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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 111.

Einzelnummer 150 Ml.

Mittwoch, 16. Mai 1923.

Einzelnummer 150 Mk.

13. Jahrgang.

Besprechungen der Vorschläge in Verliv.

Der Notenwechsel,

eia Katze- und Maus-Spiel.

WaS vor einigen Tagen schon angekündigi worden war, ist nun vollzogen worden. Eng­land und Italien haben am Sonntag ihre besonderen Noten an die Reichsregierung ge­sandt als Antwort auf das deutsche Reparcttions- angebot vom 2. Mai. Der Inhalt der beiden Schriftstücke war keine Ueberraschung. Man irmßte, daß sie. obwohl sie die voreilige franzö­sisch-belgische Ablehnung mißbilligten, sich in den Grundzügen doch dem französischen Stand­punkt a n s ch l o s s e n. Der deutschen Regierung wird darin eine scharfe Rüge erteilt, weil das Angebot nicht weitgehend genug gewesen sei. Die angebotene Summe von dreißig Milliarden Goltnnark sei viel zu gering, und der Vorbehalt, daß diese Summe nur gezahlt werden könne, wenn eine internationale Anleihe für Deutsch­land zustande käme, sei überhaupt nicht zu er­örtern. Auch wird die Art des Garantievor­schlages bemängelt, weil nicht gesagt sei, wer die Garantie übernehmen solle und was als Ga­rantie geboten werde. Die alliierten Regierun­gen verlang» ein zweites Angebot mit ge­naueren Vorschlägen, die den französischen Wün­schen mehr entsprechen müßten. Das Kernstück der Roten liegt also in ihrem zweiten Teile, der den Weg zu Verhandlungen, den übri­gens die deutsche Rote vorbereitet hatte, be­schreitet.

Die deutsche Regierung wird ein neues Angebot machen, da dies ja von vornherein ihre Absicht war. Es mutz jedenfalls alles ver- sucht werden, was zu einer Verständigung füh­ren könnte. Wenn sie nun vielleicht eine höhere sSumme nennt und Einzelheiten über die Ga­rantien gibt, so wird sie dazu besonders von den ^Linksparteien gedrängt, die auf jeden Fall das Angebot so weit gefördert sehen wollen, daß zu­nächst einmal die englischen Wünsche befrie­digt werden. Wären wir einmal so weit, dann wäre unsere Stellung insofern verbesiert, als wir richt mehr einer geschloffenen Alliiertenfront, sondern nur noch der französisch-belgischen gegen« überständen. Damit wäre auch ein Gegensatz zwischen dem engltsch-italienischen und dem fran- zöflschchelgischen Standpunkt geschaffen. Die Reichsregierung hat diese Fragen bereits er­wogen urtb in den gestrigen Konferenzen mit den Vertretern der Großfinanz und der Großindu­strie besprochen. Daß sich der Ausführung solcher Pläne neue Schwierigkeiten entgegenstel­len, ist begreiflich, wenn man bedenkt, daß die deutsche Leistungsfähigkeit immer ge­ringer wird, je länger der französische Druck auf uns lastet. Es ist berechnet worden, daß die Rtchrbesetzung allein in dem abgelanfe- nen Vierteljahr der deutschen Volkswirtschaft einen Verlust von vier Milliarden Goldmark zu- cefftgt hat! Und da die Besetzung andmiern und sogar verschärft werden sM, WÄHst der Verlust ins Unberechenbare. Können unter diesen Um­ständen die Finanz- und Induftriekreise unbe­rechenbare Garantie übernehmen? Es ist doch nur rocht und billig, wenn demgegenüber die Be­dingung gestellt wird, daß zuerst das R u h r - gebiet von den feindlichen Truppen ge­räumt und di« Verkehrssperre besei­tigt wird!

