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Nr. 100. 13. Jahrgang.

Kafiller Neueste Nachricht«»

Dienstag, 1. Mai 1923.

Aus der Heimat.

WaldeSscver Landtag.

Aus Arolsen wird uns geschrieben: Am Donnerstag fand eine Sitzung des waldeckischen Landtages statt. Gemäß der ständig zunehmen­den Entwertung unseres Geld-'S mußte das B e» fürderungsgesetz für die Gemeinde- und Intrreflentenwaldungen entsprechend erneuert werden, weil die bislang erhobenen Berwai- tungskosten mit den tatsächlichen Ausgaben nicht mehr im Einklang stehen. Ferner wurden durch ein neues Gesetz die Gebühren der Medizinale« amten für Verrichtung gerichtsärztlicher Geschäf­te gebührend erhöht. Die beantragte Lösung des Vertrages zwischen der .Hessischen Heimat" und dem Freistaate Wa'd.'ck wurde zurückgestellt, weil die Angelegenheit noch nicht spruchreif war. Unter dem Sammelnamen .Verschiedenes" wurden ein- stattliche Reihe von allerlei Eingaben und Gesu­chen erledigt. Rackd.mi bekannt geworden, daß in dem von Waldeck losgelösten Kreise Pyrmont das Brennholz gan, bedeutend billiger an die Familien abgegeben wird, als bei uns in Waldeck, ist auch hier die Anschluß frag r an Preußen wieder akut geworden.

* Oberzwehren, 30. April. (Graspacht.) Bei der diesjährigen Verpachtung der Grasnutzung an den Gräben und Feldwegen der hiesigu, Ge. meinde sind insgesamt 1847000 Marx gegen ntnb 19 000 Mark im Vorjahre eingegangen Hält man die Eingänge denen aus de« GrasnüKin- gen anderer Gemeinden entgegen, so ist festzustel- len. daß die Pachtsätzr hier im allgemeinen als meorrg" bezeichnet werden können. «

* Orferode, Kreis Witzenhausen, 30. April. «Goldene Hochzeit.z Die Eheleute Job. Brill konnten das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Der alte Herr, ein Veteran von 1870/ '! 'n noch m der Lage, Feldarbeiten zu verrich- ten; auch die Frau versieht den Haushalt noch.

30 April. (KreiSsteuern.) Vom Kreisraq wurde emstimm-ig beschlossen, 3000 r°Wohnungsbauabgabe und zwar gemäß gesetzlicher Bestimmung 1500 Prozent für den Maat und ferner einen Zuschlag von 1500 Pro- jent für den Kreis vom 1. Januar 1923 ab zu er­haben. Zur Deckung des Fehlbetrages sollen an direkten KreiSsteuern erhoben werden: 160000 Prozent Grundsteuern, 3000 Prozent Gebäude- L'uern in Fritzlar, Gudensberg, Niedenstein und -.labern, 4000 Prozent Gebäudesteuern in den übrigen Gemeinden und Gntsbezirken, 10000 Prozent Gewerbesteuern Klaffe 1, 8000 Prozent Gewerbesteuern Klasse 2. 3000 Prozent Gewerbe. Auern Klasse 3, 1600 Prozent Gewerbesteuern Klasse 4. 10000 Prozent Betriebssteuern Getoer- ^A"^.Ee 1, 3000 Prozent Betriebssteuern L^^Auerklasse 2, 9000 Proq. Betriebssteuern Gswevbesteuerklasse 3, 1600 Prozent Betriebs­steuern Gewerbesteuer Klaffe 4, sowie fiir ge- w'rbesteuer'reie Betriebe.

* Trubenhausen, 30. April. (Der Ortsdiener t) Kürzlich verstarb unser treuer Ortsdiener Hild- _ wann. Seine hinterlassene Witwe steht mittellos da. infolgedessen veranstaltete der Bürgermeister eine Sammlung, die den Betrag von 216710 Mk. ergab, um der Witwe bei den hohen Beerdi- gunoskosten die erste Hilfe zu leisten.

