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Kasseler Neueste Nachrlchie»

13 ^Rntta. Nr. 174.

eS nicht verwunderlich, wenn sich selbst an zen­tralen Stellen ein Spezialist, der ft:i> in bei Ueberfülle noch auskennt, niM mehr finden sollte. Was den Clemeinden, die in erster Linie den Zustrom Wohnungssuchender Landsleute aufzusimgen haben, inbezug auf die Unterkunft^ beschaFung zugemutet wir-, ist nachgerade itnci träglich geworden.

Ten seit Jahren in die äußerste Dringlich keitsliste eingetragenen einheimischen WohnnngS, (uchcnden können Wohnungen nicht nachgewie- en werden.

Es nutzt nichts, daß verzweifelte Mütter mit Ihren kranken oder schon sterbenden Kindern aus dem Arm die Wohnungsämter aussuchen. D i e Wo hm un gsämter können ihnen nicht helfen? Es gibt für die Ansässigen, die bes ssere, d. h. einigermaßen menschenwürdige Un- -terkunft suchen, auf absehbare Zeit keine Hilfe, Henn es muffen (nach den oben gegebenen Er­läuterungen) unter allen Umständen in erster Linie Auswärtige, Vertriebene und Versetzte untergebracht werden. Die Auslassungen deZ Wohnungsamtes kommen zu folgendem Schluß: Diöse Feststellungen, die in der größten Not ge­macht werden, sind unerläßlich geworden ange­sichts der immer größer werdenden Unzufrieden-, heit, die sich zu Unrecht gegen die Gemeinde rich­tet, wenn diese auf dem Gebiete der Wohnungs. beschlagnahme so rigoros, inbezug auf Woh- nungs Aus- und Neubau so ersprießlich gear­beitet hat, wie die unsere.

Ardett und Verdienst.

Neue Stundenlöhne. Die Banken zakssen.

Berlin. 28. Juli.

Die neuen Reichsarbeiterlöhne sind Kostern int Reichsarbeitsministerium festgesetzt werben. Danach beträgt für die Ortsklasse A der Stundenlohn ohne Ortszuschlag für Hand­werker 24 Oft) Mark, und für ungelernte Arbei­ter 23000 Mark. Die badischen Jndustriellen- verbände erlassen Ankündigungen an die Arbei- terschakt, wonach der Rohstoffmangel in der Mehrzahl der Industrien so groß geworden ist. daß bei Fortdauer der Beschaffungsschwierig' leiten mit Bctriebseinschränkungen ab An­fang August zu rechnen sein wird.

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lleSerwuvvene Dankrrkte.

Berlin, 28. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Reichsbank erllärte auf eine ausdrückliche Anfrage, daß heute in Berlin alle vorkommen- den Reichskbankschecks voll ausgezahlt werden. Da der Fünf-Millionenschein heute in den Verkehr kommt, ist die Zuteilung von hundert Prozent möglich. Die große Zahl der vorkommenden Schecks bat nur eine gewisse Verzögerung in der Auszahlung veranlaßt, doch ist damit zu rech­nen, daß heute auch bei allen privaten Bankin­stituten der Provinz die ausreichenden Mittel zur vollen Einlösung der Schecks vorhanden sind. Die Vorberatungen zur Geldanleihe sind nun­mehr zum Abschluß gelangt Die Vorlage des Reichsfinanzministeriums ist beute dem Ka buiett zur endgültigen Veschlußfassuna vorge- legt worden.

2m L!O; der Partei.

Schwere Vorwürfe gegen die Regierung.

Berlin, 28. Juli.

