Hessische Abendzeitung
Nummer 85
Freitag, 13. April 1923
Einzelnummer 130 Ml.
13. Jahrgang
Einzelnummer 130 Ml.
England und Frankreich nm die Ruhrsrage
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Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Weiterer Vormarsch?
Ist «affet bedroht ?
Die gestrige Londoner Meldung, wonach an« xeblich eine hohe diplomatische Persönlichkeit sich über den Besuch Locheurs in London äußert und dabei enthüllt, daß Frankreich insgeheim auctzden Vormarschbis Mitteldeutschland plant, kam gänzlich überraschend. Um es kurz zu wiederholen: Der englische Diplomat betrachtet die weitere Entwicklung des Ruhrabenteuers sehr pessimistisch, denn Frankreich habe die Absicht, falls die Besetzung des Ruhrgebietes erfolglos verlaufen sollte, weitere Ge- waltmaßnahmen zu ergreifen. Fliegende Kolonnen sollen bis Mitteldeutschland vorgeschickt werden, um die Eisenbahnknotenpunkte, zum Beispiel Kassel, zu besetzen und den Eisen« bahnverkehr zu stören. — Diese Enthüllung klingt recht phantastisch, zumal sie mit den bisherigen Mitteilungen über Loucheurs Londoner Besuch nicht übereinstimmt. Aber den Franzosen in ihrem Wahnsinn ist ja alles zuzu- trauen, mag es noch so dumm, unzweckmäßig oder verbrecherisch fein. Solange die Kligue Po- incars mit ihrem Militarismus die Macht hat, kann man jede Verrücktheit für möglich halten. Immerhin wäre es von «ns unklug, wollten wir solche Nachrichten kritiklos hinnehmen. Wir haben die Pflicht, diese aufgeworfene Angelegenheit ernsthaft daraufhin zu prüfen, ob sie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist.
Wenn der britische Diplomat die Lage pessimistisch ansiebt. so brauchen wir es nicht auch zu tun. Wie es in seinen Ausführungen beißt, kommt der geheime Plan erst dann inbetracht, wenn Deutschland durch die Ruhrbesetzung nicht bezwungen werden kann. Darin liegt erstens das Zugeständnis. daß die Franzosen noch nichts erreicht hoben und damit rechnen, daß sie nichts erreichen werden Es fragt sich nur, ob sie dann noch, wenn ihnen der Mißerfolg unbeirrbar klar geworden ist. den Wunsch nach endloser Fort- seNung der Blamage haben werden. Wahrscheinlicher ist doch, daß ste ernüchtert werden und nicht den letzten kümmerlichen Rest ihreS Verstandes aufs Spiel setzen. Es gehört weder politische, noch wirtschaftliche oder militörische Weisheit dazu, um zu sehen, daß eine Zer- svlitteruna der Kräfte, wie sie durch die Aussendung von »fliegenden Kolonnen" in ein dichtbevölkertes, weitverzweigtes Land eintreten müßte, an Wirknna verliert, je weiter die vorgeschobenen Posten von ihrer Basis entfernt sind. Wenn schon im Ruhrgebiet eine Truppenmacht von über hunderttausend Mann erfolglos bleibt, dann sind die fliegenden Kolonnen unweigerlich dem Untergang geweibt. Das wäre der Anfang vom Ende des frcmzöfifckei Abenteuers. Wenn die Pariser Stümper wie besessen auf ihr Vorbild Napoleon starren und feinen größenwahnsinnigen Ausdehnungsdrang nachahmeu wollen, dann werden fie auch an dem Wendepunkt ankommen, der 1R13 Frankreichs Zusammenbruch herbeifübrte. Sie würden dann ein zweites Moskau erleben und vermutlich von den Folaen nicht verschont bleiben.
