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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 191

Einzelnummer 15000 Mk,

Sonnabend, 18. August 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 1500090«.

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Vorbereitung zu Reparationsverhanblungen

Verlängerte Derkeyrsssperre.

Düsseldorf, 17. August. (Privattelegramin.) Eine Pariser Meldung, wonach die V e r k e h r S- sperre zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet, die am Freitag, den 17. August zu Ende gehen sollte, verlängert worden sei, wird an Kölner amtlicher Stelle bestätigt. Als vor­läufiges Ende der verlängerten Sperre wird der 31. August genannt. Ein bestimmtes Datum ist bis heute noch nicht bekannt gegeben worden.

Die Tottoenöigffit einer Lösung.

Berlin, 17 August. (Pr-Vattelegeamm.) Nach «chsust des Reichstags haben nochmals Frak- tionss-tzungen stattg-kunden m t Ausnahme der Teutschnationalen. Auch der Kanzler hat noch­mals mit Abgeordneten, bsonders des besetzt n Gebietes, die Lage besprochen. Ueber die von fMN zu ergreifenden Schritte der nächsten Tage schwieg Herr Stresemann, tedoch betonte er die Notwendigkeit, die Ruhrfranent r Wahrung der nationalen Würde zu lösen. Tast bestimmte Dinge in Vorbereitung sind, ergibt sich anch ans dem aeftriaen Besuch des sten eng­lischen Botschaftsrates in der Reichskanzlei.

3m besetzten Gebiet.

Die französischen Truppen vermehrt.

(eigene DrabtmeQung.)

Plünderungen zu verhindern, wobei es Tote und Verwundete gegeben habe.

Die ^Reparationen zuern»

Berlin, 17. AE'st (Privattelegrannn.) Die Moraenblätter besprechen eingehend den Ein­spruch der Revarationskoninttssion ge»en die Goldanlejhe. Besonders ist es die..BoMsche Zeitung" die der Reaiernnq »inen Borwnrf macht, indeni sie schreibt: Die Mttteilnnq der ReparationKkommiffion hat zweifellos nur eine formell? Bedeutung, denn in der Tat gehen alle Revaratinnsanfprüche allen anderen Ans"rüch»n voran Im übrigen erweist sich von neuem, wie fehlerhaft das Berbalten unserer Regl?rung >n der Ausienvolitik aewesen ist, denn nach den Er sghrnnqen bei früheren Vorgängen hätt- man sich von selbst sagen müsien. dass die Repara- tfonskommisiion ihre Ansprüche anm-lden wird. Das hätte sich durch vorherige dip'omatffche Fühlimgnahme in London, Rom und Paris unzweifelhaft per meid en lasse», lix

Weitere Ausweisungen.

Ludwigshafen, 17. August. (Privattel'gramm.) Nach einer Meldung aus Saarbrücken über Luxemburg hat die Regierung des SaarstaateS zahlreiche Deutsche ausgewiesen, auch viele deutsche Bergarbeiter, die sich gewerffchoft- lich-national betätigt hatten. Die am 13. August erfolgten Ausweisungen umfassen 13 Namen.

Vorbereitung !m Kabinett.

Berlin, 17. August. (Privattelegramm.) Der Berliner Korrespondent desCorriere della Se­ra" meldet, daß das Kabinett Stresemann einen direften Verhandlungsvorschlag an Frankreich vorbereftc. Der Vorschlag mitze sich auf das Garantieangcbot der früheren deutschen Regierung, es berühre aber nicht d'e Frage des passiven Widerstandes, um zunächst Frankreich eine Antwort ohne Preisgabe seines Prestige zu ermöglichen. Dr Stresemann wolle alle sich eraebenden Fragen nicht verfrüht durch programmatische Erklärungen einseitig festfahren, sondern Entscheidungen von Fall zu Fall fassen. Der Korrespondent hat den Ein­druck. daft das Kabinett Stresemann das der Verständigung und des Erfolges sein wird

Eine schwache Koalition.

Gegenströmung in den Parteien.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. August.

