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Donnerstag, 29. Marz 1923.

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Tägliche Qualen im Ruhrgebiet

abgedantten $u milde oder zu streng gewesen fonSkommifsion find. Die Luft ist undurchsichtig, wie sie Zu- ?c(§ 34g 8

das Recht, auf Grund deS Arti­

kels 248 des Versailler Vertrags das Ergebnis

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mit dem gretz der handele. Mailand

amerikanischen Delegierten beim Kon­internationalen Handelskammern ver- Zu gleichem Zweck werde er auch m mit Männern der italienischen Finanz

und Wirtschaft zusammcntreffen. Wie mehrere italienische Blätter mitteilen, soll Stinnes aber heute auch eine Unterredung mit Mussolini in Mailand haben. Stinnes habe die Bereitwillig­keit Deutschlands zur Ausführung der Beschlüsse des internationalen Handelskongresses über die Regelung derReparationssrage erklärt.

Lie Slcfieter 9t<ue|Ten Nachricht en erscheinen wöchrnliich sechsmal und zwar ad end«. Der ÄdonnementSpreis beträgt monatlich 2500 Mar! bei tretet Zustellung ins Hau« In der Geschäftsstelle abgeholt 2455 Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 2500 Mark monatlich ctnfchl Zustellung. Bestellungen werden sedetzett entgegengenommsn. Druckerei, dEeballion. Schlachchofftratze AM. Mr unverlangt eingesandte Beiträge kann die Otedaltion eine Berantwortung ober Gewähr in keinem Falle übernehmen. Stück,ahlung des -oezugSgeides oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieferung ausgeschlossen.

Insertion Sp reife-, ch Ginheimische Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Mark. Fami. liennachrtchten, die Zeile ISO Mark die einspaltige Retlamezeile 600 Mark bi Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Mark, die einspaltige Reklamezeile «»Mark, alle» ein- schließlich TeuerunzSzuschlag und Anzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Sag hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An­zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden . Druckerei: Schlachthofsirabe 20/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße >. Telephon Nr. 95t und 952

tim die Dollar-Anleihe. Laberechte französische Sinmischaag. «Kiener Drahtbericht.)

Hugo Stinnes in Ätalien.

Nav in SeschLfts-Angelegenheiten.

(Eigene Drahtmeldung.)

Rom, 28. März.

Die italienische Presse beschäftigt sich lebhaft mit der Reise von Stinnes nach Rom und Mai­land. Einige Blätter berichten von einer Unter­redung mit dem Unterstaatssekretär des Innern Fiuzi, mit dem er sich über die internatio­nale Wirtschastslage und die Repa­rationen unterhalten habe. Das E-gebnis der Unterredung sei Mussolini sofort mitgeteilt wor­den. In den Kreisen der deutschen Botschaft wird darauf hingewicsrn, daß Stinnes keiner­lei amtlichen Auftrag habe und lediglich in eigenen Geschäftsangelegcnheiten

Wettere feindliche Gewalt.

Beschlagnahme in Dortmund.

Delaseningszufland.

Duisburg, 28. Mürz. (Privattelegramm.) In Emmerich und Wesel haben die Franzosen über die von ihnen besetzten StadtteUe den B e - lager» ngSzu st and verhängt, dcs^cichen über M e t t m a n n, weil dort ein französischer Offizier durch eilten von unbekannten Tätern abgcseuerten Revolverschutz unerheblich am Fuße verletzt worden war. Ein Arzt ilud ein Kauf­mann sind als Geiseln festgenommen worden.

der Anleihe als eine der Rcparationskommissiou verpfändete Einnahme auszufassen? Diese Frage wurde von feiten deS französischen und italienischen Vertreters der Kommission b e- f a h t. Die anderen Mitglieder der Kommission, einschließlich des belgischen, verneinten die Antwort auf diese Frage. 3. Haben die den An- leihezeichnern von der Reichsbank aegebcnen Garantien Geltung? Mit Ausnahme des fran- zösischen Kommissionsmitglieds hat die Rcpa- rationskommission erklärt, daß die Reichsbank als privates Unternehmen den Einsprüchen der Alliierten entzogen sei und daß sie deshalb aitch ausreichende Garantiern geben konnte.

Paris, 28. März.

