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Hessische Abendzeitung

Nummer 183

Einzelnummer 3000 Mk.

Donnerstag, S. August 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 3000 Mk.

RegiemngselMmng im Reichstag

K3

tzung der Lebenshaltung sind in das Gegenteil

Ar- Ko- lüb- hin- son-

Beigien« Konirossvorschläge.

Paris, 8. August. (Eigene Drahtmeldung.) Journal des TebatS" meldet, daß der bel­gische Vermittlungsvorschlag von Frankreich deshalb nicht angenommen werden konnte, weil seine Annahme Deutschland ermuntert hätte, den vafsisiven Widerstand fortzusehen. In der Sache stimme Frankreich mit Belgien überein, daß die

3nferttonSpretfe:a) Einheimische Aufträge: Di« einspaltige Änzeigenzeile 2500 Mart.Fami. liennachrichtendi«Zeil- 2200 Mark.dte -inspaltigeReriamszeil- 7000 Mark b) Auswärtige Auf­träge: Die einspaltige Anzeigenzsile 2500 Mark die einspaltige Rekl-m-zeil- 7000 Mark, alles ein. schlieblich Teuerungszuschlag und Anziigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Fiir die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An- zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann -ine Gewähr nicht übernommen werden Truäerei: Schlachthosstraße 20/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße '>. Telephon Nr. 951 und 952

Ende des Hafenarbeiter-Ausstandes.

Hamburg, 8. August. (Privattelegramm.) Die streikenden Hafenarbeiter in Homburg nah­men gestern mit Zweidrittelmehrheit den Spruch des Bezirksgerichtes an. Der Streik im Hafen ist damit beendigt worden.

Finanzkontrolle und die Besitznahme der unren­tablen deutschen Staatsbetriebe, wie Eisenbah­nen und Post, in alliierte Regie die deutschen Reparationszahlungen sichern würden.

dern man wird den Franzosen glauben, sie hät­ten strengste Maßnahmen aeaen deutsche' Ver- sogenheit treffen müssen. Der deutsche Wider- stand an der Ruhr wird setzt mit dem l.chten und schwersten Mittel bedroht. Es ist die A n s- Weisung und die Verurteilung vieler lausend Bergarbeiter zu erwarten. Wir können aber, nach den neuen Beschlüssen der Bewarbei- ter, annehmen .dass auch diese Taktik fehl­schlägt, keine Bresche in den deutschen Wider- siachd. zu. brechen, vermag. Indessen kann leicht

durch UnbedachtsamiMen das deutsche Recht in ein überall geltendes Unrecht umgestempelt wer­den, wenn sich Attentate mehren, we".n der Wi­derstand in Bahnen gelenkt wird, die dem fran­zösischen Geschrei den nötigen Stoff geben. Und es ist leider möglich, daß dann auch das schwan­kende Englandelnsieht", Frankreich müßte so handeln, weil es sich einemFeinde" gegenüber sah, der vor keinem MittA zurückschreät. Es hat fa allen Anschein, als ob es nur plausibler Grün­de bedarf, um den englischen Utifall zu recht­fertigen. Frankreich wird diese Gründe zu fin­den wissen. Uno wir werden schließlich nicht nur die Last des Widerstandes gegen die neuen Maß­nahmen zu tragen haben, sondern schließlich noch die Verantwortung fiir alle Zwischenfälle, die doch im Grund- von jedem objektiven Beur­teiler der letzten Feldzugsmaßnahmen den Fran­zosen ausgebürdet werden müßte'». N. P.

Besprechungen bei. Der Reichskanzler hat den Führern der Parteien eine ausführliche Erklä­rung gegeben, worin alle aktuellen Fragen der inneren und äußeren Politik behandelt werden. Den breitesten Raum der Besprechungen mit den sich daran knüpfenden Erörterungen nahm das Steuerprogramm der Reichsregierung ein. Die Vertreter aller Parteien waren sich darin einig, daß die neuen Gesetzentwürfe infolge der ungeheuren Entwertung der Mark während der beiden letzten Tage bereits über­holt find, und als «ättig unzureichend angefprochen werden müssen. Es scheint Ueber- einstimmig darüber geherrscht zu haben, daß mit durchgreifenden Maßnahmen der weite­ren Markentwertung und der Inflation vorge­beugt werden müsse. Es ist am Schluffe der Besprechung festgestellt worden, daß völlige Ein­mütigkeit zwischen der Auffassung der Reichs­regierung und der Parteien besteht.