'In einem sehr scharfen Artikel gegen die Re- gkerung Cuno in der Zeitung Germania, der die Stellung des Zentrums zur Regierung beleuch­tet, heißt es: Die Lust ist mit Elektrizität gela­den. Es herrscht in Berlin die 9. November- Stimmung. Die Regierung Cuno hat die Tinge treiben lasten, bis sie zur Erplosion gediehen sind. Die Regierung Cuno hätte stark sein kön­nen, wenn sie gewollt h lte. Die Regierung Cuno aber bedeutet eine einzige Enttäu­schung außen- und inncnvotttisch. Das Ver­trauen zu ihr ist in den letzten Monaten und Wochen jedenfalls außerordentlich schwach ge­worden. Man hört in allen Kreisen, selbst tu linksstehenden, den Rus nach einem Dik­tator, oder nach Einsetzung eines Wohlfahrts- «usschustes, dem die Vollmacht zu diktatorischen Maßnahmen gegeben werden muß.

Auflehnung gegen vas Lmrugsverbot.

Magdeburg, 28. Juli. (Eigens Drahtmel­dung.) Die kommunistische Tribuna von heute

früh schreibt: Dem Verbot des Ministers des Innern von Versammlungen und Umzügen un­ter freiem Himmel würde durch einen g e w a l- tigen Massenaufmarsch in der Sonntags- Veranstaltung am 29. Juli begegnet Ter Polizeipräsident macht bekannt, daß er mit allen zur Versügung stehenden Dritteln am kommen­den Sonntag dem Gesetze Geltung verschaffen wird.

Zn der Verbannung.

Leidvolle Heimkehr. xer fremde Tyrann

Münster, 28. Juli.

Nach Aushebung der Verkehrssperre mit dem Ruhrrevier sind an den Uebergangsstellen bis gestern früh mehr als achtundzwanzigtausend Personen eingetrossen ,die s e i t d r e i W o ch e n int besetzten Gebiet gewaltsam zurückgebal- i e n worden waren. Der größte Teil von ihnen war in einem jammervollen Zu st and, leit Tagen ohne Ernährung und ohne Geldmit­tel. Hilfskomitees sorgen für die Weiterreise der Schwergcprüsten in ihre Heimatsgemrinden. Die nächsten Tage werden weitere Transport­schubs aus dem besetzten Gebiet bringen.

Grausame Befehle.

Trier, 28. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die franzWsche Gärnisonverwckltunq hat auf dem Palastplatz, in Trier öffentliche Freudenhäuser in Mietshäusern eingerich­tet. Die Wohnunasinbaber mußten ibre -Räu­me verlassen und erhielten leere Eisenbah­ner w o b n u n g e n als Ersatz. In der Zeit vom 18. bis 24. Juli sind insgesamt 357 Eisen­bahner mit Familie aus dem Bezirk Mainz ausgewiesen worden. Durch diese Ausweisung wurden im Dorfe Heitersheim 161 Eisen­bahner betroffen, die meist einen kleinen ländli­chen Besin batten., den sie kurz vor der Ern­te im Stich lassen mußten.

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2n MnbUGer Gewalt.

Mannheim, 28. Juli. fPrivattelenramm.) Heute früh 7 Uhr besetzten die Franzosen den Stadtteil R b e i n a u, von dem bisher nur das Hasengebiet besetzt war. Um die genannte Zeit erschien ein französischer Offizier mit dreißig P-ann ank der Rnlizeiw-icke in Rheinau und er­klärte. daß der Stadtteil nunmehr völlig be­setzt sei. Ein Poli-eibeamter wird von den Franzosen dort fellaebalten. Nach Bekanntma- ckung der belgischen Besatzung ist der bekannte und wichtige Eisenbahnknotenpunkt Hervest- D o rsten seit heute in das besetzte Ge­bieteinbezogen worden.

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Belgische 2Mens»enschtu»er.

Dnisburg, 28. Juli (E'gene Trahtmcldung i Der belgische Kommandant hat verfügt, daß die Zahl der Geiseln auf sechzig erhöht wird, die zur Sicherung d r Anschläge ans fran­zösische Regiezüge mitznfe.hrcn haben. Es haben sich täxlich die namentlich aufgeforderten Stadt verordneten, Gewerkschaftsführer. Bürger, Ei­senbahner und Arbeiter am Hauptbahnhof ein zufinden. Sie müssen sogar noch eine Stunde nach ihrer Rückkehr zur L.rfügmrg der Besatzungsbehörden bleiben.

