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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 135.

Einzelnummer 200 Mk.

13. Jahrgang

Donnerstag, 14. Juni 1923.

Einzelnummer 200 Mk.

Anerlragliche Leiden im Ruhrgebiet.

<8in Waffenstillstand?

Noch keine Klärung.

Schon vor geraumer Zeit hat sich die Ueber- zeugung in der englischen Regierung Bahn ge­brochen, daß eine Verständigung in der Ruhr- frage möglich ist, wenn beide Teile, Frankreich und Deutschland, sich auf eine mittlere For­mel einigten. Frankreich fordert, Deutschland solle sich unterwerfen und zum Zeichen dafür den passiven Widerstand aufgeben. Deutschland will den passiven Widerstand nicht früher ausgeben, bis es die Zusicherung erhalten hat, daß dann auch unbedingt das Ruhrge­biet geräumt werde. Bei diesem gegensätz­lichen, wie es scheint, unül^rbrückbarcn Stand­punkt der beiden Beteiligten ist es ausgeschlos­sen, daß eine Konferenz einberufen werden kann. England hat daher, um beiden gerecht zu wer­den, eine Art Waffenstillstand vorge- schlagen. Deutschland sollte zeitweilig den passiven Widerstand einstellen und Frankreich sollte seinen Besatzungstrnppen Anweisung ge­ben. sich in die innerdeutschen Angelegenheiten nicht einzumischen Noch heute hofft England, mit Lieser Vermittelung alle Schwierigkeiten zu überwinden. Es hat sogar diese Lösung noch mehr in den Vordergrund geschoben und aus­drücklich betont, daß es den Abbau der Ruhr- cchtion wünsche, sich für eine Beilegung der Re- parationssckkwrerigkeiten einsetzen werde, selbst wenn es dadurch Frankreich zu nahe treten würde. Und es hat den Anschein, als ob die Frage des passiven Widerstandes sich heute als d i e Frage zuspitzt, die zuerst gelöst werden muß.

Die deutsche Regierung nun hat sich ernstlich mit d>.. Frage beschäftigt, ob man dem englischen Anraten folgen könne. Innerhalb der Regierung' ist die Ansicht verbreitet, der passive Widerstand solle kein Hinderungsgrund für Ver­handlungen sein. Die Regierung wäre also mit einem Waffenstillstand einverstanden? Sie hofft demnach durch Verhandlungen, wie sie auch aus­laufen, einen Schritt weiter zu kommen. Indes­sen hat sie nicht allein über den passiven Widerstand zu befinden, denn sie hat ihn wohl unterstützt, aber niemals angeordnet. Er ist aus dem Ruhrgebiet als Abwehrmittel erwach­sen. Das Ruhrgebiet kann demnach auch allein befinden, ob es Verhandlungen möglich machen soll, indem es in einen Waffenstillstand einwil­ligt. Und dicserhalb haben nun auch zwischen der Regierung und den kompetenten Vertretern des Ruhrabwehrkampfes Verhandlungen stattge­funden. Es läßt sich über das Ergebnis dieser Aussprache noch nichts Besftmnrtcs sagen.

In Frankreich sind gemäßigte Kreise nicht abgeneigt. sich dem englischen Vorschläge anzu­passen. Andererseits verschärft die Gruppe Po- incarS ihre Hartnäckigkeit. Der französische Bot­schafter in London hat der englischen Regierung rnitgeteilt, die französische Regierung werde sich mit den Verbündeten über die Regelung der Rc- paraftonsfrage nicht unterhalten, solange Deutschland den passiven Widerstand nicht voll­kommen einstelle. Der Botschafter lenkte gleich­zeitig die Aufmerksamkeit des englischen Außen­minister auf die Rede des Reichskanzlers in Münster, die er als einen .Aufruf an das deutsche Volk zur Empörung gegen den Versail­ler Vertrag" bezeichnete. Weiter machte er gel­tend, daß die Ermordung der zwei französischen Unteroffiziere in Dortmund die gebieterische Notwendigkeit zeige, dem passiven Widerstand ein Ende ju machen. Sobald er eingestellt werde, würde sich die französische Regierung glücklich schätzen, im Einverständnis mit den Verbündeten das Reparationsproblem auf der Grundlage des französischen Planes zu regeln.

