Dienstag, IS. März 1923,
13. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952
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Nummer 66
Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Der Reichspräsident redet im Westen.
Die
Anführung der einzelnen Tatsachen Deutschland seit Abschluß des Friedens alles getan hat, waS Kräften stand, um die rücksichtslosen
fest, daß Versailler in seinen Forderun-
.PreiStrciberei und Wncher sich breitmachen, wird gegen solches Schmarotzertum mit aller Schärfe vorgegangcn werden. Noch zeigt der Gegner keine Bereitschaft zu freier und gerechter Verständigung, zu der die deutsche Regierung bereit war und bereit ist. Wir wissen, was es bedeiften würde, wenn wir uns den Machtgelüsten Frankreichs unterwerfen würden. Es wäre geschehen nm Bestand, Selbstbestimniung und Zukunft der deutschen Republik. Es wäre zu Ende mit der SelbstäUdiAeit und Weftbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Diese Erkenntnis gibt uns den festen Willen und die Kraft, diesen schweren Kampf, auf uns allein gestellt, weiter zu führen. Auf Euch, Ahr Männer an der Ruhr, liegt die Last der Abwehr, des passiven Widerstandes. Haltet aus seid wie bisher tapfer, fest, ruhig und besonnen, dann wird unserer guten und gerech- tven Sache auch der Erfolg sicher sein.
Auf uns oHtin gestellt.
Der Reichspräsident fuhr in seiner Rede fort: Wo sich statt Gemeinschaftssinn und Opserbereit- schaft aber Gewinnsucht Einzelner zeigt, wo
gen der Entente z« befriedigen. Mit ruhigem Ge- wiffcn könne er sagen, daß nicht Deutschland cs war. das diesen Konflikt heranfbeschworen hat, der immer weitere Wellen schlägt und ganz Europa in Mitleidenschaft zieht. Sie,
die Arbeiter und Unternehmer,
wußten, daß deutsches Wirtschaftsleben und die deutsche Einheit in höchster Gefahr standen. Ohne daß es auch nur einer Aufforderung der Regierung bedurft hätte, haben Sie sich zu einem einigen und entschlossenen Widerstände zufam- mengeschloffen. Das ist gerade das Große an dieser Abwehr, die nicht befohlen oder angeordnet wurde, sondern ansdemzähenWil- len der bedrängten Einwohner, aus eigener politischer und wirtschaftlicher Erkenntnis spontan eingetreten ist. Sie haben mit der Macht des eisernen Willens und der Idee des Erfolges gekämpft. Nichts hat der Gegner erreicht, alle seine Methoden sind fehlgeschlagen. Tas dantt Ihnen heute mit bewundernder Anerkennung das ganze deutsche Volk. Was von der Ruhr gilt, gilt vom Rhein, von Hessen, der P f a l z und Baden. Allen danke ich im Namen des Reiches aus das herzlichste.
eine große Debatte zu erwarten seins Sie würde sich auf die Gesamtpvlitik der Reichsregierung, namentlich auch im Hinblick auf bie gegenwärtige, vom Ausland aufgeworfene Frage einer englisch - amerikanischen Anregung an Frankreich auf der Grundlage eines neuen deutschen Reparationsvorschlages erstrecken. Weiter ist beabsichtigt, daß der Reichsfinanzminister bei Gelegenheit der Beratung des Etats des Reichsfinanministeriums zu den großen schwebenden internationalen Mrtschastssragen, also vor allem auch zu den Reparationsfra° gen selbst, alsbald Stellung nehmen wird.
Mr können binzufügen, daß die maßgebenden Vertreter der Wirtschaft in Fühlungnahme mit den Vertretern r^r Reichsregierung und mit dem REkanzler selbst in dieser Beziehung stehen. Lie deutsche Regierung und das deutsche Volk ^^^t, gemäß den von dem Reichskanzler Cuno, tote von dem Reichsfinanznnnrster Hermes ausgegebenen Richtlinien, die Reparattons- frage als etn rein wirtschaftliches Problem zu behandeln und zu lösen. Aber wir müssen fordern, daß man uns die grundlegenden Be- Ptr!S^t6,c?. .unserer Existenz in nationaler und wirtschaftlicher Hinsicht nicht verkümmert, und daß man uns als freies Volk in eigener ^esummung schaffen und arbeiten läßt, um uns ^^m^nsere Hände und. unsere Köpfe Werk per Welt den wahren Frieden zu bringen, der wA^fr denn ie beschieden ist. Die Politik der Rerchsregterung wird, wie uns aus parlamentarischen Kreisen geschrieben wird. Gegenstand eingehender Beratunaen nicht nur in den Ausschüssen, sondern auch in der Vollveriammlung des Reichstages sein Der Reichsaußenminifier beabsichtigt, ffrf> Über Deutschlands Stellung zum Auslande nä- .her zu äußern. Es dürfte bei dieser Gelegenheit
Rede des Reichspräsidenten.
