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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 140.

Einzelnummer 200 Mk.

13. Jahrgang

Mittwoch, 20. Juni 1923.

Einzelnummer 200 Mk.

Markstmz und Teuerungs-Problem.

Gärung überall.

In Fraukreich, Belgien, Bulgarien.

Der Weltkrieg ist noch nicht zu Ende. Die Alliiertenpolittl unter Frankreichs Führung ist nur die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Da ist es selbstverständlich, daß Deutschland noch Wider st and leistet mit der letzten Waffe, die uns geblieben ist, mit dem vaterländischen Geiste. Man hört von diesem oder jenem Kleinmütigen die Frage:würde es besser werden, wenn wir nachgäben und uns unter die französische Herrschaft beugten?" Do können nur kurzsichtige Leute fragen oder solche, die den französischen Charakter nicht kennen. Fänden die Franzosen hier ein willfähriges Volk, dann würden sie schrankenlos herrschen und dem ganzen deutschen WirtschastSkörper die Dklavenketten anlegen. Das muß verhütet wer­den, wenn der Name Deutschland noch in der Welt Geltung behalten soll. Wenn wir diese Wahrheit erkannt haben, dann wird es uns auch klar, daß wir mit Frankreich, in diesem Falle mit der Regierung Poincars, nie einig werden, denn das jetzige französische Kabinett ist gleich­bedeutend mit den Begriffen Unterdrückung, Aussaugung, Annektion.

Ist nun die Aussicht des weiteren Unfriedens günstig oder ungünstig für uns? Das Ergebnis hängt von der Wirkung der Zeit ab. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird die Zeit doch für uns arbeiten, trotz aller Betrübnisse der Gegenwart. Wir bemerken bereits, daß die Front unserer Gegner stark zu bröckeln anfängt Die Veränderungen in Belgien und Bulgarien sind unverkennbare Kräfte, die die gconerifchen Grundmauern untergraben. Selbst in Frankreich scheinen die Säulen nicht mehr ganz fest zu stehen. Zwar erhält Poincarä in kurzen Zeitabständen von der Kammer ein Ver­trauensvotum, womit 'seine Wahw'innspolstik vom Nationaliftenblock bekräftigt wird, aber sei­ne Mehrheit wird jedesmal knapver. Wozu brauchte er sich überhaupt so oft das Vertrauen aussprechen zu lassen, wenn sein Kabinett fest stände? Die starke Opposition stimmt doch nach­denklich. Das Volk will endlich bk versproche­nen Erfolge sehen und sieht statt dessen nur Mißerfolge in der Reparations- und Ruhr- volitik. Die Zahl Derer, denen die Augen end­lich anfaehen, wird größer und Viele sehen auch, daß das Hindernis nicht nur an der deutschen Zahlungsunfähigkeit, sondern auch an der fran­zösischen Lotterwirtschaft liegt. Infolgedessen gibt es Unzufriedenheit im Volke und Ungehorsam bei den Truppen. Zwei kurze Nachrichten verdienen besonders vermerkt zu werden. Die eine besagt, daß ein elsässi­sches Regimentwegen unliebsamer Vor­kommnisse" aufgelöst werden mußte, worauf die Soldaten in verschiedene altfranzösische Re­gimenter gesteckt wurden. Die andere Meldung teilt mit, daß den französischen Truvven im Ruhrgebiet das Briefschreiben in die fran­zösische Heimat für vier Wochen gesperrt worden ist. Tie scharfen Maßnahm-n beweisen, daß da Manches faul ist, das noch ungeahnte Folgen nach sich ziehen kann.

