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Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

3nfertten8pr«tfe:a) Einheimische Auftrage: Sie einspaltige Au-eigen-ell« 160 Marl, Fami- Itennachrichten, die Z eil« 140 Mark die einspaltig« Reklamezeile 600 Marl. b) Auswärtige Auf. träge Die einspaltige Anzeigenteile 160 Marl, die einspaltige ReNatnszeile 600 Mark, alles ein­schließlich Teuerungszuschlag und Anzetgensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag. Für die RichNgkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An - zeigen, sowie für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Gewähr nicht übernommen werden . Druckerei: Schlachthofstraß« 20/30. Geschäftsstelle: Kölnische Straße ">. Telephon Nr. »51 und »52

Nummer 62. Fernsprecher 951 und 953 Donnerstag, 18. März 1923. Fernsprecher 951 und 953 13. Jahrgang.

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Weitere «ffür der Fremdherrschaft.

GSlreSenSherrsOaft.

Dauernde französtsche Rechtsdrüche.

Glücklicherweise hat sich herausgestellt, daß die beiden französischen Offiziere nichtvon Deut­schen, sondern von französischen Sol­daten erschossen worden sind. Das hindert aber die Franzosen nicht, die deutsche Bevölkerung zu beschuldigen, den verschärften Belagerungs- S" md über die Stadt Buer zu verhängen und ere Bestrafung vorzunehmen. Wiederholt sind bereits im Ruhrgebiet Deutsche ermor­det worden. Auch jetzt wieder. Man hat sich in Frankreich nicht sonderlich darüber erregt. Das wurde als Notwendigkeit in der Abwehr deut­scher Herausforderung entschuldigt.Die fran­zösischen Soldaten würden immer wieder her­ausgefordert und zeigten," schrieb die Pariser Presse, behaupteten die redenden Minister,eine wundersame Disziplin und Zurückhaltung." Sie schonen die Bevölkerung und wenn einmal Blut fließe, so falle das Unglück auf die renitenten Deutschen zurück. Jetzt aber sind zwei französische Offiziere ernwrdet worden. Sofort erheb! sich ein wüstes Geschrei. Blut sei gestossen, das ge­rächt werden müsse. Man ruft nach Strafe und will das ganze Ruhrgebiet zum Schuldigen stem­peln. Zwei Opfer gegen zehn, und doch gelten den Franzosen diese beiden Opfer, die sie brin­gen mußten, mehr, als die vielen Opfer, die durch ihre verbrecherischen Taten hingeschlachtet wur­den. Soweit wäre das noch erklärlich, denn für Frankreich sind die Deutschen doch nur Freiwild, mit dem man nach Belieben umspringen kann, sind aber französische Offiziere unverletzlich, und wenn sie mit Reitpeitsche und Fußtritten das Empfinden friedlicher Bürger verletzen.

Aber, daß die Franzosen gar nicht erst untersuchen, unter welchen Umständen die­ser Mord geschah, daß man gar nicht danach forscht, wer eigentlich der Mörder ist, das ist charakteristisch. Denn es könnte doch leicht sein, daß die deutschen Feststellungen zutreffen, die Offiziere seien vonihreneigenenSolda- t e n ermordet worden. Poincarä redete von den exemplarischen Strafen, die verhängt würden, Degoutte ordnete sie bereits cm. Man sagt sich mit Recht: Auch dieser Fall müsse rechtzei­tig ausgenutzt werden, wenn man einen Er- solg buchen wolle. Was sich später ergebe, sei einstweilen gleichgültig. Schließlich könne man, wen« die Untersuchung ergebe, daß die Deutschen voreilig belastet seien, den Schleier des Verges­sens über die Sache breiten. Situations­mache ist für die Franzosen die Hauptsache. Die Duerer Bevölkerung erlebt eine Schreckens­herrschaft. Sie fühlt sich unschuldig, aber sie muß büßen. Die Scharen bewaffneter Soldaten jagen durch den Ort, Gewehrkolben arbeiten, Schüsse krachen. Geiseln werden gesucht. Man sucht nicht den Schuldigen. Man sucht Gelegen­heit zu Taten, will der Welt beweisen, daß Frank­reich seine Offiziere schützt und sein Regiment versteht, wenn es heißt,, Autorität zu zeigen.

