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Hessische Abendzeitung

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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Fernsprecher 951 und 958

Dienstag, 13. Marz 1923

Nummer 60.

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Fernsprecher 951 und 958

13. Jahrgang.

Franzosen im Ruhrgebiet erschossen.

Englands Geschäft.

Um die englische Zone.

Im englischen Unterhaus ist wiederholt mit- geteilt worden, von Bonar Law selbst oder Ver­tretern der Regierung, England hatte wieder- holt Frankreich nahe gelegt, daß eine zu lassen und das andere nicht zu tun. Fudenfalls er- für man niemals etwas genaues über die eng­lischen Vorstellungen in Paris, weiß nicht, in welcher Form und vielfach auch nicht, in welcher Frage England seine Interessen gewahrt har. Denn daß es sich bei den englischen Einsprüchen nur um die Wahrung englischer Interessen, nicht etwa um die Bölkerrechtsmoral, um Recht und Unrecht, um Deutschlands Mllen handelte, liegt auf der Hand. Nur wenn englische Inter­essen berührt werden, findet England das Wort, bisher zu einfachen Vorstellungen, denn »Eng­land kann doch nicht Frankreich eines anderen belehren und etwa einen Krieg mit Frankreich ansangen*, sagte ein englischer Vertreter. Nein, die Zeit ist noch nicht gekommen, da England sich offen gegen Frankreich wenden darf, heißt es in englischer Lesart. Und zwar deshalb ist die Zeit noch nicht gekommen weil nicht mehr, wie Bonar Law sagt, Frankreich jede Ein­mischung übel deuten würde, sondern nur weil angeblich die englischen Interessen noch nicht so stark berührt sind. Wann aber sind die englischen Interessen berührt? Hier eine Am- tvort zu finden, ist nicht schwer: dann, wenn England kein Geschäft mehr machen kann. Einst­weilen. aber macht En^al ond durch seine Koh­len ein blendendes Ges cy.t ft. Die Preise sind nm mehr als das Doppelte erhöht, Deutschland und Frankreich sind Großabnehmer geworden.

Run sitzen aber die Engländer in Köln, das sie zu einem zentralen Punkt des englischen Handels im Westen gemacht hüben. Wer Köln kennt, weiß, daß fast alle großen englischen Häuser dort Filialen errichtet haben und was nicht gelungen ist, von London direkt zu errei­chen, ist von Köln möglich. Die englischen Firmen haben von hier auS eine Reihe neuer Verbindungen geknüpft. Nicht nur in Deutsch­land, sondern in ganz Europa. Diesen Stütz­punkt zu verteidigen, liegt folglich im engli­schen Interesse. Er verliert aber an Wert, durch die Einschließung, die die Franzosen rück­sichtslos vorgenommen haben. Köln ist eine Insel geworden, Franzosen branden an den Grenzen, können die englischen Verbindungen kontvEeren und erschweren sie auch Sie machen nicht nur den Deutschen in Köln durch die Ab- schfießung das Leben schwer, sondern auch den Engländern. Der englische Handel leidet unge­mein. Die englischen Ansiedlungen müssen just so wie die deutschen Unternehmungen mit der Gefahr rechnen, eines Tages auf dem Trockenen zu sitzen. So kam der Notschrei nach London, der die englische Regierung veranlaßt hat, mündlich bei der ftanzösischen Regierung vorstellig Lu werden und auf die ernsten Unzuträglichkeiten binzuweisen, die den brttl- schen Behörden im Rheinlande infolge des fran­zösischen Vorgehens erwachsen. Sorgt sich die englische Regierung wirklich um die britischen Behörden? O nein, dann hätte sie früher pro­testieren müssen. Sie erhebt Einspruch auf den Druck des englischen Handels hin. Ein pri­vates englisches Interesse wird hier berührt, deshalb kann die englische Negierung nicht schweigen, deshalb klingt ihr Protest zum ersten Male ernst »nd wird auch in aller Form durch Reuter bekannt gegeben, wird auch gesagt, wes­wegen eigentlich protestiert worden ist.

