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Dienstag, 1. Mai 1S2Z.

13. Jahrgang. Nr. 100.

Kasseler Neueste Nachrichten

lität Frankreich unter allen Umständen sicher fein I ooooooooooooooooovoooooooooooog

Heute

richtigen Erwägung, daß das Einkommen aus

Verschärfte deutsche Dlvwepr.

Neues aus staffel

1

Skn neues Schiff..Deutschland".

l

Bo-

Dle Kämpfe Im Innern.

Verschärfung zwischen rechts und links.

München, 30. April.

In einer Versammlung der Nationalsozia­listen teilte der Vorsitzende Weber mit, daß der Ehrenvorsitzende der Partei, Drexler, am Frei­tag mit einer Eisen st ange aus seinem Ar­beitsbetrieb herausgctrieben worden sei und schwer verletzt zu Hause liege. Wenn die Behörden gegen den sozialistischen Terror nicht wirksam Vorgehen, müßten die Nationalsozia­listen zur Selbsthilfe greifen und es könnte dann sein, daß ihre Geduld nnr noch Stunden dauere. Der Parteiführer Hitler selbst erklärte, es müsse nun Schluß mit dem sozialistischen Ter­ror feilt. Von jetzt ab werde jede nationalfozia- listifche Verfammlung in München rücksichtslos mit der Waffe gefchützt werden. Wenn die Re­gierung dem fozialistifckirn Terror machtlos ge­genüberstehe, würden die Nationalsozialisten die Betriebsräte mit Leib und Leben haftbar machen.

nar Laws wird in der französifchen Presse mit einiger Unruhe besprochen, befonders. weil wäh­rend der Konferenz in Laufanne und vor allem während der bevorstehenden Enifcheidung in der! Ruhrstage der englische Staatsmann nicht be- stagt werden kann, dessen wohlwollender Neutra-1

das Geleit mit dem Ruse:Glückhafte Fahrt, Deutschland!" Unter dem brausenden Hurra- Rnsen der anwesenden Menge glitt das stolze Handelsschiff in sein nasses Element.

im Jahr, an dem sie sich ungehindert versam­meln zu Wunen. Damit es die Hexen nicht zu toll treiben, macht man d'ei Kreuze an die Haustür, zündet Feuer an, knallt mit den Peitschen und macht überhaupt möglichst viel Lärm, zumal alles das auch Fruchtsegen für die keimende Saat bewirkt. Regnet es während der Nacht, was den Bauern übrigens sehr erwünscht ist, so muß man den Kopf bedeckt tragen, weil Walpurgisregen das Haar rot färbt. Besser als irgendwann kann man in der Walpurgisnacht auch in die Zukunft sehen; besonders die Wolkcnaebilde sollen aller­hand geheimnisvolle Zukunftsdeutung geben.

übergeht. Die Produktion ist nun auf weniger als den dritten Teil herabgesunken.

Aus dem besetzten Gebiet.

Textilversorgung der Bergarbeiter.

Essen, 29. April.

Als die Bergarbeiter des Ruhrbezirks vor einigen Tagen in Berlin bei der Rcichsregiernng wegen Lohnerhöhung vorstellig wurden, haben sie erklärt, daß ihnen eine allgemeine Preisherabsetzunglieber sein würde als eine Erhöhung des Papiergcldlohnes, die doch sofort ein weiteres Anziehen der Preise ver­anlassen würde. Die Negierungsvertreter erwi­derten, daß neue Lohnerhöhungen auch eine Koh- lcnpreissteigerung auslösen müßten, die auf je­den Fall vermieden werden müsse. Es wurden dann Besprechungen mit der Industrie eingclei- tet über die Frage einer Versorgung der Berg­arbeiter mit Textilien. Diese Verhandlungen haben zu einem Erfolge geführt. Wie dieTex- ttlwoche" erfährt, hat die Reichsregierung im Einvernehmen mit den Vertretern der Industrie, des Handels, der Konsumvereine und der Berg­arbeiter eine Notstandsversoryung des Ruhrgebiets mit BeN? idung und Schuhen beschlossen. Industrie, Groß- und Einzelhandel haben sich grundsätzlich zur Mitarbeit an der Ak­tion, die mit Hilfe von Reichskrediten finanziert werden soll, bereit erklärt, lieber die näheren Einzelheiten schweben noch Verhandlungen.

