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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nttmmer 205. Einzelnummer 80 000 Mk. (Sonntags 100 000). Dienstag, 4. September 1923. Einzelnummer 80 000 Mk. (Sonntags 100 000). 13. Jahrgang.
Die Kriegöentwicklung am Balkan.
Balkan-Brand.
Der italienisch-griechische Kampf.
Man hat die Balkanstaaten früher einmal das .europäische Hinterhaus" genannt, womit die Befürchtung verknüpft war, daß in die dori entbrennenden Zwistigkeiten auch das Vorderhaus mit hineingezogen werde. Die Entsiehui-u des Weltkrieges hat die Richtigkeit jener Befürchtung bewiesen. Nach dem Weltkriege hat es Propheten gegeben, die zu ahnen glaubten, daß der große Kampf, in den Europa noch immer verstrickt ist, dort zu Ende geführt weror, wo er entstand. Wir glauben nun allerdings nicht, daß der jetzige Balkanktreit so weittragende Folgen haben wird wie damals, denn die beiden jetzt herrschenden Großmächte England und Frankreich sind doch zu sehr mit der deutschen Frage beschäftigt, als daß sie sich in ferne Abenteuer eintaffen würden. Immerhin kann man beobachten, wie das Netz der Entente, das sie über Europa gesponnen hat, durch ole Zuckungen am Balkan in nervöse Bewegung geraten ist, benn nicht nur Italien ist betroffen, auch englische und franzö"'' - Interessen werden berührt. Mag auch Mussolini in seinem Uebereifer sich fremde Einmischung verbeten haben, da er den Streit mit Griechenland als eine nationale Sache betrachtet, so wird sich doch England nicht hindern lassen, in die Vorgänge an der Adria und am Mittelmeer dreinzureden. Frankreich weicht in dieser Angelegenheit wieder, wie schon bei den Lausanner Verhandlungen, vom englischen Standpunkt ab. PoincarS glaubt bei Mussolini einen guten Eindruck zu machen, wenn er dessen Vorgehen gegen Griechenland für berechtigt erklärt, und erhofft dafür als Gegendienst die italienische Unterstützung in der Reparations- und Ruhrfrage. Diesen Kühhandel nennt man höhere Diplomatie.
Indessen '.st die Lage am Balkan bereits recht verwickelt. Die Vorgeschichte ist folgender- maßen: Als der Weltkrieg, wenigstens militärisch, zu Ende war und König Konstantin aus Druck der Entente aus Griechenland verbannt worben war, bemühte sich Ministerpräsident Venizelos, mit Unterstützung oer Entente, das griechische Reich bis nach Kleinasien auszudehnen. Er verlor aber die Volksgunst, wurde nicht toiebergt- wählt, statt dessen kehrte König Konstantin zurück und führte den von Venizelos begonnenen Krieg gegen die Türken weiter. Der Krieg endete aber ungünstig für Griechenland, und die Folg« war, daß Revolution kam und Konstantin zum zweitenmal das Land verlassen mußte. Damit war aber auch der kleinastatifche Traum zu Ende. Im Friedensvertrag von Lausanne, den Lord Curzon nach vieler Mühe zustande gebracht hat, wurde die griechisch-türkische Grenze im Osten sestgelegt. Nun sollte auch die g r i e- chi sch-albani sche Grenze im Westen festgelegt werden. Mit der Absteckung dieser Grenze war von der Pariser Botschafterkonserenz eine italienische Militär-Abordnung betraut worden, dieselbe, die jetzt ermordet worden ist. Mit dieser Grenze hat es seine besondere Bewandnis. Albanien, der Küstenstreifen am Adriatischen Meer, ein künstliches Staatsgebilde,das vor dem Weltkriege auf Italiens und Oesterreichs Betreiben geschaffen wurde, stand unter italienischem Schutz, das heißt, Italien beherrschte auf diese Weise beide Küsten der Adria. Auch uad) dem Weltkriege, als die slavischen Staaten neu gruppiert wurden und ihr Gebiet nördlich von Albanien bis an die Adria vorrückten, behielt Italien seine Vormachtstellung in Albanien bei und war noch ebenso wie vorher darauf bedacht, die Griechen zurückzuhalten. Durch die jetzt abzu- steckende Grenze sollte die Angelegenheit endgül- tifl geregelt werden.
