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Nummer 182

Einzelnummer 3000 Mk<

Mittwoch, 8. Augirft 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 3000 Mk.

Der Kampf um greife und Löhne

Di- Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wächenUlch 1-chSmal un» zwar a b tnb 4. Der Ab-nnem-nlSpreis beträgt für die Zett vom Ibts 15. August 35 COO Marl bei freier stuflellun- ins Haus, tobet B-fchüftsftellc -bgehost 34400 Mark. Bestellungen werden jederzeit entoeaen. genommen, «erlag und Redaltion: Schlachthofstraßr 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine -eerant. wortung oder Gewähr in keinem 'Falle übernehmen. Rückzahlung de» BezugSqeldes oder Anspruchs wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auSgeschloffe».

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Ab^rdzettnng Hessische Abendzeitung

Änhaltlofe Billionen.

Groß« Armut trotz grosser Ziffer«.

Wie ost hat man in Deutschland gesagt: schlimmer als jetzt kann es nun nicht mehr wer­den, denn wir stehen ja mitten im Zusammen­bruch. Und doch ist es immer schlimmer gewor­den. Die Mark sank so tief, wie es kein Mensch für möglich gehalten hat, und folglich stiegen die Preise. In Wirklichieit ist diese Preissteigerung natürlich keine Höherbewertung der Ware, son­dern eine. Minderbewertung unseres Zahlungs­mittels, des Papiergeldes. Wenn beispielsweise ein Gegenstand, der vor vier Wochen hundert­tausend Mark kostete, jetzt eine Million Mark kostet, und wenn damit die Löhne und Gehälter so gestiegen sind, daß man die Fülle der Papier­scheine kaum in der Tasche bergen kann, dann ist das die natürliche Folge der Wertvermin- derung unseres Papiergeldes. Wirkt schon diese Abwärtsentwicklung des deutschen Wirtschaftslebens seelisch niederdrückend auf das deutsche Volk, so üibt die damit im Zusammen­hang stehende Teuerung, das ist der Wa­renmangel, auch «ine schädigende Wirkung auf Körper und Geist aus. Besonders die er­schwerte Ernährung bereitet weiten Kreisen ernst« Sorge. Tut man einen RüMick auf die letzten Wochen, dann kann man sich ein Bild un­serer Not machen und daraus Schlüffe auf die nächste Zukunft ziehen. Gar Mancher fragt an­gesichts dessen, wohin das noch führen solle und ob es keine Grenzen gebe, und die Antwort^au- tet: der endgültige Zusammenbruch ist dann voll­zogen, wenn wir für Papiergeld und, gute Worte nichts mehr kaufen können. Wenn der Kaufmann nicht mehr in der Lage ist, das ausverkaufte La­ger aufzufüllen, wenn die ungenügenden inlän­dischen Nahrungsmittel nicht wehr durch auslän­dische Zufuhren ergänzt werden können, und wenn die Industrie infolge Mangels an Roh- inaterial am Weiterarbeiten gehindert wird, dann ist die bisher aufrecht erhaltene Ordnung und Einheit Deutschlands zu Ende.

Noch ist es nicht so weit, und es gibt Kräfte in der Welt, die die völlige Zerstörung Deutsch­lands nicht zulassen werden, weil die Zersetzung unaufhaltsam auf die westlichen Nachbarländer übergreisen würde. Zunächst wird natürlich in Deutschland versucht, die Lage zu bes­sern, aber leider kann man diesen Versuchen kein großes Vertrauen entgegenbringen, denn wenn es bisher nicht gelungen ist, den Nieder­gang aufzuhalten, dann wird es unter den heu­tigen Verhältnissen erst recht nicht aus eigener Kraft Klingen. Rur ein« Beseitigung des Druk- kes von außen kann uns retten. Was jetzt von der Reichsregierung aus geschieht oder geschehen soll, hat den Zweck, das Vertrauen des Auslandes zu gewinnen. Die Bemühungen, die ReichSetnnahmen zu vermehren, werden zwar keine Deckung der ungeheuren Fehl, betrage bringen, aber etwas muß ja geschehen. Wie schwer die Ausgabe ist, zeigen die Riesen» ziffern, die sich nur noch in Billionen bewegen. Unsere schwebende Schuld wächst täglich um zwei Billionen. Wenn im August die Steuer, cingänge die erwarteten zwanzig Billionen Mark einbringen, wird bannt erst ein Bedarf von zehn Tagen gedeckt. Daß dabei der Geldentwertung nicht Einhalt getan werden kann, ist klar. Einen ungefähren Begriff von den Fehlbeträgen geben die folgenden Zahlen. Die Ausgabe deS Reiches betrug tat März diese- Jahres vier Bil- lionen gegenüber noch nicht einer Billion Ein­nahme, im April drei Billionen Ausgabe ge­genüber einer Billion Einnahme, im Mai vier Billionen Ausgtbe gegenüber zwei Billionen Einnahme, im Juni vierzehn Billionen gegen­über knapp drei Billionen und tat Juli betrug die Ausgabe schon siebenunddreißig Billionen, während die Einnahme noch nicht festgestellt ist. Diese Riefenziffern mit langen Rullenreihen sind der Maßstab für Deutschlands Elend.

