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Hessische Abendzeitung

Nummer 76. >

Fernsprecher 951 und 952

Sonntag, 1. April 1923,

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

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Meter Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Osterzell.

Durch Rach« zum Licht!

Bett

Artnr Brausewetter.

Dunkelschwer« Todesnacht in Golgatha hellheiliges Sonnenleuchten am Ostergrabe. Wie kur, die Spanne Zeit, die Tod und Leben, Un­terliegen und Siegen von einander trennt. Durch Nacht zum Licht, das ist die ewig wicderkehrendr Losung im Leben des E i n z e l n e n wie in dem der Volke r. Als das einst so angesehene und mächtige Israel im tiefsten Verfalle sich befand, als übermütige Feinde im eigenen Lande es heimsuchten und drangsalierten, als keine Hand zu seiner Hilfe sich erhob, als es gedemütigt, der- nichtei und verstoßen unter den Völkern der Erde war, ein Spiclball feindlicher Willkür und Grau­samkeit gerade da ging der Morgenstern über ihm auf, erschien der Retter vom Layde.

Die ganze Starrheit der Finsternis auch über dem deutschen Lande, ein Golgatha der brutalen Gewalt und schon leuchtet das Licht. Ein Sichbestnnen und Erwachen, ein Sichregen und Ermannen der Tag der Auferstehung däm­mert. Golgathanacht und Qstermorgen, wie ganz verschieden --- und doch wie innerlich nahe! Nacht muß cs sein, soll man das Licht ersehnen und ahnen. Je tiefer das Dunkel, um so leuchtender dann der Aufgang aus der Höhe. Nie haben wir wohl so nach einem Strahl der Sonne ge­dürstet wie in den Tagen, da schwere Traurigkeit aus unserem Leben, hemmend-r Druck auf allen unseren Verrichtungen lag. Denn wir sind Kin­der des Lichtes und können nicht unentwegt durch Finsternis wandern. Der Kampf der Mächte der Finsternis mit dem Lichte, das ist der Sinn und Inbegriff des Menschenlebens. Ostern aber ist das große Siogesfest des LichteS. Denn es bringt die Ueberwindung von Grab und Dunkel des Daseins, bringt die Helle in die dumpf la­stende Winterstarre.

Christus ist auferstanden was anderes will es uns sagen, als daß dieser Chri­stus heute lebt als der unbestechliche Richter all des Ungeheuerlichen, das wir im Zeitalter seiner Lehre und Liebe erleben mußten? Daß man ihn hört und predigt, darauf kommt es nicht an. Son­dern darauf allein, daß sein Wort und sein Tat das Motiv für das Tun des Einzelnen wie der Völker wird, das Ziel zugleich für ihre Hand­lungen und nicht zum mindesten der G e i st, aus dem die moderne Zivilisation und Humanität ihre Wurzeln zieht. Von einer Auferstehung Christi kann erst die Rede sein, wenn er leben­dig wird in den Herzen der Menschen, wenn sie ihn lieben lernen als den geheimnisvoll starken Anreger zum Guten und Gerechten, ihn fürch­ten lernest als den Richter des Bösen und Unge­rechten, das sie tun. Beweise für die Auferstehung Christi zu geben, wie es heute noch vielfach ge­schieht, ist absurd und überlebt. Die Beweise sind ra da, sind mit den Händen zu greifen. Lebt er in den Völkern der Erde? Gilt ihnen sein Wort und seine Tat als Richtschnur und Kraft? Wie oft möchten wir unter dem Eindruck unge­heuerlicher Erlebnisse an seiner Auferstehung irre werden!

