Sie fia fielet vleueslen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal uns ,war ad end«. Der AdonnementSpreiS detraqr monatlich 3200 Mark bet freier Zustellung in6 Haus in der SeschästSstelle abgeholt 3120 Mark monatlich. Auswärts durch die Post bergen 3200 $!art monatlich etnschl Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaltton. Schlachthofstrabe 28/30, Für unverlangt etngesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüngSmätztger Lieferung ausgeschlossen.
Insertion «preise,») Einheimische Austrage: Die einspaltige AnzeigenzeUe 250 Plark, Fami. ltennachrichten die Zeile 200 Mark, die einspaltige Reklame,et le 800 Mark b) Auswärtige Aus. träge: Tie einspaltige Anzeigenzeile 210 Mark, die einspaltige Reklamezelle SM Mark, aller ein. schließlich DeuerungSzuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An - zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlachthofstrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 und 952
Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Nummer 113
Einzelnummer 150 Mk<
Freitag, 18. Mai 1923.
Einzelnummer 150 Mk.
13. Jahrgang.
Meliere deutsche Gebiete in Gefahr!
r», welche Hindenburg als uiwermeidlich ansieht.
Unter verschärftem Zwang.
Widerstand in de» Höchster Farbwerke«.
(Privat-TekegrammO
Höchst o. M„ 17. Mat.
DaS Kommando, das vorgestern die Besct. zung der Höchster Farbwerke vornahm, ließ sich im Laufe des gestrigen Tages den Betriebs, rat kommen. Der militärische Wortführer forderte den Betriebsrat auf, bei der Abbeförderung der beschlagnahmten Farben und Produkte behilflich zu fein, damit die Besetzung mit der Erledigung des Auftrages nach drei Tagen aufgehoben werden könne. Der Betriebs-
dehnt, veröffentlicht der „Daily Telegraph« einen neuen Artikel Lloyd Georges zur Rnhrfrage. In ihm sagt der frühere Ministerpräsident, die Schuld an der neuen Kriegsgefahr liege beim fetzigen englischen Ministerpräsidenten Donar L a w. der nicht in Paris die Besetzung des Ruhrgebietes verhindert habe, indem er sich auf einen Rückzug von der Mitwirkung beschränkt hab«, statt das Prestige EnAands in die Wagschale zu werfen. Tas deutsche Angebot sei allerdings nicht genügend genug, aber statt brüsker Abweisung hätte Bonar Law
bäude habe« die Kommunisten die Ban«, meile nicht beachtet. Sie haben vir Der- cinbarung mit dem Polizeipräsidium, das beim Eintritt in die Bannmeile des aus den deutschen Delegierten bestehenden Trauergefolaes ab.
Sngliftye Warnung an Frankreich.
London, 17. Mai. (Eigener Trahtbettcht.) Der Londoner Korrespondent der „Times« meldet: Die neuen stanzöfischen Besetzungen verstärken in Berlin die Schwierigkeiten, das gesamte deutsche Kabinett zu neuen Zugeständnissen an die Alliierten zu bringen. Bisherige Besprechungen hätten nur die Berhand- lungsbereitschast Deutschlands gebracht. Der Berliner Korrespondent der „Times" warnt, die drohende Besetzung von Mannheim, Heidelberg und Frankfurt zu- zulaffen, da sie alle Bemühungen Englands n«h verhandlungSfähigen Borschlägen Deutsch- landS zer störe« mfifte.
Die vermehrte Besetzun g.
Llohd Georg- gegen Frankreich.
(Eigener Trabtbericht.s
London, 17. Mai.
schwenken und sich sofort anflösen sollte, nicht ge- halten, sondern sind d e m Z u g e bis an dir Bot- schast gefolgt. Infolgedessen hat die Poli- zei die Linden für den Durchgangsverkehr zwischen der Wilhe mstrahe und Friedrichstraße für drn ganzen Tag gesperrt. Während bei der Uebersührung der Leiche vom Bahnhof nach der Botschaft lediglich die BerkehrSposten verstärkt wurden, waren für nachmittags umfangreiche polizeilich- Maßnahmen getrofstn, einmal, um die
Die deutsche Antwort
Entsendung nicht vor Pfingsten.
tBormarfti) in 2Saften.
Karlsruhe, 17. Mai. (Privattekegramm.) Bon Breisach aus hat ein französisches Kommando Ihringen besetzt, daS an der Bahn Brei. sach-Freiburg liegt. Ueber Karlsruhe, Rastatt, Baden-Baden und wUdbad find gestern fran. zSsischr Militfieflieger erschienen.
