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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Die Kasseler Neuesten NacLrickten erftfieinen mnch»ntiirh j . .. .. " ' ' "" -"" 11 ■■

Nummer 133

Einzelnummer 200 Mk

Dienstag, 12. Zuni 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 200 Mk.

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wochentUch sechsmal und zwar ad end 4. Der Avonnementrpreis beträgt monatlich 4600 Marl bei fielet Zustellung ins Haus in der Geschäftsstelle abgeholt 4500 Mark monatlich. Bestellungen werden jederzeit entgegen, genommen, »erlag uns R-daltion: Schlachthoistroße 28,30. Fernsprecher Nummer 951 und 952, Für unverlangt eingelandte Beiträge lann die Redaktion eine kerant. worlung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen, Rückzahlung ds-t Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngsmätztger Lieferung ausgeschlossen.

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Besorgnis um das Rheinland.

fchluffes gestellt.

Der Landarbciter-

AuS Anzahl schicht

Stellungnahme in England.

London, 11. Juni. (Eigener Drahtbericktt.) Ministerpräsident Baldwin wird voraussichtlich heute nachmittag eine wichtige Erklärung über die Riparationsfrage und über die Lage an der Ruhr im Unterlaufe abgeben. Reuter meldete ge­stern abend, daß das Kabinett beschlossen habe, die deutsche Note keinem Sachverstän.digcn-Aus- schusi.zu übertragen, sondern sie im Kabinett selbst zu erledigen. Borausstchtlich würden die Beratungen im Kabinett über die Note noch nm lfcutigcn Montag, spätestens Dienstag zu Ende gehen. — Bei Lloyds in London wurde am Sonntag gewettet für deutsch-französische Ver­handlungen für Ende dieses Monats 2:1.

Pariser und Brüsseler Regierung daraus drin­gen, dast diese sich aus das Schiff begebe, das Vom englischen Schatzamt und von Cuno gesteu­ert wird. Besonders beunruhigt die französischen Kreise der Umstand, daß sranzosenfcindliche Blätter, wie zum Beispiel die „Morinapost", in der deutschen Note die Grundlage für Ver­handlungen sehen.

Aus diesen Aenßerungen könnte man entneh­men, daß die Lage für Deutschland günstig zu werden scheine. Aber sind wir nicht schon oft von England getäuscht worden? Es war schon mehrfach der Fall, daß England zuerst den Fran­zosen widersprach und dann doch umfiel. Im­merhin ist es nicht ausgeschlossen, und wir wol­len es a"ch hoffen, daß endlich Verhandlungen mit Deutschland zustande kommen.

Der Ssflziersbund hat die Gewalt.

Wien. 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Aus Sofia wird berichtet: Der Offiziers - b n n d hat die öffentliche Gewalt in ganz Bul­garien in seiner Hand. Er haf die sofortige Frei­lassung der verurteilten Minister des früheren Kabinetts Radoslawow angeordnet. Bei dem Ofizicrsputsch kam eS in der Polizeikascrne und vor dem Regierungspalais zu Ausschreitungen. Es gab einige zwanzig Tote und Verletzte. Der bisherige bulnarische Generalstabschef wurde von meuternden Offizieren gefangen genommen. Die Urteile der letztgebildrten Kriegsgerichte find anulliert worden. Man rechnet mit der Wieder­kehr der Männer vom Jahre 1915.

Stattens vermtttelnbe Haltung.

Genf, 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Der Corricre della Sera meldet aus Rom: Neber die Kabinettssitzung am Sonnabend liegt ein kurzer Bericht vor, wonach Italien die deutsche Note als Grundlage für weitere Verhandlungen ansehen will. Die Garan­tien erschienen aber nicht genügend und nicht greifbar genug und man werde versuchen von Deutschland auch eine Erweiterung seines zweiten Angebots z» erhalten. Nach Zustimmung der anderen Alliierten würde Italien zu Ver­handlungen nach Mailand oder Rom einladcn. Der Corriere della Sera glaubt auch, daß Frank­reichs endgültige Stellungnahme das Schicksal der deutschen Vorschläge bringen werde.

Eine Veefsr-Tagung.

Rede des Reichskanzlers in Münster.

Münster. 10. Juni.