Und doch lebt er, und seine Auferstehung ist keine Mär oder bloße Sage. Nur lebt er nicht im steinernen Formalismus, in äußerlicher Sonntagsheiligung, sondern im innerlichen Durchdringen und der sittlichen Erneue- rung der Völker. Und gerade heute ist uns oft zu Mut, als spürten wir im deutschen Volke etwas von diesem inneren Leben, dieser umwandelnden Erneuerung, als träte in Deutsch­lands schwerem Schicksal das Eine immer sicht­barer in die Erscheinung: .Durch Rächt zum Licht." Was uns das Osterfest nahe legen will, ist der Ernst und die Verantwortung der Ewigkeit. .Mehr Ewigkeit!" will es uns in die Herz-n und in die Gewissen predigen. Vielleicht gibt es heute nur eine Möglichkeit, der täglich auf uns lastenden Sorgen Herr zu werden: den Ewigkeitsgedanken. Denke, was Tu bist, denke, wie lange Tu es bist und was Du einmal sein wirst. Und alle die Sorgen, die dir so groß und wichtig erscheinen, werden wesens­los untergehen im schweigenden Meere der Ewigkeit.

Ewigkeitswerte müssen wieder in uns wach werden, dann erst können wir mit der Aufer­stehung Christi die eigene erleben, dann erst ein Osterfest des Geistes und der Wahrheil feiern. Und vielleicht sind unsere Herzen und Gedanken niemals in solchem Maße für die Botschaft der

Auferstehung reif und vorbereitet gewesen als gerade jetzt, wo wir durch die dunkle Nacht Gol- gathas hindurchgehen mußten. Diese Botschaft aber heißt: .Was suchet Ihr den Lebendigen bet den Toten?* Wenn wir wieder gelernt haben werden, für unser Wollen und Handeln nicht äußerliche und selbstische, sondern innerliche und liobeerfüllte Motive zu suchen, nicht nur unsere Pflicht zu tun, sondern in ihr unseres Lebens Freude u. Glück suchen, wenn wir, gleich jenen deutschen Männern im bedrängten Ruhrgebiet die Treue gegen uns selber, gegen Vaterland und Gott als den einzigen Wertmesser unserer Handlungen betrachten und üben werden, wenn der Glaube an uns selber und an das Gute un­serer Sache uns vor dumpfern Verzagen und Verneinen schützen wird, wenn dieser Glaube sich betätigen wird in einem von sittlichere Kräften und Zielen erfüllten Leben dann wird en wir den Lebendigen nicht mehr bei den Toten suchen, Golgatha wird überwunden und der große Auferstehungstag für Deutschland kommen.

Wettere Besetzung!

Die Franzosen im Wupper, und Bolmetal lEigener Drubibericht.)

' Düsseldorf, 31. Mörz.

Einer Düsseldorfer Meldung derDaily Mail" zufolge soll in den nächsten Tagen das Wup­per. und B o l m e t h a l von den Franzosen be­setzt werden, um die deutsche Tertil- und Metall warenin»ustrie zu treffen. Die Franzosen dürf­ten in den nächsten Tagen zwischen Wipper­fürth und Overath, welches kürzlich von den cnsflischen Truppen aufgcgeben wurde, nette Zoll, posten aufstellen und Gummrrbach, Marienheide und Dieringhattsen in die Blockade einbeziehen. Geographisch ist die Operation von geringer, wirtschaftlich von tttr so größerer Bedeutung. Seit Donnerstag find umfangreiche Truppen- verschiebungin im Bereiche der staatlichen Schachtanlagen festzustellen. Die Stadt Buer wird besonders stark mit Besatzung belegt. Sämt­liche Säle in Buer-Erle sind von den Franzosen beschlagnahmt, ausierdem eine Schule m Brrer Mitte, wo die Franzosen jetzt nicht weniger als vier Schulen für sich in Anspruch genommen haben, wodurch ein geregelter Schulbetrieb un­möglich gemacht wird. Die Truppenverschiebun. gen hängen mit dem beabsichtigten Dormarsch m3 Wupper- und Bolmetal zusammen. Die Aus- dchnuna der französischen Besetzung würde be­deuten, daß auch die Städte Barmen-Elberseld, Gevelsberg, Schwelm, Radevormwald, Lüttring­hausen, Lennep, Hagen und Haspe künftig in­nerhalb des Einbruchsgebietes liegen würden.

Französische Urteilt.

Rechtsbrüche und Gewalt gegen Beamte. tEigener Drahtbericht.)

Bonn, 31. Mürz.

