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Meter Nmeste

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

13. Jahrgang

Vrrrmmer 59.

Sonntag, 11. März 1923.

Rernfpredjer 951 und 952

Fernspreäier 951 und 952

Verschärfung des Versailler Diktats

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feinen Gunsten aus fallen muß und deshalb möchte eS den Druck auf das Ruhrgebiet ans Üben, um sich das Saargebiet dauernd 5« sichern.

4.) Sollen die Gesamt-Zahlungen in Gold und N a t u r a l i e n für immer festgelegt werden, ebenso soll bestimmt werden, zu welchem Zeitpunkt diese Summe zu bezahlen wäre. Frank­reich werde so lange am Rhein bleiben, bis die letzten Zahlungen vollzogen wären.

$te Siafieler ificueitra Nachrichten erscheinen wöchentlich iechsrnal und »war a » enB 4. Der Adonnementrpreir beträgt monalüch 3500 Mark bei freier Auftbllunz ins Hau- in der GefchästSfieUe abgeholt 2455 Mark monatlich. Auswärts durch die Post bezogen 2530 Mark moualltch etnschi Zustellung. Bestellungen werden lederzeu entgegengeno.umen. Druckerei, Bcrlag und RedaUion . Schlachthosstrave 28/M. gur unverlangt eingesandte Beiträge kann di« RedaMon eine Verantwortung oder iLewähr in keinem stalle übernehmen. Rückzahlung de» Bezugsgeldes oder Snfprüch« wegen etwaiger nicht «rdnüngSmätztger Lieferung ausgeschlosten.

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Me frcmzWWmDerbrecher.

Gewalttätiges Auftreten tn Dortmund.

(«iflene Drahtmekdung.)

Dortmund, 10. März.

Gestern nachmittag wurde das Straßenbahn- Verwaltungsgebäude von den Franzosen besetzt, weil die Verwaltung es ablehnle, Dauerfreikar-

, Volksgenossen sei immer wieder einzuschStfen, daß es «m Deutschlands Zukunft gehe und daß Deutschland dahin sei, wenn den Franzosen ihr letzter Scklag gelinge. Ueberall wurden die An­sprachen des Ministers lebhaft begrüßt. Der Zuchthausdirettor von Werden hat einen Pro test an General Degoutte obgesandt. Er prote­stiert dagegen, daß man 62 Personen in dem Z,rchthaus untergebracht hat, die nach beulfd/en Gesetzen nicht ausgenommen werden durften. In dem Zuchthaus dürfen nach deutschen Gesetzen nur Leute untergebracht werden, die wegen ge­meiner Verbrechen rechtskräftig verurteilt wur­den. Aber die jetzt «ntergebrachten Personen haben nichts weiter getan, als der eigenen Re­gierung die Treu" gehalten und ihr Gehorsam unter schwersten Verhältnissen entgegengebracht. In einer halbamtlichen Mitteilung werden von deutscher zuständiger Seite die französischen Lügen entlarvt, daß Deutschland für die Pariser Konferenz keinen festen Revarationsplan besessen und daß die deutsche Industrie eine wirt­schaftliche und politische Verständigung mit Frankreich hinter dem Röcken von dessen Verbün­deten gesucht habe. Die dentscke Klarstellung ent« hält ferner den Punkt, daß Poinenrö alle Ber- handlungsangebote Deutschlands sabotiert habe.

©emeine Drohung.

Hengstey, 10. Marz. (Privattelegrmnm.) In Hengystey waren gegen die Franzosen ge­richtete Flugblätter aus Zügen herausgeworfen worden. Der deshalb bei der Eisenbahudirektion vorstellig werdende französische General erklärte, er werde im Falle der Wiederholung eines der­artigen Vorkommnisses den betreffenden Zug durch Beschiessen zum Halten bringen und den Täter verlosten lassen. Falls dieser nicht ge­funden werde, würden drei beliebige Per­sonen aus dem Zuge heransgegriffen und als Täter verurteilt werden. Falls der Zng nicht halte, würden aus dem nächstankommenden Zuge aus jedem Wagen drei Personen herausgc- holt und in derselben Weise behandelt werden.

Hauses angepaßt war. Sieht so die EinheitS- ircnt aus? Ist es denn noch nicht genug des Elends, das uns von außen angetan wird? Sollte es denn gar nicht möglich sein, daß in der Zeit der größten Not der parteipolitische Klaft senkampf unterbleibt? Es sollten doch endlich alle Gruppen einsehen, daß sich nicht der kleinste Holts teil von der vaterländischen Bolksgernein- schast ausschließen darf, denn innerer Zwiespalt sckiwächt nicht nur das Voltsganze, sondern schä­digt auch Jene, die den Frieden im Inneren des Landes stören! K. F. D.

