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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 95.

Einzelnummer 130 Ml.

Mittwoch, 25. April 1923.

Einzelnummer 130 Mk.

13. Jahrgang.

Um das neue deutsche Angebot.

Gin neues Angebot.

Bor Berhandtvnge» f

Die Reichsregierung würdigt die letzte Rede des englischen Außenministers Lord Curzon mit großem Ernst. Man betrachtet diese Kundgebung als die Einleitung einer neuen Epoche in dem Ruhr- und Reparations-Streit. Man ist der Auffassung, daß sich in den Ausführungen Lord urzons zahlreiche Berührungspunkte Urit den Auffassungen finden, die die Reichs - regierung immer wieder vertreten hat. Dir Reichsregierung ist bereit, den positiven Weg, den die Rede des englischen Außenministers zeigt, je­derzeit zu betreten, sobald die erforderlichen Vor. anssetzungen erfüllt werden. Insbesondere be­rührt es wohltuend, daß die englische Regierung den gerade in englischen politischen Kreisen am .stärksten vertretenen Vorschlag: der Verweisung dieser Fragen an den Völkerbund, ablehnt. Es wäre für das deutsche Empfinden untragbar ge- ,Wesen, die Entscheidung über die jetzigen lebens­wichtigen Fragen der deutschen Ration deiselben Instanz zu übertragen, die die deutschen notwen­digen Interessen in der Saar- wie nt der ober­schlesischen Frage und auch bei anderen Gelegen- heilen absolut nicht gewahrt hat.

Im großen und ganzen geht also die Auffas­sung der Reichsregierung dahin, daß mit der Rede Lord Curzons eine neueLagc geschaffen ist! Auf der Basis der auch von dem enge h schon Außenminister feierlich sestgestellten und wie er sich ausdrückte: Freund und Feind Deutschlands überraschenden Einmütigkeit und Geschlossenheit des deutschen Volkes, ist die deutsche Reichsregierung jederzeit bereit, unter Beritchsichtigung der Lebensinieressen der deut- schsn Ration und der deutschen Wirtschaft ihrer­seits mit dazu beizutragcn, die schwere Prü­fungszeit, tue Deutschland und Europa durchzuspachen haben, abzukürzen. Die deutsche Regierung empfindet es vor allem ange­nehm, daß auch der englische Außenminister zu­gibt, daß im gegenwärtigen Augenblick Deutsch­land nicht zu gemutet werden kann, ein be­stimmtes Zahlenangebot zu machen. Wenn die englische Regierung verlangt, daß Deutschland sich der Entscheidung eines inter­nationalen Sachverständigen-Kollegiums in die­ser Frage unterwirft, so wird ja nichts anderes ausgesprochen, als was die deutsche Reichsregie­rung schon immer angeboten hatte.

Die Verhandlungen könnten auf dieser Grund­lage sofort in Fluß kommen. Und es ist sehr wichtig, durch den englischen Außenminister fest- gestellt zu hören, daß auch die französische und belgische Regierung bestimmte deutsche Vor­schläge mit dem gebotenen Ernst behandeln wollen. Die deutsche Regierung lehnt allerdings Verpflichtungen und Garantien, die untragbar und unerfüllbar sind, ab, und wird auch nie und nimmer einer Zerstückelung Deutschlands zustim- inen. Sie hält sich in dieser Beziehung an das Wort Lord Curzons, Huß die Sicherungen nicht burchgefühn werden dürfen auf Kosten einer Zer­stückelung Deutschlands, daß vielmehr die Ga­rantien ihrer Natur nach gegenseitig sein muffen. Die Ausführungen des englischen Außenministers im Oberhaus bedeuten ein ganz klares Vermittlungsangebot für den Fall eines vorangegangenen deutschen Anerbie­tens. Wir von unserem deutschen Standpunkt aus finden es sicherlich sehr verwunderlich, daß die Gegenseite trotz der wiederholten deutschen Erklärungen jetzt ein neues formelles Anerbieten wünscht. Aber auch hier muß man auf die psy­chologische Einftellimg des Auslandes Rücksicht nehmen, und dieses will nun einmal alles und jedes, was von Deutschland kommt, schwarz auf weiß besitzen. Der deutsche Botschafter Stahmer in L o n d osprach gestern im briti­sch^ Auswärtigen Amt vor. Man darf voraus- fefcen, daß sich dahinter die Vorbereitung ent­scheidender Schritte der deutschen Regierung birgt. Es ist auch anznnehmen, daß'der Besuch zur Klärung der Frage diente, ob die deutsche Regierung eine bestimmte Summe in ihrem Vor­schlag nennen soll.

