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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 149,

Einzelnummer 500 Mk,

SonnaDend, 30. Juni 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 500 Mk,

Die Wirkung des päpstlichen Brieses

Erklärung ver Rheinländer.

für die deutsche Regierung, es gibt keinen Kom-

promißweg, den eine deutsche Regierung in die- sonders wir^n^M.r Höh- erhob unterstrich ser Frage betreten kann. Die Bevölkerung der der Präsident des P^vinriallandtaaes Dt besetzten Gebiete hat Schwerstes und Bitterstes Karres' noch e7nmal allA w°° der°ReiK 17t bic ,on$tcr ^usgeführt hat und sagte unter anderem:

.i*.L ?D 1 !Iöcn,.Bnoerstand.s. Rur diese Im vollen Bewußtsein ver von uns tu erwarten

3nfertton6preifc:a) Mnh-imischeAustrage: 2>teeinspaltig- Anzetgenzetle 800Mark,fiamt. stennachrichten dir Helle 800 Mark, die einspaltige Reklamezelle 2200 Mark b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Anzeigenteile 800 Mark, die einspaltige Reklamezeile 2200 Mark, alles ein» schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An. zeigen, owte für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden Druckerei: Schlachthofsiraße 28/30. Besch-iftSstellr: Kölnische Straße 5, Telephon Nr. 951 und 952

rer Wahrung, die mit den Reparationen zu­sammenhängt. Besonnenheit und feste Ent­schlossenheit. Einigkeit und Opfermut, so allein kann die Frage der Ruhr und die Frage, die Ihnen und mir am meisten am Herzen liegt, die Rheinlandfrage, zum guten Ende durchgeführt werden. Die Rede des Reichskanzlers fand leb­haften Beifall und Händeklatschen.

.zum Briefe des Papstes

daß dessen Vorschläge nicht an Deutschland schei­tern würden. Hinter meinen Worten, das weist ich, steht das ganze deutsche Volk, die gleiche Mei­nung wie ich hat auch das besetzte und das unbe­setzte Gebiet. Unbesonnenheiten von deutscher Seite verureile ich. Wir wollen unser Vaterland retten und alles dafür hingebcn. Die schwerste Frage ist die Bekämpfung des Wuchers, die Frage der Preise und die Anpassung der Löhne. Die ungeheuerste Frage aber die unse-

Es muß hierbei betont werden, daß die Ge­walttaten in gleicher Weise von Franzosen und Belgiern begangen werden. Ob aber die neue belgische Regierung in der alten Weise Hin-

Paris, 29. Juni.

Der Brief des Papstes wird von der Pariser Presse mit ziemlich offener Erbitterung bespro­chen. DerDemps" schreibt, daß Frankreich fremde Vorschläge über die Räumung des Ruhrgebiets nicht entqegennehme. Soll­te der Papst solche Vorschläge wiederholen, so würde Frankreich sie zurückweisen. DerMa­lin" hat noch Mittwoch Abend den Minifterprä- sidentien Poincere befragen lassen. PoincarS sagte dem Matinvertretcr, er habe bisher nur ei­ne kurze unvollständige Mitteilung des Botschaf­ters beim Vatikan. Die Entscheidung über Fort­dauer oder Ende der Ruhrbesetzung liege bei Deutschlands?), nicht bei Frankreich. Solange die deutschen Reparationszahlungen nicht gelei­stet feien, bleibe das Ruhrgebiet besetzt.

Barmen, 29. Juni. (Eigener Trahtbericht.) rheinische Provinziallandtag hielt gestern seine Schlußsitzung ab, wozu in Be- g-eitung mehrerer Reichsminister Reichskanzler Dr. Cuno erschien. Der Kanzler nahm nach Schluß der Tagesordnung das Wort zu einer großen politischen Rede, die auf den Erundton gestimmt war, daß der pa ssj vc Wi­tz e r st a n d als unsere einzige Waffe n i ch t a u f- gegebe» wird. Der Kanzler sagte unter an­derem: Ich kann nur immer wiederholen, was ich auch heute wiederhole und was offen und feierlich nochmals dokumentiert sei, daß das Rheinland und seine Zugehörigkeit zum Reiche und zu Preuße» unangetastet blei­ben mutz und daß keine irgendwie verschleierte Form der Annexion, mag sie internationale Gendarmerie oder neutrale Oberaufsicht heißen, von «ns crörter wird. Ich wiederhole:

Es gibt keine rheinische Frage

"Bei den Eisen- und Etahttndr stnellen.

