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Meier Neueste Nachrichten

Kaffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 116.

Einzelnummer 150 Mk.

Mittwoch, 23. Mai 1923.

Einzelnummer 150 Mk.

13. Jahrgang.

Wechsel im britischen Kabinett.

Größte Anstrengung.

DaS deutsche Angebot.

Die Rcichsre^entng ist entschlossen, das neue Angebot, das durch die Darbietungen ganz be­stimmter Garantien vertieft werden sott, in dieser Woche zu überreichen. Die viel um­strittene Frage der Erfassung der Sach­werte und der Nutzbarkeit der Substanz des uns noch verbliebenen Vermögens wird jetzt akut. Es ist aber nicht so, als ob die Reichs­regierung sich jetzt erst mit diesem Problem der Erfassung der Sachwerte beschäftige. Diese Angelegenheit hat das Kabinett Cuno schon mehrfach in Anspruch genommen, und cs bat sich auch ergeben, daß die Reichsregierung in dieser Frage geschloffen ist. Selbstverständlich kann es sich nicht darum handeln, deutschen Be­sitz in die Hände des Auslandes überzuspielen. Worum es geht, ist vielmehr die Nutzbar­machung der deutschen Wirtschaftskräf­te und ihrer Grundlagen für die Erkämpfung der deutschen Freiheit. Mit den Waffen können wir sie nicht erringen, aber die lkns verbliebenen materiellen Mittel können wir bis zum äußer­sten anspannen, nm unsere Selbstbestimmung, ja, um unsere nationale Eristenz zu retten.

Das sind die Erwägungen, die jetzt inner­halb der Reichsregierung maßgebend sind für die Heranziehung des deutschen Besitzes zur Re­parationsgarantie. Man denkt sich eine derar­tige Heranziehung in der Form einer Abgabe öder einer Verschreibung von ein Fünftel bis ein Viertel vom Besitz in Industrie, Handel, Verkehr, Gewerbe. Bankwesen. Landwirtschaft und immobilem Besitz Waus- und Grundbesitz). Es Wird sich also gewissermaßen um e:ne Reichsbeteiligung in Höbe von etwa ein Fünftel handeln, und dieses Fünftel des Be­sitzes soll in die Hände d-r Reichstreubandge- sellschast gebracht werden. Aber man denke nicht nur an eine ReichsbeteMgung von einem Fünf­tel an dem festen Besitztum, an der S'fbstanz, an den Sachwerten, sondern auch an ein Fünf­tel Beteiligung des Reiches an den Erträg­nissen. Hier kämen in erster Linie die Er- Werbs-Unteritehm'mgen, die Aftiengesellschaften wie überhaupt alle wirtschaftlichen Betriebe in Betracht. Es ist bei allem selbstverständlich, daß einzig und allein das Reich die Verfügung über diese Werte erhielte, daß fremde Einssüsse und fremde Kontrolle unter keinen Umständen in Frage kommen dürsten und daß die hingegebe- nen Werte einzig und allein der Befreiung deut­schen Landes vaa fremden Einwirkungen nutz­bar gemacht werden.

Diese Gedcmkengänge spielen bei den jetzigen Beratungen eine bestimmende Rolle. Ob und wie weit die festen Vorschläge in dem neuen und erweiterten Angebot der Reichsregierung sich verdichten, steht zur Stunde noch dahin. Aber innerhalb und außerhalb der Regierung gibt es, bis auf geringe Ausnahmen, keine Meinungs­verschiedenheiten darüber, daß das neue Ange­bot klare und bestimmte Formulierung, nament­lich auch hinsichtlich der Garantien, bringen soll. Es wird in diesem neuen Vorschlag auch zum Ausdruck gebracht werden, in welche gesetzliche Form diese Garantien für die Ausräumung der Revaraftonsschuld gebracht werden soll. Es ist weiterhin selbstverständlich, daß die vom deut­schen Besitz seiet en erhebenden Vermögensteile mit an erster Stelle nutzbar gemackt werden zur Gesundung der eigenen inneren Finanz- Wirtschaft, zur Reform unseres gesamten Geldwesens und zum Aufbau einer neuen Währung!

