Meter Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
3nfertton4pretfe:a) Ätuhetmtsche Aufträge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Mart, Faun- lteunachrtchten, di« Zells 160 Mark die einspaltige Rellamezetle 600 Mark b) Auswärtige Alls, träge: Die einspaltige Anzeigenzeile 200 Marl, die einspaltige Rellanrezeile 600 Mart, aller ein. schließlich Teuerungszuschlag und Anzetgensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigen! Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgsgsbensn An - zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann etne wewähr nicht übernommen werden . Druckerei: Schlachthofslrabe 28/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße ä. Telephon Nr. 95! und 952
Nummer 64. Fernsprecher 951 und 952 Sonnabend, 17. März 1923. Fernsprecher 951 und 952 13. Jahrgang.
-Die Kasseler Sieueften Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar a b end «. Der AdonnementSpreis beträgt monaütch 2600 Mark bei freier Zustellung ins Hau 4 in der Geschäftsstelle abgeholt 2455 Mark monatlich. AuSwärtS durch die Post bezogen 2500 Mark monatlich etnfchl. Zustellung. Bestellungen werden jederzeit entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion- Schlachthofstraße 28/30, Für unverlangt eingesandte Beiträge kann dis Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rückzahlung des Bezugsgeldes oder Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßiger Lieserung ausgeschlossen.
Französische Anstiftung zum Landesverrat.
Was wirb nun folgen?
Kein Ergebnis durch Zwang.
Kaum ist PoincarS aus Brüssel nach Paris zurückgekehrt, so wird schon wieder eine französisch-belgische Konferenz anberaumi, und zwar diesmal in Paris. Die letzte Erörterung des Ruhrproblems scheint also noch kein Ergebnis gehabt zu haben. Da die Pariser Presse sich so auffällig in dieser Frage widersprochen hat, ist wohl anzunehmen, daß eigentlich niemand in Paris recht weiß, was Poincar« besprechen wollte. Man verlegte sich auf Kombinationen. Richtig wird sein, daß Poincarö selbst nicht recht weiß, was er will. Das hat wieder einmal der frühere englische Mnisterprä- fident Lloyd George festgestellt, der in einem neuen Artikel klarlegt, daß die französische Politik ratlos sei, nicht zurück könne und auf den milden Zufall warte, der ihrer Niederlage ein angenehmes Ende bereite, ohne daß es zur Steinigung der Anführer dieser himmelschreienden Aktion ins Ruhrgebiet komme. Man wird in Vrüsiel folglich alle möglichen Fragen verhandelt haben, was man tun solle, wenn der Zu- lall den .Siegern" zu Hilfe kommt, was man tun werde, wenn man weiter .handeln" müsse, weil es keinen anderen Ausweg gibt, und man wird sicherlich auch die Frage eingehend geprüft haben, ob man nicht selbst etwas nachhelfen und durch eine neue Gewalttat Deutschland zum Nachqeben zwingen kann.
Nun werden die belgischen Ansichten immer falsch eingeschätzt. Die französische Presie hat stets, um die französische Politik zu entschuldigen, behauptet, das rücksichtslose Vorgehen sei stets von Belgien gefordert worden. Das kann nicht ganz zutreffen. Aber schließlich befindet sich jetzt Belgien derart im stanzösischen Fahr- wasser, daß es allen Vorschlägen Poincarss zustimmen wird, wenn er neue Gewaltmittel in Vorschlag bringt, um Deutschland zum Nachgeben zu zwingen. Uzrzweistlhaft wären beide, Frankreich urtb Belgien, zufrieden, wenn Deutschland um Verhandlungen nachsuchen würde. Um Deutschland dazu zu ermutigen, wird in Paris bereits eine auffällige St i m m u n g s- m a ch e getrieben, denn es wird jeden Tag von neuem behauptet, entweder die deutsche Regierung habe ihre Fühler ausgestreckt und wolle verhandeln oder die deutsche Industrie sei verhandlungsbereit. Deutscherseits sind diese Märchen stets deme nttert worden. Deutschland kann die schwierige Lage, in die sich Frankreich und Belgien geritten haben, nicht erleichtern. Die Pläne, die für die beiden ersten Fälle in Brüssel geschmiedet sind, müssen jedenfalls vorläufig ruhen und es wird allein der dritte Plan zur Anwendung kommen müssen, der auf eine neue Drangsalierung Deutschlands, auf neue Rechtsbrüche hinmisläuft. Wir müssen jedenfalls damtt rechnen, daß schon in den nächsten Tagen sich der Erfolg der Brüsseler Konferenz nach dieser Seite zeigt. Schließlich aber haben wir auch damit zu rechnen, daß der Man weiter verfdlgt wird, der auf ein neues Diktat zur Aendenma des Versailler Vertrages hinausläuft.
