Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 192
Sonntag, 19. August 1923.
Einzelnummer 15000 Mk.
13. Jahrgang.
Einzelnummer 15800 ML.
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Ser Papiergeldmangel ist beseitigt.
Sin neuer Weg.
Das Strebe« nach dem alte« Ziel.
Der Unterschied zwischen dem Kabinett Cuno »rnd dem Kabinett Stresemann liegt nur in dem andern Weg, Ler zum gleichen Ziele führen toll. Das Ziel ist: Herstellung der Ordnung im deutschen Finanzwesen und damit im tent- ichen Wirtschaftsleben, sowie Wiedererlangung der staatlichen Freiheit. Beides bildet die Grundlage zum Wiederaufbau Deutschlands. An der Erreichung dieses, Zieles hat Dr. Cuno mit dem gleichen Eifer gearbeitet, wie es Dr. Strese- mann tun wird, nur faßte es der Eine von außen an, der Andere will es von innen versuchen. Allerdings wäre es falsch, woüie man die neuen Steucrgesetze schon aus Stteleuianns Konto setzen; sie find nur zufällig vom Reichstag genehmigt worden, nachdem das neue Kabinett die Aemter übernommen hatte, bearbettet waren sie bereits unter dem alten Kabinett, womit sich zeigt, daß auch jenes schon den Weg beschritten hatte, den wir heute gehen. Man setzt nun große Hoffnung auf die Steuerreform uni sieht im Geiste die Billionen im Reichssäckel zufam- menstießen als ein einfaches Mittel, unsere Fi- nauznot zu beenden.
Der Zufall wollte es, daß der Kabinettwcch- sel und die Beratung ter Steuergesetze zeitlich zusammensielen, io daß ter Reichstag, von dem politischen Ereignis ganz erfüllt, kaum Zeit fand, über.das wirtschaftliche Problem richtig nachzu- tenfen. Man ha: sich ja in ter neue» Zeit daran gewöhnt, daß Gesetze im Parlament mit einer Geschwindigkeit erledigt werden, als ob sie nicht mehr zu bedeuten hätten als ein Vereinsbeschluß. Auck Von dem neuen Steuergesetz ist nicht viel Aufhebens gemach: Worten, obwohl es, wenn es streng durchgefuhrt wird, eine ganz außeror deutliche und zwar zweiseitige Wirkung hat. Sehr erfreulich ist natürlich, daß in kurzer Frist dem Reiche Riesensummen zukommen und die wirklich Zahlungsfähigen endlich gebührend herangezogen werten; aber teD eitel ich ist es, wenn Geschäftsleute, die nicht zu den sogenannten Gewinnlern gehören, ihre ©teuer« summen aus der Substanz auslösen müssen. Das kommt einer indirekten Erfassung der Sachwerte gleich. In gewissen Fällen könnte man auch damit einverstanden sein, wenn der gewünschte Erfolg erreicht würde.
