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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 150

13. Jahrgang

Einzelnummer 500 Mk.

Sonntag, 1. Juli 1923.

Einzelnummer 500 Mk.

Deutsche und französische poliüsche Reden.

bekannte« in einem Lokal stattsand und die Täter von der örtlichen Polizei nicht ermittelt werden können. ftn Buer verbot der belgische Lom- Mandant die Beteiligung der Bürgerscl/ast an der Becrdigimg der durch belgische Kugeln getöteten drei Mitbürger. Auch den Familienangehöri- gen wurde erttärt. hast sie den Friedhof nur be­treten dürsten, wenn sie vorher im Besitze eines Erlaubnissk^ines seien, der auf der belgischen Militär-Kommandantur erhältlich wäre.

nutz Limburg fortgeVhrten beiden Verräter in das besetzte Gebiet zurückzuführen. Jnfolgeses- sen ist gestern abend in Limburg eine weitere Anzahl von Bürgern von der französischen Be- satznngKbehörde fcstgenmnmen worden. Die Bahnlinien von Koblenz nach Limburg und von Mainz nach Wiesbaden und Frankfurt sind ge­gen Mitternacht gesperrt worden. Wie lange die Sperre dauern wird, ist nicht bekannt. Wahrschein, lich sind größere Maßnahmen Frankreichs in der Richtung Limburg beabsichtigt.

Paris, 30. Juni.

Der Senat hatte gestern einen großen Tag. Poincars hielt eine breit angelegte Rede. Dann wurden die R u h r k r e d i t e einstimmig

Vusbmkmg, Bedrückung

Die Franzosen bleiben im Ruhrgebiet. (Eigener Drabtbericht.)

Da kam der Friedensappell des Pap- stes gerade zur rechten Zeit. Grund zu den ernstesten Ermahnungen ist genug vorhanden Sott neun Jahren lieg« Eurova in kriegerischem Fieber und es besteht noch keine Aussicht auf Besserung. Es ist in aller Welt bekannt, daß Fraickreich der Friedensstörer ist, und doch dul­den die Völker daS stanzösische Verbrechen In weiten Kreisen des Auslandes svmpathisiett man sogar mit Frankreich, macht mf> die französischen Lugen zu einen und bei'chuldiat Deutschland Selbst der Münchener Bischof Dr. Faulhaber, der kürzlich von seiner Amerikaretfe zurückaekehrt ist. bat drüben, wo er aufklärende Wahrbett ver­breiten wollte, wenig Gegenliebe erfahren. Auch der vortteffliche Pastor G. Frensien, der monate­lang Amerika durchreiste erkühlt, wie wenig Verständnis man dort für Deutschlands Leid bat. Umso bemerkenswerter ist es mm, daß der Papst in seiner« Briefe sich der deutschen Sache

Aus dem besetzten Gebiet.

3ufamtnenfröBe mit Truppen.

(Privat-Telegramm.)

Bochum. 30. Juni.

In der vergangenen Rächt ist es in Bochum

zu Schießereien gekommen. Verletzt soll niemand sein, doch sollen die Franzose« die Schießerei zur Veranlassung genommen haben,

Frankreich dulde» keine Einmischung.

Paris, 30. Juni. (Eigener Drahtbericht.) In seiner Rede im Senat sagte Poinrars noch: Unsere Ration hat den Sieg errungen und kann nicht auf den letzten Sieg verzichten. Deutschland ist in einer verzweifelten Lage. Es rechnet mit einem Wunder oder einer Intervention. Es irrt ich aber schwer! Wir werden jede Interven­tion mit aller Macht zurückweisen. Die letzten Vorschläge Deutschlands waren nicht ernst zu nehmen und verdienen von uns aus keine Antwort. (!) Wir werden ein so wertvol-

SranzSstsche Meuterer.