Worowskls Leiche In Berlin.
Ei« Zwischenfall durch die Kommunisten. (Brivat-Telegramml
Berlin. N. Mai.
Die Leiche des in Lausanne ermordeten r u s - ischen Gesandten Worowski ist gestern vormittag auf dem Anhalter Bahnhof eingetrof- sen. Tas diplomatisch- Korps war offiziell nicht zur Leichenfeier gebeten. Bei der Uebersührung der Leiche vom Bahnhof nach dem BotschaftStze-
3ör edkmaiiae OffWm verboten.
DMftld»rf-NMai. (Pttvaftelegramm.) Der „Maftn" meldet: General Drgoutte hat den frühere» deutschen Offizieren das Betreten des besetzten Gebietes verboten. — Dortmund wird am 1. Juni Sitz einer Hauptzollstelle für den GiUerverkchr vom unbesetzten nach dem besetzten Gebiet.
_ Ston Zweifel: In den Parteien gärt «s. Sie hüben den begreiflichen Wunsch, bei der kommen- ^n Gestaltung der Dinge nicht in der gleichen Weise nusgeschaltet zu werden, wie das bisher der Fall war. In der Tat hat sich das jetzige System nicht bewährt. Die mangelnde Verbindung zwischen Parlament und Regierung hat verhängnisvoll« Folgen gehabt. Die Parteien als die Vertreter des Volkes müssen nun eine stärker« Aktivität entwickeln, und e« kann heifte schon gesagt werben, daß die Reichs- regtentug bei ihren weiteren Schriften das Par- lauwnt in höherem Maße heranziehen wird als b,she^ Ab«r noch etwas anderes ist von außer- ordentlicher Wichtigkeit. Es mutz auch Ernst gemacht werden mit den Garantien und ihrer Ausgestaltung und Verbürgung. Mit dem Prinzip der Freiwilligkeit kommen wir nicht vorwärts. Der Egoismus ist noch allemal der Sieger ge- blieben. Und wo es um Sonderintereffen ae&t, da sckeuen bestimmte Grupven, wie das Ergebnis der Dollar-Schatzanleihe deutlich zeigt, auch nicht davor zuruck aus der Not von Land und Volk Kechrtal zu schlagen. Di« Regierung muß jetzt einschen, daß sie mit den bisherigen Methoden wcht durchkommt. Wir werden di« Frage der Garantien auf ganz anderer Basis in Angriff nehmen muffen, akS das bisher der Fall war Nrcht, mehr Freiwilligkeit, fondern gesetzliche Dorichristen und Maßnahmen werden uns in dielen Dingen weiter bringen können. DaS erfordern die politischen Notwendigkeiten nach in- neu wie nach außen. Ez ist auch sebr bezeichnend, daß ein Mann, wie S t r e s e m a n n der gegenwärtig sehr stark die Notwendigkeit größ- ter Opfe der deutschen Wirtschaftskreise zum i ..wecke der Erringung der deutschen Freiheit be- ; ♦ont, und der vor allem den Zugriff auf die Suh- ;
stanze« und Sachwerte betont, in einem Teil der ReichSpreffe als zweiter .Erzberger" bezeichnet wird und daß man in der schärfsten Form gegen ihn vorgeht. Die Entscheidung der Frage .Was jetzt?" bringt die Entscheidung über das Schick- sal des ganzen deutschen Volkes, die Entscheidung über die deutsche Freiheit. J. B.
Düsseldorf, 17. Mai. (Eigene Draht- mekdung.) Ueber die Besetzung der Chemischen Fabriken vorm. Weiler ter Mer wird noch gemeldet: Die belgische Besatzung erklärte der Direftion, sic sei gekommen, um die seit dem 11. Januar 1923 eingestellten Sachlieferungen mit Gewalt ab zu holen. Von der Direktion wurde erwidert, sic lehne jede Mitwirkung hierbei entsprechend den Weisungen der deutschen Regierung ab. Die Meister haben bereits den Beschluß gefaßt, die Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis dir Werke von der Besatzung wieder befreit sind. — Nachdem die Franzosen in der vorigen Woche die Seilbahn zwischen der Zeche Karolinenglück und dem Bochumer Verein lahmgelegt haben, ist jetzt auch die Eisenbahnverbindung zwischen der genannten Zech« und dem Bochumer Verein von ihnen unterbunden worden, so daß der Bochumer Benin keinen Koks mehr beziehen kann. Es droht dadurch die Stillegung des zweiundzwan- zigtausend Arbeiter beschäftigenden Werkes.