Die kritische Betrachtung der -Vormarschpläne" spricht also gegen ihre Ausführung Halten wir die Berichte daneben, die über Loucheurs Londoner Unterredungen bekannt geworden sind, so kommen wir zu dein gleichen Ergebnis. Es heißt da in den Auslassungen des diplomatischen Mitarbeiters des »Observer": »Die wichtigste Unterhaltung war die mit Bonar Law, und zwar deswegen aufschlußreich, weil Herr Loucheur nun zweifellos weiß, daß er noch einen längeren Weg zurücklegen muß, hepar er sich dem englischen Standpunkt bezüglich der Ruhrbesetzung so weit genähert hat, daß eine Heber« brückung der Gegensätze möglich erscheint. Es wurde Herrn Loucheur zugleich klar gemacht, daß die englische Regierung jederzeit bereit ist, mit Frankreich das Problem des europäischen Wiederaufbaues zu besprechen." In diesem und auch in den anderen Berichten, die gleich nach Loucheurs Reise veröffentlicht wurden, war keine Rede von einer weiteren Besetzung Deutschlands, dagegen wurde die R e v a- rations-u. Wiederaufbaufrage in den Vordergrund gestellt.
Das entspricht auch viel mehr den Eigenschaften Loucheur?. der noch s Zt. wie erinnerlich mit Walter Rathenan wirtschaftliche Verständi- gnngsversnche machte. Wenn er auch jetzt in London geäußert hat, daß Frankreich, da es nun einmal den Fehler der Ruhrbesetzung begangen habe, die Gewaltanwendung fortsetzen müsse, fo braucht dies noch nickt zn bedeuten, daß es seinem Verderben mit offenen Augen zueilen und vorher noch möglichst viel Unheil anrichten wolle. Eine wahrscheinlichere Auslegung ist die, daß die jetzige französtsche »Regierung" auf dem be- schriftenen Wege der Gewalt nicht'mehr zurück könne. Dafür gibt es aber einen Ausweg, den man sicherlich auch in Paris kennt: das wäre der R ü ck t r i t t der Regierung P o i n c a r 6. Es ist wohl fein Zufall, daß in den letzten Tagen in Londoner Blättern diese Möglichkeit erwähnt!
und Loucheur als etwaiger Nachfolger Poincarös genannt wurde. Von England aus ist Frankreich, wenn auch nicht amtlich, so doch von politisch maßgebenden Stellen wiederholt gewarnt worden, da der Bogen überspannt werden könnte. Man hat auch zu erkennen gegeben, daß Loucheur als französischer Ministerpräsident den Engländern angenehm wäre, weil mit ihm die europäische Verwirrung eher ge- lost werden könnte. Es sind also noch Mög- Uchkeiten offen, - friedliche Wege zu beschreiten. Vorläufig ist nicht zu befürchten, daß die geheimen Poincareschen Wahnsinnspläne verwirk'icht werden. k. F. D.
Die Haltung der Alliierten.
Loucheur reist wieder nach London?
(Sirene Drahttneldung.)
Varis, 12. April.
Trotz offizieller Ableugnung wird in Pariser politisckfen Kreisen -rnstlich mit der Möglichkeit einer neuen Reise Locheurs nach London gerechnet. Man ist botion überzeugt, daß vorher der französische Botschafter in London, der nach fiebentägiger Abwesenheit setzt auf fei» nen Posten zurückkehrt, mit wichtigen Eröffnungen für die englische Regierung betraut ist. Der Inhalt dieser Eröffnungen wird natürlich streng geheim gehalten, man leugnet in den Kreisen deS Auswärtigen Amtes aber nicht, daß der Botschafter Mitteilungen von Bedeutung überbringt.
Amerika bleibt dem Döikerbunv fern.
Puris, 12. April. (Eigene Drahtmeldung.) Wie die.„Chicago Tribüne" aus Washington berichtet, hat Präsident Harding die an den Beitritt Amerikas zum ständigen internationalen GcrichtShofgeknüpfte Behauptung, Amerika trete auf diese Weise durch eine Hintertür in den Völkerbund ein, als völlig haltlos, zu- lückgewiesen. Die Haltung Amerikas hinsichtlich des Bölkerbundes bleibe unverändert.
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Belgien und Frankreich.
Briiffel, 12. April. (Eigene Drahtmeldung? Der brlgiscke Ministerpräsident Theunis und der Außenminister Jasper werden in Begleitung dez Kabinettschefs am Freitag früh nach Paris fahren. Die Reife wird in Brüsseler politischen Kreisen größte Bedeutung brigelegt.
Aus dem besetzten Gebiet.