Damit aber, daß Deutschland Bedingun­gen stellt, erweitert sich die Kluft zwischen Deutsch­land und Frankreich. England und Italien ha­ben diese Fragen bezeichnenderweise mit Still­schweigen übergangen, woraus hervorgeht, daß ihnen weniger an einer gerechten Ermäßigung der deutschen Lasten als vielmehr an der Erfül­lung der französischen Ansprüche gelegen ist. So Kn man auch an die englischen oder italieni-

n Vermittlungsversuche glauben möchte, so ergibt sich doch wieder, daß letzten Endes all« Alliierten unter einer Decke stecken. Das wird auch durch die Aeutzerung Bonar Laws bestätigt:Mr werden Frankreich feine Hinder­nisse in den Weg legen?" Rehmen wir aber trotz- dem den günstigsten Fall an, nämlich, daß wir England zufriedenstellen könnten, dann bliebe immer noch die Ablehnung Frankreichs. Oder glaubt jemand, Frankreich ließe sich durch Verhandlungen bewegen, auf seine Gewalt­methoden zu verzichten oder seine Forderungen zu mildern? Tas wird ebenso wenig eintreten, wie PoincarS nicht plötzlich Pazifist werden wird. Wollen wir uns kein X für ein U vor­machen. dann können wir offen aussvrechen, wie die Dinge in Wirklichkeit liegen: Die deutsche Regierung mag zur »Wiedergutmachung" anbie­ten soviel sie will, Frankreich wird seine Forde­rungen immer so einrichten, daß sie unermeßlich weit über die deutsche LeistungsfähiMit hinaus­gehen, also niemals erfüllt werden können!

So stellt sich der weitere Notenwechsel mit sei­nen schwachen Kräften auf der einen Seite und den Zwangsmaßnahmen auf der andern als ein Katze- und Mausspiel dar. Kaum wagen wir, verlockt durch englische Schönrederei, auf ein bißchen Freiheit zu hoffen, schon befinden wir ,uns wieder in den französischen Krallen. Frank­

reich weiß genau, ebenso seine Alliierten, wie durch die verbrecherische Gewaltpolitik die deutsche Volkswirtschaft geschädigt und die Finanzkrast zerstört wird. Sie wiffen, daß dadurch die Markweiter entwert et und das deutsche Volk in größere Not getrieben wird. Es ist in­folge dieser Störungen ganz natürlich, daß die Bemühungen der Neichsregierung, die Mark zu feftigen, fehlgeschlagen sind. Eine Verbesserung des VokkZvermögcus ist nicht möglich, solange das Reich von den fremden Bedrückern ausge­plündert 'Wirb. Das einzige Mittel zur Be­freiung ist passiver Widerstand und Sabotage. Den französischen Bestien muß das Futter so lange versalzen werden, dis es ihnen sauer ausstößt. K. F. D.

Am die deutsche Antwort.

Dor dem zweiten Angebot.

(Sigene Drahtmeldung.)

Berlin, 15 Mai.

Die Besuche des englischen und deS ita­lienischen Botschafters im Auswärtigen Amt am Montag mittag werden in politischen Kreisen lebhaft erörtert. Fegend welche konkre­ten RLüschlüffe daraufhin, ob beide Mächte ne­ben der offiziellen Note noch verbindlichere mündliche Aufträge ausznführen hatten, sind je­doch zunächst nicht kontrollierbar. Der Vor­sitzende des Auswärtigen Ausschüs­se s, Dr. Stresemann, hat den Reichskanzler itm Mitteilungen im Ausschuß vor dem Abgang einer Antwortnote ersuchen lassen, auch die Ge­werk s ch a's t e n haben den Wunsch gestellt, vor einer Antwort an die Alliierten gehört zu werden.

Kabinett- und Vartrivefprechnng.

Berlin, 15. Mai. (Privattelegramm.) Die entscheidende Kabinettssitzung unter Bor sitz des Reichspräsidenten, die Dienstag mittag stattfinden sollte, ist auf Mittwoch nachmittag vertagt worden, nachdem die am Montan früh aufgenommcnen Besprechungen beim Kanzler noch keine Klärung gebracht haben, inwieweit die letzten deutschen Vorschläge eine Erweiterung erfahren sollen. Die offiziellen Besprechungen deS Kanzlers mit den Parteien begin­nen Dienstag vormittag, nachdem am Montag schon Konferenzen mit verschiedenen Parlamen­tariern stattgefnnden haben.

Die bayrische Tlrgierung bremst.

München, 15. Mai. (Privattelegramm.) Tie München-Augsburger Abendzeitung meldet: Die bayrische Regierung hat bei der Reichsregie, rung den Antrag gestellt, vor der neuen Ant­wort an die Alliietten eine abermalige B e - sprechung aller Ministerpräsidenten des Rei­ches in Berlin einzuberufen. Die bayrische Regie­rung sei der Auffassung, daß über die Zuge­ständnisse der letzten deutschen Rote keines­falls hinausgegangen werden dürfe.

