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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Jniertionspreisi:») Einheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Mark, Fann-

Tie Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal uns zwar ad end«. Der

Nummer 93

Sonntag, 22. April 1923

Einzelnummer 130 Mk.

Einzelnummer 130 Mk.

Notverordnung zur Markwährung

deutsche Einheitsfront geben?

K. F. D.

Abonnement«pr«is beträgt monatlich 3200 Mark bet kreier Zustellung ins Haut in der SeschäftSstelle abgeholt 3155 Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 32)0 Mark monatlich «tnschl. Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion : Schlachthofstrabe 28/30, Sur unverlangt eingrsandte Beiträge kann die Redaktion ein« Verantwortung oder Gewähr in keinem »alle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Sieserung ausgeschlossen.

Ernährungslage der Volksgcfamtheit damit im mindesten eine Besserung erfaß)rett würde. Jeder, der den wirtschaftlichen Mechci- nisnrus eines Gutes kennt es sei groß oder klein, weiß, baß ein jedes Gut eine wirtschaft­liche Einheit ist, zu der es in der Regel die Arbeit von Generationen gemacht hat. Gebäudeeinricb» tung, lebendes und totes Inventar sind auf diese wirtschaftliche Einheit zugeschnitten und es ver­rät wenig wirtschaftliche Einsicht, wenn man glaubt, obne Gefahr für den Fortbestand des Restgutes diese Einheit zerbrechen Zu können. Ter Ruin vieler Einzelwirtschaften müßte die Folge eines derart vlumpen gesetzgeberischen Eingriffes sein. Deshalb hat das bestehende, noch unter den Nachweben der Revolutionszeit geschaffene Sied- lungsaesetz, das auch eine Abgabe von Sied­lungsland zugunsten der Anliegersiedlung kennt, sich wohl gehütet, hfar in derart radikaler Weife vorzugehen, fondern es hat eine Abgabe von Land nur insoweit für zulässig erklärt, als der wirtschaftliche Bestand des Gutes dadurch nicht gefährdet wird. Aber abgesehen von der Gefahr für die bestehenden Güter, wobei man nicht vergessen darf, daß der Antrag bereits bei einer Gutsaröße von etwa hundert bis hundertund- zwan'zia Morgen einsetzt wäre die Gefahr für die Volksernährung eine geradezu ungeheuere, wenn ein derartiger Entwurf jemals Gesetz wer­den wurde, vor allem würden die Großstädte und Industriereviere dies bald verspüren. Denn das abgetretene Gutsland würde, da beute niemand bauen kann, vorwiegend in die Hand des länd­lichen Kleinbetriebes kommen müssen, der,feine, Stelle zu vergrößern bestrebt ist. Dieses Stre­ben an sieb soll dem Kleinbetrieb gewiß nicht verdacht werden; die Frage ist aber nun ein- mal die. ob die Allgemeinheit von einer

Beschlagnahme der Gutseinheiten

Neünachrichten, die Zeil« 160 Mark die einspaltige Retlamezetle 703 Mark b> Auswärtige Aus - träge: Die einspaltige Lnzeigenzeile 203 Mark, die einspaltige Neklamezetle 700 Mark, alles ein. s hiiebltch Teuerungszuschlag und Anzetgensteuer. stür Anzeigen mU besonders schwierigem äah hundert Prozent Ausschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher ausgezebenen An - zeigen, toroie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Schlachthosstratze 28/30. Geschäftsstelle: kölnisch- Straße 5, Telephon Nr. 951 und 952

(Eigener Drahtbericht.)

London, 21. April.

Lord Curzon hat gestern im Unterhaus seine längst erwartete Rede über die politische Lage gelsalten. Im Mittelpunkt dieser Rede stand di,e R u h r s r a g e, mit der sich Curzon sehr ein­gehend beschäftigte. Znm Schluß führte er aus: Deutfchland gegenüber könne er sich nicht des Gefühls erwehren, daß es einen bedeutsamen Schritt in der Situation darstellen würde, wenn es ein Angebot mit der Versicherung feines Zahlungswillens mache, feine Zustimmung zum Festsetzen seiner Verpflichtungen durch eine an­erkannte Autorität abgebe und bestimmte G a - rantien für weitere Zahlungsanweisungen an­biete. Frankreich habe mehr als einmal seine Bereitschaft zu erkennen gegeben, ein derartiges Angebot anzunehmen. (?) Wir müssen früher oder später dazu kommen, das ist der Rat, den ich der deutschen Regierung gegeben habe. Eng­land beharrt noch auf seinem Zahlungsplan vom Januar, doch fei damit nicht gesagt, daß es die Diskussion nicht noch einmal aufnehmen wolle. Lord Curzon glaubt nicht, daß die Tür zu einer Einigung ganz verschlossen sei.

