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Sonntag, 27. Mai 1923.

Kasseler Neueste Nachrichten

13. Jahrgang. Nr. 120.

And zu dem Tod?

Wild. Vesper.

Neues aus Mel

Von

Arthur Brausewetter.

mittel einzugreifen. Er Habe vielmehr nur die Sicherheit der Stadt zu gewährleisten.

Nun schweige mir jeder von seinem Leid And noch so tiefer Not!

Sind wir nicht alle zum Opfer bereit

Hilferuf der freien Gewerffchafien.

Gelsenkirchen, 25. Mai. Die freien Gewerk­schaften sandten nachstehendes Telegramm an die Sozialistische Arbeiter-In­ternationale in Hamburg:Ruhrbesetzung verschärft wirtschaftliche Notlage und begünstigt Revolten. Blutiger Kampf an mehreren Orte«. Choas unvermeidlich, wenn nicht alsbald In­tervention."

ungesetzlichen Handlungen aufgefordert und sich bemüht hätten, mit Gewalt die soziale Ordnung °U Dieser ^Staatsgerichlshof erklärte sich als nicht zuständig für die Verfolgung Daraufhin reichte Poincars sein Rücktriftsgesuch ein, das aber vom Präsidenten nicht angenommen wurde. Nach die­ser Rücktriftskomödie bleibt P o i n c a r e mit seinem Kabineft im Amt. Aber es ist klar, daß er jetzt doch nichtmehrdasvolleBer- trauen der Parlamente genießt.

der Rathausubr, die ick in immer kürzeren Zwi­schenräumen hörte: daß wir unser Leben doch Wohl ein wenig mehr auf Ewigkeit einstellen müssen. Sonst kommen wir nicht vorwärts.

Das ist der wunderliche Zwiespalt im Men­schen: die Hinfälligkeit seines Tuns, die Ver­gänglichkeit der Gitter, die er mit so unsäglicher Müh« zu sammeln bestrebt, ist ihm völlig klar --und doch, je älter er wird, umso mehr hängt er sein Herz an sie.

Das ist das Hokbscelische in ihm.

Das Leben unter dem Gesichtspunkte der Ewigkeit sehen das ist eigentlich nicht schwer. Ein jeder kann es nicht nur, er muß es. Jede Stunde, jede Minute seines Daseins macht es ihm handgreiflich klar.

Aber sein Leben unter dem Gesichtspunkte der Ewigkeit leben ... das ist die große Kunst, die geübt sein will.

Ob wir sie lernen werden, solange wir noch Zeit dazu haben?---

Wieder eine Änterrmtwna?e.

Eine Theorie ohne praktische Grundlage.

Hamburg,.Mai.

Unter diesem Titel ist jetzt in Hamburg die Einigung der sozialistischen Jnterenaftonale vor- gcnommen worden. Diese neue Internationale soll den Abschluß der Meinungskämpfe inner­halb der sozialistischen Parteien der verschiedenen Länder darstellen, Kriege sind diese Parteien zerfallen. Auch die deutschen Sozialisten hatten eine Absplitterung durch die Unabhängigen erfahren. Nachdem die Einigung in Deutschland wieder , hergestellt wurde, war eine wesentliche Voraussetzung für den Wiederaufbau der Internationale geschaffen. In Hamburg war es der österreichische Sozialist Adler, derselbe, der den österreichischen Mini­sterpräsidenten Grasen Sttirlb ermordet hatte, der die Begründung sür die Schaffung der in­ternationale gab und der das neue Organi­sations-Statut erläutette. Dieses Statut batte

3m Reiche der Kunst.

Staa»siH§sier Kaffe!.

In der gesttigen Aufführung des »Fliegenden Holländer" sang Herr M ossi zum ersten Male die Titelparfte. Gesanglich erfüllte er durchaus die Hoffnungen, die wir auf den Künstler gesetzt haben. Sein großes, tveich und doch metallen klingendes Organ ist dieser anspruchsvollen Par­tie durchaus gewachsen. So klang denn der große Monolog des ersten Aftes schön und pak- kend. Auch im zweiten Akt in dem großen Duett mit Senta bewährte sich Mossi als Sän­ger von Geschmack. Den größten Eindrrick des ganzen Abends hinterließ der Künstler in den kurzen Abschieds-Worten des letzten Aufzugs. Rein musikalisch und darstellerisch fehlt aller­dings noch manches. Herr Mossi wirkt noch zu sehr als der Leidend« und viel zu wenig dämo­nisch. Daran hat hauptsächlich die mangelnde schauspielerische Ausschöpfung der Parfte schuld Es ist nicht angängig, daß sich der Darsteller des Holländer einen Akt lang mit verschränkten Armen hinstellt. Hier liegt ein schwerer Fehler

Gommer Allerlei.