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Die Linke tränet zu Zugeständnissen.

Rotterdam, 15. Mai. (Eigene Drrchtmel- tzung.) Der BrüsselerSeit" erfährt von sei­nem Berliner Korrespondenten, es könne jetzt schon versichert werden, daß die Links-Par­teien des ReillBtaaes die deutsche Regierung zu neuen Zugeständnissen und zu einer Präzisierung der Garantten veranlassen würden. Die neue deutsche Rote an die Alliierten stehe nach der Information des Berliner Korrespon­denten noch vor Ende der Woche bevor.

Aus dem besetzten Gebiet,

llebergriffe gegen Industrie und Eisenbahn.

(eigener Draßtbericht.)

Düsseldorf, 15. Mai.

AuS Mannheim wird gemeldet: Die Franzo­sen haben gestern morgen im Hafen von Reinau die Brikettfabrik von Stinnes, sowie die Braunkohlenbrikettfabrik besetzt und den Ar­beitern den Eintritt in die Fabriken ver. wehrt. Gleichzeitig haben sie dreißig elsäs­sische Arbeiter herbeigebracht, um die Bri­ketts auf ein im Hafen liegendes Schiff zu ver­laden. DerTemps" meldet, die franzSfische und die belgische Regierung hätten sich nach wochenlangen Berhantllungen geeinigt, diede «t- schen Eisenbahnen des besetzten Gebietes ab 1. Juni zu militarisieren und in den französisch-belgischen Fahrplänen aufzunehmen.

Die Revision im Krupp-Prozeß.

Düsseldorf, 15. Mai. (Privattelegramm.) Die Revisionsverhondlung im Krupp-Prozeß soll

am nächsten Freitag in Düsseldorf stattfinden. Mit welcher Leichtfertigkeit das franzö­sische Kriegsgericht in Werden seinen Spruch fällte, geht übrigens auch aus einem aufsehen- erregenden Artikel Jouvenels imOeuvre" her­vor. Der französische Jurist stellt in diesem Ar­tikel fest, daß weder das sranzösische Zivilrecht, noch das Militärstrafrocht Gefängnisstrafen on mehr als fünf Jahren kennt.

Der Eindruck der Noten.

Pessimistische Auffassung in Berlin.

(Eigener Trahtbericht.)

Berlin, 15. Mai.

Der Haupteindruck der Noten in Berliner Re- gierungfifreifen ist ungünstig, wenn man auch kaum darüber enttäuscht fein kann, wie dir Ro. ten ausgefallen sind, da die englische Presse schon vorher sowohl Inhalt wie Tonfall angekündigr hatte. Man vermißt insbesondere in der Rote das Eingehen auf den deutschen General­vorschlag mit der Schaffung eines internationa­len wirtschaftlichen Gremiums, das Eingehen auf die von Deutschland angebotenen politischen Sicherungen und das Eingehen auf die verlangte Kooperation. Am allermeisten aber bedauert man das absolute Stillfchweigen gegen­über der deutschen Rot an der Ruhr. Die beiden Note» werden also dem Gesamtinhalt der deutschen Vorschläge kaum gerecht. Dagegen be tont die englische Note offensichtlich das

gute Verhältnis der Alliierten.

Die Lnkündigung in der französischen Presse über eine Uebereinstimmnng zwischen London und Ä-aris hat -sich also bewahrheitet. Welche veut- schen Vorschläge England als widerspruchsvoll empfindet, ist durchaus unklar, zumal unser Zah- lungsangebst keine Frage des Willens, sondern eine Frage der Auffaffung über unsere tatsäch­liche Leistungsfähigkeit nach genauer Selbstprüfung darstellt. In dem deutschen An- leihevorschlag hat England schwache Punkte be­sonders stark hervorgehoben ohne zu berückstchtl. gen, daß Deutschland nach Ton und Inhalt sei­nes Vorschlags bereit war, mit genaueren Vor­schlägen über diese Frage hervorzutteten, wenn erst einmal die Diskussion in Gang gebracht war. Die negative Fassun« der beiden Roten erschwert natürlich jede Besseruna in stärkstem Maße.