fett, daß der zu drei Jahren Gefängnis verur­teilte Essener Bürgermeister Schäfer, mit Rücksicht auf seinen lränflichen Zustand aus dem Gefängnis entlaffen wird und mit feiner Familie in einem Sanatorium oder Hotel des besetzten Gebietes Unterkunft finden kann. Der päpstliche Delegat der seit drei Tage» in Berlin weilt, konnte dem Gefangenen persön­lich diese Mitteilung bei einem Besuch überbrin­gen. Weitere Erleichterungen für politische

angene und für die Inhaftierten des Gefäng­nisses Zweibrücken, über das schwere Klagen ge­führt wird, sind auf demfelben Weg zugesagr worden. Die ZechenJulia" und von der $eib" in Herne sind gestern besetzt worden.

Dor dem Gtaatsgerichtshof.

Beleidigung von Mitglieder« der Stcgieru*#.

lDrivat-Telegramm.)

Leipzig, 21. April.

Vom Staatsgerichtshof zum Schutze der Re- . publik wurde gestern der Herausgeber und ver­antwortliche Schriftleiter der ZeitfchristDer Aufrechte", des FachorganS des aufgelösten Bun­des der Aufrechten, Ernst Pfeiffer, wegen Beleidigung von Mitgliedern der Reichsregie- rnng zu fünfzjgtaufend Mark Geldstrafe verurteilt. Die Beleidigung wird darin erblickt, daß die Regierung verdeckt alsdrmolratifch-fo- fozialtstifche Judenhcrrschaft und Hrrrfchaft von Parasiten" gekennzeichnet wird. Den beleidigten Regterungsvtitgliedern ist außerdem die Beröf- fetttlichunq des Urteils imAufrechten" zugc fpro-hcn worden.

Englands Ratschlag.

Deutschland soll ein neues Angebot machen

13. Jahrgang.

Unruhen in Ruhland.

Angeblicher Aufstand gegen die Sowjets.

(Eigene Drahtmeldung)

Danzig, 21. August.

Zahlreiche Flüchtlinge, die vorgestern und gestern hier eintrafen, berichten von Unruhe» in Moskau. Es soll zu Ausschreitungen gegen Juden nnv Angehörige frember Rationen ge­kommen fein. Auch in Charkow und Kiew sollen Unruhen ausgebrochen sein. Es heißt, daß es zu eincmAufstände gegen die bolschc- w-stifche Herrschaft kommt. Eine Bestätigung die­ser Mitteilung von autoritativer Seite liegt bis­her nicht vor. Auch die Berliner Bertreter der Sowjetregieruna haben keinerlei Meldungen.

VerwirmW.

Reparationen. Marksturz. Aufruhr.

Es gewinnt immer mehr den Anfchein, als solle Deutschland nie zur Ruhe kommen. Kaum haben wir ein bedeutsames Vierteljahr durch­lebt, das durch die Einmütigkeit im Abwehr­kamps gegen die äußeren Feinde eine Hofsitung auf Besserung aufkeimen ließ, da kommen schott wieder gefahrdrohende Schicksalsschläge. Zwar ist noch keine Ursache, die Zukunft besonders trübe zu sehen, denn zwischen den schwarzen Wolken blinken noch einige hellere Stellen. Nach den Erörtettrngen über die Reparations- Schwierigkeiten, die während der ganzen Woche im In- und Ausland im Vordergründe standen, hat man nun einen Ueberblick, der ge­wisse Anhaltspunkte gibt. Hervortretend ist vor allem die Möglichkeit, daß ein Weg zur Ver - ständigung zwischen Deutschland und Frank­reich offen steht. Zweifellos ist die Neigung zu Verhandlungen auf beiden Seiten vorhanden, da einmal für Deutschland der Albwehrkampf im Ruhrgebiet immer größere Opfer fordert, an­dererseits für Frankreich keine Aussicht auf einen wirtschaftlichen Erfolg besteht. Die Frage ist nur, wer will den ersten Schritt tun, ohne sich eine Blöße zu geben?

In England, Italien und Amerika werden Stimmen faut, allerdings nur von privater Seite, die ihre Regierungen zu einer Vermittlung drän­gen. Englische Wirtschastskreise und Arbeiter­gruppen, die kürzlich das Ruhrgebiet besucht ha­ben, und sich von den üblen Folgen des franzö- sisch-belgischen Besetzungswahnsinns überzeugen konnten, geben kund, daß mit der jetzigen Methode niemals Frieden geschaffen kann. Leider fühlt man aus den vor­sichtig abgefaßten Erklärungen doch heraus, daß sie den Franzosen kein böses Wort sagen wollen. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß, durch die Reden v. Rosenbergs und Stresemanns ver-

Wieöer Ruhe in Mülheim.