Schwarz? Raubmörder.

Pirmasens (Pfalz), 10. März. (Privat- telegramm.) Gestern wurde der Kaufmann Runs von zwei marokkanischen Soldaten überfallen und ermordet. Rach den Feststellungen han­delt eS sich um einen gemeinen Raubmord.

Verschärfte Verpflichtungen.

Aunektion und weitere Erpressung.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 10. März.

Die Konferenz von Brüssel wird für alle Fälle ein Programm ausarbeiten, das Deutsch­land »hn« weitere Verhandlungen anzunehmen hätte (!), falls es um Verhand­lungen bitte. Der Grundgedanke ist der, Ergän­zungen zum Versailler Vertrag anzubringen. Diese sollen sich auf vier Punkte beziehen: 1.) 1925 läuft die Frist ab, zu der der Koblen­zer Brückenkopf zu räumen ist. Dieses will Frankreich nicht zngcstehen, weil angeblich seine Sicherheit gefährdet wird (?), wenn es nicht am Rhein stände. 2.) 1927 gehe die vertragliche Ver­pflichtung Deutschlands wegen der Kohlen- lieferungen zu Ende. Hier wird besonders darauf gedrungen, daß Deutschland weitere Zwangslieserunyen auscrlegt werden.

Widersprüche.

Einheitsfront und Rbwehrkanipf. Es sind jetzt zwei Monate her, seit die

zosr: ya gebeL -Diese requirierten hundert Freikarten und st'ahlen dabei vier gute

Mwchr Md Vrotefl.

Appell des Kultusministers in Westfale». (Eigener Trahtbericht.)

Münster, 10. März.

In mehreren öffentlichen Versammlungen sprach in Westfalen der preußische Kultusminister Dr. B o e l i tz über den Rnhreinbruch und un­sere Aufgaben und Pflichten. E» fordert zu einer planmäßigen Abwehr in gemeinsa- mer Arbeit von Presse, öffentlicher Vortrags, tätigkeit. Schule und Haus aus. Die Schichten und die politischen Parteien müßten unter allen Umständen Burgfrieden sch! ietzen. Er malmte aufs neue zur Erziehuna zur Staats- gesiunung. Insbesondere betonte der Mi­nister die Aufgaben des Geschichtsunterrichts, die Jugend dazu her anzuziehen, die Mitverantwor­tung für die Erhaltung des Staates und die Zu tauft des Volkes bewußt zu tragen und sic zu diesen Aufgaben tüchtig zu mackrcn. Befvndcrr Anerkennung verdiene die Geistlichkeit und Lehrerschaft. Ter Minister schloß mit einem Appell an das gesamte Volk, die Abwehrsronr an der Ruhr uucrichüttert zu erhalten. Allen

KMe BermiLMyg.

Frankreich lehnt jedes Singreife« ab. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 10. März.

Im Kammerausschutz für Auswärtige An­gelegenheiten, der gestern unter dem Vorsitz von Leygues zusammentrat, war Poincarö anwe­send, um seine Ausführungen über bie Ruhrfra­ge, die er vor einigen Wochen begonnen hatte, fortzusetzen. Er wiederholte dir Erklärungen, die er kürzlich in der Kammer abgegeben hatte, daß Frankreich keinerlei Vermittlung annehmcn uny sich auf feine indirekten Ver­handlungen einlaffcn werde, sondern daß die französische Negierung an dem Tage, wo Deutsch­land seine Lage verstehe» sollte (?), bereit sein werde, deutsche Vertreter enzuhörcn und alle Vorschläge, die von Deutschland evtl, eingereicht werden sollten .zu prüfen. Auf alle Fälle werde Frankreich nicht gegen blose Versprechungen die Pfander und Sicherheiten ausge­ben, die es gezwungen war (?) zu ergreifen. Poincarck machte ferner Mitteilungen über die augenblickliche Lage im Meinclgeblet.