Im großen und ganzen trifft die Forde­rung des englischen Außenntinisters bezüglich des deutschen Anerbietens mit den Grundzügen deffen zusauunen. was auch der deutsche Reichsaußenminister vor aller Welt erklärt hat: Deutschland soll offiziell in einem Schritt vor der Welt seine Zahlunflsbereitschast erklären, wobei ausdrücklich eine zahlenmäßige Festlegung selbst von dem englischen Außenminister als unter den jetzigen Umständen untunlich bezeichnet worden ist. Deutschland soll weiter offiziell seinem Wunsche Ausdruck geben, daß von einem eige- i en internationalen Autoritäten-Kollegium die lerlischt: Leistungsfähigkeit und die ihm aikfzubürdende Summe geprüft und festgesetzt wird. Und Deutschland soll schließlich die Bürg­schaften für die Abtragung der Zahlungen und die Erfüllung der Leistungen benennen. Insoweit kenn man mit dem englischen Vorschlag durch­aus einig gehen. Was Deutschland aber nicht annehmen könnte und was es auch jetzt unbe­

dingt aussprechen muß, daS wäre eine irgendwie geartete Beeinträchtigung seiner Hoheitsrechte Hier kann und darf es kein Kompromiß geben. Der englische Außenminister hat diese Frage gar nicht angeschnitten, aber gerade darum ist es er­forderlich, daß wir unsererseits die nötigen Vor­behalte mit aller Entschiedenheit sofort deutlich erhoben. J. B.

Die deutschen Lasten.

DaS neue Angebot der NeichSregiernng. (Eigene Deahtmeldung.)

Berlin, 24. April.

Wie verlautet, ist die Regierung zu einem positiven Borgehen gewillt. Dafür kommen rein äußerlich vorläufig drei Wege in Frage: L Eine Erwiderung des Reichskanzlers Dr. Cuno und deS Außenministers Dr. Rosenberg vor dem Plenum des Reichstags. 2. Eine amtliche Set« lautbarung. 3. Eine Kollektivnote an alle Signatarmächte des Bersailler Vertrags, in der ein fest umriffener Vorschlag enthalten wäre. In der Rote würde daS aufrichtigste Fntereffe der derrtschen Regierung bekundet wer­den. über die Neparationsfrage zu verhandeln. Außerdem würde man auf die Schlußworte Po- inearss in seiner letzten Rede eingehen, in der er über die Sicherungen der Reparationen sprach. Die deutsche Regierung würde sich noch einmal ausdrücklich bereit erklären, Repara­tionen zu leisten und Sicherheiten zu geben, wie das bereits des öfteren geschehen ist. In politischen Kreisen neigt man der Ansicht zu, daß die Regierung sich entscheiden werde, den dritten Weg zu beschreiten, da er mehr Erfolg versprechen dürfte, alk die beiden anderen.

. Ein Dvlfchiag England».

London, 24. April. (Eigene Drahtmeldung.) In einem Vermittlungsplan des britischen Ministerpräsidenten Bonar Law heißt es, man solle Deutschland die Zahlungen a» die Alliier­ten wie folgt ermöglichen: 1. Herabsetzung der Reparationssumme auf 2500 Millionen Pfund; 2. Einsetzung einer internationa­len- Körperschaft zur Reorganisation der bcutfd)cn Finanzen; 3. ein von (Garantien be­gleitetes Moratorium von vier Jahren; 4. Beteiligung Großbritanniens an einer allgemei- neu Aktion zur zwangsweisen Beschlag­nahme deutscher Einkünfte und Güter und Ausbreitung des besetzten Gebietes, falls die Ga­rantien sich als wirknng-ZloS erweisen sollten. (!) AIS Gegenleistung für die allgemeine Annahme eines solchen Planes hätte Großbritannien den Erlaß fast der gesamten ihm geschnldeteit Kriegskredite FirankreichS u. Belgiens augeboten.

