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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 92.

Einzelnummer 130 Mk.

Sonnabend, 21. April 1923.

Einzelnummer 130 Mk.

13. Jahrgang.

Ausdehnung der Krawalle im Ruhrgebiet

Die Markentwertung.

Der Einbruch der Dollarfront.

Schon seit Wochen sind Kräfte am Werk, die die bisher ziemlich unveränderte Dollar-Front zu unt'chöhlen und einzurennen trachteten. Diese Elemente haben sich nun zu einem konzentrischen Ansturm vereinigt. Im Zusammenwirken mit den verschiedensten Kräften und Kreisen, die den Ausfall spekulaliver Gewinne aus dem Zusam­menbruch der Währung schmerzlich vermissen und im Zusammenspiel mit den sprechenden Elemen­ten an den ausländischen Börsen, hat man auf dem Wege über das englische Pfund den Dollar vernichtend schlagen wollen. Einen Begriff von den ungeheuren Mitteln, die zu diesem Zweck aufgewandt worden sind, ergibt die Tatsache, daß allein an der Berliner Börse vom Dienstag nicht weniger als 150 Milliarden Papiermark von Seiten der Spekulation verwandt worden sind zur Nachfrage von Devisen. Mehr als der Dol­lar ist seit längerem das englische P s u n p Svekulationsobjekt. Zum Teil hängt daS auch zusammen damit, datz augenblicklich der Bedarf auch an ausländischem Getreide, das über Eng­land bezogm wird, sehr grotz ist.

Die Reichsregierung hat unter Aufwand ganz ungeheurer Mittel das Kurs-Niveau der Devisen zu regeln versucht. Im grohen und ganzen ist das bisher gelungen. Die Anstrengungen wur­den aber schließlich derart, datz bei der Mittwoch' Börse die Reichsbank sich entschloß, zunächst aus ihren Devisen keine Abgaben mehr zu tätigen, nm den Bedarf zu befriedigen, sond-rn dazu .Wer-ugehen. die Abgaben im schärfsten Ausmatz zu beschränken. Das hatte naturgemäh wieder die Rückwirkung, datz diefenigen Kreise, die ihren reellen Bedarf decken mutzten, unruhig wurden und im freien Verkehr zu spekulativen Hochkursen Devisen einkausten So erklärte sich die Dollar-Steigerung, die inzwischen fteilich wieder durch eine Smkung abgelöst wurde.

Wie stvhen nun die Dinges Die bange Frage: Mrd die Reichsregicrung die Markstützung durch halten können, bewegt all« Gemüter. Wir können dazu fvlgendes sagen: Die Markstützungs- aktion ist eine Kriegsmatznahme, sie ist i.nn Teil der ganzen Abwehrpolitik. die wir ge­genwärtig zu führen haben. Die Regierung wird nach wie vor kein Mistel unversucht lassen, um auf den Kurs der deuffchen Mark regulierend einzuwirkcn. Wenn sie einen Teil d-r Dollare ,Fesseln jetzt freigegeben hat. so ist das nichts an­deres als eine neue Taktik. Ja, «'s fr««1 sich, ob man nicht schon früher zeitweise damit hätte einwirken sollen. Diese Taftik geht dar­auf hinaus, die Spekulation zu beunruhigen. EtwaS d.-rarstgeS kann die Spekulation viel we­niger ertragen, als eine stete Entwicklung, sei es in Baisse, sei es in Stagnation. Aber darüber darf kein Zweifel gelassen werden, datz die Re- gierung nicht zögern wird, mit den ibr zu Ge­bote stehenden Mitteln zu gegebener Zett kraft­voll einzuwirken und einen überraschenden S ch l a g zu führen. Die Reichsregiernng ist ent' schlossen, aus jeden Fall die Stützungsakston der Mark fortzusetzen und die neuerliche Verstär­kung des übrigens noch vollständig unangetaste­ten Gold-Depots im Auslande zeigt, datz die Re­gierung nicht gewillt ist, sich von der Spekulation überrennen zu lassen. Wenn jetzt die Zügel et­was freier gelassen werden, so hat das auch einen .volkswirtschaMchen Zweck, nämlich der Industrie Luft zu schaffen, die ihren reellen Bedarf eindek- k'n kann, während andererseits die Regierung bereit steht, der Spekulation sofort die nötige Bremse wieder anzulegen.