Einmal haben die Belgier am Riederrhein bekanntlich viel Geschrei erhoben wegen einer Mordtat, der ein belgischer Offizier zum Opfer fiel. Deutsche wurden ohne Gründe eingesperrt. Schließlich aber, als Wochen hindurch täglich in der belgischen Presse der Fall Graff breit getre­ten war, als man gedroht, Roten gesandt, Kon­tributtonen verhängt batte, ergab sich, daß be- trunkene belgische Soldaten die Täter waren. Man hörte kerne Entschuldigung. Im Gegenteil, eS wurde versucht, diesen Fall, vor allem daS Ergebnis der Untersuchung, totzu- sckweigen. Der Zweck war ja erreicht: Man hatte den Deutschen wieder einmal die Macht füh­len lassen. Und jetzt wiederholt sich das gleicheEreignis. Ohne Untersuchung wird Buer verurteilt, hundert Millionen Mark Strafe zu zahlen. Die Häuser werden erstürmt, die Straßen leer gefegt, Oberbürgermeister und an­gesehene Personen werden in Haft genommen. Der Verkehr, die Zeitungen weiden verboten. Die Geschäfte müssen schließen. Das Strafgericht geht über Buer nieder ... und man weiß nicht, ob dieses Gericht berechttgt ffi.

Darauf kommt es den Franzofen nicht an. Die Hauptsache ist, daß man endlich eine Ursache hat, zu zeigen, daß man da ist, zu zeigen, daß alle Deutschen zu beben haben, daß ihr Leben in der Hand der Soldateska ist. Vielleicht freut man sich in Patts dieser Bluttat. Sie gibt Anlaß, neue Schreckenstaten zu beschönigen. Man braucht nicht mehr zu befürchten, daß die Welt den fron« zösischen Barbarismus erkennt. 9?rin, die Fran- wsen sind keine Barbaren. Wenn sie auch K i n - der totfahren, Kolben und Reit- peitsche arbeiten lassen, wenn sie wie wild umherfchießen itrtb Häuser anSran- ben. Siefechten für Rübe und Ordnung, müssen ihre bedrohten Trirppen schützen".

Ob nun überhaupt von französischer Seite der Fall untettncht werden wird, sei dahin gestellt. Jedenfalls werden bie beutfeben Be­hörden nicht Nachlass."!!, diesen Mord völlig ank- ruftären. Wären wirklich Deutsche die Täter gc- wesen, so hätte für die Franzosen noch la^ge

nicht das Recht Vorgelegen, ohne Untersuchung des Falles mtt eines Schreckensregiment zu be­ginnen. Die Stad Buer trüge keine Schuld, wenn Deutsche die Mörder gewesen wären, denn von deuffcher Seite war die Bevölkerung immer wie­der zur Ruhe und Ordnung gemahnt. Die Fran­zosen f flöten bedenken, ob sie nicht auch dann, wenn Deutsche sich an ihren Offizieren vergriffen hätten, die Schuld trügen. Was suchen sie denn in unserem friedlich arbeitenden Lande 1 Haben sie ein Recht, die Bevölkerung zu drangsalieren? Mit welchem Recht spielen sie sich als Herren und Gebieter auf, Wir können sie ihr Vorgehen rechtfertigen? Wollen sie nicht einsehen, daß tag­täglich die bedrängte Bevölkerung herausgesor- bert wird, daß man sie zur Verzweiflung treibt? ^Selbst für einen Mord von deutscher Seite läge demnach eine Entschuldigung vor. Und deshalb wird die deutsche Regierung nicht ruhen, die­sen Mord unzweifelhaft auszuklären. Er fällt, wie die Uttache auch lauten mag, auf Frank­reich zurück, dessen Strafmaßnahmen nur ein neues Verbrechen darstellen.

<£in Mt grober Willkür.

Proteste gegen die französischen Repressalien. lEigener Drahtdericht^

Berlin, 14. März.

Der deutsche Geschäftsträger in Poris ist an­gewiesen worden, der französischen Regierung fol­gende Note zu überreichen: Der kommandierende General des 32. französischen Armeekorps hat wegen der Tötung zweier französischer Militär- Personen in Buer den Oberbürgermeister als Geisel festnehmen lassen und dem Magist­rat amtlich belanntgegeben, daß der Oberbürge»- meister ohne weiteres erschossen werden wird, falls weiter Gewaltmaßnahmen gegen die Fran­zosen vorkommen. Er hat außerdem gegen die Stadtbevölkerunq selbst die schärfsten Repress.alten angeordnet, denen bereits eine Anzahl von Einwohnern zum Opfer gefallen sind. Es steht keineswegs fest, daß Deutsche an der Tat überhaupt beteiligt sind. Ebenso wenig steht fest, daß den staatlichen oder städtischen Organen ein Verschulden zur Last fällt. Muß hier die Androhung von Repressa­lien als ein Akt grober Willkür ange­sehen werden, so stellt sich der französische Gene­ral durch die Art, wie er diese Repressalien, ohne Rücksicht auf die Lage schuldloser Einwohner durchführen läßt, außerhalb aller Schranken von Recht und Gesetz. Maßnahmen, wie sie jetzt von dem französischen General in Buer durchgefühtt oder angedroht werden, sind dazu angetan, die Bevölkerung zur Be». zweiflung zu treiben und unabsehbares Unheil herairfzubeschwören. Wenn der fran- »östschen Regierung daran liegt, das zu verhüten, so ist es ibre Pflicht, dem Borqehen des Militür- beseUshabers Einhalt zu gebieten. Die Vermtt- wortnug für die Folgen fällt sonst allein auf sie. nicht auf die deuttche Regierung und weder auf die Behörden, noch auf die deutsche Bevölkerung,