Die Sachverständigen der Reparations-Kmu- misfion haben sich mit der deutschen Dollar-An­leihe besäht. Gestern nachmittag sand eine Sit­zung statt, in der die Kommission Stellung zu folgenden grundlegenden Fragen nahm: 1. Hat. te Deutschland ein Recht, diese Anleihe ohne Ermächtigung durch die Reparattonskom- mission vorzunehmen? Darauf erfolgte einstim­mig ablehnende Antwort. 2. Hat die Reparati-

wenn Not am Manne ist. Die städtischen Be­hörden arbeiten. Die Theater sind wieder alle geöffnet. Die Straßenbahnen fahren. Die Zollgren^ wird immer noch her- mettsch geschlossen gehalten, sodaß ein Handels­verkehr unmöglich ist. Der Schleichhandel Hat wieder großen Umfana angenommen. Die Unsicherheit ist beträchtlich gestiegen, da die Sicherheitspolizei in keiner Stadt mehr funktio­niert und dort, wo noch einige Beamt« belaff-n worden sind, ihre Entwaffnung erfolgt«. Die militarisierten Strecken liegen still. Die Züae gehen selten und nicht nach bestimmten Fahrplä­nen. Tas PriAikum benutzt diese Züge nur in dringenden Fällen, weil die Gefahr zu groß ist. Täglich kommen Zugentgleisungen vor. oder blei­ben einzelne Züge auf der Mitte der Strecke aus unbekannten Gründen liegen...

Die Stimmung der Bevökkenina ist gut, die Stimmung der Franzosen recht EeM. M« wis­sen nicht, was sie eigentlich im Ruhrgebiet noch tun sollen. Sie warten ebenso wie di« deutsch« Bevölkerung auf die plötzliche Wendung, die nur nach Befehlen aus Paris kommen muß. Der Nachfolger Eostes hat sich ebenso urifähig gezeigt, das Ruhrgebiet auszubeuten, wie der in Gna­den entlassene. Die Kommandeure werden auf. Mia oft gewechselt. Man weiß nicht, ob die

Aus dem Handeiskammerkongnß.

Rom, 28. März. (Eigene Drahtmeldung.) Es wird berichtet, daß Hugo Stinnes ni$t vor privatgeschästlichcn Absichten nach Rom geführt wurde. Anlaß feiner Reife war der internatio­nale Kongreß der Handelskammern. Stiüncs hat gestern abend vor diesem Kongreß gesprochen und einen Bericht über den oeutschrn Standpunkt zur Reparativns- und Wiederaufbaufrage erstat. tct. Er hatte danach lange Unterredungen mit den amerikanischen Delegierten Kent und Gars. Die Unterredungen mit Stinnes sollen sehr befriedigend verlaufen sein, doch werden keinerlei Einzelheiten bekannt gegeben. Alle Nach­richten, die darüber im Umlauf find, dürfen, nur als Kouwinationen gewertet werden. In diesem Zusammenhänge hört man vielerlei Gerüchte, die aber sehr vorsichtig aufzufassen sind.

nngert worden sind. Wohin sie dirigiert wur­den. weiss man nicht.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist hinreichend. Die Ent­lohn una der Arbeiter und Beamte erfolgt pünktlich. Die Spenden des Reiches für die Ge­schädigten und Notleidenden setzen immer ein,

Das gequtMe Ruhrgebiet.

Anter der Fremdherrschaft.

(Privat-Telegramm.)

Dortmund, 28. März.

Direktor Hartmann, Leiter der höheren Stadt­schule in Kettwig ist gezwungen worden, die Eisenbahnzüge auf der militarisierten Strecke Kettwig-Essen hin und zurück zu be­gleiten. Die Franzosen wollen dadurch ver­hüten, daß weitere Sprengungen der Gleise Vorkommen. Fn M ü l h e i m a. d. R. haben sie der Geschäftswelt gedroht, bei weiterer Verweigerung des Verkaufs von Waren an An­gehörige der Befatzungstruppen, zehn Geschäfte in unnnterbrochrner Folge in einer Hauptver- lehrsstratze zu fchließen. Aus Bottrop wird berichtet, daß auf der Zeche Rheinbaben seit gestern Arbeiter damit beschäftigt sind, die dortj. gen KokSvorräte zu verladen. (Für wen?)

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ausgewiesen. Indessen: alles geht ruhiger zu. Das kommt Wohl auch daher, weil mehrere fran­zösische Journalisten das .Kriegsgebiet* verlas­sen haben und di« Spione Wohl an Zahl ver­ringert worden sind. Wohin sie dirigiert tour»

Die Lage der Industrie.

Wettere Aufträge für das Ruhrgebiet.

(Eigene Drahtmeldung.)