Barmen, 29. Juni. (Privattelegramm.) Der bedeutsamen Kundgebung des rheinischen Provinziallandtags folate eine Kundgebung der hier zahlreich zusammengekommenen Vertre­ter des Eisen- und Stahlindustriebun- d c s. Zu dieser Sitzung erschien auch Reichs­kanzler Dr. Cuno mit allen Reichsmini­stern, die gegenwärtig in Barmen weilen. Der Reichswirtfchaftsminister Dr. Becker beschäf­tigte sich in einer Ansprache mit der Außenhan­delskontrolle und erklärte zur Markstüt­zungsaktion, daß diese unter allen Umstän­den fortgesetzt werden müsse. Buch Dr. Cuno ergriff das Wort yi einer Ansprache.

Aralien hält sich zurück.

Zürich. 29 Juni (Privattelegramm.) Der MailänderTecolo" meldet aus Rom: Ter Friedensschritt des Papstes kann keine offi­zielle Unterstützung durch Italien fin­den. so sehr im Quirinal auch die päpstliche Initiative anerkannt wird. Italiens Zurückhal»

Waffe wird un§ eine Lösung bringen. In der Besonnenheit und Festhaltung, in der gemeinsamen Durchführung des passiven Wi­derstandes liegt unser Weg im Ruhrgebiet. Dir Rcichsrcgierung ist mit den Regierungen der Länder darüber einig. Es darf k-i« Anlaß zu Kleinmut und Zagen vorhanden fein/ Unbesonnenheiten irgend welcher Art würden dir Lösung des Konfliktes nicht bringen. Durch die Schritte, die die Reichsregierung getan hat, sind die Augen der Welt geöffnet worden. Die Frage heißt: Was will Frankreich, will es Wirtschafts­verhandlungen, will es Reparationen, will cs Annektionen? Die Antwort auf diese Frage er­warte ich. Der Kanzler erllärte

Der päpstliche Friedensbnef

Die frauzöstsche Presse lehnt ab.

(Eigene Drahtmelduna.l

die Armee, von geringfügigen AeUßerlickkeiten abgesehen, fast durch gar nichts von der Wehr- mach tdes zaristischen Rußlands. Es wäre ein großer Irrtum, die bolschewistische Armee nach dem Bilde zu beurteilen, das die bei besonderen Anlässen aufmarschierenden Truppen in Petto- grad oder Moskau ausländischen Besuchern zu bieten vfteaen. Die Truppen sind in Pettograd und Moskau gut ausgerüstet, die Soldaten gut genäbrt und vorzüglich uniformiert; außerhalb der beiden Hauptstädte tragen sie aber zer­fetzte Kleider, die Kasernen sind fd)mut«

Im vollen Bewußtsein ver von nns zu erwarten­den sckßveren Opfer erklären wir: Der Wi­derstand muß «nd wird aufrecht er­halten. Menn eine Regierung in Berlin den Wunsch haben sollte, was ich für ausgeschlossen halte, diesen Widerstand aufzugebcn, so wird das Rh-inland »^rner solchen Weisung nicht folgen. Wir sind bei Preußen, wir bleiben bei Preu­ßen, wir sind bei Deutschland «nd wir blei­ben bei Deutschland! Neber die Stattsform, Ni der wir leben wollen, entscheiden wir selbst.

t»ng in der Ruhrfrage läßt, nach Mussolinis Erklärungen, aktive Handlungen untunlich er­scheinen wenn sie über freundschaftliche Borstel- sungen in Paris h nausgchen sollen. Die ita­lienische Agentur Stefanie verbreitet den päpst lichrn Aufruf zur Bölkervrrsöhnung mit dem re­daktionellen Zusatz, daß die Kundgebung des Papstes ein bedeutsames Zeichen des Interesses der ganzen Welt an einer friedlichen Lö­sung der Ruhrfrage und der Reparation sei.

Keine Slrllungnavme 6er NeiG regieruna.

Berlin. 29. Juni. (Privattelegramm.) Zu dem Aufruf des Papstes zur Völkerversöhnung und Beilegung des Ruhrkonflitts erfahren wir, daß eine offizielle Stellngnahme der Reichsregic- runa vorläufig nicht erfolgen soll, um zu­nächst die Wirkung des päpstlichen Aufrufs bei den Alliietten abzuwortew Der Reichsautzenmi­nister von Rosenberg wo« gestern beim päpstli­chen Nuntius, um ihm den Dank Deutsch­lands für die Kundgebung auszusprechen.

mit allen Mitteln z« lockern und aufzulösen.

