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Kasseler Neueste Nachrichten

Mittwoch, 15. August 192:

13. S-ittoto» - «r. 188.

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Die Kasseler Neuesten Nachrichten kosten für die zweite Hälfte des August 200000 Mark.

starken Gewitters, das sich dieser Tage Lder Lon­don entlud, in der Zeit von elf Uhr nachts bis vier Uhr morgens mit Hilfe eines besonders fein- fückligen Registrierapparates siebentailscnd elek­trische Entladungen gezählt habe, mit einem Durchschnitt von neunzehn Blitzen und der Höchst, zahl von siebenundvierzig in der Minute, wäh­rend bei den in der letzten Zsft beobachteten Gewittern die durchschnittliche Zahl zwölf elek­trische Entladungen in der Minute betrug.

Plünderern ziehen vor die Bauernhöfe, uir Rinder, Kälber und Schweine zu beschlagnah men. Diese Aktionen, die jetzt auf den Dörfern von Grimma, Wurzen bis in die Zeitzer Gegend stattfinden, scheinen nach einem einheitlichen Pla» und von einer Zentrale aus geleitet z» werden, und sie vollziehen sich fast überall in der gleichen Weise. Sehr nachdenklich muh ferner die gesamte Leipziger Einwohnrrschast das Ge- bahren von Kommunisten draußen auf dem Lande stimmen. Zahlreiche Haltestellen und Bahnhöfe in der Umgebung Leipzigs sind von sogenannten Kontrollausschüs­sen mit röten Armbinden besetzt, die den Auftrag haben, den Abtransport von Lebensmit­teln nach Leipzig zu verhindern Sogar Frauen mit Tragkörben, Reisende mit größeren Kvffccu werden angehalten und müssen sich eine Durch­suchung gefallen lassen. ES kommt dabei natür­lich zu erregten Auftritten, ohne daß eine Per­son der Ortsbehörde oder der Station sich darum kümmert. Die Stimmung in der Be­völkerung in manchen Orten ist äußerst gedrückt. Man spricht fast kein lautes Wort mehr, und die Arbeiter selbst unterhalten sich in den Gastwirt schatten, sobald ein ..unsicherer Kantonist" ettt= tritt, beinahe im Flüstertöne.

Die ZEungömitte'kncwpheit.

Besserung in wenigen Tagen.

Berlin, 14. August.

Da in der Reichsd.'uckcrei bald wieder gc arbeitet werden wird, wird die Stockung im 9io tendruck nickt lange dauern. Zur Behebung Der augenblicklichen Schwierigkeiten haben fick Ban­kest und Industrie zu folgenden Maßnah­men entschlossen: Die Banken ziehen gegenseitig Schecks mifeincinber. Die industriellen Werte werden mit kurzer Frist Notgeld und Gutscheine ausgebcn. Angesichts der schwierigen Lage, in welche die gesamte Bevölkerung durch die Knapp­heit der Unüoucsmittel geraten ist, wird der Ein-

Dle Kinderreichen.

Aus tiefster Not . . .

Der Vorsitzende des hiesigen Bunde? der Kinderreichen gewährte eestcrn Einblick in die Seele eines kinderreichen Familienvaters. Fetzt, zn Beginn einer guten Ernte, so sagte er, müssen wir Kinderreichen ganz besonders unsere Stimme erheben. Wohl das Schlimmste ist. daß für Geld und gute Worte keine Milch für die Kleinsten oder die Mutter zu bekommen ist. Der schönen Worte gibls so viele, daß alles

zelbandel gebeten, daß er dieses voll gesicherte Ersatzgeld rn Zahlung nimmt.

Wie man von der Direktion der Reichsdrucke­rei erfährt, sind Maßregeln getroffen worden, die es ermöglichen werden, ben Ausfall an der Er zeugungchon Scheinen, der durch den Streik ein­getreten ist, wieder gunnmachen. Darüber hinaus ift Vorsorge getroffen, daß die Produktion in den nächsten Tagen erheblich gesteigert wird, um der Reichsbank größere Bestände an Papiergeld zusühren zu können.