Siellungnahm * im Reichstag.

Berlin, 8 August. (Privattelelzramm.) Der Reichskanzler wird heuie unmittelbar »ach Beginn der Sitzung des Reichstages das Wort zu der erwarteten Regirrnngserklärung nehmen. Die Erklärung wird die innere und äußere Politik umschließen. Am Donnerstag und Freitag erfolgt die Stellungnahme der Ver­treter der Parteien. Ob die politische Aus­sprache mit einem ausdrücklichen formellen Ver­trauensvotum endet oder ob dieses Vertrauen dem Reichskanzler nur in den Ausführungen der Redner ausgedrückt wird, steht noch nicht fest.

derndchi. brutalen Bestimmungen, die zur beit zwingen sollen, die die Bergwerke und kereien ganz in die Hände der Franzosen ren wollen, schreibt und uotet. man wird es nehmen nickt als etwas Unaedeuerliches,

Berlin, 8. August. (Privat-Telegramm.) In der Reichskanzlei wurde gestern abend die Besprechung über die neue gewaltige Ent­wertung der deutschen Reichsmark fort­gesetzt. Eine Reihe führender Männer des deut­schen Bankwesens und der deutschen Wirtschaft wurde vom Reichskanzler und später auch vom Reichswirtschaftsminister und vom Reichssinanz- minister empfangen. Die Beratungen dauerten bis gegen Mitternacht. Heute mittag wird eineGe- samtsitzung des Kabinetts stattfinden, in der vor­aussichtlich wichtige Beschlüffe gefaßt werden. Auch die Gewerkschaften haben noch gestern abend Zu­tritt zum' Reichskanzler verlangt und erhalten und auf die G e f a h r für die deutsche Repu­blik hingewiesen, die durch den neuen Mark- sturz herbeigeführt worden ist und nicht gebannt werden kann, wenn die Dinge so weiter gehen. Fn der Unterredung vertannte der Reichskanzler nicht den ungeheuren Ernst der Lage und er ver­sprach, den Gewerkschaften heute nachmittag wei­tere Mitteilungen über die Maßnahmen der Reichsregierung zu machen. Die Ge­werkschaften hatten die Frage gestellt, ob der Kanzler auch den neuen Marktstnrz mir denselben Begleiterscheinungen wie beim letzten großen Sturz an sich vorübergchen laffen wolle.

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Reue Maßnahmen flnS notoenOig.

Berlin, 8. August. (Pttvatrelegramm.> Die Besprechungen des Reichskanzlers mit den Parteiführern dauerten gestern mehr als drei Stunden. Auch der Finanzminister wohnte den

Der ©frei! der Alliierten.

Um Englands Antwortnote.

(Eigener Drahtberickt.)

London, 8. August.

Es wird gemeldet, daß die e n g l i s ch e A n t- w o r t n o t e auf die Aeußerungen von Frank­reich, Belgien und Italien sertigaestellt ist. Das britische Kabinett wird morgen darüber beraten. Die Regierung hat die Veröffentlichung der Re- parat-onSschriftstücke bis Anfang nächster Woche verschoben, um zunächst die Wirkung der neuen Note abzuwartcn. Poincarö wird heute nach­mittag in Poris den Engländer Lord Ceril und eine halbe Stunde später Branting empfangen. Lord Curzon hat seinen Urlaub bis zum 20. August verschoben. In unterrichteten Kreisen wird bezweifelt, ob es noch zu einer Begegnung zwi- chen Lord Curzon und Poinrars kommen wird.

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Folgen der Teuerung.

Schwere Ausschreitungen in Bad Homburg. (Vrivat-Telearamm)

Frankfurt a. M.. 8. August.

Im Homburg v. d. Höhe ist es gestern zu schweren Ausschreitungen gekommen. Not­standarbeiter und Erwerbslose stnd wegen For­derung einer Teuerungszulage in das Rathaus eingedrungen, um die dort befindliche Hanptkasse zu stürmen. Die herbeigenifene Po­lizei trieb die Menge mit der blanken Waffe aus­einander. Mehrere Personen wurden veretzt. Am Abend wurde ein Polizeibeamter von jugendli­chen Arbeitern in feiner Wohnung Überfallen. Der Beamte mußte von feinet Waffe Gebrauch machen. Die alarmierte Polizei verhaftete den Haupttäter, der aber auf dem Wege zur Polizei von feinen Genoffen wieder befreit wurde.

