Nr. 134. — 13. Jahrgans.
Stander Neueste Nachrichten,
Mittwoch, 13. Juni 1923.
statt fand, war nicht besonders zahlreich besucht. Ergebnisse folgen.
Pokalspiel.
Morgen, Mittwoch, findet ein wichtiges Tressen in der Pokal-Zwischenrunde statt. Erster Ballspiel-Klub Sport trifft auf dem Sportplatz an der Tapsgasse mit Spietverein Rothenditmold zrisammen. Ten Ausgang des Spieles vorher zu bestimmen, ist in Anbetracht der guten Qualität beider Vereine nicht angebracht.
Kasseler Ferlenkinber.
Die Entsendung von sechshundert Kasseler Kindern nach Siebenbürgen ist vorbereitet. Der Vorstand des Vereins fstr das Deutschtum im Auslande und das städtische Jugendamt haben die vielen dazu notwendigen Einzelheiten mit großer Umsicht erledigt, so daß der mehrwöchigen Reise, die Ende dieses Monats beginnen soll, nichts mehr entgegensteht. Auch in Siebenbürgen ist Quartier gemacht und bei den dortigen deutschen Landsleuten ist alles zum Empfang bereit. Nur fehlt es noch an Geld. Die vor Wochen eingeleitetc Reise war auf einem Dollarstand von 20C00 Mark aufgebaut. Durch die Geldentwertung ist aber die erforderliche Summe bedeutend höher geworden. Inzwischen sind erfreulicherweise freundliche Spenden einge- gangcn, aber es fehlt noch viel. Alles hängt davon ab, daß noch weitere Geldmittel eingehen. Es ist aber zu hoffen, daß der bewährte Opfersinn der Bürgerschaft helfen wird, daß allen in Aussicht genommenen Kindern, die mit der Erholungsreise zugleich eine kulturelle deutsche Aufgabe erfüllen, diese Fahrt ermöglicht wird.
Adolf Köhlers
Der Förderer des deutschen Lieds.
Wie schon berichtet, starb inmitten seiner Sänger Adolf Köhler. Er, der Sohn eines Lehrers in Hesserobe (Kreis Melsungen), am 16. Januar 1861 geboren, übte seinen Leh- rerüeruf zunächst in Melsungen an der höheren Knabenschule aus. Im Jahre 1891 kam er nach Kassel, brach für den dort gerade aufblühendcn vierstimmigen Männergesang eine Lanze und übernahm in der Folge die musikalische Leitung verschiedener Männergesangvereine So brachte er zunächst den „Kasseler Lieberverein", dessen musterhafte Konzerte gewiß manchem Musikfreund bekannt sind, zu weiterer Entfaltung. Nachdem Adolf Köhler noch den ..Bürgerlichen Gesangverein" und „Arbeiterfortbildungsverein" geleitet halte, wurde er von den Gesangvereinen „Frohsinn Wehlheiden" und „Harmonie Rothenditmold" zitm Chorleiter erwählt.
Außerordentlichen Erfolg hatten die mit dem „Lieocrverein", „Frohsinn" und „Harmonie" am 4. April 1906 und von „Harmonie" und „Frohsinn" im Juli 1907 in Eisenach zusammen mit dem Philharmonischen Winter- stein-Orchester veranstalteten Konzerte. Mit letzteren beiden Vereinen erwarb sich Köhler auch eine Anzahl hoher Preise auf Gesangswettstreiten, wie es bei dem tiefen Eindringen des tüchtigen Chorleiters in die Schöpfungen der Tondichter und bei seiner straffen musikalischen Schuluirg nicht anders zu erwarteit war. Ein unvergängliches Verdienst hat sich Köhler ferner dadurch geschaffen, daß er das bis dahin stiefmütterlich behandelte deutsche Volkslied wieder zu Ehren brachte und das noch lange nicht genug bekannte hessische Bauernlied auf seine Fahne schrieb. Seitdem sind Lieder, wie „Der Jäger in dem grünen Wald", „Die Reise nach Jütland" und nicht zuletzt „Schwiegereltern, die muß man lieben" („Schön sind die zwanz'gcr Jahr'") den sangesfrcudigen Hessensöhnen ans Herz gewachsen.