Der meteorologische Mitarbeiter eines eng j er hatte wohl Herzschlag gehabt, aber wir haben lischen Blattes teilt auf Grund seiner Beobach- ihm noch erlöst vom Tode. Bitte nehmen sie es tungen mit, daß er während des ungewöhnlich, nicht Uebel. Es grüßt Ihre Frau S.e

Die Gewerkschaften stehen jedenfalls den wilden Streiks fern und verurteilen sic aufs schärfste. Wie weiter berichtet wird, ist ein großer Trupp von Arbeitern über Anderten, Höver und Jetten nach Lehrte gezogen, wo es zu Plünderungen gekommen sein soll.

Raubzüge auf vem Lande.

Leipzig, 14. August. In den ländliche» Zielen bei Leipzig herrschten jetzt gesetz- rechtlose Zustände. Ganze Trupps

fttotif Rundschau

7OOO Blitzt in fünf etur.ten.

Hinderung von TirbeU-wiMgen.

Hamburg, 13. August. DieHamb. Nackr." melden: Heute morgen versuchen verfchiedene Arbeiter, die Arbeit in den inzwischen geöfftre- ten Wersten wieder aufzunehmen, wurden aber an der St. Pauli-Landungsbrücke und im Elb- tunnel von den Kommunisten und radikale» Elementen an der Wiederaufnahme der Arbeit gehindert. Es kam hierbei zu Zusammen­stößen mit der einfchreitenden Polizei.

Humor in ernster Seit.

* Rührende Bitte. Ein Lehrer stellt einer Zeitschrift den folgenden originellen Ent'chuldi- gungsbrief zur Verfügung:Entschuldigen Sie bitte das Willi nicht zur Schule gekommen ist, denn unser kleiner wurde früh plötzlich krank,

nungen durch die Flüchtli rgssärsorge behaup­tete, daß dix Erfassungsabteilung des Woh­nungsamtes nicht getan habe, was sie tun konnte. Er übte auch neue Kritik an den Kör- uerstraßen-Bauten. Als er mit den Worten schloß, Theorie Helse den Wohnungslosen nicht, rief man ihm aus dem linken Laaer zu: Machen Sic doch Vorschläge! Stadtrat Professor Saue- ster wandte sich sehr scharf gegen den Stadtvcr- wrdneten Bohr uns erinnerte ihn daran, daß alle Fachleute in der Stadtverordnetenversammlung überzeugt worden feien, daß jedes neue Bau- verfahren ausprobiert werden müsse, weil sehr rasch der Tag kommen könne, an dem unser Ziegelmaterial wo anders üinkommt. In der Körnersttaße erstehe sedensalls ein erstkla^iges Werk. Was zu erfassen ist, wird erfaßt. Für Verfehlungen eines Einzelnen könne die Stao nicht verantwortlich gemacht werden. Das stehe fest, daß die Erfassungen in Kassel die der Stadt Berlin weit übertreffen. Unser Vorgehen wurde sogar zum Statut des preußischen Wohlfahnr- ministeriums. Ein Scklußantrag des Stadtv. Ball in machte schließlich der srucktlosen Woh, nungsdebatte ein Ende, ohwohl eine Anzahl Webner noch vorgemerkt waren und verschiedene offen ihren Unmut darüber zeigten, daß sie nicht mehr zu Worte kamen. Der Ernst der Lage kam jedenfalls gestern abend klipb und klar zum Be- wußtisein Aller, die Hörer dieser Wohnungsnot- Aussprache waren.

Frankreichs Rechtsbruch an der Ruhr.

Die englische Antwort.

London, 14. August.