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GkrLes begnadigt.

Essen, 28. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) General Degoutte hat Monsignore Testa, der sich namens des Papstes um die Begnadi­gung des in Mainz zum Tode verurteilten Gör- ßeS bemüht hatte, mitgeteil, daß dem Gnaden­gesuch sta tgegeben wurde.

fflae voNM und Wirtschaft.

Reichsjugendta.z brr B-smarckjugend. Vom 20.-22. Juli fand in Goslar der R ichsjugend- tag des Bismarckbundes statt. Mehr als vier­tausend Teilnehmer Warrn aus allen Gegen­den herbeigeeilt. Insbesondere hatten die Ju­gendlichen ans dem besetzten Gebiet keine Mü­hen und Entbehrungen gescheut, an der Tagung rcilzunehmen. Der Freitag und Sonnabend brachten eine Reihe von Sitzungen, in denen al­len ein einheitlicher, unbeugsamer Wille Mr Arbeit am Wiederaufbau zum Ausdruck kam.

Alle Entschließ, neen in organisatorischen und politischen Fragen wurden einstimmig ange­nommen.

Leipzigs Messeriese Mit der Gründung der Leipziger Meffeausstellungsaktieng:- sellschaft ist das Riefenprojekt eines Hallen- b ü nes auf der technischen Messe, von dem wir kürzlich berichtettu. gesichert Dtit den Arbeiten soll bereits in den nächsten Tagen begonnen werden und man hofft, noch vor Jahresfrist mit dem Bau fertig zu sein. Das Aktienkapital beträgt zwei Milliarden Mark.

Millionenlöhne Ein erstickter Streik. Die Löhne der Hamburger Hafenarbeiter in der Zeit vom 20. Juli bis 11. August wurden durch einen Spruch des Scklichtungsausfchuffes fest­gesetzt. Danach ergeben sich Wochenlöhne von 2 220000 Mark resp. 2970000 Mark, Die Seefch i ffs o ffi zi er e und Mann- schafien werden nach einer Einigung mit dcm Zentralverb and deutscher Reeder- und Seeschiffervereine eine Erhöhung an Löhnung um 270 Prozent erhalten, wodurch die Gefahr eines Ausstandes vermieden werden wird.

Spaniens Riesenheer. Der Finanzminist r V.llanuusva will seine Demission einveichen. falls nicht ein Teil der vttrhunderttausend Mann starken spanischen Armee demobili­siert werde. Spanien, dessen Bsvö'kentng nur halb so groß fei wie die Frankreichs und das außerdem keine feindlichen Grenzen zu beschüt­zen habe, unterhalt- eme Armee, die fünfund- stebzig Prozent so stark ist. wie die französische

9teues qus Raffel

Aufl ernficn Tagen.

Ein beherzigenswertes zeitgemäßes Gffpräch,

In meinem Hause wohnt ein tüchtiger Klempnermeister. Auf seinem Firmenschilde steht zwar noch das Wort .Installateur", aber ich kann mich nicht daran gewöhnen, ihnHerr Installateur" zu titulieren, ist sage stets .Mei­ster" zu ihm. Heute traf ich ihn vor seiner La- dentür, das sonst so freundliche ($<* in Un­mutsfalten gelegt,9ia, wo brennt's denn wieder, Meister," fragte ich teilnehmend. .Seh'ni Sie mal, Herr, da wollen die Neuesten Nachrich­ten 6009 Mark mehr haben als Nachzahlung für den Juli-Bezugpreis. Da schlägt's doch drei­zehn! Weil» ich das Blatt nicht schon zwölf Jahre, solange ich hier selbständig bin, hatten würde..." Ich unterbrach ferne zornige Rede. Meister, was sind heute 69G0 Mark? Vielleicht 12 Friedenspfennige! Und die Schriftsetzer und Redakteure und Angestellten und Botenfrauen müssen doch auch alles teuerer bezahlen als vrr zwei Wochen. Sie haben Ihren Gesellen doch auch die höhere Tarifzulage geben müssen. Im übrigen: an meiner Wasserleitung ist eine Scheibe undicht. Schicken Sie mir doch jemand hinaus, damit die Wasserechnung nicht zu hoch ivird."