Die Sommerfrische zuhause.

»Hoffentlich ist unser lieber Spotwogel von seiner Spritzfahrt auf der Fülle und Weser biS zur Heimat der Friesen trocken unt> ohne Schnupfen wieder zurückgekehrt, er, der an unfe» zerahlen Fülle" sin Nest hat. Oder sollte er sich als Strichvogel ausgebildet haben und nach dem benachbarten Holland davongeflogen sein?"

Dies Brieflein fand ich zuoberst der in der Urlaiibszcit angeh Lüften Post. Nein, der Spott­vogel bat es noch immer nicht verstanden, sich zum Valutakperber auszumausern. Holland ließ er liegen und seine Nase blieb auch intakt. Da­für machte ihm allerdings das Wetter manche lange Nase, aber es erfrort ihm den Aeraer der'Feststellung, daß es nach seiner Maienfahrt mailich werde. Es will scheinbar auch fürderhin nicht wonnemcndlich werden. Sein viel zitierter I.-Mitarbeit«r aus dem Reiche der Weiterprophe- tie verkündet nämlich: Die Lustdruckverteilung am Ende der Woche ist nach wie vor einer bal­digen Umgestaltung der Wetterlage ungünsftg. In Weck''elwirkung mit dem immer noch den ganzen Norden des Erdteils beherrschenden Tiefdruckgebiets, das auS der Gegend von Is­land durch weitere Wirbel fortwährend neue Energiezulubr erhält, steht hoher Luftdruck auf dem mittleren Atlantik, bellen Kern Tonners-

gebung, die in der Höhenlage am flingendsten frar."" Die »Mülheimer Zeitung" schreibt:, »In Frau Gertrud Wallach aus Kaffel lernten wir eine intelligent« Sängerin kennen, die über eine schöne Stimme verfügt. Die Koloraturen der von ihr vorgetraaenen Fluth-Arie gelangen leicht und flüssig, und der Vorttag entbehrte nicht ge­winnender Anmut. Frau Wallach erntete für ihre Gaben lebhaften Beifall.

der Regie vor, der sofort wieder gutgemacht werden muß. Alles in allem, eine gesanglich er­freuliche, schauspielerisch natürlich keineswegs abgeschlossene, aber bei der bekannten Intelll- genz des Künstlers entwicklungsfähige Leistung, der man hoffentlich bald eine neue Heldenbart­tonleistung des Künstlers folgen läßt, bannt Mossi endlich in sein eigentliches Fach hinetn- wäckst. Im übrigen war das von L a u z s feurig geleitete Orckester und, was >ch besonders erfreut konstatiere, der Chor sehr gut. Alles, aber auch alles andere war höchst maftg, teil weise sogar schlecht. vr. p-

erfolg einer Kasseler Künstlerin. .

Frau Gertrud Wallach-Baumann kon- zertiette kürzlich in einem Orchesterkonzert unter Abendroths Leitung in Köln. Sie errang bei Publikum und Presse einen großen Erfolg, ber ein weiteres Engagement der Künstlerin durch Abendrots, in einem Mülheimer Kon­zert zur Folge hatte. Aus den zahlreichen zu­stimmenden Presseäußerungen seien folgende hervorgehoben: Das »Kölner Tageblatt" schreibt: Frau Gertrud Wallach ist eine vielseitige und intelligente Künstlerin, sonst würde sie ntcht Braunfels Chinesische Lieder und eine Gesangs­szene denkbar anderen Stils, wie die frohge­launte Arie der Frau Fluch aus Nikolais Lustige Weiber" zum Vorttag haben wählen können. -Frau Wallach bestand mit ihrer schönen Stimme und warmen Att vorzutragen auf bei­den Gebieten in vollen Ehren." DieKölnische Volkszeitung" schreibt:Arie der Frau Flutb. Ihr angenehmer Sopran ist gut geschult, hat eine leicht ansprechende Höbe und die rechte Beweg­lichkeit für den Ziergesang. Das Feinkomischc bei Gesangsszene war in Ausdruck und Vottrag dem Konzettsaal gemäß gewabtt. Mit warmer Gefühlsbeweaung sang die Künstlerin noch die drei Chinesischen Gesänge von Braunfels.