Es fehlt auch jetzt in den Reihen der So­zialdemokratie nickt an Kundgebungen gegen die Teilnahme der Sozialdemokraten an der grossen Koalition. Diese Kundaebungen kommen vor allem aus Sachsen. Auch ein Teil der Deutschen Volksvartei soll dieser Koa Hl-ion .irr widerwillig Seigetrelcn f in. Die Kreuzzeitung" behauptet, dass von der Deutsch n Bolkspartei 22 Abgeordnete nicht an der Abstim­mung über das Vertrauensvotum für die neue Regierung teilgenommcn hätten. Bis zur Stun­de lässt sich noch nicht nachvrüfen inwieweit die Angaben des genannten Blattes wahr sind.

Voincars beugt schon vor.

Paris. 17. August. (Eigene Drahtmeldung.) -erMatin" meldet: Bon der Sonntagsrede Poincarös in Ebarleville erwartet die Oeffent- lichkeit vergebens Ueberraschungen. Poincar^ hat lediglich die Absicht, dem neuen deutschen Kanzler zu sagen, dass er um den Preis der l o - fortigen Aufgabe des passiven Wider­standes Verhandlungen mit Frankreich haben könne. Wenn der deutsche Kanzlerwechfel die Abkehr von der Cuno'schrn Politik des passiven und aktiven Widerstandes behüte, ab r auch nur in diesem Falle sei für Frankreich eine Aussprache mH Deutschland nicht von Nachttfl. Dass Frankreich seine Gnmdforderung aufgeben solle, erwarte sicher auch Herr Stresemann nicht.

Um Deutschland.

Französische und englische Beurteilung.

Die englische Antwort an Frankreich wäre zu einer anderen Zeit eine Sensation gewesen, die größeres Aussehen gemacht hätte als jetzt. Sie ist weniger beachtet worden, weil doch immer noch die Vorgänge in Deutschland im Mittel­punkt aller Erörterungen stehen. Der plötzliche Regierungswechsel hat den Blick von dem eng­lisch-französischen Notenaustausch nach Berlin gelenkt. Die Pariser und Londoner Presse kom­mentiert denn auch ausgiebig das neue Kabinett und knüpft daran Erwartungen, daß man mei­nen müßte, es hänge jetzt nur von Deutschland ab, die europäische Lage ins Gleichgewicht zu bringen. Auffällig ist vor allem der Ton, den die Pariser Presse findet. Wenn sie auch bedauert, auch von dieser Regierung die Erklä­rung zu hören, sie werde den Ruhrwiderstand fortsetzen, so glaubt sie doch, Stresemann werde ein altes Programm verfolgen, nämlich eine Verständigung mit Frankreich zu versuchen. Es wird immer wieder von der Pariser Presse behauptet, Stresemann neige nicht, wie Cuno, dazu, alles auf die Hilfe Englands einzustellen, sondern sei überzeugt, von England niemals Hilfe zu erhalten und deshalb bereit, die Ver­ständigung mit Frankreich anzubahnen. Mit Engelszungen reden die Boulevardblätter, es wäre der beste Ausweg, wenn Frankreich und Deutschland den gemeinsamen Weg fänden. Nun 'S -v uns freilich.schleierhaft, wie eine Verstän­digung mit Frankreich möglich sein soll, das immer wieder jeden deutschen Versuch einer Aus­sprache ablehnt und Forderungen stellt, die keine deutsche Regierung bewilligen kann. Die Sache muß einen anderen Hintergedanken haben. Und so ist es auch.

zumuten. Denn es wäre ausgeschlossen mit Frankreich zusammen zu gehen. Freilich wird England dann auch nicht weiter die P o l i t i f der Enttäuschungen treiben müssen, son­dern endlich mit aller Konsequenz sein Ziel verfügen, das allein die Reinigung der euro­päischen Lage ermöglichen könnte.

Es ist zu wünschen, daß die Kommunal-Ver» bande unverzüglich zu freiwilligen Maßnahmen anregen, denen, die den Milchpreis einfach nicht mehr bezahlen können, verbilligte Mich zur Per. fügung zu stellen. An der Milchverbilli- g u n g für Bedürftige müßte sich die ganze Land-- ioirrschaft freiwillig beteiligen, auch die, deren Wirtschaft die Haltung eines ihrer Flächengröße enssprechenden Viehstandes nicht zulätzt. Wir ha­ben eine solche tatsächliche Hilfeleistung schon in einigen Landkreisen durchgeführt. Allen Berufs­genossen sei ein ähnliches Hilfswerk drin­gend empfohlen! Die Versorgung der Ver­braucherorte ist eine Forderung der Minute. Die Zufuhr muß da, wo sie stockt, von den landwirt- chaftlichen Organisationen unverzüglich durchge- ührt werden. Die Frage der Vergrößerung der landwirtschaftlichen Produktion ist eine Stick-