Segen dsn feindlichen Einbruch.
(Eigener DrabtberiM.l
Hamm i. W., 19. Mürz.
Der Reichspräsident Ebert war in Begleitung einiger Reichs- und Staatsminister am Sonntag in Hamm und hielt, nachdem er die Pressevertreter des RuhrgebietcS begrüßt und ihnen frlr ihre aufopfernde Tätigkeit unter dem Druck der französischen Besatzungsüehörde gedankt hatte, eine Ansprache an die Vertreter der Industrie, der Beamten- und Arbeiterschaft des besetzten Gebietes, in der er etwa folgendes mrSführte: „In diesen schicksalsschweren Tagen habe ich das lebhafte Bedürfnis emp- ftmden, mit Ahnen, den berufenen Vertretern des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens im Ruhrgebiet, in persönliche Aussprache zu treten, in bet wir gemeinsam erörtern »ollem wie in Reich und Staat die Schäden der uns aufge- dkungenen Abwehrleiden geteilt werden sollen. Der Reichspräsident stellte dann nochmals unter
Der Fremdenverkehr.
Bestimmungen gegen Ausländer.
3tn Reiwsamt be« Innern haben bitte» Tag« in Gegeutoort von Vertretern aUce RetkSSrninifterien B-ryandiongen über ble AuSi.nderfrage paktgefunben. Darüber schreibt brr Journalist Paul Schwede? bis nachfolgenden ttitifeben Detcachtnngen:
' Kommunisten imNuhrrevier.
Sie hatte« z« den Feinden!
, (Privat-Telegramm.)
Dortmund, 19. März.
Das in der „Roten Jahne" erschienene Bild, betitelt „Der Dolchstoß", ist von den Komm u- n i st e n im Ruhrgebiet als Flugschrift hcr- , ausgegeben worden. Es ist unterzeichnet vom Reichsausschuß deutscher Betriebsräte. In Dinslaken war das Flugblatt von der deutschen Polizei beschlagnahmt worden. ' Daraufhin sind belgische Kriminalbeamte gekommen und haben die Flugblätter herausgeholt, indem sie erklärten, daß diese siKugblätter von ihnen feien. AlS sic darauf hi>r- gewkesen wurden, daß dos nikbt zutreffe, sondern daß sie von den deittschen Kommunisten ber- stmnutt-n, haben sie erklärt, das sei schon richtig, aber sie hätten nichts dagegen einzuwenden, daß diese Flugblätter verbreitet würden. (!)
Unsere Bedingungen.
Für de« BerhandluugSfall«
Oh"e Zweifel nähern wir uns in dem großen waffenlosen Ringen, in dem das deutsche Volk steht, der entscheidenden Epoche. In der in« | ®^nationalen Diplomatie find ohne Unterlaß Kräfte tätig, die danach trachten, zum mindesten noch vor Ostern die Stteitenden an den Verhandlungstisch zu bringen. Wer wrr dürfen uns keiner Täuschung darüber hin« geben, daß die .Verhandlungsreife heute um deswillen noch nicht gegeben ist, weil die Jrtter- venttonsreife noch nicht besteht. Immerhin haben wir allen Anlaß, uns zu rüsten und zu wappnen für die kommenden Dinge. Unser Kampfziel ist klar und deutlich aufgezeigt: ^nsichaltung der Gewaltmethoden der Regelung von internationalen Wirtschaftsfragen, Befreiung des deutschen Volkes und der deutschen Wirtschaft von militärischem Druck und Sicherstellung der Freiheit und Selbstbe- mmmrrng der deutschen Nation. Ihn dieses Ziel 3« erreichen und zu sichern, müssen w i r bestimmte Forderungen stellen und Bürgschaf- ten verlangen. Es ist ein die ganze Welt m ihrer Ruhe und Sicherheit bedrohender Zu- stand, der überdies eine ständige Gefahrenquelle für einen neuen großen blutigen europäischen Krieg ghgibh wenn es einer Ration gestattet let« tonn, sich mit militärischem Druck und Zwang bezahlt zu machen.