Adolf Köhler leitete dann weiter neben dem verstorbenen Hofkapellmeister Franz Beier eine Zeit lang den Kasseler Lehrergesangverein. Als ausgezeichneter Organist trat er in zahlreichen Konzerten mit der „Musica sacra", der „Staat!. Theaterkapelle", dem „Oratoricnverein". dem „Berliner Domchor" usw. erfolgreich auf. Auch hatte er alljährlich Ende Juli Volks-Orgelvor- träge veranstaltet, in denen hauptsächlich Bach- sche Tondichtungen zum Vortrog kamen. Einer großen Zahl dankbarer Schüler aller Stände und vielen Männergesangvereinsmitgliedern wird darum der Tod dieses ganz Vortrefflichen wehmütige Gefühle entlocken.
Die neuen Bierpreise.
Konflikt zwischen Brauern und Wirten,
Die gestern bereits angckündigte Bierprciser- höhung bildete den einzigen Punkt der Tagesordnung einer großen Wirteversammlung im Gasthaus Wilhelm (Arbeitcr-Fortbildungs-Ver- etn) an der Holländischenstraße. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft im Hotel- und Gast- Wirtsgewerbe, Direktor Grenzebach, verwies eingangs darauf, daß genau 14 Oagc seit der letzten Bicrpreiserhöhung vergangen sind und bekam den Zuruf- Auf die nächste können wir gleich warten? Dann erhob der Vorsitzende gegen die Brauereivereinigung den Vorwurf, sie habe auch diesmal ihr bei der vorletzten Erhöhung gegebenes Versprechen, die Wirieorganisation rechtzeitig von einer bevorstehenden Erhöhung in Kenntnis zn setzen, nicht gehalten. Zur Begründung dieses Vorwurfs fuhr er fort: Am Freitag mittag wurde telephonisch mitgcteilt, daß der Preis ab Montag erhöht werden und auf die Erinnerung Mt das gegebene Versprechen ging man tatf blütig hinweg, ja es wurde sogar erklärt, in Zukunft werde man überhaupt keine Mitteilung mehr an die Organisation machen, sondern solche Tinge mit den Kunden selbst abzumachen! Diese Bemerkung wurde von der Versammlung mit lauten Pfui-Rufen ausgenommen und der Ver- mittung des Vorsitzenden zugestimmt, daß die Brauereien den Versuch unternehmen, durch Ausschaltung der ihnen unbequemen Organisa- ton eine Bresche in die Einigkeit der Gastwirte zn schlagen,. Es folgte ein- teilweise erregte Aussprache. Alle Redner waren darüber einig, daß schärfster Protest gegen dieses Vorgehen der Brauereien erhoben werden mutz. Dieselbe Er- drosseltmgspolitik toi; per Feind uns gegenüber treibe das Großkapital im Lande. Eine besondere Abordnung wurde gewählt, diesen Protest der Brauerei-Vereinigung gegenüber zum Ausdruck zn bringen. Welter kam die Versammlung zw dem Beschluß. den diktierten neuen Bierpreis erst ab hcnte, Dienstag, zu bezahlen und entsprechend auch die neuen Verkaufspreise ab Dienstag in Kraft treten zu lassen. Tas Ergehn s der B:-
rarung über die neuen Preise, wobei auf die Ver° ieuerung der Eisprcise, der Kohlensäure, der Kohlen, des Lichtes usw. hingewiesen wurde, war die Aufstellung folgender M in d e st P r e i - sc also ohne Bedienungsgeld: Der gängigste Schoppen 900 Mark, die Tulpe 500 Mark, neun Zwanzigstel imb Straßenverkauf 1100 Mark. Nimmt man das Bedienungsgeld hinzu, dann ist
der Tausendmark-Schoppcn