Eine Viertelstunde später war der Geselle in meiner Küche und abermals eine halbe Stunde darauf, war der Sckmden beseitigt. Als ich die kleine Rechnung nachher selbst unten im Laden begleichen wollte, wurde mir eine Quit­tung Wer16 590 Mark vorgelegt. Sechzehn, tausendfünfhundert Mark für kaum dreißig Minute» -Arbeit und eine kleine winzige Leder­scheibe! Ungläubig starrte ich den Meister an: Vor 14 Tagen bat mir derselbe Geselle meinen Gaskocher nachgesehen und sicher dazu nicht we­niger Zeit gebraucht. Und da haben Sie mir mir neuntausend Mark abgeknöpft. Sie wissen, daß ich damals schon beinahe in Ohnmacht ge­fallen wäre. Und heute faßt das Doppelte!" Ja, lieber Herr," erwidertt der Meiner,heute kostet bei mir die Arbeitsstunde laut Tarif auch mehr als das Doppelte. Es wird ja von Tag zu Tag alles teurer. Glauben Sie mir, uns Handwerksmeistern kommt diese Zeit schon längs, zum Halse hinaus!"

Schnell gefaßt legte ich den Rechnungsbetrag auf den Ladentisch und fiel ihm in die Rede: Ja, Sie haben recht! Aber nun denken Sie an das, was wir vorhin über die Zeitung sprachen, deren so unendlich viel höher gewordene Un­kosten Sie nicht mit 16 500 Mark für eine halbe Stunde, sondern nur mit000 Mark Nachzah­lung für den ganzen Monat abgelten sollen.

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I Feld, Hof, Garten |

8 Seite 2 der Beilage. $

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Wir sind da alle machtlos. Sie, der Zeitungs­verleger, die Gesellen und Schriftsetzer, die Mei­ster und Angestellten! Und wenn wir das ein- sehen, daß jeder von uns Zwangsläufigkeiten unterworfen ist, fall keiner über den anderen schintpsen... solange die Kirche im Dorf bleibt."

Der Meister drückte mir die Hand:Ja, Herr I Und folange wir uns nicht gegenseitig allerlei Vorwürfe machen, sondern gemeinsame Notzeit auch gemeinsam tragen, werden wir sie auch überwinden können. Dazu braucht man auch ein gemeinsames Band, das uns anstichtet und uns wieder das Land der Hoffnung zeigt. Das sind meine Neuesten Nachrichten. Und wenn auch geschimpft wird, gehalten werden sie doch! Grad so wie Sie heute schimpfen und das nächste Mal Ihren Wasserhahn doch wieder reparieren las­sen werden. Was muß, das muß!"

Alls Wiedersehen, Meister, dabei svll's blei­ben!"

Der Tag Oer S8nger.

Kurhefsischer Sängerbund und deutsche? Sieb.

Hessenwort und Hessenlied

Stets von deutschem Sinn durchglüht!

In dieser schweren Not des beuiW»en Va­terlandes geräuschvolle Feste zu feiern, ist ei» Unding, dem wird jeder Deutsche, der noch einen Funken Liebe zum Deutschen Reiche hat, bei­pflichten. Und doch hatte die Leitung des Kur- hessischen Sängerbundes Recht, als sie vor Jahr und Tag, einen warmen Ilppell an die Vereine des Bundes richtete, das Vundesfest in diesem Jahre wieder zu veranstalten. Im deutscher Liede, das vereint und begeistert, sollen sich nach langer Zeit einmal wieder die Sängerherzen näher kommen, um sich einige Stunden zu er­heben aus dem Leid, das bnnde Rachsucht un­serer Feinde dem deutschen Volke auserlegt.

