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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 194. Einzelnummer 40000Mk. (Sonntags 50000) MrLLWoch, 22. August 1923. Einzelnummer 40000 Mk. (Sonntags 50000) 13. Jahrgang.

Stellungnahme im Neichskabinett.

Neue Enttäuschung

Poinearü will nicht verhandel«.

Es war für das Kabinett Stresemann die erste <5nttäul|dmttg, daß Poincars in seiner Sonntagsrede in Charleville sich als der unver- söhnliche Fanattker erwies, der mit zäher Ver­bissenheit an seinen alten Forderungen festhält und von Verhandlungen mit Deutschland nichts wissen will. Die Andeutungen Stre- semanns, daß er versuchen wolle, über die Rc- ß-arations- und Ruhrfrage mit Frankreich zu einer Verständigung zu kommen, hat Poincars völlig übergangen, als ob ihm davon nichts be­kannt sei. Dagegen betonte er, eine Verständi­gung könne nur erreicht werden, wenn Deutsch­land den Versailler Zwangsvertrag r e st- los durch führe und alleVerpflichtungen" erfülle. Zur Bekräfttgung dieses Standpunktes erging er sich wieder in einer ekelhaften Hetze gegen Deutschland, die jede Sipur von Wahrheit und Anstand vermissen läßt, aber die ganze Ge­meinheit und niedere Gesinnung dieses Frev­lers, wie man sie bisher schon an ihm gewöhnt war, von Neuem bekundete. Für die weniger opttmistischen Deutschen war denn auch der Be­richt aus Charleville keine Ueberraschung, denn man konnte nicht annehmen, daß Poincars seine Methode, zu «seinem Ziel zu gelangen, mildern werde. Aber immerhin durste man erwarte!!, daß er sich wenigstens bereit gezeigt hätte, Vor­schläge der neuen deutschen Regierung anzu­hören. Die durchaus ablehnende Haltung, die er schon vorbeugend zu erkennen gibt, ist für Stresemanns Absichten ein großes Hindernis. Ein direttes Verhandeln mit Frankreich dürfte ">mnach wohl ausgeschlossen fein, und die dar­auf hinrielenden Ratschläge Englands und Ita­liens sind damit schon hinfällig.

Darüber können auch die englisch - französi- schen Meinungsverschiedenheiten nicht hinweg­täuschen, die eine Nachgiebigkeit Poineares ver­anlaßt haben sollen. Nachdem England das Gutcnhten seiner Kronjuristen veröffentlicht hat, worin die Ruhrbesetzung offen als ein franzö­sisch-belgischer Rechtsbruch bezeichnet wird, sol- sen, wie die Pariser Presse in den letzten Tagen behauptete, Bestrebungen im Gange fein, eine Verständigung Frankreichs mit England herbeizuführen. Merkwürdigerweise schrieb auch die Londoner Presse von einer nahen Verstän­digung, wobei PoincarS sich! dem englischen Standpunkt nähern 'werde. Nach alter Erfah­rung ist solchen Schalmeientönen nicht zu trauen. Vielmehr haben wir auch jetzt noch damit zu rechnen, daß hinter der Sereittoißigfeit einer Versöhnung mit England eine unlautere Absicht steckt. Jedenfalls lauteten die Bos­heiten, die Poincars in feiner Rede am Sonn­tag gegen England richtete, durchaus nicht klein­mütig und nachgiebig. Wenn er wirklich mit England in Einklang zu kommen bestrebt ist. so geschieht es zunächst um daS Bündnis zu retten und Baldwin von einem gesonderten Schritt gegenüber Deutschland abzuhalten. Denn bei Allem ist doch Deutschland das große Problem, um das sich die französische und englische Außen­politik in der Hauptsache dreht.'

