Hessische Abendzeitung
Anzeizenpre.se: Grundpreis für die Seile 10 Pfennige, für Reklamen 50 Pfennige mal Anzeigenschlüfselzahl iüc Mi Neid rutsch land zur Zeit 332 000) auf Familiena n zeigen und Kleine Anzeigen 2t% Nachlaß. Zahlbar innerhalb fünf Tagen vom Rechnungsdatum an, alles ein» schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem hunderkProzertt Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegedenen An« zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann nicht garantiert werden. Postscheck Frankfurt a M 6380. Druckerei: Schlachthosstr.28/30.Geschäftsstelle: Kölnischeste 5. Telephon 951 und 952.
Baffeier Seueften Nachrichten erscheine, wöchentlich 'ech-mal und zwar nachm ttaaS Der beträgt für die zweite Hüllte August 400 000 'Mart fcei ircier äuuellung inä Haus, in der ®etodftäft=bc adgeholt 398000 Mark. Bestellungen werden jeberiei: entaeaem Genommen B-rlag und R-dastion: «istachtbolstraß- 28/30. Fernsprecher Nummer 951 “ttb 9a2- Sut unverlangt eingesandte Beiträge kann die Nedaktian ein- , eram.
"b" .®eroa6r to telnem Ratte übernehmen. Rückzahlung des BezugdgeideS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.
Nummer IW. Donnerstag. 33. August 1923. ««m 5««°> 13. Jahrgang
KaM Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Berahmgen zur Abhilfe her Bot
Dvlkrrdundssragen.
neu könnten. Weiter verlautet, daß in der französischen Antwort die rheinischen Eisenbahnen, gegebenenfalls auch dir gesamten R e i ch s e i s e n b a h n e n, als ausreichende Garantie bezeichnet werden. (!) In Paris wird ausdrücklich erklärt, daß die französische Note nicht das letzte Wort an Deutschland darstelle.
Sä61'<^r^ert; ®«Iinßt1»crbe, die zur Garantierung von Anleihen die- das nicht und schneiden uns die alliierten Glau-—" "—-1— - • ■ • - -
Inger die politische Möglichkeit hierzu ab, dann ist — das muß einmal rund heraus gesagt werden — das schwarze Eiche unvermeidlich. Dr. =k.
DieBiMonensphäre.
Immer neues Papiergeld.
Nach der Erklärung, die der Reichsbankpräsi- dent in der letzten Reichsratssitzung abgegeben hat, wird die Reichsbank, die heute schon täglich zwanzig Billionen neues Geld herausgibt in der nächsten Woche täglich etwa fünfzig Billionen an neuen Banknoten produzie- t-en. Davon entfallen etwa zwanzig Billionen auf große Scheine, also etwa Zehn-, Zwanzig- und Fünfzig-Millionen-Mark-Scheine. Diese ungeheuerliche Notenvermohrung ist eine überaus bedauerliche, jedoch bei der heutigen Situation noch unvermeidliche Begleiterscheinung der fort» schreitenden Geldentwertung. Wenn aber die neuen Steuern, die in diesem Monat etwa hundertundfünfzig Billionen Mark einbringen sollen, also knapp den Rotenbedarf von nur drei Tagen decken, nicht auch noch zu einer verderbenbringenden Quelle der Inflation werden sollen, dann ist unbedingt zu verlangen, daß dte Reichsbank in ihrer Paviermark-Kredit-Poli- tik andere Wege geht. Aus dem letzen Reichsbankausweis ergibt sich wiederum eine außer- crdentliche Steigerung dieser Papiermark-Kredite, und zwar von achtzehn auf nahezu sechsundzwanzig Billionen Mark. Das sind unhalt- bere Zustände, die mit größter Beschleunigung geändert werden müssen. Die Kreditpolitik der Reichsbank muß auf eine neue Grundlage gestellt werden. Papiermark-Kredtte sind überhaupt gefährlich, denn mit solchen Krediten werden oft Spekulationen in Devisen betrieben, die der Gesamtheit der Wirtschaft schweren Schaden brachten, während die Spekulanten selber der Reichsbank die inzwischen entwerteten Paprerkre- dite in schlechtem Gelbe zurückzahlten. Tas sind unerträgliche Zustände, die immer noch nicht behoben sind.