* Mühlhausen L Th., 30. April. (Landsturm­bataillon Mühlhausen.) Die Bereinigung ehe­maliger Kameraden des Landsturmbatl. Mühl­hausen (11/5) beabsichtigt am 1. Pfingstfeiertag einen Bataillonstag, verbunden mit oer Ent­

hüllung eines Denkmals zu Ehren ihrer im Weltkrieg- gefallenen Kameraden äbzuhal- ten. Bi- jetzt ist im Deutschen Reiche kein ehe­maliges Landsturmbataillon zur Errichtung eines Denkmalcs zu Ehren seiner gefallenen Kameraden geschritten. Zuschriften sind zu rich­ten an Kamerad Louis Greim, Mühlhausen in Thüringen, .Post'eller".

Marburg, 30. April. (Schulspende.) Durch die in voriger Woche für die Beschaffung von -Schulbüchern und anbei en Lernmitteln erhoben« Haussammlung sind 501600 Mark zusammenge- bracht worden.

Handel'Verkehr.

Die Stimmung an der Börse.

Berliner Effeitrn-Freiverkchr am 28. April.

Die Kausneiaung hielt am Sonnabend im Freiverkehr weiter an. Besonders bestand Inter­esse für rheinisch-westfälische, aber auch für Kali- toertc. Unverbindlich wurden u. a. folgende KKurse genannt: Gelsenkirchen 140000, Laura 1'3 000, Deutsch-Luremburg 125000,Mannesmann 81000. Rombacher 47000. Krügershall (sehr fest) 40 000, Heldburg 85000, Phönix 95000, Elberfelder Farben 40 000, Badische Anilin 41000 AEG. 35 000, Darmstädter 24 000. Paket- fahrt 72 000, deutsche Erdöl 105000, Deutsche Pe­troleum 45000. Benz 37 000; Norddeutsche Wol­le HOOOO, Diamond 180 000.

Wie stehen die Devisen?

Berliner Kurse nm 88. April.

Das Devisengeschäft war am Sonnabend ru­hig mit einer leicht steigenden Tendenz der Kur­se. Es wurden notiert: Newpork 29 500, Son1 don 137 500, Paris 2025. Brüssel 1745, Holland 11600, Dänemark 5570, Schwaben 7930, Schweiz 5415, Oesterreich 4170. Prag 885, Budapest 5,35.

Kasseler Kurse.

Obligationen: Kasseler Landeskredit­kasse, 4,5proz., Nachfrage 100, Angebot 105; 4praz. Ser. 20, N. 105, A. 110; 4prvz. and. Ser. R. 105, A. 110; 3,5proz. Ser. 19, N. 100, A. 108; 3,5proz. Ser. 21, N. 100, A. 105; 3,25proz. Ser. 18, N 90, A. 96: 3,25proz. Serie 16, N. 90, A. 96; Kasseler Stadtanleihe, 4proz. 1902, N. 95, A. 100, 4proq. 1908, N. 90. A. 100, 4proz. 1919, R., A. 70, 3,5proz. 1887, R. 92, A., 3Hproz. 1893, N. 88, A., 3,5Proz. 1901. N., A. 95; öiproz. Baumann und Lederer, N. 85, A. 92; öiproz. Fröhlich und Wolfs, N. 85, A. 92; 5proz. Ge­werkschaft Frielnedorf, R. 90, A. 95; 5Proz. Große Kasseler Straßenbahn, N. 95, A. 100; 5Poz. Henschel und Sohn, N. 98, A. 105; 4proz. Herknlcsbrauerei, N. 98, A,; 5Vroz. Maschi­nenfabrik Kaiser und Co., N., A. 95; öproz. Mtteldeutsche Braunkohlenwert-AnleiHe (Mark pro Tonne). 91., A. 35000; 5proz. Salzmann und Co., R. 88, A. 95: Wildunger Mineral­quellen, 4proz., N. 85, A., 4,5proz., R. 90, A. 5proz., N. 85, A. 90. Aktien: Bau­mann und Lederer, 91.12 500, A. 13 500; Kasseler Jutespinnerei, R. 64 000, A.; Deutsche Basalt- Werke, N. 2400, A. 2600; Gebr., Ungewitter, N. 7000, A. 7500; Große Kasseler Straßenbahn, R. 4400, A. 4600; Großalmeroder Tonwerke, N. 39000, A 42000: Herkulesbrauerei, N. 12000, A, 13000; Hessenbank, 91. 825, A. 875; Hohen­lohe Nährmittel, N. 28000, A. 30000; Kasseler Federstahl, R. 57.000, A. 60 000: Maschinenfabrik Beck und Henkel, 91. 19000, A. 20000; Rheinisch-