Die Schandtaten der Franzosen.
(Eigene Drahtmrldung.)
Wipperfiirth, 12. April.
. Ans bisher nicht gekannten Gründen wurde Landrat Dr. Wessel von den Franzosen verhaftet und auf einem Lastkraftwagen entführt. Als Zeichen des Protestes läuteten eine Viertelstunde lang die Glocken und die Sirenen der Fabriken verkündeten, daß die Arbeit für eine Stunde niedergelegt wurde. — Der päpstliche Abgefandte Monsignore T e st a stattete gestern dem in Recklinghausen in Haft befindlichen Oberbürgermeister Dr. Schäfer von Essen eigen Besuch ab. — AuS Rom wird berichtet: Die italienische Presse bringt die Berichte der deutschen Kommunisten über die Essener französische Bsnttot mit ironischen Bemerkungen. Drr französische Militarismus gehe im Ruhrgebiet mit dem in Frankreich verabscheuten Bolschewismus Hand in Hand.
Protest der Regierung.
Segen bie Verhaftung des Staatssekretärs. (Drivat-TelezrammI
Berlin, 12. April.
Wie von zuständiger Stelle verlautet, wird die Protestnote, wegen der Verhaftung des Staatssekretärs H a mm voraussichtlich im Laufe des heutigen Tages nach Paris abgehen. Die Reise des Staatssekretärs hatte, wie aus- drücklich betont werden muß, lediglich den Zweck, für die Opfer der Essener Metzeleien die Teilnahme der Reichsregierung zum Ausdruck zu bringen. Die Angabe der Franzosen, daß die Anwesenheit des Staatssekretärs Hamm im besetzten Gebiet die Sicherheit der Be- satmngstruppen gefährde, ist zu lätfcrli*, als daß ste noch widerlegt werden müßte.
Folgen ver Besetzung.
Streit um die Arbeit auf der Zeche.
(Eigene DrahttneldunaJ
Essen, 12. April.
Auf der Zeche „Matthias StimieS" scheint es zu einem schweren Konflikt zwischen der Dirrk- tion und der Belegschaft gekommen zu sein. Aehn.
lich wie vor einiger Zeit auf der Zeche „Konkor. dia" und „Matthias Stinncs" sind die Schächte 3 und 4 von den Franzosen besetzt wor. den. Daraufhin wurde, wie überall auf den Zechen die Arbeit niedergelegt. Rur die Notstandsarbriten sind bisher ausgeführt worden. Jetzt hat die Direttion der Zeche verlangt, daß die Belegschaft der Zechen 3 und 4 durch die Schächte 1 und 2 unter Tage einfährt, um von dort aus zu den Arbeitsstätten in den Schäch- ten 3 und 4 zu gehen und dort außer den Notstandsarbeiten auch Vorrichtungsarbeiten und Instandsetzungen vorzunehmen. Tie Belegschaft hat sich geweigert, dieses zu tun. Daraufhin hat die Zechendirektion die Belegschaft nochmals aufgefordert, die Arbeit aufzunehmen und droht, im Falle der Weigerung die Auszahlung drr Löhne einznstcllen. Nunmehr ist eine Versammlung der Belegschaft cinberufen worden, die sich mit der Angelegenheit beschäftigen wird. Man hegt die Erwartung, daß die Zechenverwaltung nachgibt und die Löhne weiterzahlt.
Die Landesverräter.
Der Sonderbündler Dorten in Paris. (Eigene Drahtmeldnna?
Köln, 12. April.
Die „Kölnische Zeitung" schreibt: Die Anwesenheit des Sonderbündlers Dr. Dorten In Paris wird wohl von allen Elementen, die eine rheinisch «Politik betreiben wollen, dazu benutzt werden, um endlich Farbe zu bekennen. Nachdem man durch eine große englische Zeitung den Plan der Errichtung eines rheinischen autonomen Staates innerhalb der deutschen Republik hat bekannt werden lassen, erklären jetzt hie Leute des Komitees des linken Rheinufers und diejenigen, die mit ihnen sympathisieren, daß etwas derartiges nicht mehr genüge. Man kann nun annehmen, daß Dorten das Sprachrohr für weitergeheudePläneist. Wie weit es die amlliche französische Politik wagen kann, das Techtelmechtel mit Dorten jetzt noch fortzusetzen, hängt von der Stellung der englischen und der belgischen Regierung ob. Gewisse Meldungen las. sen aber erkennen, daß Dorten in Paris kein Vertrauen mehr genießt.
