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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 153.

Einzelnummer 500 Mk.

Donnerstag, 5. Zuli 1923.

Einzelnummer 500 Mk.

13. Jahrgang.

Kein Erfolg des Papstbriefes.

Der Papstbrief.

Die Nachwirkung.

Wie in einem unserer gestrigen Telegramme gemeldet wurde, beabsichtigt der Papst, eine zweite Anregung zum Frieden zu geben, falls sein in der vorigen Woche veröffentlichter Brief leinen Erfolg habe. Nachdem aus allen Ländern Aeußeruagen zu dem Schritt des Papstes vorlie­gen, läßt sich sagen, daß die Anregung überall, mit Ausnahme von Frankreich, günstig ausge- nemmen wurde. In England erblickt man darin ein bemerkenswertes Dokument, das sich nicht nur auf akademische Warnungen, Mahnungen und Wünsche beschränkt, sondern eine ganz kon­krete Pol'itik aufstellt und sogar wirtschaft­liche Erwägungen nicht verschmäht. Seine Kund­gebung stimmt ja auch vollkommen mit den Auf­fassungen von London und Washington überein. Zudem wird noch vom »Daily Telegraph", der auf Grund seiner guten Beziehungen sich stets als richtig informiert erwiesen hat, noch beson­ders unterstrichen, daß die Veröffentlichung ge­rade im richtigen Auge'nb'lick erfolgte, in dem die interalliierten Verhandlungen an einer kritischen Wend« stehen. Das wichtigste Merkmal des Briefes besteht darin, daß er für die Ein­setzung einer internationalen Kommission, wie sie vom Staatssekretär Hughes vorgeschlagen wurde, eintritt. Dieser Gedanke hat sich allmäh­lich in der ganzen internationalen Diplomatie durchgesetzt, ju, nach demDaily Telegraph" scheint England und zugleich mit ihm Italien fest entschlossen zu sein, von sich aus eine Sachver- ständigen-Kommission einzuberuscn, deren Urteil über die deutsche Zahlungsfähigkeit sich, die Re­gierungen, die eine Verhandlungsgrundlage fin­den. soweit untcrwcffen würden, als ihr Anteil an der Rsparotionssumme in betracht kommt.

Inzwischen liegen auch weitere deutsche Prcssc- stimmen vor. ImHamburger Freindcnblatt" heißt es, daß das Schreiben des Papstes den Franzosen deshalb ganz besonders unangenehm sein müsse, weil es unmöglich von der internatio­nalen, durch die Franzosen kontrollierten und be­einflußten Presse totgeschwiegen werden könne. Schon zeige sich auch die Wirkung in Frankreich selbst, wo ebenfalls auf die Dauer mit der wah­ren Kenntnis der Sachlage die Kritik an den Maßnahmen der eigenen Regierung sich nicht unterdrücken lassen werde. DerHan­noversche Kurier" hebt den'sehr geschickt gewähl­ten Augenblick sür den Papstbrief hervor; man möchte fast sagen, hier sei die Situation reif ge­wesen für das richtige Wort. ImLeipziger Tageblatt" heißt es: von dem Schweigen der weltlichen Mächte, die sich der sittlichen Pflicht des Protestes gegen die sranzösrffichen Sckänd- lichkeiten cntschlagen hatten, hebe sich das Wort des Protestes gegen die französischen Schänd- eindrucksvoll ab. Zu wünschen bleibe, daß die tsteicksregierung den päpstlichen (Schritt auf die wirksamste Art zu unterstützen verstände. Der Daz" schreibt, die moralische Isolierung Frank­reichs habe durch den Papstbrief eine scharfe Be­leuchtung erhalten. Die erregte Haltung der fran­zösischen Presse beweise, daß man auch um die breite Masse der klerikalen französischen Bauern besorgt sei. In Belgien wie in Italien, aber auch in England und Amerika dürste die Wirkung dieses Friedensbriefes einer neutralen und gei­stigen Macht lange anhalten.