Allerdings rft es richtig, datz die Mittel der Reichsbank nicht so grotz sind, um dauernd ein derartiges Eingreifen durchzuführen. Gerade der jetzige Einbruch in die Dollar-Front hat ja gezeigt datz wir unS »inem Punft nähern, anwel- <6>m die Reichsbank vorsichtig diSvonieren mutz, um dem Ansturm zu begegnen. Aber darüber wird kein Zweifel gelassen, datz die Regierung, solange das Ruhr-Untehnenmem dauert, alleS und jedes daran setzen wird, um die Kursbew'- gung auf dem Devisenmarkt in etwa zu regulie­ren. Sit lange das möglich ist, steht allerdings dahin. Man nimmt an. daß es zwar für den Augenblick gelingen wrde. diese oben genannte Beunruhigungstakttk der Spekulation durchzu- ftihren, daß aber doch auf die Dauer, gerade wegen der inner-wirtschaftlichen Situation und wegen der ungeheuren Noten-Inftation sich die Fesselung des Dollars sich nickt halten lassen wer­de. Aber so lange das Ruhr-Unternehmen dau­ert, wird die Reichsregierung mit allen taktischen und technischen Misteln di- MarkstützungSaktion durchführen, wenngleich aus den obengenannten Gründen gewisse Drnck-Maßnabmen immer im Hintergrund stehen. Sofort mit der Hebung deS Devisen-NivemiS. das inzwischen freilich wied-r eine Senkung erfahren hat. und diese neuerliche Entwicklung zeigt die Berechtigung der oben dar' gelegten Auffassung, hat der Effektenmarkt einen n-uen Antrieb erfahren. In der Tat find

ja die Efektenpapiere außerordentlich niedrig be­wertet. selbst im Verhältnis zu einem Dollar- stand von 20 000. Neue Käufe sind getätigt wor' den, aber bei alledem b-obachtet man im Publi­kum doch eine gewisse Vorsicht, weil die polittsche Lage noch nicht klar erkennbar ist.

Unruhige Arbeitslose.

Fortsetzung der Krawalle tu Mülheim« (Eigene Drahtmeldung.)

Mülheim (Ruhr), 20. April.

Die Krawalle i» Mülheim fanden gestern ihre Fortsetzung. Der Stratzenbahnverkehr mit den umliegenden Orten ist unterbunden. Offenbar haben auch gestern wieder Kommunisten die Führerschaft bei den Vorgängen gehabt. So wird berichtet, datz bewaffnete Kommunisten in Mül­heim im Zentrum der Stadt aeschossen ha­ben. Passanten wurden auf der Stratze nach Waffen untersucht. Ferner sind mit Steinen beladene Wagen in verschiedenen Straßen der Stadt umgekippt und zu Barrikaden ver­wendet worden. Die umlaufenden Gerüchte, nach denen die Franzosen mit Waffengewalt ein« gegrifen haben sollen, entbehren bis jetzt jeder Bestätigung. Bemerkenswert für die allgemeine Lage ist die Tatsache, datz die Kommunisten die Absicht haben, in Mülheim einen Generalstreik herbeizuführen. Bis jetzt ist dieses nicht gelun­gen. Es wird auf allen Seiten gearbeitet. Der Zwiespalt zwischen den Arbeitswilligen und ge- wissen arbeitsscheuen Elementen nimmt von Tag zu Tag schärfere Formen an.

Sin Srtrftvutz.

Berlin, 20. April. (Eigene Drahttnel- bung.) Der Berliner Lokalanzeiger berichtet aus Mülheim noch folgende Einzelheiten über die großen Krawalle: Zur Abwehr des Auf­ruhrs bildete fi* aus Bürgern und F e erwehr ein Ortsschutz. Auf beiden Seiten wurde mit Schrot- und Jagdflinten geschos­sen. Um acht Uhr abends befand sich die Stadt in den Händen der AuftÜhrer. Die Franrasen verhielte« sich zu diesem Treiben der Aufrührer vollständig passiv. Sie haben auch das von allen deutschen Behörden an sie gerichtete Er- suchen, um Zulassung von Schutzpolizei aus einer benachbarten Stadt abschlägig beschieden. Die Aufrührer haben sämtliche Ausgänge der Stadt besetzt. Soviel bis jetzt bekannt, wurden bei der Schießerei 2 Personen schwer u. 15 leicht verletzt.