Mitten in ihrer Arbeit ist nun die Grenzkom- misston ermordet worden. Bedeutsamer wird die Lage dadurch, daß die Kommission von der Botschafterkonferenz bestimmt word.-n war, die somit zur Einmischung ein Recht hat. Gleichzeitig muß auch der Völkerbund in Tätigkeit treten, der von Griechenland angerufen worden ist. Es ist das erstemal, daß diese Körperschaften sich mit einem Kriegsfall befassen müssen, und es wird viel davon abhängen, wie namentlich der Völkerbund, der doch Kriege verhüten soll, die Streitfrage behandeln wird. Grundsätzlich ist dazu zu bemerken, daß die Pazifisten ans dem Mord von Janina eine Lehre ziehen sollten. Es gibt keinen ewigen Frieden, weil die Menschen eben Menschen bleiben. Mussolinis Forderungen an Griechenland sind so demütigend, daß sie wahrscheinlich nicht freiwillig erfüllt werden. Griechenland ist zu einer Genügtnungbereit, aber nur in der Form, daß die staatliche Ehre und Souveränität nicht verletzt werden. Italien bat'auf jeden Fall mit der voreiligen Besetzung und Beschießung von Korfu einen schweren Völkerrechtsbruch begangen. Aber was kümmert das die „Sieger“ heutzutage, da sie die stärkere Waffengewalt haben. Ein neuer Krieg ist im Entstehen. K. F. D.
Ausdehnung der italienischen Besetzung. — Mussolini ein zweiter Poincare. — Kriegsbegeisterung in Italien. — Die Jugoslawen sind über Italiens Vorgehen beunruhigt. — Griechenland sperrt die Häfen. — Der Völkerbund ist ratlos.
Die Kriegsmaßnahmen in Italien werden in fieberhafter Eile fortgesetzt. Wie aus Rom g:- meledt wird, hat Mussolini sein Dienstge- bäude, den Chigi-Palast. nicht verlassen und führt ständig Besprechungen der Lage mit den Ministern, denen er Direktiven zur Durchführung seiner Pläne gibt. Alle Zeitungen, einschließlich die der Opposition, erklären, Italien wäre berechtigt. Griechenland zu zwingen. die vollsten Reparationen zuzugestehen. Griechenland würde ernste Gefahr laufen, wenn eS glaube, Mussolini würde schließlich e neu Rückzug anordnen oder auch nur seine Bedingungen ändern. Die Athener Regierung ebenso wie die europäischen Mächte müßten den unbeugsamen Charakter des ita.ienischen Premierministers in Rechnung ziehen, denn dieser fühle, daß et von der ganzen Ration enthusiastisch unterstützt werde. Die Pläne Mussolinis würden in den nächsten Stunden durch die Besetzung anderer Inseln eine Ausdehnung erfahren. — Alle griechischen Dampfer. die im Hafen von Neapel liegen, find fest- gehalten worden. Nach den Abendblättern haben fich einige itoliensche Torpedoboote von Korfu nach Süden gewandt, um die zur Inselgruppe von Korfu gehörenden kleinen strategischen Inseln Paros und Antiparos zu besetzen und zu befestigen.
Mussolinis Größenwahn.
Zü-rich, 3. 'September. (Privatfiflegramm.) Wie schweizerischen Blätter« aus Rom bericht.t wird, herrscht dort größte Kriegsbegeiste- r u n g. Die Umzüge und Demonstrationen über- tiessen jene auS den Maiwochen 1915. Vor dem Quarmal dauern die Kundgebungen bis in dir späte Nacht hinein Die jugslovische Gesandtschaft ist ebenso wie die griechische Gesandtschaft durch Polizeikordons abgesperrt. Mussolini hielt Sonntag früh vor der ihn umjubelndene Menge eine Rede, in der er sagte: Es gibt für uns kein Zurück. Erinnern mit uns der Größe unseres Volkes vor zweitausend Jahren und handeln wir so, wie jene handelten, hie das römische Weltreich gegründet haben. (!)Nicht Eroberung treibt uns, (?) sondern nur die Empörung über die Schmach, die dem Namen und der Größe Italiens angetan worden ist. — General D i e tz ist mit der Leitung der militärischen Sanktionen gegen Griechenland beauftragt worden. Er reift heute nach Korfu ab, da? zum Sitz des Stabes der italienischen Fofte und des Heeres von Mussolini bestimmt worden ist.