Die Franzosen wissen ganz genau, welch Interesse England in Köln hält und welches Interesse es in Köln hat. Sie halben schließlich ihre ganze Polifik dahin eingestellt, sich naiv zu stellen, wenn fie englische Interessen schädigen. Aber schädigen wollen sie England in der letzten Konsequenz doch. Sie werden wohl dem Protest stattgciben und Zusicherungen machen, .das eng­lische Interesse nicht zu gefährden". Mer sie werden weiter über die englischen Verbindun­gen Wachen imb daraus achten, daß die engli­schen Hoffnungen in Köln nicht in den Himmel wachsen. Köln mit der englischen Zentrale war ja seit jeher der Franzosen Aerger. Viel leichter hätten sie das Rheinland »friedlich erobert*, wenn sie nicht die Engtänder in Köln sitzen sähen. Die Abberufung der englischen Trupven wäre durchaus nach ihrem Wunsche gewesen. Das haben sie aarnidrt einmal verhehlt. Wir er­kennen aus dieser Sachlage aber, wie wenig die großen politischen Momente bei England mitsprechen, sondern lediglich der Geschäfts, sinn. Sonst hätte England nicht nur erklärt, daß es dieVerantwortung der Beschlüsse der Rheinlandkommission ablehnt, sondern auch ge­sagt, daß eS sich entschieden gegen solche Be­schlüsse wenden müsse. England wird deutlicher werden, wenn eS tatsächlich nach jeder Richtung bin wirtschaftliche Schädigung empfindet. Dann wird es auch sich nicht zu schwach kühlen um seine Recktemit den Waffen zu verteidigen*.

In diesem Zusammenhang verdient erwähnt

zu werden, daß noch feine Macht den Mut sand, Frankreich sein Unrecht vorzuhalten und entschie­den die Aufgabe der Ruhraktion zu fordern, daß aber viele Mächte bereits den Mut besaßen, ihre Rechte wahr zu nehmen. So hat Ame­rika ja schon in Paris darauf hingewiesen, daß es seine Interessen im Rheinland, seine wirt'chaftlichen Verbindungen nicht stören las­sen könne, so hat Holland schon protestiert gegen die Verstopfung der Schiffahrt, die jeden Waffervertehr zwischen Deutschland und Holland unmöglich macht und so hat die Schwei, de- reits in Paris darauf hingewiesen, daß sie er­warte, Frankreich werde künftig die Interessen der Schweiz nicht verletzen. Alle, alle dachten an ihre Vorteile, die sie zu wahren suchen, keiner dachte bisher daran dem Empfinden des soge­nannten »Weltgewiffens" Ausdruck zu geben!

Erlüge Framofm erschossen« Vcrkehrssperre in Buer und Westerhold.

tEigener Druhtbericht.1

Buer i. Westf^ 12. März.

In der Rächt vom 10. zum 11. März wurden hier zwei französische Offiziere er­schossen. In dem benachbarten Wcsterhold wurde ein französischer Wachtposten tot aufgefunden. Der Kommandeur der 47. In­fanteriedivision in Recklinghausen hat über beide Orte die verschärfte Berkehrszone angeordnet. Bon 8 Nhr abends bis g Uhr morgens ist Lis Straße für jeden Verkehr gesperrt. Diese Maßnahme soll so lange in Kraft bleiben, bis die Kriminalpolizei die Täter ermittelt hat. Dazu meldet das französische Havasbüro: So­bald die Nachricht von dem Morde nach Paris gelangte, wurden sowohl Strafmaßnahmen wie auch Schritte ergriffen, um die Mörder zu fassen. Der Bürgermeister von Recklinghausen (?), sein Stellvertreter, sowie der Polizeichef wurden verhaftet. Die Schließung aller Kaf­fees und Kinos und öffentlichen Lokale wur den angeordnet. Auch spricht man von einer Buße von hundert Millionen Mark, doch war darüber noch keine amtliche Klärung zu erhalten. Sicher ist aber, daß, falls man die Schuldigen nicht finden sollte, sich Frankreich mit den bis­herigen Maßnahmen nicht begnügen wird.

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Französische Ccöaten als TSier?

Recklinghausen, Ist. März. (Privat­telegramm.) Zu dem Zwischenfall in Buer er­fahren wir noch daß zwei deutsche Zivilisten sich bei der ftanzösischen Behörde meldeten und anS- fagten, gesehen zu haben, daß die beiden Offi­ziere von französischen Soldaten er­schossen wurden. Bürger, die am Vormittag zur Kirche gingen, wurden gezwungen, franzö­sische Bekanntmachungen anzufteben, die aber bald darauf wieder von Vorübergehenden ent- femt wurden. Hierauf wurden die Leute ge­zwungen, an den Plakaten Wachtposten zu stehen.

