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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 159.

Einzelnummer 500 Mk.

Donnerstag, 12. Juli 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 500 Mk.

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Das BMenattentat aufgeklätt?

Eine schwere Sitzung.

i

Dlrv England handeln?

Voincars und seine Getreuen.

Paris, 11. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Mnistrr und llntcrstaalSsekrctäre traten gestern früh im Außenministerium unter dem Vorsitz Poincares zu einem Kabinettsrat zu­sammen, der sich mit den auswärtigen Angele- aenheiten befaßte, wobei PoincarS den Stand punkt der Regierung darlegte. Da Millerand ernst Donnerstag abend von seiner Reise zurück- erwaraet ward, wurde der für Donnerstag an- gesetzte Ministrrrat aus Freit-.z vormittag ver- chobcn.

Mit Mann und Stoß und Wagen.

®«tf, It Juli. (Privattelegramm.) .Echo de Paris' meldet: Für daS dritte Vierteljahr (Juli- Septmkber) ist eine Verstärkung der Besatzungs- ormee um 16 700 Mann und eine Vermehrung des Artillerieparks im besetzten Gebiet um zwei­hundert Geschütze und Tanks in der Montags- Sitzung deS Senatsausschuffes bekannt gegeben.

Amerika« Wohlwollen.

Roterdarn, 11. Juli. (Privattelegramm.) Wie ein Londoner Blatt meldet, sei die Erklärung Kardings in London durch den amerikanischen Botschafter mündlich übermittelt worden, daß die Bereinigten Staaten einer Einladung Englands zu Besprechungen über die Reparaionsfrage nicht ablehnend gegenübertzehen würden.

Folterknecht Volncare.

Drohungen mit neuen Maßnahmen.

lPrivat-Telegramm >

Genf. 11. Juli.

Pariser Zeitungen geben Mitteilungen P o «cor68 im Senatsausschuß am Montag wie

Frankreich drr Störenfried.

Rotterdam, 11. Juli. (Privattelegramm.) Sie Londoner Blätter schreiben, hofft oaS eng­

lische Kabinett, daß die französische Regierung alle Möglichkeiten ergreifen um sich mit der englischen Regierung z u sam nie n z u fi n. de n. Wenn es sich als notwendig erweisen sollte, daß Großbritannien seine eigenen Richtlinien gegenüber Deutschland befolgt, so muß daraus hingewiesen werden, daß Frankreich zweimal willkürliche Sonderattionen gegenüber Deutsch­land unternommen hat, ohne England zu fragen und daß dies doch keinen Bruch der En­tente verursacht hat. England ziehe jedenfalls keine Attion in Erwägung, der einen derartig drastischen Charakter hat.

Die deutschen Opfer.

Münster, ii. Juli. (Privattelegramm.) So­weit bisher werden konnte, sind seit

dem ExplosionSunglück auf der Rheinbrücke drei Bürger erschossen worben. Zur Zeit sind als Bergelttmgsmasinahmeu Mr daS Explosiv ns. Unglück sechsunddreißig Geiseln in Hast.

der. Poincar« sagte aus die Anfrage des Sena torS Brisson, daß er daS Verlangen an Deutsch­land »ach attiver Beihilfe gegen die Verbrechen der Eisenbahnsabotage im Ruhrrevier zu er­neuern entschlossen fei, und daß er bei Ableh­nung der nach Berlin gehenden Rote weitere und rücksichtsloseSich-rnngsmatznah. men" im besetzten Gebiet durchführen wird.

handeln, bann mache ich es ihnen wett Hören Sie zu. Herr Gendarm! Wenn Sie mir den An- itber nennen, dann unterschreibe ich für die franzyösi'che Regie. Wollen Sie das verspre­chen? Jawohl! Gut also, der Angeber ist Ihr eigener Bruder! Ob der Mann wirklich unter» schrieben hat. weiß üb nid* Ich weiß auch nicht aus eigener Kenntnis, ob die Geschichte wirklich wehr ist. Aber möglich . . . möglich ist sie!

