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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische, Abendzeitung

Stummer 75

Fernsprecher 951 und 952

Freitag, 30. März 1923.

Fernsprecher 951 und 953

13. Jahrgang.

Die Abwehr ist weiter möglich.

Der Leidensweg.

Das Zeitgemätz« des Karfreitags.

Von

Artur Brause weiter.

DaS ist das Kennzeichen des E w s g e n, daß eS zugleich ganz und gar zeitgemäß ist. Kein Tag hat der heutigen Zeit so viel zu sagen wie der Karfreitag. Was uns bisher vielleicht an ihm dunkel oder dogmatisch verschleiert erschien, das erhält heute Leben und Wirklichkeit. Denn alles Ewige ist Symbol, und nur das Symboli­sche ist Wirklichkeit im höheren Sinne des Wor­tes. Manch einer hat am stellvertretenden Leide des Heilands, in dem die eigentliche Bedeutung s des Karfreitags gipfelt, Anstoß genommen. Aber' dies Stellvertretende, dies Ausnehmen des Leids und der Schuld einer Gesamtheit hat sich ungezählte Male in der Geschichte der Welt wie in dem Schicksal des Einzelnen wiederholt. Was tapfere Männer im Ruhrgebiete, Be­amte, Bürgermeister, Industrielle, Schutzleute an unsäglichen ^Qualen und Martern auf sich neh­men mußten, was anderes ist es als das stell­vertretende Leiden für eine Gesamt­heit? Das stempelt diese Männer in unserer aller Augen zu Helden und Märtyrern, läßt uns in ehrfurchtsvoller Bewunderung und in dem heißen Wunsche, ihnen zu gleichen, wenn auch unsere Stunde kommen sollte, zu ihnen empor­blicken.

»Er ist um unserer Missetat willen verwun­det und um unserer Sünde willen zerschlagen." Das Verständnis für Jesu unvergleichliche Tat und für die unergründliche Tiefe des Kar­freitags beginnt in unserem Volke aufzudäm­mern. Schließlich muß man alles erst erleben, um cs zu verstehen. Wir aber erleben heute Karfreitag. Die Zeiten sind da, wo sich die unglaubliche Willkür Golgathas, die brutalen Vorgänge unter dem Kreuze wiederholen. Die via dolorosa, der Leidensweg, den das deutsche Volk seit diesem unseligen Krieg zu gehen har, befindet sich in einer ganz neuen Entwicklung. Sagt man gerne, daß alles Geschehen im letzten Grunde nur Wiederholm - ist, so muß man diese alte Wahrheit angesichts der heutigen Er­lebnisse bestreiten. Denn daß ein Volk nach ab­geschlossenem Krieg und Friedensvertrag als wehrlose Beute von seinen Feinden vergewaltigt daß Männer, die ihre Pflicht taten, dafür gemiß- handelt und in Kerker und in Banden getan wurden, das ist etwas fürchterlich Neues unter der Sonne. Nur im Leiden und Sterben des Gerechten, in Christi Opfertod auf Golgatha, fin­det dies alles seine vorwärts und rückwärts spiegelnde Bedeutung, wird es Ereignis sub spezie aeternitatis, erhält es Ewigkeits-Bedeu­tung.Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Mffetat." Das ist das Ge­heimnis und die ewige Losung des Karfrei­tags. Und wer sollte diesen Tag so inbrünstig, so an seine Brust schlagend verleben wie das deutsche Volk? Aber auch so hoffnungszuver- sichtlich?