Gegenwärtig steht die deutsche Politik trotz­dem unter einem ungeheuren Druck. Die Tat­sache. daß die E n t e n t e in der Ablehnung des deutschen Vorschlages einmütig sich wieder zu- sammengefnnden Hot, ist von einer Schwere, die Niemand verkennen darf. Wäh­rend die deutsche Oeftentlichkeit und der größere Teil des deutschen Volkes es billigen, daß die Reichsregierung auch setzt noch sucht, mit* ben Gegnern in erträgliche Beziehungen m kommen, während schwerwiegende Berati'ngen über die Größe deS neuen erweiterten Vorschlages im Ganae sind, wird von Frankreich mit schar- fen Einflüssen aearbeftet. Dieienigen Pa­riser Presseorgane, die als Sprachrohr der fran­zösischen Regierung anzusehen sind, betonen wie­derholt, daß Frankreich sich erstens aus keine an­dere Summe einlassen würde als auf die im Londoner Zahlungsplan festgelegt- Summe von 50 Goldmilliarden, von denen Frank­reich seine 52 Prozent beansprucht, und daß es dabei bleiben müsse, daß die wetteren in London lestgeletzten Summen über Deutschland bänaen bleiben, wenn es nicht gelinge, einen internatio­nalen Sch tlden-AuKgleüh berb-izuftibren. Fer­ner wird in her französischen Presse mit Natd druck als Auslassung der Regierung gesagt, daß Frankreich mit Deutschland nicht verhandele, ehe der passive Widerstand aufaegeben und der cUnindlotz her stanelweisen Räumung anc>enom<

men worden sei. Frankreich werde die jetzt von ihm ergriffenen Pfänder festhallen, bis es bezahlt werde.

Die Haltung, die aus einer solchen Einstel­lung zu den Dingen spricht, bestätigt nur die Auffassung. daß es Frankreich nicht um Revara- tionen, sondern um weitreichende politische Ziele zu tun ist. Frankreich macht sich ja überdies, wie die Zugriffe auf die chemische Industrie und wie tausend andere Vorgänge zeigen, selber mit Gewalt bezahlt. Wenn es Deutschland der­artige Bedingungen zumutet und von ihm die Erfüllung des von der ganzen übrigen Welt preisgegebenen Londoner Ultimatums verlangt, dann spricht aus solcher Haltung der Geist der j Gewalt, der es ablehnt, das Revarationspro- blem wirtschaftlich zu betrachten und der lediglich darauf ansgrht, aus Deutschland ein Vorfeld für weltpolitische Aspirationen zu machen. Daß trotz alledem die deutsche Regierung sich bemüht, durch weiteres Entgegenkommen eine Verständi­gung zu versuchen, ist größter Anerkennung wert, die sich eines Tages doch im Urteil des Auslandes durchsetzen muß. J. B.

Bonm LQw zmückgetreren.

Der Wechsel deS britischen Kabinetts.

tEigene Drahtmeldung.)

London, 22. Mai.

Wie seit einigen Tagen an gekündigt, ist der britische Ministerpräsident Bonar Sore auS Ge­sundheitsrücksichten, aber mich infolge politischer Notwendigkeit, zurückgetreten. Die Aerztc gaben folgenden Bericht aus: Die Stimme des Premierministers ist noch unbefriedigend. Wir können eine Besserung in absehbarer Zeit nicht in Aussicht stellen. Tas Allgemeinbefinden des Premierministers ist nicht gut. Heute vormittag wurde bei Bonar Law eine kleine Kehlkopfope­ration vorgenömmen. In Londoner politi­schen Kreisen herrscht die Ansicht vor, das? Lord Curzon unter allen Kandidaten als Nachfolger diegrößte » Aussichten hat. Fast alle Ka- binettSmitglieder waren während der Pfingst­tage außerhalb Londons. Stanley Baldwin ist bereits nach London zurückgekehrt, während Lord Curzon, der bis Mittwoch von London abwesend sein wollte, ebenfalls früher zurück erwartet wird. Der Parlamcntsbcrichterstatter derDaily News" schreibt, eine neue Regierung werde gebildet werden müffen. Curzon fei in der Oef- scntlichkeit besser bekannt als Baldwin und ver­füge über größere Autorität. Es würde keine Ueberraschung verursachen, wenn Curzon beauf- ttaflt werden würde, eine Regierung zu bilden. Westminster Gazette" schreibt, die Nachfolgeschast gebühre wirklich Curzon, wegen seiner Erfahrung und seiner jetzigen Stellung. Der Parlaments-Be­richterstatter derTimes" ist der Hnftd#, daß für die Besetzung deS Preministerpostens nur Lord Curzon in Frage kommen könne»

Die Variser vevauern den Wechsel.