DaS französische Kriegsgericht verurteilte den hiesigen Beigeordneten Justizrat Sieberger, wegen Nichtausführung eines an die Stadt Bonn gerichteten RequifitionSbesehls zu drei Jahren Gefängnis und fünf Millionen Mark Geld­strafe. ferner der Postdirektor Grütter aus Duisburg, der sich geweigert hatte, militärische Telegramme zu Ctförbcm, zu zwei Jahren Ge­fängnis und drei Millionen Mark Geldstrafe, de« Postdirektor von Lennes en der Sieg aus demselben Grunde zu einem Jahr Gefängnis und einer Million Mark Geldstrafe. Ein Z o l l- beamter aus Oberstei» der bei der Belage- runa des dortigen Zollamtes den Geldschrank- schliissel auf die Straße geworfen hatte, bamit man ihn feinen Berwandten bringe, wurde zu zwei Jahren Gefängnis und hunderttausend Mark Geldstrafe verurttilt. Weil er bei dieser Gelegenheit den 9htf ausgestoßen hatte:Zu Hilfe, die Franzosen kommen" wurde er wegen Beleidigung der Besatzungstruppen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

AualcinbifcheRudrvisse.

Dom schwedisch«« Roten Kreuz.

«gigene Dradttneldunal

Frankfurt a. M 31. März.

Das Schwedische Rote Kreuz hat einer Draht­meldung der Frankfurter Zeitung aus Stock. Holm zufolge mitgeteilt, daß es seit Beginn der Ruhraktton mit Hilfe von Sammlungen und durch Zeitungen sowie Berufsverbände bisher 130 000 schwedische Kronen (660 Mill innen Mark) der notleidenden Bevölkerung im Ruhr­gebiet zur Verfügung stellen konnte. Dorumer

befinden sich 15000 Kronen (75 Millionen Marks hie die schwedischen Eisenbahner für ihre not­leidenden Berufskollegen im Ruhrgebiet gesam­melt haben und 2000 Kronen (10 Millionen Mark» die die Stockholmer Polizeibeamten zu­sammengebracht haben zur Weitergabe an ihre bedrängten Kollegen an Rhein und Ruhr. Durch die schwedischen Banken wurden ferner für 10000 schwedische Kronen (50 Millionen Marks Gedenk­karten für das Rote Kreuz verkauft. Das Publi- ftim scheint stch besonders für die sogenannten Kinderkarten zu interessieren.

Um btt Eisenbahnen.

Deutscher Gegenbefehl gegen die Besatzung. (Drivat-Telegromm)

Essen, 31. März.

Auf die Verordnung des Generals Degoutte über Einrichtung der französischen Eisenbahn- Verwaltung im besetzten Gebiet hat der R e i ch s- verkehrsminister in Gemeinschaft mit den Gewerkschaften einen Aufruf au die Eisenbahner erlassen, in dem es unter anderem heißt, daß das Reichsbahnpersonal nach wie vor allein der deutschen Regierung und der Reichsbahnverwaltung unterstehe und nur den deutschen Anordnungen zu gehorchen hat. Alle Weisungen und Anordnungen der Fran­zosen und Belgier find ungültig. Ten Beamten. Angestellten und Arbeitern wird be- sohlen, den fremden Weisungen keine Folge zu leisten. Jedes Zusammenarbeiten mit Franzo­sen und Belgiern wird untersagt. Verstöße ziehen schwere Disziplinarstrafen nach sich. Boller Schn- denrrfätz wird den durch die Maßnahmen der Franzl.se» und Belgier betroffenen beut'djen Eisenbahnern und Invaliden zugefichert.

Abgelednke Derielvlgrr.

Mainz, 31. März. (Privattelegramm.) Auf Veranlassung des sozialdemokratischen Parteivor­standes waren vier französische sozialdemo­kratische Rechtsanwälte nach Mainz gekom­men, die vier angeklagte deittsche Eisenbahner verteidigen wollten. Das französische Kriegs­gericht hat aber diese Verteidiger abgekehnt. Auch wurden ihnen alle möglichen Schwierigkei­ten gemacht. Dagegen erflären die beiden Recht«, anwälte:Wir haben unsere Dispositionen ge­troffen und werden, wenn die Angeklagten vor dem KriegsMrjcht erscheinen werden, als ftanzö- sische Verteidiger nicht nur de» Protest deS Rechts ertönen lassen, das verletzt worden ist, sondern auch den Protest deS denkfähigen Tel- les des französischen Volkes, in dessen Namen angeblich Recht gesprochen werden soll."