Denn Karfreitag ist nicht nur der große To­destag der Christenheit, sondern zugleich ihr Erlösnngstag. Unter den Ereignissen die­ser Zeit beginnt auch jene etwas flache Strö­mung allmählich abzuflauen, die der Religion lediglich echische Bedeutung, ihrer Verkündigung lediglich echische Werte zuschreiben will. Daß die Religion Ewigkeitsfrage ist, daß man das Transzendentale nie aus ihr streichen kann, wird wieder klar. Alle großen Religionsshsteme stellen das erlösende Motiv in den Vordergrund. Keine aber in so evidenter Weise wie das christ­liche. Jesu Tod, die Erlösung der Menschheit von Schuld und Leid, aus Not und Tod, das ;ft ihr beherrschender Gedanke. So hat Richard Wagner das Christentum sehr richtig als nie tiefste Religion bezeichnet, weil ihr aus dem Leid dir Erlösungsbedürstigken der Menschen erhellt. Und wer könnte diese Erlösungsbedürf- figkeit aus tieferer Seele empfinden als wir, das von der Willkür und Brutalität unersätt­licher Feinde bis zum äußersten gepeinigte Volk?

Aber wir wissen zugleich: die Erlösung wirdkommen. Wenn heute noch nicht, so tagt doch sicher ein Morgen, der sie bringt. Aus dem Kreuze Golgathas schöpfen wir die Kraft, der wir so nötig bedürfen. Denn nicht einen Ster­benden zeigt es uns, sondern einen Lebenden, nicht einen Kämpfer nur, sondern auch einen Sieger. Und wie Christus alle Schändlichkeit

und Tücke seiner Feinde zu Nichte machte, so wird das. was diese uns jetzt antun, einmal zu unserem Heile ausschlagen. Die gedachten es böse mit uns zu machen, Gott aber gedachte, es gut zu machen. Ja, er hat es schon gut gemacht. Das Wunder ist schon eingetreten. Aus Unter­drückten sind wir Aufrechte, aus Besiegten Sie­ger geworden. Aus der Saat des Leides wird aufwachsen die große Ernte der Kraft, aus den Trümmern wird das Leben er­blühen. Wollen wir Deutschland neu er­bauen, so kann es nur aus dem neuen Geiste dessen geschehen, der sein Leben gab für die, die er liebte. Wer Großes will, muß zum Opfer bereit sein. Erleben und erleiden wir Golgatha, so wird es nicht nur die da im freventlich be­drängten Gebiete, sondern uns alle bereit ma­chen zu der großen Opfertat der alles geben­den Liebe.

Die Abwehr bauert an. Am die Frage der Verhandlungen.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 29. März.

Reichswirtschaftsminister Dr. Becker ge­währte dem Vertreter desDaily Telegraph" in Berlin eine Unterredung und erklärte dabei: Be,rHandlungen könnten nicht eingeleitet werden, wenn Frankreich nicht bereit fei. zu verhandeln, solange es auf seiner Absicht bestelle, Deutschland die Bedingungen zu diktieren und solange es sein Vorhaben »ertonbe, das, was eS besetzt hat, zu behalten. Er meine natürlich nicht, da ft Deutschland von Frankreich die Eröff­nung von Verhandlungen erwarte, aber wenn Frankreich bereit sei zu verhandeln, ständen immer Drittel und Wege offen, diese Bereitschaft erkenntlich zu machen. Im Augenblick könne Deutschland nur das tun, tvas es bereits getan hat, und die deutsche Regierung müsse die P o l i t.i k fortsetzen, die sic nach dem Ein­bruch der Franzosen in das Ruhrgebiet beschlos­sen habe. Die Fortsetzung dieser Politik werde möglich gemacht, da in Deutschland die durch die Ruhraktion verursachten Wirkungen nicht so sckfädigend seien, wie zuerst befürchtet wurde.

Die Hilfsbereitschaft in Bayern.

München, 29. März. (Privattelegramm.) In einer Versammlung der Volksvereine für das katholische Deutschland kam gestern abend Mini­sterpräsident Dr. von Knilling auf den Ab­wehrkampf an der Ruhr zu sprechen, und wies darauf hin, daß der W i d e r st a n d an der Ruhr der gleichen Bewunderung würdig sei wie das Ausharren im Schützengraben. Der Geist der Hilfsbereitschaft gebe uns ein starkes Vertrauen für die uns bevorstehenden schweren Wochen. Wenn ein Volk von sechzig Millionen fest zusammeusteht, so kann die ganze Menschheit es nid)t unter das Joch der Sklaverei bringen!

Reue Raubabsichten.