*

Kritische Loge.

Elberfeld, 20. April. (Privat - Tele­gramm.) Die durch die Demonstrationen der Erwerbslosen in Mülheim a. d. R. geschaffene Lage ist sehr kritisch. Am Rothaus fielen in der Nähe des Zimmers, in dem sich Oberbür­germeister Lemke befand, fünf Schüsse. Der RegierungSvräsident hat angeordnet, datz eine Hundertschaft Schutzpolizei sich sofort von Duisburg nach Mülheim begeben soll.

Krawalle auch in Men.

Sm die Erhöhung des Lohnes.

(Privat-Telegramm.)

Essen, 20. April.

Im Laufe deS gestrigen Tages kam es auch hier zu Ansammlungen vor dem Rathaus. Die Essener Rotstandsarbeiter forderten von der Stadtverwaltung die Anerkennung des Ar- beitSlosenrats und die Erhöhung des Loh­nes für die Notstandsarbeiten auf den tarif­mäßigen Arbeitslohn. Bisher wurden zwei Drit­tel des Tariflohnes bezahlt. Unter dem Druck der Verhältnisse hat sich die Stadt genötigt ge­sehen, diese Forderungen für heute zu bewilligen. Eine Abordnung der Arbeitslosen hat sich gestern gemeinsam mit einem Beauftragten der Essener Stadtverwalstmg nach Berkin begeben, um mit dem Reichsarbeitsminister zu verhandeln.

Feuerwehr und Seldssschutzleute.

Essen, 20. April. (Privattelegramm.) Wäh­rend des ganzen Tages haben gestern in Essen Gruppen von Arbeitslosen und Noistondsarbei- tern das Rathaus und die städtischen Dienststellen umlagert. Das Rathaus war mit Feuerwehr und Selbstschutz, leuten besetzt. Auch von anderen Orten des Ruhrgebiets wird Aufruhr gemeldet, der durch lichtscheues Gesindel angezettelt worden ist. bei­spielsweise aus Recklinghausen.

Die Ruhrfrage unverändert.

Eine Entscheidung «ich« mehr form?

(Nigener Drahtbettcht.)

London, 20. April.

DieTimes" melden aus Rewyork: D'e Rede des deutschen Außenministers im Reichstag hat

in Washington »eine Ueberraschung hervorgerufen, da sie nichts enthält, was die Ruhrfrage ichne verständnisvolles Entgegenkom­men aus beiden Seiten lösen kann. Sie lätzt jedoch Berhandlungswillen durchblik- ken, wenn auch unter Bedingungen, die Frank­reich zunächst nicht annehmen kann, da es sich durch die letzte Poinearösche Rede von neuem festgelegt hat. In Washington betrachtet man die Ruhrfrage als zunächst unverän­dert, obwohl der Zustand der Entschei­dung nicht mehr fern fein kann.

Der englische Standpunkt.

London, 20. April. (Eigene Drahtmel­dung.) Laut derDaily Mail" ist der deutsche Botschaftsrat in London seit Sonntag in Berlin. Seine Unterredung mit Bonar Law und dem Schatzkanzler wird alS Anzeichen dafür ange­sehen, daß der englische Standpunkt der deutschen Regierung von neuem bekannt ge­geben wurde, der dahin geht, einen positi­ven deutschen Reparationsvor­schlag au alle Alliierten zu veröffentlichen.

(Segen den Marksturz.

Maßnahme« der Regierung und der Banken tPrivat-Telegramm)

Berlin, 20. April.