Die Folgen davon machen sich imtäglichen Leben immer mehr fühlbar. Es HLt oft sehr schwer, sowohl tat Geschäftsbetrieb als auch im Privathaushalt, die Ausgaben mit den Einnah. men in Einklang zu bringen. Rach dem fürch­terlichen Marksturz im Juli, der sich auch jetzt r'.od) fortsetzt, gerät der Unternehmer dadurch in Schwierigkeiten, daß er für das Geld, das er für seine Ware erzielt, neue Wa.'e nicht im glei­chen Umfang anschaffen kann, desgleichen ist es dem Gehalts, und Lohnempfänger nicht möglich, bei täglicher Preissteigerung seinen Lebensunter­halt auf bisheriger Höhe zu halten. Uebcrall macht sich infolgedessen das Bestreben gellend,

sich vor dieser Geldentwertung zu schützen. In Industrie, Handel und Gewerbe ist es Brauch geworden, den Dollar oder die G o l d m a r k als G r u n d l a ge für die Berechnung zu neh­men. Dieses System wird auch für die Lohn- bcrechnung angesttebt, und selbst die Reichsver- ivaltung schließt sich diesem Vorgehen an, um die Eisenbahn-, Post- und sonstigen Tarife nach einer wertbeständigen Grundzahl zu berechnen. So wird eine gewisse Wertbeständigkeit schließlich brtburdL erreicht werden, daß man neben der Mark mch eine fremde Währung gelten läßt. Ist dieser Zustand auch tief beklagenswert, so muß man ihn doch als einnotwendiges liebet* hin» nehmen, bis einmal eine p t ff i t i s ch e Wendung eintreten wird. K. F. D.

Die schwierige Ernährung.

Eonderfvrderungen der Werftarbeiter. (Privat-TelegrammZ

Stettin. 7. August.

Infolge der Lebensmittellnappheit wird auch hier die Lage immer schwieriger. Gestern vor­mittag fand im Oberpräsidium eine Konferenz der Regierungsstellen statt, um Maßnahmen ge­gen die LcbenSmittelnot zu treffen. Zu derselben Zeit erschien eine Arbeiterabord­nung vor deut Tircltionsgcbäude der V u l - kanwerst und verlangte Lebensmittrlbejhil» fen. Ais diese obgelchnt wurden, legten die Arbeiter die Arbeit nieder, nachdem sie vorher, nochmals eine sofortige Auszah ung von drei'Mttkkvtien pro Kopf verlangt hatten. I'-v Streikenden Arbeiter bildeten dann einen Zug, der sich nach dem RegirrungSgebäude in der Stadt bewegte . Auf Kraftwagen herbeigeeftte Schutzpolizei konnte die Menge kurz vor der Stadt aufhalten und unter Hinweis auf das Bersammlungsverbot der Regierung zerstreuen. Ten Arbeitern der Opfeennrft war es jnzwisch n gelungen, vor s-em Regicrnngsgebäuve zu de­monstrieren. Zu ernsteren Zwischenfällen ist eS aber an keiner Stelle gekommen.

* * *

Eine GewerkfEastS-EntsMIießung.