Auch die neuen Steuern wirken, so dringend notwendig es auch war, Geld in die unheimlich leeren Staatskassen zu schaffen, natürlich letzten Endes preissteigernd und inflationistisch. Es kommt hinzu, daß durch alle diese Steuern in erster Reihe die ehrlichen Steuerzahler erfaßt werden, währen- diejenigen, die sich auf den Rummel verstehen, immer ein Hirtter- türchen finden werden. Por allem wirken einzelne dieser Steuern, wie beispielsweise die Lohnsteuer, weil sie die finanztechnisch roheste Form darstellt, unmittelbar produktionsver- tenernd. Es mag zugegeben werden, daß es schwer, wenn nicht unmöglich war, in der Eile ein besseres Steuersystem zu schaffen, aber der Konsument merkt von alledem nur das eine,' daß bie Preisflut steia 1 und steigt. Sind doch die Preise heute schon vielfach über d i e Goldpa r i t ä t hinausgegangen, so die Koblen- preise, die sich mit der neuesten Erhöhung vom 20. August ab nicht unerheblich über den Weltmarktpreis stellen. Mit der Kohle, dem wichtigsten Produkttonsmittel, beginnt die Verteuerung; hier setzt die Schraube ein, die sich ohne Ende fortsetzt.
Beispielsiveise in Gestalt der Tarifschraube. Während die Regierung auf der einen Sette versichert, daß sie den Absturz der Mark und das entsprechende unheimliche Hochschnellen der Preise ejnzudämmen versuchen wolle, stellte sie sich auf der anderen Seite durch die Erhöhung der Eisenbahn- und Posttarise an die Spitze des Preisgalopps. Während die Ernährungsminister darüber beraten, wie der katastrophalen Teuerung begegnet werden könne, wird durch die zwanzigfache Erhöhung der Frachtspesen die Ware automatisch verteuert, was sich besonders bei den wichtigsten Lebensmitteln, bei denen der Frachtanteil, wie bei Kartoffeln und Getteide, eine sehr große Rolle spielt, besonders stark auswirkt. Es ist deshalb erfreulich, daß der Hauptausschuß des Reichstags auf die verheerende Wirkung der Tariferhöhung hingewiesen und beschlossen hat, eine allgemeine Finanzaussprache über diese Fragen vcrzunehmen.
Die Schraube ohne Ende! Das zeigt sich auch in der Einwirkung der Preissteigerung auf die Löhne und der Lohnerhöhungen auf die Preise. Der Ruf nach wertbeständigen Löhnen oder Goldlöhnen und -Gehältern ertönt jetzt auf der ganzen Linie, und das ist begreiflich; denn die Kaufkraft der Konsumenten hat fast durchweg versagt, was auch der Handelsstand zu fühlen beginnt. So sind denn Löhne und Gehälter jetzt in schnellerem Tempo dem Index nachgeschritten; aber auf der anderen Seite bedroht die gewalttge Erhöhung der Unkosten durch Ver- tcHerung der Rohstoffe, Stenerbelastung und Ge- balts- und Lohnerhöhungen den Bestand zahlreicher Betriebe, wovon im besonderen Maße auch das Zeitungsgewerbe betroffen ist. Gleiten wir bereits haltlos auf der schiefen Ebene ab- wäris? Jedenfalls muß das Kabinett Strese- mann den Versuch machen, durch eine völlige Umgestaltung der unhaltbar gewordenen Kredit- und Devisenwirtschaft die Steuergesetzgebung zu ergänzen und mit Hilfe einer gründlichen Finanz- und Wirtschastsreform wenigstens die An-
Deutschland« Notlage.
Relchshttfe für zahlungsunfähige Gemeinden. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 22. August.
Die Geschäftsstelle des deutschen Städtetages war gestern beim Reichssinanzminister und er- suchte um schleunigstes Eingreifen des Reiches, andernfalls die Gemeinden gezwungen wä- ren, ihre Zahlungen einzustellen. Kerne deutsche Stadt habe die erforderlichen Geldmittel für die am 1. September fälligen Gehaltszahlungen. Reichsfinanzminister Dr. Hil- ferding erklärte, die Rot der Städte verlange eine rasche Reichshilfe. Eine durchgrei- sende Mion aus dem Wege über die Länder solle mit größter Beschleunigung durchgesübrt werden, sodaß die Gemeinden noch in dieser Woche in den Besitz der nötigen Mittet kommen.
«GutzkoniroNe des Mittelstände«!.