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Dorten wird ungeduldig.
P a r i s, 12. April. (Eigene Drahtmeldung.) Im „Matin" veröffentlicht Dorten einen Aufruf, in dem es unter anderem heißt:-„Der Augenblick ist außerordentlich günstig. Wenn die Unabhängigkeit der Rheinlande von uns, den Rheinländern, beschlossen würde, so wird von Berlin aus eine Komödie in Szene gesetzt werden, mit deren Ausführung der Bürgermeister irgend einer größeren rheinischen Stadt, der seinen Platz in dem neutralen Staat des Herrn Cunv inne hat, betraut wird» Ich bin hierher gekommen, zu erfahren, obJaoderRein. Ich erwarte Antwort."
(Sin polnischer Hetzer.
Die Treibereien gegen Deutschland. (Privat-Telegrannn.)
Posen, 12. April.
Ministerpräsident Sikorski hielt hier eine politische Rede, in der er behauptete, daß Polen, das zwischen dem von Rachsucht durchzogenen Dentschland und Rußland liege, die beide ihre Ansprüche auf die alten Gebiete nicht aufgegeben haben, gezwungen werde, sich diesen Umständen anzupaffen. Polen dürfe nicht aus dem Auge lassen, daß Deutschland nach dem Osten strebe, um Rußland die Hand zu reichen. Der Kampf gegen alles Deutsche in den westlichen Provinzen Polens sollte rascher vollzogen werden. In der Fnqze der deutschen Niederlassungen, der Enteignung des deutschen Grundbe- sttzeS und der Enideutschnng der Städte werde dir polnische Regierung eine energische Aktion gegen die Deutschen einleiten.
Künftige Brotversorgung.
Entschließung der KommnnalverbSnde.
(Eigener Drubtbericht.1
Dresden, 12. April.
Der Verband der deutfchrn Landkreise (Sitz Berlin) in dem die ländlichen Kommu- naiverbände Dentschlands zusammcnfte- schloffen sind, begann gestern in Dresden seine diesjährige Hauptversammlung. Einstimmige Annahme fand eine Einschließung gegen die Ruhrbesrtznng. Als erster Punft der Tagesordnung wurde di- Stellungnahme zu drin- grnden wirtschaftlichen und finanziellen Fragen behandelt. Zur Frage der Brotversorg- ung im nächsten Wirtschaftsjahre wurde eine Entschließung gesoßt, in der der Ansicht Ausdruct gegeben wird, daß die Zwangswirtschaft für die inländisch« Brotgetreideernte im kommenden Ernährungsjahr nicht mehr möglich sein wird.
Die Gchuwlüge.
Fort mit der Lüge, Sieg der Wahrheit!