Berlin, 7. August. (Privattelegramm.) Die Folge des katastrophalen Zustandes der deut tchen Mark und die Erkenntnis, daß auf diesem Wege Deutschland immer weiter in den Sumpf gerät, bricht sich auch in den Kreisen der Radi­kalen Bahn. In einer gestrigen stürmisch ver­laufenen Versammlung der Berliner Ge­werkschaften wurde eine Entschließung zur Annahme gebracht, i« der etilärt wird, daß die Wahl- und ziellose Vermehrung des Bankno- tenumlaufS keine Verbilligung der Lebensmit­tel bringt und daß die Regierung an ganz andc- rer Stelle eingrcifen müsse, um die Mark zu stabilisieren mtb den wertbeständigen Löhnen einen entsprechenden Gegenwert zu geben.

(Segen bas Kabinett Suno.

Berlin. 7. August. (Privattclegramm.) Die Gesamtsitzung der Berliner BetrcebSrä- t e bat gestern abend einstimmig beschloflen, den Rücktritt des Kabinetts Kuno mit allen auß'«^: Parlament« rischen Mitteln zn erzwingen. Richter, der Betriebsrat v^r ReichSdruckerei. teilte in der Versammlung mit, daß vom 15. August der tägsichr Banknotendruck der ReichSbanr auf 10 villi-men und nm 1. September auf 12 Billionen gesteigert werden soll.

*

Lohnbewegung In Thüringen.

Jena. 7. August. (Privattelegramm.) Die Belegschaft der Firma Zeitz forderte gestern eine einmalige Bcihile von zwei Millionen Mark pro Kopf und sofortige Erhöhung der Löhne nm hundert Prozent. Die Bewegung in diesem Sinne erfolgt fl(ei<fHcitie in einer ganzen Reih: thüringischer Industriestädte. Die eingeleiteten Verhandlungen sind bisher gescheitert.

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reSrnshaltungtz-Znbrr.

Berlin, 7. August. (P.ivattelrgrgmm.) Die Neichsindexziffer für die Lebenshaltung im Monat Juli liegt heute vor. Die Gesamtstei­gerung betrug 392,2 vom Hundert.

Der gegenwärtige Notstand.

Schwierige Aufgabe für die Negierung.

(Privat-Telegramm)

Berlin, 7. August.

Di« Regierung wird der Lebensmittel­not und der Preisgestaltung gegenüber immer ohnmäckstiger. Trotz aller amtlicher Ber- idterungen, denen sich auch der Ernäbrungsmini- ter jetzt o«geschloffen hat, wird die Zufuhr nach Berlin und den meisten Großstädten immer ge­ringer, jeder Tag bringt Preissteigerungen bi§ dreihundert und fiinfhundcrt Prozent (in Berlin ist die Milch von Sonnabend auf Wontag um

zweihundert Prozent tat Preise gestiegen), die Geschäfte kalkulieren am Xagc drei- bis viermal ihre Preise neu, die Lcbensmittel-Un- ruhen nehmen täglich zu und die verbotenen proletarischen Kontrollkommissionen be- herrschen zum Beispiel in Berlin die Preisgestal­tung ganzer Stadtviertel. Die Regierung kommt aus Erwägungen und langatmigen Kund- machungen nicht heraus. Auch die Nebenregie- rung der Gewerkschaften vernichtet immer mehr Nationalvermögen. Die letzte Devisenver- o r d n'u n g, die die Gewerkschaften vom Reichs­kanzler erzwungen hatten, hat nach An­sicht führender Börsenkreise dem deutschen Wirtschaftsleben Billionenverluste zuge­fügt. Damtt das Elend der Zeit noch recht kratz beleuchtet werde, dem die Gesetzgeber leider fremd bleiben, fei die Tatsache registriert, datz rach der Neuregelung der A u g u st b e z ü g e je­der Reichstags abgeor'dnete für August 19 Millionen Mark Anwcsenheitsgelder erhält.

Die llnkiarheit bleibt bestehen.

Berlin, 7. August. (Privattelegramm.) Die politische Gesamtlage zeigt weder außen», noch innenpolitisch die geringste Aeuderung. Der Reichsregierung ist inzwischen nur der eng­lische Entschluß bekannt gegeben, eine eigene Antwort auf die deutsche Note zu geben. Wann dieses der Fall sein wird, Weitz in Berlin niemand. Die Unklarheit über das Schick­sal des Ruhrgebiets bleibt also bestehen.

Aus dem Ruhrgebiet.