Und damit komme ich zu dem Kapitel der Ueberläufer. Und das ist wenigstens ein er­freuliches Kapitel. Denn was da wirklich französischen Dienst tut, das ist nicht der Rede wen, obwohl es die Franzosen sehr geschickt an» langen und mit Versprechungen und Drohungen abwechseln. Auch sind in in der Tot viele Leute von liebenswürdigem Benehmen unter ihnen, die es nicht an Versuchen der Ueberredung keh­len lasten. Und schließlich bedeutet die Aus­weisung ja auch nicht für alle das gleiche. Ter unverheiratete junge Fant lacht sich eins und marschiert fröhlich über die Grenze. Dem verhei' ratcten Mann mit Frau und Kindern wird es

Minzen Tccktik Englands im gegenwärtigen Augenblick mit die Triebfeder bildet. England könnte es Bei der heutigen weltpolitischen Kon- fteufltwn noch in etwas ertragen, wenn Frank­reich die größte Landmacht wäre. Daß aber das Frankreich von heute danach strebt, auch zur größten Luftmacht zu werden, ja sogar den Ehr­geiz besitzt, zum mindestens, was die Unterfee» Boote angeht, die Vorherrschaft Englands zur Teste streittg zu machen, das ist für die Welt- '"E Engiland einfach unerträglich. England i freilich klug und zurückhaltend genug, ans dieser heute n-mh nicht die für seine Sicherheit notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Aber es ist ebenso sicher, daß England, wenn es auch niajt viel Worte darüber macht, gegenüber einer wlchen Entwicklung nicht untätig bleiben kann, mtb, wie Unterrichtete wissen, auch absolut nicht utitattg ist. Und wenn es letzten Endes darauf i ankommt, wirklich für die Entscheidung auf dem künftigen Kriegsschauplatz, den in der Luft, sich zu rüsten, dann darf man sicher sein, daß es England mit Frankreich noch aufnehmen wird.

Das neue Europa ist aber heute schon in Um- rissen äst erkennen. Mag die Reparationsftage entschieden werden, wie sie wolle. Von den Fest- landsmachten wird in absehbarer Zeit die Ent­scheidung darüber zu treffen fein, ob sie ihre Orientierung nach Frankreich oder nach England machen. Es ist ein großer Unterschied, ob die zu Frankreich haltenden Staaten und Völker in etnem freien, lediglich von gegenseitigem Inter­esse beeinflußten Verhältnis zueinander stehen, oder ob sie Hörige, Trabanten oder Vasallen sind. Nichts ist starker im Kampfe ums Dasein vor allem auch im Kampfe um die Weltgeltung, als der Trieb des Egoismus, und Vasallenstaaten mtd schon immer die unzuverlässigsten gewesen. Sie nehmen ihr Interesse dort wahr, wo sich ihnen em Erfolg bietet. Frankreich wird sich über kurz oder lang entscheiden müssen, ob es mit den Vasallenstaaten, die weitab feiner Grenze liegen, mit Polen und mit den Völkern der Kleinen Entente. Europa in die Schranke fordern kann, und ob es aus Italien, Belgien und die übrigen europäischen Staaten, nicht zu­letzt aber auch aus ein friedliches, nur auf der gegcnfeitigen verständigen Arbeit aufgebautes Verhältnis zu Deutfchland verzichten kann.

Es ist nicht das erstemal, daß Frankreich im seiner Macht sich bewußt in eine welt- wolitische Isolierung hineingearbeftet hat, das »yranfreuB von beute ist dabei, ttotz aller ge- scknchtlichen Erfahrungen diese eigenartige Tra­dition zu wiederholen. Aber wie es schon früher Zeiten gegeben hat, in denen gerade auf den Trümmern des französischen Größerkwahnes ein neues Europa sich herauskristallisierte, so liegen auch fetzt wieder genug Anzeichen vor, die darauf hrnzudeuten scheinen, daß die Welt­geschichte nicht mit sich spotten läßt. Welche Wen­dung die politischen Dinge nehmen werden, ver» mag heute naturgemäß niemand zu beurteilen Die Krise zwischen den zunächst Beteiligten er- ichernt zedoch dem Höhepuntt nahe, es ist kaum noch eine Verschärfung möglich. Wenn die heu- ngen Anzeichen nicht trügen, darf angenommen

werden, daß England in den nächsten Tagen mit einer Bcrffenttichung hervortreten wird. Daran wird man zu erkennen vermögen, wie stark die Absichten in London sind, Deutschland und damit Europa den Frieden zu geben. Man wird aber gut daran tun, an die englischen Absich­ten keine übertriebenen Hoffnungen zu knüpfen.

