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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 120

Einzelnummer 150 Mk.

Sonntag, 27. Mai 1923

13. Jahrgang

Einzelnummer 150 Mk.

Die Aufstandsgesahr beeilet sich aus

mekdung.) Die Plünderungen dauerten

tim die deutsche Note

Besprechungen beim 9tel<685an$Ier.

9

Auch in Mitteldeutschland

Bereitschaft zum Kampf um die Dittatur.

Genauer und Gu*'f06rii<5er.

Zürich, 26. Mai. (Privattelegramm.) Der Corriere della Sera" meldet ans Rom: Hier liegen Berichte der Botschaft aus Berlin vor, wonach das deutsche Angebot diesrsmal viel genauer und ausführlicher gehalten sei und Kon­zessionen an Italiens Standpunkt bringe.

Die fiaiieler Reuesien Nachrichten erscheinen wöchentlich lechsmal und zwar abend». Der Avonnementsprei« betrat monatlich 3200 Mark bet freier ZuNellunz in» Hau? In der Eeschäftsstelle abgeholt 8120 Mark monatlich. Auswärts durch die Poft bezogen 3230 Mark monatlich etnschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaltion-. Schlachthofstraße 28/30. Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Halle übernehmen. Rückzahlung des BezugSgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

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mit den Parteiführern werden heute mit­tag fortgesetzt. Der Kanzler wird Gelegenheit nehmen, eingehend darüber z» sprechen, wie die RrichSregierung auf die jüngsten Raten in der Wiederherstellungsfrage antworten wird.

Str gewaltsam? Streik.

Bochum, 26. Mai. (Pnvattelearamm.) Die restlichen siebzehn Zechen des Deutsch-Luxembur­ger Konzerns, die von der stillMlegten Zeche Prinzregent" den elektrischen Strom erhalten, sind durch die Besetzung vonPrinzregent" g e -

ratsmitxlied wurde schwer, sechs andere leichter verletzt. Von den Bergwerken im Herner Revier wurden die Bergleute gewaltsam ver­trieben. Ave Pumpen sind stillgelegt.

*

Ausbreitung der Gefahr.

Bochum, 26. Mai. (Privattelegramm.) Die Roten sind in Bochum vollständig Herren der Stadt. Der Aufruhr frisst nach dem Duis­burger Revier weiter. Acht Gruben sind e r s o f f en. Die Franzosen weigern sich, Militär gegen die Plünderer aufzubieten. Aus Dort­mund wird gemeldet: Die Gruben der Zeche Karolinenglüü" stehen bereits unter Was­ser. Bor dem Schacht 4 der ZechePräsident" stand gestern ein Posten der kommunistischen Hun­dertschaften mit ausgepflanztem Seitengewehr. Gelsenkirchen meldet: Rach den um Mitternacht gemachten Feststellungen ist der Streik im hiesigen Revier ziemlich allgemein.

hier gestern den ganzen Tag an. Auch aus Reck­linghausen wird Fortdauer der Plünderungen gemeldet. Ter sogenannte proletarische Sicherheitsdienst beteiligte sich an den Plünderungen. Die Leute dieses Sicherheitsdienstes sind Mitglieder der kommu­nistischen Hundertschaften. Die Schäden, die die Bürgerschaft in diesen Tagen erlitten hat, machen nach vorsichtiger Schätzung fünfzig Milliarden Mark aus. Einem Lebensmit- trlhändler aus Gelsenkirchen wurde, während die Kommunisten sein Geschäft anspwnderten, auf offener Strasse mit einem Rasiermesser der Hals durchschnitten. Gestern abend trat zum erftenmale die neue Gewerk­schaftspolizei in Aktion. Sie hat energisch durchgegrifftn. die Strassen gesäubert und eine Anzahl PMiderer sestgenommen. Gegen Mitter­nacht wurde zwischen der Gewerkschaftspolizei und den Kommunisten noch gekämpft.

Ausschreitungen in Bochu-n.

