Hessische Abendzeitung
Nummer 80
Fernsprecher 951 und 953
Sonnabend, 7. April 1923
13. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
Ins«rtton spreise,^ Einheimisch« Auftrage: Die einspaltige Anretgeuzeile XX) Mark Sami. Iiennachrichten,dte Zelle 160 Mark die einspaltige Reklame,eile 700 aHart. b) Auswärtige Aus- träge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Mark, di« einspaltige Reklame,eile 700 Mark, alles ein. schließlich Teuerungszuschlag und Anzeigenfteuer. Für Anzeigen mit besonder» schwierigem Satz hundert Prozent 'Aufschlag. Für di« Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen Lu» jelgen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann etne Lewahr nicht übernommen werden Druckerei: Schlachthofstraß« 26/30. Deschäftrstelle: Kölnische Straße ä, Telephon «Ur. 951 und 952
S£te Kasseler aieuesleu Nachrichten erscheinen wöchenllich sechsmal imb zwar ab end «. Der ™,0,tt?^m:nt8pt,iS beträgt monatlich 3200 Mark bei freier Zustellung in« Saus in der Geschäftsstelle abgeholt 3155 Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 82'0 Mark monatlich etnschl Zustellung. Bestellungen werden iederzett entgegengenommen. Druckerei
und Redaktion. Schlachthofstraße 28/30. Für mwerlangr eingesandte Beiträge kann die Redaktion etne Berantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgelde» oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung auggefd;[offen.
Meier Neueste Nuchmhtm
Kasseler Abendzeitung
Fortsetzung der französische« Verbrechen.
aber ein sonstiger Zettel an
;en ange-
klebt, der das Mißfallen der Franzosen erregt, so wird kurzerhand der Zug entweder nach
Louchmrck ZatzlungSpian.
L o n d o n, 6. April. (Eigene Drahtmeldung.) Reuter berichtet: Es verlautet, daß Loucheur dem englischen Premierminister folgenden Wieder- herstellnngsplan mitgeteilt hat: 1. Herabsetzung der Gesamtsunzme der Wiederherstellungen. 2. Ausgabe einer internattonalen Anleihe. 3. Internationale Garantie der Verträge.
Weitere Tote in Esten.
Die Feststellung«« der Aerzte.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 6. April.
Rach den Feststellungen des Chefarztes im Krankenhaus, in das die Opfer des Essener Blutbades gebrackst worden sind, sind von 28 Schußverletzten bisher elf gestorben. Damit erhöht sich die Zahl der Toten auf achtzehn. Weitere drei befinden sich in größter Lebensgefahr. Bon den elf Toten haben fünf Schüsse i n den Rücken erhalten. Die französische Aerzte- kommisston, die aus einem Generalarzte und zwei Assistenzärzten besteht, hat die Schußverletzungen untersucht und ebenfalls festgestellt, daß acht Schüsse von hinten eingedritngen sind. Bon siebzehn Verwundeten haben neun die Schutzverletzttngen im Rücken. Der Befund ist amtlich und mit Namensnennung der Toten und Verwundeten ausgenommen worden.
besser.
Man Hört so ost im unbesetzten Deutschland, die Berichte ans dem Ruhrgebiet seien übertrieben, und außerdem seien die Verhältnisse ja garnicht so schlimm, wie sie immer geschildert lvürden: Nun, wenn man in Berlin oder sonstwo nicht immer von neuen schweren Bluttaten und Ausschreitungen hört, so bildet sich leicht die Ansicht, »aß die Verhältnisse im Ruhrgebiet ganz erträglich seien. Daß aber gerade der ständige seelische Druck, unter dem die Bevölkerung des Ruhrgebiets steht, die kolossalen Be- schwernisse des Verkehrs, das immerwährende Umgehensein von Spitzeln und Spionen das Leben beinkche unerträglich machen, das fübkt man erst, wenn man selbst in dieser Atmosphäre atmet. Denn es sind ja gerate die Kleinigkeiten, an denen man sich im Leben wund stößt, imb daß es dieser Kleintgker- ten nicht weniger, föntetn immer mehr gibt, da, ür sorgen die Franzosen schon von Tag zu Tag miss neue.