Die englische Note an Frankreich und Be'gie» ist veröffentlicht worden. Der Inhalt der Note stimmt mit ben Angaben überein, die in den letz­ten Tagen bekannt gegeben wurden. Tie eng­lische Regieruna bestreitet vor allem die L e g a l jt ä t der R n h r b e s e tz u n g, sic erklärt aber gleichz.itig. bereit zu fein, die Frage der Auslegung des Versailler Vertrags über diesen Punkt dem «aaaer Schiedsgericht zn unterbreiten und sttts tu diesem Verfahren bc reit ,-u bleiben, wenn die Revarati^nskomm-ssion sick über diese Frage nicht einigen könne. Wenn die englische Regiernffg bisher in dieser Frage nickt weiter hervorgettet n rei, ko sei dies des- hssb geschehen, nm ihren Alliierten keine nutzlo- ;n Verlegenheiten an bereiten. Man könne da­her England keinen Vorwurk macht«, die Frage ver Legalität jetzt erhoben zu haben. Uebrigens sei die englische Reg^»ung dazu aufgefordert worden.

Mit Bezug auf die Revarationen sch ägt die englische Reaieru.ig von neuem die Einset­zung einer Sachverständigenkommis­sion vor. Tie betont, daß sie der Ansicht sei, das Deutschland bis zur Grenze feiner Lei­stungsfähigkeit zahle - m ft f fe. cs uitze aber nichts, wenn man eifttack die Beträge -ufam mcnfteöe. welche die Gläubiger Deutschen" s gern erlangen möchten. Ehe die Zah ungsfähig- kcit festgestellt fei. fei nicht an die Erlangung von Reparationen zn denken. Es nütze auch nichts. den Schn dner zum Liquidieren zu zwin­gen. Deutschland könne nur bezah­len, wenn seine Finanzen wiederhtrgcstellt fein würden, so daß ein Budrciübersckuß crz'elt wer­den könnte. Dadurch, daß die Papiermark 'n den besetzten Gebieten beschlagnahmt wird, tonne die Reparation?schuld nicht ge­tilgt werden. Die englische Regierung fei der Ansicht, daß jede Intervention, die das Wirt- fchastslebcn Deutschlands erschüttere, auch daun wenn sie mit dem Versailler Vertrag in Ueber- -sinstiwmung stände, die die Zzh'uflgssähigkeit Deutschlands nur herabmiudcre.

svisons Gehirn.

Die Amerikaner, die alle Werte in Ziffer,t auszudrückcn lieben, habön in Verfolg ihrer Lieblingsbeschäftigung jetzt auch den Bettuck ge­macht, das Gehirn ihres größten Erfinders Tho­mas Aloa Edison sozusagen zu kapitalisieren. Bei diesen Schätzungen sind dieNcwhork Ti­mes" zu der Zahl von fünfzehn Milliarden Dol­lars gelangt, eine Ziffer, Uc den kapiialisnsckcki Nutzwert des Gehirns des Erfinders darstellen soll. Bei dieser Gelegenheit mag daran erinnert werden, daß Edison soeben sein tausendstes Pa­tent genommen hat, und daß er nicht von bt*r Sucht nach Geldgewinn geleitet wird, wenn er Tag für Tag zwanzig Stunden im Laboratorium emsig arbeitet. Der Mann, dem die Vereinigte» Staaten einen guten Teil ihres Nationalwohl- standes verdanken, stellt in Wabrbeit an das Le­ben überaus besckeidene Ansprüche. Er hat ost genug erklärt, daß rt sich, wenn es nötig sein sollte, mit bent Lohn eines Telearavhenarbeiicrs, d. h. mit monatlich 175 Dollars, begnügen mür­be. und daß, wenn er einmal in Vcrmögcnsver- sall geriete, er immer als Telegraphist sein sor­genfreies Auskommen fiffdcn würde.

Aus VoNM und WtMcka«.

Notgeld der Reichsbahn. Um der Zahiungs- mittelkuapphcit zu begegnen, gibt die Reichs- bohfrdirektion Dresden mit Ermächtigung des Reichsverkehrsministcrs Notgeld im Gesaml- bctrage von i'y> Milliarden Mark in Eiue-Mil- lion- und Fünfhunderttausend-Mark-Sckeineu 6erau§. Tie Notgeld scheine werden bei allen Eisenbahnkasten im Bereiche der Reichsbahudirek- ticn Dresden eiugelöst. Der Ablauf der Gültig­keitsdauer der Gutscheine wird seinerzeit in der sonst bei Notgeld üblichen Weise bekanntgemacht.