Ans den Besprechungen über das Mül­heimer Konzert, in dem di« Sängerin neben dem berühmten Konzertmeister des Gürzenich- Orchesters Peischer cuftrat, entnehmen wir fol­gendes:Frau Gertrud Wallach aus Kastel ge­staltete die Arie der Frau Fluth mit starkem musikalischem Temperament und elastischer Ton-

Die UnruBen im Ruhrgebiet.

Weiterer Streik und Plünderungen.

Gelsenkirchen, 26. Mai.

Gestern setzten Verhandlungen ein zwischen dem Kontrollausschuß der proletarischen Arbeiterschaft und der Stadtverwal. t u n g über die allgemeinen Richtlinien für die ne», festzufetzenden LebenSmittelpreiie. Die Verhandlungen sind noch nicht zum Ab- 'sck.su ß gekommen. A"ch im Laufe der vorletzten Recht «ub gestern während des ganzen Bormir- taas ereigneten sich in zahlreichen Geschäften Plünderungen. Es ist im Moment nicht ,-! sagen, ob der organisierts Sicherheitsdienst Herr der überhand nehmenden Plünderungen werden wird. Jedenfalls wird er noch viel Ar­beit leisten müssen, um die aus allen Bezirken herbeiströmenden unsicheren Elemente zurückzu­halten. Die Streiklage bat sich seit gestern noch verschärft. Die Belegschaften fast, der ganzen Kohlenindustrie sind im Aus. stand. Man weist noch nicht, welche Motive dem Streik zugrunde liegen, da bisher keinerlei Forderungen erhoben worden sind Clegen Mor­gen war die Stadt wieder angriüllt mit einer nach vielen Zehntausenden zählenden Mensckm- menge. Ursache hierfür ist, daß zahlreiche L e - densniittelsieschäste gewaltsam geöffner worden sind, und daß sich vor ihnen gewaltige Mensckxnmcngen stauen, die hoffen in den Besitz verbilligter Lebensrnittel zu kommen.

Die Franzosen als Drayrzlehe«'.

Feststellung englischer Korrespondenten.

Gelsenkirchen, 25. Mai.

Die Tatsache, daß die französischen Truppen direkt und indirekt den Plünde­rern und Ruhestörern Beistand leisten, wird jetzt auch durch die Berichte verschiedener in Gelsenkirchen weilender Korrespondenten englischer Blätter bestätigt. Der Sonderbe­richterstatter derTimes", der mit den deutschen Kommunisten und ihrem Führer in Gelsenkir­chen zusammenqekommen ist, meldet seinem Blatt: Zahlreiche Kommunisten sagen, daß die Franzosen ihre Freunde seien. Einer erflärte. daß die Franzosen die Polizei entwaffnet und am 23. Mai abends auf die Feuerwehr geschossen haben. Dies sei dem Berichterstatter fräter von verschiedenen Zeugen aus dem Mittelstand bestätigt worden, die. wie er schreibt, beschämt zuaeben mußten, daß der bei der Plünderung der Läden begriffene Mob den französischen Truppen zu- jubelte, die >n einem Lastkraftwagen vorbei­kamen. DieWestminster Gazette" schreibt:

Frankreich würde es begrüßen, wenn die Zustände im Ruhrgebiet noch schlimmer würden. Sei es denn ^ranTretd,® vorsätzlicher Wunsch. Deutschland in Anarchie zu stürzen? In den setzten Monaten habe ni"" von der französischen Regierung fr viel erlebst daß man nicht sicher fein könne, daß diese nicht vorsätzlich derartige Gefahren wün­sche in der Hoftnuno. dadurch einen Druck auf die deutsche Regierung auSzustben Menn dies die Auffaffung PoincaröS fei, fr fei es zwecklos, ihn daran zu erinnern, daß er m i t dem Feuer spiele. Es sei zn hoffen, daß die > britische Regierung unverzüglich zu dieser Frage Stellung nehme, die England tief berührt.

L?m d!" Kommnniffsn in Arcmfreich.

Poincarös Rücktritts-Kornödie.

Paris, 26. Mai.