Rnr ein Teil ter Bevölkerung des Ruhrgebiets erfreut sich eine? besonderen Wohlwollens der Franzosen, und das sind die polnischen Bergarbeiter. Sie sucht man mit tausend Lockungen und Versprechungen für die Berg-
dcr Ausweisung sofort wieder auszunehmen, war zunächst mit einem Plakat beantwortet, das auf das Säbelregiment im Rheinlande hinwetst und die Aufforderung der Franzofen glatt abweist. Ein Schurke sei jeder, der diesem Befehl Folge leistet. Es hat sich hier bei den Franzosen in ter Tat auch niemand gemeldet. Dieser Tage waren die aus ihren Wohnungen vertriebenen Eisenbahner chic jetzt in der städtischen Goetheschule untergebracht worden sind, von den Franzosen zur Meldung vor- gelaten. Natürlich war niemand erschienen. Meldungen gleichen Inhalts kommen aus allen Teilen des Rheinlandes. — (Der Eindruck des cm. mütigcn Widerstandes wird leider nur gestört durch eine Mitteilung, wonach im Eisenbahnbezirk Karlsruhe 40 Deutsche und Oesterreichcr, offenbar keine Eifenbahnbeamte, in den sranzo- sifchen Eifenbahndienst getreten sind.)
r u n g, die sich eines unbequemen Geaners und Zeugen ihrer Schandtaten möglichst schnell entledigen will. Nach außen hin hat man so getan, als ob man Gnade für Recht ergehen lassen wollte und hat deshalb daS Todesurteil gegen ten alten Erzbischof zu zehnjähriger Kerkerst rase umgewandelt. Tas Todesurteil gegen seinen Gehilfen, ten Prälaten Dutkiewicz hat man bann nochmals mit einem Schein des Rechts begrünten gu müssen geglaubt, daburch, daß ihm bie .aktive Teilnahme an einer gegenrevolutionären Verschwö- Mtttg" angeblich nachgewiesen worden sei.
Vor allem hatte man sich englischerseits in letzter S tunte nochmals an die Moskauer Zentralregierung gewandt und der pokittsch; Handelsvertreter in Moskau batte noch am 31. März Tschitscherin ein Schreiben überreicht, in dem er um Aufhebung des Todesurteils gegen den Prälaten Butkiewicz ersuchte mit dem Hinweis auf die Empörung, die dieses Urteil in der ganzen Welt hervorgeruseu bäte. Als Antwort erklärte die russische Regierung: Rustfand könne als unabhängiges Land einen auswärtigen Eingriff in die Tätigkeit feiner Gerichte nicht dulden Mit ter ihm eigenen Methode, allerdings auch mtt Berechtigung. verwies dann noch da« russische Auswärtige Amt auf das Vorgehen der britischen Regierung aegen deren irische, indische und äghpttsche Feinte, durch das ein „Eintreten der britischen Regierung zum Schutze der Humanität nicht al? hinreichend überzeugend anerkannt" werden könne. Damit wird ater das russische Unrecht nicht verdeckt.
Bolschewismus.
®ie Hinrichtung eines Geistlichen.
Ans Moskau bringt die Schreckenskunde, daß das Urteil gegen ten Prälaten Butkie- wicz vollstreckt ist. Insolge einer zweitägigen Störung in ter telegraphischen Verbindung mit Moskau wird die Vollstreckung erst jetzt bekannt, und die Warschauer Blätter knüpfen daran wohl mit Recht die Vermutung, daß von Seiten Sowjetrußlands aus Furcht vor den Folgen der Vollstreckung des Todesurteils die telegraphische Verbindung mit Westeuropa absichtlich unterbunden worden fei. Als vor kurzem der Moskauer Gerichtshof den Erzbischof von Petersburg und feinen Prälaten Butkiewicz zum Tode verurteilte, da erhob sich in der zivilisierten Welt Enlriiftimg gegen dieses Urteil. Die genannten Geistlichen hatten sich bekanntlich getoeigert, das ter Kirche gehörende Vermögen und Eigentum an die Sowjetregierung freiwillig auszuliefern.