Französische Heuchelei.

Paris, 24. April. (Eigene Drahtmeldung.) Briand hat in Nantes seine feit langem ange­kündigte Rede gehalten. Bon den Repara­tionen sagte der ehemalige Ministerpräsident, die Wunde müsse verbunden werden, denn es wäre ungerecht, wenn die Folgen des Krieges nutzlos wären. Wenn man einen solchen Krieg ertragen mußte und so viele Sympathien ,tm sich herum zu erwecken wußte, sei die Goldfrage weniger wichtig. Aber es handle sich hier um eine Frage der Gerechtigkeit (?), die nicht will, daß der Anstifter (!) für die Folgen seines An­griffes nicht auflomme. In dem Augenblick, wo man in einer Ruhrgebiets Aktion begriffen sei, über der die französische Fahne flattere und wo man den Wunsch habe, nur richtig zu handeln (?), dürfe man nicht mehr an Diskussionen denken und zu dieser Kahne müßten alle Franzosen stehen, welcher Richtung sie auch angehörten.

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Ireichsiagsfrakttvn-fltzungen.

Berlin, 24. April. (Privattelegramm.) Die Reichstagsfraktionen der Deutschnationa- leu und der Demokraten hielten gestern vor der Plenarsitzung des Reichstags Sitzungen ab, die ZentrumSsrnktion nachher. Die Fraktionssitzungen der Tozialdemokrnten und derBolkspartei sollen heute statffinden.

Mtt Lüge und Gewalt.

Pvinearö hetzt weiter gegen Deutschland.

(Eigene Drahimeldung.)

Paris, 24. April.

In einer Ansprache an seine Wähler in Bar- le-Duc hat Poincars gestern nachmittag unter an­derem folgendes ausgeführt: Unsere Politik be-

steht darin, die Berträge aufrecht zu erhalten. Deutschland soll zur Innehaltung feiner Berpfllchtungen gezwungen werden und von ihm die Wiedergutmachung der Schäden ohne Einschränkung verlangt werden. Das ist die erste wesentliche Bedingung unseres finanziellen Aufbaus, sowie der wirtschaftlichen Wiederher­stellung Europas in gleicher Weise wie eine we­sentliche Boraussetzung zum Frieden der Welt. Nötig ist ferner, daß wir dauernde Garan­tien gegen jeden neuen Angriff verlangen. DaS ist die Aufgabe, die wir zu erfüllen haben und von der wir uns nicht abbringen lassen werden Ich werde, so erklärte Poinears. ohne jede Schwäche biS ans Ende gehen, solange ich der Zustimmung der Kammer und der Un­terstützung deS Landes gewiß bin.

Unter der Fremdherrschaft.

Immer wieder ZugunfSlle.

(Privat-Telegramm)

Köln, 24. April.

Am 20. April gegen 9 Uhr abends ist der D 'Zug Essen-Paris auf einen int Bahnhof Düren haltenden Kokszug, der kein Signal führte, aufgefahren. Es sollen mehrere Wagen zertrümmert und eine Anzahl Personen getötet worden sein. Der Bahn­hof wurde sogleich abgeblendet und die Unfall­stelle in größerem Umkreise abgesperrt. Am Tage darauf stieß ein aus der Richtung Düren kom­mender D-Zug bei der Einsahrt in den Bahn­hof Eu s k i r ch e n auf einen Lehrzng. Die Trümmer fallen erheblich sein. Angeblich sind vier Totezu verzeichnen.

SranzSstsches Gessadek.

Höchst a. M., 24. April. (Privattelegromm.) In Unterliederbach hat eine Frau Barlu und ihre Tochter ein Freudenhaus für schwarze und weiße Franzosen errichtet. Als ein Lehrer, der im gleichen Hause wohnt, der Tochter auf der Straße die Verachtung ansdrückte, wurde er auf Veranlassung eines französischen Offiziers ver­haftet und in das Arrestlokal gesteckt. Dort wurde er von den Franzosen in entsetzlicher Weise mißhandelt, schließlich aber wieder frei- gelassen. Um weiteren Nachstellungen zu ent­gehen, flüchtete der Lehrer ins unbesetzte Gebiet.