Franzosen waren die Drahtzieher.

(Privat-Telegramm.)

Essen, 21. April.

In Mülheim ist die Ruhe wieder hergestcllt. Die Straßenbahn fährt wieher. In a l l e n Be­tri e b e n wird gearbeitet. Das Treiben der kommunistischen Funktionäre der Firma Thyssen ür einen Generalstreik hat bei der Arbeiterschaft litte Gegenliebe gefunden. Der Generalstreik­gedanke wurde abgelehnt. An den Unruhen der letzten Tage haben sich eine Anzahl auswär­tiger Kommunisten beteiligt. Zu den Vor­gängen nimmt das kommunistischeRuhr- Echo" angesichts der allgemeinen Volksstimmung eine ablehnende Haltung ein. Das Blatt meint, daß zu den Drahtziehern französische Agenten gehören, sei wohl in Essen zutage ge­treten. Die Sympathiekundgebungen, die den versammelten Essener Arbeitslosen von der fran­zösischen Komnmndantur gebracht wurden, seien ein Beweis der planmäßigen feindlichen Aktion.

Dor rntsGeivenbrn Schritten r

Berlin, 21. April. (Eigene Drähttnekdung.j DerVorwärts" schreibt: Tie Rede des engli­schen Außenminisstrs hat nicht verfehlt, tn Deutschland und wahrscheinlich auch in anderen Ländern, besonders in Frankreich, einen starken Eindruck zu machen. Wir gfanben erwarten zu dürfen, daß in der nächsten Zeit von der deut­schen Regierung entscheidende Schritte unternommen werden. Man muß sich dessen be­wußt sein, daß wir uns n'cht auf fremde Hilfe verfassen dürfen, sondern a«r ans das Geschick der deutschen Unterhändler und auf die moralische Kraft des gesamten deutschen Volkes, wem, es nottun sollte, hn Widerstand gegen unerträgliche Zumutungen auch weiterhin zu verharren.

Giedelungsland.

Cine Gefährdung der Volksernährung tz ®ee ReithSbund für Sledelung hat betatintlidk ein Volksbegehren beantragt, dahingehend, da kl feder, der an Land, «lesen und Wa d mehr cld , «#>el Ackernahrnngcn besitzt, von dem überschie. tzet.de» Besitz ein Drittel an Mn Staat uneiit Seitlich ab,»treten hat. Die Länder haben die so vernommenen Flüchen an solche Familien in Erbpacht ,u vergebe«, die «och kein Land cder noch kein« voU» Ackernahrung vefitzen. »io Höhe der Erbpacht soll nur siins Prozent des Wertes der Srnndstücke Im Jahre 1914 betragen.

Der Antrag hat die nötigen fünftausend Un­terschriften erhalten. Damit ist erreicht, daß das Eintragungsverfahren für ein Volksbegehren stattzusinden hat. Die Listen hierfür werden vom 18 bis 30. April aufgelegt. Dazu Wird uns von der Landwirtfchaftskammer Kassel ge- chrieben: Außer dem Reichsbund ist mit dem vorgefchlagenen Gesetz Wohl kaum jemand zu­frieden, es sei denn ein Teil Siedlungslustiger, der glaubt, auf diesem Wege rascher zur Mög­lichkeit der Siedlung gelangen zu können. Das, Gesetz verstößt zunächst zweiselsohne gegen die. deutsche Reichsversassung, die ebenso tote die frühere Verfassung das Eigentum gewährleistet, und eine Enteignung zum Wohle der Allgemein­heit nur gegen angemessene Entschädigung zu­läßt. Eine Enteignung ohne Entschädigung kann daher in einem Rechtsstaate, wie wir es doch sem wollen, überhaupt nicht in Frage kommen. Das Wohl der Allgemeinheit kann aber nimmermehr auf dem vom Reichsbund für Siedlung vorge- chlagcncn Wege erreicht werden, der vielmehr die deutsche Polksernährung in einer nicht wie­der gut zu machenden Weise schädigen würde. Eine vernünftige Siedlung, besonders die Neu­siedlung auf bisher ertraglosem Land man denke vor allem an die Urbarmachung von Moor und Heide wird von allen Volksschichten be­grüßt" werden, weil es sich hierbei um eine Ver­mehrung der für die Volksernährung in Betracht kommeiÄten Gesamtfläche handelt. Bei der be- absichtiaten Zerschlagung aller Guter, sowie auch der größeren Bauernbetriebe, auf die der Vor­schlag herauskommt, wenn er ein Drittel der Gr- amtfläche nach Abzug von zwei Ackernahrungen 'üt die Siedlung in Anspruch nimmt, würde, bann keine Neusiedlung geschaffen, fondern gut bewirtschaftetes Land würde mts dem Zusam­menhang des gegenwärtigen Betriebes heraus- gerisien werden, ohne daß die geringste Gewahr gegeben wäre, daß es in Zukunft in der Hand der neuen Besitzer eine bessere Bewirtschaftung erfahren werde, ober mich, daß die

