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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 58

Fernsprecher 951 und 952

Sonnabend, 10. März 1923.

Fernsprecher 951 und 952

13. Jahrgang.

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Einheitsfront in der Fravzosen-Abwehr.

Wir stehen allein.

Aber wir kapitulieren nicht!

Wir kapitulieren nicht! Das ist bei allen Schattierungen der Grundton. nicht nur der Reichskanzlerrede, sondern auch der Aus­führungen der Parteien gewesen. Das Volk ist entschlossen, in ungebrochener Festigkeit und in unerschütterlichem Willen die Abwehr gegen himmelschreiendes Unrecht, gegen Terror und Gewalt weiter zu führen. Die Vertreter aller Stände und Klassen stehen unbekümmert um ihre sonstigen Auffassungen und Einstellungen fest zur Regierung, die ihrerseits absolut nicht nötig hat, diesen Widerstand zu befehlen, die sich vielmehr ihrerseits gehoben, getragen und gestützt fühlt vcn diesem Willen zur Abwehr unserer aufrech­ten Männer in den besetzten Gebieten. Und die­ser Wille ist nichts anderes als der Wille, zu leben, der Wille, der wurzelt in dem, was uns bevorsteht, wenn wir jetzt unterliegen würden. Diese absolute Festigkeit, dieser Entschluß, nicht zu wanken und zu weichen, das ist es, was das Ausland ganz besonders hören muß.

Der ReiMkanzler hat das erschütternde Wort gesprochen:Wir sind allein!" Daß wir rur auf unsere eigene Kraft angewiesen sind, daß es einen furchtbaren Kamps für unser armes, ge­schwächtes und ohnmächtiges Volk zu bestehen gilt, haben wir von der ersten Stunde dieser fürchterlichen Prüfung an hier dargelegt. Wenn aber eine Persönlichkeit von der internationalen Bedeutung des ersten politischen Führers des deutschen Volles diese Worte ausspricht, so wis­sen wir sehr wohl, was das heißt. Dieses Wott führt uns den ganzen ErnstderLage wieder einmal sehr eindringlich vor Augen. Es räumt ans mit so vielen irrigen Anffaffungen int Volke, als siände do<h noch ttgend eine Denn tklungs- ctttton oder dergleichen in Aussicht, oder aber, es würde das ganze Ruhrunternebmen nicht un- ttrno-mmen worden fein, wenn man nicht zuvor deS Rückhalts bei England und Amerika sich der- sichert hätte. Da war es gut, daß der Reichs­kanzler die Situation Kar schilderte. Gerade in den letzten Tagen haben wir sowohl von Ame« rika, wie aber auch von England durch verschie­dene Steuerungen führender und regierender Persönlichkeiten gehört, daß gar kein Gedanke daran sei, daß irgend eine Intervention in die­sem Augenblicke erfolgte. Wir möchten ausdrück­lich bemerken, daß wir aus der Formulierungin diesem Augenblick" nicht neue Vermutungen und Schlüsse herzuleiten bitten. Bonar Law hat zwar das nicht zum Ausdruck gebracht, er hat aber ausdrücklich hinzugeftigt. daß sein Eingreifen unnütz wäre, denn Frankreich müßte es als eine feindliche Handlung auffassen. Und darum sei England nicht bereit, einen solchen Schritt zu unternehmen. _ _ . .