»ff»55rage. Jin Frieden bekam man für 125 Pfund Roggen einen Zentner Stickstoff. An­geblich sollen die Preise für Stickstoff an andere Bchen gebunden sein als an die für Getreide, ©in Ausweg muß gefunden werden, jeden Landwirt dauernd in die Lage zu versetzen,

Sttckstoff im Tausch gegen Getreide

Teilweise Linterftützung.

Berlin. 17. August. (Privattelegramm). Der Parteiausschutz der Vereinigten Sozialde­mokratischen Partei ist gestern in Berlin zu­sammengetreten. nm zur Regierungsbildung Stellung zu nehmen Nach dem Vortrag des Parteivorfltzenden Hermann Müller und nach ausführlicher Ansprache wurde mit grosser Mehrheit eine Entschliessung angenommen, die den Eintritt der Partei in die Regierung bi l l i g t und die Parteigenossen im Lange auf­fordert. ihre ganze Kraft einiusetzen zur Unter­stützung der sozialdemokratischen Reichsminister. (Nicht anch der anderen Minister? D. R'd.l Die Reichstagsfraktion wird aufgefordert, das A'- tionsproarawm der Sozialdemokratie zur Durch führuna zu bringen. Ein Antrao der sich gegen die Koalition anssprach. wurde obqlehnt. ebenso rin Antrag auf Einberufung des Parteitages.

ErsOwenmgöerGoldanleihe

Die Entente arbeitet dagegen.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 17. August.

Die Reparationenskommission hat sich mit der Frage der deutschen Goldanleihe beschäftiat und m-t Stimmenmehrheit, bei Ent­haltung des englischen Delegi-rten. eine Note an d-e deutsche Regierung beschlossen, die gegen die Gold anleihe Einspruch erhevt und die üblichen Vorbehalte mackt. In einem Bcr'cht heisst cS. dass noch dem Versailler Ver rag Re- varationsansvrüche allen anderen Ansprüchen doranaehen (ft und dass die deutsche Regierung -s unterlassen habe, nm e>ne Ausnahme von dm BcAmmunaeu seS betreffenden VertragSartik-us nachzusuchen Die RevaratianSkommission markt deshalb ausdeÄS'rch Nork-Hate gegen alle An- leibezeichner und sonstige Btte'sigte unter Bto- nnng der Vorrechte der Alliierten an den Sicher­heiten für die Goldonleihe DgS «chrttben an die R-ichsreoürnna ist von dem no'ienischen De­legierten n. dem zweiten französischen Delegier ten unterzeichnet worden.

Gibt es Verhandlungen?

England rät zum Dermittlungsantrag.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 17. August.

._ Die -.Times" melden, dass in der Audienz Baldwins beim König die weitere Passivi­tät Englands in der Ruhrsrage von neuem festgelegt worden sei. Unmittelbare Ver­anlassung der Kabinettsbesprechungen habe die bedenkliche Zunahme ter Arbeitslosen in Eng­land in der letzten Woche gegeben, die fast 80 000 betrage. Das englische Kabinett wünsche einen direkten Bermittlungsantrag Deutsch­lands in Paris und habe die neue deussche Re­gierung von dieser Stellungnahme insormatisch benachrichtigen lassen. Reut r gibt eine Zu- sammenfassung der englischen Pressestimmen zur Rede des deutschen Reichskanzlers, das die Reu- teraqentur mit dem redaktionellen Zusatz ab- schftetzt:Die britische Presse ist in der Beur­teilung einer deutschen Regierungserklärung nie fo einig gewesen wie heute." DieTimes" schrei­ben:Auch die britische Regierung sieht in der Kanzlerrede eine neu erfreuliche Kundgebung der BereilwiNiakeit Deutschlands zu Vor Hand­lung en und zur Verständiauna. Der nächste Schritt Deutschlands muß in Paris erfolgtr."