Selbstschutz-Organisationen.

Nur zur Stütze der Regierung.

(Privat-Telegramml

München. 31. März.

Der Führer der Bayrischen Bolkspartei, Ab­geordneter Held, erklärte in einer Bersamm- lungsrede in Amberg zur Frage der Selbstschutz- organisationen, daß nur solche Organisationen berechtigt seien, die kein anderes Ziel ha­ben, als Ruhe und Ordnung, Aufrechterhal­tung der Gesetzmäßigkeit und Stützung der verfassungsmäßigen Regierung. Jede andere Organisation werde nickst zur Kraft, sondern zur schleichenden Gefahr, die von Tag zu Tag größer werde. Held kritifierte die po­litische Betätigung, die von einzelnen Führern in den vaterländischen O rqanisattonen getrieben würde und erklärte, es !Onne nicht jeder auf eigene Fanst die S'-gierung in Bayern "ftr politische Ziele vorspam, n wollen, die da« größte Unglück anrichten können und als Abenteurer be. zeichnet werden müßten. Gegenüber dem Gene­ral Ludendorft erklärte der Redner, daß die bay­rische Regierung getragen fein müsse vom bav- rischen Geist. Nur dieser Geist gebe gleichzeitig eine Gewähr für den deutschen Geist.

Frankreichs Mißerfolg.

Stillegung als Folge des Koksmangels.

(Eigene Drahttueldung.)

Paris, 31. März.

ImEcho de Paris" befindet sich eine Auf- fiellung, nach der seit Januar neununddreistig französische Hochöfen ausgelöscht werden mußten. Bon sämtlichen französtschen Hochöfen arbeiten nur noch siebenundsiebzig, das ist etwa die Hälfte. Gegenüber Erflärungen Le Troeguers, wonach die Sendungen von Ruhrkohle am Ende der vergangenen Woche 2500 bis 3000 Tonnen pro Tag erreichen fällten, stellt ein Arttkel der Ufine" fest, daß die Koksverteilungsstelle vom 1. bis 21. März insgesamt nicht mehr als lechStausend Tonnen Ruhrkohle erhielt. Seit dem 21. März sei allerdings eine Besserung auf der Basis der täglichen Gesamtlieferung von tausend Tonnen zu verzeichnen. Die Transporte kommen dreieinhalb Tage nach Abgang von der Ruhr an der französischen Grenze an. Die Ge­stellung von Arbeitern sei jetzt besser organisiert.

Deutsches Dolköopfer.

Die Verwendung der Speude».,

Bon

Dr. Karstadt

Ministerialrat im Reichsarbeitsminifierium.

Ms der Name »Deittsche Volksopfer" geschaf- fen wurde, gingen die beteiligten Kreise von der Auffassung aus, daß schon in der Namens­bezeichnung zum Ausdruck kommen solle: es Han- dell sich bei dem Ruhreinbruch und seiner Ab­wehr um eine Angelegenheit des ganzen deut­schen Volkes! Wir müßten mm nicht in Deutsch­land leben, wenn dieser schöne Gedanke nicht auch zum Anlaß würde, um ihm allerlei dunkles unterzulegen. Nur einige Beispiele: Die fran­zösische Propaganda hat sich bemüht, den Bewohnern dec besetzten Gebiete flar zu machen, daß die Mittel des Deutschen Volksopfers ihnen ja gar nicht zugute kämen, sondern daß sie zur Bekämpfung politisch mißliebiger Parteien, zum Ankauf von Waffen usw. dienten. In dem be­rüchtigten holländischen »Telegraaf" war am 15. Februar sogar eine ausführliche »Zuschrift" an- geblich von deutscher Seite abgedruckt, derzufvlge das Deutsche Volksopfer zur Werbung von Frei­willigen für die Reichswehr hcrangezogen würde. In 5er Zeitschrift eines scharf rechts stehenden Publizisten war wiederum die Behauptung auf- gestellt, daß die aus Anlaß des Ruhreinbruchs auflommenden Mittel lediglich den sozialdemo­kratischen Gewerkschaften zuflössen. Diese und Ähnliche Behauptungen sind leider nut zu willig von Leuten aufgegriffen und kolportiert, denen die Geschlossenheit des deutschen Volles gegenüber dem französischen Raubzug ein Dorn im Auge ist. Und so dumm alle diese Behaup­tungen sein mögen, sie finden Glauben auch bei solchen Volksgenossen, die nicht unkritisch sind.