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Elnderufungen in Berlin.
Berlin, 3. September. (Privattelegramm.) Am Sonntag früh sind den hier wohnenden Italienern der Jahrgänge 1899—1903 Einrückungsbefehle durch das Genera konfulat zuqestellt worden. Auch das jug oslavische Konsulat setzt die Ausgabe von Gestellungsbefehlen durch Einschreibebriefe fort. Die Orders lauten auf Gestellung in den 'etbifchen Garnisonen b:§ zum 5. September. Bor dem griechischen KKon- fulat sind b-sher keine Anordnungen getroffen, die als Mobilisierungsmaßnahmen anaesehen werden können. Der erste Trupp von 55 einberufenen Italienern hat gestern abend 8,15 Uhr den Anhofter Bahnhof in Berlin im fahrp an- mäßigen Zug Wer Zür'ch »erlassen. — Rumänien bat vier Iahresftaffen mobilisiert. Alte rumänischen Offiziere im Ausland find telegraphisch zurückberufen worden.
e «Sperrung griechischer Höfen.
Wien. 3. September. (Eigene Drahtmeldung.) Ans Athen wird berichtet: Die Regierung hat die Häfen Pfräus und Saloniki sperren lassen. Italienische Kriegsschiffe find gestern vor Piräus erfchienen, ohne in den Hofen ejnzu- lausen. Auch vor Kreta find italienische Kriegs- schisft erschienen, ein Marinedetachement ist vor Ginnen ausgeschifft worden.
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«erben gegen Italiener.
Wien, 3. September. (Eigene Drahtmeldung.s Ans Belgrad wird berichtet: Die jugoflavi- sche Rcaieriing bat eine Anfrage nach Rom gerichtet über den Zweck der italienischen Flottenkonzentrierungen vor Albanien und in der Nähe der jilgnstavischen Küste. In Belgrad ist es zu schweren Ausschreitungen argen Italiener grkomm n, über ife die Regierung jhr Bedauern dem itaiienifchen Gesandten zum Ausdruck gebracht hat. In Belgrader
politischen Kreisen wird das Vorgehen Italiens mit Be u n r u h i gu n n ausgenommen. Man betrachtet es als einen Bruch des Prinzips aller Balkannationen, die die Losung ausgegeben haben: „Der Balkan den Balkanvölkern."
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3Iu«6 franröflscye Interessen.
Paris, 3. September. (Eigener Drahtbericht.) Havas meldet gestern abend, daß die französische Regierung bei einer Ausrollung der Mittel- meerfrage sich nicht desinteressiert verhalten könnte, da Frankreich im Orient alten Ueberlieferungen treu zu bleiben? habe. Frankreich habe einen unmittelbaren Schritt bei allen Aff irrten getan, um den augenblicklichen Konflikt zwischen Italien und Griechenland durch Verhandlungen zu 'Öfen, die dem italienischen Rechts- u. Ehrgefühl Genugtuung verschafften könnt n.
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»le Krirgtzstimmung.
Zürich. 3. September. (Eigener Drahtbericht.) Die Neue Züricher Zeitung meldet aus Mailand: Geftern, Sonntag, sah man durch die Straßen Mailands eine ganze Anzahl einberufener Reservisten ziehen. Um Mitternacht ist der Befehl der italienischen Regierung an dir Schiffahrtslinien des Landes ergangen, keine Schiffe mehr auslaufen zu lassen. Die allgemeine Situation wird nach wie vor kritisch betrachtet, da Mussolini in seiner Sonntagsrede entart hat, ein Z irr u d gebe e3 für Italien nicht mehr.
Der hilflose Völkerbund.
Er hofft auf friedlich« Lösung.
(Eia. ne Drahtmelduna.)
Genf, 3. September.