Ein starker Baustein in der Alliiertenfronr war Belgien. Auch er hat sich gelockert. Es wird nicht mehr geglaubt, daß der Kabinettrück- tritt nur aus den mitgeteilten innenpolitischen Gründen erfolgt ist. Die Gegnerschaft dar Wa- lonen und Vlamen innerhalb Belgiens ist auch auf die bisherige Außenpolitik zurückzuführen. Die Walonen sind die Partei, auf die sich der Ministerpräsident Theunis stützte, als er sich völlig von der französischen Regierung ins Schlepptau nehmen ließ. Dem setzten die Vlamen energischen Widerstand entgegen. Wenn wir auch nicht sagen wollen, daß diese eine Politik zugunsten Deutschlands verlangten, so steht doch fest, daß sie zu England neigten und befürworteten, die Repararionsforderungen auf ein für Deutschland tragbares Maß zu mildern. Sie erinnern daran, daß Frankreich, wenn es Belgien von der Beute einen Teil zukommen läßt, doch nut egoistisch handelte, weil Frank­reich auch die dauernde Herrschaft über Belgien erstrebt. Belgien ist ebenso wie das Rheinland eine Etappe auf dem Wege des französischen Imperialismus.

Scheinbar fernab vom westeuropäischen Rin­gen entwickelt sich am Balkan eine Lage, die für un8 vorteilhaft sein kann. In den Revo­lutionskämpfen in Bulgarien hat die alte deutsch-freundliche Partei die Oberhand gewon­nen. In Vorbereitimg ist ein Zusammenschluß Bulgariens mit der Türkei, was der Kleinen Entente unter Führung Eroßserbiens schwere Sorgen bereitet. Es wird allentbalben mobi­lisiert. Zwar berührt uns ein Balkankrieg nicht bircft. Aber es ist schon bedeutsam, daß England und Frankreich dabei nicht uninteres­siert sind. In London und Paris betrachtet man bcn neuen Kurs in Bulgarien als gegen die große Entente gerichtet und so werden in einem etwaigen Balkankrieg auch England und Frank­

reich einigermaßen beschäftigt. Natürlich wer­den sie ihre Hauptaufmerksamkeit nicht von Deutschland abivenden, aber im Verlause des großen Länderschachfpiels wird das Spiel mit jedem neuen Zug erschwert, und es kann niemand wissen, wie die Partie zu Ende geht.

Ans alledem geht hervor, daß wir unser Spiel nicht vorzeitig verloren geben dürfen. Würden wir uns als geschlagen bekennen, den Widerstand an der Ruhr auzgeben, dann hätte Poinears den Sieg nicht nur über uns errungen, sondern auch über seine Gegner in Frankreich. Je mehr aber wir ihm Widerstand leisten und ihn um den Erfolg bringen, desto mehr setzen ihm seine Gegner im eigewrn Lande zu, bis schließlich doch seine Geroa'.tpolitik zusammen­brechen mutz. Je hartnäckiger wir d«rch- halten, desto besser sind unsere Aus­sichten! K. F. D.

Die Mark-Katastrophe.

Entwertung durch ausländische Machensstplsten.

(Privat-Telegramm.)

Berlin. 19. Juni.

Die Entwertung der Reichsmark hat sich auch an der Nachmittags-Börse fortgesetzt und einen geradezu katastrophalen Umfang an­genommen. Dollarnoten konnten gestern abend im freien Verkehr bis zu 170 und 172 000 anziehen. Von der polnischen Regierung werden große Mengen in Oberschlesien erzielter Marksteuerbeträge auf den internationalen Markt geworfen, wodurch die deutsche Mark weiter ent­wertet wird. Jedenfalls als feststehend anzu­nehmen, daß 'der augenblickliche Angriff aus die deutsche Mark eine feindliche Aktien von höchster politischer Bedeutung ist.

Bedenken in England.

London. 19. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) An der gestrigen Londoner Abendbörse war eine sehr verstärkte Depression bemerkbar. Die deutsche Mark erlitt den t i e fft e n Stand von 700 000 für das englische Pfund. Rach offiziellem Vörsenschluß wurde ein Tiefstand von 710000 Mark für das Pfund erreicht. Das bemerkens­werte ist aber, daß auch der französische Franc zurückging. Paris notierte 75. In Lon­doner Börsenkreisen bespricht man pessimistisch den starken Sturz des französischen Franken. Mau nimmt an, daß innerpolitische Gründe für den Franken stürz maßgebend sind und daß ferner der weitere Sturz der deut­schen Mark auch den sranzösissichen Franken zum Fallen bringen wird, weil die Entwertung der Mark für die weiteren Reparationszahlungen ein schlechtes Vorzeichen bedeute.

Deutschland sucht Hilfe.