Das hatte ter ohnehin religionsfeindlichen russischen Sowjetregierung und ter von ihr vertretenen kommunistischen Richtung Anlaß zur Klage, zur Jnhaftsetzung, zu dem Urteil selbst und jetzt seiner Vollstreckung geboten. Nicht nur die kirchlichen Kreise der Welt hatten sich mit Empörung gegen dieses Urteil gewandt, sondern auck» die sozialistischen Arbeitervertretungen der verschiedensten Läuter Europas, denen man gewiß keine allzu freundlichen kirchli- cken Neigungen znsvrechen darf. Es ist dies das zweite Mal, daß sich bie ganze Außenwelt mit dem Gebühren des russischen Gerichts besaßt. Waren es früher die grausamen Grfäng- nisgnalen, bie bie russische Sowjetregierung vor allem gegen bie Sozialrevolution 8- t e anwandte und dann fchließlich die Komödie ibrer Verurtetlnng zum Tode, so ist es heute cbfaes Bluturteil.
Aus dem Prozeß der Sozialrevolutionäre wissen wir noch ,daß das oberste russische „Volksgericht", das doch zunächst noch auf den Schein seines guten Rechts der Außenwelt gegenüber pochen zu können glaubte, auch diesen Schein schließlich fallen ließ, und daß die Vertreter ter deutschen Linksradikalen, die als Beistand ter Sozialrevolutionäre damals an dem Prozeß teilnahmen, mitten in den Verhandlungen abreisten. Sie hatten die Ueberzeugimg gewonnen, daß ter russischen Regierung lediglich an der Verurteilung unb nicht an einer objektiven „Recht"-Sprcchmig lag. Im Urteil gegen die beiden hohen Geistlichen verhält es sich ähnlich, und die Eile, mit ter das eine Urteil vollzogen wird, zeigt am deutlichsten das schlechte Gewissen der Sowjetregie-
Hamm »ocr Dortmund zuruckgeschickt oder mau läßt den mit so schrecklichen Dingen behafteten Wagen samt Insassen 24 Stunden auf der Strecke stehen. Reisend«, bei denen irgend etwas nicht in Ordnung ist, werten aus dem Zuge geholt und müssen zur Strafe ten Herren Franzosen K artofseln schälen, die Baracken ausfegen und ähnliche angenehme Arbeiten verrichten, wobei die Vertreterinnen des schö- nen Geschlechts keineswegs eine Sonderbehand- limg von Seiten der .ritterlichsten Nation der Welt" erfahren. Bei der Ausfahrt aus dem Ein» brnchSgebiet ins unbesetzte Deutschland ist die Gepäckkontrolle besonders scharf, und jeden Augenblick sieht man, wie Pakete mit dem verschiedenartigsten Inhalte aus dem Zuge genommen werden. Beim Weiterfahren kann mau bann eine Baracke sehen, die bis unter das Dach mit beiartig beschlagnahmten Paketen vollge- propft ist.
Man kann sich danach also einen Begriff davon manchen, wie das Reisen von Hamm aus tu das Einbruchsgebiet und im Einbruchsgebiet selber ist. Me man sich im einzelnen Falle dazu verhält, ist natürlich Sache des Temperaments. Aber auch das hitzigste Blut wird schließlich doch einsehen müssen, daß nichts anderes übrig bleibt, als sich in das Unabänderliche zu schicken. Die Verhältnisse im besetzten Gebiet sind einmal durch bie kolossalen Zugverspätungen, die an ter Tagesordnung sind, und andererseits durch die zahlreicten gesperrten Bahnhöfe außerortentltch schwierig. In Essen beispielsweise, wo der Hauptbahn Hof seit 3®odj«n für den deutschen Verkehr gesperrt ist unb nur noch ten wenigen französischen Personenzügen dient, aus denen ab und zu einmal ein todesmutiger Mtt- scher Reisender herauströpfelt, vollzicbt sich Bef gesamte gewaltige Verkehr über den ' Bahnhof Essen-Nord. Etwas UeblercS, rann man sich faitm vorstellen. Eine Hoilz-Paracke mit schma- lem Eingang, die dauernd mit Menschen vollgc- ?ropst ist. Von ten zwei einzigen Fahrkartm- chaltern stauen sich riesige Menschenmengen, und durch die schmale Sperre stößt und drängt sich das durch terartig« Verhältnisse nervös gewordene, «bereite Publikum. Der Bahnhof genügt in keiner Weise ten nun plötzlich an ihn gestellten Anforderungen, und die Beamten, die hier tätig sind, sind wahrhaftig nicht zu beneiden. Daß sie batet auch einmal ihre Nerven verlieren itno das Publikum anranzen, ist verstände lich. wenn auch ter davon Betroffene sicherlich nicht davon erfreut ist. Die Zustände auf dem Bahnhof Essen-Nord spotten jeder Beschreibung, und Wenn den deutschen Ministern nicht die Einreise in das Einbruchsgebiet verboten wäre, möchte man wahrhaftig dem Reichsverkehrsunui- ster einmal wünschen, als einsacher Reisender sich in diesem Trubel hin- und herstoßen und anranzen zu lassen. Bielbeicht würde es dann etwas
Die Sowjetregierung hat ihre Herrschaft. die Rußland und ter Welt den lanae ersehnten Frieden bringen sollte, bis jetzt nur auf S1 w t und Gewalt auf richten urtb ausrecht erhalten können. Sie hat bis jetzt lediglich n « r zerstört und wirkliche ideelle Werte noch nicht schaffen können. Aus einem Trümmerhaufen und ten Leichen ihrer Gegner siebt das Gebäude der jetzigen russischen Sowietreaienma. unb bie Bli'twellen reichen schon bis an die Füße ter russischen Machthaber. Ein Regime, das sich auf solche Gewaltmaßnahmen stützen muß, das si-b nur durch <wn>aWarne Unterdrückung aufrecht erhalten kann, wird nicht von Sauer
Englands Schwache.