besser ohne Schießerei unterhalten. Das systema­tische Vorgehen der Ausrührer in Mülheim, Essen und anderen Orten zeigt, baß dort politischer Unfug getrieben wird. Es ist festgestellt, daß Kommunisten die Antreiber waren. So sehen die politischen Stinber* des Herrn Severing aus. Sie arbeiten den Franzos en in die Hände, denn die Zurückhaltung der feindlichen Besat­zung läßt ein Einverständnis der Franzosen mit den Ruhestörern erkennen. Die gewaltsame Ent­fernung der Schutzpolizei feit der Besetzung war die Vorbereitung dazu. Zu bedauern ist dabei auch, daß sich eine große Schar von Unzufriede­nen und Unreifen zu diesen unsauberen Machen­schaften mißbrauchen läßt. Die seinbliche Besat­zung wartet ja nur barauf, daß eine allgemeine Verwirrung hervorgerufen wirb, Damit sie Ge­legenheit zum Eingreifen erhält, um dann ihre Herrschaft über die Verwaltung der Ruhrstädie auSzubehnen. Daß bann noch größerer Unfrie­den in die Bevölkerung getragen wird, sollte jedem Menschen klar sein. Auch jene Leute, die durch ihren Aufruhr fchon diesen Unfrieden gebracht hoben, sollten bedenken, daß ihnen die Franzosen keinen Vorteil zukommen lassen. Dann heißt es: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getay, der Mohr kann gehen! Wird es jemals eine

und dementsprechender Vergrößerung der Rfet* betriebe auf ber ganzen Linie Vorteile bat. Diese Frage kann zweiseflos nur verneint werden Der Kleinbetrieb hat seine eigene Wirtschaftsform. Seine Stärke liegt vor allem in ber A^vZucht. Geflügelzucht dem Feldgemüsebau, Tabakbau und solchen Kulturen, bei welchen bie Sorgfalt des Besitzers im besonderen Maße sich lohnt. Die Stärke des Großbetriebes liegt im Anbau von Getreide und Hackfrüchten auf großen Flächen unter Anwendung arbcitSfoaretfber Maschinen und Aufwendung großer Kapitalien für künst­lichen Dünger. Austeilung -es Landes in Heine Betriebe bedeutet daher unweigerlich Rückgang

Milderung für Gefangene.

Einwirkung des päpstlichen Delegierten.

(6igene Drahtmeldung.)

Berlin, 21. April.

General Tegoutte hat, wie bieBofsifche Zei­tung" erfährt, durch bett Vatikan Mitteilen fas-

anlaßt, eine Verhanblunasgrunblage gebilbet wirb, zumal muh französische Mrtschastskreise zu einem Zusammenarbeiten mit der beut= schen Industrie geneigt sein sollen, Doch es ist auch ein Aber habet. Die französische Re­gierung und ihre Hintermänner verfolgen noch politische Ziele; bas ist bie Abtrennung ber Rbeinfande unb bie Uoberwachung des Ruhr­gebiets. Wenn Frankreich darauf bestehen bleibt, ist jedes Verhandeln von vornherein zwecklos. Es ist schon zu viel, baß wir bie Schmach des Versailler Dittats tragen müssen; ein Beugen unter ein neues Sklavenjoch kann unb darf es für Deutschland nicht geben. Nur wenn bie Ge­genpartei bie beutsche Souveränität (fotovtt man davon überhaupt noch sprechen kann) und unser Recht anerkennt, kann eine Annäherung erfolgen.