L o n d o n, 19. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Daily Mail" berichtet: Der deutsche Bot­schafterin London hat unter Hinweis auf die durch den Marksturz ernst gewordene deutsche Lage den Premierminister um eine Beschleuni­gung der Entscheidung auf die letzten deutschen Vorschläge ersucht. Auch beim Schatzkanzler war der deutsche Botschafter behufs Besprechung über einen angeblich bevorstehenden Schritt Deutsch­lands in der Frage einer internationalen Finanzhilfe für die deutsche Mark.

Der Sturz des Franken.

Folge» der französischen Außenpolitik.

(Eigener Drahtbericht.)

Basel, 19. Juni.

Aus England wird gemeldet, daß die dor­tigen Industriellen parke Abgabe von Franken- werten vornehmen. Die Reue Züricher Zeitung meldet aus Mailand: Tas Gespräch der ge­strigen Börse in Mailand war der Sturz des französischen Frauken. Alle anderen ausländischen Werte sind an der Mailänder Börse gestiegen, so daß man vorläufig über die Gründe, die zum Sturze des Franken führten, im Dunkeln ist. Es bestätigt sich jedoch, daß ein Schritt Italiens und Englands 6ci Frankreich erfolgt ist und daß vielleicht über den Inhalt der nach Paris gegangenen Mitteilungen die Börsenkreise in London Informationen er­halten haben, so daß tatsächlich der Sturz des Franken auf politische Gründe znrückzn- ftihten sein dürste. Die Reue Züricher Zeitung meldet, daß auch an den schweizerischen Börsen der französische Franken gestern um drei Puntte gefallen ist. Rackchörslich ist dann der Franken in Zürich noch weiter zurückgegangen, >och wurde ein Kurs dafür nicht genannt.

Streik und Ausschreitungen.

Gegen Güter und Marttständo.

(Privat-Telearamm >

Berlin, 19. Juni.

Der Landarbeiterstreik in der Pro­vinz Brandenburg hat sich weiter ausge­

dehnt. In der Uckermark wird auf neunzehn Gütern nicht gearbeitet. Der Streik ist ein wil­der. Es haben sich Banden gebildet, die mit ro­ten Fahnen von Ort zu Ort und von Gut zu Gut zielten, um die Arbeiter zum Anfchluß an den Streik zu zwingen. \8ur Verstärkung der örtlichen Polizei hat der Minister des Innern berittene Schutzpolizei aus Berlin zur Verfügung g«stellt. In Berlin-Tegel haben gestern Arbeitslose die Marktstände ge- stürmt. Die Schutzpolizei verhinderte Plün­derungen. Rach Meldungen aus Königs­berg haben gestern dort kommunistische Ausschreitungen stattgefunden.

Schwierige Lohnsragen. Verhandlung über die Löhne der Staatsarbeiter.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 19. Juni.

Die Verhandlungen der Reichsregierung mit den Spitzenorganisationen der Staatsarbei­ter über die infolge der fortschreitenden Teue­rung verlangten Lohnerhähhungen wur­den gestern nachmittag ausgenommen. Abends waren die Verhandlungen fast zu ihrem Ende geführt und die Vertreter der Staatsarbeiter formulierten ihre Forderungen dahin, daß sie für die zweite Juniwoche 75 Prozent an Er­höhung fordern und für die zweite Junihälfte eine Verdoppelung der zu Beginn dieses Mo­nats gezahlten Löhne. Bei der Besprechung dieser Forderungen wurde wiederum die schwie­rige Finanzlage des Reiches erörtert. Ter Fi- nanzminifter sagte unter anderem: Wir besitzen nichts und wir müssen weiter die Mark entwerten, wenn Sie höhere Löhne verlan­gen. Andererseits gab der Minister zu, daß die allgemeine Lebenshaltung immer schwieriger wird und daß die Regierung den Wünschen nach einem Ausgleich Verständnis entgegenbringt.

tim wertbestZndigs Löhne.