Unterschied zwischen Leichen.

Die erschossene« Deutsche« und Frauzosen.

(Privat-Telegrmnm)

Buer, 14. März.

In aller Eile mußten heute früh die erschosse- neit drei Deutschen beerdigt werden. Die Franzosen haben ausdrücklich verlangt, daß die Beisetzung sogar um sechs Uhr morgens statt- findet und daß nur die nächsten Angehörigen dem Sarge folgen sollen. Außerdem wird heute die Neberführuna der beiden erschossenen fran­zösischen Offiziere stattsinden. Sie find im Rathaus mit allem Gepränge ausge­stellt. Bor dem Rathaus sind Tanks in Pa­rade aufgestellt. Das Gebäude ist mit Grün ge­schmückt. Um die vier Säulen des Hauptportals ranken sich Tannengirlanden. In der Mitte des einen Aufgangs ist im Flur mit schwarzen Tü­chern ein Raum abgeteilt, in dem die Särge mit den erschossenen Offizieren aufgestellt find, umrahmt von Kandelabern und Kränzen, die die französtschen und belgischen Farben tragen.

Meuterer und Deserteure.

Im feau,»fische« Desaßuugsheer.

(Eigener Drcchtbericdt.)

Buer, 14. März.

Daß die Ermordung der beiden französischen Offiziere auf meuternde französische Soldaten zurückzufichrrn ist, ist um so wahrscheinlicher, als in den letzten Wochen von verschiedenen Seiten Meldungen über meuternde französische Sol. baten gegen ihre Offiziere gekommen find, was zu einem scharfen Eingreifen der ftanzöfikchen Militärbehörde führte. S: wird von einem Augenzeugen behauptet, daß in der Rächt vom Donnerstag znm Freitag zwischen 2 und 3 Uhr in Duisburg in der Rahe der Hohenzolleruftraße von mehreren Franzosen Marolkane ter -

schossen worden seien. Ebenso sollen in der vorigen Woche an der Mauer der Blauen Fabrik in Duisburg, Düffeldorferstraße, desertie­rende französische Soldaten standrechtlich erschoss en worden fein. Bezeichnend ist auch folgende Meldung: Ende Februar erfuhr ein junges Mädchen durch Zufall, als es ihren Bru- der im Binzenzhospital besuchen wollte, daß We­ser scljvn gestorben sei und in der Totenhalle liege. Darauf ginn sie allein zur Totenhave. Als sie hineinsah, sah sie am Boden eine Anzalss toter Franzosen Herumliegen. Die Leichen dieser Franzosen werden in Berbindung gebracht mit der standrechtlichen Erschießung einer An­zahl französischer Soldaten in Wesel als Folge einer dort ausgebrochenen Meuterei.

Vermehrung öer Truppen. Dis. Beschlüsse der Franzose« «nd Belgier.

«Igener Drahtbettcht.)

Essen, 14. März.

Heber die französisch-belgischen Bethandlun- gen in Brüssel erfährt man noch, daß eine Ver­stärkung der Besatzungstruppen vor allem schon wegen der Notwendigkeit, Kohlen durch Militärkräfte abtransportteren zu lassen, beschlossen wurde. Dagegen wurde die Idee einer Ausdehnung der Besatzungszone auf der Konferenz ausdrücklich abgelehnt. In der Frage von Vergeltungsmaßnah­men will man die strengste Durchfiihrnng poli- tifMr und gerichtlicher Untersuchung in jedem einzelnen Falle beschlossen haben. Die Eisen- babnverwaltung des Ruhrgebiets wurde in zwei Zonen, eine nördliche unter belgischer und eine südliche unter französischer Leittmg, geteilt, wobei Belgien für den unannstigen Kurs seines Geldes Entschädigung finden soll. Schließ­lich ist ein neues Stzstem der Exportbewil- l i g u n g nach dem Auslände gegen die Sicher­heit, daß die Exportwaren nickst auf Umwegen nach dem unbesetzten Deutschland ansgefähtt werden, beschlossen worden. In der Bezahlung der Exportabgaben, die im allgemeinen fünf Prozent betragen, sollen die belgischen Kaufleute eine Vorzugsstellung erhalten.

wie S-waffafie In Karlsruhe.