zu können glaubt. Es zeigt sich, dass die politi­schen Persönlichkeiten in Paris zu Lord Curzon kein übermäßiges Vertrauen haben, weder in den Orient-Angelegenheiten, noch für die Liqui­dierung des Ruhrunternehmens.

ausbelasict werden könne. Infolge der Enr- wickfting der wirtschaftlichen Verhältnisse in

Stapellauf in Hamburg.

Hamburg, 30. April.

Wieder rin «Srwalturleil.

Bonn, 29. April. Der Oberbürgermei- st e r Dr. Falk von Bonn wurde vom französi- fdkn Kriegsgericht zu drei Jahren Gefäng­nis und fünf Millionen Mark Geldstrafe verurteilt, weil das städtische Presseamt den Zei­tungen einen Bericht über die Verhaftung eines Beigeordneten, sowie über die Beschlagnahme von städtischen Diensträumen gegeben hatte. (!)

FranzSflsHe Besorgnis.

Paris, 29. April. Die Erholungsreise

Bauprogramm des deutschen Staates.

20 000 Wohnungen für 430 Milliarden Mark.

Staatssekretär Scheidt vom Ministerium für Bolkswohlfahtt manchte in einem Vortrag in Hannover Mitteilungen über das Bauprogramm des deutschen Staates für 1923. Nach den Be­schlüssen des Rcichskabinetts werden aus Mit­teln des Reiches hundert Milliarden Mark zur Fertig st ellung begonnener Bauten zur Verfügung gestellt: diese Gelder sollen insbe­sondere den Gemeinden als Darlehen gegeben werden gegen einen Zinssatz, der den Reichsbank- diskont nm zwei Prozent überschreitet. Das Reichskabinett hat ferner beschlossen, zweihundert Milliarden für Neubauten auszuwerfen und achtzig Milliarden für den Ban von Beamten­wohnungen. Weiter sollen fünfzig Milliarden den Ländern als Vorschüsse auf die Erträgnisse der Wehnungsbauabgabe gegeben werden. Dies entspricht insgesamt einer Summe von 430 Mil­liarden Mark. Mit diesem Gelde wird man nach den Berechnungen des Reichskabinetts etwa 20 000 Wohnungen in Deutschland Herstellen kön­nen. Ein Riesenaufwand für so geringe Erfolge!

rend der Tauer der Nichterhebung Der Kapital­ertragssteuer erhöht sich nach Artikel 1 § 2 des Gesetzes bei den Erwerbsgesellschaften die nach § 11 Abf. 2 des Körperschastssteuergesetzes auf die verteilte» Gewinnanteile zu entrichtende Steuer um 10 v. H. Sie beträgt somit bet den nach dem 3. April 1923 fällig werdenden Divi­denden nsw. nicht mehr 15,5 sondern 25 v. H. Die Erhöhring auf 25 v. H. gilt jedoch nicht für Gesellschaften mit beschränkter Haftung der im § 3, Ziffer 5 des Kapttalertragsstenergesitz.es bezeichneten Art.

Deutschland ist die Bedeutung de» Kapitalein­kommens hinter dem sonstigen Einkommen im­mer mehr zurückgetreten. Das zeigt die Sta­tistik. Das zeigt auch das Aufkommen^ an Ka­pitalertragsstenern, das tm Gegensatz zu den sonstigen direkten Steuern der Geldentwertung nicht gefolgt Et. Zudem befindet sich das Kapi­talvermögen, insbesondere festverzinsliche Wert­papiere, zum großen Teil in Händen leistungs­schwacher Kreise, denen die Kavitalertragssteuer zum Teil ganz erstattet, zum Teil auf die Ein­kommensteuer angerechnet werden mußte. Die Grenzen, bis zu denen die Erstattung und die Anrechnung zulö.Wg waren, mußten naturgemäß immer weiter gezogen werden. Das

Aus VoNM und Wirtschaft.