Die Alliierte» gegen die deutsche Anleihe. (Privat-Telegramm.)

Loichon, 29. März.

Die von der Reparationskonnnrssion an die Kriegslastenkommission gegebene Note über die deutsche Dollaranleihe ist im Laufe des gestrigen Tages telegraphisch hierher übermittelt worden. Sie hat folgenden Wortlaut: Aus Anlaß der außerordentlichen Einnahmen, die das Reich sich durch die erfolgte Ausgabe der Goldanleihe verschafft hat. erinnert die Repa- rationskommifsion pie deutsche Regierung an j>te Bestimmung des Artikels 248 des Versailler Frie­densoertrages. Da die deutsche Regierung nicht geglaubt hat, um eine Ausnahme von diesem Artikel nachsuchen zu müssen, sticht sich die Re- parationSkommifsion genötigt, auch ge­genüber den Anleihezeichnern ihr Vorrecht auf alle Mittel vorzubehalten, die vom Reich zur Zahlung der Zinsen «nd Mr Zurückzahlung der Anleihe bestimmt werden können, besonders, wenn diese außerordentlichen Einnahmen nickr zur Begleichung der Reparationsraten verwen­det werden. Die Rote ist unterzeichnet von Barthou «nd Bradbnry. Da besondere Ein­nahmequellen für den Anleihedicnft nicht in Aus­sicht genommen sind, ist die Rechtsverwahrung der Reparationskommission eine rein theoretische.

Mußte es so wett kommen?

Der Druderkampf in Deutschland.

(Eigene Drahtmeldunst.)

Leipzig, 29. März.

Die Bezirksparteileitnng der Bereinigten So- zialdrmokratischen Partei hat unter Beteiligung aller Kreisorganisationen beschlossen, im Be»

zirk Leipzig einensozialistischen Ordnungsdienst" zu bilden, der sich aus­schließlich aus Parteigenossen zusammensetzt. Als Zweck dieses sozialistischen Ordnungsdienstes wird angegeben: 1. Leistung des Ordnungsdien­stes bei allen Demonstrationen und Versammlun­gen der sozialdemokratischen Partei und der Ge- werkschast-n unter freiem Himmel. Schutz der Partei und der Gewerkschaften gegen Ueberfälle putschistischer Elemente. Im Bedarfsfälle stellen sich die Mitglieder des sozialistischen Ordnungs dienstes den Ordnungsorgancn der Republik zur Verfügung, und zwar im Zusammenwirken und unter Leitung der Polizeikräfte, die vorerst zum Schuhe der Republik bestimmt sind. Alle ge­walttätig vorbereiteten Angriffe gegen die Re­publik abzuwehren ist weiter der Zweck des so­zialistischen Ordnungsdienstes. Ferner ist er da­zu bestimmt, jede Gewalttat zu verhüten und un­möglich M machen. Um ein planmäßiges Z u - sammenarbeiien mit dem Ordnungsdienst der Kommunisten tu ermöglichen, ist der Bezirksvorstand beauftragt worden, mit der kom­munistische» Bezirksleitung in Verbindung zu treten und ErnignngSabmachnngen zu treffen.

Anter der fremden Gewalt. Verhaftung, Ausweisung, Beschlagnahme.

(Privat-Telegramm.)

Bochum, 29. März.

Geheimrat Sorte, Direktor der Bergwerks- akttetzgefellschast Lothringen, ist ,/ict von den Franzosen verhaftet worden. Wahrscheinlich hängt diese Belastung mit der Weigerung der Bergwerksbesitzer, die Kohlensteuer an die Fran­zosen zu zahlen, zusammen. Es heißt, daß die Verhaftung von weiteren Groß-Industriellen be­vorstehe. In Kaiserslautern haben die Franzosen gestern bei der Stadthaupttaffe 1700 000 Mark Erwerbslosengelder be­schlagnahmt. Aus der Rheinpfalz wurden vorgestern neunundsechzig und gestern zwanzig weitere Zollbeamte und Familien aus­gewiesen. Aus dem Bezirk des Landesfinauz- amtcs Köln wurden siebenunddreißig Zollbeamte verhaftet und ausgewiesen.