Was wir in erster Linie also verlangen müs- len,, rst die Behandlung von Wirtschastsfraaen ^nzig und allein durch wirtscha frltche
Militär- und Gewaltpolitik muß msgesckmltet werden. Die militärische Sicherung Frankreichs hat der Versailler Friedensvertrog in ausreichendem Maße durch die Besetzung dis ganzen lrnken Rheinufers und durch die Sicherungszone in das rechtsrheinische Gebiet hinein gegeben Das Ziel der Räumung der ucube- setzten Teile Deutschlands, insbesondere des Ruhrgebietes muß an der Spitze jeglicher Ver- F* Frankreich stehen. Diese Räumung selbst hai^ftch innerhalb kürzester Frist zu voll- ziehen. sie darf nicht, wie es von französischer Seite MMnscht wird, sich auf Jahre hinaus, je nach Abtragung der deutschen Schulbnroftich- LLL Verteilen. Die Räumung mutz vielmehr an dem Tage der Verhandlung begonnen werden und sie muß mit der Beendigung der Verhandlung auch vollzogen sein.
Mr müssen weiter verlangen, daß di- Re- gelung der Freiheitsfrage zwischen Frankreich und Deutschland nicht eine Angelegenheit bleibt, d,e lediglich diese beiden Verhandlungspartner angeht sondern ebenso, wie alle übrigen im SserfiMlfer Vertrag geregelten Fragen muß mich wese Reparattonsschuldraqe aus internationaler Basis sich aufbauen. Bei der ft. nanztellen und wirtschaftlichen Lage Deutsch- lands, die durch bett Ruhreinbruch noch ganz empfmdlich geschädigt wurde, kann eine Lösung der Reparattonsfrage ohne tatkril.'ftige attive Unterstützung des Auslandes überhaupt nicht aus, daß die Behandlung besonderer Fragen eine aus, die Behandlung besonderer Fragen eine unmittelbare deutsch-französische Verständigung herbetfuhren läßt. Wir denken hierbei an Wirt- schaftsabmachnngen. die auf der Basis -'einer ' Koalition zwischen deutscher Kohle und
Erz sich vollziehen müßte. Wtr wissen, daß die deutsche Wirtschaft bereit wäre wie sie mich schoe zur Unterstützung der Pariser Vorschläge der deutschen Reichsre- glerung bereit war, mit dem Vollgswicht ihrer : Autorität und ihrer wirtschaftlichen und finan- I Zellen Reserve hinter einen ReparattouSvlan zu 1 trete«, der eine endgültige Lösung dieser Fra- ' gm auf vernünftiger und tragbarer Grundlage! bringen würde. :
orge zuzuwenden, wird eine Ehrenpflicht des deutfchen Volkes fein. An allen Schichten des detttfchen Volkes lebt eine impulsive Opfer- frenbe, die bereit ist. den bedrängten BolkS- ntnöffen nach Kräften beizustehen. Eine riesige Gabensvlle ans dem ganzen Reiche und von zahlreichen Deutschfreuudlickiem int Auslande ist zu- fantmngeftossen und fließt weiter. Besonders erfreulich ist. daß hier int Kohlenrevier von Hamm und in anderen deutschen Koblenbczirken die Bergleute in äußerster Arbettsleistung durch leberschichten dem deutschen Wirtschaftsleben Helen; ich danke Ahnen besonders herzlich. Alle >eittschen Beamten und Arbeiter, die aus ihren Wohnungen verdrängt ober zur Arbeitslosigkeit gezwungen wurden, dürfen überzeugt davon fein, daß Reich und Länder alleS tun werden, trat ihrer Not zu steuern und jeder Zer- mürbtma brr Bevölkerung, wie sie der Gegner ystemattfch betreibt entgegenMwtrken.
Leverfall auf eine Versammlung.