At-ernmlige Hinausschiebung des Ehrhardt- Prozesses. Wie verlautet, gestaltet sich die Vor­untersuchung des Prozesses gegen den Kapitän Ehrhardt so umfangreich, daß mit einer aber­maligen Verschiebung des Prozesses um einige Wochen gerechnet werden muß. Ter Proze« gegen Ehr,bardt wird vor Mitte Juni kaum vor dem Staatsgericht zur Verhandlung kommen.

Stinnes kauft dieFranksurter Nachrichten". . Wie aus Frankfurt gemeldet wird, ist der Ver­lag der .Frankfurter Nachrichten" (I. G. Holtz- wärths Nachf.l von der Norddeutschen Verlags­gesellschaft Schmidt, Dumont u. Co. in Berlin käuflich erworben worden. Der Verlag befand sich bisher in den Händen von Kommerzienrar Häffner, Bankier von Bethmann und Fabrikant Stempel, die sich zu dem Verkauf erst entschlossen haben, nachdem die Norddeutsche Verlagsanstalt die Absicht bekundete, in Frankfurt ein eigenes Blatt herauszubringen. Die »Frankfurter Nach­richten" stehen auf dem Boden der Deutschen Volksvartei. Eine Aenderung in der Haltung des Blattes ist nicht beabsichtigt.

Der amerikanisch-rnsfische Konflrü. Einer Meldung aus Washington zufolge, hat das Staatsdepartement als Antwort auf die Drohung der Sowjetregierung, dem Konsnl der Vereinig­ten Staaten in Wladiwostok die Beglailbigung zu entziehen, beschlossen, seinem Vertreter in Wladiwostok die Anweisung zugehen zu lassen, das Konsulat zu schließen. Auf diese Weise brickt die amerikanische Regierung alle oft ftziellen Beziehungen mit Rußland einfach ab.

Skeuerfragen.

Die Suspendierung per Kapitalertragssteuer.

Vom Kasseler Finanzamt wird uns geschrie­ben: Aus dem Gesetz über die Berücksichtigung der Geldentwertung in den Steuergesetzen qt von besonderer Bedeutung für die Oeflontlich- keit die darin ausgesprochene Susoendicnftmg der Kapitalertragssteuer. Die Kapitalertrags- steuer ist im März 1920 zugleich mit der Reichs- einkommensteucr und der Körperschaftssteuer ein- gesührt worden. Sie beruhte auf der damals

Kabinettskrise in England.

" Der Ministerpräsident verreist.

London, 29. April.

Der britische Ministerpräsident Sana? Law wird in diesen Tagen eine kleine Seereise zur Erholung antreten. Es ist sicherlich niemals vor­gekommen, daß ein Premierminister England mitten in der parlamentarischen Saison ver­läßt. Dabei stehen die wichtigsten Ent­scheidungen bevor. Wenn der Regierungs­chef England in einem solchen Augenblick verläßt, so ist er sicherlich dazu gezwungen. Der plötz­liche Entschluß SBonar Laws überrascht immer mehr, als er noch vor wenigen Tagen für den 1. Mai eine große politische Rede angekündigt hatte. In politischen Kreisen vermutet man viel­fach, daß diese plötzliche Reise der Vorbote eines Rücktritts fein könnte und daß in die- fem Falle der Schatzkanzler B a l v w i n, der den Ministerpräsident während feinet Abwesen- hcit vertritt, fein Rachfolger würde.