Essen. 28. März.

Die Erz zufuhr zu den Hüttenwerken des Rtlhrbezirks hat sich bis vor kurzem noch unge­hindert vollziehen könne». Es dürfte dies dar­auf zurückzuführen fein, daß Erze nach dem deut­schen Zolltarif, der den Franzosen als Unterlage zu ihren Maßnahmen gedient hat, zollfrei sino. In den letzten Tagen hat die französisch« Zoll­stelle. nach der Deutschen Bergwerkszeitung, da­mit begonnen, auch jür Erze einen Einfuhr- zoll von zehn Prozent zu erheben. Demzufolge hat die Einfuhr eingestellt werden müf- fen. Für die industrielle Bctriebslage ist Utes zunächst belanglos, da die Werke «och auf lange Zeit hin mit Erzen verfehen find. Tue Nachfrage nach Eifenerzeugnissen ist immer Hort) sehr lebhaft. Es gehen bei den Werken weiter zahlreich« Auftrag« ei«, auch aus dem irtbc- setzten Gebiet. Eine Erledigung dieser Austräge ist wegen der 3oBarente natürlich sehr schwierig. Man hilft sich soweit alS tunlich durch Austausch zwischen dem besetzten und unbesetzten Gebiet.

beste Erklärung darin finden, daß man in Pa­ris wahrscheinlich tatsächlich mit V e r h a n d. lungen gerechnet hat. Tie starke Stimme, dir ans Paris noch immer hörbar ist, muß man tu« Phrase anffaffen. Frankreich glaubte, als es alle Machtmittel angewandt hat, Deutschland werde sich beugen, werde dem Winke folgen und nm Gnade und Verhandlungen bitten. Jetzt weiß man nicht, was beginnen, jetzt wird die Ruhrbesetzung auf längere Zeit ausge­baut und bleibt ohne bestimmte Instruktionen. Man möchte aber auch nicht durch immer neue Geivaltakte die Empörung zu sehr steigern und «flennen lassen, daß man schon alle Mittel au- aewandt hat und dock nichts erreichte. So gehen die Tage hin, unentschlossen für die Franzosen, unsicher für die Ruhrbowohner. Eine Ungewiß­heit liegt am Himmel, die schwer lastet auf der Bevölkerung, die warten und wieder warten muß, bis die Wendung kommt.

(Privat-Telegramm.)

Dortmund, 28. März.

Gestern vormittag kamen die Franzosen aus das Postamt 1, besetzten sämtliche Eingänge und beschlagnahmten die Ruhrhilse- Marken. Der Postpmkttkant Boxolt wurde gefesselt abgeführt, weil er sich geweigert hatte, den Kaffenschlüssel an die Franzosen auszuhän- digen. Gleichzeitig nahmen die Franzosen Werlbehälter mit einem Inhalt von zwei Millionen Mark mit. Zwei fran= zöstsch« Kompagnien Infanterie rückten in die Straßen von Dortmund ein, begleitet von meh­reren Lafckraftwagen und Pan^rautos. Sie besetzten zunächst die Druckerei von Grüwell. Deren Besitzer war am 24. März aus einer Reise in Scharnhorst verhaftet und von dort nach Dortmund gebracht worden. In seiner Gegen­wart besichtigten die Franzosen die Druckerei u«d erkundigte« sich nach der Herstellung und dem Verbleib deS dort angefertigten Notgel­des. Nach einem längeren Verhör wurde Grü- well wieder freigelassen. Mittags wurde das Ban amt besetzt. Dann begaben sich die Fran, zosen »ach dem Besatzungsamte. Hier wurden im oberen Stockwerk zwei Zimmer, die verschlossen waren, ausgebrochen «nd «ach Schriftstücke« dnrchfuch«.

l zu einer Zentrale für wirtschaftliche Betätigung i (Einkauf von Rohstoffen, Uebernahme und Per. . teilung von Arbeiten) unter Hinzuziehung der ' Genossenschaften im Kammerbezirk, der Kreis. Wirtschaftsstellen, beS Handwerkerbundes, der i Fachverbände ufw. wobei der Vorsitzende an : das Handwerk appellierte, überall Genosscnschaf- . ten zu gründen. Bisher hat bi« WirMwftsftelle schon verschi ebene Millionenauftrage ' für Düsseldorf ausgeführt und zwar Wohn, raumerrichtungen und Schemel für die fr an. zösisch-belgische'Besatzung. Die nach Kassel und auch in die Provinz vergebenen Auf­trägenb erledigt und bezahlt aber noch nicht abger en, weil die Franzosen und Belgier für die L >che«, die sie kostenlos bekommen, auch noch Einfuhrzoll haben wollen...! Jetzt liegt ein großer Auftrag von Matratzen vor, bei des­sen Vergebung auch die notleidenden Schneide- rinnen, möglicherweise auch Kleinrentner Arbeit erhalten können. Von verschiedenen Seiten wurde darauf hingewiesen, daß