Der Reichskanzler empfing gestern in Gegenwart des Reichsfinanzministers die führenden Berliner Bankleute zu einer Aussprache. Auch der ReichSbankpräsident von Havenftein und der Vizepräsident von Glasc- napp nahmen an dieser Besprechung teil. Ebenso war Staatssekretär Bergmann zugegen. Der Reichskanzler betonte die Notwendigkeit der Fortführung der Stützungsaktion, für die er an die Mitarbeit der Banken appel­lierte. Von der Errichtung einer Devisenzrn- trale wird die Reichsregierung absehen. Am Schluß der Aussprache gellten die B a n k e u der Reichsregierung ihre Mitwirkung in vollem Umfange zur Verfügung. Die Reichsbank wird, wenn c3 notwendig fein sollte, bereit sein, ge­wisse Menaen ihres Goldbestandes für bk Stützungsaktion zu verwenden. Um die Mit­tagsstunde hat Dr. Cuno auch an den Borstand des Reichsverbandes der deittschen Industrie eine Einladung zur Aussprache ergeben lassen. Diese Unterredung bildete eine Art Vorbe­sprechung, in der Tr. Cuno von den beabsich­tigten Maßnahmen Mitteilung machte. Zu den Maßnahmen wird der Reichsverband der deut­schen Industrie erst in einer besonders einberu­fenen Versammlung Stellung nehmen.

Besprechung mit den Parteien.

Berlin, 20. April. (Privattelegramm.) Halb­amtlich wird mitgeteilt: Der Reichskanzler hat am gestrigen Tage Besprechungen mit den Füh­rern sämtlicher Parteien von den Deutsch- nationalen bis zu den Sozialdemokraten über die Stützungsaktion der Mark gehabt. Er machte Mitteilung davon, was bisher von der Regie­rung zur Stützung der Mark geschehen ist und was sie weiter zu tun gedenkt. Weiter nahm er Anregungen der Parteiführer entgegen und zum Schluß ergab sich volle Ucbereinftimmung.

Wirtschaftliche Abschlüsse.

Zusammenarbeit mit Frankreich undDelgienk (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 20. April.

Wie das Journal" mitteilt, hat Barthou, der Präsident der Reparationskommisston, Poin- car6 gestern nachmittag einen Entwurf borge- legt, in dem das französisch-belgische R e p a r a. tionsprogramm in großen Umrissen aus- einandergesetzt wird Dieser Entwurf sieht die Möglichkeit großer wirtschaftlicher #b-. schlüsse mit Deutschland vor. Tas »Journal" fügt unter anderem hinzu: ES steht heute leider fest, daß wir von DeutsMand nie- «als, selbst bei den günstigsten Vermutungen, die im Versailler Vertrag vorgesehenen Sum­me n, sei es in barem Gelde, sei es in Natural­leistungen erreichen werden. Es steht weiter jetzt fest, daß man sich von stanzösisch-bekgischer Seite aus mit der Summe von dreißigMik- liarden Goldmark begnügen wirb. Um aber dieses Ziel zu verwirklichen, ist es notwen­dig, mit Deutschland Wtrtsckastsabschlüffe zu treffen, die es unserer Großindustrie ermögli. chen, so schnell wie möglich ihre frühere Lei- stungSfähigkeit zurückzuqewimten. Einige die,er Abschlüsse stehen ganz nahe bevor, so beispiels­weise der, der die Verteilung von Koks und Eisenerzen zwischen Deutschland, Frank­reich und Belgien zu regeln bestimmt ist.

Durchhalten!

Kuudgebu«« der Kasseler Angestellten.