Daneben hält Frankreich seine Forderungen aufrecht. So will es nicht auf der Basis der deut­schen Vorschläge, sondern auf Grund des franzö­sischen Planes vom Januar verhandeln, des Planes also, den damals Llohd George für un­annehmbar erklärte, und ier zur Folge hatte, daß die Trennung zwischen England und Frank­reich eintrat. Frankreich arbeitet jetzt auf die alli­ierte Einheitsfront hin. Es sagt sich, es könne mehr erreichen, wenn auch England seine For­derungen unterstützt. Roch liegen diese in ihrem vollen Umfangs nicht offen. Aber wir können uns ruhig darauf einstellen, daß sie eine weitere' Schmälerung des deutschen Gebie­tes, größere Lasten und Leistungen für Deutschland Vorsicht und zuletzt schließlich eine scharfe Kontrolle, die Deutschland jede Selbständigkeit nimmt. In England ist man mm, um des lieben Friedens willen, heißt es, nicht abgeneigt, die französischen Forderungen zu stützen, sobald sich erkennen läßt, daß eine Lö­sung Europa den Frieden bringt. Folglich ist nicht ausgeschlossen, daß England den französi­schen Wünschen weit eutgegenkommt. Machen wir uns also keine Illusionen, wenn aus den jetzigen englisch-ftanzösissichen Verhand­lungen eine Verständigung herauskommt, und denken wir nicht etwa optimistisch, wenn Eng­land sich sogar entschließt, seinen Druck auf Frankreich zu erhöhen. Wir sind bisher die Leid-

Wilde französische Schießerei.

Greuel der tollgewordenen Besatzung.

Musikstadt Kastel.

Die Bedeutung der Tonkünstler-Woche.

Die Deutsche Tonkjjnstler-Wolv« Staffel 1923 fand gestern adeud ihren offizielle» Adschliist.

Dortmund, 13. Juni. (Privattelegramm.) Ucber die Erschictzung der sechs Bürger in Dortmund liegen jetzt Zeugenaussagen vor, die grauenhafte Einzelheiten enthüllen. Die ftanzosische Militärbehörde hat gestern im Rat­haus die Zengcnanssagen beschlagnahmt und ihre Bekanntgabe verboten. (!) Es kann jedoch mitgcteilt werden, daß auf dem Südwall, wo zahlreiche Ausflügler bei ihrer Rückkehr die Stadt betraten, ein starkes Kommando mit zahlreichen Offizieren die Menge mit Reit­peitschen und Kolben bearbeitete. Hefter zweihundert Deutfckse wurden in die Wacht- lokale der Franzosen getrieben, wo sie

die Nacht über mißhandelt wurden. An fünf Frauen haben sich die Fran- ßosen in dieser Rächt vergangen. Ein Offizier zog am Bahnhof einen Revolver und feuerte bliudliugs auf einen einfaftrenften Zug. Später erschoß derselbe Offizier auf dem Bahnhof einen Deutschen. Der für Dortmund zu­ständige französische General hat gestern den Oberbürgermeister zu sich befohlen und ihm er­klärt, daß er die Vorgänge innerhalb der Stadt bedauern, sie seien aber durch die Erregung der französischen Truppen zu erklären. (?)

* *

Weitete Greuel im Ruhrgebiet.

Berlin, 13. Juni. (Privattelegramm.) Ans Dortmund wfktz heute gemeldet, daß sm Laust der Rächt neue wilde Schießereien der Franzo­sen in Dortmund .und Recklinghausen smttgeftntden haben. In der dritten Morgen­stunde wurden in das frühere Garnisonlazarett zwei erschossene Deutsche eingeliefert; ebenso drei andere Deutsch, die Streif­schüsse hatten. Aus Recklinghausen wird gemeldet: Gestern nacht sind von franzö­sischen Posten auf der Straße

zwei deutsche Aerze erschossen worden, die beruflich unterwegs waren. (!) In Essen ist ein Bergmann von fron« eösissichcn Offizieren, die in einer Wirtschaft saßen und ohne weiteres von der Schußwaffe

Gebrauch machten, getötet worden. Ein Ar- beiter und eine andere Person sind schwer ver­letzt. Gestern nachmittag wurde in Gelsen- kirchen von der Bahnhosswache ein zwölfjäh­riges Mädchen erschossen, das angeblich den Soldaten Grimaffcn geschnitten haben soll.