di« Franzose« «nd Belgier nur ganz solide und vorschriftsmäßig angeftr- liflte Arbeiten abnehmen. Sie messe« sogar die Tisschfüße ustv. auf das Genaueste nach und gehen dabei sehr rigoros vor. Am bemerkens­wertesten waren Mitteilungen, bi» Schreinermci- ster Kniest auf Grund ferner Kenntnisse als Reichstags ab geordneter machte. Zunächst gab er der sicheren Erwarttmg Ausdruck, daß das neue Haudwerkergesetz noch in diesem Spätsommer dem Reichstag zugebt, nachdem schon jetzt eine gewisse Einigkeit über di« Haupt- sächlichsten Bestimmungen herbeigeführt worden ist. Dann sprach er über das neue Woh­nungsbaugesetz. Um die

Wohnungsbauabgabe von 3000 Prozent werden wir, wie er erklärte, nicht herumkommsn. Diese Abgabe soll jährlich 150 Milliarden w bringen. Von Bedeutung ist eine Verbilli- gungsaktion für Baustoffe. Der Plan einer Zwangsitmlagc bei Waldbesitzern und Kalk- »nd Zement-Syndikaten ist an den Wider­stand der Syndikate gescheitert, doch haben die Syudikate Preisherabsetzungen bei Barrstofi-n zugunsten gemeinnütziger WohnungS. baugenossenschaften zugestanden. Der Kardinat- punkt ist der, daß der Abschlag allen produkti­ve« Genossenschaften zugedacht ist, die sich in produktiver Weise am Häuservau für Kleinwohnungen beteiligen. An ein Baue« im freien Verkehr denkt ja heute niemand mehr. Ernstlich denkt man auch daran, die Ju. ! e n d l i ch e n, die später anch eine Wohnung »aben wollen, zu den Wohnungsbaulasten her. anzuziehen. (Schließlich wurde der Erweit-ruva der Wirtschajtsstell« in dem angedeuteten Sinne grundsätzlich zugesttmmt und eine Kommission, die diese Umwandlung vorbereitet hat, mit der endgiltigen Gründung einer G. m. b. H. beauf­tragt, der ein Aufsichtsrat beigegeben werden oll. Unter Hinweis auf die kommende große Arbeitslosigkeit im Sommer wurde

kunft. Tas Empfinden wird man nicht los, als ob jetzt weniger im Ruhrgebiet experimentiert wird als in Paris. Dort scheint eine auffällige Unsicherheit vorzuliegen. Und man wird die

Handwerkskammer.

Mitteilungen über vaS Wohnungsbaugefeh. Ueöer bett Vertont »er gestrigen VoUversamt». Ittng der «urtzesstsch WaldeckscYen Handwerks­kammer, deren Begin» schm, gemeldet Word«» ist, »«richte« nnsrr U-Mitardclter folgende« .

Es war eine Dauersitzung wie sie die Haud- werkskammer von Kassel feit Jahren nicht erlebt hat. Von morgens 10 Uhr bis adendS VA Uhr saß man beisammen. Einige Stunden wohnte mtd> Regierungspräsident Sptingorum der Sitzung bei, die nur für kurze Minuten mili. tärisch unterbrochen wurde... Das war, als am Nachmittag Infanterie und Minenwerfer mit zwei Kapelle«, mit Mann und Rotz und Wa­gen unten vorüberzogen. Da öffnet« man auch oben im Sitzungssaal die Fenster und besah sich das heutzutage so seltene militärische Schau- spiel! lieber