Reichstagsabgeordneter v. Rheinbaben ent­wickelt in seiner außenpolitischen Betrachtung in dieser Woche bestimmte Vorschläge und empfiehlt unter anderem, die deutsche Regierung solle auf jeden Fall und möglichst bald eine e i n- gehende Antwort auf die mit voller Ab­sicht die Krrnpunste des jetzigen Konfliktes ein­gehend behandelnde Botschaft des Papstes geben. Der Papst schließe sich wörtlich an die eine wich­tige Tendenz des deutschen Memoran­dums an. Wohlan, man unterstreiche diese Uebereinstimmunq und hebe sic ausdrücklich her­vor, weise ausdrücklich auf die angebotenen deut­schen Garantien hin und bringe hierin die deutsche Politik in Uebereinstimmung mit dem- was der Papst mit seiner großen Macht und sei­nem Einfluß aller West verkündete. Auch Hus- song hebt hervor, man könne dankbar empfinden, daß der Papst mit so ernsten Worten das Welt- gewissen zu wecken versuche und daß sein Versuch bei seiner gewaltigen moralischen Geltung in Ländern und Völkern gewiß nicht ohne jede Wir­kung bleiben iverde. In derB. V. Z." wird ebenfalls die Wirstmg des Vavstbrieses, insbe- scüdere aus die katholische Bevölkerung und aus die klerikale Partei in Belgien hervorgeboben. Frankreichs moralische Isolierung sei hiermit vollendet und sei es Aufgabe der englischen Po­litik, dieses moralische Plus auf seiner Seite nun- mebr in? politische umzufetzen.

Daß England entschlossen ist, nunmehr die Reparationsstaye einer endgültigen Lösung entgegen zuführen, scheint sich mehr und mehr zu bestätigen, und Italien ftinrmt ihm hierin zu. Für die italienische Stimmung legt wohl den deutlichsten Beweis ein Artikel des ^ssslLls Morello ab, der zu den sogenannten

Intimen" Mussolinis gehört. Morelw betont, Europa sei müde, sich durch den ewigen franzö­sisch-deutschen Zwist ruinieren zu lassen. Die Völ­ker Europas könnten Frankreichs Unversöhnlich­keit nicht als Gesetz anerkennen. Alle müßten auf Frankreich einwirken, um es zur Vernunft zu bringen und neue Opfer zu verhindern. _ Dies­seits wie jenseits des Ozeans greife Besorgnis und Zweifel Platz, ob Frankreich mit seiner an­dauernden Verstocktheit fiir den eigenen und den Weltfrieden arbeite. Wir fürchten aber doch, daß es noch langer Zeit bedarf, ehe Frankreich Vernunft annimmt. Dafür legt das Echo der Pa­riser Presse leider ein zu beredtes Zeugnis ab.

Die Anregung des Bapftes.

Gegen die Sabotage im Ruhrgebiet.

(Eigene Drabtineldung.)

Zürich, 4. Juli.

Die Neue Züricher Festung meldet aus Rom, daß der deutsche Botschafter gestern dem Kardinalstaatssckretär Gaspari im Vatikan einen Besuch abstattete. Dieser Besuch des deut- ftfjtn Vertreters trug hochpolitischen Charakter. Er stand im Zusammenhang mit einem Tele­gramm an den Nuntius Parcclli in München, in dem der Papst die Sabotage alte im Ruhr­gebiet verurteilt hatte. Die deutsche Reichs­regierung hat dir Curie darauf aufmerksam ge­macht, daß die deutsche Regierung bereits vom ersien Tage der Einleitung des passiven Widerstandes an jeden G ewaltakt verur- t e i /ar, si. hat aber auch darauf yingewiesen, daß gerade das furchtbare Unglück auf der Strecke Duisburg-Hochfcld sich vollkommen der Ueber­wach u n g der deutschen Regierung entzogen hat. Die deutsche Regierung verurteilt jeden Ge- waltatt, wie sic erneut versichert, und fügt dem noch hiFzu, daß sie zu solcher Verurteilung kei­ner besonderen Aufforderung bedürfe.

Richt fßr und nicht gegen.