Verstärkung der belgischen Besatzung.

Brüssel, 24. April. ' (Eigene Drahtmeldung.) In wohlunterrichteten Kreisen verlautet, daß die belgischen Truppen im Ruhrgebiet verstärtt wer­den sollen, denn man rechnet mit der Notwen- digkeit, weitere Bergwerke zu besetzen. Zudem soll strenge Kontrolle auSgeübt werden.

Unbrauchbarer Koks.

Kupferdreh, 24. April. (Privattelegramm.) Die Belegschaft der Zeche Viktoria fuhr gestern wieder ein. Es wird aber nur Deputatkohle für die Familien der Bergleute ^fördert. Don den durch die Franzosen beschlagnahmten hun­dertfünfzigtausend Tonnen Haldekohlen sind n«r sünfzigtansend Tonnen brauchbar. Die Fran­zosen behaupten, der Koks sei durch chemische Mittel für Hochöfen unbrauchbar gemacht wor­den und sei nur für Hausbrand zu verwenden.

Französische Diebstähle.

Pie Räuberei im Ruhrgebiet.

(Eigener Druhttzericht.1

Paris, 24. April.

Der Kommmwmtt Filippi hat französischen Pressevertretern Al gaben über die Ruhrbefetzung gemacht. Die Blockade sei jetzt luftdicht und nichts könne das Ruhrgebiet verlassen, ohne von den Franzosen kontrolliert zu werden. Die seit Einrichtung des Z o k l k o r d o n s bis 10. April erhobenen Abgaben betragen 693 Millionen Mark (ungefähr 420 000 Franken). Am 21. April Waren es 807 Millionen Mark. Die beschlagnahm­ten Waren machen 600 Waggons aller Gegen­stände aus, zirka 50 Postpäketwagen und eine ganz neue Lokomotive, der man sich bei dem Zu­sammenstoß von Wesel bemächtigt habe. Der Ge­samtwert dieser beschlagnahmten Werte fei schwer einzuschätzen: man begehe aber keinen Irrtum, wenn man sie für auSreicheiw halte, um die Be­satzungskosten zu decken. Am letzten Freitag hät­ten die Besatzungsmächte einen Wagen mit 810 Millionen Mark beschlagnahu^t. Der Kommandant fügte hinzu, der schwache Punkt sei natürlich die englische Zone, well sie nicht kon­trolliert werden könne. Wir können einen Zug mit deutschen Waren nicht daran hindern, von Essen aus nach Köln zu fahren, doch werden die Schwierigkeiten bald fortfallen, denw die Eng­länder selbst bemerken jetzt die Rachteile die- er schwierigen Situation und ziehen bereits an­dere Sebereinkünste in Erwägung. (?)

Die Not der Städte.

Zur gestrige« Kasseler Etat-Bewilligung.

Sie an anbeter Stelle berichte« wird, bewillig- ten die Staffelet Stadtverordneten gestern den 29 Milliarden.Etat für 1923. Bei dieser Gele, genheit wurde die Skot der Stiidte beleuchtet. Der Leidensweg, den das Reich, die Länder und die Städte immer noch gehen müssen, ist. so legte Oberbürgermeister Scheidemann dar, gekennzeichnet durch den Dollarstand, der, im Frieden 4,20 Mark betragend, heute vor einem Jahre auf 300 und jetzt auf rund 25000 steht. Das ist nahezu das Sechstausendsache wie 1914. Diese Zahl beleuchtet kraß unser wirtschaft­liches Elend, und daß die Franzosen und Belgier jetzt schon im vierten Monat das Ruhr­gebiet besetzt halten, kennzeichnet unseren poli­tischen Zusammenbruch mit derselben Deutlichkeit. Berücksichtigt man bei der Betrach- S der riesigen Eiatszalsien die fortschreitende chlechterung der Mark, so ergibt sich, daß die Städte nicht, wie viele Leute annehmen, etwa mehr ausgeben als früher, daß vielmehr