Freilich werden hier England und Amerika ibren Einspruch erheben. Von englischer Seite ist das schon geschehen. Man befürchtet, ins Hintertreffen zu kommen mtb macht Frankreich schon klar, daß es nickt das Recht habe, den Versailler Vertrag selbständig mnzustoßen. Nicht, weil England den Versailler Vertrag schützen will, wehrt eS sich, sondern, weil es fürchtet, Frankreich könnte durch einen neuen Dikt.it- Friedensverttag sich Rechte zueiqnen. die die englischen Interessen in solcher Weise schmälern, daß die Niederlage der englischen Politik noch auffälliger wird, als es schon der Fall ist. Freilich: Von Paris aus ist sofort dies in Abrede gestellt worden. Frankreich würde in solchem Falle England .selbstverständlich" bören. Indessen: mit Reckt weist die englische Presse daraus hin, daß Frankreich immer gelogen hat, wenn es etwas dementtert babe. So babe es durch Franklin Bouillon ein Sonderabkommen mit der Türkei abgeschlossen, ttotz- dem diese Absicht entschieden abgesttttten wurde, und ebenso habe die französische Regierung den Dariac-Plan abgeleugnet, um ihn dann, als er reif war, doch durchzuführen. Man traut Frankreich nickt, und deSbach wird England auf der Hitt sein. Also: durch einen abge- Suderten Diktat-Vertrag wird die Welt nicht überrascht werden. Bleibt allein als Ergebnis der Brüsseler Konferenz die Ausbeutung des Ruhrgebietes, der Beschluß, Gewalt- Maßnahmen rücksichtslos anzuwenden. ES gibt eben kein Zurück für die Träger dieser Politik. Sie wissen inzwischen, daß sie tym keiner «-»fte daran behindert sein werden. Deshalb haben wir nack der Brüsseler Konferenz noch aus eine weitere Spanne voller Rechtsbrüche und SÄrek- kensberrschaft zu zählen.
Die Drob-'Ng. daß französische und elsässische Bergarbeiter in die deutschen
Bergwerke geschickt werden fr"cn, ist schon der Anfang. Aber es ist schon heute sicher, daß Frankreich diesen Plan nicht durchführen kann. Die einzige Möglichkeit nach der Brüsseler Konferenz ist eben, daß demnächst in Paris eine neue Reparationskonferenz stattfindet. Das ist immerhin noch ein Ausweg, den PoincarS Wahlen könnte, um seine Stellung zu erhalten, ein Ausweg für den Fall, daß Deutschland nicht kapituliert, der Plan des Diktates sich nicht durchsetzen läßt, neue ttgorosere Maßnahmen Kohlen und Kols, Holz und Milliarden nicht bringen. Wir haben uns mit Geduld zu wappnen und unsere Einstellung auf einen langen und schweren Kampf beizubehalten. Erst dann wird Poincarö stille Einsicht zeigen, wenn ihm das Wasser an der Kehle sitzt. Noch ist das nicht der Fall. Und seine fülle Einsicht wird sich in tatkräftiger Handlung offenbaren, um die Oef- fentlichkeit weiter zu täuschen. Die Pariser Konferenz wird demnach nur eine große Geste sein. Hg.
Münchner Landesverräter.
Ihre Beziehungen zu Frankreich!
(Eigener Drahtbericht.)
München, 16. März.