Recklinghausen, 19. Marz. (Privattelegramm.) Eine von dreißig Personen besuchte Versammlung des Jungdeutschen Ordens wurde von etwa hundert Kommunisten aus Remscheid gesprengt. Um ihr Ziel besser zu erreichen, hatten die Kommunisten zwei s r a n - zösischc Soldaten zur Unterstützung veranlaßt. Während diese an der Saaltür Poften faßten, durchsuchten die Kommunisten die im Saale Anwesenden tmb rissen sie dann heraus; auf der Straße tonrben die jungen Leute bann, von den Kommunisten mit Gummiknüppeln fo mißhandelt, daß mehrere junge Leute des Anng- deutfchcn Ordens fortgefchafft werden mußten.
üntem semösichen Zwang.
Weitere Verhaftungen and Ausweisungen.
(Eigene Trahtmeldung.)
Koblenz, 19. März.
Aus Mainz wird berichtet: Gestern erfolgten abermals neue Ausweisungen von Zoll- rmd Postbeamten. Darunter befindet sich auch der Redakteur der sozialdemokratischen Mainzer „VolkSzeitung" Willi Hirsch. Innerhalb weniger Tage ist das die zweite Ausweisung eines Mitgliedes der „Volkszeitung". Ausfallend ist ferner die Ausweisung des R e k t o r s der St. Martinsschulc, eines katholischen Geistlichen Dr. Gärtner. Dieser wurde kurzerhand verhaftet. Erst nach wiederholten energischen Vorstellungen gestattete man ihm, in Begleitung eines Gendarmen in seine Wohnung zu gehen, um sein Brevier jtt holen. Dr. Gärtner ist ein kranker Mann. — Aus der Gegend von Trier wird berichtet: In Wasserbillingerbrück haben die Franzosen die Wohnungen von zwei Zollbeamten 6e- chlagnahmt und als Pferdeställe eingerichtet. Ferner wurden ausgewiesen aus der Rheinpfalz vierzehn Zollbeamte, aus Rheinhessen neunundzwanzig Zvllbeantte aus dem Bezirk Trier zweiundvierzig Zollbeamte, aus St. Goar zwei Zollbeamte, ans Aachen fünf und aus dem Bezirk Kreuznach ebenfalls fünf Zollbeamte.
Mit dem Vaterland vereint.
Eine sozialdemokratische Gedenkfeier.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 19. März.
Die Bereinigte Sozialdemokratische Partei veranstaltete gestern abend zum Gedenken des 1883 verstorbenen Karl Marx und der fünfundfieb- zigjährigeu Wiederkehr der Revolution von 1848 im großen Schauspielhaus eine Gedenk- feier. Die Festrede hielt Eduard Bernstein. Er nahm dabei besonders gegen das letzte kommunistische Manifest Stellung, in dem gesagt wird, der Arbeiter habe kein Vaterland. Die Ruhrercigniffe zeigten dagegen mit aller Deutlichkeit, daß gerade der A r d e i t e r mit allen Fasern seines Herzens an seinem Daterlande hängt. Sein ganzes Leben fei aufs Engste vereint mit dem Gedeihen und Wohlergehen des Landes
5m Gedenken der Opfer.
Hamm, 19. März. (Eigener Drahtbericht.) In feiner Protestrede gegen die feindliche Willkür gedachte der Reichspräsident Ebert in Trauer und Empörung der erfchreckend zahlreichen toten Bolksgenoffen, die brutale Militärwillkür qemmdet hat, die umnenfchlichem militärifchem Terror zum Opfer gefallen find. Ihren Hinterbliebenen unsere ganz besondere Für-
sür VergnüMNgS- und BesuchSreisen
nach Deutschland keine Sichtvermerke mehr zu erteilen. Hatte doch Frankreich, um feinen besonders an der Riviera ganz darniederlie- genden Fremdenverkehr zu heben, ein eigenes Verkehrsministerium eingerichtet '.mb eine gewaltige, bisher ziemlich zwecklose Propaganda ; getrieben. Ebenso waren in den belgischen und englischen Seebädern und vor allem in Italien die Besucher früherer Jahre stark vermißt worden. Nun frohlockt man bort, baß das größte Reiseland der Welt feine Grenzen sperren und seine Naturschönheiten, seine heilkräftigen Bäder und Kurorte, seine für alle Welt vorbildlichen Hotelbetriebe nicht nur für diese Saison, sondern für alle Zukunft aus dem internationalen Fremdenverkehr ausschalten will. Hierüber scheint man sich bei den Berliner Verhandlungen nicht ganz klar geworden zu sein. Wo toaren vor allem die Vertreter von Handel und Industrie, die ja auch an einem solchen Verkehr bas lebhafteste Interesse haben, wo die Vertreter der Aerzteschast, die doch wahrlich nicht auf Rosen gebettet ist, und den ausländischen Kurgast genau so nötig hat, wie die deutschen Bäder und Kurort«. Hat man auch daran gedacht, daß ein großer Teil dieser Bäder und Kurorte, wie zum Beispiel Norder- ney, Pyrmont, Kissingen, Nauheim. Oeynhausen, Nenndorf, Bad Elster, Brückenau, Baden-Baden, Wildbad und andere mehr StaatSeigeuttnn, andere wie Wiesbaden, Friedrichroda, Harzburg, ÜZeiner3. Homburg v. d. H. und Eckernförde, städtisches Eigentum find, so daß hier auch staatliche und kommunale Interessen in schwerster Weise gefährdet werben? Ein Satz aus biefen. Verhandlungen verdient festgehalten zu werden, nämlich bei. daß die Hälfte aller mit ärztlichem Zeugnis eingereisten Ausländer ganz andere Interessen verfolgte und vielfach dauernd
in Derttschlanb geblichen sei.