Karlsruhe, 14. März. (PrivattelegraMM.) Nachdem die Franzosen hundertundsieb­zig arme Familien aus ihren Wohnungen vertrieben haben, wird die Lage jetzt weiter verschärft. Die Franzosen treiben jetzt offene Räuberei, indem sie Arbeiter, die von ihren Arbeitsplätzen kommen, nach Sohngeldern untersuchen und ihnen das Geld abnehmen.

Dsrficht bnr falschen Werbern.

Hammk. W., 14. März. (Vrivattelegramm.) In verschiedenen Städten des unbesetzten Ge­bietes, so in Hamm und Hannover, hat man an den Plakatsänlen Anschläge festgestellt, auf denen Schlosser. Maurer tmd ande­re Arbeiter für Düsseldorf gesucht werden. Die Stelle, bei der sich die Arbeiter in Düsseldorf melden sollen, ist. wie sestaestellt wur­de. ein französisches Werbebüro, das anck selbst keinen Hehl daraus mackst, daß die sich Meldenden für die Franzosen arbeiten sollen. (!)

Oteue Bataillone.

Recklinghausen, 14. Mäitz. (Privat- telogramm.) Die Besatzung von Buer und Horst wird um je ein Bataillon, die von Reck­linghausen um zwei verstärkt. Für die Trup­pen werden bereits Quartiere gemacht. Auch in Langendreer trafen zwei neue Bataillone ein.

Frankreichs Mißerfolg.

Eine englische einsichtige Stimme.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 14. März.

DieWestminster Gazette" schreibt in einem Das Ruhrfiasko" überschriebenen Leitar­tikel: Daß Frankreich einen vollständigen Miß­erfolg erlitten habe, könne ans einem Vergleich der Lage vor der Ruhrbesetzung und der Lage von heute gesprochen werden. Man sei ans einem toten Punkt angelangt und die einzige Hoff, nung sei, daß Frankreich seine Beding«n- gen ändere. Nur aus diese Welse könne Frankreich sich z u r ü ck z i e h e n mit der Würde, die seine Freunde ihm in dieser hoffnungslosen Lage wünsMen. Für einen durchführbaren Plan würde Frankreich die moralische Unterstützung der Welt haben. Im gegenwärttgen Augenblick treibe Frankreich Deutschland jedoch in eine Lage, in der es nur passiven Widerstand anwendcn könne. ES seien überwältigende Be­weise dafür vorhanden, daß dieser Widerstand mit vollständigem G r f a anaewenset werde.

Kommunallandtag.

Bo« der gestrige« Eröffr«ngs-Sitzung.

Sie hi b«* gestrigen «uftag« gern Zeit fcöee bettest«» wurde, erfolgte im Saal« r«S SttndehanseS in Kaffei bi« «rvffn^ng de« 51. UommunaQa-' tage für den Bezirk«, vrrdandes de» SiegttrungSbeiirte «asset. Wenn in der Zett vor der UmtoartMung der Dinge im Reiche ein KommirnwlcmDtag in Kas­sel eröffnet wurde, so trug dieser Akt ein feier­liches Gepräge. Pünktlich, zur festgesetzten Zeit, ertöten der Oberpräsident im Saale, gefolgt von seinen Raten, begalb sich an feinen Platz, das Haus erhob sich und stehend vernahmen die Ab­geordneten die Worte des höchsten Beamten der Provinz, der im Namen der Staatsregierung den Landtag für eröffnet erklärte. Auch das war einmal...! Gestern wartete, wie es auch schon bei den letzten Landtagseröffnungen be* Fall war, Oberpräsident Dr. Schwände* Mit Engelsgeduld, bis die Sozialdemokraten von ein Frakttonssitzuna zurückgekehrt waren und dann, bis der Aeltesten-AuÄschuß. den man eiligst ziffanrmengetrommelt hatte, sein SteWichein hin. ter zugeklappter Tür beendete. Ilm was es sich drehte, wurde sehr bald bekannt. So war es '<12 statt 11 Uhr. als der Oberpräsident endlich sprechen konnte. Mt bewegten Worten, bei schwingender Stimme, gedachte er der Treuen an Ruhr und Rhein, sprach er das Gelöbnis des ehernen Widerstandes aus. Wiederholt un­terbrachen ihn Bravorufe der Mitglieder des Hanfes, die zu Beginn der Trenekundgebuna sich von den Plätzen erhoben. Dann erklätte er den 51. Kommunallandtag für eröffnet. Geheimer Justizrat Dr. Harnier übernahm bis zur Er. ledignng verschiedener Formalitäten als Alters­präsident den Vorsitz, den er niederlegte, als auf Vorschlag des Mgeordneten Felde-Schmalkalden (im Namen des Nettesten ausschufses) der lang- bewährte Vorsitzende