Der Reichs verband der Deutschen Presse hält gegenwärtig eine Hauptversammlung hier ab. Zu dieser Gelegenheit traf auch Reichskanzler Dr Cuno ein, um zu den aus allen Teilen des Reichs versammelten Redakteuren zu sprechen. Er sagte in seiner Rede am Sonnabend Abend in der Hauptsache folgendes: Wir müssen als Volk bereit sein, wirtschaftliche Beengtheit aus uns $u nehmen, und das ist für ein sittlich reifes Volk nicht das Schlimmste An dem Punkt aber wird deutscher Wirtschcrstsdruck zu einem Unheil, wo er

in Frage, von denen einer in sächsischem Akzent (?) gesprochen habe. Die Dienststelle der deut­schen Kriminalpolizei in Dortmund wurde von den Franzosen geschlossen. Die Kriminalpolizei ist vorläufig dem französischen Kommando übertragen worden. In Dortmund ermattet man mit gewissen Befürchtungen die Maßnah­men der Franzosen angesichts letzten Vorfalles.

Stnei Franzosen erschossen

Neuer Zwischenfall in Dortmund.

(Privat-Telegramm.)

Amerika hült sich zurUS.

Paris. 11. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Einer Meldung aus Newport zufolge gab Staatssekretär Hughes eine Erklärung ab. wo­nach die deutsche Note keine Veränderung in der Haltung Amerikas herbe igeführt habe.

Gleiwjtz wird gemeldet: Auf einer Zechen find die Arbeitet zur Früh- nicht eingefahren. Die Gewerk-

schastssührer hielten gestern eine lange Beratung ab. Bis Mitternacht war ein Ergeb­nis der Bespreckmngen nicht bekannt. Ein hier abgehaltener Kongreß der Betriebsräte hat beschlossen, in ganz Oberschlesien den Gene­ralstreik auszurufen. Die Gewerkschaften ha­ben sich vorläufig nicht auf die Seite dieses Be-

Dorbcreitung auch in Mitteldeutschland.

Berlin. 11. Juni. (Privattelegramm.) Gleichzeitig mit den Streiknachrichten aus Ober- schlesten laufen auch Meldungen über Stteikvvr- bereitungcn unter den mitteldeutschen Bergarbeitern ein. In Halle finden seit Tagen Besprechungen der radikalen Betriebsräte statt. Vom Weißenfelser Revier werden zahlreiche Terrorakte der kommuilisttschen Be­legschaften berschtet. In den sächsischen Revieren ist noch alles ruhig, doch wird auch hier vermehrter Zuzug von Kommunisten aus Berlin und aus dem Ruhrrevier gemeldet.

*

Kommunistische Agitation in Fabriken.

Berlin, 11. Juni. (Privattelegramm.) In Neukölln bei Berlin ist cs gestern abend wieder »zu Umzügen roter Verbände gekom­men, die militärisch verliefen. Die Mann­schaften waren in Hundertschaften eingetcilt und wurden militärisch kommandiert. Die Führer trugen Sowjetsterne. (!) Der Beschluß der roten Betriebsräte, in den Fabriken Berlins zur Bildung sogenannter politischer Arüei- terräte zu schreiten, ist vorläufig an dem W i - verstand der sozialistischen Gewerk- schasten gescheitert. In einer Anzahl Maschi­nenfabriken wurde sogar Polizei herÄeiqeru- fen, „m die von den offiziellen Betriebsräten nicht genehmigten Wahlen zu verhindern.

streik in Schlesien dehnt sich weiter aus. Von mehr als zwanzig Gütern wird gemeldet, daß die Streikenden auch die Notstands ar bei­ten verhindern (!). Die Güter haben die Schutzpolizei gesotdert: der Regierungspräsident bat aber dieses dringliche Ersuchen abgelehnt.(!)

Dortmund, 11. Juni.

Großes Aufsehen erregte es, daß hier in der Nacht zum Sonntag zwei französische Soldaten erschossen worden sind. Der eine der Franzosen starb erst nach der Einliefe­rung in das Krankenhaus. Er machte Aussa­gen, die auf die Spur der Täter führen sollen, -er französische Militärkommandant hat noch in der Nacht in Dortmund über fünfzig Per­sonen festnehmen lassen. Andere Maß­nahmen aus Anlaß der Erschießung waren bis gestern nacht französischerseits noch nicht getrof­fen. Einer der erschossenen Franzosen ist ein Neffe des früheren Ministerpräsidenten Viviani. Nach der Aussage des im Krankenhaus verstor­benen Franzosen kommen drei deutsche Zivilisten

Das Gtreikfieber.