Berlin, 22. August. (Prbvattelegramm.) Zahlreiche Verbände der geistigen Berufe und verwandter Vereinigungen haben sich zu einem schutzkartell der n a tl e i d e n d e n K u l t ursch i ch t e n Deutschlands zusammengeschtoffen. Das Schutzkarte» will der drohenden Berelen düng des gebildeten deutschen Mittelstandes ent. gegenwirken, den Wert, die Rot und das Lebensrecht dieser Volks schichten vor dem In- und AuÄande eindringlichst nachweisen. Zum Vorsitzenden wurde Reichstagsabgeordneter Dr. Evett ing gewählt. Der Ausschuß des Sfutzlar- tells wird heute vom Reichskanzler empfangen.
•
Berliner Lohnforderungen.
Berlin, 22. August. (Privattelegramm.) In der Berliner Jndusttie ist gestern die Forderun,, nach einem Stundenlohn von drei Viertel Millionen Mark geltend gemacht werden. D»e> Annahme deS Antrages in der Gesamtsitzung der Großberliner Betriebsräte crsoll'tt gegen die Stimmen der zur sozialdemolratischrn Partei zählenden Gerverkschaftsfunktionäre.
Die BemMngeu im Kuvmett.
Um die außcnpolitischs Lage. lPrivar-Telegramm)
Berlin, 22. August.
Die gestrige Sitzung des Reichskabinetts war die dritte seit Sonnabend. Gegenstand der Beratungen war nach einer Information aus sozialdemokratischen Parteikreisen wieder die auswärtige Lage. Die schnelle Aufeinanderfolge der Kabinettsbcratungen verstärkt in politischen Kreisen die Erwartung auf einen bevorstehenden wichtigenSchrittdes neuen Kanzlers in der Ruhr- und Reparationsfrage, und damit auch in den auswärtigen Beziehungen des Reiches. — Aus London wird gemeldet: Tie Bedeutung der Stresemannschen Ausführungen zur Frage der „S a ch w e r t - E r f a s s u n g" in Deutschland wird in London nicht unterschätzt. Tut Deufichland einen solchen Schritt, der weder die deutschen Währungsschwierigkeiten beseitigt, noch die deutsche Zahlungsfähigkeit erhöht, dann gleitet Deutschland auch in der Tat in die Gefolgschaft Sowjetrußlands und h ö r t a u f. wieder k r e d i t f ä h i g werden zu können. Tie Buf- »ahmc einer internationalen Anleihe für die deutschen Reparationszahlungen und für die Stabilisierung der deutschen Währung bleibt dann fiir immer ein Phantom. Die Morning- post bespricht die ...Sachunkenntnis der'deutschen Reichsminitzer", von denen einer der wichtigsten bei Kriegsende „Klavierstimmer" gewesen sei.
Der Streit um bas Opfer.
Frankreichs Antwort an England.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 22. August.
Die gestern dem britischen Botschafter über, reichte französische Note wird nach Weisungen Poincarüs heute zwischen neun und zehn Uhr in Paris veröffentlicht werden. Der genaue In- halt der Rote war bisher nicht zu erlangen. Es verlautet jedoch, daß der Inhalt, soweit die G a - rantien und Zahlungsarten in Frage kommen, lediglich Anregungen Frankreichs darstelle. Frankreich sei zur Aussprache über einen ernsten Vorschlag von anderer Seite bereit, obalp England sich bereit zeige, die französischen Vorschläge für Verhandlungen mit Deutschland anzunehmen. Diese Vorschläge gehen dahin, dotz zunächst von Deutschland die Einstellung des passiven Wider st andes und die Hergabe produktiver Vkänder gefordert
London, 22. August. (Eigene Drahimcl- dung.) Die britische Liga für den Völkerbund richtete ein Sckweiben an Baldwin, in dem die Regierung aufgefordett wird, die Vertreter Deutschlands einzuladen zur Besprechung über eine Lösung der Reparations- und Schuldenfrage. Ferner wird von der Regierung erwartet, daß fic nichts unterlassen werde, um mit den verbündeten Mächten den baldigen Abschluß eines Abrüstungsvertrages durchzuführeu.
e
Belgien hctt notfl Bedenken.
London, 22. August. (Eigener Drahtbericht.) Die „Times" melden: Der belgische Botschafter hat Lord Curzon am Montag mitgeteilt, daß seine Regierung sachlich Bedenken habe, die englische Note zustttnmend zu erwidern. Er stellte das Ersuchen um ergänzende Aufflürungen.
Währungs-Maßnahmen.
Die Erfassung der Devisenbestände. sPrivat-Tekegramm.)
Berlin, 22. August.