mtsagung und heldenmütiger Geduld leidenden Volke, gelte der gleiche Wunsch unserer Herze» in dieser Stunde. Möge auch ihm bald wieder die freie Entfaltung feiner Kraft und eine Ar­beit in Frieden beschieden fein. Mt biefent heißen Wunsch gebe ich Dir, du jüngstes Kind der deutschen Handelsflotte, deincn Namen und

sehr verwickelt« Verfahren

erforderte einen Aufwand an Zeit und Arbeits­kräften, der nach übereinstimmenden Berichte» »er Landcsfiuanzämter mehr und mehr außer Verhältnis zu den Einnahmen aus der Kavital- ertragssteuer stand. Daher soll die Kapitaler- tragssteuer einstweilen nicht mehr erhoben wer­den. Das Gesetz ist aber nicht formell aufgeho­ben. Der Reichsminister der Finanzen ist viel­mehr ermächtigt, es mit Zustimmung des Reicks­rats wieder in Kraft zu setzen, sobald die wirt- schastlichen. Verhältnisse es gestatten. Die April- zinsen si.no noch kapitalertragssteuerpflichtig, insbesondere wird Mo der Avrilkupon noch ge­kürzt. Bei den Dividenden bleibt, wenn auch sie der Geldentwertung keineswegs haben folgen können, die zehnprozentige Voraüsbelastuna voll bestehen. Im Interesse der Vereinfachung des Steuerapparates werden diese 10 v. H. aber nicht mehr als selbständiae Kapitalertrags steuer erho­ben. Sie wird vielmehr mit der Körperfchasts- fteuer in der Weise vereinigt, daß von den auS- gefchütteten Gewinnanteilen fortab nicht mehl wie bisher 15 v. H., sondern

25 v. H. Körperschaftssteuer

erhoben werden. Nack Attikel 1 § 6 des Ge­setzes über die Berücksichtigung der Geldentwer­tung in den Steuergesetzen vom 20. März 1923 (Reichsgesetzblatt I S. 198) wird von den Er­trägen aus Kapitalvermögen, die nach dem 3. April 1923 fällig werden, die Kapitalertrags­steuer bis auf weiteres nicht erhoben. Wah-

Jn Anwesenheit des Reichspräsidenten-Ebert lief am Sonnabend nachmittag der neue Doppel- * schraubend rmpserDeutschland (22000 Brutto- Register-Tonnen) auf der Werst von Blohm und Voß glücklich vom Stapel. Der Reichspräsi­dent selbst nahm die Taufe vor und hielt eine Ansprache, in der es zum Schluß heißt: Dieses neue Schiss soll den Namen führen, der uns allen am höchsten steht. Es soll Deutsch­land heißen, und an seinem Bug Vas Wort über die Weltmeere tragen, das alle un­sere Liebe, unsere Sorge und unsere Hoffnung in sich schließt. Möge ihm stets eine glückliche und gute Fahrt beschieden sein. Uns allen aber,

Der Mai ist 6a!

Einzug des Wonnemonds.

Wenn der Wonnemond seinen Einzug s o HM wie der Ostermond Abschied nimmt, so tränen­reich. so naßkalt, dann gute Nacht ihr Träume der Liebe im Grünen und Blühen!

Walpurgis ist's. Es sptikt aus all den Ber­gen, die den asten Götter» geweiht waren. Noch sind sie nickt ganz vergessen. In Zerrbildern le­ben sie weiter Doch es wird, wie sehr mich Ne­bel und Kälte dräuen aus April und Walpurgis' nacht die Stunde, geboren, in der helle Stimmen jauchzend sinaentz Dcr Mai ist gekommen!

Der Mai ist da, der Wonnemond, wie ihn der große Karl cinst genannt hat. der Monat, in dem die Dichterlinge losgelassen sind auf die Mensch­beit und die Natur das Frühlingswerk vollendet. Rosenrote Brillengläser werden aufgesetzt, wenn wir des Einzugs dieses Monats harren und gern unterschlägt die Gedankenwelt die Tatsache, daß die drei gestrengen Herren, Arglistigkcit im Schil de führend, des Wonnemonds boshafte Schild- knavven sind!

Was Ostern begonnen, krönen Himmelfahrt und Pfingsten. Wie auck der Himmel sich gebär­det, das Verjüngen der Welt wird sichtbarer von Tag zu Tag und wenn der Mensch bewundernd vor dem Grünen der Bäume und den Blüten in Gärten, Feld und Wiesen steht, regt sich machtvoll das Hoffe» auf bessere künftige Zeit.