Einmillioncn-Mark-Stücke. Alle Fraktionen, von den Deutschnationalen b'-s zu den Sozial oetnofraten, haben im Reichstag den Antrag ge­stellt, das Gesetz vorn 2. Februar 1922 über die Ausprägung von Ersatzmünzen dahin abzuän- dcrn, daß künftig Münzen in Einzclnennwerr von 1 Million Mark ausgeprägt werden können. Begründet wird dieser Antrag mit der allzu rasck fortgeschrittenen Geldentwertung, die es fertig gebracht hat, daß sogar schon die letzten größeren Aluminiummünzen van 200 und 500 MaA fn't - wecklos geworden sind.

Der Geldmangel. Wie wir aus Kreisen der Berliner Großbanken erfahren, schweben Per­bandlungen mit der Regierung darüber, daß die Bahn- und Postbehörden angewiesen Werben, für eine bestimmte Zeit die von den Berliner Großbanken ausgestellten Rot- s ch e ck s in Zahlung zu nehmen.

ausstellen werden, die Haupssitze der Huttndustrie, wie Berlin. Guben, Ulm, Blitzenrod bei Lauter­bach in Oberhessen, Friedrichsdorf am Taunus und viele andere Fabriken, werden vertteten sein. Tie Mütze spielt im modernen Lebensbcttieb eine große Rolle als Arbeitermütze, wie als Sport- und Schülermütze kommt sie vor. Ihrer vielseitigen Verwendung entsprechend, werden wir sie aus Stoff ober Leber hergestellt sehen rnb in bet Anpassung an alle möglichen zwcck- m-äßigen Formen. Auch sämtliche Zutaten zur Hut- unb Mützeu-Fabrikatione werden ausge­stellt sein. So Bänder, Leder und dergleichen mehr.

Eine besondere und zweifcUos viele Kreise in­teressierende Abteilung wird die A u s st e l l u n g d er Pelze sein. M der Pelz als Herren-Be­kleidungsstück ausgesprochen praktischer Natur, so treibt er auf dem Gebiete der Tamcnbekleidungs- kunst ost die wunderlichsten Wüten, so beispiels­weise, wenn Damen in heißer Sommerszeit zu leichtesten, dustigsien Gewänd-rm Pelze tragen, oder wenn im kältesten Winter der umfangreichste Pelz gar in Verbindung mit dem dünnsten Flor- stnmipf erscheint. Doch neben diese Modelauncn bleibt der Pelz ein Stück, das in erster Linie vrokischen Belleidungszwecken dient. Die Kasseler Ausstellung wird wahrscheinlich so vielreichhaltig beschickt sein, daß man sich fast auf die Leipziger Messe am Brühl versetzt fühlt. Dom Kanin bis zum Zobel, Hermelin und B'sam wird man Ge­legenheit hoben, dos verschiedenste Material ken- t*en zu lernen und seine Verarbeitung von der einsgchsten Pclzkravatte bis zum kunstvollsten Pelzmantel. Es wird sich zeigen, daß der deutsche Pelzmarkt neben London der bedelttcndstc ist. Je­denfalls gibt die Ausstellung, die nur wenige Tage Wöhren wird, auch in trüber und schwerer Zeit ein Bild gediegenen deutschen Gewcrbeflei- ßes, der uns niemals verloren gehen wird?

Terrorismus im roten Sachsen.

16 Tote und 38 Schwerverletzte.

Zeitz, 14. August.