Münster, 30. Juni. (Privattelegramm.) Mehrfach werden französische Soldaten. Meutereien gemeldet. In Lünen hatte sich ein französischer Soldatenrat gebildet. Die Mtr glicder wurden sofort verhaftet und abtranspor­tiert. In Huckarde kam es vorgestern zu einer großen Schlägerei zwischen französischen und elsässischen Soldaten. Die Elsässer wurden ver. hastet und nach Mainz gebracht.

von allen 298 anwesenden Senatoren bewilligt. Zunächst hatte der Generalberichterstatter das Wort. Er teilte mit, daß die bisher im Ruhr­gebiet eingezogenen Geldbeträge sich auf 67 Millionen Franken belaufen. Außerdem seien Jndustrieerzeugnisfe int Gesamtwerte von 296 Millionen Franken beschlagnahmt wor­den. DaS Ergebnis der Ruhrausbeute taffe sich bisher mit einer Gesamtsumme von mehr als vierhundert Millionen Franken be­ziffern. (!!) Poincars spielte in feiner Rede auf das Schreibe« des Papstes a« und erzielte großen Beifall, als er erklärte, der Papst füllte Deutfchland fragen, warum Fraukreich das Ruhr­gebiet befetzt habe. (!) Wie Bonar Law einmal gefagt habe, fei die Ruhr die Schlagader Deutsch» lands und der Geldsc^ank, aus dem Deutschland st ine Reichtümer erziele. Diese Besetzung sei mk 'ft ÄlS kriegerische Kundgebung erfolgt.

haben, so sagte Poincarö, die Zusammenarbeit mit Deutschland versucht. (Das ist gelogen!) Dis Reichsreniernng hat sie aber verhindert und den passiven Widerstand verlangt. (Auch das ist falsch.) Wir haben keinen imperialistischen Ehr­geiz, (?) wir wollen die Ruhr nicht annettieren, aber wir müssen sie solange behalten, bis Deutschland seine Schulden bezahlt.

iöersprliche.

Das Wettrüsten und der Friedensbrtef,

Die Gedächtnis-Feier.

Wo irgend ein Durchblick im AbhauaaehüsH »er Schönen Aussicht, stauten sich die Menschen. Längst waren alle Wege rings um den Löwen besetzt. Kops cm Kopf. Hier und dort gingen Einzelne mit Ellbogengewalt weiter nach vorn. Eine doppelte Kette von Jungdeutschen, wie man sagte, sperrte das Viereck ums Denkmal ab. Der Platz blieb somit frei. Auch die Schutzpolizei

2>er Gipfel der Heuchelei.

In feinen Schlußworten »erstieg sich Poin- cotti zu dem Satz:llnfcre Truppen verteidigen an der Ruhr nicht nur die unterzeichneten Ver­träge, fondern auch die deutfche Republik gegen die Folgen ihrer Verwirrung. (!) Unsere Trup­pe« werden dieses Werk der Gerechttgkeit und des Friedens (!) zu Ende führen. Sie werden sich noch einmal um ihr Vaterland verdient machen." Die Rede fand stürmischen Beifall. Poincars wurde beim Verlassen der Tribüne zum Gegenstand begeis-er-cr Ehrungen durch die Senatoren.) Rach dftscm Dokument der Lüge und Heuchelei wird jeder Deutsche wissen, daß von Frankreich keine Milderung zu erwarten ist. Wenn aber die Ausbeute aus dem Ruhrgebiet virllich so groß ist, dann find damit unsere ge- ömten Reparationsschulden beglichen. D. Red.)

. und dazu ertönte, kräftig gesungen, die Jntcr- vatianale. Die Gegenantwort waren Pfuis, Hochrufe auf die Internationale erwidetten, Ver- mcbe. die Sperre zu zerbrechen, riefen ein wel­lenförmiges Entwickeln der stockbewassneten Ordner und Jungmanucn hervor, und schließlich deckte der allgemeine Gefang der Nationalhymne, vollends das Absingen derWacht am Rhein", die WeltvcrbrüdernngSbymne zu.

Geheimer Konsistorialrctt D. Tr e pte hielt dann feine Gedenkrede für Schlageter. Das Joh­len und Schreien der Opposition wird das, was er sagte, Vielen unverständlich gemacht haben. Er charakterisierte diesen Abend als gottesdienst­liche Feier (abgebrochene Sätze aus einer Son- dcrveranstaltung an der Mutbuche funkten da­zwischen) und stellte das Schriftwort voran: Gott bat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, son­dern der Kraft und der Liebe und t-r Zuvor- sicht' Dann weckte der Geistliche das E.inner» an die Opfer der französischen Fremdherrschaft in der westfälischen Zeit und feierte, jede Ten­denz sorglich meidend, Schlageter als den für seine Ideale, die in Vaterlandsliebe gipfelten, in den Tod gegangenen deutschen Mann. Bei der Erwähnung seines Opfers und der Toten von Essen wurdedrüben" erneut die Fnter- rationale angestimmt. Emvor die Herzen, so rief der Prediger am Löwendenkmal, zu Gott!