Die „Münchener Neuesten Nachrichten" machen heute auffehenerregende Mitteilungen über die Landesverrats . Angelegenheit Fuchs-Machhaus. Danach soll der angebliche Kapellmeister M a ch h a u S schon seit Juli dcS vergangenen Jahres ® pi» nage für französische Zwecke getrieben und dabei auch eine Verbindung mit Fuchs unterhalten haben. Im Jahre 1922 traten Heide an verschiedene vaterländische Organffationcn mit dem Vorschläge heran, eine nationale Erhebung in Bayern herbeiznführen. Dabei verrieten sie fron zösische Beziehungen nnd französische Ziele und ebenso offensichtlich separatistische bayttsche Pläne unter starker Anlehnung an Frankreich. Sie schoben dann ihr Programm wieder hinaus bis in das Jahr 1923. Die Führer der vaterländischen Organisationen ginnen »um Schein auf die ihnen gemachten Vorschläge ein, um einen genauen Einblick in das verräterische Treiben zu bekommen. Als die Franzosen an der Ruhr auf nnerwattcten Widerstand stießen, ließen Fuchs und Machhaus alle Schleier fallen und
drängten aus sofortige Aktion, wobei sie den französischen Oberstleutnant Richert nach Müncken bestellten. Dieser kam auch zu persönlichen Verhandlungen. Richert erklärte dabei ohne Umschweife, daß Frankreich eine Unterstützung der französischen Ruhr-Operation brauche und zwar durch Herbeiführung eines Staatsstreichs in Bayern. Dadurch werde die deutsche Abwehrfront an der Rnbr verwirrt imd zerbrochen. (!) Richert sagte: „Wenn Sie nicht in diesen Tagen handeln, hat weiteres Warten für Frankreich kein Interesse mehr. Diese Aktion muß und wird die deutsche Regierung «u Fall bringen und eine Räteregierung in Mitteldeuffchland zeitigen." (!)
FranzSskscke Anstiftung.
München, 16. März. (Eigener Drabibe- rickt.) Zum Verständnis der Ausführungen über den Landesverrats-Versnck bemerken die Münchener Neuesten Nachrichten, daß dem Mach- Haus schon früher von dem französischen Oberst Marone in Mainz anqeboten wurde, mit Hilfe eines im Jahre 1919 verwendeten französischen Agenten in Mitteldeuffchland boIsche- wistische Unruhen herbeiznführen, nm den äußeren Anlaß ,nr Aftion zu geben. Auf die Frage, warum Frankreich ein solches Interesse an einem Umsturz in München habe, äußerte Rickert: „EK beginnt eine neue Aera in der euroväisckstn Polttik. Die Rnbr-Overation ist keine Fortsetzung der Revaraffonsvolitik, sondern es wird mit dieser Aktion eine neue europäische Politik eingeleitet. Es Wirtz
unter der Vormacht Frankreichs ein europäischer Völkerbund geschaffen werden, der Frankreich, Italien, die Reine Entente, Bauern und einzelne Teile von Denffch-Oesterreick umfasst!" Mit diesen Plänen erNärten sich Fucks nnd MachbauS einverstanden und eß wurde beschlossen. die Msinckener »ffffon sobald als möa- lich herbeiznführen. Richter äußerte noch, daß Bayern sich die Dankbarkeit Frankreichs erwerben könne, wenn zur Unterstützimg de- Rubr- attion jetzt eine Aktion in München geschehe. (!)
Sn den Ostgebieten.
Festlegung der polnisck-rnssisch-lftauischeu Grenze (Eigene Drabttneldung.)
Poris, 16. März.
Hefter die gestrige Sitzung des Botsckasterrats wurde folgender Bericht ausgegcften: Der Bot-
sächsterrat traf seine Euffcheidung über die pvk- iiisch-russische-litanische Grenze. Sie trägt der tatsächlichen Lage Rechnung (?) und wird morgen von der polnischen Regierung ratifiziert werden. Der Boffchafterrat nahm ferner Kenntnis von dem Bericht der nach Memel entsandten autzerordenttichen Kommission. Havas bemerkt hierzu: Der Wortlaut de§ Berichts ergebe, daß Stadt und Gebiet Wilna den Polen zugesprochen worden sei. Der Beschluß ratifizier! auch endgiltia die durch den Rigaer Vertrag sest- 'gesetzte litauisch-polnisch-rulsische Grenze.
Keine voreilige Hoffnung.
Die VermittluugSgsvüthte aus England.
(Eigene Drahtmeldima.)
Berlin, 16. März.
In Berlin erwartet man einen englischen Ber- mittlungs - Vorschlag. Obwohl noch keinerlei authentische Nachrichten darüber vorliegen, daß die englische Regierung vorgestern in ihrer Kabi- nettsfltzung einen diplomatischen Schritt nach Berlin beschlossen hat, hat sich in den Nachmittagsstunden der politischen Kreise eine begreifliche Erregung bemächtigt, weil Nachrichten aus London vorliegcn, die eine englische A»- frage in der Ruhrangelegercheft wahrscheinlich machen. An amtlicher Stelle wird erklärt, daß Authentisches noch nicht bekannt ist? doch wird die Taffache, daß man einen derartigen englischen Schritt erwartet, nicht abgeleugnet, lieber den Inhalt des zu erwartenden Schrittes sind verschiedene Versionen im Umlauf. Die eine besagt, Deutschland solle aufgefordert werden, vo» sich aus einen neuen Reparations-Vorschlag zu machen. Die andere spricht von einer englischen Anfrage, ob Deutschland bereit sei. als gleichberechtigter Teilnehmer an einer Wirtschaftskonferenz teilzunehmen, die einen englisch-amerikanischen Reparationsvorschlag diskutieren soll. Ehe nähere Einzelheiten bekannt sind, kann man naturgemäß von deutscher Seite zu diesem erst noch zu erwartenden englischen Vorschlag auch' keinerlei Stellung nehmen.