Frankreich versorgt fein SltL

Paris, 10. März. (Privattelogrannn.) Et­waigen beutW« Optimisten, die an ein srrmzä- stfcfses Einlenken glauben, fei eine Rede zur Be­achtung empfahlen, die General Degoutte vor Vertretern der französischen Presse gehalten hat. Er sagte: Die Lage im Ruhrgebiet ist so logisch, wie wir cs genau vorousgesehcn haben. Ich habe zu der Entwicklung volles Vertrauen und Frankreichs Endziel ist ebenso wenig verän­dert wor en, wie seine feste Entschlossenheit, das vorsteckte Ziel auch wirNich zu erreichen.

tzösisclien und belgischen Feinde ins westfälische Industriegebiet etadrangen, um dem deutschen Wirtschaftsleben das Mark auszusangcn und sich eine Basis zu schassen, von her aus das Weit- '6tfiedle politische Ziel, die Zerreißung des beitu- schrn Reiches, verfolgt werden soll. Der kriege­rische Einbruch, der mit Plünderung, Raub und brutalen Ueberfallen auf die wehrlose Bevölke- uing verknüpft ist, hat das deutsche Volk zu einer großen nationalen Einheit zuscimmen- gefchweißt. Alle Schichten des Volkes sind sich einig darin, daß der Abwehr? amps der sich im besetzten Gebiet im geschlossenen passiven Wider­stand zeigt, im unbesetzten Deutschland durch die fortdauernde Geld- und LebenAmittelspende zum Ausdruck kommt und- in allen Versammlungen die vaterländische Gesinnung wachrüttelt bis zu unserer» Erfolg durchgehaltrn werden muß. Hot man diese Erkenntnis gewonnen, dann sollte man auch auf allen Seiten fo viel weitere Ein­sicht besinn, daß wir alles tun. um die endlich erreichte Einheit zusammenzuhalten. Mancherlei Nisse klaffen noch in dem großen Block, die nicht überklebt, sondern geschloffen werden müssen und zwar dadurch, drß alle Teile de? Blocks frei­willig zueinander streben und alle Kraft nach innen vereinen. <53 wäre zwecklos, wollte man vor Fehlern die Augen verschließen; wir können sie nur beseitigen, wenn wir sie genau ansehen und berichtigen.

Beginnen wir mit dem Widerspruch zwischen den Maßnahmen der Regierung und ihren Fol­gen. Mit einer bewundernswertLn Großzügig­keit Hai das Kabinett Cuno unter Verständnis-' voller Mitwirkung der Großbanken VAe Ded' - ' ns - nknna terg en Pintnett. Die. Dürfe der ausländischen Zahlnngsmrttel sind mit die Hälfte und mehr znrückgsgangen, womit der Welt ein Beweis gegeben 'wurde, daß Deutschland, wenn es auch waffenlos ist. dock? den Wirtschaftskamps mit d»n Feinden erfolgreich ausgenommen bat. Es kann feinen besseren Beweis für den fran- rösischen Fehlschlag geben, als den Verkebrsstill- stand im Ruhrgebiet, das Aufhören der Koblen- Itcfenuigen, b»n Bohkott der Franzosen und Bel­gier in ganz Deutschland, sowie die Senkung der Devisenkurse. Diese ungeheure Wirkung ist er­reicht worden durch de» Willen des deutschen Volkes, der die Maßnahmen der Reichsrsgierung kraftvoll unterstützt. Neben dieser nach außen abwehrenden Wirkung sollte nun gleich mächtig die im Innern zusammenfaffcnde Wirkung stehen. Das ist leider noch nicht im wünschens­werten Maße der Fall. Zunächst vermißt man, daß die Preise nicht wie die Devisen zurück- gegangen sind. 9P-cr daS liegt in der Rai"r der Sache. Da die Preise im Tanuar nickst so schnell wie die Devisen gestiegen sind, kann sich auch der Rückgang nicht so schnell bemerkbar macken. Es wird Wock-n dauern, bi? alles nach unten aus- oetlichen ist, wenn wirtschaftliche Zusammen­brüche, bie durck rasch-"- Sturz eintreten müßten, vermieden werden foli-m. Dabei ist noch das Hindernis zu beachten, daß die reichs- amtsick festgesetzten Preise Mr Getreide und Prot, Kohlen und Frachten nicht herahaesetzt werden. Die Regierung bezeichnet es schon als ein Entgegenkommen, datz diese Preise nicht er« höht werden. Wenn man daraus binarheftet daß die Preissenkung so weit erfolgen soll, daß die Etlichen, sowie privaten Gehälter und Löhne nickst erhöht zu werden brauchen, dann nntft die Angleichung ko bald wie möglich ge tcheben. damit möglichst günftige wirtsthastliche Vorberingirngen zur gemeinsamen Aktion ge- schakfen werden.