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Der Ausstand im Bergbau.

Münster, 8. August. (Privattelegramm.) Die Streikiage im Bergbau im Industriegebiet ist un­verändert. In den Bezirken füdlich der Ruhr verharren die Belegschaften nach wie vor im pas­siven Widerstand. In Gladbeck wird auf einzel­nen Zechen noch gestreikt. Wegen Fehlens der Zahlungsmittel ist die Belegfchast d-r Zeche Schwerin in den Streit getreten. In Mülheim fordern die Bclegfchasten eine einmalige Teue­rungszulage von acht Millionen Mark.

Auf unteren Zechen.

Vertreibung deutscher Bergarbeiter?

Die Franzosen warten auf jede Geleaenheit, um im Ruhrgebiet mit neuen Sanktionen, die vor der Welt bestehen können, die Bevölkerung zu drangsalieren. Deshalb werden sie das neue Attentat in Düsseldorf, den Bomben- wurf gegen anmarschierende Truppen, nickt be­sonders peinlich empfunden haben. Wieder ha­ben sie ein Propaganbamfttel, um der Welt ihr Vorgehen in falschem Lichte' zu schildern uns alle neuen schweren und wie es scheint letzten und entscheidenden Maßnahmen abzuschwächen und zu übertünchen Sie werden im Auslande jetzt von dem gewaltsamen Vorgehen der deut­schen Regierung schreiben, werden behaupten, ob­wohl diese dem Papst versprochen hab-, jedes Attentat zu verurteilen, lasse es die Regierung geschehe», daß weiter Blut fließe (kostbares fran- zonsches Blut). Jedenfalls wird der deutschen .Regierung, die gewiß alle Ausschreitungen ver­urteilt, von Gelvaltznaßnahmen abrät, die Schuld an dc'i» neuen Vorfall gegeben. Es ist bedau-r- lich, daß gerade jetzt den Franzosen wieder die­ser gerne ergriffene Agitationsstoff in die Hände fällt. Denn sie sind dabei, ihrem Unrecht die Krone aufzusetzen.

Am schwersten trifft es sie, daß die Koke­reien des Ruhrgebietes still gelegt wor­den sind. Tie Folge davon ist, daß fast alle Fa­briken in Lothringen ohne Betriebsmittel wur­den und die Kessel ansblasen mußten. D-m Druck der lothringischen Industrie folgend, hat die französische Regierung jetzt de» Entschluß gefaßt, durch neue Verordnungen den Schritt zu unternehmen, die Kokereien wieder in Gang zu bring*. Mit drakonischen Strafen lvetzven bedroht all-, die es unmöglich machen, die Koksanlaaon wieder in Gang zu setzen. Ver­sprechung* sollen deutsche Arbeiter locken und alle, die sich weiaeru, bestimmten Befehle» zu feinen, werden mit schweren Strafen belegt und ausgewiesen. jedenfalls dürfen die Ma- fchin* nicht angehalten, darf keine Sabolaae an­gewandt werden, um den französische» Plan zu durchkreuzen. Und da anzunehmen ist, daß sie die Kokereien nickt allein in Gang bringen kön­nen. werden sie brutal Vorgehen müssen. Diese Brutalitäten, wenn sie auch schwerer wieacu als das Attentat in Düsseldorf, werden doch durch die französische Proimganda so Eingestellt, als ob sie nickt? bedeuten gegen die Blutige Abwehr der Deutschen. Die R ust r a r be i t e r werden, wie ein neuer Beschluß ersehen läßt, sick den netten Verordnungen nicktfügcn. Es läßt sich nicht abseben, was folat, wenn sich die französische Besatzung entschließt, s.emde Arbeiter beranzv- -ieBen und damit deutsche aus ihren ArbeitS- slelleu zu verdrängen. Mit dem Anblasen der Koksöfen allein ist es nicht getan. Die Fran­zosen müssen baut Kohlen haben Und diese werden die Bergleute, wie sick eben beschlossen, niemals liefern. Folglich mit ff* auch fremde Arbeiter in die deutschen Bergwerke steigen und Koblen fördern. Und das muß den Wider- siand der abertausend Bergarbeiter herausfor- d-rn, der dann nicht mehr pafsiv, sondern aktiv ausarten könnte. AuSatten. erzwungen dnrck Verordnuna-n der Franzosen, die jedem Recht ins Gesicht sckilaaen und aus der Absicht erlassen finit, nun das Letzte zu wagen, um *dlich den Rikbrwiderstand ,u brechen.