Die verminderte rote Armee

l

l letzt sich aus einer Infanterie (sie zählt nur 280000 Mann), aus berittenen Truppen (60 000 , Mann), technischen Formationen (75000 Mann) zusammen. Außer den regulären Truppen ver­fügt die Sowjettegieaung über eine Anzahl irregulärer Formationen (155000 Mann) und über eine großzügig organisierte Militärpolizei (60000 Mann). Der politische Schwerpunkt der Armee liegt in den unregelmäßigen Truppen; sie sind der verläßlichste Teil der bewaffneten Macht. Diesen Truppen gehören nur MiHlieder der kommunistischen Partei an. Die Ausrüstung der Truppen läßt viel zu Wünschen übrig. Die Armee ver­fügt alles in allem über 3600 Kanonen und zwanzigtausend Maschinengewehre. Die Munition der bolschewistischen Armee ist nicht einheitlicher Herkunft, sie stammt aus fran­zösischen, japanischen, englischen, deutschen und amerikanischen Arsenalen. Die Sowjettegiernng 5ctreibt in letzter Zett mit großem Eifer die Organisierung einer Luftflotte. Dem Ko­mitee, das die Vorarbeiten ausführt, steht Trotzki persönlich vor. Nach den gegenwärtigen Plänen beabsichttgt die Sowjetregierung. 10000 militä­rische Flugzeuge bauen zu lassen: bis Ende 1924 soll die Organisierung der Luftflotte abgeschlos­sen werden. Da in Sowietrußland nur fünf Flugzeugsabriken bestehen, ist es sehr unwahr­scheinlich, daß die Plane m-sgeführt werden können. In den Flugzeugwerfftätten arbeiten meist deutsche Ingenieure, auch unter den Pi­loten befinden sich viele gewesene deutsche Offi­ziere. Die Militärschulen sind aut eingerichtet. Die Heranbildung polittsch verläßlicher

Arbeiter zu Offizieren

ist die Hauptaufgabe dieser Institute An der Spitze jeder Schule siebt ein politischer Ver­trauensmann, der sowohl die Schüler wie die Professoren zu überwachen hat. Die Of fixiere haben übrigens die Vorrechte, die ic in der zaristischen Armee besaßen, sich auch in Sowietrußland zu erreichen verstanden. Me tragen ihre Orden, nur die Rangstufen führen andere Bezeichnungen. Auch die Äuszeichnunoen sind wieder eingeführt worden. Die höchste mili­tärische Auszeichnung ist der Orden der ro­te n Fahne. Alles in allem imterscheidet sich

Die Entente-Antwort

Am das Ruhrgebiet.

Ate Kaffeier Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar a v end ch Der MdaunementSprels beträgt monatlich 11000 Mark bet freier Zustellung ms Saus in der ' 8-fchLstSstelle abgebolt 10700 Mark monatlich. Bestellungen werden^ jeder,-ei: entölen, genommen. Verlag uns Redaition: -chlachthoistraße 28/30. Fernsprecher Nummer 951 und 952. Für unverlangt etngefandte Beitrüge kann die Redaktion eine .. erant- roortung ober Gewähr in keinem Falle' übernehmen, Rückzahlung des BezugSneldeS oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ouSgeschloffeit.

ter Frankreich stehen und die Brutalität der Truppen im Ruhrgebiet gutheißen wird, ist noch sehr fraglich. Es ist nicht anzunehmen, daß Bel­gien, selbst wenn Theunis Ministerpräsident bleibt, wie bisher seine sranzosenfreuudliche Hal­tung beibehalten kann. Belgien ist mehr wirt­schaftlich eingestellt und kann die Ruhrpolittk nicht bis ins Unendliche ausdehnen. Es mutz aus wirtschaftlichen Gründen schon zwangsläufig die englische Politik mitmachen, die jetzt energisch auf eine endgültige Lösung der Reparationsfrage hinsteuert. Es ist also Wohl tatsächlich nicht zu viel gesagt, daß die Lösung der belgischen Kabi­nettskrisis für oder gegen die bisherige ftanzo» sen-sreundliche Politik den Ausschlag für die Lö­sung der ReparationSftage mit geben wird. J. B.

Folgen öerMarkentwertung.

Höhere Löhne und Tarife.

(Privat-Tclearamm)

Berlin, 29. Juni.