Schießerei in Dortmund.

Dortmund, 12. Mürz. (Privattelegramm.) Wir erfahren, daß gestern abend vor einer Wirt- djaft in der Mainzer Straße eine Schießerei -wischen französischen Soldaten und deutschen Zivilisten stattgefunden hat. Von der Polizei, die herbeigerufen wurde, wurde dann ein Beamter durch Armschutz verletzt. Ein ftanzösischer Soldat wurde getötet, fünf verletzt. Von deutscher Seite sind vier Per- onen verletzt. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Französische Verbrecher.

Mord, Beschlagnahme, Zerstörung.

(Eigener Drahtbericht.)

! Essen, 12. März.

Bon dem »on den Franzosen besetzten Poli­zeipräsidium Essen aus wurde auf einen auf die Straßenbahn wartenden Herrn ohne jeden Anlaß geschossen. Der Schuß durchdrang die Lunge, o daß der Verletzte in das Mdtische Kranken­haus gebracht werden mußte. An der gleichen Stelle wurde einem etwa ftlnfundfüufzig Jahre alten Boten, der eine Verwandte zur Straßen­ahn gebracht hatte, von einem französischen Posten, der seinen Paß verlangt hatte, ohne jeden Anlaß ein F a n st s ch l a g ins Gesicht versetzt, fv daß er hinstürzte. Zwanzig biS fünfundzwanzig bewaffnete Frauzofen beschlagnahmten bei der Holzgroßhandlung Conrad in Essen sechzehn Wagen Holz im Werte von achtzehn Millionen Mark. Die Firma hatte sich geweigert, daß Holz gegen Bezahlung zu liefern. Aus dem Bahnhofe Oberhausen sind nach jetzt vorliegenden dienst­lichen Berichten schwere Zerstörungen von den Franzosen vorgenommen worden. Die

Diensträume biete« ein Bild sinnloser Berwü- stung, ebenso die Säume der Güterabfertigung, auch die Stellwerke haben außerordentlich gelit­ten. Die Auftnchaltsräume der Beamten und Arbeiter waren ebenfalls vielfach demoliert. In Lüttringhausen wurde in der Rächt vom 8. zum 9. März ein Mitglied des Eisenbahner-Aktions­ausschusses in Dortmund-Süd erschossen und sein Begleiter verhaftet. In Altenessen ist wieder ein Feuerwehrmann von einem Franzo­sen ohne jeden Anlaß erschossen worden. Aus der Strecke Alzey-Mainz fuhr an der Kreu­zungsstelle mit der Landstraße Mainz-,Gonzen­heim ein von französischem Personal be­dienter Zug mit einem deutschen Lastauto- mobil zusammen, auf dem sich außer dem Chauffeur noch vier Personen befanden. Zwei Personen sind tot. eine starb nach drei Stunden und zwei liegen verwundet im Krankenhaus. Die Bahnstrecke war feit einiger Zeit unbefahren, so daß die Automobilisten damit rechnen dursten, daß kein Zug kam. Die Strecke wurde zum ersten­mal wieder von ftanzöfischem Personal gefahren. Die Straßenüvergänge blieben aber offen.

Die französischen Heuchler.

Nichts al« Unschuldslämmer.

(Eigene Drabtmeldung.)

Recklinghausen, 12. März.

Der tot Ruhrgebiet weilende französische Kriegsminister Maginot begab sich in die Krankenhäuser, wo er die 2cid?en der beiden ge'-vLten Offiziere mit dem Kreuz der Ehren­legion schmückte. Er versammelte im Hofe des Krankenhauses die Offiziere der Division nnd hielt folgende Ansprache:Zwei Franzosen sind ermordet worden. Sie wurden aus dem Hin­terhalte getötet. Derartige Taten dürfen nicht «»gestraft bleiben. Obwohl wir der Stärkere sind, haben wir niemals unsere Kraft miß­braucht. (?) Unsere Soldaten haben im Gegenteil immer eine ausgezeichnete Haltung eingenom­men (?) und der Bevölkerung gegenüber mensch­liche Gefühle bewiesen. (?) Sie werden nicht un­gestraft das Blut ftanzösischer Soldaten vergie­ßen lassen, derartige Verbrechen werden wei­tere Zwangsmaßnahmen zur Folge haben."