Wie liegen die Dinge tatsächlich?

Die Verfügung über die zum Deutschen Vofls- opser auflommenden Mittel liegt in den Hari­den eines Arbeitsausschusses, dem neben Vertretern des Reichsrates je f ü n f Ar­beitgeber und Arbeitnehmer aus allen Lagern, Vertreter der kommunalen Organi- sationen, der Beamtenschaft, der großen Wohltätigkeits -Organisationen ufw. an­gehören. Diese Herren allein beschließen, was im Einzelfall mit den aufgekommenen Mitteln anzufangen ist. Die Zusammensetzung dieses Ausschusses aus den verschiedensten politischen, gesellschaftlichen und konfessionellen Ragern dürste also schon ein hinreichender Beweis dafür sein, daß die Mittel nicht in der geheimnisvolle» Weise Verwendung finden, wie es die franzö­sische Propaganda und ihre deutschen Nachbarn behaupten. Daß allerdings den Franzosen nicht auf die Rase gebunden wird, wohin das Geld im einzelnen Fall geht, ist selbfiverständ- lich, denn es liegt ein Beschluß der interalliier­ten Rbeinkandkommission vor, demzufolge alle Sammlungen zugunsten der durch den französi- schen Raubzug Geschädigten verboten und die Gelder der Beschlagnahme unterworfen sind. Be­kanntlich haben die Franzosen auch zmn Beispiel die zitgunsten des Deutschen Volksopfers vom Reichspostministeriums herausgeoebenen Rbein- Ruhr-Marken und die Erlöse für diese Mar­ken an einzelnen Stellen gestohlen.

BIS jetzt elf Milliarden.

Bei der Reichssammelstelle des Deutschen VolkslwftrS sind bis zur Stunde rund elf Mil­liarden Mark eingegange n. Weitere sehr erhebliche Beträge liegen, noch bei de» Landes- mcKs-Wssen. Zugunsten der durch die Rubr- gebiets-Besetznng Geschädigten sind bisher über 6 Milliarden Mark und darüber hinaus 500 Millionen Mark für die Entsendung der Kinder ans dem Ruhrgebiet verausgabt worden. Die Verwendung der Mittel im ein­zelnen regelt sich n«b Richtlinien, in denen es heißt: »Das Deutsche Volksopfer ist zur Be­hebung und Milder»ing von Notständen im alt- nnd neubefetzten Gebiet und ftwfti.-ren durch den Einbruch der Bevölkerung unmittelbar erwachse- nen Schäden bestimmt. Es darf nickst jur Ab­nahme oder Erleichterung von Lasten des Reiches ober der Lander dienen, sondern soll deren

Fürsorgetätigkeit ergänzen.

Eine Verwendung von Mitteln zu politi­schen Zwecken ist ausgeschlossen." Dar­aus geht aifo hervor, daß die Mittel in erster Linie da eingreisen sollen, wo die staatliche oder allgemeiner gesagt, die öffentlich« Fürsorge nicht ausreicht. Bekanntlich haben das Reich und die Länder zur Behebung der Not für Flüchtlinge, Ausgewiesene, zur Sicherung der Ernährung usw. sehr erhebliche BetrLre flüssig gemacht. Gleichwohl beweisen dir bisherigen Tatsachen, daß noch manche Not durch die öffentliche Für- sorge nicht erlaßt wird. Ob es sich dabei um rechts- oder linksorientierte Personen, um hoch oder niedrig handelt, das ist selbstverständlich gleichgültig. Die Mittel des Deutschen Volks- opfers kommen allen zugute. Allerdings: elf Milliarden Papiermark sind ein großer Betrag. Gegenüber der Not, die entstanden ist vohl