Einige Stunden der Weihe soll das deutsche Lied bescheren, Kraft geben die Schwere der Zeit leichter zu ertragen, einigen in der Liebe zu unserem deuffcheu Volk und Vaterland. So mancher, der die Konzerte der rheinischen und westfälischen Gesangvereine hier in Kassel be­suchte, hat wahrnehinen müssen, wie die schwere Not, die auf dem besetzten Gebiet lastet, die Menschen wieder näher bringt, gerade durch das deutsche Lied, das Heimatlied.

Der Kurhessische Sängerbund, will auch mit dem demnächst stattftndeuden Bundesfest errei­chen, daß viele Sänger, die heute noch abseits stehen, sich dem deutschen Liede widmen und dazu beitragen, dem Deutschtum wieder die nö­tige Achtung zu verschaffen. Möge das Be­streben der Bundesleitung des Kurheffischen Sängerbundes, dem deuffcheu Liede noch viele Anhänger zu gewinnen von vollem Erfolg fein, so wäre auch der Zweck des Sängerfestes erreich:.

An den Kasseler Einwohnern liegt es nun, der Sängersache das richtige Verständnis ent­gegen zu bringen. Zeigen sie es dadurch, daß die Straßen am 4- und 5. August Flaggenschmnck usw. aufweisen, damit auch die vielen auswär­tigen Säuger sehen, daß ßaffef noch nicht den Sinn für das Schöne verloren hat. C. P.

Turnen, Ssort und Spiel.

Reit- und Fahrturnier.

Das schon heute begonnene Reit- ttnV )Fahr1uirn i er des Kurhessischen Reft- und Fahrvereins Kassel erreicht am Sonntag seinen Höhepunkt. Es sind hochwertige Vor­führungen angekündigt, die geeignet erscheinen, das Interesse in Kassel am Reit- und Fahr­sport wesentlich zu erhöhen.

Kraftpost Verkehr Fulda-Gersfeld-Wafserkuppr.

Während des Rhön-Segelflug-Wettbewevbs 1923 Wird eine Krastvostilinie Gersfeld (Rhön)- Wasserkuppe vom 1. August bis zum Ende des Wettbewerbs in Wirffamkeit treten, und zwar ab Fulda morgens 7.06 Uhr. 930 und 1.30 Uhr, an Wasserkuppe 8.50. 11.15 und 3.25 Uhr; zurück ab Wafferkuppe 9.25 Uhr vorm., 12.10 und 625

Sonntagsgedanken.

Vom deutschen Idealismus.

Don

Reinhold Braun.

Je tiefer wir als Volk gelitten, je metr er­kennen wir, daß der Materialismus in feinen Auswüchsen und Verblendungen schuld an allem ist und jede Tat am deutschen Volke, die der Ma­terialismus dikttert ist ein immer größeres Vergiften des Volksganzen. Und mit dem ewi­gen Hin- und Herpendeln zwischen Materialis­mus und Idealismus ist es nicht getan. Der Schwankungen sind genug und genug jener Men­schen, die man nur noch als Molusken anfpreehen kann. Das heilige, tiefemfte Entwederoder allein bestimmt unsere Zukunft.