Da« DorftaadSmttgUed SeiartchTtzal-DerUg vom <flen>ertf<baft«biinb der «ngesteNten Hielt gestern abend im diihtbe,echten Stadt- öarksaal einen bemerkenswerten Dortrag Uber da« Weltgericht an der Ruhr und seine Bedeute«, fit, die deutschen Arbeitnehmer. Mit überzeugendem, in schlichtem Emst aufrüt. telndem und unerbittlichem Forschergeist meißelte telnden und unerbittlichen Forschergeist meißelte der Redner das wahre Gesicht Frankreichs als Europas Medusenhaupt: Sein Ziel, die Vor­machtstellung in Europa auf den Trümmern der deutschen Reichseinheit, die Verschmelzung des Ruhrbeckens und der Rheinlande zu Errichtung des gewaltig st en Kohlen - und Eisen- trustes, wie ihn die Welt noch nicht kannte, Deutschland um ein Jahrhundert in der Entwick­lung äuritefgeworfen, ja, aus der Geschichte der Völker gestrichen. In düsteren Far­ben malt sich seinem unbestechlichen Blick die Zu­kunft. Wenn Frankreich in diesem schweren Exi­stenzkämpfe triumphiert, werden wir wieder statt Waren Menschen exportieren müssen, denn unser Export beschäftigt zurzeit zwanzig Millionen Hände. Und wohin mit den Hungernden, wenn die Grenzen fremder Länder geschlossen sind? Das Verkehrswesen würde erliegen, denn es basiert auf dem Export, aus Handel und Wandel, und unsere eben erst unter übermenschlichen Mühen erstandene Schiffahrt würde zum zweitenmal zusam- mcnbrechen, um nie wiederaufzublühen. Aber auch den mächtig erstarkten Gewerk­schaften, den Franzoien ein Dom im Auge, und allen sozialen Errungenschaften (Achtstundeii- tag, Lohnpolitik ufw.) wäre das Todesurteil gesprochen, denn der französische Unterneh­mer ist nicht Wie sein deutscher Gegner mit einem Tropfen sozialen Oels gesalbt. Zu leicht haben wir den Raub herrlichster deutscher Lande ver­schmerzt und die wenigsten haben heute einen Be­griff von den Stätten der Arbeit und ... des Leids, wo zwölf Millionen unserer Brüder unter welschen Bajonetten schmachten. EinuNdneunzig Vrozent unserer Steinkoblenförderung sind in Frankreichs Hand, neun Prozent hat man uns gelassen. Womit werden wir im nächsten Win­ter unsere Wohnungen heizen? Neunzig Prozent unserer Koksproduktion hat der Ruhrräuber be­schlagnahmt, das gleiche gilt von der Eisen- und Stahlproduktion. Bis zur Siedehitze ist den Bergleuten manchmal das Blut ausgewallt, so daß oft ein Pfiff genügt hätte, und sie hätten sich mit der Kreuzhacke gegen die Bajonette gestürzt. Und die Blutbäder wären dem scheinheiligen Bedrücker nur ein Anlaß gewesen, blutrünstige Märchen vom gewalttätigen Deutschen in alle- Welt zu posaunen. Darum kann es nur einen passiven Wider st and für uns geben, von dem neben dem Arbeiter gerade die Unterneh­mer heldenhafte Beispiele gegeben haben. Die

Zeiten schwerster Opfer stehen uns noch bevor. Denn weder von Amerika, noch von England, noch endlich von den Beziehungen der internationalen Arbeiterschaft dürfen wir Hilfe und Wunder erwarten, weil die Politik der Völker nach dem Wort Mussolinis nicht von Gefühlen, sondern von den ehernen In­teressen des Staates diftiert wird. Und bis jetzt haben sie alle, namentlick England, das vierzehn neue Hochöfen nach der Ruhraftion in Brand ge­setzt hat, glänzend von unserem Elend profittert. Die Lösung des Reparationsproblems kann allein die Erlösung aus diesem Weltwirrwar hingen. Wir müssen wissen, was wir zahlen müs­sen und wollen, wenn unser toi)tränier Wirt- schaftsmechanismus gesunden soll. Bis zu die­sem Ziel müssen Staat, Arbeiter- und Unternehm merschaft in opferfreudigem, unbeugsamem Wil­len zufammenstehen. Die Versammlung fand ihren Abschluß mit der Annahme folgender

Enffchljetzung:

»Die im Gewerkschastsbund der Angestellten or­ganisierten, sehr zahlreich versammelten Ange­stellten geloben erneut, daß der passive Wider­stand zur Abwehr des Frauzosencinbruchs an der Ruhr mit aller Stärke fortgeführt werden muß, weil dieser Kampf notwendig ist zur Selbsterhal- tung der deutschen Arbeitnehmer und des beut« scheu Volkes. Wir werden an unserem Teil mit dazu beitragen, den Kampf solange fortzuführen, bis uns die Freiheit gewährleistet wird."

Krankenfafsen-Vflicht.

Bis 4 800 000 Mark vcrficherungsPflichtig.

Eine Erhöhung der Versicherungspflichtigeck Gehaltsgrewz- in der Krankenversicherung ist nur dem 1. April in Kraft getreten. Die Erhöhung ist von M 720000 IahreSarbeitSverdienst auf M 4800000 erfolgt. Alle Angestellten also, die ein Monatseinkommen bis zu M 400000 be­ziehen, sind wieder versicherungspflichttg und müssen seitens des Arbeitgebers der gesetzlichen Krankenkasse gemeldet werden, wenn sie nicht ei­ner Eesatzkassc angehören und ihrem Arbeitgeber