Während wir jetzt in unserer Außenpolitik bie Dinge mit einer gewissen Klarheit sehen, be­ginnt die Lage im Innern sich zu verschleiern und zu verdüstern. Der M a r k st u r z am Mitt­woch, der bie beutsche Währung mit einem Schlag um ein Drittel verschlechtert hatte, toar ein be­denkliches Zeichen unterer finanziellen Schwäche. Eine plötzliche stürmische Nachfrage nach Devisen, inszeniert durch einen Anstoß bet Spekulation, war irnffanbe, bie Reichsbank zu überraschen und ihre Mittel unwirksam zu macken. Wenn nachträglich Gegenmaßnahmen be­raten werden, so ist das wenig tröstlich, denn man muß annehmen, baß bie Reichsbank auf die Dauer die Markentwertung angesichts bcS hohen Standes der Pcwiergelbausgabe nicht aufhalten kann. Die Aussicht kann uns nicht gerade froh stimmen. Wenn auch bie Exportindu- ftrie glaubt, durch eine Markentwertung wieder unter Weltmarktpreis zu kommen unb dadurch neue Auslandsaufträge zu erhalten, fo hat diese Entwicklung doch auf den inlänbifchen Markt eine üble Wirkung. Die Preissteigerung fetzt fofort ein und bas große Rennen in die La­ben beginnt wieder. Das hat natürlich für den Geschäftsmann feine guten Seiten, aber 'ür bie Verbraucher bedeutet es die erniedrigende Jagd nach der täglichen Nahrung, eine Qual für bie Hausfrauen. Und eine weitere unerfreuliche Er- scheinung sind die zeit- und Irafttiergeubenbcn Lohnkämpse. In ben letzten brei Tagen hat sich ber Marikurs wieder gebessert. Es wäre im va­terländischen Interesse, besonders im Hinblick auf ben Abwehrkamvfan der R'u h r, zu wün- fcken, baß ber Reichsbank bie Stabilisierung noch bis zum siegreichen Ende dieses Kampfes ge­lingen möge.

Zu biefen Problemen tritt nun ganz über­flüssigerweise eine Ruhestörung hinzu, bie einem Aufruhr gleichkommt. Im Ruhrgebiet sind von einer Seite, die im Trüben fischen will, bie Arbeitslosen mobil gemmht worden, die unter dem Vorwand von erhöhten Unterstützungs-For­derungen bie öffentliche Ordnung stören unb bie Autorität (vorläufig der Gemeindebehördenj un­tergraben. Wenn erhöhte Untersiützunasgelder Verfangt werden, so ist bas vielleicht berechtigt, da im besetzten Rnhraebiet bie Teuerung sehr zu­genommen hat, von anberer Seite wirb bie Be­rechtigung bei itten-aber darüber kann man sich

Keine Kohle für Feinde.

Ein Beschluß der Bergarbeiter.

(Eigene Drahtmeldung.)

Gelsenkirchen, 21. April.

Die Belegschaft ber ZecheNordstern 34" in Horst- Emscher hat sich bereit erklärt, wieder zur Arbeit einzufahren. In der vorhergehenden Be- legschaftsverfammlung kam zwar der Wille zum Ausdruck, Kohle zu fördern, jedoch nur unter ber Voraussetzung, baß bie geförderte Menge nicht mehr den Franzosen und Belgiern zu­gute kommt. Die gewonstönen Kohlen werden daher nicht zutage gefördert, sondern an Ott und Stelle in der Grube verstaut. Unter denselben Bedingungen nimmt auch die BelegschaftVer­einigte Welheim" die Arbeit wieder auf. Die Befagschaft der ZecheGraf Moltke" ist ebenfalls wieder zur Arbeit erschienen, doch wird von ihr nur die erforderliche Kohlenmenge für die Kessel unb ben Deputatbedarf gefördert werden.

Maßnahmen zur Währung.

Notverordnung der Regierung.

(Privat-Telegramm.i

Berlin, 21. April.

In beit für die Devifenfrage zuständigen Res. örts ber Rejchsregierung haben gestern währenb >es gauzcn Tages eingehenbe Besprechun- fle n ber Referenten und eingehenbe Berhand- lungen mit Sachverstänbigen Wer bie Ausgestal­tung ber vorgestern amtlich angekündigten Not­verordnung stattgefunbrn. Bebenken, die gestern zum Teil auch in der Ausfprache des Reichstages zum Ausdruck kamen, wurden metir fach auch von den Sachverständigen vorgebrackst. Dix Retchsregierung beabsichtigt, die Notverord­nung fo zu gestalten bast eine Behjnberung des legitimen Handels nicht eintritt, daß aber auf brr anderen Seite jeden Augenblick zugegriffen werden kann, wenn irgendwie bie reine Spekulation wpieber zum Durch­bruch kommen faßte. Man rechnet bamit, baß bie Rotverorbnung bas Kabinett wahrscheinlich nicht mehr beschäftigen, unb daß sie noch im Laufe des heutigen Tages bereits erfcheinen wird.