Gestern morgen traf hier ein Trupp b c - iv a f f n c t e r Arbeiter aus Meuselwitz ein, die gemeinsam mit hiesigen Arbeitern das R a r- hautz besetzten und die Räterepublik aus- rufen wollten. Sie wurden aber von der Schutz­polizei auseinandcrgetrieben. Inzwi­schen erhielten die Arbeiter Zuzug aus Meißen. Als sie »unmehr einen nochmaligen Vorstoß gegen das Rathaus unternahmen, kam es zu blutigen Zusammenstößen, und eS entwickelte sich ein regelrechter Kampf. Die Schutzpolizei mutzte schließlich durch mehrere Hundertschaften aus Naumburg yerftärft werde»

Sechzehn Angreifer wurden erschossen.

Außerdem gab es 38 Verwundete. Auch die Schutzmonuschast hat mehrere Verwundete zu bellaizen. Die Verwundeten wurden sönttlick in die Krankenhäuser von Zeitz gebracht. Ein großer Teil der Teilnehmer flüchtete zurück nach Meuselwitz. Wie ergäuzend ouS Zeitz gemeldet wird, wurden weitere 15 Personen leicht verletzt.

Hut und Velz.

Die deutsche Hut» und Pelzfach-Ausstellung. Die Mod« ist heute wie vor dem Nrieg« eine Macht der SefeUichast, der sich die weilten utt. dcwnh« fügen, der sich andere ans Gleichgültig, kei« entziehen und gegen die nicht wenige offen protestieren, freilich oft nur dadurch, datz sie f eine neueMede schaffen ohne die« selbst zu werten

Die Mode ist nach wie vor eine gewichtige gesellschaftliche und vor allem volkswirtschaftliche Tatsache, die schon deshalb und von diesem lStandpunkte aus Beachtung heischt. Deshalb sind Ausstellungen, die das deutsche Bekleidungs-Ge- werbc gelegentlich veranstaltet, nicht große Schau­stücke für ein luxusbevürftiges Publikum, son­dern sie dienen in erster Linie den wirftchast- lichen und prakttschen Notwendigkeiten, sowie den künstlerischen Zielsetzungen des Gewerbes. Unsere Bekleidung, das heißt also, was wir hautlich trogen, vom Hemd bis zum Pelz, vom Hut bis zum Stiefel, muß sich sowohl den prak­tischen Bedürfnissen unseres vielfach künsttichen Lebens tote den Sinnen unserer ästhetischen Ver­feinerung anpassen. Hieraus erhält die Gestal­tung unterer Bekleidung ihre stärksten Anttiebe.

Der Mensch von heutzutage, der seinen Ge­schäften in großen Städten löben muß, der. der anstrengenden Handarbeit und der austeibenden Kopfarbeit des Tages in jeder Form zu dienen hat. der von geschäftlich-n Besuchen zu Empfän­gen und Sitzungen eilt, sich bald in der Eisen­bahn, bald im Gasthaus aufhält, im Auto, auf dem Motorrad durch die Welt jagt und, um sich von seinen Nervensttapazen zu erholen, noch Jagd-, Segel- und Reitsport treibt, unter ver­schiedenen Lebensverhältnissen die verschiedensten gesellschaftlichen Pflichten erfüllt, stellt an die Bc- Reümng mancherlei Ansprüche, die Zweckmäßig­keit, Bequemlichkeit, Haltbarkeit und nicht zuletzt Eleganz heißen. Kommt zu diesen Tatsachen, die Material und Form der Bekleidung bilden, noch ein geistiger Einfall hinzu, ganz gleich, ob er von einem Einzelnen oder von einer Gesamtheit ausgeht, dann haben wir daS zwangsläufig Ge­wordene vor uns. das die Welt als Mode be­zeichnet.

So liegt den Ausstellungen des Bekleidungs- gewerbes vor allem ein praktischer, ein wirtschaft­