Die Schuld hieran aber trifft doch gewiß nicht die am Fremdenverkehr interessierten Kreise, son« bern letzten Endes diejenigen, die jetzt jeden Aus« länderverkehr unterbinden wollen und die nicht rechtzeitig dafür gesorgt hoben, daß der besonders unerwünschte Zuzng aus dem Osten ttengstens kontrolliert wurde, daß die Wohnungsämter den bedenflichen Elementen keine Gelegenheit zu dauerndem Aufenthalt in Deutschland boten und jetzt nicht dazu angehal- ten werden, die Verttiebenen aus den besetzten Gebieten in den heute von Ausländern betoö&n» ten Behausungen unterjubringen, wie bieS der Antrag Dr. Stresemanns verlangt, dem der Reichstag am 23. vorigen Monats beigetreten ist. Handel und Industrie müssen verlangen, daß der ordentliche Auslänberverkehr schon um deswillen nicht unterbunden wird, weil fie die Einkäufer und Vertreter des Auslandes zur Anfrcchterhal- tuug ihres Exportes nötig haben. Auch der Klein- bandel in den Kur- und Badeorten würde geradezu einer Katastrophe eutgegengeflchrt wer« dm. wenn jeder Ausländerverkehr unterbliebe. Man könnte nun etntoenben — und baS ist in bet Berliner Konferenz bereits geschehen —. daß die nach Deutschland kommenden Ausländer
unsere Nahrungsmittel verbrauchen helfen.
Aber werden nicht weit größere Mengen davon dauernd nach dem Ausland« verschoben? Hiergegen sperre man endlich die Grenzen ftren«
___Einzelheiten bei Berlinei Besptechung bei Ausländerfrage lassen erkennen, baß man der verhängnisvollen Drosselung des inneren Reiseverkehrs durch den zum 1. März erneut erhöhten Personentarif nun auch noch eine Drosselung des Auslänberverkehrs in einem Umfange folgen lassen will, bie eines der wichtigsten Mrtschafts- gebiete Deutschlands, den Fremdenverkehr, vollständig lahmlegen soll und auch lahmlegen wird, wenn die Berliner Beschlüsie volle Geltung erhalten. Es kann keinem Zweifel mehr unterliegen, daß bereits durch die kurze Ankündigung einer Einschränkung des Ausländerverkehrs in der Presse die diesjährige Frühjahrsaison in den deutschen Kur- und Badeorten vollständig vernichtet ist. Die Nord- und Ostseebäder, der thüringischen Fremdenorte, Nauheim, Wiesbaden, der Harz, Bad Elster. Schandau, Oberbayern, Baden-Baden und di« württembergischcn Heilbäder melden übereinstimmend, daß vielfach nicht ein einziges Zimmer besetzt ist und daß auch für die Sommersaison noch keinerlei Anfragen ans dem Auslande vorliegen. Dies erklären fettgedruckte Ueberschristen, wie zum Beispiel irrt „Nieuwe Rotterdamsche Courant": „Keine Vergnügungsreisen nach Deutschland?" und warnende Aufsätze in den nordischen, schweizerischen und amerikanischen Blättern. Die Reichsregierung hat die zuständigen Vertreter Deutschlands im Auslande angewiesen,