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Streit um ein Frauenzimmer.

Dortmund, 13. Juni. (Privattelegramm.) Ucber den Tod der beiden französischen Offi­ziersanwärter lauten die neuen Feststellungen, daß die Franzosen vonzweiAlpenjägcrn erschossen wurden und zwar wegen eines be­kannten Frauenzimmers, der sogenannten roten Eina. Diese und zwei andere Personen wurden von den Franzosen in Haft genommen. Ihre Aussagen werden verheimlicht, wie üftcraupt alles Beweismaterial unterdrückt wird, das die obige Annahme bestätigt.

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Dreihundert Deutsche als Geiseln.

Dortmund, 13. Juni. (Privattelegramm.) Wie gemeldet wird, haben die Franzosen etwa dreihundert Bürger als Geiseln ver­haftet. In das Luisenfpital find weitere zwei »ndzwanzig Verletzte und ein Toter eingeliefert worden, die auf sranzöfischeu Anruf nicht sofort stehen geblieben und deshalb beschossen worden sind. Französifsiche Kavallerie ist an den Bahn- '!> nach Brake und Hörde-Fserlahn vorgerückt, Besetzungen wurden bisher nicht gemeldet.

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Eff Tvw, fünfunddreißig Verbtzie.

Dortmund, 13. Juni. (Privattelegramm.) Rach heute früh vorliegenden Meldungen teilte in der gestrigen Abendsitzung der Stadtverordne­ten in Dortmund der Oberbürgermeister mit, daß die Gesamtheit der Opfer der Zusam­menstöße der letzten Tage elf Tote und fünf­unddreißig Verletzte seien. Weitere Mit­teilungen zu machen, sei er nicht in der Lage. Er fordere aber die gesamte Bevölkerung der Stadt zur Ruhe und Besonnenheit auf, um weitere Leiden von der Stadt strnzuhalten.

tragenden gewesen und wir werden es auch fer- l er sein. Niemals wird Frankreich das wesent­liche, also gerade das aus seinen Forderungen streichen, was uns bedrücken, belasten, schmälern muß. Und selbst wenn die Verbindung mit England in die Brüche gehen würde: Nock herrscht Poincars mit seinem Größenwahn, noch glaubt er und kann er glauben, daß seine Auf­gabe nicht erfüllt ist, aber erfüllt werden kann. Wie uns heute aus Berlin mitgeteilt wird, ist in der Frage des »Waffenstillandes' noch keine Klärung eingetreten. Während man im Kabinett die Frage erwägt, ob die Strafbestimmungen auf deutscher Seite gemildert werden könnten, meint der Reichskanzler die Beharrung im pas­siven Widerstand fortsetzen zu müssen.

ÄN Erwartung der Antwort.

Die Stellungnahme der Alliierte».

(Privat-Telegramm)

Berlin, 13. Juni.

Heute ist die allgemeine Situation in der außenpolitischen Lage die, daß vorläuftg mit einer Antwort der alliierten Staaten noch n i ch t zu rechnen ist. England wartet nach allen vorliegenden Meldungen auf die weiteren Ent- schließungen Frankreichs und hat ein eigenes Vorgehen zugunsten der deuffchen Vorschläge aufgeschoben. Die Reuter-Agentur meldete ge­stern abend, daß England bereit sei, Konzessio­nen zu gewähren, um eine gemeinsame Aktion für eine Regelung der Reparationsfrage herbei­zuführen. In Berliner politischen Kreisen hegt man die begründete Befürchtung, daß diese Konzessionen zu Lasten Deutschlands gehen.

..Richt unbedingt ungünstig?"

Berlin, 13. Juni. (Vrivattclegramm.) Der Berliner Vertreter der München Augsbur- fler Abendzeitung meldet: Tie Verzögerung der Antwort der Alliierten aus die deMsche Note wird in Berliner Regierungskreisen als nicht unbedingt ungünstig Mdeutet. Aus hier eingegangenen Anftagen aus London und Rom schließt man auf eine intensive Vermittle r- tätigkeit beider Staaten. Gestern waren deutschnationake Abgeordnete bei Herrn von Ro­senberg, um ihn über die denffche Ttellungnah- me zu der kategorischen Forderung der Fran­zosen zu befrage», für die Dauer der Verhand­lungen. den passiven Widerstand ruhen zu

lassen. Irgend eine bindende Erklärung des Außenministers war nicht zu erlangen.