erreicht! Auch der Kaffee wird wieder teurer. Unter Zugrundelegung eines Preises von 32000 Mark für das Pfttnd Kaffee wurde der Preis für eine Tasse Bohnenkaffee auf 900 Mark, für eint Portion aus 2000 Mark beziffert. Für Mischkaffee auf 500 Mark, für die Portion auf 1000 Mark. Bei dem so beliebten Kaffee - Aufschütten werden künftig 300 Mark Leihgebühr für die Taffe erhoben. Es wurde nachgerechnet, daß eine Familie, die in der Wirtschaft Kaffee kocht, für den dort zu zahlenden Preis daheim keinen Kaffee kochen kann. Für ein fogenanntes Butterbrot sind mindestens 1000 Mark zu berechnen. Interessant sind die weitern neuen Richss preise: Die besseren Schnäpse wie Steinbä- ger, Zwctschen- und Kirschwasser das 0,03-Gläs- ften ie 1C0O Mark. Kognak 600 Mark, kleine Liköre 750 Mark das Schälchen, Grog 1750 Mark, Sprudel die Flasche 900, Setterswaffer 600, Limonade 750 Mark. Es wurde betont, daß auch die Zigaretten im Preise steigen, sodaß die „billigste", die in den Fabriken hergest.llt wird, nicht unter dreihundert Mark zu haben sein wird! lind dabei, so wurde gesagt, steht e ne neue Bierpreis, Erhöhung schon wieder vor der Tür« -a-
Go eine Kälte!
Bringen die nächsten Tage den Sommer?
Heute früh mußte wieder einmal der Ofen in Betrieb genommen werden. Wer vom Winter her noch ein paar Kohlen erspart, dem gehen sie jetzt drauf. Ist da nicht die Frage berechtigt: Wann endlich wird es Sommer werden?! In einer Betrachtung über Kälterücksälle wird uns von meteorologischer Seite geschrieben: Der letzte Frühlingskälterückfall erreicht mit großer Regelmäßigkeit um die I u n i m i t t e sein Ende. Dies ist auch der Termin, von dem an sich erst bei uns der eigentliche Sommercharaikter der Witterung entwickelt. Er bedeutet entweder den Anfang des gefürchteten kühlen, regnerischen Sommers, oder den Beginn des eigentlich warmen, erwünschten Sommerwetters. Nach den vorausgegangenen Witterungsverhältnissen, namentlich nach dem Charakter des vergangenen Winters, ist es nicht wahrscheinlich, daß der diesjährige Sommer seinem verregneten Vorgänger im vergangenen Jahre gleichen wird. Vielmehr ist anz',«nehmen, daß mit Abschluß der Uebergangsjahreszeit. den das Ende des Jnnikälterücksalls gewöhnlich um die Mitte des Monats bildet, sich auch bei uns das normale warme Sommerwetter einstellen wird. — Hoffen wtr's!
Die Weilburger Wetterdienststelle
besagt für Mittw och und Donnerstag: Vielfach ausheiternd, fpäterbiu wieder mehr wolkig, doch meist trocken: zunächst tagsüber wieder wärmer. Barometerstand heute früh 771,0.
Dom sterbenden Wochenmartt.
Abwanderung der Händler nach Frankfurt.
Eine in Händlerkreisen führende Persönlichkeit erklärte uns über die wiederholt festgestellte Tatsache, daß der Wochenmarkt immer schlechter mit Butter und Eiern beliefert wird (daher^dic ost jeder Beschreibung spottenden Szenen) Folgendes: Die äußerst schwache Beschickung des Kasseler Wochenmarktes hält schon seit längerer Zeit an und das, obgleich wir in einem Erzeugungsgebiet liegen, das in früheren Jahren einen Ueberschnß nachwies. Wenn man berechnet, daß der Wochenmarkt bei schwacher (für die letzten Jahre guter) Beschich.mg etwa 40 Buttermänner aufweist, dann ist zu errechnen, daß auf die rings um Kassel liegenden zehn Landkreise je mir vier Händler entfallen, die nach hier fahren. In verschiedenen Kreisen wohnen etwa fünfundzwanzig Händler. Wo aber bleiben nun die übrigen, die früher größtenteils alle nach Kassel lieferten? Bifttermaugel beim Erzeuger gibt es in der jetzigen Zeit der Grünfütterung nicht.