Es duldet weiter den französisck>en Rechtsbruch.
(Eigene Dra-tmelduag.)
Paris, 6. April.
Loucheur kehrte gestern nach Paris zurück «nd nahm dieZusicherungBonarLaws mit, daß England auch fernerhin neutral bleiben werde. In gewissen politischen Kreisen hofft man auf eine baldige Gelegenheit für England, zugunsten der Verständigung einzugreifen. Lou- cheur hat Lloyd George und Donar Law gegenüber erklärt, er persönlich sei gegen die Besetzung des Ruhrgebietes gewesen, jetzt aber müsse Frankreich dort bleiben, bis Deutschland ein festes Angebot gemacht habe. Donar Lam habe daraufhin erklärt, daß er an seinen ReparatjonSpMnen «nd an seinen Vorschlägen zur Schuldenregulierung, bie er vor der Rilhrbesetzung in Paris unterbreitet hatte, noch festhalte. obwohl walfrscheinlich kleine Aenderungen notwendig werden würden.
London, 6. April.
In Aberdeen kam cSznneuenNnruhen. Die streikenden Fischer suchten die Lastträger, die die von deutschen Fischvampfern her angeführte« Fische abholen und zum Marft schaffen wollten, daran zu hindern. Ms dir Träger ten Mar« unter ^lizeischutz erreichen wollten, wurden sie von mehreren tausend Ausständigen, die von ihren Frauen begleitet waren, mit einem Hagel von Kohlen stücken empfangen. Die Polizei machte einen Angriff nrit Knüppeln, während sie von den Fenstern der RackMrhöuser mit Wurfgeschossen überschüttet wurde, und zerstreute schließlich die Menge. Ein Polizist und ein Ausständiger wurden schwer verwundet.
Das Sugungiadf bei Wesel.
Kein deutscher Sabotage-Att. (Privat-Telegramm)
Wesel, 6. April.
Die Pariser Nachricht, daß die Deutschen unbemannte Eisenbahnzüge von Friedrichsftld nach Wesel losgelaffen hätten zmn Zwecke der Zerstörung des Eisenbahnkörpers. erweist sich als unwahr. Das ftanzöfische Arbeitsministerimn gibt bekannt, daß die von deutscher Seite auf ter Strecke Oberhaufen-Wefel abgesandten a ch t Güte r z ü g e nicht zu Sabotagezwecken, sondern mit regelrechter Bedienung abgeschickt wurden, um Metallprodufte aus dem besetzten Gebiet ins unbesetzte Deittschland hinüberzubringen. Die Züge wurde« ans beiden Gleise« nach der gleichen Richtnng abgesandt. Dabei ereignete sich der Unfall, daß auf dem linken Geleise der vierte Zug kurz vor der Brücke über die Lippe in den dritten Zng hineinfuhr und die Strecke für viernndzwan- zig Stunden gestört wurte. Die Franzofen haben bei dieser Gelegenheit einen größeren Teil der Sendung der ineinander gefahrenen Züge be- chlagnahmt. Die Übrigen Züge sind entkommen.
Aus dem Ruhrgebiet
Paßkontrolle in Scharnhorst. — Kartoffelschäler! und Stubenfegen als Strafe. — Essen-Nord. — Der nngeheure seelische Truck.