B o ch » m. 26. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Bei dem Ansturm der Kommunisten auf die Zei­tungen kam es zu Zusammenstössen mit dem Ordnungsdienst, der anstelle der ausgewie­senen Polizei des RuhrgcbieteS von der Feuer­wehr versehen wird. Die Feuerwehr machte von der Schusswaffe Gebrauch. Dabei wurden neun Kommunisten verwundet. Den­noch stürmten die Ruhestörer dreißig Läden und plünderten sie ans. Alle Geschäfte und Gasthäuser sind geschlossen. Obwohl die eingesessene Arbeiterschaft dem Streik ftrnfteht, ist angesichts des Fehlens der Polizei die Lage sehr bedrohlich. Die französische Besatzung dul­det die Ruhestörungen. Die meisten Zechen des Bochumer Reviers liegen still, obwohl fünf Sechstel der Belegschaften dieses Reviers Gegner des Streikes sind.

Sthamer beim britischen Ministerpräfidenten. (Eigene D^htmcldung.)

London, 26. Mai.

DerMorningpost" und derTimes" zufolge war der deutsche Botschafter Sthamer am Donnerstag ftüh beim neuen Ministerpräsiden­ten Baldwin. Reuter zufolge hatte der Be­such Privaten Charakter. Die Morningpost er­fährt, dass zu gleicher Zeit auch Lord Curzon beim Premierminister gewesen ist und schliesst hieraus, dass es sich um Anfragen des deutschen Botschafters in der Reparationsfrage ge­handelt hat.Daily Mail" behauptet, dass eine Rückfrage der deutschen Regierung in London vorliege, über die das Kabinett noch nicht ent­schieden habe. Nach Zeitungsberichten haben wichtige Besprechungen zwischen dem deutschen Botschafter Sthamer und dem Auswärtioen Amt stattgefuuden. Deutschland soll genaue Bor- schlüge zugesagt haben, die den englischen Reparations-Borschlägen nahekommen sollen.

Französische Sozialisten.

Sie unterstützen den Zwang gegen Deutschland! (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 26. Mai.

In der gestrigen Nachmittags-Sitzung der Kammer haben sich zur allgemeinen Ucber- raschung die Sozialisten für die restlose Durchführung der Sanktionen gegen Deutschland erklärt. Ter Radikale Herriot erklärte, seine Partei sei Anhänger der Sanktio­nen. Es heisse jetzt, ans der Operation im Ruhr­gebiet in grösstem Masse Nutzen zu ziehen. (!) Wenn die Regierung dadurch einen Fehler be­gangen habe, dass sie das Ruhrgebiet besetzte, dann sei dieses Vorgehen in keiner Weise mit den hunderttausenden von gemeinen Verbrechen vergleichbar, die Deutschland während des Krie­ges in Frankreich begangen habe. (?) Die Räu-

gebiet gebrochen haben, dann werden sie von ihren Auftraggebern zum Teufel gejagt, ebenso wie die Kommunisten in Frankreich niedcrge- kuüppelt werden. Die Duntmen werden eben nicht alle! Beschämend ist es aber für das deutsche Volk, daß es wieder Deutsche sind, die dem Feind als Helfer dienen, Kreaturen, die ihr eigenes Nest beschmutzen. Leider kommen auch Meldun­gen. daß die Umtriebe ans dem besetzten Gebiet heraus übergreifen. Die Berliner und mit­teldeutschen Vorgänge stehen damit in Ver­bindung. Deutsche, besinnt Euch! K. F. D.

kPrivat-TekWraMM t

Halle a. S.. 26. Mai.

3n Weissenfels hat Freitag mittag eine Konferenz der radikalen BetriebsrÄe des mittel- deittschen Reviers stattgefunden, an der Dele­gierte aus dem Ruhrrevier und auch ein aus Berlin gekommener Russe teflgenommen haben. In der Sitzung wurde die Bereitschaft der mit­teldeutschen proletarischen Bergleute erflärt, an der Seite der Ruhr-Kommunisten in den K a m p f um die Diktatur des Proletariats in Deutschland einzutreten. Hin Aktionskomitee wurde gewählt, das in der entscheidenden Stunde zum Eintritt in den Kampf aufrufen soll. Kom­menden Sonntag sollen in ganz Mitteldeutsch­land Betriebsversammlungen über die Lohn­fragen stattfinden. Die Gewerkschaften warnen die mitteldeutsche Arbeiterschaft vor der Teilnahme an den Putschversuchen.

Kundgebung der Radikalen.