AuSgewleftn.

Aus großer Leidens,zeit.

Don einen dnrrtz ftaugiSfitoe 'Brutalität einSgetoic« fetten werben die nachfolgenden SkhUderirngen ver. vffen-iictzt.die Liess, inath.dle cf loer anfIenLschlrtnd lastet, in ihrem ganzenllmfang vor nufer Ange tritt. . . . Das war feit Monaten schon so: so oft die Hausschelle ertönte, sah man erschreckt einan. der an; jetzt kommen sie! Die französischen Gendarmen nämlich mit der Uusweisungsorder. Was es heißt, monatelang unter einem solchen seelischen Druck zu leben, dabei als kräftiger, ge« sunder Mensch zum Nichtstun verdammt, davon macht sich keiner einen Begriff, der nicht Eisen­bahnbeamter im besetzten Gebiet gewesen tft. Fast atmete man auf, als es endlich wirklich so ioeit war. Da standen sie vor der Türe, ein 'Zendarm, ein Dolmetscher, ein Zivilist. »Sie sind tusgewiesen, morgen früh 8 Uhr haben sie in der T-Straße in dem X-Gebäude zu erscheinen. Ihre Familie hat in drei Tagen das besetzte Ge' biet zu verlassen. Sie dürfen nichts mttnehmen als das. was genehmigt wird." Und genehmigt wird nur ein bißchen Leibwäsche und Kleider. Früher auch noch Nähmaschine und Klavier, doch >st diese Vergünstigung neuerdings wieder zu- uckgezogen. Und sofort ging es ans Aufnehmen des Mveniars. Der Gendarm sagte an. der Zi­vilist stchrieb auf, der Dolmetscher vermittelte. Zuerst das Wohnzimmer, die falle ä manger. Ein Tisch, lang soviel Zentimeter, breit soviel Zentimeter, sechs Stühle mit Rohrgeflecht, einer ^'schädigt so ging es stundenlang fort, von einem Zimmer zum anderen. Nichts wurde ver­gessen. bis auf das Kleinste. »Ein Löffelblech mit sechs Lössel, einer davor verbogen". Urtier die Hauskatze erhebt sich ein Streit. Der in die

Das Duisburger Attentat.

Eine überraschende Wendung der Angelegenheit.

tPrivat-Telearamm)

Münster, 11. Juli.

Seit einigen Tagen gehen hier Gerüchte um über eine sensationelle Wendung in der Verfolg­ung des Eisenbahnunglücks auf der D u i s b u r- ger Rheinbrücke, nach denen es gelungen sei, zwei Leute als Attentäter zu verhaften. Es handelt sich um einen Franzosen und um einen Argentinier. Weiter wurde ein Dienstmädchen verhaftet, das in einer Duisbur- der Wirtschaft beschäftigt ist. Bei dem Argenti­nier wurde noch ein Fläschchen mit Morphium gefunden, mit dem sich der Attentäter im Falle seiner Ergreifung daS Leben nehmen wollte. Dieses Vorhaben konnte noch rechtzeitig vereitelt werden. Der verhaftete Franzose soll die Tat bereits eingestanden haben. Es baden sich verschiedene glaubwn-dige Zeugen gemeldet, durch deren Aussage,, der Verdacht gegen die beiden Männer verstärkt hat. Bei bet vollkommenen Abschneidung Duisburgs von je­dem Verkehr ist es angebracht, die Meldung mit Vorsicht ausrimehmen big eine behördliche Be Nötigung vorliegt. Die Ermittlungen der bem- scheu 'Kriminalpolkz-r, die gemeinschaftlich mi* der belgischen Kriminalpolizei arbeitet, scheinen iedoch Licht in daS Dunkel zu bringen. Die Stadtverwaltung von Buer erhielt non der 6eL gischen Behörde die Nachricht, daß alle Über die Stadt Buer verhängten belgisch S-Eioneu aufgehoben worden sind. Die Straßeu- b ahn en können sofort wieder verkehren. Ter Straßcnsperrverkehr von 8 Uhr abends bis mot. genS wird aufgehoben. Die Wirtschaften kön­nen SiS abends 7 Uhr geöffnet werden. Auf welch tiefere Gründe die Aufhebung der Danktto- neu zurückzuführen ist, war nicht zu ermitteln.