Ansdchnnng der Gärung in Oberschlesten. (Privat-Telegramm.)

Breslau, 11. Juni.

Verhandlungen?

Zunächst Meinungsaustausch der Alliierten.

Der Reichsregierung flnp amtliche Mitteilun' gen iiier die Aufnahme des neuen Memoran­dums von den Ententemächten noch nicht zuge- gaugen. Dagegen ergibt sich aus den Nachrich- ien aus den Auslandsplätzen, daß innerhalb der tfntente - Diplomatie ausgiebige Füh- lungnahme stattfindet. Die englischen Bot. jchaster in den Eutenteländ.'rn sind mit vorläu­figen Informationen ihrer Regierung versehen worden. Mau nimmt an. daß England darauf hinarbeitet, daß Frankreich zum mindestens ei­ner Vorkonferenz der Alliierten zu, stimmt. Die gegenwättige Fühlungnahme unter den Entente-Diplomaten hat den Zweck, dieje­nigen Vovbedingiingen zu formulieren, die Deutschland unterbreitet werden sollen, falls sein Ersuchen um Einberufung einer Konferenz Erfüllung finden soll. Frankreich bemüht sich weiter, die alliierten Regierungen, die an den Brüsselr Besprechungen nicht teilgenommen haben, dazu zu bewegen, das Prinzip anzuer­kennen, daß Deutschland den passiven Wi­derstand aufzugeben habe, bevor mau in eine Diskussion der deutschen Vorschläge ein­tritt. Die Rede Mussolinis wird, wenn man dem „Temps" Glauben schenkt, in dieser Richtung als eine Ermutigung gegenüber der französischen Stellungnahme aufgefaßt, wenn man auch zugibt, daß Mussolini sich über den Widerstand in recht diplomatischen Ausdrücken bewegt hat.

, die Wiederherstellung des Rechtszustandes zu er« ; reichen, alles fern zu halten, was der Bcvölke- i rung in ihrer selbstgewollten und selbstgewählten l Abwehr als eine Verleugnung und Schwächung : erscheinen könnte, alles zu tun, um die stircht- : baren Leiden zu lindern, die alle Schichten der ; Bevölkerung des besetzten Gebietes ttagen. Die erste ursprüngliche Ausgabe, unserem Volke und Lande wieder zur Freiheit und zum Frieden zu verhelfen, ließen uns die Bemühungen um die Lösung der Reparuationsfrage verdoppeln. Die Antwotten, die wir auf unser Angebot vom 2. Mai erhielten, sind Ihnen bekannt. So sehr wir. ohne uns von der geraden Linie unserer Polifik -u entfernen, zu jeder Modifizierung des Ange­bots uns bereit finden konnten, so wenig konn­ten wir zumal angesichts der fortschreitenden Schwächung unserer finanziellen und wirtschaft­lichen Kraft durch den Rubreinfall. zu einer an­deren zahlenmäßigen Selbstschätzung unserer Lei­stungsfähigkeit gelangen. Wer eine wirkliche Lö- snnq des Reparationsproblems will, darf nicht so sehr an das Versprechen, als an das Zahlen denken. Zu oft haben wir und haben mit uns unsere Gläubiger erfahren,daß unter Zwang tu n d Drohung abgegebene Z a b l n n a s -

Der „Temps" meint, es hänge alles von der englischen Regierung ab; wenn diese es wünsche, so sei eine gemeinsame Antwort der Alliierten an Deutschland nunmehr möglich. Dian brauche nur Deutschland zu sagen, daß es seinen Widerstand aufzugeben habe. Diese ein­fache Erklärung werde die Einigkeit unter den Alliierten wiederherstellen. Poinearö hat noch­mals den belgischen Botschafter empfangen. Die Unterhaltungen zwischen Paris und Brüs­sel drehen sich nm zwei Punkte. Einerseits be­trachtet Frankreich es als die Aufgabe der belgi­schen Regierung, die Verhandlungen mit der englischen Regierung zu führen und Belgien hat alio gegenüber der französischen Regierung eine informatorische Rolle zu erfüllen. Andererseits wünscht Frankreich eint genauere Bestimmung für den Begrif .Aufgabe des passiven Wider­standes" und wünscht ferner mit der belgischen Regierung eine vollkommene Uebereinstimnninq. in der Formulierung dieses Begriffs herzustel- len. Man will französischerseits besonders in Erwägung ziehen, ob es geboten erscheint, bei einer Aufgabe des passiven Widerstandes sei­tens Deutschlands alle diejenigen französischen und belgischen Maßnahmen rückgängig zu machen, die infolge des deutschen Widerstan­des gettoffen worden sind