Ungehorsam unter den Truppen.

Dortmund, 29. Mürz. (Privattelegramm.) In dem Vorort Brechten verweigerten französische Alpenjäger vorgestern den Dienst. Sie blieben in den Wirtschaften sitzen und es be­durfte großer Anstrengung, die Leute zum Ge­horsam zu zwingen. Später wnrde dann diese Truppe abgelöst und sofort abbefördert.

Steuer Unfall eines Franzosenzuges.

Wiesbaden, 29. März. (Privat - Tele­gramm.) Der Pariser D-Zug, der vorge­stern gegen elf Uhr den Hauptbahnhof verließ, hatte zehn Minuten spater einen schweren Unfall. Wohl infolge falscher Weichenstellung geriet der Zug auf ein totes Gleis und die Maschine stürzte in einen sechs Meter tiefen Grund di­rekt in ein dort stehendes Wärterhaus. Der fol­gende Packwagen schwebte in der Lust und schob sich in den nächsten T-Wagen. Herbeigeei!- ten Arbeitern gelang es, den Lokomotivführer und bett Heizer zu befreien. Beide waren schwer verletzt und sind auf dem Trans­port zum Krankenhaus gestorben. Fahrgäste sind nicht zu Schaden gekommen, es waren meist Soldaten. Der Zug hatte langsames Tempo.

Französische Methoden. Das Berbvechergefindel in Uniform.

(Eigene Drahtmeldung.)

Dortmund. 29. März.

Bon halbamtlicher Seite wird bekanntgegeben, daß die Franzosen am 5. Februar ihren Truppen im Ruhrgebiet offiziell in einem lügnerischen Tagesbefehl mitgeteilt haben, daß der E i n m a r s ch in das Ruhrgebiet erfolgt fei,weil die Deutschen eine stanzösifche Jngenieurkommission überfallen und er­mordet Hütten". Sie verbreiten weiter die ge, daß alle französischen Deserteure von den Deutschen an Frankreich zurückgeliefert würden. Der erwähnte Tagesbefehl ist den Truppenteilen vorgelesen worden in der Absicht, yje Sol­daten gegen die Deutschen scharfzu machen, So wird bis zu einem gewissen Grade das rät- felhaste Benehmen der Franzosen verständlich. Man hat es verstanden, bie Sepie im Men­schen soweit sie bei den Franzosen überhaupt geschlummert hat. erneut zu wecken.

Dollar-Vergleiche.

Die llnkosten der Zeitungen.

Obwohl bie Mark seit einigen Soeben ihren Kursstand beide halten hat, find die Unkosten be» Zeitungen bedauerlicher Weise ein:c Stei­gerung unterworfen, ein poUttsch.parlamen. tarischerMitarveiter schreibt itne fogende« dazu. Ein Betriebszweig, der von den Wirkungen der Dollavsenkung hinsichtlich eines Preisab­baues noch gar nichts gemerkt hat, dessen Unro­sten im Gegenteil weiter gestiegen sind, ist das Zeitungswesen. Das hat zwei Gründe: Einmal sind die Zeitungen in Wahrung der Interessen ihrer Leser niemals der wirklichen Geld- entwertuna gefolgt: Viele haben das mit dem Verlust ihrer ganzen Existenz büßen müssen. Ein »Weiter triftiger Grund ist aber der, daß auch trotz Dollarsenknng.die Preise für die unentbehr­lichsten Materialien, namentlich für Papier, für Farbe, Metall usw. Steigerungen in einem Ausmaße erfahren haben, der noch den Kursstand zu der Zeit, als der Dollar 50000 Mark galt, weit übertrifft. Die allgemeine Ent­wertung der deutschen Mark im Verhältnis zum Auslaichsgeld beträgt heute das fünftausend- fache. Der Papieipreis hingegen steht nahe am z w ö lf tau sendfachen, beträgt also das Sieben- tausendfache mehr als die allgemeine Geldent- lvertung, gemessen am Dollarfland, anzeigt. Farbe und sonstige Materialien stehen aus dem zehn tausendfachen. Unter diesen Umständen ist cm einen Prcisabän im Zeittmgsgewerbe lei­der noch nicht 31t denken.