Sie planen Maßnahmen.

ParjS, 12. März. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern abend hielt Poinrars beim Festessen eines Militärvcrbandes eine Rede, in der er aus die Tötung der beiden Offiziere in Buer zu sprc- d)cn kam. Er sagte, das Verbrechen, das began­gen wurde, würde unerbittlich bestraft werden i:nd die Opfer würden ihre Rache finden. Er werde morgen mit General Degoutte zusammen­kommen und mit ihm untersuchen, ob alle Maß­nahmen zur Unterdrücknng der deutschen Ab­wehr im Ruhrgebiete ergriffen find. Wir werden enter untersuchen, welche Maßnahmen und Strafen anzuwenden sind. (Die französischen Behörden verschweigen aber, daß möglicherweise ranzösische Soldaten die Täter waren.)

Die DolksernShnmg.

Billigeres Brot für Minderbemittelte.

(Privat-Telegramm.i

Berlin. 12. März.

Der Reichstagshauptausschuß nahm einen deutschnafionalen Antrag an, wonach Maßnah. men getroffen werden sollen, um der Bcvölke- rttng mit niedrigem Einkommen den Bezug deS BroteS zu verbilligtem Preise $tt er­möglichen. Die Kosten hierfür fallen allen lei- tungSfähigen Bevölkerungsfchichteu auferlegt werden. Ein weiterer Antrag wurde angenom. men, der die Regierung ersucht, zur Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit Brotge­treide für 1923/24 die Schaffung einer Brot­getreidereserve tut Benehmen mit den landwirtschaftlichen Organisationen und den Ge- nosserrschaftSverbänben, sowie mit dem legitimen Getreidehandel durchzusühren. Der Abgeordnete Dr. Heim (Bayr. Volksp.) ersuchte die Reichs- ttgierung, einen angemessenen Preis für das letzte Sechstel der Gefteidemnlage sofort bekannt zu geben. Der Ausschuß beschloß demgemäß. Angenommen wurde ferner eine Entschließung des Abgeordneten von Gucrard (Zentrum), wo­nach dte Reichsregferung für eine ausreichende Versorgung des besetzten Gebietes mit Sämereien, insbesondere ober Saatgetreide und Kartoffel« Vorsorge fteffen soll.

Gegen die srhvhung de« Zuckrrpreffes.

Betritt, 12. Mär». (Prtvattelegramm.) In der Sttzung des Reichstags - HouptousschuffeS wurde eine sozialdemokratische Entschließung an­genommen. nnnrarf) dir Regierung ersucht wird, der Verdoppelung des Zuckerpreises ihre Zustimmung ztt versagen ober für den Fall, daß die Erhöhung schon beschlossen wor­den fei, in neue Verhandlungen einzutreten.

Sn feiger Angst.

Französisches Alpdrücken.

®fe ®e»»Heruwfl im Stadtgebiet beobachtet da- bie f anzösischen Einbrecher trotz ihre» schweren Dewasinnng '-OmSMiche Angst habe,. Man schreibt nn» da» Nachfolgende darüber. Immer klarer stellt sich heraus, tote Dr. Her­bert Stegemann in einem in der Deutschen Alk- Smeinen Zeitung veröffentlichten Artikel »Er« »reckte SchreckeuAmänner" mrtteilt, daß bie PariserRegierung selbst zu Died stahl, Raub, Plünderung, Notzucht und an­derem mehr den offiziellen Befehl gibt und die Verbrechen sämtlicher Strafgesetzbücher der Welt sozusagen zum militärischen Tagesreglement an der Ruhr macht. Dabei über ist den »ruhmreichen" Franzosen selbst sehr wenig Wahl zu Mute. Im Gegenteil: So unglaublich es klingt: Die Fran­zosen, bewaffnet Äs an die Zähne, ausgerüstet mit allem Raffinement der modernen Kriegstcch- itik sie haben Angst vor den unbewaffneten Dctttfchen. Wie furchtsame Kinder int Dunkeln Lieder singen, so suchen die Franzosen am Rhein, an der Ruhr und in Baden ihre Angst