Inzwischen war der Radau und die Unruh» zu derartigem Umfang geworden, daß, wie fchon vorher einmal, berittene Polizei einritt mit dem Erfolg, daß die Kommunisten singend ab­zogen und dasFeld" den Feiernden überlie­ßen. Die Dunkelheit war da. Viele hundert Fackeln wurden entzündet und bei diesem Flammenschein, der zuckende Strahlen in die Menge warf, erklang die Weise des Riederländer- gebets mit dem jetzt deutschen Gebet: Herr mach uns frei! Ter Teutsche Offizierbund, die Offi­ziere der alten Armee (Nationalverband deut- fchcr Offiziere), deren Sprecher dem Stolz dar­

sicherte die Ordnung. Ws die Standattengruppe des Jungdo anrückte, ging Johlen und Pfeifen und Pfui-Schreien los. DieNester" der Kom­munisten demaskierten sich bereits. Auch das Hauptguartier" wurde offenbar. Es wär un­ter der großen Blutbuche ...

Beiderseits des Löwen zog die Fahnenwache auf. Trauerflor hing an den weißen Standar­ten mit dem gezackten Deutschordenskreuz. Da­hinter der grüne Berghang mit feinen bunten Menschenmassen ... trotz allem, wie mans auch besah, ein hübsches Bild. Unter den Harrenden hinter der Sperrkette gab es leichte Reibereien. Das WortVerräter" war mehr als einmal hör­bar. Dieselben Erscheinungen wie beim Aufzug der Standartengruppe gabs, als derJung- sturm", regelrecht uniformiert, stramm militärifch ins Viereck einrückte, und, wie beim Zugexerzie­ren, abbrach und zwei Glieder formierte.

Die Feier begann. Musik spielte einen Eho- ral. In die Klänge vonJesus meine Zuver­sicht" schrie und pfiff es von der Blutbuche her

Maßnahmen gegen Limburg.

Frankfurt a. M., 30. Juni. (Eigene Draht­meldung.) Rach einer Meldung aus Limburg ist es bis gestern abend nrnff nicht gelungen, tue

mit neuem Zwang gegen Bochum vorzugehen. Auch über Kronenberg hat der stanzösische Kommandant Verkehrssperre verhängt, weil eine Schlägeri zwischen Soldaten und Un-

Die Welt ist voller Widersprüche. Das ist Iw ar nichts Neues, aber von Zeit zu Zeit tritt es besonders kraß in die Erscheinung. Wäre es möglich, von einen» jenseitigen Stern das Leben und Treiben mit seinen vielgestaltigen Einzel­heiten beobachten zu können, man mußte anneh­men, daß auf, gewissen Teilen der guten alten Eroe die Menschen von Sinnen seien. Wer über scine persönlichen Angelegenheiten hinaus den­ken will, der sieht auch schon von seinem irdischen ^>tand aus, was vorgeht. Es ist also immer noch Krieg, nur mit dem Unterschied gegen früher, daß jetzt der Eine bewaffnet ist und grausam von seiner Gewalt Gebrauch macht, während der Andere unbewaffnet tft und sich nicht wehren kann. Damit der blutige Kriegswitz nicht fehle, sagt der Bewaffnete, er muffe- Sicherheiten ha­ben gegen die Angriffe des Unbewaffneten. Des­halb nimmt er ihm feine industriellen Gebiete niit den Kohlenschützen, blünbert feine Fabriken, Banken und Privathäuser aus, vertreibt Hun­derttaufende von Beamten mit Familien, sperrt Tausende von Männern ins Gefängnis und be- hauptet, er sorge auf diese Weise für den Frie- ren! Alles dies ist die Vorbereitung, daß die Franzo,en das Ruhr gebiet, wo die Koh­len gewonnen werden und wo sie später, wenn es völlig unterworfen sein werde, eine Waffen­schmiede für sich errichten können, behalten wollen. Eine Waffenschmiede allerdings nicht mehr gegen Deutschland, das ja ohnehin schon am Boden liegt, sondern gegen England. Das klingt Zunächst noch ein wenig fremd, denn Frankreich und England sind jaAlliierte". Aber d,e natürliche Entwicklung geht auf dieses Ziel hinaus und die Zeit wird, wenn auch langsam, frucht, Lei» jweiten WelMieg, Sitr Reife bringen. Wie in einer schlimmen Vor­ahnung tritt noch einmal der Hüter des Frie­dens der Papst, aus seiner Zurückhaltung heraus, um ermahnend auf zukünftige Gefahren hlnzuwelsen und zu warnen!