Der französische Senat batte sich gestern als Staatsaerichtsbof fonftituiert und die Anklage des Generalstaatsanwaltes gegen den Abgeordneten C a ch i n und die übrigen Mitglie­der der Kommunistifchen Partei, die des Kom- vlottes g«a«n die Sicherheit des Staates beschul­digt sind, sowie gegen den kommunistischen deut­schen Reichstagsabgeordneten Höklein gehört. Gegen f-öllein bringt die Auflage vor, daß er am 17. März 1923 insbesondere durch eine Rede in einer öffentlichen Versammlung zu Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates au'gefordert stabe. Geaen die übrigen Angeklagten, so erflärte der Staatsanwalt, fei besonders ihre Reise ins Ruhrgebiet geltend zu machen, wo sie zu

ge» wieder herausgehen. Poineärs erinnerte «c-Sdann an die letzten auf die Forderungen von Curzon erfolgten, deutschen Vorschläge, die für Frankreich unannehmbar seien. Er betonte schließlich: Wenn Deutschland nicht nachgibt, werden wir nur von unserem Recht und unserem Pfand die Ausführung des Vettrages erwar­ten. Wenn Deutschland erflärt, daß die Ruhr- besetzung seine Zahlungsfähigkeit verhindert habe, dann werden wir ihm antworten, daß Deutschland übrigens nur provisorisch seine Zah­lungsfähigkeit herabgesetzt hat dadurch, daß es «s seine Finanzen in Ordnung brachte, indem es künstlich seine Mark stabilisiert hat. Deutsch­land könne seinen Widerstand nur fortsetzen, wenn es einer wirklichen Katastrophe entgegen­gehen wolle. Wenn Deutschland sie beschließen sollte, dann werde Frankreich da, wo es jetzt stehe, seine Wiederherstellung abwar­ten. Wir wissen fuhr Poincgrs fort daß sie nickt lange auf sich warten lassen wird, denn glücklicherweise besitzt Deutschland eine große ^Arbeitsfähigkeit und eine große Produktions­kraft, aber Deutschland soll das Ergebnis dieser Arbeit nicht für sich allein verbrauchen. (!)

BrowresserhShung und Löhne.

Die Maßnahmen des Reichsarbeitsministers. Berlin, 26. Mai.

Der Reichsarbeitsminister wird umgehend mit den beteiligten Kreisen über die Auswirkun­gen der im I u n i bevorstehenden Brotpreiser­höhung beraten und insbesondere ihre Folgen für den Haushalt der Arbeitnehmer fesfttellen. Das Ergebnis wird den in Frage kommenden Organisationen und Behörden als Unterlage für die kommenden L o h n v e r - Handlungen mitgcteilt werden. Der Reichs- arbeitsminister ist sich bewußt, daß eine so stark; Verteuerung des wichtigsten Vofrsnahrungsm» tels nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen darf, daß die eintretende iinmittelbare und mittelbare Belaftttug vielmehr bei den Lohnver- handlungeu, die infolge der gesunkenen Kauf­kraft der Löhne ohnehin überall notwendig wer­den. voll abgegolten werden muß. Der Reichs- arbeitsminister hat gleichzeitig mit dieser Ver­öffentlichung den Arbeitgeber- und Rrbettneh- merverbänden feine Stellungnahme mttgetettt und sie ersucht, ihr ihre besondere Aufmerksam­keit zuzuwenden. Ebenso wird die Fürsorge für die Sozialrentner, Kleinrentner, Kriegsbeschädigten, Kriegshinter­bliebenen und Erwerbslosen der durch die Brotpreiserhölmng eintretenden Verteuerung der Lebensverhältnisse angevaßt werden. Der Reichsarbeitsminifter hat an» die hierfür erfor­derlichen Maßnahmen bereits eingelxitet. Sw werden beschleunigt znm Abschluß gcchrncht wer­den damit die Berechtigten baldigst in den Bc- ,"g der erhöhten Unterstützung gelangen. Der d«»gelegte Standpunft d's Reichsarbeftsrnmi- sters wird von der Reichsregierung geteilt.

Sonntagsgedanken

Mehr Ewigkeit:

Die Stadt völlig schutzlos.