Deutschland kann sich bei allem, was es jetzt tut, aus sein gutes Gewissen berufen. Es gab für uns gar keinen anderen Weg. Ganz ab­gesehen davon, daß wir überhauvt nicht wäh­len konnten, bat der Weg, den wir jetzt gehen, beschritten weiden müssen. Das war keine Kata- sttophenpolittk von deutscher Seite, das war viel­mehr eine Notwendigkeit, um der Katastropben- polittk auf der Gegenseite zu begegnen. Weil das deuttche Volk das weiß, weil alle Schneen des Volles wissen, wie Gewalttges seit dem Zu­sammenbruch geleistet worden ist, nm der Welt den Frieden zu geben, und weil wir wissen, daß nichts versäumt wurde, um auch diese letzte furStbare Prüfung von Deutschland abzuhalten, darum steht auch die deutsche Front so fest. Und der Reichskanzler hat eine anschauliche Bilanz gezogen Wer das, was Frankreich hätte haben können, und das. was es nun jetzt nch selbst zu verschaffen bestrebt ist. Er hat erklärt, daß Mer- mal feit Bestehen dieses Kabinetts und mit Frankreich VerbandlungssSden zu knüpfen ver­sucht worden, aber alle diese Versuche sind rebU geschlagen, und der Reichskanzler hat weiter in seiner Rede die Verhandlungsbereit, schast und den Verhandtungswillen Deutsch­lands mehrfach bekundet. Aber nicht an uns ist es, iwn Verhandlungen zu reden und ihre Ein­leitung zu betteiben, sondern an Frankreich, das unsere wiederholt dargebotene Hand ausaeschla- gcn hat. Wir wissen, daß wir einem Gegner gegenübersteben, der die Macht hat und der sich auch gar nicht scheut, von ihr rücksichtslos Ge­brauch zu machen. Aber das Recht, das auf un­serer Seite steht, gibt uns die Kraft, den Kampf auch weiter auszufechten.

Aber wir kapitulieren nicht! Keine Regierung, wie immer sie aussehen möge, könnte das tun! Frankreich kann den Frieden haben, auch heute noch! Frantteich kann Zahlungen haben, auch heute noch! Das ist es, was der ReichÄanzler ausdrückttch vor aller Welt fest- stellt. Die bisherigen deutschen Angebote an Frantteich zur Regelung der Reparattons- ttage werden nickst verworfen, sondern grundsätz­lich aufrecht erhalten, wenngleich nach dem Rubr- Abenteuer die Bedingungen im Einzlnen sich refeirtn* verschieben. Deutschland ist auch beute noch bereit, eine Verbindung zwischen deutscher

und französischer Industrie auf der Grund­lage gegenseitigen Austausches von Kohle und Erz herbeizuftihren. Aber alles das kann und darf nur geschehen unter völliger Wahrung der deutschen Selbständigkeit, der deutschen Selbstbestimmung und der deut­schen Freiheit. Das ist der Sinn der jetzigen Aktion der Reichsregierung die einen weithin hallenllden und für das Gehör der ganzen Welt bestimmten Aufruf darstellt, sich an die moralische Verantwortlichkeit zu erinnern und mit dazu bei­zutragen, eine Gefährdung des eu ropäischen und damit des Weltfriedens abzuwehren.

Deutsche Einheitsfront.

Die Bereitschaft der deutschen Industrie.

(Eigene Drahtmelduna.)

Leipzig, 9. März.

Auf dem EmpfaugSabend der Leipziger Messe dankte Dr. S o r g e im Namen der deutschen I n- dnstrie der Messeleitung für die von ihr ge­leistete Arbeit. Dr. Sorge kam im Laufe seiner Rede auch auf den Einbruch der Franzosen ins Ruhrgebiet zu sprechen und erklärte, die deutsche Industrie fei immer bereit gewesen, bis zur Grenze des Möglichen weitere Reparationsforderungen zu erfüllen. Frankreich habe aber von diesem Angebot der bcutfdjen In­dustrie nichts wissen wollen, und wenn jetzt von französischer Seite erklärt werde, daß die deutsche Industrie bereits ansange, den passiven Wider­stand an der Ruhr zu sabotieren, so könne er, als Bettreter des ReichSverbandes der Deutschen 8«*»Srie. nur sage«, daß die deutsche Jndustrtt die Lage an der Ruhr durchaus nicht als hoff­nungslos ansehe und daß alle gegenteiligen Meldungen als Lügen anzusprechen feien.

Das Vertrauen 6es Dolles.

Berlin, 9. März. (Privattelegramm.) Einer halbamtlichen Mitteilung zufolge, gehen dem Reichskanzler Tag für Tag aus dem ganzen Reiche Kundgebungen zu. in denen unter Protest gegen die französische Gewaltpolitik den deutschen Brüdern und Schwestern an der Ruhr, am Rl/ein und an der Saar Dank und B e w u u d e r u n g für ihr treues und heldenhaf­tes Aushalten und gleichzeitig das Gelöbnis der Treue auSgefprochen wird. Das ganze deutsche Volk stehe hinter ihnen.

Beamte werden abgesetzt.

Die franzöfischen Einbrecher in Mannheim.