Ter Druck, den England durch seine neue Kote auf Frankreich verursacht hat, hat doch ikberraschend gewirft. Niemals glaubte man in Varis, England werde jemals eine solche Sprache reuen, werde Frankreich vor der Welt so ins Unrecht setzen. Die englische Erklärung, der Ruüreinbruch sei vertragswidrig, rkmmt allen französischen Versicherungen, es bandele gemäß dem Friedensveftrag, den Boden und macht das französische Vorgehen zu gemei- nem Raube. Das empört die Franzosen. Und deshalb geifern sie gegen England, es wolle alle Machte gegen Frankreich einnchmen, wolle sie zu einem Mock gegen Frankreich zusammen schlie- ßem Und die Versuche, jetzt Deutschland eine Verständigung mit Frankreich mundgerecht zu machen, kommen eben aus diesen Gedanken. Man will England zuvorkommen, will die englische Avsicht. den europäischen Block gegen Frankreich zustande zu bringen, vereiteln. Qb die Annähe­rung an Deutschland ernst gemeint ist. ist dabei zwelfechaft, denn die Franzosen rechnen schließ­lich auch so: Vermögen wir England den Wind aus den Segeln zu nehmen, können wir auf» trumpfen, daß wir die englischen Absichten den Zniammenfchluß gegen Frankreich herbeizufüh­ren. zu durchkreuzen vermögen, so werden die Engländer versuchen, ihre Kronjuristen im Stiche zil lagen und ihr Urteil anders zu modellieren. Sie werden dann von ihrer Absicht lassen Niemals können wir jedenfalls das Liebes- glrren der Pariser Presse um die Freundschaft Deutschlands ernst nehmen. Wollten wir auf den Leim kriechen, so wären wir verloren Die französische Polittk ist von jeher die Polittk der Berechnung gewesen. Sie wird nicht plötz­lich anders eingestellt fein.

Interessant ist auch, was die englische Presse zu der augenblicklichen Lage Deittsch- lands sagt. In England erwartet man, daß Deutschland zunächst feine inneren Verhältnisse ju ordnen mcht. Man wünscht, es möge uns gelingen, die Finanzen zu organisieren, eine Po» tttck der Gesundung anzubahnen. Und man lchemt zu Stresemann, wenn man ihn auch mit Vorbehalt begrüßt, doch ein wenig Vertrauen

Jedenfalls ist es den Engländern willkommen, wenn Deutschland seine Ausnahme lkerbund nachsucht und wenn es schließlich an den Weltgerichtshof appelliert, um von ihm die Auslegung einiger Paragraphen des ^edensverttages zu erhalten. England wünfcht den Aufschwung Deutschlands schon aus dem Grunde, um mit diesem Deutschland schließlich sond er ab k ommen treffen zu können. Denn es scheint immer deutlicher dahin zu drängen, daß i der Bruch mit Frankreich akut wird.Taikv Er- : tiefe" iterfidjert, die englische Regierung werde i unbedingt bis zur letzten Konsequenz gehen - toerbe Wenn mit Frankreich keine Verständig-.'na ' mog-hd) ist, selbständige Verhandlungen mit | Deutschland ube- die Reparationen fachen und 1 schließlich Frankreich vor dem Völkerbund i antlagen wegen seiner ungesetzlichen Ruhr- 1 besetzung. Jedenfalls fürchtet man nicht, Deutfch- ! land könne sich mit Fraickreich anbiedern. Und !

in obiger Relation zu erwerben. Die Regierung würde sich ein Verdienst erwerben, falls sie die- em Vorfchlag die Wege ebnet. Den theoretischen Plänen der Zerschlagung lebensfähiger landwirt» chastlicher Ueberschußbetriebe mufe dadurch ge­steuert werden, dafe, soweit es irgend möglich ist. der Mittel- und Großgrundbesitz vertrie­bene Landwirte aus dem Osten ansie- d elt. Ich habe so auf meinem Besitz gehandelt. Es ist Ehrenpflidft unserer, der deutschen größe­ren Besitzer, an ihrem Teil praktisch zu helfen, die in den Flüchtlingslagern unter unwürdigsten Verhältnissen zusammengepferchten vertriebenen deutschen Landwirte wieder seßhaft zu machen. Tie Abgeltung für das abgetretene Land mutz in wertbeständiger Zahlung geschehen. Wir müs­sen national sein und frei! National ist der, der in der Stunde der Not seinem Vaterlande, das beißt seinen Mitmenschen Opfer bringt, der wetteifert, in der Front zu stehen, wenn es gilt, Leiden der Volksgenossen zu lindern. Der em->

Die Volksernähmng.