an vielen wichtigen Ausgaben gespart werden muß. Die Armut der gesamten Volkes tritt am schlimmsten in der Gemeinde zutage, weil da der typische Einzelfall behandelt wird. Mit dem sogenanntenfreudigen Familien ereig- nis" fängt jetzt zumeist das Elend für die Eltern an, denn woher soll alle das beschafft werden, was der junge Kaffelauer gebraucht? Das Vctt, die Wäsche, die Seife, die Milch!? Aber noch größer ist das Unglück für jede Familie, wenn ein Mitglied stirbt. Wer zahlt den Sarg und alle die anderen Kosten? Wahrhaftig, von der Wiege lns zum Grabe geht Frau Sorge jetzt an unserer Seite. Wie dem Einzelnen, so der Gemeinde, so dem Reich. Wenn wir in Kassel trotz aller Schwierigkeiten manches Gute und Nützliche bu­ben leisten können, so deshalb, weil, wie Scheide­mann sesfftellte, sachlich gearbeitet wurde und daraus zog der Oberbürgermeister die allgemeine Folgerung: Alle, die so wie wir für die Stadt erfolgreich gearbeitet haben für Deutschland schaffen wollen, damit wir ans dem Elend und der tiefsten Erniedrigung wieder heranskommen- müssen vor allen Dingen

sachlich wirken, ohne Gehässigkeit. Unerläßliche Voraussetzung für nützliche Mit­arbeit am Wiederaufbau unseres Vaterlandes ist diese Erkenntnis: Mr sinh alle Glieder eines Volkes, das bittere Not leidet, das wir lieben, dem wir helfen wollen. Wir müßten uns aber schämen, diesem Volke cmzugehSren, wenn richtig wäre, was Hunderttausende unserer Volksgenos­sen anderen Hunderttausenden an Untugenden und niederträchtigen Absichten unterstellen. So- le.nge nicht das Gegenteil erwiesen ist, hat jeder, gleichviel in welchem Lager er steht, auch seinen Gegner zu achten und ihm nicht schlechte Mottve zu unterstellen. Deutschland wird sich erst dann wieder anfrichten können, wenn diele Ueberzcu- gnng Allgemeingut geworden ist. Das gab der Oberbürgermeister allen Ultraradikalen, gleichviel wo sic stehen mögen, zu verstehen und erflärte, daß nur auf dem Boden einer wahren Demo­kratie. wie wir sie in der Verfassung von Weimar haben, die jedem fein Recht gibt, das für Alle gleich sein muß. Deutschland wieder aufgebaut werden kann. Dann fichr er fort: In schweren

Sorgen um die nächsten Wochen und Monate bitte ich die Einwohnerschaft Kassels dringend, diese Worte zu beherzigen. Ich darf das von dieser Stelle aus sagen, weil ich hier vor einer Versammlung stehe, die den ganzen Ernst unserer Lage kennt, di« selbst sachlich zu arbeiten gewohnt ist und mit mir den Wunsch bat, daß unsere Vaterstadt vor schweren Schäden bewahrt bleiben möge! Was später Bürgermei­ster Brunner über die Not der Städte sao«e, kenn in Parallele gestellt werden mit der Er- flärunq des Obervräsidenten Dr. Schwander ge­legentlich der Eröffnung des Kommunallandtags, daß die Steuergesetzgebung des Reiches den Ge- meinden das finarrzielle Rückgrat gebrochen bat. Der Kasseler Ftnanchezernent sagte nämlich wörtlich: Solange die Gemeinden nicbt wieder finanziell selbständig gemacht und auf eigene Füße aestellt werden, wird kein Voranschlag ein allseitig befriediaenbes Ergebnis erzielen. Die Abhängiakcit vom Reich, die sich ausdrückt in sei­nen Zuschüssen sowohl zu den Ausgaben im all­gemeinen, als insbesondere zu den Besoldungen, trägt nichit dazu bei. die Stadtverwaltungen zu stärken und sie in die Lage zu versetzen,

aus eigener Kraft

die Mittel zu schaffen, um die Bedürsniss« der Bevölkerung voll zu befriedigen. Ueberall ist die Stadt gerade bei Schaffung und Unterhaltung' von Wohlfahrtseinrichtungen, die in der heutigen Notlage unseres Volkes nicht entbehrt werden können, auf die griffe von anderer Seite, beson­ders des Staates unb des Reiches angewiesen. Bei Maßnahmen zur Minderung der Er­werbslosigkeit muß sie notgedrungen auf die Privathilfe zurückgreifen und Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowie ihre