Werter nehmen wir politische Gegensätze wahr, die allem Anschein nack durch künstliche Agitation geschaffen worden. GWcklicherweise be­wegen sie sich außrrdaM der Mwebrftvnt. Im Hinblick auf die fürchterlichen Vorgänge im Westen weiß man von äußerst links bis äußerst rechts, wo der Feind steht, der das ganze deutsche Volk bedroht. Aber kann denn noch immer nicht der Brnderhaß im Lande unterdrückt werden? Mit Bedauern hat man gelesen, daß in Mün­chen eine Verschwörung bestand, die die !>e.vrrsche Versasiung gewaltsam ändern wollte. Zwar bat sich mittlerweile herausgestellt, daß die in Frage stehenden Personen politisch bedeu­tungslos sind, aber der Vorfall hat genügt, um die Gegenseite wieder zu ermuntern. Ferner mußte man mit Bedauern lesen, daß in Gera, entgegen den thüringischen Landesgesetzen, eine Arbeiterwehr eingerichtet worden ist. Zu den kommunistischen Beteiligten haben sich auch sozialdemokratische gesellt, die den Führern der Pkreinigten sozialdemokratischen Partei die Gc- sölafchast verweigern. Gleichzeitig ist zu bemer­ken, daß wieder im Reichstag in einer der letzten Sitzungen, als ein Deutschnationaler über die Rtchrangekegenheit, die doch die ganze Nation betritt, iprach. ein Lärm von den Kommunisten roü'ftkbrt wurde, der wirklich nicht der Würde des,

Schreibmaschinen. Außerdem würbe Bau­rat Schmidt von der Straßenbahnverwaltung verhaftet. Die Hoffnung, daß die Franzosen nach Durchfsihntng der Entwaffnungs- und AuS. Weisungsaktion gegen die Schutzpolizei die Stadt wieder verlassen würden, hat sich leider als irr­tümlich erwiesen. Sie wollen sich in der Kreuz- schule und dem staatlichen Gymnasium in der Lindcmatu'.stratze auf längere Zeit einrich- tcn. Für die Offiziere sind Privalquar. tierc angefordert. Die verhaftete» Schutzpolizei- vffizicre Hauptmann Rose, Oberleutnant Schnei­der und Leutnant Büscher sollen vor ein fran­zösisches Kriegsgericht gestellt werden, weil sie angeblich Patronen vergraben haben.

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NNW für Offiziere und Hunde.

B e r l i», 10. März. (Privattelegramm.) Aus beut Ruhrgebiet wird berichtet, daß nicht nur für den französischen Offizier drei Liter Misch, sondern auch für jeden französischen H u nb ein Liter Vollmilch beansprucht wird. Für das deutsche Kind wird dagegen ein Liter Mager­milch als ausreichend bezeichnet. (!)

Fürsorgeerziehung.

Gegen die Verwahrlosung der Jugend.

®cr am ®i«n4ta» tn Raffel ju{atnmcntt(t*it> de BL RommsmallanOsa» des Dezirk«v«r. » »des Jil« den Negire»»g«be,ter Raffel wie» fich mit einem ®üaiar»c«.«tat belMitftigcn »er noch dr» Festfetznna twbarf. Bet de» wertchlerstattnrrg ii>c« »te tätigtet* de« Be. »irkc verband»« wird befonder« Me FSrsorge- erztehnngMtnderjhrtger behandel» werden

Was der Bericht des Landesausschusses über die Ergebnisse der Perivaltung des Bezirksver­ba nves des Regierungsbezirks Kassel im Rech- r-unMachr 1921 Wer die Jugendfürsorge berich­tet, ist geeignet, die falschen Ansichten, die viel­fach über das WortFArsorgezögling* bestehen, zu zerstreuen. Der Bericht setzt cm die Spitze den Satz, daß eS unrichtig ist, aus einem leichten Rückgang der Ueberweisung zur Fürsorge-Er- -rehung den Schluß zu ziehen, daß in der Ver­wahrlosung der Fugend in der letzten Zeit eine Besserung eingetreten sei. Wenn die überwiese­nen Jugendlichen neuerdings mehr den jüngeren Jahrgängen angehörten-, so ist dies unter ande­rem damit zu er&ären, daß die Eltern der gefähr­deten Jugendlichen mit Rücksicht darauf, daß diese oft einen hohen Verdienst mit nach Hanse bringen, den Fehlern ihrer Kinder gegenüber möglichst nachsichtig sind und die Hilfe bet zu- ständigen Behörden schon deshalb nicht in An­spruch nehmen, weil sie sürckten, mit den Kin­dern könne ihnen auch zugleich deren guter Ver­dienst entzogen werden. Den Hauptanteil der schwierigen Fälle der überwiesenen Zöglinge stellen wie in allen Provinzen auch hier die grö­ßeren Städte. Unter den strafbaren Handlungen, die den Werwiefenen Minderjährigen zur Last fallen, sind in erster Linie Eigenttrmsvergchen, SittlichleitSvergehen urb Unzucht zu nennen. Daß die jüngsten Jghrgänae lediglich infolge des schuldhaften Verhaltens ihrer Eltern zur Fsir- Sugeerziehung siherwiesen worden sind, verstcht ch, wie der Bericht betont, von selbst. Don jeher war es das Bestreben des Bezirksverbandes, die ihm zur Fürsorgeerziehung überwiesenen Ju­gendlichen, die zum weit überwiegenden Teil aus größeren Städten stammen und deshalb erfah­rungsgemäß früher oder später doch wieder dort­hin zurückkehren, wenn irgend möglich