Der „Vorwärts" erörtert die Möglichkeiten, daß durch die Notverordnungen eine eidesstattliche Vers ich erung über die Höhe der Devisenbestände verlangt werden kann und tritt dafür ein, daß gegen den, der falsche Angabe» macht, bi* Beschlagnahme des gesamten Vermögens ausgesprochen werden kann. Der sozialdemokratische Parlamentsdienft teilt ferner mit, eine vor der BerösseMichung stehende Verordnung habe den Zweck, dem mangelnden Pflichtbewußt sein deutfcher Devisenbesitzer ge geuüber dem Staate mit gesetzlichen Mitteln nachzuhelfen. Diese Notwendigleit sei von ollen Kabinettsmitgliedern anerkannt worden. Es bestehe einheitliche Auffassung darüber, daß dem ersten Schritt zu diktatorischen Maßnahmen gegebenenfalls weitere folgen müßten. Tie Regierung will nunmehr auch die letzten Möglichleiten ausnutzen, um endlich einmal einigermaßen stabile Währungsverhältnisse zu schaffen. (Um diese Absicht zu erreichen, ist allerdings mehr erforderlich, als eine Reihe von De- visen-Berordnungen. Die Redaktion.)
Dor örm enößflliigen Beschluß,
Berlin, 22. August. (Privattelegramm.) Die für heute früh erwarteten Veröffentlichungen der neuen «ottterorbnungcn des Reichekabi- netts sind nicht erfolgt. Wie es heißt, sollen heute zunächst noch Besprechungen des Kanz- l e r s mit der I n d u st r i e stattfinden über Aufbringung eines Devisenfonds. Die neuen Verordnungen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen des Kabinetts sind in der gestrigen Sitzung im Grundriß entworfen, aber noch nicht endgültig festgelegt worden. Der endgültige Beschluß wird von dem Ergebnis der heutigen Besprechungen der Reichsregierung mit den führenden Kreisen der Industrie abhängen. Es besteht aber Grund zu der Annahme, daß die Berüfsrnt- lichrmg der Notverordnungen noch im Lauft des heutigen Abends erfolgen kann.
Aus dem besetzten Gebiet.
Neue Auflösungen und Verbote.
lPrivab-Lelegramm.)
Düsseldorf, 22. August.
Wie der Regierungspräsident mitteilt, hat die Jntcrallierte Rheinlandkornmifston die Auflösung und das Verbot folgender V e r. eine im besetzten Gebiet beschlossen, weil sie als eine „Gefahr für die Besatzunastruppen" betrachtet werden: Verband national gesinnter Soldaten, Bund der Aufrechten, Deutschvölkischer Schutz- und Trntzbund, Bund deutscher Orden, Stahlhelm, Deutsche Freiheitspartei (Organisation C), Alldeuffcher Verband, Freikorps Oberland, Bund der Getreuen, Rationaler Verband deutscher Offiziere, Deutschimtionaler Jugend- bund, Organisatton Escherich, Organisation Roßbach, Verein ehemaliger Balttkumer, Bayerischer Wchrkraftverein, Nationalsozialistische Partei, Völkischer .Heimatbund. — Tm Gebiet der Bürgermeistereien Stromberg und Windes- Heim in der Nähe von Biebrich ist jeder Verkehr zu Fuß oder zu Wagen von 9 Uhr abends bis 5 Uhr morgens verboten. Ebenso ist der Verkehr von Frachtwagen, Motor- und Fahrrädern bei Tag und Nacht verboten.
Briefe aus Italien.
Wo der Deutsche beliebt ift.
Ein beuttoec Geschäftsmann, der jetzt In Italien reist, schreib», baff ihm in bcr ircmden Umgebung erst t ar wirb, wie seh. Deutfchianü entwertet ist.
Haben wir heute noch eine rechte Vorstellung von der glanzvollen Macht unseres Vaterlandes vor dem Kriege, von der Ordnung und Sicherheit, von dem geruhigen Leben, das jeder hier führte, Im Ausland, so in Italien, dem Lande „der Nichtstuer", erwacht man wie aus einem Traum. Hier finvet man alles wieder, alles, was Hin ft auch w i r hatten. Welch ein Leben und Treiben zum Beispiel in Mailand, welch ein Verkehr, welch ein Gewerbefleiß! Wagen an Wagen, Automobil auf Automobil, ein Hasten und Jagen, ein Geklingel, Zurufen, Hupen, daß einem als verkehrsentwöhnten Großstädter die Sinne verschlagen. Und überall mustergültige Ordnung. Der Italiener muß der geborene Kutscher fein. Acht, zehn, zwölf und mehr Automobile und Equipagen hintereinander in rasendem, »ch überholendem Lauf, dazwischen in un- untcrbrochener Folge Radfahrer, Lastwagen, Straßenbahnen, zuweilen mit angehängtem Sprengwagen, flinke leichtgebaute Sprengautomobile, sich ftaucrtbe Menschennmssen — und beim geringsten Hindernis steht die ganze Kette des Verkehrs wie durch Zauberhand.