di« Reform der Gewerbesteuer berichtete Syndikus Th anheiser. Er be» merkte dabei, datz sobald ein fester Entwurf vor­liegt, die Gesamtheit noch einmal gehört werde. Der EtatderKammer wurde mit 56f4 Mil. lionen Mark Ausgaben festgesetzt, die durch Kammerbeiträge aufzubringen sind. Der Beitrag für die Tuberkulosebekämpfung wurde von 20 000 auf 50 000 Mark erhöht. Vorsitzender Zim. mermann bat, sich der Shriber anzunehmcn, die zur Heilung irgendwo untemebracht werden müssen. Für die Vorarbeiten sowohl des Kin- zig-FuU>a-Kcmals alS des Werra-Kanals wur­den Beiträge bewilligt. Für die er­stere Bewilligung traten vor allem die Ha­nauer ein. AlS zweiter Syndikus wurde Dr. Hartmann, bisher Syndikus des Handwer- kerbrmdeS auf Probe angesiellt. Schließlich kam es, nachdem noch andere Kammerangelegenheiten erörtert worden waren, zu einer sehr angeregten Aussprache über den Ausbau deS jetzigen Ver. diriglmgsamtes zu einer

Wirtschaftsstelle der Kammer,

Nummer 74

Der dauernde Kampf.

Die Lage im Ruhrgebiet.

In einer Besprechung zwischen Negierungs- Vertretern und Wirtschaftsvertretern sagte Reichs- arbeitsminister Dr. Braun, daß der Kampf um das Ruhrgebiet noch Monate lang bauern werde. Noch immer spielen sich die Franzosen und Belgier cl$ die Herren der Lag« auf, noch immer ziehen geschloffene Truppemnassen durch dt« Straßen, noch immer stehen all« Ruhrstädte Mlter militärischem Befehl. Der Widerstand der Ruhrbewohner ist ungebrochen. So Mrd den Eindringlingen auch jetzt noch nichts verkauft, keine Handreichung getan, in keiner Weis« ihre Absicht erleichtert, Kohlen, Koks und Geld zu erhalten. In den Gruben wiro gearbeitet. Die Wagen für Italien, für die Schweiz und Holland werden beladen, bte übrigen Kohlen aus die Halden geschüttet. Die meiste Arbeit aber wird in der Anlegung neuer Stollen, neuer Flöze vollbracht. Die Fabri­ken sind fast alle im Gang und arbeiten aus Lager. Arbeitslosigkeit gibt es nicht. Und die Löhne werden stets pünktlich bezahlt, es sei denn, daß irgend eine Lohnsumme der Beschlagnahme verfällt. Das ist aber nur in seltenen Fällen vorgekommen, weil die größte Vorsicht geübt wird, da man weiß, wie di« Franzosen auf die deutschen Lohngelber spannen. Die Eisen- lmhner befördern die Waren, die durchgelassen werden, keine anderen und leisten den Franzo­sen keinen Dienst. Sie sind unabänderlich treu der Regierung unb ihrem Lande. Die P o;t arbeitet dort wo es möglich ist, die Pakete sind ffänbia in Gefahr, auch die Briefkontrolle wird bann und wann eingeführt, um bann wieder aufgehoben zu werden. Der TelepHonver­kehr ist größtenteils gestört, weil bi« Franzo­sen nicht nur einige wichtige Armier noch immer besetzt halten, sondern auch die wichttgsten Lei­tungen für sich in Anspruch nehmen, andere Li­nien aber gan, zerstört sind. Noch immer wird die alte Taktik geübt, daß jede französische For­derung und Drohung mit Streik und passiven Widerstand beantwortet wird. Bald hier, bald da versuchen die Franzose« vorzustoßen, um sest- zustellen, ob sich die Stimmung gewandelt bade. Sie finden, daß sie noch nichts erreichen können. So bietet sich das alte Bild: eine arbeitsame, übervölkerte Gegend ist vom Reiche durch scharre Kontrolle abgeschnitten und muß täglich mit neuen Gewaltmäßnahmen rechnen, denn die Franzosen sind unberechenbar. Einstweilen sieht man auch bei ihnen ein. daß sie nichts erreichen werben. Sie zeigen deshalb eine auffällige Zu­rückhaltung. Die üblicbe Stille vorneUbm Sturm, sagt man. Was die Franzosen Pla­nen ist unbekannt, worauf sie hinauSwollen, nicht zu ergründen. Jedenfalls hat man das Emp­finden, daß sie sich für viele Monate häuslich einrichten und Maßnahmen treffen, die nur tut lange Dauer gelten können. Die SchreckenSiage die hinter uns liegen, leben noch ftisch in der Bevölkerung. Insofern ist der Bevölkerung rinc Konzession gemacht worden, als die Trupden in den einzelnen Städten gewechselt sind. Ver­haftungen werden noch immer vorgenommen, Gelder werden noch tmmer beschlagnahmt. Be­amte und Privatpersonen werden noch immer

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