Es ist beschämend, wenn man Donnerstag und Freitag in der Richtung Kassel-Frankfurt fährt. Dann sehen wir schon in Ortschaften dicht an Kassel die Händler einsteig-u, um nach Frankfurt zu fahren. Es ist beobachtet worden, daß in Treysa an einem einzigen. Freitag einundzwanzig Händler nach Frankfurt fuhren. Sie scheuen keine hohen Fahrpreise, winkt doch für ein Ei ein Preis, der größtenteils 100 Mark über dem Kasseler Wochenmarktpreis liegt und für Butter ist das Verhältnis dasselbe. Es steht zu befürchten, daß ein großer Teil dieser Waren wieder von dort ins besetzte Gebiet geht. Ob zu Gunsten unserer Volksbrüder, darüber bestehl bereÄigter Zweifel!
Es ist dringend notwendig, daß die hiesigen Behörden in dieser Sache bald etwas unternehmen, sonst ist die Zeit nicht mehr allzufern, wo der Kasseler Markt von Eiern und Butter vollständig entblößt sein wird. Zu fordern ist, daß nur solche Händler nach Frankfurt und anderen Städten fahren dürfen, die von altershcr >>ach dort geliefert haben und daß ferner die Händler, die in Kassel Lebensmittelgeschäfte betreiben, beim geordneten Auflauf nächt „geniert" werben.
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Auch heute wieder waren die wenigen Butter- männer fürchterlich eingekeilt. Die stark vertretene Schutzpolizei mußte einschreiten. Der Preis stellte sich auf 10500 Mark. Eier waren überhaupt nicht da. Es gab mehr Blumen und Steck- pslanzen als Gemüse, für das die Preise durchweg anzogen. Kirschen, die sehr gefragt und teir weise sogar rasch ausverkauft waren, stellten sich auf 2600 Mark das Pfund.
Der Kampf im Rathaus.
Unter der Beamtenschaft.
Ter Verband der Kommunalbeamten und Angestellten Preußens. Kreisgruppc Kassel, unterbreitet heute gegenüber den gestern von den ge- werlschaftlich organisierten Beamten gegebenen Darstellung der Beamtenratswahl im Rathaus folgendes der Oesferttlichkeit: Ter bisher bei der Stadtverwaltung bestehende Bcamtenausschuß. dessen Wahlzeit cm 1. April abgelaufen war, tortib: auf Grund einer Vereinbarung der beteiligen Gewcrlschesic.r, nämlich des Verbandes
der Komtnunalbeamten und Angestellten Preußens, des Berufsvereins der höheren Kommunass beamten und der ReiÄsgewerkschaft deutscher Kommunalbeamten, (auf Anregung der letzteren) und) den Grundsätzen der Verhältniswahl neu gebildet. Von einer auf Antrag der Reichsgewerk' schäft erfolgten Auslösung des Beamtenausschusses kann also keine Rede fein, umsomehr als nach der Anfsaffung der überwiegenden Mehrheit der Beamtenschaft die Tätigkeit des Ausschusses keine Veranlassung hierzu gegeben hätte. Auch der neue Beamtenrat ist, wie der alte, nur ein „Provisorium" und wird, so dürfen wir hoffen, noch in diesem Jahre einem, auf gesetzltcher Grundlage zustande gekommenen Bcanttenrat Platz machen. Die Wahl hat gezeigt, daß die städtische Beamtenschaft in ihrer übergroßen Mehrheit hinter dem Verband der Kommunalbeamten und Angestellten Preußens, und damit hinter dem parteipolitisch neiltralen Deutschen Beamtenbnnd steht, dre seit Jahren für ein „modernes" Beamienrecht kämpft, denn von den elf Sitzen des neuen Beamtenrates fielen acht dem Verbände der Kom- munalb"amten und Angestellten Preußens zu.