(Eigene Drahtmeldung.)

Mannheim, 9. März.

Heute morgen erfchienen französisckze Offiziere im Hauptzollamt Mannheims, düs gestern besetzt worden war und erklärten dem Vorstand der Dienststelle, daß alle dentfchen Beam­tenabgefetzt feien und daß ihnen der Zutritt zu den Diensträumen untettagt sei. Auf die Frage des Votttandes der Dienststelle, auf welche Anord­nung hin das Zollamt besetzt werde, erwiderte ein OffiÄer, auf Befehl der interalliierten Rhein- landkommissipn Darauf erklärte der Vorstand, daß er lediglich den Weisungen feinet Behörde Folge leisten und nurderGewaltweichen werde. Das Geb?äude wurde hierauf mit Be- fchlag belegt, «m Hanfe brachten die Franzofen einen Anschlag an, der den Zufatz enthält, daß die Beamten, die bereit feien, in französische Dienste zu treten (!). sich beim Vorsteher des kranzösifchen Zollamtes melden follcn. Es hat fich natürlich nicht ein Einziger gemeldet.

Französische Rechtsbrsiche.

Verhaftungen und Diebstähle.

(Eigener Trabtbericht.)

Dortmund, 8. März.

Die Franzosen haben heute auch den Neubau für SHapobeamten in Wanne umstellt und verhafteten die dott beftndlichen Schupo- Beamten bis auf zwei Mann, die entkamen. Der Neubau wurde durch die Soldaten untersucht, dabei mehrere Türen aufgebrochen und Klei­dungsstücke und Werkzeuge entwendet. Sie zogen bald darauf wieder ab. Gestern nachmittag ha­ben die Franzosen die gesamten Au 8 - rüftnngsgegenftände der Schutzpolizei auf Lastautos geladen und abtranspor- fiert. Die Franzosen haben erklätt, daß sie die besetzte S dielt nicht eher verlassen werden, als MS sich auch die Schupobeamten, die ihnen nicht indie Hände gefallen sind, bei ihnen gemeldet ha­ben. Die von den Franzosen getnilbete blaue Polizei wird in verstärktem Maße zum Außen- dienst, besonders zur Sicherheit während der Recht herangezogen werden. Doch i# ihre Zahl völlig unzureichend. Der am 25. Februar we­

gen NichtgrützenS verhaftete Wachtmeister Tack ist von Dorstfeld nach Recklinghausen ver­schleppt worden und wurde von dort ins Mili- täraefängnis in Zweibrücken überführt. Am 14. Februar ist er zu zwanzig Tagen Gefängnis verurteilt worden. Am 3. Marz wurde er ent­lassen und nad) Mannheim gebracht.

JJel&sntaten* für Ben Film.

Dortmund, 9. März. (Eigener Drahtbe­richt.) Um vier Uhr nachts ist das Rathaus ge­räumt worden. Ein Teil der Truppen ist wie­der abgerückt. Der Oberbürgermeister wurde in seinem Amtszimmer festgehalten, bis die Truppen das Stadthaus räumten. Mit­tags wurden das Amtsgericht und das Landge- richt vorübergehend besetzt. Gegenwärtig befin­den flchnochTruppenin der Kreuzschule und int Gymnasium. Die Zahl der ver­hafteten Schnpoleute bettägt 430. Der Polizeioffizier Röser, Leutnant Schäfer und Leutnant Böfcher wurden in einem französischen Massenquartier gefangen gesetzt. Die Polizei- Wachtmeister wurden dann attf einem Lastkraft­wagen. begleitet von Tanks, sowie von srnnzösi- schen Kino-Operateuren, (!) teils unter­wegs ausgesetzt, teils in Richtung Stockum weg- qefahren. Sie sind um %5 Uhr in Unna einge­troffen. Nach einer anderen Meldung befinden sich zurzeit noch fünfzehn Polizeioffiziere, dar­unter der Kommandeur, in Hast.

Badm und der Malz. Französische Urteile gegen Deutsche.

(Eigener Drabtbericht.)

Offenburg, 9. März.