Wohin die französische Herrschsucht, Be- sitzgier und brutale Willkür treibt, ist nicht mehl' zu verkennen. Die erste Etappe, womit /Frankreich sich eine Basis -n Europa geschaffen hat ist zuruckgelegt. Deuffchland ist militärisch ausgeschaltet und wirtschaftlich lahmgelegt. Die benachbarten Länder, die Kleine latente und :'nIen- halten im Süden und Ollen die Wach- "ber Deutschland. Die wenigen Neutralen und Italien such ohne Einfluß. Damit beginnt die zweite Etappe, das Rüsten gegen Eng­land. Sowohl Frankreich als auch England machen Anzpruch auf die Vorberrschast in Europa »mb leiner der beiden Rivalen ist geneigt, den andern neben sich zu dulden, denn jeder miß- traut dem andern. Während in dem Kriegsrüsten im vorigen Jahre zum Schein

»ine Hoflichkeitspause eingelegt worden war, hat Frankreich m hinterhältiger Absicht weiter ge­arbeitet, ko daß es setzt die stärkste Unteffeeboots- ttotte und die stärkste Lustffotte besitzt, zwei Waf- fengattungen, die rnt nächsten Weltkrieg voraus- sichtlich die entscheidenden Rollen spielen werden.

®natanb über die französischen Vorbe- rettimgen sehr besorgt ist und jetzt ernstlich daran geht seimn Nachteil auszugleichen, ist erklärlich.

Ganser Presse und mögen fran- zainche Minister vorgehen, die Rüstungen seien nur gegen ^eutschlanb gerichtet, so erkennt man in London doch ine wahre Richtung nud ist end- bm.k?siTosseu, demgegenüber zu handeln. Der » ntiiche Ministerpräsident scheut sich nicht mehr, offen anzudeuten, daß die geplante Vergrö­ßerung der britischen Luftflotte ge- e" me von Frankreich drohende Gefahr gerichtet »st. Englands Luftftteitkräfte sollen jetzt vermehrt werden, daß sie imstande sind, Großbritannien gegen Angriffe der größten Lufttnackt zu schuhen". Diese Erklärung Bald­wins hat tn der ganzen englischen Presse ein zu­stimmendes Echo geftmden, in Pari? tut man feffr gekrankt, man- versichert sich gegenseitiger Freundschaft und bas argwöhnische Wett­rüsten geht weiter.

annimmt. Kardinal Testa, der vor einigen Wochen im Ruhrgebiet die französischen Rechts­brüche und Greuel selbst gesehen hat, war ,a in der Lage, ihm wahrheitsgetreue Berichte zu geben. Daher nahm der Papst die Gelegenheit wahr, aus Anlaß des Namenstages der Kirchen- filrsten Peter und Paul am 29. Juni wieder einen Aufruf herauszugeben. Auch im vorigen Jahre während der Konferenz in Genua tat er das Gleiche mehr in allgemeinem Sinne. Dies­mal trat er für Deutschland ein und befürwor­tete die Räumung des Ruhrgebiets. Daß er Ur­sache hat, gerade für Deutschland ein gutes Wort einzulege.i, weil die deutschen Katholiken seine ehrlichste t Anhänger sind, ist eine Sache für sich. In der Tat ist es eine, wenn auch sehr vor­sichtige und diplomatische Verteidigung des deutschen Standpunktes. Welche Wir­kung der Brief haben wird, ist allerdings eine andere Frage. Daskatholische" Frankreich, das des Papstes Wunsche nie beachtet, verhält sich auch diesmal ablehnend. So werden le der die sck>önen Friedensklänge wieder im Geras, sei der Kriegsrüstungen untergehen. K. F. D.

Eme neue Kunzlerreöe.

Sm Senat z« Bremen. (Eigener Druhtberichtä

Bremen, 30. Juni.