Werkvrfkvung fturch ftie Beiglc .
Oberhausen, 17. Mai. (Privattelegramm) Die Zeche „Prosper 1" und die Verwaltungsgebäude der Rheinischen Stahl- werke wurden von Belgiern besetzt. Zunächst suchte man den Direttor Feller, fand ihn aber nicht vor. Daraufhin nahm man eine zwei, stündige Durchsuchung seiner Vrivmwohnung vor und warf alle Möbelstücke und sonstigen Gegenstände- durcheinander. Hierauf mgab man sich zu den BÜroräumen, wo die Beamten wenig Entgegenkommen zeigten. Der Bürobeamte Koober wurde deshalb f e st g e - nommen. Dem Direktor wurde ein kurzes Ultimatum gestellt; falls er sich bis dahin nicht meld«, sollten „Saukttoneu« ergriffen werden.
•
Wieder hundert Familien aftftachl»«.
LndwigShnfe«, 17. Mai. (Privat-Tele- firantm.) Den Bewohnern eines Einwohnerblocks im nördlichen Stadtteil ging gestern nach, mittag von ben Franzosen die Weisung zu, ihre Wohnungen bis heute nachmittag 4 Uhr zu räumen. Ueber 100 Familien werden von dieser grausamen Maßnahme getroffen. — Die Lage in der «nikinfabrik ist unverändert Di« Lohnzahlung au die Arbeiter und Beamten foll heute erfolgen. Bej der gestrigen Absper- nrng der Fabrik durch SpahlS wurde mehrere Personen leicht verletzt, da die Araber rück- sichtslvS in di« Menge hineinrttten.
Di« Regierung ist noch mit der schwierigen Aufgabe beschäftigt, das neue Angebot an die Lllliierten auszuarbeiten. Um diese Vorbereitung nicht zu stören hat die Reichsregierung im Reichstage auf die Anfragen verschiedener Parteien noch keine Erklärung gegeben. Daß jetzt sehr gewichtige und bei den gegebenen Verhält- Nlffen außerordentlich tief einschneidende Entschlüsse auch nach innen gefaßt werden muffen, ist klar. Man wird deshalb annehmen können, daß es vorläufig zu keiner Kabinettskrise, zu keinem Ministerw-chs-l und zu keinem KanzlersturZ kommt. Die Parteien sind durchgängig der Meinung, daß das Kabinett Cuno, das das Ruhr-Unternehmen auf sich genommen hat, nicht gehindert werden darf in den Maßnahmen zu dessen Beendigung. Von feiten der Linken spielen hier auch noch andere Erwägungen mit, der- man geltend macht, die Regierung Cuno sei ja die vom Auslande und von weilen politi- schcn i:nd wirtschaftlittien Kreisen des Inlands gewünschte Sicaientng der „Diskontfähigen Männer . ,vcrner verweist man von jener Seite darauf, daß bestimmte politische Kreise dem Kanzler Cuno nachgcruhmt haben, er sei der erste Kanzler der Neuzeit, der endlich einmal nein gesagt nA. Der dentschnationale Abgeordnete Hergt hatte Cuno sogar den National-Heros genannt. Man verweist endlich darauf, daß namentlich in £ außerordentliche Hoffnungen auf
Annas Politik gesetzt worden seien. Unter diesen Umstanden m eine Bresche zu springen, lehnen die Sozialdemokraten ab, weil sie warn, daß man darauf sofort wieder mit dem Wort von dem Rückcnstoß bei der Hand sei. Das aber wolle man iich nicht zum zweitenmale sagen lassen.