Berkin, 19. Juni. (Privattelegramm.) Heber die Frage der Einführung wettbeständiger Löhne hatten die Gewerkschaften gestern wieder eine Besprechung, ohne daß es zu einem Ergebnis gekommen wäre. Dagegen hat die radikale Betriebsrätezentrale gestern den Kampf für die wertbeständigen Löhne proklamiert. Nach einem Bericht von Brolath beschloß die Betriebsrätezentrale, der Regierung eine Frist zur Annahme wertbeständiger Löhne bis zum 25. Juni w stellen und inzwischen die Vorbereitungen für einen Generalstreik fortzufetzen, sowie Verhandlungen mit den Be­triebsräten in ganz Deutschland eineuteiten über einen allgemeinen Ausstand gegen die Teuerung.

(Seien die Teuerung.

Berlin, 19. Juni. (Privattelegramm.) In der gestrigen Sitzung der Gewerkschaf­ten wurde der Bericht der vom Reichskanzler empfangenen Kommission eittgegengenommen Die dringend geforderten Maßnahmen sollen bis Donnerstag dieser Woche abgcwarttt werden, bevor die Gewerkschaften selbst die Aktton g e - gen den Wucher und Lebensmittel­teuerung übernehmen werden. Auch die Denkschrift der Landwirtschaft zum Ga­rantieangebot war Gegenstand der Be­sprechungen. DaS Angebot wurde zurückgewiesen.

Die Antwort der Alliierten.

Der Zwang wird fortgesetzt!

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 19. Juni.

Die vorläustae Antwort Frankreichs an England hat nach einem Londoner Tele­gramm deS .Journal" bereits am Montag früh den englischen Kabinettsrat beschäftigt. Der französische Kammerausschutz für Auswärtiges hat gestern Poincarss Bericht über die Grund­züge der Antwort an Deutschland entgegenge- nommen. Poinearss Rede bauerte fast zwei Stunden. Aus ihr teilenTempö" undFiga­ro" mit, daß der französische Stand­punkt purch den Meinnngsanstansch mit Eng­land unverändert geblieben sei. Die Sauktionen würden fortgesetzt. (!)

Statten befürchtet.

Zürich, 19. Juni. (Privattelegramm.) Der Secolo" meldet aus Rom, man befürchte dort den finanziellen und politischen Zusammen bruch Deutschlands, wenn die Verhand­lungen mit Frankreich nicht bald zu einem Er­folg Englands führten. Die Schädigung des deutschen Nationalvermögens habe bis jetzt schon fast die H ö h e der gesamten Reparati­onszahlungen Deutschlands erreicht.

Arbeitslos in Notzeit.

Große Erörterung im Stadtparlament.

»te Staffele» Stadtverordneten beschäftigten ffch gestern gelegentir» der Bewilligung von insgesamt 100 ötittione» fff» Zwecke der ArbeitSlofeN fffxsorg« ernst un6 eingehend mit d-nr Problem bet von der Stadt z» t»c,Tent>en Maßnahmen. Die den Stadtverordneten zugegangene Ma- gistratsvorlage sah die Bewilligung von weite­ren dreißig Millionen für die Erwerbslosen-- Fürsorge vor. Gestern früh änderte ein Ma- gistratsbeschluß die Vorlage um und beantragte fünfzig Millionen! Der Gewerkschaftsführer Haupt führte die Begründung durch. Er appel­lierte an den Magistrat, keine bureaukrattfche Engherzigkeit walten zu lassen und warf dann die Frage auf: Wie steht es mit der Entlassung der Ar beiter, die auf bem Lande woh­nen und landwirtschaftlich tätig fein könnten, statt dessen aber weiter in der Stadt tätig sind? Bedauerlicherweise seien die Arbeitgeber kurz, sichtig gewesen. Hätten sie in dieser Beziehung ein Entgegenkommen gezeigt, so würden viele Arbeitslose untergebracht und die Stadt finan­ziell entlüftet sein. Weiter erbat der Redner Milch für die Arbeitslosen, die noch Säuglinge zu ernähren Haden und vermehtte Unterbrin­gung von Arbeitslosenkindern in der Wald- erholurrgsstätte zur Entlastung ihrer El­tern. Das Freidankslcisch sollte in erhöh­tem Maße für die Arbeitslosen bereitgehalten werden. Dann gab es einen Angriff auf die Handelskammer. Der Redner sagte un- ter anderem: Die Kreise, die bei der heutigen Geldentwertung überaus große Vorteile haben, Arbeitgeber und Handelswelt, sollten mehr Opfer bringen als bisher. Auf die Bedingun­gen, die die Handelskammer an ihre Hilfelei­stung geknüpft hat, wolle er nicht eingehen, um die Handelskammer nicht vor der Oeffentlichkeit zu kompromittieren ... dieser Beschluß sei ein Stück aus dem Tollhaus gewesen! Auf eine Bemerkung des Redners hin, daß die Gewerkschaften fürch­ten, die Gastwirte könnten daS billige Fleisch erhalten, gab Obermeister Schnell, der stell- verttetende Vorsitzende der Versammlung, die Erklärung ab: Eine solche Verwendung ist ganz ausgeschlossen. Wer Freibankfleisch bezieht, muß sich in eine besondere Liste eintragen lassen, so daß die Abgabe genauer Konttolle untersteht! Die Sprecher der bürgerlichen Fraktionen stimm­ten der Vorlage zu. Dabei gab Stadtverord­neter Heß (Demokrat) der Freude darüber Ausdruck, daß Stadtv. Haupt die