Reichskanzler Dr. Cuno folgte gestern einer Einladung des Senats und Äelt dabei eine große politische Rede, in der er an alle werktätigen Kreise die Mahnung richtete, das Recht der Selbstbehauptung und den Passiven Widerstand zu unterstützen. Der ReichSIanz- ter gab der begründeten Ueberzengung Ausdruck, daß das deutsche Volk auch noch Schwereres ertrugen wissen werde, denn jeder Mann und jede Frau im Grenzgebiet wüßten nach beit bit­teren Erfahrungen des Jahres 1918, was aus einer vorzeitigen Riederlegung des passiven Abwehrkampses an Leiden für das be­setzte Gebiet und für das ganze Vaterland fol­gen würde. Er hob hervor, daß die Maßnah­men der Regierung wie die Devisenverordnmcg, in den Kreisen der Wirtscljast hinsichtlich ihrer Nützlichkeit angezweiselt worden feien. Er ver­stehe das, und verstehe auch das Drängen «ach raschem Abbau der Ausfuhrkontrolle. Jetzt aber komme es darauf an, die

Zuversicht des Bolles zum Staat aufrecht zu erhalten und den Willen des Staates zu erweisen, sich unter allen Umstände« uno gegen alle Gefahren zu behaupten und de« brei­ten Massen das Leben zu ermöglichen. Er be­endete feilte Ausführungen mit einem Ausblick auf eine bessere Zukunft, in der der hanfeatifche Unternehmungsgeist Deuffchland wieder als gleichberechttgtes Mitglied in den Handel und in die Wirtschaft einfügen werde. Der Reichs­kanzler reifte dun« nach Hamburg weiter.

Frankreich und der Papst.

Potnearv und feine Presse.

(Eigene Drahttneldung.)

Paris, 30. Juni.

Das Echo des Papstbriefes in der ftanzöfifchen Presse ist nach wie vor ablehnend, ganz be­sonders, nachdem Poincarö die Ratschläge des Papstes zurückgewiesen hat. Auch die linksstehen­de« Blätter schreiben, daß fCt Frankreich der Papstbrief nicht diskutabel sei, da er auf deut scheu Behauptungen basiere, deren Unwahrheit Polneore längst fcstgestellt halte. Eine einzige Ausnahme macht dieHumanits", die schreibt, der Papstbrief bedeute eine ernste Warnung für die französischen Machthaber, die ebensowe­nig sehen wohin sie steuerten, wie es der Zar in 1914 gesehen habe, als er den Krieg spruch­reif gemacht und heraufbeschworen habe.

leS Pfand wie die Ruhr niemals auf­geben, bevor wir Zahlungen bekommen haben. Wenn wir das nicht täten, fo würde Deuffchland in den Glauben verfetzt, daß es uuS eine Revanche und Erniedrigung zugefügt habe.

Deutsche Einigkeit?

Die Schlageter-Feier am Hesseulöwen.

Unter den betrüblichsten Begleiterscheinungen ntna gestern abend in der Karlsane die an- getiindtgtü S ch lageter. <8 ede nffetcr vor fich tn» wurde zum Spiegelbiid der Zer­rissenheit und HasieS de- deutschen Dolles. Am Auerand, uii der Böschung, die von der Schönen Aussicht abfÄlt, wurde vor mehr als einem Jahrhundert der .Unteroffizier Schumann wegen seiner organisatorischen Betätigung beim Eschweger Solbatenanfstand^ von den Franzosen erschossen. Wenige Schritte 'davon wurde vor sechzig Jahren der HessenWwe' zur Ennnerung an ihn und an Oberst von Emmöeich, sowie bte übrigen ans dem Forstfeld erschofsenM Opfer der französischen Fremdherrschaft errichtet.^ -

Zu diesem Denkmal zogen gestern abend L a'u= sende und Abertausende, ausgerufen zur Teils nähme an einer Trauerfeier für Albert Leo Schlageter, das Opfer der heutigen frauzö- sifchen Fremdherrschaft. Aber toarS eine Feier ...?

Man nennt diesen Weißen Riesenlöwen den tiauernden, nennt ihn auch den schlafenden. Ist das Letztere richtig, dann müßten feto ft ihn die Radanszenen, die es gab, geweckt haben, und trifft das Erstere zu, fo hatte er ein Recht zu trauern. Nicht allein um Schlageter, mehr um den Bruderhaß, daß Deutsche gegen Deuffche stehen!

Wenn es noch eines Beweises dafür bedurfte, wie weit das unbesetzte Deutschland von der Volksgemeinschaft entfernt, so wurde er gestern abend in der Aue gegeben. Leider ...!