Die Franzosen in unseren Industriewerkeu.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 7. August.

Rach einer Meldung des PariserTemps" ist General Degouttes Berorduung über die Be­schlagnahme von Industriewerken des besetzten Gebietes bisher neunundzwanzig Werken des Rubrreviers mitgeteilt worden. Die Kruppwerke stehen, dem Pariser Matte zufolge, auf der zweiten Beschlagnabmeliste. die elf Na­men von Indnstrieaktiengesellschaften umfaßt. Aus Recklinghausen wird gemeldet: Die auf der hiesigen Zeche besetzten Werkstätten sind von den Franzosen unter Mitnahme der Werk­zeuge wieder geräumt worden. Die Franzosen haben eine Verfügung erlassen, wonach sie die Kokereien selbst in Betrieb nehmen wollen.

Eine Entgleisung.

Münster. 7. August. (Privattelegramm.) Der PariserMatin" meldet, daß unweit Reck­linghausen am Sonnabend ein französi­scher Rangierzug entgleist fei. Man nenne einen Toten und einundzwanzig Verwun­dete. An Berliner amtlicher Stelle liegen Ein­zelheiten über diesen Unfall nickst vor.

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Die tSombenonschlüge.

Münster, 7. August. (Privattelegramm.) Alle Verbindungen mit Düsseldorf waren infolge der Sperre wegen der Handgranaten-Ex­plosion heute ftüh noch unterbrochen. Auch mit dem übrigen besetzten Gebiet ist zurzeit keine Verbindung möglich. In Dortmund wurde gestern nachmittag eine Bombe gefunden, die von deutschen Feuerwehrlcutm und französischen Pionieren unschädlich gemacht wurde.

Wieder ein TRilTlonenraub.

Müntzer, 7. August. (Privattelegramm.) Aus Duisburg wird gemeldet: Die Franzosen besetzten getzern die Reichsbanknebenstelle und raubten vierhundertfünfzig Millionen Mark.

Unter der fremden Gewalt.

Englische und französische Vorschläge.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 7. August.

Echo de Paris" meldet, daß die bevorstehende Veröffentlichung deS alliierten Schriftenwechsels über die englischen Vorschläge ergeben würde, daß Frankreich dem größten Teil der englischen Borsckstägc zugetzimmt habe. In der wichtigsten Frage, der Kontrolle des deutschen Staats­haushaltes, habe Frankreich sogar wichtige Ergänzuntzsvorschläge nach London gelangen las­sen. die die Herabsetzung der seit der Re­publik ans politischen Gründen um fast das Drei­fache gesteigerten Zahl der denffchen Beamten- s ch a f t auf den Stand von 1914 bezwecken.Rur" die Ruhrräumung lehne Frankreich a b, aber in der Frage der Befreiung des beut» schm Staatshaushaltes bestehe Einigkeit.

Rotterdam, 7. August. (Eigene Draht- Meldung.) DerTemps" berichtet ans Lon­don, das Kabinett trete erst Donnerstag wieder in London zusammen. Der französische Botschafter kehre DieMtag nach London zurück.

Untere Ernährung.

Mitteilungen des Reichsministers Luther

eine änfHiratig übet Me jef)igen ErnShrnngS- fdjtMertflSettcn erhalten wir durch die AnS- fjrhrt»ngendeSEr:>hhr»ngS.«ndLa»dwir»hhattS- minifte*« Dr. Luther, der einem Vertreter des Berliner LotalauzeigerS Folgendes mitteilte r .Die in den letzten Wochen eingelreftene starke Geldentwertung hat zusammen mir der in die­ser Jahreszeit regelmäßig eintretenoen Erschöp­fung der inländischen Vorräte zu einer empsind- lichen Stockung der Lebensmittelversorgung der Großstädte geführt. Während in nor­malen Zckiten der Uebergang von einer Ernte zur anderen durch die Einftchr ausWldischer Le­bensmittel nahezu unmerklich gemacht wurde, können gegenwärtig Devisen nur für dick aller­dringendsten Zwckcke zur Verfügung gestellt wer­den. Besonders auf dem Gebiete der

Fettversorgung.