Wir hoffen trotzalledem und besingen den Mai und glauben an den Wonnemond und sonst an

ein Mordplan gegen Hitler r

München. 30. April. Das nationalsozia­listische Parteiorgan, derVölkische Beobachter", bringt die Meldung, daß es den Polizeiorganen gelungen sei, mehrere Personen zu verhaften, welche dringend verdächtig sind, drei Millionen Mark fiir die Ermordung Adolf Hitlers ange­boten zu haben. Weitere Nachforschungen zür Aufklärung der Sache, sollen im Gange fein.

Drrfomnttungsstörer.

Meuselwitz, 30. April. Die Kommunisten, die erst kürzlich die Bismarck-Gedenkfeier der Deutfchnationalcn verhinderten, haben eine Liga­versammlung gesprengt, so daß der Red­ner, Dr. Kramer aus Essen, statt intStadt­haus" imDeutschen Haus" sprechen mutzte.

stößen, die Kasernonsenster füllen Uniformträger aus, hinter den Schranken drängt sich halb Hof­geismar. der alte Veteran, der .Anno 70" dabei war. der Landmann, der den gedienten Kavalle- rssten nicht verleugnet, auch ohne feine sachkun­dige Kritik, die Welt der Damen und der Frauen und der Mädchen, und dann die ganz kleinen Mädchen ... hei, wie sind die zehn- und zwölf­jährigen Garnisonkinder im Bilde! So kann kein alter Reiter den Spielen folgen, und laut wie­derholen sie: Ein Fehler, fünf Fehler oder aber, wenn vom Wagen herab Vie Leitung verkündet: Null Fehler!" ... dann aber ein freudiges Händeklatschen!

Die bunten Fähnlein flattern an den Lan­zen, Vie dasFeld" abstecken, und die Musik spielt. Gerade, als wir von Kassel ankommen, fetzt die Reitrrkapelle mit demFinländischen Reitermarsch" ein, und Vie Offiziere führen hohe Schule, prachtvolle Paces itrtb sonstige Dressur­künste vor. Edle Pferde, schönes Material ... das Regiment, das sie stellt, darf stolz darauf sein! Und nun Jagdspringen der Unteroffiziere. Alle Achtung ... tadellose Retter, in Haltung famos, im Können ritterlich. Bier von rund dreißig Unteroffizieren ganz ohne Fehler, Vie meisten mit nur geringen ... Vie Offiziere erst­klassig in Form und Leistung. Nur beim Jaad- springen, als ob der große Sturm, der in unser altes Offizierkorps brach, sich hier kundgeben will, jagt gerade bei dieser Vorführung eine Windsbraut daher, der Sanv wirbelt in weiß­lichen Massen auf, die Pferde wiehern und bok- ken und bedürfen eiserner Hände als Zwinger ...so kommts. daß die Ergebnisse beim Sprin­gen der Offiziere nicht allzu gut sind. Desto grö­ßer der Jubel, als der erste Offizier, ein Stäb­ler. ohne Fehler absckverdet. Ein Sturz, ohne den es picht abgeht, schadet weder dem Reiter, roch dem aufgeregten Apfelschimmel. Die Sieger nehmen aus Damenband den Preis entgegen, die Lust gebt kalt und rauh, und läßt den grü­nen Rasen einsam werden Zu Ende ist das rit­terliche Spiel in der alten Reiterstadt. Es war ein Ehrenzeugnis für 'iie Reiterkunst, die auch tm neuen Heere toeiterlebtl