Wenn wir Frankreichs Polittk richtig be­urteilen wollen, brauchen wir nur an Poi n - rares Ziel zu denken, das die Londoner Times" noch kürzlich wie folgt kennzeichnete: .Frankreich will im Vertrauen auf seine Macyt die Gewaltpolitik an der Ruhr weiter fortsetzen, selbst wenn dadurch der Rum imd Zusammenbruch Deutschlands beschleunigt wird. Wahrscheinlich haben Deutschlands in­nere Schwierigkeiten es in diesem Beschluß be­stärkt und es will lieber ein geschwächtes und zerstückeltes, durch Bürgerkriege entnervtes und wirtschaftlich gelähmtes Deutschland neben sich haben, als ein geeintes Deutschland, das wirt- »chaftlich in der Lage wäre, viele Jahre hindurch Reparationen zu zahlen. Niemand kann Vor­aussagen, wiediedeutsche Krise enden wird und was vom deutschen Reiche übrig bleiben wird, nachdem es durch innere Wir­ren, Demoralisierung, Chaos und den langen Kampf, seinen nationalen Bedürfnissen Geltung zu verschaffen, hindurchgegangen sein wird." Diese Darlegung derSimeS" dürste leider das Richtige treffen. Nun darf man also nicht glau­ben, daß die Regierung, wenn sie

ein solches Ziel versorgt, leichten Herzens da­von ablassen wird, weil England nicht mehr mitmachen Will. England hat sich ja selbst auch ins Unrecht dadurch gesetzt, daß es die Gewalt­politik vorher unterstützt und noch in letzter Zeit geduldet hat. England hat in der gemeinsamen Ünterdrückuna und Ausplünderung Deutsch­lands so unehrenhaft und hinterhältig gehan­delt, daß es sich dem Raubgenossen gegenüber nicht gut als Vertteter des Rechts aufspielen kann. Deshalb konnte sich Poincars auch die hämische Bemerkung erlauben, daß England nur Vorteile aus der Ruhrbef etzung habe, da sich die Güterausfuhr nach Deutschland gesteigert habe. o .

Wie der Streit zwischen Pans und London auch ausgehen möge, für uns bestehen die Tat-

achen, daß Frankreich von feinen ReParationS- und Ruchrforderungen nichts nachlassen wird, England aber die französische Vorherrschaft in Europa nicht länger zu dulden beabsichtigt. Diese Sachlage weist darauf bin, daß wir in die von England gehauene Kerbe ein- ch l a 3 e n müssen, wobei wir uns sehr aus- liebifl auf das genannte amtliche Gutach­ten stützen können, denn es ist vor aller Welt veröffentlicht und läßt sich nicht mehr fort­wischen. Für Stresemanns Außenpo­litik ist also ein Weg gewiesen, der vorwärts zu kommen verspricht, wenn er mit Energie und Zähigkeit beschritten wird. Ob wir nun einen frireften Versuch bei Frankreich machen/ trotz PoincarSs Abweisung, oder ob wir unS der Vernrittlung Englands bedienen, ist kein we­sentlicher Unterschied. Jetzt ist nicht mehr Zeit zu diplomatischen Tüfteleien, sondern schnelle Tatkraft tut not. Wo der Feind sich eine Blöße gibt, da muß Hinschauen werden! K. F. D.

GZtzimg des NeichswbMetts.

Stellungnahme zur Rede PoincarSs.

lEigene Drahtmeldung.l

Berlin, 21. August.

Das Reichskabinett hat sich in seiner gestrigen Sitzung mit PoincarSs Sonntagsrede in Charle­ville nur gesprächsweise befaßt. Gegen die Absicht des Kanzlers, Poincars zu erwidern, zeigten sich starke Widerstände im Kabinett, da man die völlige Nichtbeachtung der ersten Kanzlerrede Dr. Stresemanns und das absicht­liche Richteingchen auf die vom Kanzler berühr­ten wichtigen Fragen der Ruhrbesetzung und der Reparationen drtrch Poincars als Beiseite- fchiebung Deutschlands auffassen wollte. Dennoch gekdug es dem Kanzler, die Wider- stände zu beseitigen, um durch Foriset- zuna der politischen Erörterungen über die deutsch-französischen Streitfragen den Boden für eventuelle weitere Schritte Deutschlands vorzubereiten. Der Reichskanzler hat schon als Parteiführer auf dem Standpuntt gestanden, daß die Regierung auf jede außenpolitische Kund­gebung sofort reagieren müsse. Er wird aber erst auf Poineares Rede antworten, wenn der Inhalt der französischen Note in England be­kannt ist. Wie wir hören, hat der Reichs­kanzler Dr. Stresemann gestern noch das diplomatische Korps empfangen.

Sa*

Wirtschafts-Maßnahmen.