Dürfen wir uns dem beruhigenden Glauben hingebcn, daß die Besserung der Reichsfinanzen und die Höherbewertung der Mark nahe bevor- stcht? Die Mark hat sich zwar im Laufe der Woche gebessert und auch Getreide- und Fett- f-reife waren gefallen. Gott fei Dank. Aber schon beginnt der gefürchtete Dollar wieder zu steigen. Und mit ibm steigt leider, wie das so üblich ist, noch vieles Andere. Vor uns stehen noch einige Tage, die im Kalender rot angestrichen werden müssen. Es sind die Termine ter Erhöhung der Eisenbahn- und Postgebühren, der 20. und 24. August, mit ter Aussicht, daß im Sevtemder die noch höhere Berechnung nach Goldwährung eintreten wird. Selbstverständlich ist die MebreinnaLme für das Reich zu begrüßen, zumal Eisenbahn und Post mit ihren Gebühren hinter der Teuerung des allgemeinen Wirtschaftslebens weit zurückgeblieben waren. Aber die amtliche Erhöhung zieht sofort Preissteigerungen und infolgedessen Lohn- und Gehaltserhöhungen nach stich, zu deren Ausgleich entsprechend mehr Papiergeld gedruckt wird, was zur weiteren Markentwertung führen muß. So dreht sich die bekannte Schraube immer noch und beweist damit, daß sie tatsächlich ohne Ende ist. Hier wäre der Punkt, an dem die Regierung eingreifen und der unheilvollen Entwicklung Einhalt gebieten müßte. Mit der Stilllegung der Rotenpr«!se allein ist es allerdings nicht getan. Um das terminterte Volksvermögen wieder zu vergrößern, ist es auch notwendig, daß mehr erzeugt wird, in den Städten mehr Warm und auf dem Laute mehr Rahrungs-
Wie notwendig eine bessere Dolksernährung M, sehen wir an den gegenwärtigen traurigen Zuständen. Daß eine vermehrte Warenerzeugung erforderlich ist, ergibt sich aus ter Notwendigkeit zur Vermehrung unserer Ausfuhr, damit wir größere Werte schaffen, für die wir ausländische Lebensmittel und Waren kaufen und einfüh- r e n können. Vergrößern wir auf diese Weise die deutschen Guthaben im Auslaute, daun werten in natürlicher Folge die Devisenkurse zurück- gchen uni die Mark wird steigen. Durch vermehrte eigene Erzeugung und erweiterte Ein- frchr wird ter Lebensmittel- und Warenmangel beseitigt und die Teuerung schwinde es Dieser Zusammenhang ist so klar und die Methode so einfach, daß damit eine Besserung herbeigeführt werten könnte, wenn Alle wollten. Darüber müßten sich Arbeitgeber- rind Arbeit- vehmerverbände verständigen und jeder Einzelne an der Arbeit mithelsen. Wird die neue Regierung sich darauf besinnen, daß dieser Weg mit Aussicht auf Erfolg beschritten werden kann? Es gibt aber im deutschen Reiche viele Leute, die die Arbeit als eine Strafe ansehen rmd die
mit Eifersucht darüber wachen, daß ihr Nebenmann ja nicht mehr tut als der Durchschnitt erlaubt. Und schließlich: Durch wilde Streiks unb Plünderungen wird unsere Rot nur verschlimmert. Will ein Einzelner vorwärts kommen, so muß er Fleiß und Mühe anfwenden. Das Gleiche gilt von einem Volle. Wenn die Regierung eine große und tätige Arbeitsgemeinschaft zustande bringt, die nicht redet, sondern handelt, und wenn sie die Parteikämpse zum Schweigen bringt, dann wird der Erfolg trotz äußerem Druck nicht Mtsbleiben. K. F. 1).
DeutsHlQnös Flnanznot.
Die wachsende Papievgeldflnt.
Berkin, 18. August.
Der Neichsrat hielt gestern eine große Sitzung ab. Den Vorsitz führte Vizekanzler Schmidt. Bemerkenswert war eine Ankündigung des Reichsbankpräsidentrn Havenftein, daß sechs - undvierzig Billionen Notengeld täglich gedruckt werten. Der Ausschuß des Reichs- rotes wollte eine fünffache Erhöhung der Noten- auszate durchsetzen, die in Baten. Württemberg und Sachsen bei Privatnotenbanke» hergesteM werten solle», während die Verirrter dieser Länder die zwanzigfache Erhöhung beantragten. Beter die Rede HavensteinS ist »och sol- gentes mitzuteilen: Die Zahlungsmittelkrise wird in wenigen Tagen beseitigt sei«. Die Rrlchtzbank gibt heute täglich zwanzig BMonen neues Geld heraus, davon in große» Scheinen über fünf Billionen. Sie wird in der nächsten Woche auf sechsundvierzig BMonen täglich tom- msn. Davon werde» für achtzehn Billionen große Scheine ausgegeben. Der gefamie Rote»- umlauf betrügt jetzt dreiundsechzig Billionen, es werden also in wenige» Tagen zwei Drittel dir- ses GesaMtumkvnfs täglich herauSgrgeben. Tie Vertreter des ReichSfinauzminifteriums, des ReichswirtschaftsminitzeriuMS und ter preußischen Regierung schloffen fich dem Antrag tes Reichsbaiikprssitenten Havenstei» an.