Bor dem französischen Kriegs,geeicht in Mainz haben die Verhandlungen gegen den Vorstand der Offenburger BetriebSfusPeltion, Regicrnngs fcaurat Sänger, und gegen den Vorstand des Offenburger Postamtes, Krieger, stattgeftm- drn. Sänger wurde wegenNichtbefolgung militärischer Befehle" hinsichtlich des Zugverkehrs zu fünfzig Tagen Gefängnis verurteilt. Die Untersuchungshaft wird angerech­net. TaS Urteil gegen Postdirektor Krieger lau­tet auf ein Jahr Gefängnis wegen Nichtbe- solgnng militärischer Befehle. Gegen das Urteil koll Revision eingelegt werden. Die Familie des ausgewiesencn Oberamtmannes Schwörre und ebenso die Familie des anSgewiesenen Bür­germeisters Dr. Büheer haben Auswei­sung Sbefehle erhallen. Die beiden Wob- nungen, die Dienstwohnungen sind, find von den Franzosen beschlagnahmt worden. Die Familie deS Oberbürgermeisters Heller ist bis jetzt nicht ausgewiefen worden, anscheinend, weil Frau Heller erst kürzlich niedergekommen jst.

Verstärkung 6er Besatzung.

Karlsruhe, S. März. (Privattelegramm.) Die f r a n z ö s i s ch e Besatzung in Snielingen ist im Laufe des Donnerstag «m dreißig Mann verstärkt worden, die im alten Schulhaus un. tergebracht sind. Im Orte selbst find biS jetzt kei­ne Poften durch die Franzofen ausgestellt worden.

*

Die Stillegung 6er Bahnen.

Ludwigshafen, 9. März. (Privattelegramm.) Auch der pfälzische Nebenbahnvettehr richt jetzt nollständig, da die Eisenbahner auch auf die­sen Strecken von bett Franzosen verdrängt worden sind. Etwa 115 pfälzische Eisenbahner- Familien sind ausgewiesen worden. Ein Teil von ihnen, der nicht in Ludwigshafen untergebracht werden tarnt, soll in der badischen Stadt Mannheim untergebracht werden.

Aus dem Sinbruchsgebiet.

Di« Ernährung ist gefährdet.

(Eigener Drcchtberichtä

Düsseldorf, 9. Mars.

Von feiten der französischen Besatzmtgstrup pen mehren fich die Eingriffe in die Le- bensmittelversorgungder Bevölkerung. Do dursten vierhundert Tarnten Roggen und 461 Tonnen aus Rheinkähnen nickt auSMladen wer. den. Di« Rheinlandkommtsflon hat ht den bei- den letzten Tagen im altbesetzten GeMet über 250 Personen, vor allem Post- und Zollbeamte aus­gewiefen. Die Zahl der insgesamt AuSqe- wiesencn stellte sich am 5. März auf netmbnndert- fünfimddreißia im aktbesetzten Gebiet und hat beute das erste Dausen d weitüberschrit­ten. In Kastrop find der stellvertretende Bürgermeister und der Vorsitzende des Beamten- kartells verhaftet worden.

Die richtige Rechnung.

Was wir geleistet haben.

Angesichts der franzSfischen Lügenpropaganda ist c< nötig, darauf hinzuwciscn, baff wir schon mehr ge­leistet Haden alSFrankreich von uns verlangentönnt« Die Franzosen machen vor der Welt eine