Berlin, 21. August. (Privattelegramm.) Der gestrigen Sitzung des Reichskabinetts am Vormittag folgte nachmittags eine weitere, in der Reichspräsident Ebert den Vorsitz führte. In der Sitzung wurden, wie verlautet, grund­legende Beschlüsse über W i r t s ch a f t s m- nah m e n gefaßt, die nach Fühlungnahme mit den Parteiführern im Wege der Notverordnung zur Durchführung gelangen sollen. Wie wir ferner erfahren, hat sich das Neichskabinett für die Einführung wertbeständiger Zah­lungsmittel ab 1. Oktober ausgesprochen.

Minister Sollmann ist oViimistis«v.

Berlin, 21. August. (Privattelegramm.) Der Berliner Bertreter der schweizerischen De- peschen-Agentur hatte eine Unterredung mit dem Reichsminister des Innern Sollmann, der unter anderem sagte, er habe große Zuver­ficht darauf, daß eine Besserung der Ber- hältnisse in Deutschland eintrete.

Die Haltung der Alliierten.

Der französisch-britische Notenaustausch.

(Eigene Srabtmeltung.)

London. 21. August-

Den gestrigen Abendblättern zufolge wird die französische Antwort auf die englische Note durch besonderen Kurier nach London ge­bracht. Baldwin kehrt heute nach London zurück und wird morgen eine Kabinettssitzung abhalten. Tie französische Antwort wird am Mittwoch vor­mittag uerbffenttidtt werden. Den französischen amtlichen Stellen wurde von Poincars streng- stes Schweigen über den Inhalt der französischen Antwott zur Pflicht gemacht. Ten Basler Nachrichten zufolge ist die Haltung der b e 1 g i scheu Regierung zögernd. In unternch- teten Brüsseler Kreisen behauptet man, daß tief­gehende Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und Brüssel bestehen. Man frage sich jetzt in Brüssel, ob es nicht das beste sein würde, in Zukunft ganz zu fchweigen und die Annäherung Deutschlands abzuwatteu.

Frankreichs Dsflndergier.

P a r i s, 21. August. (Eigene Drahtmekdung.) TasJournal des Tebats" schreibt zu der deut­schen Absicht, die Sachwerte in Deutschland für den Staatsl-aushalt zu erfassen, daß Frank- reich durch Anspruch auf bie Sachwerte in Deutschland ein stures Pfand sich schaffen muffe, das ihm die Reparationen verbür­

gen würde. DaSJournal" lentt die Aufmerk­samkeit der Reparationskommifsion auf die Ab­sicht der bcutfdfcn Regierung und legt ihr nahe, die Priorität auf die in Deutschland vorhandenen Sachwette rechtzeitig geltend zu machen.

Die Anruhen flauen ab. Neue Verhaftungen in Mitteldeutschland.

(Pttdat-Tclearamm.)

Berlin, 21. August.

Seit Sonnabend liegen neue Meldungen von Teuerungsrevolteu aus dem Reiche nicht mehr vor. Die Bewegung ist sichtlich im letzten Ab­flauen. Auch im mitteldeutschen Indu­strie- und Kohlengebiet ist wieder Ruhe eiu- getreten, nachdem in Senftenberg und anderen Hauptorten des Braunkohlengebietes die Polizei endlich zur Berh aftung der Hauptagitatoren der letzten Plünderungen geschritten ist. In B c r. Hu haben die städtische» Arbeiter am Montag früh Forderungen nach'einem Stundenlohn von 550000 Mark überreicht; die Straßenbahner fordern 200 Prozent Erhöhung zum 28. August, obwohl selbst der sozialistische städtische Berkehrs- direklor für die Stillegung des Berliner Straßenbahnbetriebes wegen Unrentabilität der Bahn im Magistrat eingetreten ift

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Vafsiver Widerstand in Fabriken.

Berlin, 21. August. (Privattelegramm.) Montag früh hat in einer Anzahl Berliner Fabriken der von den Betriebsräten beschlos­sene passive Widerstand der Arbeiter be­gonnen. In vielen Großbetrieben ist dieser Wi­derstand allgemein. Die Gewerkschaften haben vermittelnde Schritte eingeleitet, um Aussperrungsbeschlüsse der Industriellen zu ver­hindern. In den Reichs- und Staatsbetrieben und in der Metallindustrie wird voll gearbeitet.