Urteilslosigkeit in England.

London, 15. Mai. (Eigene Drahtmeldung.) Die Presse bespricht allgemein die brUiftfje Ant­wort an DentsMand. Besonders markant äußert dieDaily 9ReW ihre Ansicht: Deutsch­land muß Großbritannien danken für die neue Gelegenheit, die vernünftigen (?) Forderungen der vernünftigen ösfenttichen Meinung in Frank­reich zu befriedigen, einen Schritt, den es bisher beharrlich und dumm nicht getan hat. (!) Wenn es noch irgend Zweifel darüber hat, daß es mit seinen letzten Vorschlägen einen Fehler beging, so findet es in Curzons Note Aufklärung. Es sollte Curzons Führung folgen und fofort einen genauen und umfassenden Plan vorlegen, der die Welt überzeugt, daß es entschlossen ist, aus der Sackgasse einen Ausweg zu finden. Auch die Times" weist darauf hin, daß Curzon große Umsicht gezeigt habe in seinem Bestreben, eine Atmosphäre zu schaffen, in der das Reparations­problem gemeinsam ruhig von allen Alliierten mtt Deutschland besprochen werden kann. Nun sei es au Deutschland, diese Atmosphäre zu be­nutzen, zu einem wirklich praktischen Vorschlag.

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25efrle6i9ung in Paris.

Paris, 15. Mai. (Eigene Drochtmellmng.) Die Antwortnoten Italiens und Englands btt deu in der Morgeupreffe den Gegenstand aus. jährlicher Besprechungen, u. a. wird mit Ge. nu gtunng von der scharfen Tonart die­ser Noten Kenntnis genommen, aber mau be­merkt auch mißhellia, daß die Ruhrfrage dann mit Stillschweigen übergangen worden ist.Echo be Paris" erzählt, daß der Eindruck ht den Re­gierungskrisen gut sei. WaS die italienische Rote anbetreffe, so werde sie sehr gut aufgenommen und zwar aus zweierlei Gründen: 1. weil sie die Frage der internattonalen Schulden fiarstelle und 2. von Pfändern und Garantien spreche. Der französische und der italienifche Standpunkt, fo schreibt Kutin, der die Auffaffung des Qua, d'Lrsay wiedergibt, seien einander febr nahe. Philippe Millet imPetit Parisien" möchte kei­nen Zweifel darüber walten lassen, daß die Ver- handlungen, die sowohl von London wie von Rom gewünscht werden, die Zustimmung Frank­reichs und seines Verbündeten erst nach Er­füllung der beiden bekannten Bedingungen er­halten werden: 1. teilte Räumung des Ruhrge­bietes vor Bezahlung der Reparationen und s sofortige Einstellung des passiven Widerstandes im besetzten Gebiet. ImJournal" sagt St Briee, daß London und Rom besser daran getan hätten, sich nicht als Urheber der verfehlten

deutschen Vorschläge zu befennen.

FrankreicstsWirtschast.

Militarismus und Arbeitermangel.

Während Frankreird ständig feto Heer vee- ar»gert, fehlt e« Ihm an mrbeltern. Die Produktion geht ,«rüa und die '»teber« auf bau-Arbeit wird sehr vernachläfstg«. Die französischen Konsulate und Missionen in Polen und der Tschecho-Slowakci werben Ar­beiter, besonders Bergleute, zur Arbeit in Frank, reich. Es wird ein sehr Hoher Lohn und freie und gute Unterkunft versprochen. So Wirtz in Polnisch-Oberschlesien ein Bericht des Woh. nungsausschusses des Vevbandes französischer Gruben veröffentlicht, in dem den fremden, an$u werbenden Grubenarbeitern geradezu das Para­dies versprochen wird. Es ist erstaunlich, wie Frankreich auf einmal für die Landfremden sein soziales Herz entdeckt hat, von dem die ei­genen Arbeiterkategorien so wenig verspüren. Der Bedarf an Arbeitern und Bergleuten in Frankreich ist im Augenblick aber so groß, daß et kaum befriedigt werden kann. Aus Polen werden allwöchentlich größere Transporte Ar­beiter nach Frankreich geführt. Am 11. April ging ein solcher Arbeiter-Transport übet Danzig nach Frankreich, denen am 13., 20. mw 24. Äprft bereits weitere folgten. Der Bedarf Frankreichs ist aber noch lange nicht befriedigt, die Werbungen in Polen wie in der Tschechv- Slowakei werden von den Franzosen mit allen Mitteln und Versprechungen betrieben.