Die ÄMlertrn gegen Sie «Kvlöavfeiyr.
Paris, 18. August. (Eigene DraLtineldung.) Die Revaratiouskourmifsion hat zur Ausführung ihres Beschlusses vom 14. August die Interalliierte Rbeinlandkormnifsio» in Koblenz um Maßnahmen gegen die neue deutsche Gold- anleihe im besetzten Gebiet ersucht unter Br- crifung auf Artikel 248 des Vcrfailler Vertrags. Tie Revarationskommifston hat in ihrem Antrag die Frage aufgeworfen, ob. da eine Ausnahme von Artikel 248 Den der deutschen Regierung nicht nachgesucht worden fei, die außerordentliche Einnahme ter Zeichnungsbeträge für die Reparationszahlungen verwendet werten füllen.
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Die SoivMarkkeserve.
London, 18. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der Börfenmitarbeiier des „Manchester Guardian" erführt, daß weitere dreißig Millionen Goldmark von ter Deutschen Reichsbank a» die Bank von England überführt worden sind. ES fei deshalb die Annahme naheliegend, daß eine neue Aktion Deutschlands für seine Währung bevorstehe.
2m besetzten Gebiet.
Ausdehnung ter Sperre biS Mitte September. (Eigene L.ahtmelLung.)
Düsseldorf, 18. August.
Ter BezirkSdelegierre der Rheinlaud- kommission teilt mit, daß die Verkehrs- sperre bis zum 15. September dauern wird. Die Ankündigung hat im befehlen Gebiet 'ärmliches Entsetzen hervorgerufen. Diese Maßregel ohne Begründung beweist klipp und klar, »atz die Sverre weiter nichts ist, als ein Mittel zur Riederringung des deutschen Widerstandes, ei» rein politisches Manöver, das ohne Rücksicht auf die furchtbare Rot ter Bevölkerung unter allen Umstünden vollendete Tatfachen schaffen oll. — Wie man von unterrichteter Seite erfährt, wird der neue Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Fuchs, sich au d« Beuölkerurrg des besetzten und drs Einbruchsgebietes mit einem Aufruf wenden. Tie Veröffentlichung der Kundgebung wird wohl heute noch erfolgen.
Dir Eisbrecher Sn den Bergwerken.
Köln, 18. August. (Eigene Drahtmekdung.) 3m rheinischen Braunkohlengebiet sind die Gruben der Hubertus Braunkohlen Akt.-Ges.
von den Franzosen beschlagnahmt worden. Die Gruben sind seit gestern milit ärjsch be. setzt. Nach der Besetzung brach auf der C o n- eordia-Grutze ein Brand aus, der die Eluteueinrichnmg zum größten Teil zerstörte.
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Die LnrpprnvrrftSrkuns.
Paris, 18. August. (Eigene Drahtmelduug.) Wir „Eckw dr Paris" meldet, verfügte der Kriegsminister am 15. August die Bereitstellung zweier weiterer Bataillone Genietruppen für die alliierte Regie des besetzte« Gebietes. — Aus dem besetzten Gebiet find in den letzte» vierzehn Tagen zwei französische Regimenter zurückgezogen worden und durch Kolouialtrup- pen ersetzt, lieber die Veranlassung der Zurücknahme gehen durch die schweizerische Pre verschiedene unkontrollierbare Versionen.
VecharMMgS-Versuche.
Bor einem Schritt bet deutschen Regierung. (Pnvat-Telrgramm.)
Berlin, 18. August.
Aus London wird berichtet, aus Berlin seien durch die englische Botschaft wichttge Erklä- rungen der deutsche» Regierung ein- gegangchi, die einen Schritt der jetzigen deutschen Regierung in Paris und Brüssel bestimmt erwarten lassem. Im Zusammenhänge damit geht eine MÄduug der „Morningpost", daß der deutsche Botschafter Dr. Stnhmer am Donnerstag zum Metten Male innerhalb weniger Tage beim Außrnministftr Lord Curzon gewesen ist. Diese» Besprechungen wird in politischen Krcksen größte Bedeutung Seigemessen. Dem „Manchester Guardia»" zufolge hält man an der Londoner BSrfe die Meinung au recht, daß ein direktes Verhandkrmgsangebot Deutschlands an Frankreich und ein Eingehen Frankreichs darauf (?) von selb« eine schnelle Besserung der Markparität herbeiführen werde. Mit einer Parität von 12 bis 16 Millionen Mark für das Pfund fei die Mar! trotz der unverantwortliche» deutfche» Inflation ganz entschiede» »nt erbe wertet»
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ERglanös Haftung.