Lokawachrlchtm vom Lage.
4- Der Kampf gegen den Wucher. Der Polizeipräsident gibt bekannt: Im Monat Mai sind 45 Strafverfahren wegen Verstoßes gegen bie Wucherverordnungen bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemacht worden. Von diesen sind sechs und von früher eingeleiteten fünfzehn eingestellt worden, von früher eingeleiteten haben drei mit Freispruch und sieben mit Verurteilung geendet. Handelsuntersagungen sind vom Volizeiprästdi- itm nicht ausgesprochen worden. Wegen unterlassener Preisbefchilderung sind acht Strafverfahren eingeleitet worden, von früber eingeleiteten haben vierundzwanzig mit Verurteilung geendet.
4- Weitere Ruhrspenden. In der Geschäftsstelle der Kasseler Neuesten Nachrichten zahlten weiter ein für die gerade jetzt immer dringlicher notlnenbia werbende Richrhilse: Die Angestellten der Singer Eo. (sehr vorbildlich) weitere 11250 Mark, Ungenannt 500 Mark. Mädchenklasse 4 der Bürgerschule 10 4000 Mark.
4- Bilder von der Tonttinstlerwcche. Im Schaukasten von Photograph Carl Eberth in der Hohenzollernstraße sind interessante Bilder :wn der Tonkünstlerwoche ausgestellt, die in Verbindung mit Photograph Nehrdick anfgenom- men Worden sind und ». a. auch bie 'eitenben Persönlichkeiten der deutschen Tonkünstlerfchast zeigen, wie sie jeft in Kassel versammelt sind.
Von der Volkshochschule. Am morgigen Mittwoch spricht im Frauenklub in der Overn- straße der Geschäftsführer des Bundes religiöser Sozialisten aus Berlin.Tr. Jaeschke über bas Thema „Krieg und Christentum". Am Sonntag findet eine g 'alogische und heimatkundliche Wanderung der Volkshochschule unter Führung von Lehrer Kleim und Schriftsteller Heidelbach nach Großalmerode statt. Treffpunkt 7 Uhr morgens Bahnhof Bettenhaufen.Näheres i>b:r beide Veranstaltungen in der Geschäftsstelle der Volkshochschule.
Ein Filmroman aus dem Zeitungsleben. Im „Kino des Westens" fesselt gegenwärtig ein großzügig geschaffener Roman „Ter Kampf ums Ich". Ort der Handlung ist der Betrieb einer großen Zeitung und wenn es auch int heutigen Loben meist weniger romanhaft in sansenbem Hasten bei der Erstehung einer Zeitung zugeht, fo gibt es doch einen Begriff von ber Vielgestaltigkeit des modernen Zeitungsbetriebs von der Schriftleilung bis zu dem Augenblick, da die Zeitung so, wie sie ber Leser in die Hanb bekommt, die Rotationsmaschine verläßt. Erste Darstellung sichert außerbem biesem Film Erfolg. e. h.
Schattenseiten des Lebens. In ber Altstadt mißhandelte gestern ein Arbeiter, bet betrunken nachhause gekommen war, feine Frau und bedrohte sie sogar mit einem Messer. Die Schutzpolizei griff ein und brachte den Wüterick in Schutzhaft. Weiter wurde die Polizei nach dem Graben gerufen. Dort war ein Schwiegervater mit feinem Schwiegersohn aneinander gekommen, wobei er eine Pistole zog, sie auf den Schwiegersohn richtete und die Drohung aus- stieß, er werde ibn niederknallen! Tie Folge der Szene ist eine Strafanzeige.
Wieder ein Wohnungseinbruck. Eine in der Hsenbürgstraße wohnende Familie machte gestern einen Spaziergang. Bei der Heimkehr wurde die Wohnung erbrochen aufge- fintben und es stellte sich dann heraus, daß der Täter wertvollste Kleidungsstücke gestohlen hatte.