Vie Tra n s p o rtfrage. Tie Franzosen ha­ben zwei Eisenbahnsirecken militarisiert und in eigenen Betrieb genommen. Die nördliche Linie kgeht von Liinen-Süd über Recklinghausen-Ost, Westerholt, Buer-Nord, Bottropp, Osterfeld- Suo, Duisburg nach Düsseldorf, wo auch die zweite, die südliche Linie mündet, die von Vor­balle über Hattingen, Steele, Worden, Kettwig, Rotringen-Ost verläuft: für den Abtransport steht zur Hauptsache die Nordstrecke zur Verfü­gung, während die südlicke Linie hauptsächlich dem Antransport des Truppenbedarfs und zilm Heranschaffen leerer Wagen bient; an die Nord strecke ist die militarisierte Emschertalstahn- sttecke angeschlossen. Die Qnarta! sbi - lanz schließt also für das französische Konto keineswegs mit einem Plus ab: wir können der wetteren Entwicklung der Dingo mit Ruhe und voll Zuversicht entgeo-nsehni. Es ist ganz selbstverständlich, daß auch für unser Wirtschaftsleben sich die Schwierigkeiten von Tag zu Tag häufen. Ter Kampf erfordert nun einmal große und schwere Opfer: ein Volk, das nicht gewillt iss, im einmütigen Willen, alles dran zu setzen im Kampfe um sein Dasein, und Entbehrungen und Leiden auf sich zu neh­men, verdient wahrlich nickt mehr, unter den großen Nationen gezählt zu werden und hat sein Anrecht auf einen Platz an der Sonne ver­wirft. Wir haben nur zwischen zwei Möglich­keiten zu rechnen. »

Eisenindustrie kaum den eigenen Bedarf befrie- unserem in aller Rot und Bedrückung doppelt digon, geschweige auf dem Weltmarkt aiHtreten teurem Vaterlande, unserem in opferfreudiger kann. Eng mit der Kohlonfrage verknüpft ist Entsagung und heldenmütiger Geduld leidenden

Zorne«, Spott, Spiel

Seite 2 der Drttrrge.

Hofgeismar.

Ritterlich Spiel in der Stadt der Reiter.

Reitturnier in Hofgeismar! Da zog eS mich wieder einmal zu der freundlichen Stadt im blühenden Essetal, die von jeher eine ritterliche Stätte gewesen. Hier ist att-scckischer Boden, Bier ist Herrenland. Weit über ein Jahrhundert lang war dann zuletzt Hofgeismar die Garnifon eines Reiterregiments, zunächst eines hessifchen, und dann dreiundvierzig Jahre lang der Man­teuffel-Dragoner. Als das alte Heer zerbrach, blieb Hofgeismar dennoch Reiterst-Äll. Jetzt be­herbergt es, mit Kassel sich teilend, das junge Reiterregiment 16. Vor der mehr als achtzig­jährigen Dragoner-Kaserne, von der aus dte Stadt sich in ihrer ganzen Schönheit, mitsamt ihrem Bergeskranz, dem Westberg und dem Schöneberg, zeigt, ist man jetzt dabei, mitten auf dem grünen Raten den gefallenen Dragonern ein Denkmal zu fetzen, das eine wuchtige Sprache redet. Am kommenden Sonntag wird es feine Weihe erhalten ...!

Die Stadt der Gärten und der lauschigen Winkel blieb wirklich ein» Reiterstadt. Daß sich ritterlicher Geist in ihr erhalten, bezeugte gestern auch das Reitturnier rund nm das noch i-erhangene Ehrenmal. Die grüne Uniform und der Silberzweig an der Reiterumtze, im Mittel­punkt ein leibhaftiger General, beherrschen den grünen Plan mit Hürden und Gräben und Hotz.

Ich aber gehr unter schneeigen Kirschenblüte» und an der von dunklem Nadelgrün überragten Stadtmauer dahin bis zum Gesundbrunnen, in dessen schönem Park, der so reich an Idyllen, der viel sich windende Bach munter plätschernde Geschichten erzählt von der Weltbadezeit, die der wundersam-zartschweigende Park erlebt, als die Fürsten hierher kamen, als Bismarck mit den Göttinger Kommilitonen am Roulett das Glück versuchte ... Ein stilles Pärchen nnr durchwan­delt das junge Grün, am weißen Brunnentem- pel träumt einer der Bewohner des Sieckenhau- scs. Mich aber hat der Park wieder mackstooll ergriffen. Kassel will aus feinem beschaulichen Naturpark Wilhelmshöhe ein Welt bad machen. Hofgeismar war es einmal, und ist glücklich, daß ihm der Naturpark blieb. Spiel der Zeiten, Spiel des Geschicks! Rudolf Heynemann.