Der Völkerbundsrat hielt am Sonnabend unter dem Vorsitz des japanischen Vertreters Jshii eine geheime Sitzung ab, in deren Verlauf er eine Vorprüfung des Appells der griechischen Regierung über den italienisch-grieckiischen Streitfall vornahm. Der griechische Vertreter, der eingefaben wurde, als Mitglied mitzutagen, nahm am Tische des Rates Platz. Nach einem allgemeinen Mc'i'nngsaustausch nahm der Rat in Erwartung weiterer Informationen einstimmig folgenden Beschluß an: Der Völkerbundsrat, indem er in eine kurze Vertagung der Prüfung der Frage einwilliK, spricht die Hoffnung aus, daß die beiden interessierten Staaten bis dahin keinerlei Akte begehen werden, die die Lage verschärfen könnten."
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Aus öen »erntunetn.
Genf, 3. September. (Eigene Drahtmelbnng.) Ter griechische Vertreter Poliiis hat zwei Reden gehalten, die sehr beachtet wurden, und deren sehr M mäßigtet Ton Italien gegenüber allgemein auffiel. Er gab zu, daß Italien berechttgt sei, Genugtuung zu verlangen, betonte aber nachdrücklich, daß es nach dem Völkerbundspakt nicht ohne Gnwilliguwg des Rates handeln dürfe, ohne sich Sanktionen auszusetzen. Griechenland fordere nicht, daß Artikel 16 des Pattes, der die Santtionen vorsteht, in Kraft trete, aber es rege an, ohne daraus eine Bedingung zu machen,
daß Italien die Insel Korfu räume
und den Status guo wiederherstelle. Griechenland werde sich auf jeden Fall dem Beschluß des Rates unterwerfen. Salandra ging davon aus, daß er keine Instruktionen erhalten habe; et fragte den Rat, ob er sich überhaupt für zuständig halte und wies darauf hin, daß die Angelegenheit die Botschafterkonferenz angehe. Cecil erklärte in ausführlichen Darlesungen die sich auf die einzelnen Artikel des Pattes stützten, daß über die Zuständigkeit des Rates kein Zweifel bestehen könne. Et berief sich auf das Beispiel des albanisch-jugosiavischen Konflikts, der dem Rat seinerzeit unterbreitet wurde, ohne daß Italic» die Zuständigkeitsftage erhoben hätte. Branting unterstützte Cecils Ausführungen und erftärte, daß alle kleinen Staaten feiner Ansicht wären. Die Frage wäre
eine Lebensfrage für den Völkerbund.
Poliiis trat nochmals für die Zuständigkeit des Rates ein und lehnte die Zuständigkeit der Boi- schastcrkonferenz ob. SaWndra erklärte, daß er feine Stellungnahme tu der Frage der Zuständigkeit sich vorbehaluit müsse. Hanoiaux, fowie die anderen Rlitsmifgiieder ergriften während der Debatte überhaupt nicht das Wort. Die Frage der Zuständigkeit ist somit ungelöst.
Bergrennen.
Wilhelmshöhe, Aut» und Motorrad.
Kassel, 2. September.
Sonntag früh 4 Uhr. Das Gehen vieler Menschen weckt ans dem Schlaf. Autos uno Motorräder ritschen durch die Straßen. Das Hupenkonzert führt aus der Nacht in die Morgendämmerung. Die Straßen sind naß. Es hat nachts lange geregnet. Im Habichtswald, der sich gespenstig über dem Westen erhebt, kochen die Füchse den Kaffee in Massen... Nebel verhüllt den alten Knvfergesellen über dem Riesenschloße.
Eine Viertelstunde vor 5 Uhr kommt bas Auto eines Bettenhäuser Fabrikherrn, der sich uns sonst recht stiefmütterlich behandelten Pressemenschen zur Derfüguno gestellt hat. An über füllten Frühwagen der Straßenbahn — sogar die Trittbretter sind besetzt — und Autos, Rädern und Fußgängern vorüber, die der Wil- helmshöher Allee ein nie gesehenes Gepräge geben, führt cs in wenigen Minuten zur Starr- stelle. Eben wird die letzte Hand an das Zelt und an die Fernsprechleitung über verschiedene Etappen zum Ziel gelegt. Hier harren schon viele Hunderte im bunten Gewühl. Das Anrufen nimmt kein Ende. Landjäger ordnen den Verkehr. Auch die Parkaufseher. Weiter o5eu tuns Soldaten der Kraftfahrabteilung. W-r fahren die Rennstrecke ab. Ein feiner naßer Hauch liegt über ihr. Dann und wann schüttelt der kalte Morgenwind Tropfen von den Baumen auf die namentlich« an den Kurven sich Drängenden. Zweihundert Meter vom beue- belten Herkules ist die Straße mit einem gelben Sandband bestreut. „Ziel". So steht auf gewebtem Schild von weitem sichtbar zu lesen.
