon mit Einhal­ten von Lieferungszeiten Schwierigkeiten ge­habt" ustv. Oder aber man schimpft auf die deutsche Regierung dem einen ist sie zu schlapp, dem andern zu rot, und er Dritte verlangt po­sitive Leistungen vermag aber nicht anzuge­ben, was er darunter versteht. Dieser klagt, daß Ludcndorff ans Deutschland noch nicht ansge- wiesen sei, und jener meint freundlich, daß die Sozialisten am besten »sämtlich aufgehängt wür. den", während ein Vierter geheimnisvoll von der Verfrachtung deutscher Generalstabsoffiziere für die Rote Armee in Rußland munkelt. Manche berühren sich, daß sie feit Jahren keine Steuern gezahlt hätten, loeil die Beamtm nichts von Buchführung verständen, oder baß bei ihnm der Betriebsrat nichts zu sagen hätte, solche Gesetze ständen nur auf dem Pavier unb was olcher Unrichtigkeiten, ja Faseleien mehr find.

In 'die zweite Gruppe sind die Besucher zu rechnen, die gewissermaßen in einerMis- ion" oder in halboffizieller Stel­lung hierherkommen. Darunter sind ganze hervorragende Persönlichkeiten gewesen, unter anderem auch die Damen, die für Frauenanaele- genheiten hier aufgetreten sind. Von einzelnen großen Ausnahmen abgesehen, kommen sie lei­der säst ausschließlich nur mit Deutschamerika­nern in Berührung, weil sie der englischen Sprache nicht genügend mächttg sind. Hier wird nun über die Fülle der Besucher geklagt. Be­dauerlich und schädlich ist das häufige Ab ur­teilen eines deuffchen Sprechers über den andern vor Fremden. Dec erste sieht nicht, daß zum felben Ziele stets mehrere Wege füh­ren, dem zweiten fehlt das herzliche Mitfreuen, daß ein anderer etwas voranbringt der dritte möchte gern als einsame Tanne über Krüppel- kiefern lagen. Glücklicherweise sind die meisten ttüger, indem sie ihr Urteil für sich behalten, oder weitherziger, indem sie sich über andere Er­folge freuen. Nichtz ganz fetten sind voreilige Bemühungen in die Arbeit des Amerikanischen öilfSwerks hineinzureden oder dessen Organisa. tion ändern zu wollen.

In der dritten Gruppe sammeln sich die im­mer zahlreicher werdenden Leute, die auf Ein­ladung eines Kreises oder eines bestimmten Freundes, auf Betteiben von mehr oder minder dunklen Geschäftsleuten oder auch ftöhlich auf eigene Faust dahergererst kommen. Das sind Aerzte, Professoren, Anwälte, frühere Offiziere, Schriftsteller, Schriftstellerinnen, Sängerguar- tette, Wohltätigkeitsdamen und -Herren ufto. Auch hier verfahren viele ganz geschickt, sowohl in ihren Reden, wie in ihrer Sammeltätigkeit. Viele reden fteilich recht ungeschickt daher, etwa in dem Gedankengang:Jvr Ameritäner habt keine Ahnung, was eigentlich ist: ich werde