Die Verantwortung für das, was jetzt int Ruhrgebiet sich adfvielen wird, tränen allein die Franzosen. Sie müssen sich übck die Tragweite ihrer Anordnungen klar sein. Aber sie werden es versieb*, ihre Maßnahmen in den Mantel der Unschuld zu kleide». Und jeder dwtscke Uebsrgriff wird ausgewertet zur Be­schönigung der Taktik, di- alles aus eine Karte setzt und Rigorosität als Voraussetzung hat. Wir müssen au5 diesem Grunde das Attentat in Düs­seldorf verurteilen, weil Wick man ans der Variser Presse siebt die französische Propa- ckauda es verstanden bat. dieses Attentat so in den Vordergrund tu Weben, daß das Ausland nicht mehr über die schikanösen Maßnahmen dckr Franzosen fprickt, sondern in der Hauptsache sich durch die deuffcheBlutrache" abkehren läßt. Die , Franzosen sind immer kluge Taktiker gewesen. Meister der Propaganda. Und wenn Deutsch- ; land letzt auch noch so viel über di- herausfor- :

Lebensmittel Handel.

Tagung in Leipzig.

Auf ihrer Leipziger Tagung protestierten di« deucsrven Rolonialtsaeen. und LebenSmit. . tethünster gegen die Preigfchilderverord.

nung und Staudg reichte. De - Beratungen folgten besonder» scharfe Entschließungen. ' Der Reichsverband deutscher Kolonialwaren- und Lebensmittelhändler hielt am Sonntag und Montag in Leipzig seine Hauptversammlung ab. Nach den üblichen Begrüßungsansprachen führte unter anderem Geh. Justizrat Dr. Hi gkmann, 1 Geschäftsführer und Vorstandsmitglied des Reichsverb and cs der deutsche» Nahrungsmittcl- Großhändler, folgendes aus: Die Lage des Nah- rnngsmittel-Groß- und Einzelhandels habe sich seit dem Kriege fortgesetzt verschlechtert. Eine wirtschaftlich verfehlte Gesetzgebung und Rechtsprechung, die zu lange glaubte, Grundsätze der gebundenen Kriegswirtschaft auf die freie Wirtschaft auwenden zu dürfen, habe den Groß- und Einzelhandel zur Verarmung gebracht. Der Handel sei gehindert worden, der Golden Wertung die Preise anzupaffen, er habe teuer eingekaufte Waren zu einem Preise ver- kc ufen müssen, dessen Wett dem des Einkaufs nicht gleich kam. Mit jedem Warenumsatz habe ser Handel ärmer verkauft, heute besitze kein Groß- und Einzelhändler mehr die Mittel, Er­satz fiir seine verkaufte Ware zu beschaffen. Die Läger, die Läden seien leer, aber nicht, weil die Waren nicht vorhanden seien, sondern weil der Kaufmann sie wegen Verlustes seines Betriebs­vermögens nicht mehr einfaitfen könne. Nach Vorlage und Genehmigung des Jahresberichtes vielt Rechtsanwalt Dr. Siegel-München das elfte Referat der Tagung über

Preispolitik, Währung und Substanzerhaltung.

Der Redner ging von der Auffassung ait8, daß : die deutsche Volkswirtschaft sich in der Auszeh­rung befinde. Mit dieser Auszehrung (©»6= stanzschwund) gehe gleichzeitig eine Verwässerung des Blutes, der Währungs-Verfall, Hand in Hand. Der Redner ging dann auf die fehlerhafte Preis­politik? und die verfehlten behördlichen Verord­nungen ein. Die Mißwirtschaft sei darauf zu­rückzuführen. daß man geglaubt habe, durch ge­setzliche Maßnahmen die Preise nickdttg halten zu können, um damit die Existenzbedingungen der breiten Masse» zu bessern. So berechtigt an sich diese Tendenz fei, fo habe sie sich doch als ein Mißgriff erwiesen, weil die Preispolittk vor den Prod'.'fttonsschichten haltgemacht und nur den Einzelhandel getroffen habe. Der Redner er­innerte alsdann an eine preußische Verordnung vom Jahre 1808, in dem die wirtschaftlichen Ver­hältnisse ähnlich gelagert waren, wie heute. Die preußische Regierung habe damals verordnet, daß nunmebr die natürlichen Gesetze der Wirtschaft wieder Platz greifen müssen, da diese dem Staat und seinen Einzelgliedern am zuträglichsten seien. In der Aussprache schilderte Syndikus Dr. Hilpert besonders die Nöte des Leipziger Einzelhandels. Fm Stadtteil Leipzig-Lindenau seien am Sonnabend von Leipziger Kriminalkommissaren über sech^g Inhaber von Ladengeschäften