Gelsen^rchen, 26. Mai. Bei den Unruhen, zu denen sich viel landfremdes Gesindel znsain- mengefunoen batte, behielten anfänglich . die Feuerwehr und der bürgerliche Ordnungs­dienst die Oberhand. Plötzlich fielen Schüsse, wie man annahm, von selten der Franzosen. Feuerwehr und Ordnungsdienst zogen sich dar­auf zurück, um mit den Franzosen nicht in Kon­flikt zu kommen. Die Unrrihestister glaubten jetzt ihr Spiel gewonnen. Sie riefen von aus­wärts Verstärkung herbei. Ihrer Ueber- mackt gelang dann die Neberwättiaung des bis berigen Sicherheitsdienstes, der sehr schwere Verluste erlitt. Da zudem die Liste der Mitglie» der des bürgerlichen Ordnungsdienstes bekannt­geworden und die einzelnen Teilnehmer von den Unruhestiftern in ihren Wohnungen gesucht wur­den, l o st e s i ch diese Organisation vollkommen auf. Die Stadt war dadurch völlig schutzlos und dem Gesindel preisgegeben. Unter btefrn Umständen ergriffen die freien Gewerk­schaften die Initiative. Sie fetzten sich mb den übrigen Gewerkschaften in Verbindung und ersuchten den hiesigen Oberbürgermeister ur- Verhandlnngen zur Ucbernäbme des Schutz?" der Stadt durch die Gewerkschaften, uns zwar, wie die Kommunisten verlangten, unter Aus­schluß des Bürgertums. Nach längeren Verhand­lungen wurde das bereits gemeldete Ergebnis erzielt. Bei den Verhandlungen erflärte der Oberbürgermeister, daß der neue Sicherheits­dienst unter feinen Umständen das Reckt habe, irgendwie in die Preisgestaltung der LebeuS-

Unfer Opfer für Ruhr und Rhein ist das

Deutsche Volksopser!

Sammelstellen in Preußen: Der Preußische Landesansschuß für das Deutsche Volks- opfer, Berlin NW. 40, Reichtagsufer 3. Bankkonto: Preuß. Staatsbank Jtr- 101 ia9, Postscheckkonto Berlin Nr. 10020, und die Provinzialausschusse.

Auch unsere Geschäftsstelle nimmt Spenden an.

Aus Kunst und Wissen.

** Sven Hedins Ausbruch nach Tibet. Sven v. He bin bereitet seine sechste Reise nach Tibet in Begleitung mehrerer schwedischer Ge­lehrter vor. Das Hauptziel soll die Erforschung der Zentralkette von Tibet und des Zusammen­hanges zwischen Karakorum und DonHlagebirge werden. Die Mittel will Sven Hedin auf einer Bortragsreise in den Vereinigten Staaten aus- bringeri. Uobrigens schickt jetzt auch die russische Regierung eine »geographische Mission" nach Ti­bet, die aber in der Hauptsache wohl politisch« Propaganda treiben soll.

** Drahtlose Filmwunder. Wie gemeldet wird, ist in England ein« neu« Erfindung paten­tiert worden, mit der gleichzeiftg mit drahtlosen telegraphischen oder telephonischen Berichten auch die Bilder von unbelebten und belebten Wesen in ihren ursprünglichen Farben übermit­telt werden könn-m. fr daß es möglich sein wird, nicht nur den Sänger, den Vortragenden oder das Orchester zu hören, sondern auch die Bewegungen der bttrefienden Personen zu sehen.

** Der Evangelimann im Kurbelkasten. Her­mann Kienzl, bat den »Evangelimann". die Oper seines Bruder^ Wilhelm Kienzl, für den Film bearbeitet Tie Berliner Urauffüh­rung des von Volper Madsen inszenierten sechs- aktigen Filmdramas ist fiir die nächsten Ta« rorae>eben.

=:>* Ein neuer Holbein. In der Hohen- : ollernscken Galerie im S i gm ar i la­ger Schlosic hat der Holboin-F-rfcher Dr. Hans Koegler ein eigen^änd-g-s Gemälde Holbeins, auf dem Urteil des Königs Salomo in prachtvoller Reizch ssance-Architektnr gemalt, ge­funden.

Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht. Plötz- lich in der Nacht wache ich auf. Ich glaube, nicht von irgend einem anderen Geräufch, fondern von einer weckeirden Stimme meines Innern. Nun kann ich aber nicht mehr einschlafen. Gedanken und Pläne, die mich am Abend beschäftigt und die ich gleich am Morgen ausführen wollte, gehen mir durch den Kopf.

Eine lange Weile liege ich wach. Draußen tunt Turme tönt das Glockenspiel der Rathaus- tjjr. Auch ihre Schläge höre ich. Sie Hingen anders als am Tage: viel eindringlicher und seieilicher, als hätten sie alles mögliche zu sagen.