Hessische Treibriemen, R. 7000, A. 7500; Stahl und Nölke, R. 45000, A. 50 000; Bereinigte Fatz- sabriken, N. 46 000, A. 48000; Wenderoth, «. 42000, A. 44000.

Wo« 6er vrovuktrnmarkt Bringt.

Berliner Notierungen vom 28. April.

Das Geschäft war aus allen Gebieten ruhig, di« Haltung unter leichten Schwankungen im AnscKuß an die Bewegung des Dollars nicht fester. Für Weizen und Hafer ist das In­teresse besonders schwach gewesen, für Rogge» zeigte sich vereinzelt Begehr, doch lauteten im allgemeinen die Forderungen zu hoch, um Ab­schlüsse zu ermöglichen. Mehl und Gerste still. Rauhfutter und Hilfsstoffe tour' den wieder sehr vorsichtig gekauft. Nach feinen Evbsen bestand noch einige Nachfrage. Oel- saaten fest, aber still.

(Nichtamtlich.) Weizen 61,562, Roggen 51,5 bis 52, Hafer 4647, Gerste 4748 für 50 Kilo. Weizenmehl 170180, Roggenmehl 145^-150 für 100 Kilo. Drahtgepr. Weizen-Roggenstrob 18 bis 20, dito Haferstroh 1517. bindfadengepr. Weizenroggenstroh 18,519,5, lose und gebund. Krnmmftroh 13,515,5, Häcksel 22,523,5, han- delsübl. Heu 1618, gutes Heu 1921, Raps 110115. Rapskuchen 4043, Kokoskuchen 54 bis 56, Trockenschnitzel 1718,5, Kartoffelflocken 26 bis 27, Wicken 6070, Ackerbohnen 4348, Vik- toriaerbsen 8588. kleine Erbsen 6068, Futter' erbfen 50-55 für 50 Kilo, Melasse-Torf 17, Wet­zenkleie 27, Biertreber 28, Treber 27. Haferscha­len 24. Haferkleie 25, Strohmehl 18, Palmkern- schrot-26, Sennhütte 26 für 50 Kilo einschließlich Verpackung. Alles ab Verladeort.

** Die in Aussicht gestellte Devisenordnung ist in einer Reffortsitzung des Reichswirtschafts­ministeriums nach ihrer suristischen und formalen Seite bin ausgearbeitei worden. An der ur- fprünglichen Fassung wurden daraus noch einige Aenderungen vorg.mommen. Im Laufe des Sonnabends ist die Verordnung dem ReichSka- b in eit zur endgültigen Beschlußfassung vorgc- legt worden . Die Aenderungen betreffen haupt­sächlich die Bestandsaufnahme, die auch auf die Banken ausgedehnt werden sollte. Bef den infolge des täglichen Wechselns der Bestände hervorgerufenen Schwierigkeiten mutzte sich daS Ministerium entschsietzen, von dieser Foderung abzu sehen.

** Berliner Butterprrise. Die Berliner Dut- ternotiernngskommission notierte im Verkehr Zwischen Erzeuger und Großhandel einen Preis Mr Butter erster Qualität von 7000, und zweiter Qualität von 6400 bis 6600 Mark.

** Berliner Schlachtviehmarkt vom 28. April. Der Auftrieb betrug: 2763 Rinder, 472 Ochsen, 825 Bullen. 1466 Kübe und Färstn. 2460 Kälber, 3155 Schafe. 4889 Schweine, 90 Ziegen, 20 Me­melschweine. Preise (in Tausenden von Mark): Ochsen 160-280, Bullen: 170-250, Kühe und Färsen: 110280, Kälber: 140-320, Schafe: 120260, Schweine 380380. Der Verlauf des Marktes war bei Rindern ziemlich glatt, bei Schafen und Schweinen glatt.