Magdeburg, 26. Mai. (Privattelegramm.) Im Direktionsbezirk Magdeburg rufen die radi­kalen Betriebsräte zu gemeinsamen Demon­strationen der Eisenbahner und der Jndu- striearbeiterfchaft gegen die Teuerungswelle und sur den Befreiungskampf der Ruhr-Kommu- nisten für Sonntag den 3. Juni auf.

mung des Ruhrgebietes dürfe nur als möglich betrachtet werden nach Massgabe dessen, was Deutschland an sichtbaren Zeichen seines guten m Willens gebe und durch eine internationale An-

Berlin, 26. Mm. (Privattelegramm.) Die leihe bestrebt sei, sich seiner Verpflichtungen Besprechungen des Reichskanzlers Dr. Gung gegen die Alliierten zu entledigen.

Die Ruhreifenbahnee.

Weiter fest im Widerstand.

®ie Franzosen geben fick» die «rotzte Müh«, «m die beut teilen Eisenbahner im Ruhrgebiet für ihre Zwecke zu gewinnen. AVer alle Der. lecknngen ober Maßnahmen find erfolglos. Nachdem es den Franzosen bisher weder durch die härtesten Gewaltmaßnahmen noch durch ver­lockende Versprechungen gelungen ist, den Geist der deutschen Eisenbahner im besetzten Gebiet zu beugen, versuchen sie es immer wieder, mit Un­terstützung einiger Anhänger der rheinländischen Sonderbündler, durch allerlei künstliche Mittel, namentlich dureh Einberufung von Eisenbahner- versanunlungen und durch irreführende Berichte über deren Verlaus, angebliche Erfolge ihrer Be- strebungen vorzutäuschen. Wie es mit diesen in Wirklichkeit aussieht, zeigen nachstehende bekannt gewordene Vorgänge in Trier. Am 9. d. Mts. hatten die Smeets-Anhänger eine Versamm­lung der Eisenbahner von Conz und Karthaus einbernsen. Zu dieser ist kein Mensch er» schienen. Den gleichen Erfolg hatte die Auf­forderung. sich am folgenden Tage« morgens 7 Uhr auf der Bürgermeisterei einzuflnden, dis der anscheinend durch einen guten Trunk bewo­gene Bürgermeistereidiener von Karthaus nach einer von den Franzosen zur Verfügung gestell- ien Liste an 100 Personen ergehen ließ. Dieser Aufforderung ist niemand gefolgt. Die Miß­erfolge der beiden Einberufungen hatten am 11. d. Wits, die Äusweisung von etwa vier- zig Familien zur Folge.

Zu einer auf den 11. d. Mts. auf die gleiche Wer?« einberufenen Versammlung von Eisen­bahnern sind etwa ICO Personen erschienen. Sie ivurde z,machst durch den vor einiger Zeit zu den Franzosen Mergetretenen Eisenbahirsekretär Hermann eingeleitet, dem es auch gelungen war, elf Zugbegleitbeamte zum Uebertritt zu den Franzosen zu verleiten. Anwesend waren außer den Eisenbahnern der Vertreter des Kreisdele- O'terftn und ein französischer Kommissar. Nach­dem daun aus der Versammlung heraus ein Eisenbahnbeamter zum Vorsitzenden gewählt worden war, kam es in Anwesenheit der Fran­zosen zu einem erhebenden Treuegelöbnis für das Reich. Dieser Vorsitzende betonte in einer ausgezeichneten Siebe von vornherein, daß er den bekannten Richtlinien der deutschen Eisenbahner des besetzten Gebietes folgen und in diesem Sinne die Versammlung leiten werde. Hierdurch sah sich der französische Vertreter des Kreisdelegierten in 'heuchlerischer Verstellung echt französischer Art veranlaßt, zu erklären, daß er die Ansichten des Vorsitzenden durchaus ehre und schätze imb die militärisch anaeordneten Ausweisungen am Vormittagches gleichen Tages nicht billigen könne. Z^nt Schluß der Versamm- lnna erklärte der Vorsitzende:Tie Eisenbahner in Karthaus fürchten mchts als Gott in der Welt und bleiben dem deutschen Reiche treu".