in einem Handwerk auszubilde«.

Abgesehen davon aber, daß erfahrungsgemäß 60 bis 70 Prozent der Zöglinge an körperlichen und geistigen Mängeln leiden, die eine Ausbildung im Handwerk untunlich erscheinen lassen, ließ sich die Ergreifung eines HcmdwerkerberufeS oft auch schon deshalb nicht ermöglichen, weil infolge des Darniederliegens des HandSverkes mir mit der größten Schwierigkeit gute Lehr- und Gesel­lenstellen ausfindig gemacht werden können. In nicht seltenen Fällen sind es aber die Eltern der Zöglinge selbst, die ihre Kinder zu beeinflussen wissen, kein Handwerk zu erlernen, weil die El­tern sich auf diese Weise sobald wie möglich einen Möglichst hohen Verdienst ihrer Kindern sichern möchten. Besondere Schwierigkeiten hinsichtlich ihrer Unterbringung bieten die Zöglinge, bie sich im Augenblick ihrer Ueberweisung in Gefängnis­sen befinden oder die, während sie unter Für­sorgeerziehung stehen, straffällig werden und in­folgedessen zu Freiheitsstrafen verurteilt werden. Diese Zöglinae nach der Entlassung aus dem Ge- fänanis sachgemäß nnterznbringen, ist äußerst schwierig. Selbst bei guter Führung im Gefäng­nis gelingt dies schwer, da im allgemeinen nie­mand unmittelbar aus bem Gefängnis einen Ju­gendlichen als Arbeiter annehmen will, Ande­rerseits erscheint es oft erzieherisch durchaus un­richtig, einen Minderjährigen, der sich während einer längeren Geiä.ngnissirase einwandfrei ge­führt, sich also offenbar innerlich gebessert 6at,; cchne weiteres Weeder längere Zelt einer Er-- ziebüngsanstaft zu überweisen. Die Verwaltung sucht fetteres ru vermeiden, indem sie sich fett einiger 2»it mit den Gefängnisverwaltungen ge­raume Zeit vor der Entlassimg der Fuaendlicken ins Einvernehmen setzt itttb die Unterbringung des Zöglings nach der Str<rfverbützung in einer geeigneten Arbeitsstelle veranlaßt. Als

ein wesentlicher Fortschritt dürste eS auch zu bezeichnen sein, daß jetzt saft alle Anstalten Mr schulentlassene weibliche Zög­linge über besondere Abteilunaen sur Geschlechts­kranke verfügen. Die Folge hiervon ist, daß diese zum Teil noch sehr hingen Minderjährigen die Zeit biS hi ihrer erfolgten Heilung nicht mehr wie bisher in großen Aearckenbänftim in oft fr- minderwertiger Gesellschaft zubringen, wo auch vcm er-iehcrischen Standpunkt aus nicht genü­gend auf sie eingowirft jverden kann. In den letzten Jahren sind nock eine ganze Anzahl an­derer Sonderanstalten für gesundheitlich gefähr­dete Zöglinge eingerichtet worden. Keuannt wer- den mögen lncr nur Anstalten fiir T'u bei« kulöse und für pfycbopathifche Zög. finge. Auch abgesehen von dem eigentlichen Schulunterricht sind die Anstalten bestrebt, zur geistigen Förderung der ihnen anvertrauten Zög­linge alles mögliche zu tun. So haben einige

3.) In Mölf Jahren soll eine Abstftmrnmg .T der Si

daS ®oar"ßiet MWludcn Frankreich Vereins fir.tu vorüber im Haren, daß diese zu