Unterstützung der notleidenden Kleinrentner

in gleicher Weise anerkannt hat. Stadttat Hä­ring, der Dezernent deS Sozialen und des Arbeitsamtes, ließ an Beispielen erkennen, wie wenig die Arbeitslosigkeit den Verhältnissen an­gepaßt ist, betonte aber: Die Stadt ist lediglich Vollstreckern deS ReichSgesetzeS und geht, wenn sie dagegen verstößt, der Reichszuschüsse, die fünf Sechstel betragen, verlustig. So bleibt nur übrig, der dringendsten Not entgegenzuwirken und, diese Versicherung gab der Stadtrat, jedes entsprechende Gesuch wird durchaus loval und wohlwollend geprüft und rasch erledigt! Von Arbeitgeberseite sind bisher für die produttive ErwerbSkosen-Fürsorge siebenunddreißig Millio­nen gespendet worden, davon allerdings allein zwanzig Millionen durch Geheimrat Dr. Hen­schel. Viele Arbeitgeber haben vollkommen ver­sagt. Dabei sind für Notstands arbeiten unge­heure Summen erforderlich. Stadtrat Sautter, dem Dezernent des Wohnungsamtes, ist eS ge­lungen, den Wohnungsbau in Kassel vor bem Niederdruck zu bewahren. Wir können fo- oar größere Wohnungsbauten beginnen und da­bei eine erhebliche Zahl Arbeitslose beschäftigen. Wie dieser MagiftratSvertteter hob auch Bür­germeister Brunner hervor: Was die Stadt in dem ihr durch daS Gesetz gezogenen Rahmen tun tarnt, geschicht ... darauf können Sie sick verlassen! Weiter machte er die Mitteilung, daß der Magistrat am gestrigen Montag morgen

mehr als dreihundett Millionen Matt

zur Ausführung von Straßenarbei­ten bewilligt hat! Ein vom Stadtverord­neten Haupt wiedergegebenes Gerücht, daß die Arbeiten am Stauwerk Freienhagen einge­stellt worden feien, wurde vom Bürgermeister dementiert. Die Unterbringung von Kindern in der WalderholungSstätte fei bereits eingeleittt. Tie Handelskammer habe mehrere Millionen in Aussicht gestellt und sieben bereits eingezahlt, aber was bedeuten diese Millionen angesichts^ deS Anschwellens der Preise! Der Bürgermeister Versprach, neue Schritte bet bcn Arbeitgebern zu unternehmen Diesen Mitteilungen hielt Stadt­verordneter Haupt entgegen: Außer Henschel haben die Arbeitgeber sieben Millionen gestiftet, die Arbeiter, Angestellten und Beamten sechs Millionen ... da bietet sich für die Handelskam­mer ein überaus großes Betätigungsfeld, dem Opfer der Arbeitnehmer, deren Verdienst tn kei­nem Verhältnis zu den Lebenskosten steht, un­gefähr gleichzukommen! Nochmals auf die Ar­beiter vom Lande zurücKommend, bedau-