Musikalischer Abend.

Eine auserlesene Vorttagssolge aus den Werken unserer größten Meister der Tonkunst. Beethoven. Schumann, Schubert, Händel, Cho­pin, Mendelssohn und Grieg war es, durch das sttmmbegabte Mitglieder und Freunde deS Verbandes Weiblicker Ange st eilten die zahlreiche Zuhörerschaft erfreute. Die jun­gen Sängerinnen Vroni Buck und Erika Hart­wig gewannen alle Herzen durch ihre Wahl der Lieder, die sie mit warmem Empfinden vor tru­gen. unterstützt durch die verftändniSvolle Be­gleitung am Klavier. Hermann Setdenstucker eröffnete den Abend mit der Egmont-Ouvertüre. der er später noch GriegsPeer Gvnt Suite" folgen ließ, womit er regen Beifall erntete. Ganz besonders bervorzuheben sind die Seiftun. gen von Herrn. Schleiden mn Klavier. Er spickte mit Meisterschaft zwei Impromptus von Schu­bert, Fantasie Cis-Moll von Chopin und gab auf dringendes Verlanaen der Znbörer noch Webers Aufforderung zum Tanz zu. Die Ver­anstaltung darf als eine wohlgelungene seitens des Verstandes gebucht werden: sie wird noch lange bei der dankbaren Zuhörerschaft nah» klingen. -o.

der Franzosen und Belgier ttt dte Kokslager hat der Ruhrbergbau alle Kokereien still- aelegt, mit Ausnahme derjenigen, deren Pro- duftiou unmittelbar an deutsche Verbraucher

Walpurgisnacht.

Voll Spuk und Zauber.

Tief im deutschen Volksglauben wurzelt die Vorstellung von der Zauberkraft der Walpurgis- nacht. Schon Vie dem 1. Mai vorangehenden 11*11 Rächte werden oft als Walpurgisnächte bezeichnet; den» bei den alten Germanen galt diese ganze Zeit als zauberkrästig und schich'al- lestimmend. Aber ganz und gar voller Spuk und Zauber ist erst die Nacht, die in de» 1. Mai hinüberführt. Der Christenglauben hat den Tag zwar der hl. Walpurga geweiht, einer Keltin, die im achten Jahrhundert von England nach Deutschland gezogen war, um das Christentum zu verkünden: aber mit dem Aberglauben, der fick an die Walpurgisnacht und den 1. Mai knüpft, hat die Heilige nur insofern zu tun, als man sie als Beschützerin gegen Hexerei und Zau­berspuk verehrt.

In uralten Zeiten schon und sogar im fer­ne» Indien galt der erste Maitag als Festtag; doch warum er urspriinchick gefeiert wurde, weiß niemand, ebensowenig, wie man weiß, weshalb die Walpurgisnacht so allgemein als Geister­und Spuknacht betrachtet wird. Annehmen kann man jedoch, daß der Tag anfangs als Früh­lingsfest greiert wurde, worauf dann die Ger­manen ihn zu einem Gedenktag an die Ver- mählung Wodans mit Freya und damit zu einem richtigen Liebesftfttag machten. Ueberrefte an diese Götterhockzeitsfeier haben sich denn auch bis heute erhalte» und zw ~.r besonders in den Maifest-Umzügen, bei denen Maigraf und Maibraut den gefeierten Mittelpunkt bilden. Auck im alten Rom gab cs um den 1. Mai herum toll gefeierte Liebesfeste, die der Göttin Hera zu Ehren begangen wurden, aber mit der Zeit den Ruf des Monats Mai als Hochzeits­monat so gründlich verdarben, daß es schließlich hieß, im Mai hielten nur die ... Esel Hceyzeit, und daß Maihochzeiten keine guten Eben gäben.

In der WalvnrgiSnacht treiben die Hexen ihr verwegenes Spiel, ist es doch der einzige Tag