Die Wirtschaftskrise.

Mangel an Geld und die Lohnzahlungen. (Pttvat-Telesranuu.)

Dresden, 21. August.

Im sächsischen Arbeitsministetturn haben ge­stern die sächsischen Industriellen nachdrückttch Klage darüber erhoben, daß eine große Anzahl von Firmen nichtmehrinder Sage fei, die Löhne und Gehälter auszuzahlen, weil die Notlage bet sächsischen Industrie über alle Maßen sei. Ter Preis für Jnlandskohlen fei viel höher als der Auslandspreis. Die Aus­fuhrmöglichkeit der sächsischen Jndusttie habe auf- gchört und die Auswirkung auf die Arbeiterschaft r ach drei bis vier Monaten würde verheerend sein. Das sächsische Arbeitsministerium hat sich daraufhin sofott mit dem ReichSwirtschastsmini- sterum in Verbindung gesetzt, um eine B e - Hebung der finanziellen Rotlage der sächsischen Industrie dmch eine baldige weit­gehende Kreditgewährung von feiten der Neichsbank herbeizuführen.

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Mahnung an die sächsischen Arbeiter.

Dresden, 21. August. (PrivattelegramM.) In einer Kundgebung der sächsischen Staats» kanzlei heißt eS: Durch die rasenden Preisstrige- tungen in den letzten Tagen haben sich auf den Gebiete der Lohnpolitik Dinge ereignet, die a u die Dauer unhaltbar werden müssen. ES mutz dies der fächstfchen Arbeiterschaft klar ge- macht werden, daß folche Willkür! chen, ans dem Rahmen herauSgettetenen Lohner­höhungen und Beihilfen nicht nur die fächstfche Industrie fchädigen, fondern auch die Arbeitnehmerschaft. Die sächsische Arbeitneh­merschaft wird und muß einsehen, daß eine un­geregelte Lohnpolitik, die ganz aus dem Rahmen der Lichnverhältniffe der übrigen Bezirke Deuflch- lands fällt, letzten Endes zu einem Erliegen der sächsischen Industrie führen mutz.

3m besetzten Gebiet.

Weitere Verschärfung desfeindlichen Druckes (Eigener Drahibettchttl

Düsseldorf, 21. August.

Eine neue Verfügung beS Gchrerals Tegoutte schreibt vor, daß die bisher in Papiermark fest- gesetzten Geldstrafen nunmehr in Gold- mark erfolgen follcn. Die Umwandlung in Goldmart wird auf der Grundlage 100 Goldmark für eine Million Papiermatt bewerkstelligt. Aus- qefprochen wird die Geldstrafe in Goldmark. Die Zahlung der Geldstrafen kann in Papiermark oder in französifchen oder belgischen Franken er­folgen. Die Verstigung trat am 20. August in Kraft. Aus Kreisen der Besatzung wird be­kannt, daß die französische Behörde angeordntt habe, am kommenden Freitag Dr. Krupp von Brchlen und Halbach in ein französisches Gefäng­nis nach Lille abzutranspottiercn.

Die Kriegsopfer.

Kohlen, Kartoffeln und Heilbehandlung.

Sn Fortsetzung des gestrige« Artikels der

IrdeitSgemeiuslyast der Kriegsbeschädigtr»- Srganisationen sei noch Folgendes gesagt l Die wichtige.Frage der Kohlerlbeschaffung darf nicht wieder eine so unglückliche Lösung er­fahren, wie die AnS z ahlung d et Ko hlen. Vorschüsse im vorigen Monat. Es ist tat* sächlich eine Ironie, von einem Kohlendorschutz zu reden, der in einer Höhe von 200500000 Mark zur Auszahlung gelangte in einem Mo­ment, in dem der Zentner Kohlen 100 OOO Mark und mehr kostete. Gerade diese Angelegenheit hat mit einem größeren Teil zu der allgemeinen Er­regung beigetragen. Der Vorschuß oder die Bei­hilfe muß unbedingt in einer Höhe zur Aus­zahlung kommen, die den jeweiligen Grldvev- hältnissen entspricht. Ebenso wichtig wie die Fra­ge der Kohlenbeschafstmg ist die der ausreichen­den Versorgung mit Kartoffeln. Geht die Entwicklung in den nächsten Wochen so wei­ter, können wir bis zum Herbst mit einem Preis für den Zentner Kartoffeln rechnen, der für die Kriegsopfer einfach unerschwinglich ist. Es muß daber Aufgabe der Stadt sein, schon jetzt mit den landwittschaftlichen Organisationen Fühlung Zu nehmen, um zur gegebenen Zeit die noti­gen Mengen