die in sehr hohem Maße von ausländischen Zu­fuhren abhängig ist haben die Wirkungen oer Geldentwertung zuj vorübergehenden Schwieg rigkckiten und damit zu einer lebhaften Beun­ruhigung der BevöKerung geführt. Das Reichs- ernährungsministerimn ist energisch bemüht ge­wesen, im Einvernehmen mit der Reichsbank die erforderlich^ Devisen zur Bezahlung der Einfuhr hcrettzustellm, so datz eine bal­dige Entspannung der Lage zu erwarten ist. Vielleicht hat der Fettmangel auch deshalb so scharfe Formckn angenommen, weil die Bevölke- iitng dreifach Hamsterkäufe Vorgenommen hat. Es ist zu hoffen, datz solche die Lage nur erschlverende Hamsterkänfe aufhören werden, so­bald die Bevölkerung sich überzeugt, datz eine unter den heutigen Verhältnissen auskömmliche Fettversorgung sichergestellt ist.

Die Fleischversorgung leidet gegenwärtig vor allem darunter, daß bei dem diesjährigen großen Futterreichtum der Auftrieb von Vieh auf die Märkte gering ist. Wenn auch die Behörden bemüht sind, Mängeln in der Organisation der Viehversorgung nach Möglichkeit abzuhelsen, so ist ein erheblich grö- ßckres Angebot dem Sblachwieh erst nach Beendigung der Weij^ezeit zu erwar­ten. Erftenlicherweise hat sich in diesem Jahre die Brotversorgung reibungslos vollzo­gen, und nach dm vorliegenden Nachrichten steht eine sehr gute Ernte bevor. Auch in den wichtigsten anderen Getreideproduktionsländern sind die Ernteausstchten hervorragend, und selbst Rußland schickt sich an, feind Rolle als Ausfuhr­land wieder aufzunchmen, was auch aus TranS- portn'icksichten von uns zu begrüßen ist.

Die Kartoffelernte inürfte, weiter günstige Witterung vorausgescktzt, im großen und ganzen befriedigend toere den, so datz auch für die Karloffelvckrsorgung im kommenden Winter keine ernsten Be­fürchtungen bestehen, wenn die nötigen' Maßreoeln getroffen werden, damit die verfüg­baren Karioffelmenaen rckchtzeitig vor dem Frost! in die Großstädte befördert werden. Eine Erschwernis für di« geregelte Lckbensmittelver- forgung bedeutet dis Geldentwertung auch inso­fern. als die Landwirtschaft ebenso He der Groß- und Kleinhandel infolge der großen Un­sicherheit des Geldwertes kckine Kalkula- tionsgrundlagen hoben. In dieser Be­ziehung werden dick wertbeständigen Anleihen, deren Ausgabe die Regierung Plant, auch sÄr die Lebensmittelversorgung von Bedeutung fein, da sie den beteiliotm Kreisen die Möglichkeit geben werdckn. die Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Warm sofort wertbeständig mnukeaen intp dadurch bis zur Wiederverwendung tat Betriebe vor der Entwertung zu fchsitzen. Selbstverständ- (ich wendet die RckichSreo-erung ihre besondere Ansmerkfamkeit bcT Versorgung des Rußige- 61 et 8 zu. Um den Widerstand der Bevölkerung zu zermürben, tft bett Franzosen Telit Mit­tel zu schlecht. Ohne »war die Lebmsmittelein- ft'br durch oMneelle Erlässe zu Verbieten, brin­gen sie alle Heinen und großen Schikanen zur Anwendung, um sic zu sabotieren. Die ReichSrckaierinrg ist mir allen Kräften bemüht, die Ernährung der Rubrbevölkerung ttotz aller Hindernisse stcherzustellen, und bat dafür auch sehr erhebliche finanzielle Opfer ae- bracht. Auch auf biefem Gedickt' werden die Ab­sichten der Franzosen ot der Rude und Ent- schloffenheit der Bevölkerung scheitckrn.*

©o$falöemofratie und Regierung.

Stellungnahme durch Fraktionsbeschluß.

Die sozialdemokratische ReichstogSsroktion be­endete die zweitägige Aussprache über die nuten»» und außenpolitische Lage mit der Annahme einer Resolution Hertz, die den drohenden ZirsanrnMi- bruch der Innen- und Außenpolitik Deutschlands in erster Linie als Folge der Passivität ber Rcichsregierung bezeichnet. Von der Reich" regierung wird die größte a u 6 c n b o t i t i f d