Mr führen die Tätigkeit der französischen Mis­sion in einer einzig.'n Stadt, in Myslowitz, des­halb besonders an. um an diesem Beispiel zu zei­gen. wie groß der Arbeitermangel in Frankreich sein muß Mr fügen dazu den Bericht aus einer Versammlung derFedsration des Jnduistriels et des Commereants Fran^ais", die vor kurzem in Paris zur Lösung dies.-r Frage des Arbeiter­mangels tagte. Nach diesem Bericht ttitt der Mangel an Arbeitskräften am stärksten in Er­scheinung in der Schuh, und Lederindustrie, der Teitilinbuftrie. der Landwirtschaft und ht den französischen Gruben. Wir greifen die T e?kÖl­industrie heraus. Sie ist im Bezirk LM- Roubair-Tourcoing, also im ehemaligen KriegS- gebiet, gegenwärtig zu 90 Prozent ihres Vor« kchoqWandes wieder betSte-b-sfächtg, sick Samt aber in den Spinnereien nur 50 RS 70 Prozent der Dorkttegsleiftung, in den Webereien mtr bis in 60 Prozent aufbringen, einfach, weil die er­forderlichen Arbeiter nicht vorhanden sind. In dieser Sitzung erklärte der Vorsitzende der Vereinigung französischer Landwirte, die Zulassung ausländischer Arbeiter fei unver­meidlich, um nur einigermaßen die gegenwär­tige Krisis zu überwinden.

Auch über die Gründe diese- in fast allen Wirtschaftszweigen besteh.mden Mangel» an Ar­beitskräften wurde diskutiert. Man gab den Kriegsverlusten an Menschen die Schuld, der rückläufigen Bewegung der Geburten und der Erweiterung der französischen Industrien. Ab.'r man hütete sich wohlweislich, an die Haupt- Ursache zu rühren, an den französischen Militarismus. Frankreich hält dauernd 800000 Mann der leistungsfähigsten Altersklassen unter den Fahnen, und daS bet einer Gesamt- bevölkenmg von nur ttwas über vierzig Millio­nen. Würde eS nur die HAste dieser 800000 Mann produktiver Arbeit zuführen, eS wäre fein Arbeitermangel in Frankreich. Die franzö­sische Industrie brauchte nicht in Polen, der Tschecho-Slowakei, in Iugeslavien und Italien monatlich tausende von fremben Arbeitern an» zuwerben. Sie brauchte ni<6t Millionen für den Bau von ganzen Häuserreihen für diese Ein­wanderer aufzubringen.

Und wozu braucht Frankreich dieses 800000 Mann-Heer? Es sabotiert den Ftteden und den Wiederaufbau Europas, eS legt im Ruhr- nnd Rheinqebiet die deutsche Wirtschaft lahm, führt eine Politik der Zerstörung. Und die Ko­st en dieser Zerstörungspolifik muß Deutsch­land tragen. Mehr als ein Vierstel der französischen Armee steht heute aus deutschem Boden. Mehr als fünf Milliarden Goldmark hat der Befatzungswahnsinn am Rhein schon geko­stet. Das Heer schmarotzt, saulenzt und für die Arbeit in Frankreich müssen fremde Arbeiter im- Portiert werden. Wie lange soll dieser Irrsinn noch währen? Auf der einen Seite 800 000 Mann unter den Waffen, auf der anderen Seite in al­len Industrien großer Arbeitermangel!

Meder neue Seldmünzen.

Auch Taufendmarkstücke aus Aluminium.

Einem Beschluß des Reichsrates entsprechend, .nerben jetzt auch Fünfhund ert-Mark« stücke aus Aluminium geprägt. Die erste Aus­lage beträgt hundertundachtzig Millionen Stück. Die Größe dieses Fünfhundett-Markstückes ist derjenigen des Versassungstalers gleich. Ferner bot der Reichsrat die Ausprägung der Zwei- Hundert-Mark stücke aus Aluminium ver­doppelt. Man erwägt auch bereits die Ausprä­gung eines Tausenmarstückes aus Alumi-