Paris, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Pariser führenden Blätter bedauern Bonar Laws Rücktritt, weil das bri- tische Kabinett unter Laws Leitung der fron, züfifchen Willkür gegenüber Deutschland keinHindernisinden Weg gelegt hat.Pe­tit Parisien" würdigt die Persönlichkeit Bonar Laws mit den Worten:Ein vollendeter Gentle­man! Für die Politik der Wiederannäherung an Frankreich fei Bonar Law persönlich mehr als irgend einer feiner Landsleute eingenommen gc- wesen. Er hätte es aber vermeiden sollen, aus der letzten Januarkonferenz in Paris einen eng­lischen Plan zu erörtern, der für alle Alliierten ohne Unterfchied unannehmbar gewesen fei. Die Wahrheit fei indessen, daß Bonar Law zu spät m kommen sei, um dir Trennung zu verhindern." Petit Parisien" meint, der Prüfstein seiner Freundschaft fei die Pariser Konferenz vom 2. Januar gewesen, die eine vorübergehende Tren­nung der französischen und der englischen Politik notwendig gemacht habe. Weit entfernt, auch nur ein bitteres Wott auszusprechen, habe Bonar Law die Formel deSfreundschaftlichen Bruches" gesunden. Tas Blatt rechnet mit einer Kandi­datur Lord Balfours. In französischen Regie- rungskreifen ist man bereits entschlossen, auch von einem neuen britischen Kabinett keine Eiu- mifchnng in die französische Politik zu dulde».

Um Den Nachfolger.

London, 22. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Der zuruckgelretene Premierminister Bonar Low bleibt nach den neuesten Meldungen zunächst

in London, um die Rückkehr des Königs abzu­warten. DerMorningpost" zufolge wird Bonar Law dem König den bisherigen Außenminister Lord C » r z o n als Premierminister Vorschlä­gen. Die konservative Partei hat ihre Beschlüsse über den Nachfolger Bonar Laws bis zur An­kunft des Königs vertagt. Reuter meldete ge­stern abend: Der König ist ans dem Manövcrge- ländr Aldershott auf der Rückreife nach London, um die Entscheidung über die Nachfolgeschast Bonar Laws zu treffen. Reuter meldet wei­ter, daß Bonar Law am Sonnabend dem stell- verttetenden Premierminister Balfour ein neu­es Reparationsprogramm vorlegte.

Ausdehnung der Besetzung.

Französische Verstärkung im Ruhrgebiet.

(Eigene Drahtmelduna.)

Effen, 22. Mai.

Die Franzosen haben die Bahnhöfe Horst- E m s ch e r - Süd und Karnap und den dazwi­schen liegenden Teil der Emscher-Talbahn be­setzt. Am Sonnabend hielten die Franzosen ihren großen Einmarsch in das Innere der Stadt Gelsenkirchen. In langen Reihen rückten die verschiedensten Truppengattungen aus dem nördlichen Gebiet hier ein. Wie aus Pa­ris gemeldet wird, hat die französische Regierung die Entsendung weiterer militärischerVer- ftärtungen nach dem Ruhrgebiet beschlossen. Die Esfettivbestände sollen durch neue Truppen, die i» den nächsten Tagen aus dem Innern des Landes abgchen werden, um etwa fünszehn- tausend bis zwanzigtausend Mann vcrmehtt werden. DerMattn" fdjrcibt, dir

weitere Ausbeutung des Ruhrgebiets werde intensiver gestaltet werde». In dem glei­chen Maße, wie sich die in Anspruch genommenen Brennstoffvorräte verringerten, würden neue Halde« beschlagnahmt werden müssen. Die notwendige Uebcrwachung der Eisen­bahn, die erforderlich sei, um zu verhindern, daß Breimstoffe nach Deutschland gelangten, be­dinge aber, daß diese Uebcrwachung wirksamer als bisher gestaltet werde. In einem Augenblicke, wo BerhanÄungcn zwischen den Alliierten aus­genommen zu werde» drohten, (!) sei man ge­nötigt, die Besetzung des Ruhrgebietes als solid, produttiv und dauerhaft zu zeigen. Der Brüs­selerT«mps"-Korrespo»dcnt kündigt eine Ver­stärkung auch der belgische.» Besatzungstrup­pen in DuiÄurg und Ruhrort durch zwei Ba­taillone des zwölften Linienregiments an.