Verhandlungen noch vor Ostern?
Paris, 16. März. (Eigene Drahtmeldung.) Im „Newyork Herald" erklärt ein Mitglied des Wiederherstellungsausschuffes, die Verhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich würden noch vor Ostern beginnen. Staatssekretär Hughes hat nach Veröffentlichung der Brüsseler Beschlüsse, wonach das Ruhrgebiet nicht annektiert werden soll, durch den amerikanischen Botschafter in Paris anfragen lassen, oft Frankreich geneigt wäre, von Deutschland ein neues Angeftot entgegenzunehmen. Es wurde ihm geantwortet, daß die Tür zu Verhandlungen offenstehe, das Angebot triirfe öfter nicht von dritter Stelle gemacht werden.
•
England zugunsten Frankreichs.
B e r 11 n, 16. März. (Eigene Drahtmeldlmg.) Aus London wird berichtet, daß die durch dje letzte Unterhaussitzung gekennzeichnete Lage, die für die Regierung kein günstiges Ergebnis aufwies, gestern den Gegenstand eines Ministerrates bildete. Es heißt in eingeweihten Kreisen, daß Sonnt Sato weiterhin entschlossen fei. lei- nerlei Vermittlung zu versuchen, die Frankreich als unfreundlich ansehen werde. — Die in der letzten Zeit sich häufenden Meldungen, die aus Paris oder London in die OfsentlilUeit kommen und von Verhandlungs- Möglichkeiten zwischen Deutschland und Frankreich in immer neuen Rüancen zu berichten wissen, find schon deshalb, wie von gut unterrichteter Seite betont wird, in Deutschland mit größtem Vorbehalt aufznnehmen, weil sie unter Umständen geeignet sind, die nationale Abwehrfront zu stören. Mit Sicherheit läßt sich 6u8 all diesen vielen Meldungen nur auf das starke Verhandlungsbedürfnis Frankreichs schließen. '
Was Amerika fordert.
Deutschland soll alles bezahle«!
(Eigene Draftttneldung.)
Washington, 16. März.
Die Schadenersatzforderungen der amerikanischen Privaffeute an Deuffchland ans Anlaß des Krieges und di« Forderungen der amerikanischen Regieruna für die Besatzungsrosten Wersteigen insgesamt eiue Milliarde Dollar. Es sind mehr als zehntausend pri- vate Ersatzforderungen eingereicht worden, es ist aber bekannt, daß eine große Anzahl dieser Forderungen stark übertrieben ist, was durch genaue Untersuchuna festgestellt wurde. Das deittsch amerikanische Schiedsgericht wird zum ersten Riale am 9. April zusammentreten, um sämtliche Forderungen nachzuprüfea.