Von jetzt ab sind wir zu Fuß. Um 6 Uhr ist die letzte Strecke noch nicht nebelfrei. Der Rennbeginn verzögert sich. So kommt die Natur nicht zu kurz. Entzückende Bilder gewährt die tief unten vereinsamte Stadt. Bald werken wir es ja, daß halb Kassel auf Wilhelmshöhe versammelt ist. Ein goldener Streifen überzieht den Himmel. Schon lächelt die Sonne ein wenig. Hoch oben über dem letzten Teil der Rennstrecke sitzt ein Pärchen, eng aneinandergeschmiegt...
Um !47 Uhr zieht der Herkules die Nebelkappe ab, gleich drauf kommt Leben in die Seme, aus der Tiefe des Parkes keucht ein Motorrad herauf, arbeitet sich von Kurve zu Kurve und führt durchs Ziel... Nr. 3 ist es. E. Ziegler aus Kassel auf Tegular. Langsam kommt vas Ren- nen in programmäßige Abwicklung.
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Die Motorräder, teils leichtere, teils schiverere, haben harte Arbeit. Mehr als eines gibt schon am Schloß, auch vor den Kaskaden auf. Das Publikum zeigt wenig Selbstdisziplin. Es kümmert sich zum großen Teil wenig um die Vo i- zeilich verkündete Absperrung der Straße. Kem Wunder, sagt jemand, der fich darüber ärgo-r, in Kassel ist ja sonst nichts los. Wo soll mau Verhalten bei Rennen gelernt haben...? Besonders begrüßt wird Gummi-Schäfer. Er schlenkert in der vorletzten scharfen Kurve turnerisch mit den Beinen. Tadellos zieht n durch. Aufmerksamkeit erregt neben dem Ehe- paar Dörrbecker auch Lehn, König und mancher andere Kasselaner. Ucberhaupt... Mut und Entschlossenheit feiern Triumphe!
Wir haben inzwischen hier und da eine Benzintank-Nebenstelle entdeckt. Auch ein Benzin für menschlichen Genuß, der aufwärmt und belebt, ist etwas wert. Im Kaskadcnrestaurant ist Kabarett-Betrieb. Schon .singt" jemand: .Auf der Reeperbahn../ Einer, der zuviel des Guten getan, schlägt sich das Gesicht auf. Doch es gibt kein Rasten. Um 8,56 Uhr kommt der erste Wagen. Es ist Freiherr Waitz von Eschen-Kassel auf Wanderer. Einem Göttinger folgt Frau Schnell. Jetzt wird's belebter und es tritt auch ein, was Erfahrene Jenem sagten, der sich über Diszipltn- mangel der Menge beklagte: Wenn erst die Wagen kommen, gehen sie schon von alleine weg! In den Kurven fliegen Steine und Erde. Kappler auf Benz, der zum zweitenmale Batschart- Sieger von Baden-Baden wurde, findet regste Beachtung, ebenso das tankähnliche Unge'üm eines Arnstädters, der neukonftruierte Stromlinienwagen Lev. Heymer auf Selve onenbart den erfahrenen Sportmann. Tadellose Wagen stellaen Gebrüder Fingerhut.
Interessant ist die verschiedenste Art des Benehmens in den Kurven zu beobachten, wie der Begleiter sich oft weit aus dem Wegen legt, tote Kunststücke abenteuerlicher Art vollbracht oder aber erstaunliche Ruhe und Selbstverständlichkeit gezeigt wird. Tas Letztere gilt besonders von den...Damen! Die mit Spannung erwartet» Frau Ludwig aus Oberursel stellt auf hac-e Probe. Sie erscheint erst nach einer »einen Kunstpause. Dann aber... in stolzer Ruhe fliegt sie. herzlich begrüßt vorüber, «rau Direktor Pelz in ihrem entzückenden Mercedes wird sogar mit Hurra begrüßt.
Ein paar Aufschreie gibt es, als an einem Frankfurter Adler wagen ein Hinterrad sich lo>t,