London, 18. Awgust. (Eigener Drahtbe- richt.) Der Kabknettsrat hat sich am Mittwoch mit der programmatischen Erklärung des deutschen Kanzlers besaßt. Der „Times" zufolge foll eine informatorische MitteilungnachBer- l i u unterwegs sein, die hoffentlich nicht wieder mißverständliche Erwartungen erwecken würde. Der „Morningpost" zufolge erwiderte Lord Cur- «« am Mittwoch früh den Besuch des deutsche» Botschafters vom Vortage und wellte etwa eine Stunde laug in der deutschen Botschaft. — Die Londoner „Times" melden, daß der englifchq BotschLstssekretär in Berlin einen Protest der englische» Regierung überreicht habe gegen die von Deutschland am 13. August angeordnete Einstellung dar deutschen Reparationszahlungen.
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SnkftanS Hütt zu Frankreich.
London, 18. August. (Eigene Drahtmeldung.) Der „Morningpsft" zufolge hat gestern in London eine Sitzung des GefamtvorstaudeS der unionistischen Partei stattgesunten, die Baldwin leitete. In der Frattlonssitzung sei cs zu einer vollständigen Einigung ter Partei hinsichtlich ter schwebende» Differenzen mit Frankreich über die Ruhrfrage gekommen. Einem Bruch mit Frankreich hätte keines der Parteimitglieder das Wort geredet, auch ter Premierminister habe die unbedingte Rotwendigkeit für England betont, die Allianz mit Frankreich unberührt zu lassen»
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Dir einmütlgm Alliierten.
Rotterdam, 18. August. (Pttvat-Tele- grcnnm.) „Tally Mail" meld« aus Brüssel, die belgische Negierung habe den Wunsch misgedruckt, die englische Note gemeinsam mit Frankreich zu beantworten. In PariS fei man sehe erfreut über die bundesfreundliche Gesinnung Belgiens In Brüssel erwarte man öin Angebot des neuen deutschen Kanzlers.
Die Braunkohle.
Ei« Mittel zn Deutschlands Dtettunch
WSYrend unsere Steinkohlcn.GeSiete durckf' feinbltete Gewalt fite uuS gesperrt find- tann glücklicherweise die Braunkohle einen «rsatz dielen, der UNS über schlimme Jahrr hinweghilst. Davon gibt der nach steh.nde Slnfsatz eine« erfreulichenBrweis, Als bei Versailler Vertrag Deutschland eines Teiles seiner Kvhlengebiete beraubte, als durch Sw Besetzung des Ruhrgebietes auch noch viel von dem verbliebenen Teil uns abgeschnitren wurde, da hat sich eine vor dem Kriege wenig beachtete Industrie als unsere Rettung erwiesen: die Braunkohle. „Es ist nicht zuviel gesagt," erklärte Dr. Heinz in einem Aufsatz in „Reclams Universum", .wenn man behauptet, daß die mitteltenksche Braunkohle Deutschland vor einer Wirüchaftskatastrophe bewahrt hat." Gewiß kann die Braunkohle niemals die Stein« kohlenmengen Westfalens und Oberschlesiens et«, setzen. Wohl aber ist es denkbar, daß die Brannkoihlenßörderung angesichts der bestehen-« den ANglichleiten schnell gesteigert wird, um wsmMens die wichtigsten Industriezweige .Deutschlands solange am Leben zu erhalten, biS wieder größere Sieinkohlenzusühren zu erlangen sind.