Z ü r i ch, 4. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Corriere della Sera" veröstentlicht folgende Er­klärung aus offiziösen Kreisen des Vatikans: Der Papst hat nicht beabsichtigt, in seiner Instruk­tion an Nuntius Paccelli eine Verurtei­lung des passiven Widerstandes über­haupt auszusprechen. Er hat aber auch nicht beabsichtigt, in dem Brief an Staatssekretär Gaspari die Besetzung des Ruhrgebie- tcs zu verurteilen und zum Rückzug der französischen Truppen aufzufordern. Mit beiden Dokumenten hat der Papst vielmehr nur die Völ­ker ermuntern wollen, einen Weg der Verstän- digung zu suchen. Das Telegramm an Nuntius Pacelli bezog sich auf solche Handlungen, die bereits von der deutschen Regierung ausdrücklich als Verbrechen bezeichnet worden find.

Ermahnung in Berlin.

München, 4. Juli. (Privattelegramm.) Nuntius Paccelli hat infolge eines päpst­lichen Befehls gestern abend München ver­lassen und sich n ach Berli n begeben, wo er heute vom Reichskanzler empfangen wird. Es handelt sich bei dieser Audienz um Ueber- mittlung eines Auftrages, der dem Nunttus vom Staatssekretär Kardinal Gaspari zugegangen ist, bei der deutschen Regierung dahin vorstellig zu werden, daß die Sabotageakte aufhören sollen, die "egen die EinbruckMiächte in der letzten Zeit verübt worden find. (!)

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Die Franzosenklaren ven vavft auf".

Zürich, 4. Juki. (Eigene Drahtmeldung.) Der römische Korrespondent desSecolo" mel­det, daß gestern beim Vattkan ein Schritt Frankreichs erfolgt sei, um den Papst über die Folgen seiner Friedcnsanregung aufzuklären Der französische Botschafter hat nur einen münd- lichen Auftrag an den Papst ausgerichtet.

Gtreikgefahr in Berlin.

Die Arbeitnehmer lehnen den Schiedsspruch ab. (Privat-Telegrammi

Berlin, 4. Ju«.

Der Schiedsspruch in der Berliner Metall- industrie ist gestern vom Arbeiterverband abgelehnt worden. Dieser Beschluß wird un­absehbare Folgen für die Großberliner Industrie haben. Die Ablehnung erfolgte einstimmig in einer mehrstündigen, stürmisch verlaufenen Sit­

zung der Funktionäre deS Metallarbeiterverban­des. Ebenso einstimmig wurde die Aufnahme des Kampfes beschlossen. Zugleich tagte eine r a - d i k a l e Betriebsrätcversammlung und beschloß, heute früh in den Generalstreik einzntre- ten. Eine weitere Urabstimmung findet nicht mehr statt. Es ist damit zu rechnen, daß bereits im Laufe des heutigen Tages in den verschiede­nen Betrieben mit dem Streik begonnen wird.

Unter dem feindlichen Druck.

Wieder eine wilde Schießerei.

lVrivat-Telearamm.)

Münster, 4. Juki.

In der vergangenen Rächt wurde in Hörde auf der Kaiserstraße der Bergmann Hcnne- kamp von einem französischen Posten erschos­sen und ein anderer Arbeiter schwer ver­letzt. Ueber die Ursache ist bisher noch nichts bekannt. Der Posten schoß dann auf mehrere Häuser, in denen infolge der Schießerei die Fenster geöffnet worden waren. Ob er dabei ge­troffen hat, ließ sich noch nicht feststellen. Bei Witten an der Ruhr wurden gestern sechs Personen, die mit einem Boot über die Ruhr setzen wollten, von der Postenkette an- g e sch offen und schwer verletzt.

Weitere Verkeyrssperre.

Münster, 4. Juli. (Privattelegramm.) Aus Duisburg wird gemeldet: Die Franzosen ge­ben durch Plakatanfchlag bekannt, daß alle Wirtschaften auf die Taner von vier Woch 'n zu schließen haben. Jeder Straßenver­kehr ist mif die Dauer von vierzehn Tagen ei n- z u st elfe n. Die Geschäfte haben den ganzen Nachmittag zu schließen. Gegen Mitternacht wurde von den Franzosen angeordnet, daß die Schwebebahn zwischen Elberfeld und Voh­winkel ab heute früh st i l l g e l c g t wir.d

Die Franzosen vor Franffurt.