In einer ausgezeichneten ® «trift üt>ee den Friedensvertrag von Versailles und die «rregSfchnldwge kommt Po izeimafor O« kar Lehmann von de» Paffeier Schutzpolizei zn den nachfolgenden «chlntzfolgernngtn t
Die Schuldlüge zerstört die Entwicklung der Weltwirtschaft, läßt Völker und Staaten nicht zum Frieden und znm Wiederaufbau kommen. Daher fort mit der Lüge, fort mit dem Unfriedensvertrag! Zu Bergen wächst Tag für Tag das Material vor allem aus russischen Quellen an, das immer neue Beweise für Frankreichs und Rußlands Schuld liefert. Machen wir endlich davon nachdrücklich Gebrauch! Freilich hat cs nicht viel Zweck, dicke Bücher hierüber zu schreiben. Es wird uns von dem deutschfreundlichsten Ausländer doch immer wieder gesagt werden, daß wir, solange unsere Regierung das ausgezwungene Schuldbekenntnis nicht kategorisch zurücknimmt, in den maßgebenden Augen des Auslandes die Schuldigen bleiben. Und je länger hermit gezögert wird, desto schwerer wird die Revision des Versailler Vertrages möglich sein. Wenn der Regierung in gewisser Beziehung die Hände gebunden waren und sie lediglich ausführendes Organ des Schandvertrages ist, so ist ste inzwischen durch die Zeit und das Verhalten der Franzosen frei geworden. Sie wird nunmehr, gestützt auf die vielen Beweise und neuerdings auf daS Ergebnis des Eisner-Fechenbach-Pxozeffes die Zerreißung der Schuldlüge mit gutem Gewissen und mit allen verfügbaren Mitteln rücksichtslos betreiben können. Hierzu sind auch die Worte Lloyd Georges, daß der Versailler Vertrag fällt, wenn erwiesen wird, daß Deutschland nicht allein die Schuld trägt, eine direfte Aufforderung an uns. Ganz davon abgesehen, -daß die Schnldsrage keine Parteifrage, sondern
eine vaterländische Frage
ist, hat die Regierung jetzt zweifellos auch die« jenigen Parteien, die anfangs anders dachten, inzwischen aber eines Besseren belehrt worden sind, bei der Bekämpfung der Schuldlüge auf ihrer Seite. Kann da daS Ergebnis einer Reick-stagSsitzung, in der die Regierung di« Schnldfrage aufrollt, noch zweifelhaft sein? Kein vernü-nstiger Volksvertreter kann sich der Wahrheit gegenüber den zahllosen Beweisen für die große Mitschuld der Feinde am Weltkriege verschließen, sonst stempelt er sich zum gemeinsten Landesverräter! Die Aufklärung der Sckuld- frage darf nicht mehr aus irgend welchen Gründen zurückgestellt werden, sondern es.mutz endlich gehandelt werden. Aber nicht die Regierung und die Volksvertreter allein sind in der Lage, der in der ganzen Welt verbreiteten Lüge zu Leibe zu gehen Nein — ein jeder Deutsche mutz mit allen Mitteln mithelfen und vor allem unsere Presse im In- unb Auslände. Ausländische Zeitungen müssen erworben oder für unsere gerechte Sache gewonnen werden. Nur die Presse kann di« breite Masse der Völker durch dauernde, unermüdliche Arbeit aufklären und der Wahrheit zum Siege verhelfen. Und Du. deutsche Frau, deutscher Mann, deutsche Jugend,
unterstützt die Presse!
Leset emsig Zeitungen unb Zeitschriften, gebt sie auch den Kindern, denn sie bilden, lehren und klären auf! Denkt daran, daß die feindliche Presse den Krieg mitgewonnen und uns zu dem Sckandvertraq verhalfen hat. Ihr deutschen Lehrer und Erzieher unserer Jugend, schafft nuferen Kindern ein Lesebuch au8 dem sie — ohn« Hatz tu empfinden — ersehen können, warum sie so sehr entbehren unb leiden müssen und nehmt Euch dazu als Muster die französischen Lese- bücker in Elsaß-Lotbringen. in denen allerdings Hätz geschürt und an den Deutschen kein gutes! Haar gelassen wird. Wir wollen jedoch nickt Gleiches mit Gleichem vergelten, sondern lediglich ein starkes Rationalgesübl in unserem Nachwuchs erziehen. In allen Industrie-, Handels-, Landwirts«. Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbänden und Gewerkschaften, in Universitäten unb Schulen jeglicher Art mutz durch Vorträge in erheblich größerem Maße bie Kriegsschuldlüge unb ihre Bckämvfung erläutert werben. Kein Kongreß darf auseingnbergeben, bevor nickt bie Schöben, die für den betreffen» ben Stand durch die Lüge entstanden, bcrvorge- hoben worben fhtb. Bon den Kanzeln ber Go«- teshäufer herab mutz bei jebem Gottesdienst auf bie Lüge nnb ihre Folgen hingewiesen werben. Die Geldscheine unb Briefmarken müßten den Aufdruck
„Denkt an die Kriegsschuldlüge" erhalten, damit auch das Ausland täglich darauf verwiesen wird. Zur Verfechtung unseres Rechts mit Waffen sind wir nicht in der Lage, deshalb muß der geistige Kampf um so machtvoller ausgenommen und durchgesührt werden, woran stch