Der G e i st der deutschen Eisenbahner im be­setzten Gebiete ist hiernach noch immer der glei­che wie am ersten Tage. Wenn in einigen Ausnabmesüllen die Stimmung zuweilen etwas schwankend geworden ist, so ist dies neben den allgemeinen Schwieri-ckeiten der wirtschaftlichen Lage nur auf da? geschickte Vorgehen einiger Verräter zurückzuführen. Die oben erwähn, ten elf Zugbegleithediensteton werden von den Franzosen zur Zeit zum Gleisstopfen verwendet und von ihren früheren Kameraden verlacht.

Gelsenkirchen, 26. Mai. (Eigene Draht- zwnngen, den Betrieb heute stillzn- legen. ZecheKarolinenglück" wurde von meh­reren bewaffneten kommunistischen Hundertschaf­ten gestürmt. Als der Betriebsrat sich gegen den Streik erklärte. wurde er von den Kommunisten angegriffen. Ein Betriebs--

Böse Entwicklung.

Wohin führt der Weg?

Unklarheit ist das Merkmal dieser Tage. Es geschieht nichts, das die politische Tätigkeit vor­wärts treibt, und wenn etwas geschähe, wüßte man nicht, ob es zum Besseren führen würde. Man hat indessen das Gefühl, als ob man ge­fangen säße und darauf warte, daß der Zujall irgendwo ein Tor zur Freiheit öffne. Bis dahin übt man sich in Geduld. Seit etwa zwei Wochen arbeitet die Reichsregierung an der neuen Ant­wortnote , in der das zweite Angebot zur Reparationszahlung gemacht werden soll. Vor­läufig weiß man nur, was schon seit zehn Tagen bekannt ist, daß erweiterte Vorschläge und ver­mehrte Garantien angeboten werden sollen. Aber die Einzelheiten ruhen noch im Schoße einer langsamen Gestaltung. Mit dem Reichskanzler und den Ministern der Finanzen und des Aeußern beraten politische Parteien und wirt­schaftliche Organisationen, und man spricht in Berlin davon, daß die Note vielleicht in der kommenden Woche überreicht werden könne, wo­gegen eine Londoner Meldung sagt, daß man auf ein ausführliches Angebot erst in zwei oder drei Wochen rechnen könne. Die Entschließun­gen in Berlin Werben, wie es heißt, verzögert, weil, man erst die Stellungnahme des neuen britischen Kabinetts kennen lernen möchte, an­dererseits erklärt man in London, das bri­tische Kabinett könne nicht Stellung nehmen, so­lange kein neues deutsches Angebot vorliege. Wie die Regierungen, so die Parlamente, in de­nen man sich aus Anfragen und allgemeine Re­densarten beschränkt har und während der noch andauernden Psingstserien die Dinge laufen läßt.

Diese Zurückhalttrr.g ist beklagenswert, weil sie die Unsicherheit verlängert, noch mehr aber, weil sie ein Zeichen für die Schwierigkeit der Probleme ist, die sich tote ein unlösbarer Knoten ineinander verschlingen. Ein Fortschritt ist nur in den Maßnahmen der Franzosen zu beobachten, allerdings ist es ein Vortoärls- schreiten auf dem Wege zum Verderben. Poincarö bat vorgestern wieder in einer Rede in ber französischen Kammer betont, daß er auf dem eiugeschlagenen Weg weitergehe. In der bekann­ten lügnerischen Weise beschuldigt er Deutschland des bösen Willens und konstruiert für Frankreich ein Recht zur Zwangs- und Raubpolitik. Ener- (Oldye Zurückweisung verdient aber die freche Be­hauptung und plmnve Bauernfängerei, daß die Franzosen mit dem deutschen Volke gerne zu­sammen arbeiten wollten, was aber die Reichs- regiernng hintertreibe. Gerade das Gegenteil ist richtig: die Franzosen saugen das deutsche Volk aus, wogegen dieses sich mit seinen schwachen Kräften Wehrt. Der passive Widerstand im Ruhr­gebiet und im Rheinland wurzelt int Volke: die Regierung hat nur den Willen des Volkes ans- gefübrt. Wenn sie sich diesem Widerstand sofort angeschlossen bat und Weiter daran festhält.