Und mit einem Male kommt mir alles, was ich noch mit so viel Ernst und Eifer überdacht habe, fr unsäglich klein und töricht vor. Und die Erlenntnis dämmert in mir auf, daß ich doch vielleicht einen falschen Maßstab an mein Leben gelegt, es unter verkehrten Gesichtspunkten ge­führt habe.

Ob es anderen wieder ähnlich gegangen ist? Sie haben gearbeitet und sich gemüht von frühe­ster Jugend an. Jede Sekunde haben sie auszu- kausen genutzt, in der Nacht haben ihnen ihre Pläne und Gedanken keine Ruh« gelassen.

Aber was nützt alle Arbeit, wenn man dar- i'sbcr die Zeit zu der wichtigsten verliert: der Ar­beit an sich selber? Was nützt alles Planen und Schassen, alles Ringen und Sichmühen, wenn es einem nicht gelingt, mit sich selber ins reine zu kommen?

Wer nickt mit sich selber einig ist, der wird immer ein unbefriedigter, unglücklicher Mensch bleiben, mag er noch so viel vor sich bringen und erreichen. Wie wollen wir dies Leben mit seinen unaufhörlichen Hemmungen und Widerwärtig­keiten, seinen Enttäuschungen und Leiden leben, wenn wir nickt in uns selber stark verankert sind in unserem Innern 1 ;n Halt finden, den wir braucken?

Und etwas anderes sagten mir die Schläge

, in seinen zvesentlich'ten Punkten folgenden : Wortlaut:

»In der Sozialistischen Arbeiter-Jnternauo. nale (S. A. I.) bereinigen sich die sozialistischen Arbeiterparteien, die in der Ersetzung der kapi­talistischen Produttionsweise durch die sozia­listische Produktionsweise das Ziel und im Klassen kämpf, der in der politischen und wirtschaftlichen Aktion seinen Ausdruck find«, das Mittel der Emanzipation der Arbetter- tlasse erkennen. Die S. Ä. I. hat die Ausgabe, die Tätigkeit der angescklossenen Parteien zu ver- einheitfichen und in eine gemeinsame Aktion zu­sammen,zusassen. Die in der S. A. I. vereinig­ten Parteien verpslichten sich, keiner außerhalb dieser politischen Internationale bestehenden Vereinigung anzugehören. Die sozialistische Ar­beiter-Internationale ist nur insoweit lebendige Wirklichkeit, als ihre Beschlüsse in allen inter­nationalen Fragen für alle ihre Teile bindend sind. Ein jeder Beschluß der internationalen Organisation bedeutet daher eine selbstgewollte Einschärnkung der Autonomie der Parteien der einzelnen Länder. Die S. A. I. ist nicht nur ein Instrument für die Aufgaben im Frieden, fondern ebenfo ein unentbehrliches Instrument während jeden Krieoes. Bei Konfliften zwischen Rationen wird die S. A. I. von den angeschlo,- , jenen Parteien für sich als die höchste Instanz anerkannt. Organe zur Erfüllung dieser Auf­gabe sind: 1. Der internationale Kongreß, 2. die Erekutiv«, 3. das Bureau, 4. die Geschäfts-Kom­mission, 5. das Sekretariat. Die Mitglieder der Erekutive werden von den angeschlossenen Par­teien gewählt. Beim Eintritt eines Exekukiv- Mitgliedes in ein Ministerium erfischt automa­tisch seine Mitgliedschaft in der Exekutive. Nach dem Austritt aus der Regierung ist die Wieder­wahl in die Exekutive sofort wieder möglich."

Daraus ergibt sich, daß die internationalen Sozialisten, also auch die deutschen, den Klasten- komhf als Mittel für ihr Ziel: Die Verwirk­lichung des Sozialismus in Gestalt derErset­zung der kapitalistischen Produttionsweise durch die sozialistische" anfeben. Wie man im gleichen Augenblick, in dem man den Klaffenkampf zur Metbode proklamiert, von »Demokratie" reden kann, ist ein Geheimnis der Sozialisten. Außerdem wird diese Jnternaftonale in einem Kriegsfälle wieder wie früher auseinander­fallen. Bemerkenswert ist an dem Ham­burger Kongreß nur der Umstand, daß die neue Internationale sich schatt von den Kommu­nisten und der russischen Jnternaftonale trennte. Die Kommunisten haben ein Ulti­matum an den Kongreß gerichtet, das ab-* ht Hamburg einstimmig verworfen wurde.