* Hamburger Warenmarkt vom 28. April. Schmalz: Die Haltung des Marktes war fest. Amerikanisches Steam Lard 284 Dollar. Ame­rikanisches raffiniertes Schmalz verschiedener Marken 29%30'4 Dollar Hamburger Schmalz in Drittelt-, Marke Kreuz. 30,5 Doll. Ausl.-Z u k- ker: Der Markt zeigte eine ruhig« Tendenz. Tschechische Kristalle Feinkorn Mai 37 sh 4% d, tschechische Cubis loko 38 sh 1% d, Danziger Kri' stalle Feinkorn Mai 37 fh. Kasse«: Di« Um'

sätzr hielten sich bei behaupteten Preisen in den engsten Grenzen. Die Angebote lagen unv.rän- bett Kakao: In greifbarer Ware kam es zu kleinem Geschäft, während Abladungsware unverändert blieb. Kakaopulver wurde b.zahlt für prompt mit 5000. Mitte Mai 5300, Ende Ma» 5600 Mark. R e i s : Bei ruhigem Geschäft war die Haltung des Marktes leicht abgeschwacht. Burma loko stellte sich auf 13 fh 9 d. Burma Bruch auf 11 sh 9 d. - Gewürze: Die Hal- tuna d.'S Marttes war ruhig bei unveränderten Preisen und geringer Bedarfsnachfrage.

** Der Ankauf von Gon» für das Reich durch di« Reichsbank und Post erfolgt bis auf weiteres unverändert zum Preise von 85000 JL Mr ein Zwanzigmarkstück, 42500 Mark für ein Zehnmarkstück; von Reichssilbermunzen zmn unveränderten ISOOfachm Betrage deS Nennwertes

Buntes Allerlei.

Sin Tuns von fünfzig Stunden.

Die amerikanische Tanzakrobatin Miß Alma Cummings haben die Erfolge ihrer europäischen Konkurrentinnen nicht ruhen lassen. In der Ab­sicht, den letzten Dauerrekord zu brechen, trat st« kürzlich um 7 Uhr abends zum Tanz an und tanzte, ohne sich eine Pause zu gönnen, fünf« zig Stunden hintereinander, womit hoffent­lich jetzt der Gipfel der Leistungsfähigkeit der Tan-beine erreicht ist. Am Ende der Kraftprobe erklärte die Dame, daß sie keineswegs müde fei, sondern nur groben Hunger habe. Sie hatte während dieser fünfzigstündigen Tanzerei außer sieben Tanzpartnern zwei Orchester, zwei Photo­graphen, mehrere hundert Grammophonnadeln und verschiedene Paar Tanzschuh« zur Strecke gebracht. Während sie walzte, Twostep und Tango tanzte, sie nicht? weiter als Obst und Nüsse; Während der letzten sechs Stunden war si« so in Hitze gekommen, daß ihr Eisbeutel (!) auf den Kopf gelegt werden mußten, damit sie frisch blieb, um den -Rekord" durchzuMhren.

Bufflfeve Kinder als Verbrecher.

Wie aus Heisingfors gemeldet wird, hat die Sowjetregierung ein Gesetz erlassen, das der er- schreckend utn sich greifenden Verbrechertätigkeit der Jugendlichen einen Riegel vorschieben soll. IM Jahre 1922 erschienen vor den Schranken ruMcher Gerichte nickt weniger als sechsunddrei, ßigtausend Jugendliche unter der Beschuldigung schwerer Verbrechen. Sechzig Prozent ftaicken unter der Anklage des MordeS mit nachfolgen­dem Raub, fünfzehn Prozent waren des Dieb­stahls und sechzehn Prozent des MordeS an- aeklagt. Von den Angeklagten waren 7200 Kin­der im Akter von acht bis zwölf Jahren. Fünf- mckdreißig Prozent der Verbrechen entfielen auf Knaben und Mädchen im Alter von zwölf bis fünfzehn und sünftrndvierzig Prozent auf solche tot Alter von fünfzehn bis achtzehn Jahren.

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