«-

Keine Einreise ins besetzte Gebiet?

Dortmund, 12. Mai. (Privatttelegramm.) Wie verlautet, will die französische Regierung als Vergeltungsmaßnahme dafür, daß deutsche Per­sonen, die von Mainz aus über Griesheim »ach Frankfutt a. M. in das unbesetzte Gebiet fahren und dort von deutschen Behörden kontrolliert bezw. vorn deutschen Publikum belästigt werden, weil sie französische »Züge benutzen, die Einreise von Deutschen in das besetzte Gebiet überhaupt verbieten.

Französische Quertreiberei.

Keine ausländische Anleihe für DeutWand?

(Eigener Trahlbericht.)

Paris, 22. Mai.

Die franzöfische öffentliche Meinung wird durch eine gewisse Prcssepolitik darauf vor­bereitet, daß eine fosorttge Mobilisierung der deutschen Schuld durch eine große internationale Anleihe nicht möglich fei. Zahlreiche Preffeattikel weifen darauf hin, daß in der a m e - rikanischrn Finanzwclt keine Neigung bc- stehe. Deutschland im gegenwärtigen Augenblick die notwendigen Mittel z» gewähren. Demgegen­über kann festgcsteltt werde», daß neben dieser Strömung die Anhänger einer internatio­nalen Anleihe an ihrer Auffassung sttzhalten. Die Blätter der radikalen bürgerlichen Linken wie 2Oeuvre", und Blätter des Blocks der Lin­ken wie zum Beispiel derQuotidien", treten nach wie vor für die internatiomtte Anleihe ein. ImQnotidien" veröffentlicht heute früh der Abgeordnete Herriot einen Artikel unter der Urbxrschrist:Lassen sich der stanzöfische und der deutsche Standpuntt vereinigen?", der energisch für eine internationale Anleihe Eintritt und an Hand der letzten ReichStagSrede deS «bgeordne- trn Hermann Nküller darzulrgen versucht, daß eint Einigung zwischen der Auffassung der deuffchen und französischen Kreise sehr wohl d e n t b a r fei. Man darf sich hierbei jedoch nicht der Tatsache verschließen, daß der Block der Lin­ken keine Gewalt in Frankreich hat und daß sein Einfluß auf die französische Regierung nach wie vor doch verhältnismäßig beschränkt ist.

Verkehrserschwknmg.

Eisenbahn- und Pcstverteuerung.

An der Ankündigung einer netten Tarif­erhöhung bei der Eisenbahn, dei Post und Telegraph ist besonders die Erhöhung der Verteuerung auffaUend. Darüber wird int Berliner Lokalau»etger Folgende« berichtet: Der Dollar erreicht bis Ende Januar schon 50 000 Mark. Die Papiermark ist kaum noch ei» zehntausendstel, also ein Hundertstel Pfennig wert. Im Auslande! Aber hängt diese Bewer­tung allein vom Auslande ab? Und nicht auch von uns selbst? Sollte das Ausland fo dumm sei» und «or nicht in Betracht ziehen, wieviel Waren wir selbst für einen 1000-Markschein ge­ben, wieviel wir selbst für 1000 Mark leisten? Haben die zahllosen Lohn- und Tariferhöhungen uns bisher etwas genützt? Haben sie dazu ge­führt, daß wir nicht jeden beliebig geforderte» Preis zahle», sonder» handel» und sparen lern­ten? Leider nickst. Im Gegenteil. Riemano hauoelt. Je mehr Papier da ist, je reichlicher und mehr wird es verstreut, je mehr wird es entwer­tet. Man gewöhnt sich immer mehr an hohe gedruckte Zahle». Der Reichsverkehrs- m i n i st e r schrieb unlängst in seiner Schrift Die Reichsbahn":Jede Tariferhöhung trägt dazu bei

den Geldwert zu drücken.