Kattoffeln für die Kriegsopfer, . bereit zu stellen, und zwar zn einem angemessen nen Preise. Die Mittel hierzu sind den Kriegs­beschädigten und Hinterbliebenen vorschußwetie vorzustrecken! Eine andere Forderung betrifft die Heilbehandlung der Krieger- Witwen und Waisen. Es ist schlechthin unverständlich, wie gerade dieser Sette der so­zialen Fürsorgetätigkrit so wenig Verständnis entgegengebracht wird. Die Statistik beweist, daß in den letzten Jahren schwere Gesundheitsstörun­gen bei den Witwen und Waisen, vor allen Din­gen tuberkulöser Natur, zu verzeichnen. waren. Wenn man nun heute dazu übergeht, in den wrttcms meisten Fällen bk Kostendeckung für Kuren für Milch-, Arzenei- und Arztschein ab* zulehnen, so wird das unweigerlich zu den schwersten Schädigungen der Volksgesundheit führen. Die Bereitstellung von entsprechenden Mitteln muß sich ermöglichen lassen. Die Klage» über den

rücksichtslosen Ton. der oftmals den Kriegsopscrn gegenüber auf bett beiden Fürsorgostellen angeschlagen wird, wollen ebenfalls nicht verstummen. Wir möchten daher auf die Zusicherungen Hinweisen, die Oberbür­germeister Scheidemann gelegentlich einer Aus' spräche mit der Arbeitsgemeinschaft gab und die dahin gingen, Beamte oder Beamtinnen, die den richtigen Ton den Kriegsopfern gegenüber nicht finden, in eine andere Abteilung zu ver­setzen. Die Arbeitsgemeinschaft hofft bestimm^ daß die Stadtverwaltung in Zukunft alles ver- filchen wird, unseren Wünschen Rechnung zn tragen. Wir sind gern bereit, mitzuarbeiten, um das Los unserer Kriegsopfer zu erleichtern. Wo ein Wille ist, ist Mich ein Weg! Paeewaldt.

Die Versorgung mit Ledensmktteln.

Konferenz der ErnährungSminister.

Berlin, 20. August. .

Im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtfchaft traten am Freitag die Ernah- rungS. und Landwirtschaftsminister! der Län­der zu einer Konferenz zusammen, die sich mit den Schwierigkeiten auf den verschiedenen Ge- bioten der Ernährung und den für die Versorg­ung zu treffenden Maßnahmen beschäftigte. Die eingetretenen Schwierigkeiten sanden eine ein­gehende Würdigung in den einleitenden Watten des Reichsministers Dr. Luther so­wohl wie in den Darlegungen der Vertteter der Länder. Im einzelnen war die Versorgung mit Getreide und Brot, mit Kartoffeln Zucker, Fett und Milch befonders Gegen­stand der Beratung. Die Vertreter der Lanser stinmrien dem Reichsminister dann bei, daß

die Markenbrotversorgung verlängert werden soll und zwar um einen weiteren Mo­nat bis zum 15. Oktober. Ein entsprechender Antrag ist dem Reichsrat pigegangen. Weiter wurde erörtert, ob eine Erhöhung der für das Wirtschaftsjahr 1923=24 in Aussicht genomme­nen Reserve von einer Million Tonnen erforder­lich sei, und ob die Versorgung der großen Ver­braucherbezirke über den 15. Oktober hinaus be­sonders zu sichern sei. Beide Fragen wurden l-ejlcht. Dabei wurde von einzelnen Ländern eine Erneuerung der Umlage ange­regt rdieser Gedanke wurde jedoch von der Mehrheit Der Konferenz abgelehnt. Für die Kartoffelernte sind die Aussichten nach Berichten aus den verschiedenen Landestei­len, mit denen die Auffassung der Vertreter der Länder übereinstimmte nicht ungünstig. Für eine weitere günstige Entwicklung fäeint allerdings Warnte Witterung notwendig. Eine