4- Veranstaltungen nm Mittwoch. Staatstheater: „Traumulu.s". "Vi Ubf. — Neues Theater: „Almenransch und Edelweiß" (Te- aernseer), 7% Uhr. — Winzerstuben: Letzter Abend v. Schipinski-Gasifpiel. 8 Uhr. — U.-T.- Licktspiele: „Der Steinach-Film". — Ch a s- salla: „Zwei gegen Einen".
Staffelet Kurse.
In Anpassung an bie feste Tendenz an den Börsen im heutigen Effekten-Freiverkehr war auch in Kasseler Wetten gutes Geschäft. Heffen- bankaktten werden zu 1500 bis 1500 gesucht. Baumann und Lederer zn 38000, Hessische Treibriemen 7500, junge Kasseler Faß 65—85 000, jg. Beck und Henkel 55—60 000.
Letzte Depeschen.
De? Zwang im Ruhrgebiet.
Verschärfte feindliche Maßnahmen.
(Eigene Trahtmeldung.)
Paris, 12. Juni.
Havas meldet gestern: Ter französische Ministerrat hat sich noch am Sonntag abend mit dem neuen Mord an den zwei französischen Offiziersanwärtern in Dortmund befaßt. Man hat sich auf Ergreifung schärf st er Massnahmen gegen hie znnehmenben Morde an Franzosen im besetzten Gebiet geeinigt und wird unverzüglich Besprechungen mit ber belgischen Regierung ausnebmen. Tie in Brüssel beschlossenen Sicherungsmosinahmen für bie Besatzmigsarmee genügen nicht mehr. (?) Tas Verschwinden zahlreicher französischer Patrouillen im besetzten Gebiet war gleichfalls Gegenstand eingehender Besprechungen. — Demgegenüber ist auf deutsckier
Der Stand des Dollars
Montag
amtliche Kotierung:
80750 K
Frankfurter Börse.
Frankfurt a. M„ 12. Juni fPrivattele- gramm.) Im heutigen Effekten- Frelverkehr war die Tendenz weiter fest. Auf allen Gebieten bemerkt man Kurssteigerungen. Dre Devise n sind wenig verändert. Ter Dollar wurde gegen Mittag Zu 82500 notiert.______________
Seite bekannt, daß die „verschwundenen Patrouillen" Deserteure find.
Verstärkte Besetzung.
Brüssel, 12. Juni. (Eigene Drahttnel- dung.) Die belgische Regierung setzt ihre Einberufungen für das Ruhrgebiet fort. Am Sonntag sind weitere Beurlaubungen von Eisenbahnertruppen rückgängig gemacht worden. In Lüttich wirrden zweihundert Finanzbeamte für das Ruhrgebiet am Sonnabend abtransportiert.
Neue Schwierigkeiten.
Trübe Aussichten für Deutschland.
(Eigene Drahtmeldung.)
Zürich, 12. Juni.
Der Mailänder „Corriere della Sera" meldet heute früh aus Rom: Die Schwierigkeiten, die Ansichten Frankreichs mit denen der übrigen Alliierten in Nebereinstimmung zu bringen, werden immer größer. Keine Macht der Welt könne Poinearö zum Nachgeben zwingen. Infolgedessen feien die Aussichten sehr trübe — Der „Secolo" meldet aus Rom: Dor Optimismus führender Kreise ist durch den Widerstand Frankreichs etwas ab geschwächt. Nur Konzessionen könnten Frankreich noch aus dem Ruhrgebiet bringen. Neue Konzessionen könne nmn aber von Deutschland nur verlangen, wenn Deutschland französische Garantien erhalte, daß die Gewalt beendet werde und daß keine Besetzung deutscher Gebiete sich iviederhole. Bis zu dieser Einsicht könne noch viel Zeit vergehen.
Um den Widerstand.