Seme Verwaltung will nach den neusten Nach­richten diesen Druck ans den Geldwert nun von neuem ausüben. Der Menschenverkehr soll, ge­rade jetzt zur Reisezeit, wieder um 100 Prozent, der Güterverkehr um 40 Prozent erhöht wer­den. An Gründen fehlt es nie. Die Kosten der Lebenshaltung sind im Mai gegen 1014 schon auf das 3400fache gestiegen, die Ernährung allein auf das 4600 fache. Der neue Reichs- postminister stellte an die Spitze seines Pro- grcmrms, alserste Aufgabe": .Pflege des Ver­kehrs und Besriedigm'.g des VeriehrÄbedürfnif« fei gegen erträgliche Gebühren." Und er sagte am 20. März im Reichstage: .Gegenwärtig ist es geboten, bei den Tariferhöhungen eine Atem- pause eintreten zu lassen, sie KurstckzusteÄen, um den Preisabbau zu fördern und nicht zu ge- föhrden, da ja bekanntlich jede Erhöhung der Gebühren sofort benutzt wird, um die Waren­preise zu erhöhen." (Sehr richtig!)Fracht- und Personenbefördenmg der Eisenbahn sind unent. behrlich. Die Versendung von Briesen dagegen kann wohl eingeschränkt werden". Und in die- S1 selben Reichstagssitznng wurde sestgestcllt, ß der Brtesverkehr gegen 1916, das letzte Normaljahr, schon um 60 Prozent zurückge­gangen, ebenso der Privat- und Familienver- kehr. Dieser Rückgang trat aber schon nach den Tariferhöhungen vom Oktober und November ein. Die drei weiteren Portoverdoppelnngc» werben wahrscheinlich schon

einen Brrkehrsrückgang

von 75 bis 80 Prozent (gegenüber 1918) gezeitigt haben, da das Briefporto seit dem 1. Oktober von 6 auf 100 Mark, die PostkartengeWhr von 3 ans 40 Mark (mit Papicrznschlag auf 55 M.) gestiegen ist. Ob das nocherträgliche Gebüh­ren" sind, darüber sagten die bloßen Zahlen der Verkehrsabnahme doch eigentlich ganz deutlich genug. Gewiß spielt auch die Verteuerung von Briefpapier, Umfchlägen und Karton eine Rolle, aber keine so sehr bedeutende. Brief, bogen und Umschlag, die früher 5 bis 10 Psg. kosteten, beide zusammen, mögen heute 40 bis 75 Mark erfordern' Das Briefporto aber betrug ehemals 10 Psg' jetzt 100 Mark. Das Verhält? nis zwischen Schreibmaterial und Postgebühr ist also ziemlich ähnlich geblieben. Tatsächlich be­nutzt man aber heute oft halbe und Viertelbogen, häufig ohne Umschlag; oft alte Votdruckpaviere; öfter gebrauchte, einseitig schon beschriebene Blätter; zu Karten zurecht geschnittene Karton- stücke; alte Postkarten, mit Papier überklebt; auch Umsickläge, die schon gebraucht waren »sw. Der Geschäftsverkehr wälzt feine Ausgaben für Korrespondenz auf die Kundschaft ab. Der Privawerkehr kann das nicht und wird am mei­sten durch das Hoche Porto behindert. Dor Effen- bochnverkehr geht weiter, weil die täglich reffen­den Marttleute die Taristrböhung ans die Wa­ren aufschlagen und die Gehalts- und Lohner­höhungen weite Kreise wieder zahlungsfähiger machen. Aber andere Millionen, besonders der gebildete Mittelstand, die freien Berufe, könne» nicht mitmarben. Di« Drangsal dieser wird stetig vermehrt. Und leider wird für die Verköhrs- finanzen a»ch nichts erreicht. Die Fehlbeträge wachsen immer weiter ins Phantastische.

Voincarss Schwindel.

Die Ruhrkohlenausbeute der Franzose».

Wie es mtt der von französischer Seite immer wieder behauptetenbefriedigenden" Kohlen- unb KoksauSsuhr aus dem Ruhrgebiet steht, beweisen die nunmehr von de« zuständigen deutschen Stellen im Ruhrgebiet auf Grund sorgfältiger Beobachtung ge­machten Feststellungen. Im M ä r z gingen 121>