(Sin? Konfkrrrrz.

Paris, 13. Juni. (Eigene Drabtmeldung.) DerTemps" berichtet: Am kommenden Sams­tag findet eine neu- Botschafterkonfe­renz in London statt. Die Antwort an Deutsch­land wird noch länger auf sich warten lassen.

Die GtreiUage.

Aus Ost-, Mittel, und Norddeutschland.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 13. Juni.

Die Streiklag? im Reiche ist nur wenig ab­geschwächt. In O b e r s ch l e s i e n ist der ange­drohte Generalstreik nicht eingetreten, dagegen sind im mitteldeutschen Braunkohlenre- vier Stillegungen von Gruben durch die komm»- niftifdjen Betriebsräte erfolgt. Aus den H a - fenftäbten wird eine neue Lohnbewegung zur Festlegung eines Stundenlohnes von 7000 Mark gemeldet. In Berlin fordern die städ­tischen Arbeiter Lohncrhöhimgen um 80 Pro­zent, die Beamtenspitzenverbände treten gleich­falls mit der Forderung nach abermaliger Er­höhung der Teuerungsziischläqe auf. Die prole­tarisch« Kontrollkommission beschlagnahmte in Berlin-Zehlendorf gestern Butter, die zu 17 000 Mark das Pfund verkauft worden war.

Russtunv cuf Gütern.

Berlin, 13. Juni. (Privattelegramm.) Gestern ist auck in der Provinz Branden bürg der Landarbeiter st teil anSgebro- (ficn. Im Kreise Falkenberg wird auf dreizehn Gütern gestreikt. Im Kreise Brandenburg sind 27 Güter in Millcidenschaft gezogen. Die Rot- ,'tandsarbeiten werden nur zum Teil erledigt. Auch ans Pommern wird gemeldet, daß auf einer Reibe Güter die Landarbeiter mit For­derungen hervorgrireten sind.

»ie obersGlefffchen DerggrSetter.

BreSlau, 13. Juni. kPrivattelegramm.) Verschiedenen Meldungen zufolge ist im ober, schlesischen Streikgebiet die Lage unverändert. Gestern abend streikten noch etwa 120 000 Arbei­ter. Trotz des Auftuss der Gewerkfckmttslei- tung setzen die Kommunisten ihren Ter­ror fort und verhinderten gestern abend in Ben- then wieder die Einfahrt der Abendschicht.

Die große Musikwoche ist vorüber. Sie be­deutet fiir Kassel, das läßt sich heute schon über- sehen, einen nicht zu unterschätzenden Ersolg. Wir haben eine Belastungsprobe wohl noch nie dagewesener Art durchgemacht, ob die Stadt in der Lage ist, ihres Namens willen ein Ereignis in ihre Mauern zu bannen. Und es war ein Ereignis, lieber den musikalischen Abschluß wird von berufener Seite noch geschrieben werden. Nur das sei hier wiedergegebeu, was einer der hervorragendsten Sterne am deutschen Musikhim­mel mir erklärte:Sie wollen wissen, wie ich mit der Kasseler Tonkünstlerwoche zufrieden bin? Ich sage Ihnen, ganz abgesehen von der Ent­deckung musikalischer Genies wie Längs, Zulauf usw. für Sie große Welt, war es die größte Ver­anstaltung seit zehn, fünfzehn Jahren. Düffel-^ darf, Nürnberg, Weimar, Zürich sogar werden von Kassel überragt. Es wurde auch nicht eine Niete gezogen!" Wir pflanzten, als wir diese Woche" machten, die Hoffnung auf, Kassel möchte durch das Fest der Toukünstler als Musikstadt entdeckt" werden, und ... wir sind entdeckt! Sintberte von Autoritäten, deren Name reinsten Klang besitzt, waren in Kassel, und alle haben von sich aus ihrem Staunen, ihrer Freude Aus­druck gegeben über die Enttäuschung, die sie er­lebten. Noch immer ist man jadraußen" des Glaubens, Kassel sei eine Provinzecke, in der wohl mancherlei Gutes steckt, mit der aber sonst fein Staat zu machen ist. Manche Persönlichkeit, die zum Höhenflug befähigt war, blieb hier haf­ten, weil in Lor Ferne das Wort gilt: Was kann von Kassel Gutes kommen?