Man muß also mit allerlei politischen Fak- toren rechnen. Es ist auch richtig, daß der Reichskanzler Cuno nur eine sehr lose Verbin- dung mit dem Parlament und mit den Parteien unterhalt. Aber die Fehler eines derartigen Systems zeigen sich doch jetzt allzu deutlich. Wir glauben nicht, daß sich die Reichsregierung einem Fiasko ausgesetzt haben würde, wenn sie neben
Mengc von Vertretern, von Gruppen und Grüppchen der verschiedensten Art auch die Stimmen des Parlaments in etwas gehört und bc- achtet haben würde. Die deutsche Note ist den Parteiführern nur zur Kenntnis gegeben wor- dcn. Irgend einen Einfluß bei der Gestaltung baden sie nicht. Dagegen hat man von anderer derartige Einflüsse in Kauf genommen. Es ist eine betrübliche Tatsache, daß keine Regierung fett dem Zusammenbruch eine fo schroffe, &emuti0cnbc und barsche Antwort gerade von England erfahren hat. Daß mehr als vier Jahre nach Kriegsende etwas derartiges möalich ist, noch dazu einer Regierung gegenüber die ganz unpmlamentarisch ist, und deren Männer um vieles angenehmere Aemter mit einem dornen- für das Wohl der Gesamtbeit vertauscht haben, das ist von einer unsagbaren Demütigung für das ganze deutsche Volk, denn die Regierung Cuno repräsentiert das deutsche Bo«, und die Behandlung, die ihm zuteil wird, Nl-fst das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, samtheit.
rat lehnte entschieden die Hilfe der Arbeiter ab, da er das Eindringen in die Stühe der Ar- writ als «ngesetzlich undi Vertrags - widrig betrachte. Der Zutritt zu den Werken
den dürfen. Dem Artikel soll ein weiterer folgen.
Weflere deutsche Gebiete 1p Gefahr.
$ori§, 17. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Dem „Echo de Paris" zufolge treten die neuen Besetzungs-Anordnungen für Nord- und Süddeutschland auf Grund der Einigung zwischen Frankreich und Belgien am 15. Suni in Kraft. Ueber die Ausdehnung der neuen BcsetzungSzone werde Stillschweigen bewahrt. Dem „Echo" zufolge soll Bonar Laws Heimreife nach London mit der Anzeige im Zusammenhang steh-n, die PojucarS dem Lord Gre- wen von Frankreichs Entschlüsse gemacht habe, weitere deutsche Gebiete „auf Grund d«S Versailler Vertrags" und zur Erzwingung der Reparationsleistungen zu besetzen.
• •
2?eite sccmz0fl?ctze Truppen.
Paris, 17. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) In das Ruhrgebiet werden dieser Tag« weite»« bedeutende Truppcnvcrstärkungen entsandt, so zum Beispiel heute das 25. Alpenjäger-Bataillon, morgen das 24., am 18. Mai das 22. Bataillon. Diese Truppen garnisonierten an der Riviera.
wurde daraufhin nicht nur den Arbeitern, sondern auch den Angestellten verwehrt. Lediglich die Direktoren der Werke dürfen den Betrieb betreten, jedoch nur unter Bewachung.
» • •
Die Störung der Znftustrie.
ftntliche Meinung in A m e r i k a sich seit dem Kriege wefentlich verändert hat. „Die Kriegs- Propaganda und die Kriegspsychose', sagte er, „hatten das amerikanische Volk noch zum großen Teil in ihren Fesseln." Noch einmal während der Unterhaltung kam das Gespräch auf die amerikanischen Truvven. von denen Hindenburg sagte, daß st« tüchtig und mutig im Felde waren und sich später als Besatzunqstruphen in Deutschland als „Gentlemen" ■ gezeigt hätten. .Sie hatten übrigens Glück," sagte er zu Hmipt- mattn McMahon, „in dem Koblenzer Brückenkopf stationiert zu sein und di« Eifelberge als Manövergelände zn haben, die die Quelle mancher fruchtbaren militärischen Lebren sind. Ich selbst kenne jeden Fuß jenes Geländes. Ich war vier Jahre lang dort in Garns- an.' Hindenburg drückte sich lobend auS über das amerikanische Nati oualbewnßt. sein „Euch Amerikanern." sagte er, „wird der Patriotismus schon von der Wiege aus zmn Selbstverständlichen. Und jeder Bürger fichtt, daß sein Land ebenso sehr ein Teil von ihm ist, als er ein Teil seines Sandes ist." In wehmii- Ha em Ton fügte der Feldmarichall hinzu: „Wenn Deutschland nur solch wunderbares Na- lionalgefübl schaffen und erhalten könnte!" —- Das Gespräch wandte sich dann der
Frage der Zukunstskriege
Wührcnd Frankreich immer mehr Truppe» _____ — .. _________ _____________________...
nach Deutschland schickt und die Befetzuna au6 Bannmeile zu sichern und dann, um jedem weite- ■ - — !ren Zwischenfall begegen zu können.