Frankfurt a. M., 4. Juki. (Privattele­gramm.) Heute Nacht haben sich die Trup­penbewegungen vor Frankfutt fortgesetzt. Die Stadtgrcnze wurde bisher nicht überschrit­ten, doch steht starke Kavallerie in unmittel­barer Nähe des Frankfurter Stadtwaldes. Van Mainz aus sind ftanzösische Truppen in der Richtung Großgerau gesichtet worden.

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Neuer Zwang in Mainz.

Frankfurt a. M., 4. Juki. (Privattcle- qramm.) Wie die Morgenblättcr aus Mainz melden, ist infolge des letzten Bombenattentats im Mainzer Tunnel angeordnet worden, in Mainz und Vororten jeden Verkehr, mit Ausnahme der Straßenbahn und des Fuß­verkehrs, zu verbieten. Alle öffentlichen Lm kalc werden abends neun Uhr geschlossen. Fünf angcfehene Bürger wurden ausgcwiesen.

Lim die Entente-Antwort.

Die Stellungnahme der Alliierten.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. Juli.

Gestern nachmittag war der belgifche Boffchas- tcr nnp in fpätcr Abendstunde der stanzösifche Botschafter bei Lord Curzon, um die Antwori Frankreichs zu übermitteln. Beide gaben mündliche Ausführungen über die Antwort ihrer Regierungen auf den bekannten englischen Fragebogen. Ob die Ausführungen der beiden Diplomaten, die mehrere Stunden in Anfprnch nahmen, auch noch schriftlich übermittelt werden, wurde bisher nicht bekannt gegeben. Im Laufe des heutigen Tages trftt der englische Ka­binettsrat zufammen. Wie aus unterrichtete» Kreisen verlautet setzt sich in London eine etwas optimistischere Auffassung über die Lage durch.

England mit Frankreich.

Rotterdam, 4. Juli. (Eigene Drahtmel­dung.) Tie gestrigeTimes" schreibt, daß die Polittk, die die englische Regierung treibt, auch fernerhin aus ein Zusammenarbei­ten mit Frankreich hinzielt. Wenn die Schwierigkeiten auch groß find, so verfolgt Lord Curzon dennoch diefe Politik und handett da­bei mit Zustimmung des Kabinetts.

Belgiens Haltung.

Brüssel, 4. Juli. (Eigene Drahtmeldung.) Die Erklärung, die gestern mittag Theunis ver­las, betont die Notwendigkeit der Aufrechter haltnng des außenpolitischen Programms des Kabinetts, Fortsetzung der Ruhraktion bis Belgien die Erfüllung aller Forderungen er­langt habe und Fortsetzung der Bemühungen, um mit den Verbündeten sich zu verständigen.

Das deutsche Buch.

Seine Verbreitung im Auslande.

Ser wlrkfamste Derbretter deutscher Kultur ist das Buch und es soNte aNe« qefchehen, um bie Verbreitung zu fördern. Ein groftes Hindernis ist aber die Teuerung. Zu wer. chem Matze deutsche Diicher im Auslande ge­lesen werde», zeigt nachfolgender Bericht. Die allgemeine Wrtfchaftskrise, die ussser Va­terland immer mehr in Chaos zu reißen droht, geht natürlich auch an dem wichtigsten geistt- gcn Werbemittel unserer Kultur, dem Buch, nicht spurlos vorüber. Die hohen Preise, die mit dem stetigen Hi naufschnellen ber Schlüsselzahl für weite Kreise immer unerschwinglicher werden, bringen es mit sich, daß Viele ihren Hunger nach geistiger Speise nicht befriedigen können. Aber auch im Ausland wirkt die Teuerung un­serer Bücher seit einiger Zeit bereits als Hin- dernis für den Absatz, und es wird schwer dar­über geklagt, daß man in Ländern wie Holland, der Schweiz, Schweden, ja auch Oesterreich, die­sen Hauptträger des deuffchen Gedankens zurück­setzt. Bei der ungeheuren Wichtigkeit der Frage ist es interessant, daß imBörsenblatt für den Deutschen Buchhandel" die Ergebnisse einer U m- frage vcröffenUicht werden, die sich mit dem deutschen Buch im Ausland" beschäftigt. So er­fahren wir z. B. mis Schweden, daß das Interesse für deutsche Bücher, namentlich fnr wissenschaftliche Literatur, ziemlich groß ist, daß aber die deutschen Bücher jetzt doch Preise erreicht haben, die den Absatz erschweren. Es werden fast ausschließlich wissenschaftliche Bücher, na­mentlich aus dem Gebiete der Medizin, Natur- wiffenschasten und Technik gekauft, weil sie J>en Erzeuanlssen anderer.Sander überlegen sind. Das Publikum," beißt es weiter,ist im allge­meinen immer noch der Meinung, daß das deutsche Buch wegen des Tiefstandes der deut­schen Valuta bedeutend billiger fein müsse als ein entsprechendes schwedisches, englisches oder französisches. Es findet die deuffchen Preise nickt gerechtfertigt und greift deshalb eher zu einem, wenn auch etwas teueren Buch in ande­rer Sprache." Eine besondere Buchpropaganda wird in Schweden nur von Frankreich getrieben.