licher Zweck zugrunde, und Kongressen dieses Ge­werbes, wie beispielsweise der Tagung der Hut- und Pelzgeschäfte vom Donnerstag bis znm Sonnabend dieser Woche in der Kasseler Stadt­halle, kommt in den Zeiten der Materialknapp- beit und Materialverteuerung eine erhöhte ge­werbliche Bedeutung zu. Gift es doch, sich über wichtige Fragen des Gewerbes versönlich aus- zusprechen, dieses und jenes, was zur Einfüh­rung an neuen Artikeln und zur Nachahmung t taktisch erscheinender Dinge empfohlen werden kann, zu brüfen, an Modellen vorzuführen und auf diese Weise die Wege für die nächste Zukunft des Gewerbes festzulegen. Zurzeit kommt auf diesen Ausstellungen noch ein besonders wichtiges Moment mit in Frage: Die Aufrechterhaltung der gewerblichen Verbindung mit den hart be­drängten Fachgenossen an Rbein und Ruhr und ihre Unterstützung durch das übrige Gewerbe im unbesetzten Deutschland. Alles dies wird auf der Ausstellung in Kassel geschehen, die von Fach­leuten aus allen Teilen Deutschlands besucht wer­den und Facherzeugniffe, vor allem Herren- 6üte, aus allen Zweigen des deutschen Gewer­bes vorführen wird. Schon der BegriffHerren­hut" gibt in genügender Weise kund, daß die Ausstellung vor allem an praktische Be­dürfnisse geknüpft ist benn der Herrenhut im Gegensatz zu den ammttigen, luxuriösen Phantasien des Damenhutes ist heutzutage nichts anderes als ein rein praktisches, bequemes und hattbarcs Bekleidungsstück. Man darf aus­sprechen, daß der deutsche Hut auf dem besten Wege ist, seinen ausländischen Konkurrenten, be- scnders den italienischen und englischen Hut, völlig einzuholen, wenn ihn nichr gar auf dem Markte ;u vertreiben. Daß es aber für unsere deutsche Volkswirtschaft von großer Bedeutung ist, wenn das deutsche Huterzeugnis auf dem Weltmärkte zum ausschlaggebenden Faktor wird, braucht deni wirtschaftlich Einsichtigen nicht be­sonders erklärt zu werden.

Das alles sind wohl Gründe genug, di« es rechtfertigen, daß auch in den Tagen schwerer wirtschaftlicher Depression ein deutsches Gewerbe gezeigt wird, das sich im Autttiea befindet und au dessen Blüte wir mancherlei Hoffnungen knüpfen dürfen. Zn der Ausstellung selbst sei bemerkt, daß nur Fabrikanten und Grossisten

Strelkhetze und Unruhen.

Wieder, eine Störung in der Reichsdruckerei.

Berlin, 14. August.

Die kommunistische Streikhetze hat zwar, im Ganzen genominen, nur geringe Wirkung ge­habt. Doch haben die Kommunisten es verstan­den, einzelne lebenswichtige Betriebe durch terro­ristisches Vorgehen lahmzulcgen. Im allgemeinen ist ihnen der Versuch, den Eisenbahnverkehr still- zulegen, mißlungen. Der Fernverkehr funktio­nierte ohne jede Störung. uni> ber Vorortverkehr sowie der Betrieb auf den Vororts- und Stadt­bahnen konnte fast reibungslos durchgeführt wer­den. Dagegen ist die Reichs druckerei von neuem in eine sehr schwierige Lage gekom­men. Die Kommunisten beschlossen, zur Ver­schärfung der Lage den Druck von Papier­geld zu hindern, um auf diese Weise von neuem Erregung in die Privatindustrie hinein zutragen, die am Montag und Dienstag die noch rückständigen Löhne auszuzahlen hatte. Tatsächlich erschienen am Sonntag morgen in der Reichs­druckerei die im Kraftwerk tätigen Heizer und Maschinisten nicht, und ebenso blieb ein wesentlicher Teil der anderen Arbeiter aus. Die Besetzung der Nachmittagsschicht war «och spärlicher, und es erfrfjeint kaum mög­lich, daß unter diesen Umständen der nor­male Betrieb der Reichsdruckerei aufrecht- crhalten werden kann. Die Direktion hat dem Reichsfinanzministerium von der neuen Lage so­fort Kenntnis gegeben. Die Lage in den städtischen Werken hat sich seit Sonnabend im all­gemeinen wenig verändert. Die Gaswerke liegen zum allergrößten Teile still.