Prunkende Schaufenster
in langer Flucht, Kostbarkeiten aus aller Herren Lander. Kun ft laden an Kunstladen, Da- mentoilettcn! Die Preffe sind fast durchweg an den Gegenständen angebracht. Herren-An- z ü g e kosten 95—350, bessereJflmnenKeide- 250 500, 10CO und mehr. Schuh f itttb Hüte 75 bis M> Lire ustv. Die Preise sind hoch nach unserem Geldstande, aber die Kaufkraft ist da. Ein Arbeiter erhält wöchentlich durchschnittlich 250 &tre, ein Angestellter monatlich 1500, ein Geschäftsführer oder Prokurist 2500—4000 Lire. Bezeichnend für den Geschäftsgeist der Italiener sind dte vielen „Ausverkäufe". Großer Um- ;atz bei kleinem Nutzen! Allerorts sieht man Schiwer: „Vom 15.—20. des Monats Ausverkauf mit 20 bis 30 Prozent Rabatt!", ,Kata- strophale Preife" fchreibt ein anderer quer über setn Schaufenster. „Acht Tage lang alle Waren fiir die Hälfte!" Und jeder kommt auf feine Kosten: die Käufer drängen sich. Wer mit Italien Gefchafie machen will, muß genau kalkulieren und
feste Preife in Lire
abgeben. Dann wird er auch sichere und lohnende Gewinne erzielen und prompte Zahler sin- den. Unsere Auslandspreise sind „dank" der Außcnhandelsstellcn meist zu hoch. — Mit der Geschäftszeit wird es in Italien nicht so genau genommen. Wer länger offen halten will halt eben länger offen. Wer auch Sonntags ver- kcufen mochte, öffnet nach Belieben vormittags semen Laden. Die Angestellten sind durchaus nicht gezwungen, atißer der Zeit mitzutun. Wer Neberstunden machen will, wird besonders dafür bezahlt. Ist das nicht Freiheit? — Und nun die blendende Lichtfülle, in der bei eintre- tcnder Dunkelheit jede Stadt erstrahlt. Das ist das, was mich am eindrucksvollsten an unsere „gute alte Zeit" erinnert und mich anfangs fast wehmütig stimmte. Je!" Sttaße, jede Galerie, jedes öffentliche Loktt ist geradezu
mit Licht überschüttet.
Kein Lämpchen, das aus Sparsamkeitsrücksichten ansgeschaltet oder abaedreht wäre. Wie sehr wir doch alle am Licht hängen, wie froh und heiter es macht! Wir merken es nur nicht mehr, seit wir im Dunkeln wandeln. Licht ist Leben. Wann kehrt bei uns Leben und Licht zurück? — Da ich beim Licht bin, muß ich der italienischen Damen gedenken, der wirklichen Damen, nicht derer, die auch gern Dame spielen möchten. Worin beruht ihr Reiz? Luxus und vornehme Kleidung gibt es auch bei uns, auch heute noch, trotz aller Polksarmut. Aber die Eleganz der Kleidung macht es nicht aus. Was bestrickt, ist die unvergleichliche Anmut der Haltung, der leichte natürliche Gang der italienischen Dame, die Grazie. Warum wird an unseren Mädchen, ckmlcn nicht von Anfang an mehr Wert auf Körperhaltung gelegt? Es könnten ruhig all- vöchenttich ein paar andere Stunden da-ür aus- allen Körperhaltung verleiht dem Menschen und besonders dem Weibe einen Adel, der durch keinerlei unnötigen Wiflenskram wettgemacht werden kann. — Wie in Mailand, so ist es in anderen großen und kleinen Städten Oberita- licns, in Turin, Genua, Florenz, Bologna, Pc- i'cdig usw. Ueberall unermüdlicher Fleiß, Leben, Licht, Aufschwung. Ms Straßentypen fallen neben den altbekannten Gendarmen (Ca- rabineri) heute in Stadt und Land
die Faschisten
aus (fascisti, sprich: faschisti; vom lateinischen fascis gleich Bund, also: Bündler, Genossenschaft, ter). Sie tragen schwarzes Hemd ohne Jacke (da. her „Schwarzhemden"), kurze feldgraue Hose, graugrünen Dreimaster, Gürtel mit Revolver. Schon auf den Grenzstationen begegnet man