Rechnung auf über die »ungenügenden Leistun­gen" Deutschlands. Die Schäden in den zerstör­ten Gebieten belaufen sich auf hundertundzwei Milliarden Francs. Frantteich hat sechsundvier­zig Milliarden vorgeschossen, von Deutschland aber bis jetzt an Barzahlungen und Lieferungen nur vier Milliarden Francs erhalten. Die Rech­nung, die wir ausmachen, tautet ganz, ganz anders. Die französischen Rechenkünstler und Minister haben einiges vergessen, einige fünf­zig Milliarden Goldmark, und rechnet man die Verlnste Deutschlands durch den Frie- densverttag hinzu, rund hundert Milliar­den Goldmark. Wir wollen nur einige nackte Zahlen in Erinnerung rufen. In der französi- chen Rechnung der deutschen Leistungen fehlen beispielsweise die Saargruben, die in fran­zösischen Staatsbesitz übergegangen sind. Wert: über eine Milliarde Gvldmark. Die französischen Berechnungen verschweigen auch die n i ch t m i l i- tärischen Rücklaßgüter in den geräum­ten Gebieten der Westfront im Wette von 1,9 Milliarden Goldmark. Auch von dem Eisen- bahnmaterial einschließlich der Fahrzeug­ersatzteile und Lastkraftwagen, die Dentschland gemäß dem Waffenstillsiandsab?ommen liefern mußte, ist nirgends etwas erwähnt. Ihr Wett beläuft sich auf 2,23 Milliarden Goldmark. In der französischen Leistungsberechnnng fehlen auch die abgelieferte deutsche Handels­flotte, die Seeschiffe, die Fischdampfer, Bin­nenschiffe, Hafenanlagen und Flußschiffe. Ahr Wett allein, mit fttter sechs Milliarden, ist höher, als die von Frankreich und England berechneten deutschen Leistungen zusammen. Don den 861 Millionen Goldmark, die Deutschland für innere Besatzungskosten (ausschließlich der 4,5 Milliarden Goldmark für äußere, das heißt für die von den Besatzungsmächten selbst bestrittenen Ausgaben) zahlen mußte, wird nirgends etwas erwähnt. Und dann die Kosten der R e p a - rationskommission und der übrigen zahl­reichen interalliierten Kommissionen. Sie haben bis jetzt über eine Milliarde verschlungen. Don den abgelieferten Kriegsschiffen, ohne die bei Scapa Flow versenkten, wollen wir nicht re­den, obwohl ihr Wert fast eineinhalb Goldmil- liarden erreicht.

Aber auf eine besondere Art der deutschen Leistungen sei hier noch hingewiesen: auf die von der Entente befohlene militärische und indu- sttielle Abrüstung, wenn man will: Zerstö­rung. Sie bat Dentschland den Verlust von Wetten von über neun Milliarden Gold, mark verursacht. Außerdem hat der Friedensver- nag in verschiedenen Grenzgebieten Abstimmun­gen erzwungen. Tie Kosten dieser Abstiinmung, Grenzregulierung, der Ueberlettung, der Flücht- lingsfürsorge nnd alles, was damit zusarnmen- bänat, belaufen sich schätzungsweise auf eine halbe Milliarde Goldmark Da-ui kommt noch der Wett des nichtmilitärffcken Rücklasses der deutschen Truppen an der Cftfront mit über einer Milliarde Goldmark. Alles in allem mutz Deutschland auf dieses Konto der Abrüstung und Verluste 10,442 Milliarden Goldmark verbuchen. Den Wett Elsatz-Lotbringens nimmt Frankreich natürlich in die Berechnung der deut­schen Leistungen nicht auf, nicht einmal dos deutsche Staatseigentum, obwohl der Wert El, saß-Lothringens nach amerikanischer Berechnung zwanzig Milliarden Goldmark übettteigt. Die deutschen Kolonien find in den Rechnungen der Miierten ebensowenig aufacfühtt.

Es genügt nicht, daß wir diese Zahlen der deutschen Leistungen nnd Verluste kennen. Der Welt müssen sie bekannt werden, damit die Lüge von den .ungenügenden Leistungen" und dem .bösen Willen" Deutschlands endlich zerstört wird, damit die Gewaltpolitik Frankreichs an Rhein und Ruhr als das erkannt wird, was sie ist, als eine gemeine Rand- und Vernichtungs- voftttk. Gegen eine vernünftige Regelung der Reparationen wehrt ft* Deutschland nicht, wohl aber gegen die uns drohende Vernichtung.

Stärkung der Einheitsfront.

Die Kanzlerreise nach Süddeutschland.

Die noch um einige Tage verschobene Reichs« kanzler-Reffe nach Minchen, die dann ihre Fort, setzung nach anderen süddeutschen Städten erfah­ren soll, ist im Interesse der engen Fühlung­nahme der süddeutschen Bevölkerung mH der Reichspolitik und ihren Leitern austtchttg zu be­grüßen. Die Reichsregierung betrachtet diese Reise als eine politische Aktion von g r o ß e r B e d e n t u n g. Sie soll nicht nur die Einheit, die Schicksals-, Schaffens- und Opser- gemeinschast des Südens Deutschlands mit dem Reiche und seiner Regierung bekunden, sondern ;fie soll auch ein Dokument der entschlossenen