durch rohes, gewalttätiges Auftreten binwegzutäuschen. Die Angst ist eS, die ihre Nerven aufpeitscht, die Angst vor dem dunkeln, scktweren Schweigen, das um sie herum an- wächst nnd sich wie eine Zentnerlast ans ihre Seele legt, die Angst gewissermaßen vor dem luftleeren Raum, die Angst vor dem Nichts, die Angst, d-ie verursi'chi wird durch das ganz bei- spieklaft und roßw Gefühl, in einer Atmo­sphäre zu weilen, die bei jedem Dntcke elastisch nachgibt nnd den Einzelnen ins Leere versinket läßt, die Angst davor, wie ein Schatten, wie ein Gespenst einherzugehen und von jeder rnensch- lichen Berührung ausgeschlossen zu sein, die Angst der ftanzösischen Heerführung vor den eige­nen Soldaten, die Angst der französischen Solda­ten vor der deutschen Bevölkerung, die tiefste Angst des bösen Gewissens, daS sich vor sich selbst zu verstecken sucht: kurz, Angst überall,

Angst aus der ganzen Linke.

Und in der Tat: die Angst der kn die Sackgasse' ihrer eigenen Schandtaten getriebenen Solda­teska, die beginnt, der Hand ihrer Führer zu ent­gleiten, vor der deuffchen Rache fft, so grotesk sie auch zunächst angesichts der Waffenlosigkeit der deutschen Ruhrbedölkerung wirken mag, doch sachlich nicht ganz unbegründet. Man bedenke die Lage her französischen Truppen, die in wirklich recht geringen Beständen ans Millionenstädte ver­teilt, kein eigentliches Schußfeld ha­ben, und deren rückwärtige Verbindun­gen bei der immer weiteren Ausdehnung bet Besetzung mehr und mehr geschwächt werden. AuS eben diesem Grunde bat Marschall Fach von vornherein der Vesetzitng deS RnhrgebieteS nach­drücklichst widerraten, und hat erst flirzlich der finge General Sarrail in einem viel beachteten militärisch-wissenschaftlichen Leitarttkel mit Rück­sicht auf die strategisch mißliche Lage der Besät- zmrgStruppen deren Zurückziehung nicht nur miS oem Ruhrgebiete, sondern auch anS dem Mein- lande gefordert. Die Franzosen kennen also ihre eigene Schwäche ganz genau, nnd bte Rrchrbevöl- kcrnng kennt sie nicht minder. ES ist unter die­sen Umständen nicht wunderbar, daß dte durch nrnner neue Mißhandlungen durch bte Franzose«

erbitterte Rnhrbevölke rnng

sich entsprechende Gedanken w«Ht. wenn auch der Einfluß besonnener Führ er bisher jede Expl» fron zu verhüten gewußt hat. Scharfsinnig und Whig beobachtend, wie die Westfalen nun einmal htb, haben sie längst, ganz abwschen von den eben erwähnten sachlichen Erwägungen, infftote mäßig die Angst der Franzosen herauSgefühlt. Die Bespöttelung eben dieser Angst bildet ba5, humoristische Gegenstück zu den erwähnten Er­örterungen über andere Möglichkeiten. Man könnte ganze Bände mit den mehr oder minder witzigen Anekdoten füllen, bie unter der Nuhrbevölkerung über die französisch^ Angst umlaufen. In Mühlheim-Berich ist e- tatsächlich vorgekonrrnen, daß ein an« dem Wen» ker einer kleinen Gastwirffchaft auf das Sftaßen- Pflaster fallender Blumentopf die ganz in der Nähe befindliche ftanwöKsche Wache zum Ergötze« her Bevölkerung alarmierte. Helfen wir durch Festhalten an unserem Widerstände, daß bte Angst der Franzosen weiter wächst nnd daß sie in dieser Anast sich weiter lächerlich mache». Tiefe Belastungsprobe werden ihre Nerven nicht lange ertragen. Gibt es doch ein französische?

SprichSvort, daS sagt: »DaS Lächerliche tötet."

Die Nuhrhttfe ter ranSwMfchaft.

Große Mengen Lebensurittel.

Wie von unterrichteter Seite rnitgetefit wird, konnten bis zum 3. März insgesamt 1046 Wag» cwnS mit Lebensmitteln oder Art für daS Richrgsbket verladen werden. Vom 25. Februar bis 3. März sind etwa 340 Waggons zr Vertei­lung gekommen. Sie enthielten 2!) 34.3 Zentner Getreide, 26 308 Zentner Kartoffeln, 5702 Zent-