Paris, 12. Juni. (Eigene Trahtmeldung.', Poincars soll geneigt sein, einen englischen Vorschlag im Ministerrat zur Abstimmung »u bringen, wonach Deutschland neue Anordnungen für den pafsiven Widerstand nicht geben soll, solange die Vorbesprechungen über die Rutscher! Vorschläge schweben. Die übrigen Fragen über den pafsiven Widerstand Deutschlands liegen vorläufig noch offen.
Abgeordnete beim Kanzler.
Münster, 12. Juni. (Pripattelegramm.) Als ber Reichskanzler in Münster Abgeordnete der besetzten Gebiete empfing, wurden auch die Möglichkeiten einer Untersttzüng des neuen deutschen Angebots durch ein erweitertes deutsches Fi- nanzprogramm und durch Beschlüffe deS Reichstages erwogen. Der Reichskanzler erklätte sich gegen alle weiteren Aktionen seitens Deutschlands, solange die Beantwortung der deutschen Note durch die Alliierten aussteht.
Die vvrrKckende französische Kavasierie.
Berlin, 12. Juni. (Privattelegramm.) Aus Dortmund wird gemeldet: Die Franzosen sind mit Kavallerie an der Bahn nach Hamm vorgerückt. General Siemon ist heute früh nach Düsseldorf gereist, um dem General Dcgoutte Bericht zu erstatten. Heute in der frühen Morgenstunde sind die Verhaftungen von Bü<rgern und Beamten Geiseln wahllos fortgesetzt worden. In Recklinghausen erschoß eine französische Wache am Bahnhof heute früh einen achtzehnjährigen Schüler, der sich auf dem Wege zur Schule befand.
Weitere Feststellungen.
Dortmund. 12. Juni. (Privattelegrcsnm.) Man bat begründete ttrfndje für die Annahme, daß die Täter in den Kreisen des Alpenjä- nerreniments zu suchen sind. Um 6 Uhr morgens wurde weiter aus Dortmund gemeldet: Die Franzosen haben in der letzten Rächt, in den Straßen wahllos auf alle sich zeigenden Personen gefchoffen. In das Elisenhospital wllrde wieder ein Erschossener und vierVerletzte eingeliefert.
Auch in Necklinghausen.
Recklinghausen, 12. Juni. (Prioattelegramm.) Die blutigen Vorgänge von Dortmund haben hier gestern ihre Fortsetzung erfahren. Nachdem am Bahnhofshotel ein französischer Posten erschossen aufgefunden worden war, würben der Oberbürgermeister, dreiundzwanzig Bürger, der Kriminaloberkommissar und Polizeiinspektor von den Franzosen verhaftet. Ueber die Stadt ist der Belagerungszustand fowic die Fern- rprechsperre verhängt worden.
Löhne und Kohlenpreise.
Berlin. 12. Juni. (Privattelegramm.) Die aiifltfünbiqte Erhöhung der Kohlenpreise um 52 vom Hundert wird nur von kurzer Tauer sein. Aus Oberschlesien wird gemeldet, daß die dortigen Bergarbeiterverbände bereits die Forderung nach einer abermaligen Erhöhung ber Löhneum hundert Prozent zum 1. Juli gestellt haben.
Verurteilungen wegen Wuchers.
Berlin, 12. Juni. (Privattelegramm.) Tie Marktgerichte in Berlin haben gestern zu Verurteilungen von 112 Personen wegen Wuchers mit Obst und Gemüse geführt. Es sind gestern insgesamt zwölf Millionen Mark Geld- ttrofen verhärmt worden.
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Das Geld haL
keinen Wert mehr, sagen Viele. Weit gefehlt, man muß es nur richtig anwendeu. Wer Kleider, Blusen, Gardinen usw. nur mit bett weltberühmten echten Heitman» s Farbe«. Marke Fuchökopf im Stern, selbst färbt, wirb an dem prachtvollen Erfolg erkennen welchen hohen Wert sogar der verausgabte kleine Betrag hatte.
Heitmann's Farbe spart den Färber.
MsiteBMa
Dienstag vormittag« gegen 12 Uhr
82500