Aufklärung und Vorschläge.

Heber den Stand der Nahrungsmittel. Versorgung und über bie Mögliche eit de- Verbesserung macht Oekonomierat Schiftan, M. d. L., im Berliner Lokal­anzeiger beachienswerte Ansührungen:

Nach der Feststellung, daß die Landwirtschaft wieder in der Lage ist, die Produktton zu heben, äußert sich Oekonomierat Schistan weiter: Die Lebensmittelnot, die heute den Ver­braucher schwer bedrückt, tritt dem Landwirt nicht nahe. Unsere ländlichen Spitzcnorganisatto- rcit tragen durch dauernde Aufklärungsarbeit den Begriff von der städttfchen Not in das Haus eines jeden Erzeugers. Die Entblößung der Städte von Kartoffeln ist nicht durch hab­gierige Zurückhaltung der Frühkartoffeln durch den Erzeuger geschehen, sondern durch eine Macht außerhalb menschlichen Könnens, die die Kartoffeln erst vier Wochen n a ch der üblichen Reifezei.t versandfähig hat werden lassen. In Verbindung mit der gleichfalls um fast einen Monat verspäteten Roggenernte hat sich der Kartoffelmangel in den Verbraucherkrei- fen zu einer Not herausgebildet, wie wir sie in Deutschland selbst während des Krieges nicht er­lebt haben. Zur Steuerung dieser Not haben wir Landwirte, einer wie der andere, durch Be» ücfentng der Verbraucher alles in unseren Kräf-c ten stehende zu tun.

Die anstehende Getreideernte verspricht einen besseren Erttag als die vorjäh­rige, und ich nehme an, daß sie nur noch ein Vier­tel Hinte- de-- Ernten der Jahre 1913/11 aus dem Boden, der deutsch geblieben ist, zurückstehen wird, so daß nicht in dem außergewöhnlich gro­ßen Maße wie im vorigen Jahre Nahrungsmit­tel für teure Devisen ein geführt zu werden brau­chen. Das Aussehen der Kartoffelfelder bot. hervorgebracht durch widrige Witterung, bis vor einigen Wochen einen trüben Stand. Die in der letzten Zett herabgekommenen warmen Nie­derschläge haben den Fruchffiand der Kartoffel günsttg beeinflußt, wenn auch m. E. eine so große Ernte wie die vorjährige nicht zu erwarten ist, zumal leider'der Kartoffelanbau zugunsten des Getreides vielfach verringert worden ist. Zn der augenblicklichen Kartoffelnot tritt der Mangel an

Fetten und Milchprodukten.

Tie Einfuhr von Fetten ist durch den Verfall der oeutscheu Mark sehr erfdjtoert. Wo Fette und Dtargarine auf deutschen Märkten seilgeboten werden, wirkt die Teuerung der ausländischen Zahlungsmittel, da diese Produfte vielsach fertig, leihweise in ihren Grundstoffen ans dem Aus­lände bezogen werden müssen. Der derzeitige Milchpreis ist für viele unerschwinglich. Für das Heranwachsen gesunder Kinder und Nahrung der Mütter ist aber Milchnahrung unentbehrlich, ebenso für Kranke und Alte.

Den Bedürftigen ist sofort zu helfen!

Düsseldorf, 17. August.

Wie derTemps" melde» hat die ftanzösische Regierung infolge der Zunahme der Lebenc- mittelunruhen im besetzten Gebiet und der zahl­reichen schweren Ausschreitungen der letz­ten T-me die Verstärkung sämtlicher fran- zoslscher Garnisonen im besetzten Teuffchland um ein Drittel ungeordnet. Die cr- forderlichen Truvvenverschiebungen nach Teuffch­land seien bereits energisch im Gange. Echo de Paris meldet von neuen ernsten Lebensmtt- telkrawallen der letzten Tage im Bereich des Stabes Trier. Die stanzösiscken Truppen hät- rS V ten mehrfach als polizeilicher Schutz zu den Waf-

tut rech: daran, uns diese Schmach nicht zu-sen greisen müssen, um die Fortsetzung der