Die Löhne der städtischen Arbeiter Berlins werden am 1. Juli um nochmals achtzig Pro­zent erhöht. Die städtischsten Tarife sollen am 1» Juli eine weitere Steigerung von hundert Prozent erfahren. DaS Goldzoll-Bufgeld ist für die Zett vom 4. bis 10. Juli um 42000 Prozent auf 2 589000 Prozent erhöht worden In Senftenberg hat gestern eine Bettiebsrätekonfe- renz der mitteldeutschen Braunkoh. lenwerke stattgefunden, die unter kommunisti­scher Leitung stand. Die neuen Lohnbewilligun­gen wurden als «ngeniigend nbgelehnt und neue Forderungen ausgestellt, die bis 200 Prozent über die jetzigen Lohnsätze gehen. Eine Sitzimg der Betriebsräte aller deutschen Brann- kolenreviere soll am 8. Jul in Berlin stattfinden.

Eine Kanzlerrede in Barmen

Politische Kundgebung im Rheinischen Provinziallandtag.

Die Verhandlungen der Alliierten, vor allem die Beratungen zwischen England und rr r a n k r e i ch, sind einmal wieder auf dem to­ten Puntt angelangt. Die Erwartungen der Londoner, Presse, daß die letzten Unterhaltungen des engliichen Botschafters in Paris mit Poin- carS die französische Antwort auf das Memvran- dum Lord Curzons einen Schritt weiter gebracht haiteil^ haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil; Der Optimismus, mit dem man zuerst glaubte, die außenpolpitifche Lage, Reparations- und Ruhr frage usw. betrachten zu dürfen, ist einem gewissen Pessimismus gewichen. Was bisher sel­ten war, ist nunmehr eingetreten, daß nämlich zunächst einmal Paris und London offiftell be­tonen, daß noch keine Einigkeiten den verichiedeneii Fragen erzielr sei. Das zeigt also, daß der Meinungsaustausch über die Repa- rationsfrage noch keinerlei Fortschritt gemacht 5ai- Jur den außenpolitischen Beobachter bc- steht kern Zweifel, darüber, daß Poincarö die ^^vandlungen mit England hinauszöaert und deshach auch die Ruhr- und Reparationsfraqc zurzeit noch hinausschiebt.

_ Frankreich handelt so aus zweierlei Gründen, einmal, weil die derzeitigen französischen Politiker noch, immer damit rechnen, daß inzwi- sch.en der passive Widerstand zusaimnen- bricht, zum anderen aber, weil man, was ja von oer französischen Regierung immer wieder vor- geichoben wird, die Lösung der belgischen Mini- sterkrifls abwartet, um zu sehen, ob das kom­mende belgische Kabinett in dem alten sranzoienfreundlichen Sinne auch in außenpoliti­schen prägen weiter arbeitet, oder ob tatsächlich, wie es schon di- letzten Vorgänge unter der arten belgifchen Regierung zeigten, eine stärkere Nei­gung zur englischen Auffassung besteht.Hat man wirklich in London geglaubt, daß Frankreich sich mit England auf eine besondere Unterhaltung einlassen wurde, ehe wir über die neue belgische 8l®eruSS, Bescheid wissen?" fragt dasJour- val .Wir haben leine (Site, im Ruhrgebiet macht sich unser Druck immer deutlicher bemerk­bar und der deutsche Zusammenbruch wird immer mehr erkennbar. Bald ist die Frucht reif" Das zeigt deutlich, mit welchen Zukunftsmomen- ten die französische Regierung rechnet

Wie die Franzosen dieFr uchtz um Re i- !cn .!nSeit wollen, ersieht man täglich aus den Berichten vom Ruhrgebiet. Auf dem rheini­schen Provinzial-Landtag gab dieser Tage der zum ersten Vorsitzenden gewählte Oberbürger­meister Dr. Jarres-Duisburg als Beispiel für die brutale Unterdrückung der besetzten Gebiete folgende Zahlen an. die als Beweis dafür die­nen können, wie die Franzosen gegen ein Land vorgehen, mit dem im Frieden zu leben sie vor- 9 eben Die Zahlen selbst dürsten in der W-lt- geschichte ihresgleichen nicht haben. In Rheinland «vd Westfalen sind danach bisher schon sieben- hunderi Jahre Gefängnis und über 15 Bil- honen Mark, also 1500 Milliarden Mark an Geldstrafen gegen Deutsche verhängt wor- d-n, die nichts anderes getan haben, als ihre Pflicht und ihren Eid gegenüber dem Vaterlonde treu zu erfüllen. Zwei Todesurteile wur­den gefallt, mehrere Verurteilungen zu lebens­länglicher Zwangsarbeit von fremden Kriegs­gerichten ausgesprochen. Die Zahl der Ans ge­wiesen en beläuft sich bereits aus 160 090 Menzchen. Wie diese Ausweisungen erfolgen, » sie mit brutaler Rücksichtslosigkeit auch gegen Kranke, Frauen und Kinder vorgehen, ja selbst des Todes nicht zurückschrecken, vas haben dre vielen Fälle der vettriebenen Deutschen gezeigt.