Was Holland anlaugt, so gibt es im Haag eine große Buchhandlung, die fast nur deuffche Bücher mit auffallend niedrigen Preisen aus- stellt, während aus Rotterdam bettchtet wird, daß das deutsche Buch dort in den Auslagen der Buchhändler nicht annähernd den Platz ein« nimmt, der ihm eigentlich gebührt. In der deutschen Schweiz kann von einer Zurück- drängung des deutschen Buckes nicht gesprochen werden. ' Als Nebenbuhler kommen vor allem das französische und italienische Buch in Frage, und die Franzbseu haben auf dem Gebiet der Buchprovaganda die größten Anstrengungen ge­macht, ohne aber namhaftere Erfolae zu erzielen. Aus bei amtlichen Handelsstatiffik ergibt sich, daß die Büchereinfuhr aus Deutschland 1920 fast denselben Umfang hatte wie 1913. die franzö­sische Einfuhr dagegen. die 1913 halb so groß war wie die deutsche, 1920 nur noch ein Viertel und 1991 noch ein Drittel der deutschen Einfuhr ausmachte. Die französische Einruhr ist auf ein Drittel, die italienische auf die Hälfte des Um­fangs von 1913 zurückgegangen. Der allgemeine Rückgang der Einfuhr von 1921 ist durch.--äe Schweizer Wirffchastskrisis zu erklären: ein gro­ßer Teil der deutschen Bücher kam über Oester­reich nach der Schweiz, was in der starken Zu­nahme der Bückereinfubr von dort feinen Aus­druck findet. War bisher kein Rückgang des deuffchen Buches zu verzeichnen, so droht doch durch die jetzigen hohen Preffe eine gewisse Gefahr.

In Italien ist die Buchprovaeanda Frank­reichs sehr stark. Besonders in Süditalien und Mfflien überwiegt in den Buchhandlungen die französische Literattir. da die Kenntnis der sran- zböschen Sprache fast durchweg vorhanden ist und sich das Führen deuffcker Bücher wegen des völligen Fehlens des deuffchen Reisevublikums nickt losint. Der Vertrieb deutscher Bücher ge­schieht hauptsächlich von Mailand aus. In Kroatien und Slowenien findet man viele deuffche Bucker und Zeitungen, während die französische Rrovaqanda keine rechten Fort­schritte macht. In Galizien ist das Bedürf­nis nach deuffchen Büchern sehr stark, und das letzte Deibnachtsaeschäft batte einen größeren Umfang als ftsiber. BiffonderS in Lemberg, wo die deuffche Sprache verbreiteter ist als in Kra­kau. besitzt der deutsche Buchhandel ein großes Ruhfikmn, und als kürzlich im Stadttheater SchillersRänder", natürlich in polnischer Sprache, an«aefübrf wurden, fand das Werk so großen Beifall, daß es immer wieder gegeben werden mußte. In der Bukowina und be­sonders in der Universitätsstadt Czernowitz ist das deuffche Buch Mir beliebt. Selbst die rumä­nischen Universitätskreise geben zu. daß sie fast ganz mtf deuffche Bücher angewiesen sind: mit darf der Preis der deuffchen Rücker den der ru­mänischen wenigstens nicht allzusehr übersteigen.