Rotterdam, 11. Juki. (Eigene Drahtmeldung.) Ein einflußreiches englisches Blatt schreibt tu der zu erwartenden Regierungserklärung: Sollte auch diesmal fettens unserer Verbündeten feine Antwort erfolgen, so wird das nicht die Schuld von England fein und England wird f elb. iänbig handeln können. Weiter erftärt das ausgesprochen ftauzofenfteundllche Blatt: Der Zustand der englisch französischen Beziehui. gen ist der eines Nichtzusammenarbet» t e n s, seit die Franzosen trotz unserer Einwen­dungen in das deutsche Ruhr gebiet einrückten.

Rotterdam, 11. Juli. (Privattelegramm.) Aus Loudon wird weiter gemeldet: Baldwins Ankündigung einer Erklärung über die Ruhr- unb die Reparationsfrage wird von den Diens- taa-Morgenzeitungen als der endliche Beginn einer Lösung der englisch - franzö­sischen Spannung gedeutet. Der entschet- vende Londoner SabinetiSrat am Aiontag hat ast viereinhalb Stunden gedauert, die Botschaf­ter in Berlin und Paris nahmen daran teil.

Mahnung schon eingewiesene Herr Franzose, her auch noch dazu kommt, erhebt auf dieses Stück lebhaften Anspruch, die Besitzerin bestreitet ihn unter Tränen.Hier ist ein heller Fleck auf 1 der Tapete, da wa>: ein Bild. Wo ist das ©Ubj." Wehe, wenn es sich herausstellt, daß der Besitzer - «was heimlich zur Seile gebracht hat! Freilich möchte mancher gerne besonders persönliche und liebgewordene Tinge vor dem Feinde schützen, aber er hat nicht nur mit den Argusaugen der 1 Franzosen zu rechnen, sondern leider auch mit deutschen Denunzianten.

Der größte Schuft im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant!, sagt ein al­tes Wort. Der Mann im besetzten Gebiet weiß davon ein Sieb zu singen. Selbst anständig den­kende Franzosen und es gibt bereu selbstver­ständlich genug schütteln sich vor Ekel, wenn sie auf dieses Geschmeiß zu reven kommen. Ich weiß, daß einer dem Bürgermeister eines klei­nen Ortes, gar nicht weit von Frankfurt, gesagt hat:Wenn Sie wußten, Herr Maire, welche Stöße von anonymen Anzeigen bei uns liegen! Gegen Sie selber auch zwei." In Tagen der äußersten Not kommt eben das Innerste im Memchcn zum Vorschein, das Gold, aber, auch das Gift. Das Spitzelwefen ist allmählich so ins Kraut geschossen, daß sich keiner mehr traute, auf der Straße oder an öffentlichen Orten ein unbedachtes Wort zu fprechen. Man konnte nie iviffen. ob nicht ein Angeber in der Nähe war. So muß es in den Niederlanden gewesen fein, als Alba dort mit Blut und Brand fein Schrek- fenSregiment geführt hat. Ein Stück Mittel- alter ist wieder gekommen, mitten in die trü­gerische Helle moderner Zivilifation hinein. Wie wenig hat sich doch das eigentliche Wesen der Menschheit geändert! Man erzählte mir als verbürgt die folgende Geschichte:Sie haben bei einem Familienfest kürzlich eine Anzahl Wert­gegenstände als Geschenk erhalten, nämlich dies und jenes und das und das. Wo sind die Sa­chen?" Starr vor Schreck hört der Manu die Anschuldigung, die aufs Wort stimmt. Dann packt ihn die Wut. Der Verräter konnte nur em intimer Eingeweihter fein.Gut," sagte er, wenn meine eigenen Volksgenossen so an mir

Englands Mtton.