Die wahrhaft Deutschen müssen erkennen, welch ungeheuren Schaden der Materialismus angerichtet hat, dieser Materialismus der immer nur Kompromisse schließt, der immer nur Be ruhigungspülverchen gibt, der die Stunden durchtml'nett in Rausch und Gier, der die Quel- len unseres Volkstumes verschüttet hat und un­sere völkischen Ideale zertrümmerte, der, tote einer mal sehr schon sagte,die Sittlichkeit zur Mumie und die Religion zum Ammen-Märcben" gemacht hm, dieser Materialismus der mit aller Wildheit eifert gegen alles was vom Geiste ist und zwar in ganz innerlichem Sinne genom­men vom heiligen nationalen Geiste, dem der Dollar das Maß aller Tinge geworden jstl Ge­gen diesen MMerialismus muß das Edeldeuffch. land eine einzige große Kampffront bilden, muß es trutzig und stark taufend und abertairfeno Fackeln in die Nacht des Wirrwahns recken.

Dieser Jdeaftsmns allein ist der Führer aus die Höhe und eine bessere Zeit. Es ist der Idealismus der nackt dem Jenenser Gelehrten Rudolf Eucken, der Bekenner zu einer Gesamt wett deittschen Geistos ist, der eie unablässige Wendung zur Tatwolt hat und der nun Dritten die Religion als die erhöhende Gottesmackst in das Leben hineinläßt. Dieser Idealismus ttt

der wahrhafte Notbezwinger, den er ist kein

Schicksal nimmt und das Schicksal mit freie:

dem eine Anzahl Pfalz-Flüchtlinge untergebrackt sind, rasteten wir und als auf abermaliges Ru­fen unsere Kellnerin C e n z i nicht tarn suchte ich sie auf und sagte: »Jetzt reiße ich aber aus und zahle überhaupt nicht. Da antwortete sie bur­schikos: »Ah, dös macht nir dös passiert alle Tage a paarmal, dös fan mir scho gwohnt!"

Allgemeines Lacken natürlich in diesem baye­rischen Meeca! Zahlen und weiter an dem Passions-Haus vorbei durch die mit biblischen Motiven künstlerisch bemalten Wohnstätten der ehrwürdigen Pafsionsschauspieler. Als ton einen sprachen, der Nagel- und Haferlschuhe fa­briziert und flickt, stellte sich von uns ein Büh nen-Dilettant auch als solcher vor und begrüßte ihn als »Herr Kollege", worauf der Apostelkopf erwiderte: »Also auch ein Schuster!" Wieder ein Halloh uns fort nun an dem Hänsel und Gretelheim für arme Kinder vorbei, hinauf gen den Wallfahrtsort Ettal, wo wir im Brauhaus der Mönche einen delikat mundenden Kloster­likör genehmigten. Unsere Freude war aber noch größer, als wir Ober-Regisseur... Alfons Pape begrüßten, der uns eine eingehende Be sichtignna der historischen Kirche und deren Kunstwerke energisch an das Herz legte. Wir bedauerten, nicht seinem künsflerischen Rate Folge geleistet zu haben. Der Liebling des Schauspiels erzählt uns auch, daß sein gleich- wertiger Kollege der anderen Fakultät Wind gossen sich mit Familie in feiner Nähe von den Abfchiedsstürmen ausgiebig erholt.

Händedruck und weiter getiptelt. Die Wald- straße hinab nach O b e ra u, daß wir .Hessen gleich in Oberau-la umtanften. Die Abend- fcnne begann ihr Zauber'viel, hüllte die Gipfel in leuchtende wechselnde Rosa- und Violettfar- ben. Garmisch war nickt mefrr zu erreichen. Wir sprechen beim Bürgermeister vor um Unter« kun ft zu bekommen, der rms feinen H eusch f>= her sehr emp'ghl. Delbssvefftändlich sagten wir zu, hoben unsere liebgewordenen Rucksäcke ab und machten noch einige Spaziergänge in dem Hotzlager-reichen. lieblichen Tal. Um 9 Uhr

Noch dem Münchner Fest.

Tie Kaffelaner in den Bergen.