Landrat a. D. von Keudell

von Schloß Woffsbrunnen (Eschwege), der bet Hessischen Rrbeitsaemei n schäft angehört, zum Präsidenten und Oberbürgermeister Dr. An- toni-Fulda (Zentrum) zum zweiten Vorsitze-r- den gewählt worden war. Präsident v. Ken­del l knüpfte an die letzten Worte des Oberprä­sidenten an und sprach tiefste Absehen avs gegen den Frevel der Franzosen, der sich über alle Ge­setze der Menschlichkeit hinweggesetzt und zollte höchste Bewunderung den Opfern, die dort ge­bracht werden, denen gegenüber die Opfer wiri- schaftticher Natur, die wir bringen, verschwinden» sind. Was erforderlich ist, das ist wirtschaftlich«, moraKtöe >mb seelische Unterstützung der leiden, den Bttider. Der Redner erinnerte daran, daß die Landwirtschaft sich Bereit erklärt hat, eine halbe Million Kinder <nt5 den beimgesuchten Ge­bieten aufzunehmen und er dankte auch den sremden Staaten, die ebenfalls Kinder ans den bedrängten deutschen Landen zu Gast geladen Laben, so Dänemark, Schweden und die Schweiz. Nach einem Apbell, den Partei zw ist zu begraben gedachte er, loährend sich die Abgeordneten und auch die zahlreichen Tribunenbesucher wiederum von den Plätzen erhoben, der Gefallenen an Rhein und Ruhr! Nunmehr gab der sozialde­mokratische Abgeordnete Schnabrich - Hers - seid im Namen der sozialistischen Arbeitsgemein, schäft Hellhörige hatten eine halbe Stunde vorher von der Geburt dieser Arbeitsgemeinschaft vernommen eine Erklärung ab. die das mifi- tarifKschr-imveriattstische Vorgehen der Franzosen, die V.nMtnr der Werkzeuge des französischen Kapitalismus verurteilt, die feststellt, daß die Hauptlast der Osser bei der Abwehr, zu deren Untersttrtzmrg die Bevölkerung aufgefo^ert wird, von der Arbeiterschaft getragen werde und schließ­lich zum Ausdruck bringt: Eine wirksame linier- stutzung der Bevölkerung an Ruhr und Rhein ist Ritt möglich, wenn der drückeichen Not im ganzen Reiche abgevolfen wird! Präsident von Keudell machte sodann ofifzieill« Mitteilung von den Vorgängen vor der verspäteten Eröff­nung dieser Tagung: ES hat sich

eine sozialistische Arbeitsgemeinschaft

aus Mehrheits-Sozialdemokratie, Unabhangigttk und Kommunisten gebildet, die damit die stärkste Fraktion des Kommunallandtagep darstellt! Als im Anschluß an diese Mitteilung die einzelnen Ausschüsse ß bildet wurden, konnte man die veränderten Verhältnisse genau erken­nen, besonders bei dem Aeltesten-Ausschuß. der ich nunmehr wie folgt zusarnmeusetzt: 5 Mit­glieder der Saz. Arbeitsgemeinschaft, 4 der Hes­sischen Arbeitsgemeinschaft (rechtsstehend), zwei! des Zentrums und ein Demokrat! Danrtt war die .Tagesordnung" erschöpft. Die weiter« Ent. Wicklung der Tagung ist die: Am heutigen Mitt­woch arbeiten die einzelnen Kommissionen, eben, 'o am Vormittag deS Donnerstags und am Don, nerstag nachmittag findet die erste Plenarsitzung tatt. Am Montag erst wird die Tagung zu Ende gehen. Sie muß es. weil viele Vittglieder des Landtages bei der Sitzung des Staatsrais am Dienstag in Berlin arttveseno sein müssen. Fröh­liche Stimmung gab es namentlich ans der tin