Bei dieser Gelegenheit möchten wir auch noch eines Falles erwähnen, der uns von durchaus zuverläsfiger Seite mttgeteitt worden ist. Bei den jiingsten verschärften Maßnahmen der Fran­zosen in Recklinghausen wurde von den Mag>- uratsbehörden darauf aufmerksam gemacht, daß die Bewohner, die auswärts wären, von der Tatsache, daß plötzlich der verschärfte Belage­rungszustand um neun Uhr abends verhängt worden sei, keine Kenntnis hätten. Der ftanzö- mche Oberkommandierende wurde deshalb er- Befehl, jeden, der sich nach neun Uhr abends auf der Straße zeigt, ohne weiteres zu erschießen, zurückzunehmen uird diese Maßnah­men erst vom nächsten Tage an in Kraft treten r« lassen. Der französische General erklärte sich auch dazu bereit. Der Befehl schien aber nicht richtig durchgeaanqen zu sein, und so geschah es daß trotzdem Personen, die sich auf dem Heim­wege von ihrer Arbeit oder vom B-chnhos be- sanden, aetötet oder schwer verwundet wurden Auf die Anfrage des Ortsgeistlichen, ob sich bei Schießereien niemand der Schwe'verwundeten annehmen dürfe, wurde ihm ein hattcsNein" zur Antwort.

B a r m c n, 29. Juni. (Eigener Drahtbericht.) In einer gemeinsamen Erklärung aller Parteien des Provinziallandtags wird der üasstve Widerstand als unsere einzige Waffe be­zeichnet. Sie werde nicht niederqelegt, bevor Recht und Freiheit der deutschen Rheinlande ge­sickert sind. Für das rheinische Volk gibt keine rheinische Frage. An» in die Form der Zugehörigkeit zum deutschen Reiche latzc sich das rheinische Volk nicht von fremden Völkern hin- ciniedc». In einem Schlußwort, das sich zu be-

Die rote Armee.

Furcht der Sowjetführer.

Man hat feit einiger Zeit nicht« mehr von de» bolschemistifche» Armee gehört. Jetzt erführt man. daß Re ans politischen unb finanziellen Gründen wesentlich vermindert worden ist.

DerFigaro" veröffentlicht einen Arttkel seines Moskauer Korrespondenten, der eine Reihe interessanter und unbekannter Daten über die russische rote Armee enthält. DerFiga­ro" schreibt: Die bolschewistische Armee ist im Abbau begriffen. Während die russischen Streitkräfte noch am Anfang des vergangenen Jahres fast eine Million Streitkräfte zählten, verfügt die rote Armee nur mehr über 710000 Mann und auch der gegenwärtige Stand wird noch im Laufe dieses Jahres auf 600000 redu­ziert. Der Abbau der Armee hangt vor allem mit dem Mangel an materiellen Mite teln zusammen. Die Noteitprcffe arbeitet zwar Tag und Nacht unausgesetzt, die entwerteten Assignaten reichen aber trotz der ungeheueren Mengen, dir täglich gebraucht werden, kaum zur Deckung der Kosten des Staatsbetriebes aus. Dennoch spielte die Geldknappheit bei dem Ent­schluß der Sowjetpotentaten, die Armee stufen­weise abzubauen, nur eine Rolle zweiten Ran­ges. Die uneingestandene, Wirkliche Ursache, die die Sowjettegierung -zur Reduktion der be­waffneten Macht veranlaßte ist: die Furcht. Die Sowjetführer fürchten sich vor der Armee, deren Treue und bolschewistische Gesinnung nicht besonders verläßlich zu sein scheint. Eine kleine Armee läßt sich leichter kontrollieren und über­wachen als eine große. Deshalb hat die Regie­rung den Abbau befdjioffen. Me Sowjetregie­rung fürcht-tt sich übrigens vor allem, was nifiert ist; die Kirche, die Wirtschaftsverbände, a selbst ein Teil der Gewerkschaften ist ihr un­bequem und verdächtig. Wenn einmal irgend eine Organisatton wirklich stark festgefügt ist, so unterläßt die Regierung nie den Versuch, dieselbe