Schurri! Auf, in die Alpen! Heil, Heil, Gutbell!! So hieß unsere Losung in der Mor­genstunde, als wir uns in dichten Scharen ge­drängt. dem Starnberger Bahnhof näher­ten. Die Freude war groß, lachte doch wolken­loser Himel, war dock unser vorläufiges Ziel: über Tutzing an dem Staffelsee vorbei das durch seine hervoragenden Passions-Spiele weltbe- rühmte Oberammergau aufzusuchen. Und diesen Sommer auch die Pforten des religiösen Theaters geschlossen, wurden wir doch durch einen Zufall auf die hochinteressante ^--^önück feit dos Cbristus-Darstellers Anton Lang, der vor seinem Hause »Daheim" stand und seines

... _ . Zeichens nach ehrsamer Töpfermeister ist, auf-

Notflüchtling, sondern einer,-der diese Not at* merksam gemacht. Beim Bachs ranz l, bei

Stirne bejaht, dem diese Not keine Lebensihemm- nis, sondern eine Förderung innersten Lebens ist. Dieser Idealismus ist der heilig Herzhafte, der Frffchzupackeitde, der die Wi'cktzl.'ett Mei. sternde, der ans deuffcher Innerlichkeit Starke und Sieghafte, denn die Quellen des Ewigen sind seine Erlabung.

Deutlich fein und idealistisch fein ist eins. Ja gerade im Kampfe mit der Materie und den Grausamkeiten unseres Alltags mässen wir uns ein Stück dieses Idealismus bewahren. In der Edda" heißt es:

geuer Vt das beste b:m V:tte der Mensche, und d'e ®a e. d»e Sonne ji lehn,

Saju, wenn es fein kann. S-fundbeU be» Selbes, und ein Leden von Lestern frei*.

Wenn wir das Wort derEdda" dahin an sehen, das wir das Feuer rein innerlich nehmen, so kann es kein trefenveres Wort für den deut­schen .Idealismus geben. Denn er ist der große Feuerwerfer und der starke Lichtträger in unse­rer Zeit und er bat die wundervolle Gabe, die Sonne zu sehen trotz alles Dunkels unserer Zeit. Heil uns, wenn wir von seinem Geiste ergris- fen sind!

fetznng folgt.)

Viktor Feigl.

Lied der Kohl »Häuer

Von

Wir wracken, wir hacken Mit Hangendem Nacken Im wachsenden Schacht Bei Tage, bei Nackt.

ging es in die Betten: wenn ich Betten sage, meine ich das Heu, dessen betäubender Duft mich an das Frühstück meiner Kinderzeit lebhaft erinnerte; außer uns fand sich noch eine große Anzahl gemütlicher Sachsen im Heustadl ein. Allgemeines Stieselputzen, Wtt-e, Begrüßen »euer Schlaffchwestern und bei dem Summen des GassenhauersIm Hotel zur Nachtigall" lullten wir, von München noch müde, recht bald ein.

Nach und nach wurde aber das Nmbtlag^ von Granada von einigen Schnarchern belebt u. die Unruhe und das immer wieder neue Auf- Wirbeln des Heues gemahnte mich bald an das Walzbrüder-Trio aus Lumpaeivagabundus von Nestroh. Zum Gaudium aller Hotelgäste knarrte Plötzlich ei» Wecker, den ein Ehepärchen mit« brachte. Fünf Uhr war es. Nun ran an den Brunnen zur Morgentoilette., Ulkige Bilder schaute mein keusches Auge! Zur Ueber- raschuna aller sagte uns der .Oberbürgermei­ster" mit offener Hand »Grüß Gott, guten Morgen" und nahm jeden von uns ehrerbiettg fünf Mllcken ab! Seinem Wahlsvruch: .Nur kein Auslassen!" machte er alle Ebre. Selbst­verständlich zu wohltätigen Zwecken. (Fort-

Gertrud En-elke.

Wir pochen und pochen durch Woche» und Jährt, Wir fahren lichtauf; mit .Glück auf!" dann hinab

Wir Pochen und Pochen von Wochen -- zur Bahre -

Und mancher schürft unten fein eigenes Grab Wir pochen, wir pochcn durch Wochen u. Jahre.

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