Wie die Franzosen das deutsche Volk mit Füßen treten., beweisen die täglichen unerhörten Grmtsamkciten, mit denen die schwarzen und weißen Bestien im besetzten Gebiet Hausen. Was wir noch von ihnen zu erwarten haben, geht aus Poincarss Drohung hervor, daß das besetzte Gebiet nicht eher geräumt werde, als bis Deutschland gezahlt habe. Inzwischen hat aller­dings das Kabinett Poinearö einmal gewak- kelt. Der Mintsterpräsident hat sein Rück­trittsgesuch eingereidbt, weil ber Senat, der als Staatsgerichtshof tagte, sicki dem Antrag Po- incareS entaegengestellt hat. Der Senat hat sich als nicht zuständig erklärt, die französischen Kom- imtniften, die Poincarös Ruhrpolitik verurteik- ren, zu verfolgen. Nachdem Präsident Milleraud das Rücktrittsgesuch Po'mearös nicht ange­nommen hat. bleibt das Kabinett und damit die Gewaltpolitik bestehen. Es wäre auch nicht Wahrscheinlich gewesen, daß ein anderes franzö­sisches Kabinett uns Erleichterung geschaffen hätte, ebensowenig wie Englands neues Kabi­nett es tut.

Zu dem fortdauernden Zwang des äußeren Feindes gesellt sich das llnterwühlen der deut­schen Einheitsftont durch den inneren Feind, der im Ruhrgebiet und im Rheinland für die Fran- wsen Vorspanndienfte leistet. Während am Rhein die Sonderbündler ihre beträte» siscken Umtriebe, allerdings erfolglos, sortsetzen, ist es an der Rubr den Kommunisten ge­lungen. einige Städte in Unordnung zu brin- oen. Mit Schießerei und Plünderung stören sie Arbeit und Verkehr. Ihre Behauptung, daß sie nur Lohnerhöhungen erzwingen wollten, ist na­türlich Schwindel, denn sie verfolgen politische Ziele, worin sie von den Franzosen unterstützt Werden. Da von den Besatzungstruppen die deutsche Polizei aus dem Ruhrgebiet planmäßig Vertrieben worden ist, als Vorbereitung für den . Kommunistenaufstand, batten die Aufrührer jetzt loick>es Spiel. Aber glauben sie denn wirklich, daß sie ihr phantastisches Ziel, dieHerrschaft des Proletariats", erreichen? Wenn sie die Ar­beit für die Franzosen geleistet haben, das heißt, wenn sie die deutsche Widerstandskraft im Ruhr- :

Die rote Flut wächst.

Kommun isten-Terror im Ruhrgebiet. Vorbereitung in Mitteldeutschland

Volncarss neueste Brandrede.

DaS Ruhrgebiet als Pfand.

Anläßlich der Ruhrdebatte in der französi­schen Kammer ergriff mehrmals Poincac« das Wort und führte u. a. aus: Die Kohlender sorg- ung Frankreichs sei gesichert. Alles in allem sei die Lage in der Kols- und Kohlenversorgung noch lange Zeit günstig Frankreich habe es also keineswegs eilig, die Ruhrbcsetzimg aufzugehen und könne warten, bis die Deutschen wieder zur Vernunft kämen. Poin- care machte weiterhin der deutschen Regierung den Vorwurf, sie schüchtere die deutschen Eisen- , bahnet ein, um sie zu zwingen, die Arbeit nickt . wieder auszunehmen. Die Regie gestalte sich , mehr und mehr produktiv. ES würden äugen» : bliÄich 47 Zugkilometer gefahren. Die Ausga- ; den seien geringer als die Einnahmen, die tin , übrigen isst Steigen begriffen seien. Frankreich könne die für Deutschland unvermeidliche Stunde des Nachgehens durch

neue Zwangsmassnahmen beschleunigen. Auf einen Zwischenruf erklärte er, er wolle Deutschland diese Maßnahmen ver­kündigen, wenn er entschlossen fei, sie zu ergrei­fen, aber nicht im voraus von ihnen sprechen. Der Ministerpräsident widersprach damt dem Ar­gument, daß die Ruhrbesetzung den Lebensun­terhalt vertcure und den Wechselkurs zum Stei­gen gebracht habe. Wir.sind in das Ruhrgebiet einmarschiert und werden nur nach bet Maß­gabe und im Verhältnis der deutschen Zahlun-