Offene Türen für Frankreich.

(Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 1L Fun.

Reuter meldet von gestern Abend: Das Ka- binett hat feine Beratungen über die Regie - rungserklärnng im Unterhaus beendet. Am Mittwoch früh wird das Kabinett nochmals zu- farnmentreten, zur endgültigen Festlegung be» Wortlauts der Regierungserklärungen über die Regierungspolitik. Dazu erfährt Reu­ter: Englanb wünscht keinen Bruch mit Frankreich mib wirb bie Tür zu Verhand­lungen ausdrücklich offen lassen. Die Regie, nmgserklärnngen in beiden Häusern irrsten vorausfichtlich keine Ueberraschunzen bringen.

Vor der Entscheidung?

Die zwei Rivalen in eifrigste« Arbeit, (Eigener Drahtbericht.)

Rotterdam, 11. Juli.

Di«Times" melden: Da« Unterhaus hat am Montag entchiedeu. daß es vorläufig niifit in die Ferien geht, sondern zusam- mcnbleibt, und zwar bis zur Erledigung der autzenpolitifchen Verhandlungen des Kabinetts. DieMorningpost" meldet: DaS Kabinett Hal ein« ganze Reihe »euer Rückfragen nach Berlin gerichtet, deren Antwort bis Mittwoch Abend in Loudon eingehen muß. wenn Bald­wins Erklärungen im Unterhause am Donners­tag nicht vertagt werden sollen.

Sin neues Europa?

Die schwere Krifis des Kontinents.

Nie hat Europa eine so schwere Krise erlebt, als zur Stunde. Trotz aller scheinbaren, jeden- mlls auf dem Papier verbrieften Harmonie der heute die Welt regierenden Mächte in ihrer übri­gens nur von purem Egoismus geleiteten Stel­lungnahme gegenüber dem Europa von heute klaften die Gegensätze so tief, wie noch nie. Ja, es lst schon immer geschichtliche Tatsache ge­wesen, daß die diplomatischen Differenzen nie großer sind als dort, wo die meisten feierlich verbrieften Verträge und Zusicherungen bestehen. Das Gleiche beobachtet man auch gegentoärtig tm Verhältnis zwischen Frankreich und England. Es ist nicht nur die Meinungsverschiedenheit über den passiven Widerstand und über den Ter­min der Räumung, es ist vielmehr die ganze grundsätzliche Einstellung Englands einerseits und Frankreich andererseits zu dem neuen Europa, das jetzt in der Entwicklung sich be» ttndet. Und ein n e u e 8 Europa i st in der Ent­wicklung. Wir müssen uns gerade bei der Be­trachtung der gegenwärtigen weltpolitischen Si­tuation daran gewöhnen, die Dinge über den Kreis der Tagessragen und Tagesinteressen hinaus zu betrachten. Alles, was jetzt geschieht, ist nur Geplänkel, Vorgefecht. Die Dinoe stehen nicht so, als ob England nur die Wahl bliebe zwilchen der Freundschaft Frankreichs oder sei­nem eigenen Schaden. Wichtiger sind England immer noch seine eigenen Interessen, und höher Äs die französische sicht ihm die englische Sicherheit. Und einzig und allein dieser Jnter- effenstandpunft, und nicht das Gefüblsmoment, ist für die Haltung Englands entscheidend. ._ ®ian hat das ganz deutlich gesehen bei den langften Erörterungen über die französische Rüstung. Frankreich ist heute unbestreitbar und unbestritten die erste Militärmacht Europas. Das