Ueber den englischen Vorschlag, der allgemein erwartet wird, verhält man sich in Pa­ris noch sehr zurückhaltend. Der Londoner Be­richterstatter des Havasbüros bringt bereits eine Meldung, daß man sich in London bemü­hen wolle, einen Waffenstillstand im Ruhrgebiet herbei,uführen. Es fehlen jedoch einstweilen noch nähere Angaben, was Baldwin unter einem Waffenstillstand Versteht Auch Lord Cecil, der auf der Durchreise in Paris weilt, ist über diesen Punkt nicht hinreichend unterrichtet, weil er vor seinem Eintrefen in Paris längere Zeit in Genf geweift hat. In seinen Unter­haltungen mit Millerand über die Reparations- ttage hat Lord Cecil sich darauf beschränkt, den Standpuntt dnc französischen Regierung zur Wei- terleitung nach London zur Kenntnis zu nehmen. Er hat ledoch kein Hehl daraus gemacht, daß nach seiner Meinung dem Völkerbund bei der Lösung dieser Frage eine wichtige Aufgabe zufallen müsse.

Diese Haltung Englands erweckt in französi- schen Kreisen emige Bennrnhigung. zumal die in London sitzenden französischen Korresponden­ten Warnungsrufe ertönen lassen. Besonders der Korrespondent des .Echo de Paris" betont in ledern seiner Berichte, daß Frankreich sich hüten müsse, sich über die Absichten der Londoner Regierung irgendwelchen Il­lusionen hinzugeben. Baldwin sei der Ansicht, bus man zu einem Schluß kommen müsse. Mac “2"™ Habe einen Plan für die Regelung der in­teralliierten Schulden ausgearbeitet, der für Frankreich bittere Enttäuschungen ent­halten könne Fast die ganze öffentliche Mei- 2 in dem Ton, der Form und

b”-bcuJfd,en Note einen

» gegenüber den früheren Berliner Angeboten. sogar die Garantie erscheine weni- ungenügend, als unvollständig. Kurz die engli)che Regierung kann und walle nicht langer m«»atlmartenbo Hutung einnehmen, die das Ka- ?°rnor Laws eingenommen hat Die fran- zosilckeckelglsche Rubrpolitik werde heu"e endgültig von bei englischen Regierung verur - teilt und England werde zweifellos bei der«

(Privat-Telegramm)

Berlin, 11. Juni.

Aus parlamentarischen Kreisen wird der „Welt am Montag" gemeldet, daß die Regie­rung eine starke Befriedigung über die Wirkung ihres Memorandums zur Schau trügt. Weniger zuversichtlich fei der Reichstag, in dem dauernd Fraktionssitzungen stattfinden, in denen die Lage durchaus nicht so hoffnungsvoll be- tiachtet wird, wie man in Regierungskreisen glaubt. Die schwerste Sorge ist die politische Znkunft der R h c i n p r o v i n z. Man hat Grund anzunehmen, daß England etwaige Zugeständ- triffe Frankreichs ans finanziellem Gebiete mit der Einwilligung in die f»genannte Inter­nationalisierung eines Teiles der Rhein- Provinz erkaufen wird. In Münster hat gestern eine Besprechung der Abgeordneten des Rhein­landes mit dem Reichskanzler stattgefunden.

Was wird aus dem Angebot?

Besorgnis um das Rheinland.

Revolution in Buigarien.

Das Kabinett Stambuliski ist gestürzt.

(Eigene Trahttneldung.)

Wien, 11. Juni.