Ein alter Politiker und Parlamentarier, der der Verfasser dieser Zeilen ist, empfindet es im­mer ganz eigenartig, wenn diese Dinge, bereit Schilderung ja gewiß unerläßlich ist, gerade bei einem Gegenstände eine so große «Lo-tz- »>u , der ebenso wie das Brot für unser leibliches Wohl unentbehrlich ist für das geistige Wohl. Die g e i fti g e Aushungerung, die durch öte wirtschaftliche Entwicklung in einem Ausmaß Platz gegriffen hat, die einem Fernerstehenden nicht so stark zum Bewußtsein kommt, droht uit- ser Volk ju zerrütten. Und diese geistige Nor ist nicht etwa gemindert, sondern noch verschärft worden durch die höchst unerfreuliche und ganz unbegreifliche Tatsache, daß in dem Augenblick, in welchem eine großzügige Markstäbilisierungs- Aktion her Reichs regierung vorgenommen wird, die wichtigsten Tarife verdoppelt werden.

Bei alledem dürfen wir aber auch nicht Set« gessen, für welche Zwecke wir unsere Gelder, un­sere Einkünfte aufwenden. Bei der engen, ja unlöslichen Verknüpfung des Staatsbür­gers mit alten Funktionen des staatlichen Organismus kann keiner von uns das Bin­deglied, das einzig und allein seine Zeitung darstellt, entbehren, ©erabe dir letzte wirtschaft­liche Entwickluna hat taitsende von Beispielen gezeigt, in welchen die schwersten Verluste gerade diejenigen trafen, die keine Zeitung hielten und die sich über die Vorgänge nicht unterrichten 'tonnten. Betrachtet man im übrigen den Be­zugspreis unserer Zeitung und stellt ihn in Ver­gleich mit der allgemeinen Entwertung, bann wird man ohnehin leicht die Feststellung machen, daß unsere noch das Billigste und Wohl- seilst» ist, was im Strudel der Preis-Umwälzung im Vergleich zu ehedem überhaupt noch geboten werden kann. Wer sich der Mühe unterzöge und sich ein Bild machte von der ungeheuren geisti­gen und materiellen Aufwendung, die bis zur Fertigstellung eines Zettungsvlattes täglich ein­gesetzt werden müssen, der wird erst einen Be­griff davon erhalten, wie wohlfeil er über ein Unterrichtungsmittel verfügt, das Tag für Tag sein bester Freund und Berater in allen Dingen des öffentlichen Lebens ist.

Die PEe und vor allem die TageSzel- tungen ist ein wichtiges Hilfsmittel der Po- litik und der Regierung. Sie ist neben Re­gierung und Parlament der dritte Regierungsfaktor. Tie Stellung der Presse fan gesamten öffentlichen Leben ist heute eine ganz andere als ehedem. Diese Stellung wird aber um so stärker, je mehr Kräfte hinter der Zeitung stehen. Der Einfluß einer Zeitung ist um so größer, je stärker ihre Bezieherzahl ist und der einzelne Staatsbürger kann seine In­teressen um so mehr wahrnehmen, je leistungs­fähiger er die Zeitung macht, nie er zur Vertre­tung seiner Interessen gewählt hat. Zeitung und L e s e r s cha f t müssen ein einheitli - ches Ganzes bilden, und je stärker sie sind, nm so mehr werden sie im Ringen um die Wahrung der Interessen von Land und Volk, im Kampf um die deutsche Freiheit erreichen.

Versuchte Industrie-Spionage.

Vorsicht;

In den letzten Wochen ist wiederholt die Fest« stellung gemacht worden, daß Franzosen, Belgier und Engländer, die den in Denffchland tätigen Feindbundkommiflionen angehören, aus diesen ausgeschieden sind, dann aber unter dem Vorwand, zu Studienzwecken noch länger in Deutschland bleiben zu wollen, an