Kommunallanötag
15000 Nuhrkinder als Gäste des Landes.
Hebei bett Verlauf bei gestrigen Vollsitzung des SommuaaKanbfaflS für den Regierungsbezirk Kager wird uns folgendes berichtet r Nach eingehenden Ansschußberatungen begann gestern nachmittag die erste Vollsitzung. Den Anfang machte die Berichterstattung über verschiedene Rechnungslegnngen. Dabei beantwortete Landeshauptmann von Gehren einen vom Abg. Wollenhaupt-Fritzlar (Hess.Arb.- Gem.) geäußerten Wunsch nach Einschränkung der Dienstreisen dahin, daß er bereits ein entsprechendes Nundschreiben an die einzelnen Dienststellen gerichtet hat. Ein warmherziger Befürivorter des Geschenks von einer Million Mark in Form eines unverzinslichen Darlehens für den Ludwig st ein war Abg. Böhmer-Witzenhansen (Hess. Arb.-Gem.). Ihm schloß sich Präsident v. K e u d e l l an. Er betonte, daß er selbst Bewohner des Werratals ist und verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß die Jugend, die zum Ludwigstein wandert, im Anblick der hessischen Berge, Wälder und Flüsse richte Freude bekommt an itnfercnt schönen deutschen Vaterlande. Diese Worte fanden Bravo- ritfe als Wiederhall vo-n allen Seiten des Hauses. Nach Erledigung einiger Beamten- und Nrbeiter-Angeleaenheiten, wobei Abg. Dr. S ck r 5 ft e r-Kassel (Dem.) seststellte, daß Kassel im Gegensatz zu der Auffassung in Regierungskreisen eine Stadt ist, in der c8 ein teures Leben gibt, ging man zur Genehmiauna einer Anzahl Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben, der verschiedensten Einrichtungen des Bezirksverftandes über. Abg. Pappenheim- Schmalkalden (Soz.) wünschte eine
Neuorganisation der LanftcSrentereien, die aus einer Zeit stammten, da noch viele Leut« ihren Namen mit drei Kreuzen schrieben. Einige kleine Rentereien könnten ganz gut verschwinden. Geheimrat v. Sachs widersprach und verband damit eine Ehrenrettung Kurhessens, in dem es bei der Gründung bet Rentereien sicherlich nur noch sehr wenig Analphabeten gegeben hat. Ans eine Anfrage des Abg. Häring (Soz.) bin bedauerte Landeshauptmann v. Gehren, daß ftet Staat mit der Dotation im Rückstände ist. Abg. Dr. Schröder (Dem.) beschäftigte sich unter Bezugnahme auf gute Erfahrungen in der Heilstätte Lindenberg in Kassel einge-henft mit der St rüst’eifit r f orge und dankte der Lan- ftesverwalttnrq fitr die großzügige Hilfe, die ste der Krüppelffirsorge angefterhen läßt. Abg. Häring (Soz.) bericktete weiter, daß Renten unter 1000 Mark im Monat abgelöst werden sollen. Auch bei Stiftungen von geringer Höhe denkt man an Ablösungen. Es gibt heute noch Renten, bei denen die Uefterweisung mehr kostet als die Rentenböhe beträgt. Beim Voranschlag bc8 Lanftcshojpitals zu Merxhausen regte Abg. v. Uslar, ft er Landrat von Wolfhagen, eine großzügige
I1nterftring«ng von Rnhrklnftern in den Räumen des Hospitals an Landesrak v. Hugo sagte weitgehende Berücksichtigung dieser Anregung zu. Hinsichtlich ftet Ausbringung der Bettwäsche wird hoffentlich Hilfe geleistet werden. Aba v. Uslar nimmt an, daß die Landesverwaltung sagen wird: Wir werden es macken und e8 wird gemacht! Auch Landeshauptmann v. Gehren sagte zn. Wmn wir nicht vorangehen, sagte er, wie sollen es bann die Bauern unb Kleinbesitzer tun. wenn sie sehen, daß so schöne Gebäude wie in Merxhausen unbenutzt dastohen. Wir werden unsere Schuldigkeit tun und Sie werden .Ihre Freude daran haben! Uhg. Wolle ubaup t-Fritzkar teilte mit, daß in einer gestern (Donnerstag) in Kassel abgehalteueu Sitzung fteZ Kurhesstschen Sandbundes von der
Aufnahme von 15 (NX) Kindern ans dem Ruhrgebiet in Hessen Mitteilung gemacht wurde. Alle diese Kinder sind bei den Bauern untergebracht! (Beifall.) Präsident von Keudell stellte fest, daß die LanfteSverwaltung. wenn sie in großzügiger Weise vorbildlich wirft, ein Vorbild gibt und daß in dieser Veztehung im Kommunallandtag Einmütigkeit herrscht. Der Landeshauptmann vertraut darauf, wie er bemerkte, daß her Kreis Wolfhagen das seine zur Ernährung der Rnhr- ftnfter tut. Nachdem noch Abg. v. Uskar her- vorgeftoben. daß eS mit der erwähnten Unterbringung von 15000 Kindern noch lange nicht getan ist, wurde einstimmig die Vorlage mitfamt der Uslarschen Anregung genehmigt. Dann ver. reitet sich u. a. Abg. Häring (Soz.) über
die Landkrankenhäuser.
Er erwähnte, daß daS LandkrankenbanS in Kas. fei von jeher ein Schmerzenskind der Verwaltung gewesen ist. Auf 2J4 Patienten kommt ein« bezahlte Kraft. Der Abgeordnete trat dafür ein, daß verschiedene Pavillons geschlossen werden md eine Zusammenlegung der Kranken in den