Das mitteldeutsche Braunkohlengebiet umfaßt rund 400 Gruben, in denen 1922 hun-> tertfünfzigtausend Menschen lohnende Beschäs- rigivng fanden, im Ganzen also mit den Familien der Arbeiter weit über 700000 Menschen ihren Lebensunterhalt erhielten. Die geographische Lage des BraunkohlengMetes macht es für Deutschland besonders wichtig. Während die Seiden großen Steinkohlenvorkommen. daS rhei- nisih-westfälische und das oberschlesffche, an den Grenzen Deutschlands liegen und etwa hundert Kilometer von einander entfernt sind, bieten sich hier Schätze im Herzen des Landes. Da die Industrien sich stets dort anisieteln, wo die. für sie so notwendige Kohle vorhanden ist, so wäre^ eine völlige Entblößung ter Mittel Deutschlands vom industriellen Leden vorhanden, wenn nicht diese Braunkohle die
Grundlage für eine blühende Industrie böte. Dazu hat ein gütiges Geschick Deutschland zum Besitzer großer Kalisalzlager gemacht, die genau in ter Mitte zwischen den bei« Sen Steinkohlengebieten liegen. Die zur Hebung dieser Schätze nc-k wendig« Kohle müßte auf Weiten , Wegen herbeigeschasft werden, wenn sich nicht die Braunkohle neben und teilweise direkt über den Kalilagern vorfinden würde. So deckt sie Braunkohle heute nicht weniger als dreiund- irennzig Prozent des ganzen Brenrrsroffbedarss der Kalünduftrie, und zwar ausschließlich mir Rohbraunkohle. Außerdem versorgt sie die Zuckerindustrie, die durch den für den Anbau der Zuckerrübe geeigneten Lehmboden Deutschlands hervorgerufen wurde. Ter Betrieb ter 120 Zuckerfabriken, die 1922 rund 5,5 Millionen Doppelzentner Zucker erzeugten, wird allein von der Braunkohle aufrecht erhalten. In neuerer Zeit sind dann noch Zwei Industriezweige auf. mitteldeutscher Braunkohle ausgebaut worden; die Elektrizitäts- und ötemische Industrie. Seitdem man elektrischen Strom ohne großen Verlust, aus weite Entfernungen leiten kann, sino große Kraftwerke entstanden, die der Braunkohle ihre Wärmequelle entnehmen, so das größte mir Dampfkraft betriebene Kraftwerk der Wett, Zschornewitz bei Bitterfeld, das Berlin zum großen Teil mit Lickt und Kraft versorgt. Dir chemische Industrie ist hauptsächlich durch das Leuna-Werk vertreten, das Stickstoff aus der Lust gewinnt und mit seinem täglichen Verbrauch von über 5000 Tonnen die meiste mittel* deutfche Robbraunkohle beansprucht. Nicht weniger als 40 Millionen Tonnen mitteldeutscher Braunkohle wurden 1922
i» gewerblichen Betrieben verbraucht. Außerdem hat man ater auch in dem Braunkohlen brikett einen Heiz stoss auf den Markt gebracht, der die Rohbraunlohle an Heizkrast um mehr als das Doppelte übertrifft. Von diesen Briketts Würben 1922 nicht weniger als 19,2 Millionen Tonnen abaesetzt. So hat der Brannkohkenbergbau die Ausgabe, einen Ersatz für den Ausfall an Steinkohle in teil schwierigsten Jahren der deutschen Wirtschaft zu schaffen, vortrefflich erfüllt und dürste auch weü ter unschätzbare Dienste leisten.
Neue amt'iche Sebührrribrrechmmg.
Der FchlSctrag der Reichspoft.
Don ter Regierung wurde erklärt, daß bet Fehlbetrag im Pssthaushalt bis Ende Fulk nach Berücksichiwnna der am 1. Juli und 17. JuL einfleticienen Besvl-dungzerhöhrrngen nüd bei gleichzeitigen Steigerungen bte Sachkosten auf etwa dreißig Billionen an» gewachsen sei. Infolge des fortschreitende» Verfalls unserer Mark ständen weitere nach Billionen zählende' M e ü r a u s g a b e n für Personal- und sachlich« Zwecke der Post in nabet Aussicht. Ter ReichskagsauZschuß für Poft- und