Aus Bulgarien wird gemeldet, daß in S o - f i n eine Revolution ausgebrochen ist. Die Re­volutionäre bemächtigten sich aller Staatsämter und stürzten die Stambuliski- Regierung. Die neue Regierung wurde von Z a n k o w ge­bildet. Die bulgarische Telegraphenagentur teilt mit: „Die Gründe des heute früh erfolgten Re­gierungswechsels sind weit mehr bekannt, als rargelegt werden müßten. Bulgarien, welches seit vierzig Fahren ein verfassungsmäßiges Le­hen gewöhnt ist. konnte eine Regierung nicht dul­den. welche eine immer größere Verachtung der Gesetzmäßigkeit bekundete und die Gewalt als daS Sauptprinzig aer inneren Politik angesehen bat. Die Plötzlichkeit, mit der diese Regierung gc- türzt werden konnte, ist der beste Beweis für ihre Unpopularität und Korruption. Die neue Regierung wurde von allen Schichten der Bevöl­kerung mit Enthusiasmus ausgenommen."

: die geistige Freiheit und Entfettung beengt, und ; das scheint mir eine besonders wichtige Aufgabe und Sorge zu sein, daß unsere Presse auch in Zu- , kauft ein wahres Abbild der Volksmcinung und . Volksstimmung sei, Ausdruck verschiedener Gei- ; stesrichttingen, wirtschaftlichen, politischen, kultu.

rollen und religiösen Sinnes, und daß sie bei al- : icf verständigen Beachtung des wirtschaftlich : Notwendigen und Zweckmäßigen letzten Endes ‘ ihren Beruf und Dienst im Geisfigen behalte und : zum Geistigen und Sittlichen unserem Volke ein ■ Führer bleibe und immer mehr werde. Deshalb . ist die Unabhängigkeit der Presse ein ; ;o hohes Gut, eine Unabhängigkeit, deren

Wesen nicht in der Zügellosigkeit liegt, sondern : gerade in der sittlichen Gebundenheit : der eigenen Verantwortung, einer Un« abhcmgigkeit, die wahrzunehmen und abzugren- zen ist, nicht nur gegenüber dem Staate und sei­nem stärkeren Rechte und Anspruch aus Beach- ■ stattlicher Notwendigkeiten, sondern auch ge­genüber den Kräften und Strebungen des Wirt- schastsstckns. Darin handelt es sich, meine Da­men und Herren, um Angelegenheiten, die nickt Ihnen allein wichtig sind, sondern auch uns, um des Staates willen. Sie aber sind gewohnt, tag­täglich nicht von den eigenen Sorgen zu spre­chen, sondern

Nöten und Anliegen der Bevölkerung Wort und Ausdruck zu verleihen. Und so wird es auch in Ihrem. Sinne fein, wenn ich heute in Ihrem Streife von der gemeinsamen Not des deutschen Volkes und insbesondere des besetzten Gebietes spreche. Vorgestern haben wir den Machten unser Memorandum als Ergänzung zu der Note vom 2. Mai übergeben. Ich begreife die Spannung und Ungeduld, mit der unser Schritt erwartet worden ist. Er ist ein natürli­cher Sckritt auf dem Wege, den die Regierung von Anfang gegangen ist. In dem westfälischen Provinzlandtage zu Münster habe ich einen Tag nach dem Ruhreinbruch die Grundlinie dar­gelegt: die Lösuna des Reparations­problems, um jeden mit der deutschen Slaatssrttheit r.nb der deutschen Wirtschaftskraft zu vereinbarenden Preis ist das Ziel die Aus- ipracke in offenen, ehrlichen und gleichberechtig­ten Verhandlungen der Weg, den diese Regierung sich vorgezeichnet hat. Nichts ist un­terlassen worden, was der Lösung dieser Aufgabe dienen könnte. Unser Angebot in London, unser Vorschlag für Paeis. die zwischen beiden liegen­den Bemühungen, zu einer Aussprache zwischen französischer und deutscher Jndusttie zu,kommen, das nAgebot eines besonderen friedensichernden Abkommens über das Rheinland sind Folgen dieses Willens. Die Antwort auf diefe ge­häuften Bemühungen war der Einmarsch französischer Und belgischer Truppen in das Ruhrgebiet und die Ueberschreittmg aller Gren­zen, die rechtlich, räumlich und sachlich, das Rheinlandabkommen der Besetzung zog. Seitdem kam zu dem ersten Zielpunkt der Lösung der Reparationssarge ein zweiter, noch größerer: Es galt, alle Kraft anzuspannen. um

für Rhein und Ruhr