Man schreibt uns: Seit ter Reichspräsident Ebert, umgeben von einer Anzahl Reichs- und Staatsminister in Hamm, an der Grenze zwischen dem unbesetzten und denr Einbruchsgebiet, in machtvoller Hundgebuna zu ten Vertretern des Einbruchsgebiets gesprochen hat, ist der Eintritt iu dieses Gebiet nicht mehr so ganz einfach. Di« Durchsuchung der Reisenden und des Gepäcks ist sehr scharf geworden und Aufenthalte der Züge von zwei bis drei Stunden futi> keine Seltenheit. Fällt bei diesen Revisionen den Franzosen irgend etwas aus, was ihnen nicht paßt, oder ist etwa ein deutsches Flugblättchen
Unruhen in Schottland.
99t Konkurrenzneid gegen deutsche Fischer, (•igtni Drahtmeldung.)
Win. Wenn bie russische Sowjetregierung nur so thre Herrschaft aufrecht erhalten kann und nicht m ter Tat friedliche Zustände in Rußland herbetzuftrhren vermag, um so den Wiederauf- oau Rußlands selbst in erster Linie einmal för- tern zu können, so sind auch ihre Tage über kurz oder lang gezählt und einmal wird sie in dem Blutyieer selbst untergehen, das sie jetzt durch thre Gewaltherrschaft um sich her verbreitet. Den Gegnern ter russischen Sowjetisten wird aber aus btefem neuen Märthrer-Blut wieder neuer Sarnen entsprießen.
Die Franrostn als Räuber.
Wieder 250 Millionen gestohlen.
(Eigene Drahtmelduna.)
Bochum, 6. April.
Die Franzosen umstellten gestern nachmittag von viereinhalb bis sieben Uhr das gesamte Bankviertel am Wilhelmsplatz in Bochum, schlossen es ab und nahmen bei der K o m m e r z- nnd Privatbank, sowie bei der Reichsbank Durchsuchungen vor. Angeblich handette es sich darum. Streikgeldrr für die streikenden Eisenbahner zn beschlagnahmen. Während bei der Kommerz- und Privatbank Gelter nicht vor- ficfunten wurden, nahmen die Franzosen bei der ReichSbank zweihundertundfünfzig Millionen Mark mit. Es soll sich hierbei um den Rest ter Kassenaelder des Bahnhofs Bochum ^ Nord hanteln. Die Direktoren Becker und Werner, sowie ein Kassierer der Kommerz- «nd Privatbank wurden verhaftet. Auf die Nachricht von diesem neuen Eingriff ter Franzosen schloffen sämtliche Banken ihre Betriebe.
Kamps rechts unb links.
Entschließung gegen die Kommunisten.
(eigener Drahtbericht.)
Berlin, 6. April.
Die hier gestern versammelten vereinigten vaterländischen Verbände Deutschlands nahmen folgende Entschließung an: „Wir halten es für einen Grundsatz der Gerechtigkeit, ohne die sich ein Staatswesen ans die Dauer nickst erhalten kann, baß Gesetze und Verordnungen gegen federmann gleichmäßig angewendet werden. Nach amtlicher Be- kanntgabe ist die dentfchvöIkische Frri- heitspartei aufgelöst worden, weil auf sie der Paragraph 14 des Gesetzes zum Schutze der Republik zutreffen soll. Rach Paragraph 7 Absatz 4 gebürt zu den verbotenen Bestrebungen auch dir, die verfassungsmäßig ftstgelegte republikanische Staatsform des Reiches ober eines Landes zu untergraben. Es ist durch zahlreiche Kundgebun- ge« bewiesen, ba tzdie kommunistische Partei die Diktatur des Proletariats erstrebt unb damit die verfassungsmäßig ftstgelegte republikanische Staatsform zu untergraben trachtet. Die kommunistische Partei mußbemnachaufge- 13# unb verboten werten. Wir sorbern bie Reichsregierung ans, bie ausführenden Organe in biefem Sinne zur gleichmäßigen Durchführung teS Schutz-Gesetzes anzuhalten.«
Widerstand der Eisenbahner.
Mitteilungen aus dem Rheinland.
(Privat-Telegramm.)
Mainz, 6. April.
.Der auch hier angeschlagene Befehl ter Fraa- 'zoien ait bie Eisenbahner, die Arbeit bei Strafe