Nun sind alle diefe Sendboten der großen Ocsfentlichkeit überrascht worden, angesichts des schönen und großzügigen Theaters, der Stadt­halle, ihrer herrlichen Orgel, die, wie gestern, den Konzcrtsaal zum Dom wandeln kann, des staat­lichen Orchesters, der Chöre; und ebenso sind sie des Lobes voll über den Gemeinsinn der Bürgerschaft, über künstlerische Führer wie Ro­bert "Lanas, Dr. Zulmif und andere. Schon jetzt beschäftigt sich die Weltpresse in anerkennender Weise über Kassel, und das, was wir hören, was wir lesen, ist abgestimmt auf rückhaltlose Er­kenntnis der Bedeutung der Stadt Kassel: Wir sind endlich, wenn's auch unverdient lange währte, entdeckt! So wars auch gestern mittag, als wir uns mit dem Vorstand und dem Musik- ausschuß des Allgemeinen Deutschen Musikver­eins zwanglos bei einem Imbiß, bei einem Glas Bier, Kaffee, AsbachMralt und einer guten, Zi­garre im Gesellschaft ssaal der Stadthalle zusam­mensanden.

Der erste Vorsitzende des Oris-Ausschus- ses für die Tonkünstlerwoche. Oberlandes- gcrichtspräsident Fritsch, hob hervor, wie sich Kapellmeister Robert Langs und Stadtrat Weber um das Zustandekommen der Kasseler Musikwoche Verdienste erwarben. Wir, die wir den Entwicklungsgang der Dinge mitgemacht, können nur unterstreichen, was zum Lob dieser Männer gesagt wurde, ebenso dürfen wir die Berechtigung des dann ausgebrachtenKaiser- Hochs" festftellen, eines Hochs, das dem Dritten im Bunde der Vorbereiter galt, Regierunasrat Dr. Kaiser, der sein ganzes Ich für diese Veranstaltung eingesetzt hat.

Stadtrat Weber, unser Verkehrsdezernent, stellte mit Genugtuung fest, daß sein Vertrauen aus die alte Gastlichkeit der Kasseler Bürgerschaft nicht betrogen worden ist. Die Unterbringung der Gäste und ihre Ver­pflegung haben reibungslos geklappt. Bis vor etwa vierzehn Tagen stand noch nicht fest, ob das künstlerische Programm in der jetzt abgeroll- ten Weise vor sich gehen würde. Umso höher ist zu bewerten, was unsere hervorragende st a a t« liche Kapelle und ihr Leiter gcleiftet haben. Alle, die das vernahmen, bestätigten mit sponta- nem Bravo, daß hier eine Herkulesarbeit gelei­stet worden ist. War Kassel schon früher dank der Tättgkett seiner Landgrafen kulturfördernd, so jetzt wieder durch ein gedeihliches Zusam­menwirken von Sftaat, Stadt und pri­vaten Kunstkörperschaften. Der Staat stellte sein Orchester und die gute Organisatton des Staatstbeaters zur Verfügung, die Stad, ihre Stadthalle, die sich geeignet erwiesen hat für die Abhaltung weiterer Veranstaltungn in dem-- sclben Umfange wie die Tonkünstlerwoche. Diese, Ttadthalle muß verständnisvoller Kunst- und Kulturförderung nutzbar gemacht werde». Auch diese Bemerkung des Verkehrs-Stadtrats rief all­gemeines Bravo hervor, ebenfo die weitere: Hierzu bedarf es der Mtarbeit weitester Kreise, und diese war da: Nicht nur Geldgeber Reich- titm verpflichtet!, auch die Kasseler Chöre, die Gesangvereine, die Beamten des Verkehrsamtes, Freunde und Föriaer der Kunst. So möge es bleiben im Interesse gedeihlicher Förderung der deutschen Kunst bis zn ihrer höchsten Vollendung. Im Zusammenhang damit sei noch einmal an