Zukunftsfragen.
Was Hindenburg einem Amerikaner sagte.
®«t teste Kommandant der amerikanischen DesatzuniStrnPpe« machte einen Beinch beim get»mc*f*aa v. Hindenburg, wobei sich dieser Uder mllititrlsihe ZuknnftSfragen iintzerte.
Di« Blätter deS International News Service veröffentlichen eine Pepesche ihres Berliner Korrespondenten ®. D. Weyer, die den Wortlaut einer Unterhaltung zwischen Generalfeld- marschall von Hindenburg und dem amerikanischen Hauptmann B. B. Mac M a h o n wiedergibt. Der Korrespondent erklärt in seiner Einleitung, oaß die Unterhaltung ursprünglich rein persönlich gedacht war, daß er aber wegen des groben Interesses, das die Ausführungen des General-Feldmarschalls für die amerikanische Oeffcntlichkeit haben, Hindenburg gebeten habe, feine Zustimmung zur Veröffentlichung zu geben. Der Genctal-Feldmarschall gewährte diese Bitte unter der Bedingung, daß an dem ihm unterbreiteten Text nichts geändert würde.. Dieser autorisierteText lautet wie folgt: „Captain McMahon, der das allerletzte Kommando der amerikanischen Besatzungsarmec nach Amerika zurückfühtt, ist vorige Woche von Bremen abgefahren und machte Hindenburg in dessen Wohnung in Hannover einen informellen und inoffiziellen Abfchiedsbefuch. Hindenburg sprach sich in fehl lobender Weise über
die amerikanischen Soldaten aus. In allen seinen Bemerkungen war nicht der geringste Ton von Bitterkeit, außer als Frank r e i <f> erwähnt wurde. Bei diesem Thema schien der mehr als sechs Fuß hohe Riese plötzlich von einem tadellos in Zivil gekleideten „countrtz genileman" in die lebende Verkörpe- rtmg eines Mars verwandelt. Seine Augen flammten hell auf, und dieser 76 Jahre alte Feldherr, der kaum wie 60 aussieht, schien noch mehr verjüngt, und er war jeder Zoll ein Sol
dat. „Wir werden Vergeltung haben, und wenn es 100 Jahre dauert, denn die Geschichte wiederholt sich," sagte Hindenburg. „Und was ich mehr als alles in der Welt wünsche, ist, daß ich selbst noch einmal die Waffen gegen Frankreich ergreifen dürfte. Ihr Amerikaner habt gut gekämpft, und als der Kamps vorüber war, seid Ihr in fachgemäßer Weife an die Aufgabe der Besatzung herangegangen und habt sie sachgemäß gelöst.--Ohne Gift und Galle, ohne
Rachegefühl, ohne Hatz. Das ist die Art des echten Soldaten — — mit jeder Faser seines Wesens wirft er sich, begeistert in die Schlacht, doch wenn das Kämpfen vorüber ist, vergißt er den Krieg — — und versetzt nicht noch dem darniederliegenden Feinde Fußtritte. Aber was sich heute bei uns unten im Ruhrgebiet und Rheinland begibt, ist genau das Gegenteil: dort unten säen die Franzosen
eine Saat des HasseS
der Generationen dauern muß." — Hindenburg gab der Meiirung Ausdruck, daß ein Krieg zwischen Japan und Amerika eine starke Wahrscheinlichkeit der Zukunft fei. Er kommentierte den ständigen Zufluß japanischer Sttiden- ten und Beobachter in Europa. „Die Japaner," fügte er hinzu, „verdienen Lob dafür, daß sie fortwährend versuchen, ihre Rasse auf immer höhere Stufen zu bringen." — Der Feldmar- chall war skeptisch mit Bezug auf irgendwelche „Rettung" Deutschlands von außen. Ebenso wie Ludendorff steht er auf dem Standpunkt, daß nur das deutsche Volksich felbst helfen kann, und zwar hauptfächlich durch abfolute Einigkeit. Hindenburg glaubt nicht, daß die ös-
Fraukrcich an den Berhandlungstifch bringen müssen. Die Vorgänge an der Ruhr feien deshalb durch den Vcrfailler Vertrag nur halb (?) Mrochtfcrtigt (sie sind.überhaupt nich^ gerechtfertigt. T. Red.), weil dfc Ruhrbcsetzuna nur durch alle Alliierten hätte durchgcführt wer-