aus ihren Geschäften herausgeholt, nach dem fliegenden Standgericht im Neuen Rat­haus transportiert und dort verurteilt wor­den, weil sie gegen die P r ei Ssck i l der-Ver­ordnung verstoßen hätten. Als Protest blie­ben vom Dienstag mittag ab famtliche Laden­geschäfte Leipzigs ohne Auslagen in den Schaufenstern. Man beschloß die folgende Pro­test-Resolution:Die in Leipzig versammelten Vertreter des Reichsverbandes nehmen mit Ent­rüstung Kenntnis von der Tätigkeit der fliegen­den Wuchergerichtskommission zum Kv-'cke der Verfolgung der Preisschilder-Verordnung. Sie iordern unverzüglich Rücknahme dieser Standgerichte. Wenn die Regierung schon unablässig bemüht ist, dem Einzelhandel auch den letzten Rest feiner Substanz zu nehmen, fo ver­langen die Einzelhändler mit Entschiedenheit, daß ihnen ihre Ehre als Einzelkausmann un­angetastet bleibt und si- nicht als einziger Stand von einer entwürdigenden Gerichtsbarkeit heim­gesucht werden." In einem zweiten Vorträge behandelte Dr. Ueberreiter -München

die neuen Ausnahmegesetze

gegen den Einzelhandel. Er bezeichnete die neuen Verordnungen als Instrumente zur Un- ttrdrückung des Kleinhandels. Zu diesem Vor­trage wurde auch eine Entschließung an­genommen, in der es heißt: Der deutsche Lebens- mittelhandel, der in der Hauptversammlung des Reichsverbandcs Deutscher Kolonialwaren- und Lebensmittelhändler e. V. am 6. August 1923 in Leipzig zusammengetreten ist, erhebt hiermit nachdrücklichst seierlichen Protest gegen die durch die irreführende staatliche Preispolitik, die seit der Awangsbewittschaftung eingesetzt hat, hcr- vorgernfene allmähliche Verelendung des deut- chen Lebensmittelhandels. Die durch die Gesetz­gebung bisher angestrebten Ziele der Verbilli-

Besprechungen beim Reichskanzler

Das Problem des Marksturzes. Erwägung neuer Plane.

Forderungen in Berlin.

Berlin, 8. August. (Brivattelegrarmn.) Die Forderung der Betriebsräte nach einer einmahl gen Tenerungsbeihilfe von drei Millio- «en Mark für jeden gelernten und ungelernten Arbeiter der Großberliner Industrie ist im Laufe des gestrigen Tages den Unternebmerverbänden

zuMgangen, die bis Sonnabend darüber Beschluß fassen sollen. Die städtischen Arbeiter überreichten durch ihre Organisation dem Ma- giftrat die Forderung nach einer Beihilfe für Schuhe und Kleidung von je 5 Millionen Mark pro Mann. Die Eisenbahner wollen über die gleichen Forderungen in Merkstättrnversamm langen abstimmen. Der Streik der "Angestell len in der Berliner Metallindustrie ist bei-.... ___________ .. ..

gefegt Tie Arbeit wird heute ausgenommen. verkehrt worden: außerdem ist die durch die Ge-

Frankreicys Wunsch nach Llebeteinftimmung.

Paris, 8. August. (Eigener Drahtbericht.) Echo de Putts" meldet, daß der natfi London zurückgereiste französische Botschafter ein Hand­schreiben des Präsidenten Millerand on den Kö­nig von England überbringt, das den Wunsch nach einer engeren ileberein ft immun» der Politik bfer alliierten Länder znm Ausdruck bringt. TasJournal" meldet: Am Quai d'Or­say spttcht man von neuen Schritten Frankreichs in London. Man hoffe, eine selbständige Antwort Englands an Deutschland ZU verhindern und eine neue Formel der gemein­samen Antwott zu finden, die Deutschland die Finanzkontrolle und die A«saabe bee passiven Widerffandes auferlegt. Dann würde Frankreich zum Entgegenkommen gegen­über England sich bereit finden lassen.

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