Ausschrettungen in unO bei Hannover.

Hannover, 14. August Nachdem flm Sonntag Zusammenstöße zwischen Kommu­nisten und Polizei sich ereigneten, wobei einige Ruhestörer verletzt wurden, sammelten sich auch am Montag besonders am Steintor wie­der arbeitsscheue Elemente. Die Schutzpoli­zei ging jedoch sehr energisch vor. säuberte die Straßen immer wieder und lieft stärkere An­sammlungen nicht zur Entwicklung kommen. Von der Waffe brauchte am Montag kein "Gebrauch gemacht zu werden. Gerüchte, daß es am Sonn­tag Tote gegeben habe, sind unzutreffend. Die Lage in Linden ist nacks wie vor ernst, znmal auch die Arbeiter des dortigen Gaswerks in den Streik treten wollen. Bei derHanomag" hatte am Vormittag ein Kommrmiftentrupp eins der Gebäude gestürmt und von dort das Zeichen zum Streik gegeben, während der Betriebsrat in einem anderen Gebäude eine Sitzung abhielt.

Als wir am End« des vorigen Monats - die Wzugspreise unserer Zeitungen für \ die erste August-Hälfte bekanntgaben, ; konnten wir nickt ahnen, welche geradezu ; verheerenden Veränderungen unserer Be- - rechuungsgrundlageu uns dieser Monat - bringen würde. Der Papicrpreis dieses - Monats war uns noch unbekannt. Er - wurde von den Fabrikanten auf oas Sic- f bcnfachc des Juliprciscs, das ist das ; 275000 fad)« des Friedenspreises, scstgc- - setzt. Die Lieferanten unserer sämtlichen - übrigen Rohstoffe (Maschinen, Schriften, - Metalle, Walzcnmaffe irfto.) sind zur ; Goldmar k-Berechnung übergegangen. ; Wollten die Kasseler Zeitungen diesem - Beispiel folgen, so müßten sic in btefent - Monat zu Bezugspreisen von 500000 bis ; eine Million Mark gelangen. Es ist : selbstverstönblich, baß die Löhne und Ee- ; ffälter unserer Mitarbeiter 6er rasend - fortschreitenden Geldentwertung haben ; folgen müssen. Ms das einzige Gewerbe, - das seine Preise bekanntgeben muß, b c - - vor esweiß, wie hoch die cige- - uen Unkosten sind, stehen die Zei- ; tungen heute vor der Rottvendigkeit, ihre ; Bezugspreise für die zweite A u g u st - - hälfte festzusetzen. Daß sic ein Mehr- - faches des Preises der ersten Monats- ; hälfte betragen müssen, wird jeder ; Einsichtige begreifen. Es bedarf wohl : kaum der Versicherung daß wir auch die- i ses Mal die Preise so niedrig ber..csseu i haben, wie nur irgend möglich. Denn wir - wissen, daß uns jede Bezugsprcis-Er- : Höhung notwendig Verluste an Lesern - bringt. Aber soviel Einnahmen müssen ; uns gesichert werden, daß wir hosfcn i dürfen, unfere Betriebe aufrecht ! zu erhalten. Denn gerade in diesen - Zeiten der Not darf unser Volk seine ; Zeitungen nicht entbehren.

Ansere Postbezieher

weisen Wir daraus hin, daß ihnen in die- j sei Tagen von den Verlagen die Aufsor- ; dernnq zur Einzahlung des Unter- - schiedsbetrages zugehen wirb, ber - sich aus bem vor vier Wochen an bic Post - bezahlten Betrage und dem endgültigen - Monatsbezugspreis ergibt. Wir bitten ; dringend, die Beträge sofort ein- ; zuzahlen, weil sonst die Weiterliefe- ; rung der Zeitungen von den Verlagen - alsbald eingestellt werden muß. Uu- - ter Postabonnenten sind solche Leser zu : verstehen, die die Zeitung nicht bei ; uns, sondern selbst bei der Post ; bestellt haben. -

VereinigAngKaflelerzeilungsverleger -