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Täglich neue Willkürakte im Westen

gehalten werden, benn es scheint,

durch- ob die

des Krieges, nicht ganz zutreffend gewesen sein kann. Frankreich verliert jedenfalls durch diesen Krieg der rohen Gewalt gegen ein wehrloses Volk. Wer vorläufig soll dieses

Wie greifende geplündert werden.

Bon einer Leserin, die dieser Tage von Kassel in die Gegend von Hagen fuhr, wird uns geschrie­ben: In Schwerte wurden wir auf eine Kon­trolle durch die Franzosen in Hengstey, zwischen Westhofen und Hagen, aufmerksam ge­macht. Ein Herr, der neben mir fast und wich­tige Papiere in der Aktentasche hatte, ließ diese in Schwerte zurück, Und dann kam die Kon­trolle. Geld, Schmuckfachen, Lebens­mittel, selbst tteitte harmlose Paketchen, wie man sie von einer Reise mitbringt, werden ein­fach in roher und gemeiner Weise sortgenom- men. Besonders haben es die Franzosen aus die Durchsuchung der D-Züge abgesehen.

Unter feindlichem Zwang

Verhaftungen und Beschlagnahme.

(Eigene D-ahtmelbung.)

Empörende Urteile.

Essen, 8. März. (Privattelegramm.) Das Kriegsgericht in Bredeney verurteilte die Frau des Beigeordneten Boftorv zu 500 000 Mark Geldstrafe, während der Beigeordnete freigespro­chen wurde. ES wurde dem Ehepaar zur Last gelegt, daß Frau Bostor» französischen Soldaten, die Einlaß in ihr Privathaus verlangt hatten, angeblich um zu telephonieren, den Einlaß ver­weigerte. Oberbürgermeister Dr. Jar­res von Duisburg wurde wegen Bannbruches von dem hiesigen Kriegsgericht, dem Antrag des Militärstaatsanwaltes entsprechend, zu zwei Mo­naten Gefängnis und zur Tragung der Kosten der beiden Verfahren verurteilt. Das Ur­teil erster Instanz lautete auf einen Monat Ge­fängnis und Tragung der Kosten des Verfahrens.

tim Steele und Wipperfürth.

Gelsenkirchen, 8. März. (Privat-Tele- gramm.) In der Rächt zum 6. März ist das Dragonerregiment von Westerfeld in Richtung Steele weitermarschiert. Aus Elberfeld wird berichtet: Der Bormarsch der Franzosen von Wipperfürth aus ist zum Stehen ge­kommen. Die Kavallerie wurde durch Infanterie abgelöst. Der gestrige Tag war ein Ruhetag. Wipperfürth ist beseht. Hückeswagen ist frei. Auch ein weiterer Vormarsch nach Diering­hausen ist noch nicht erfolgt.

Kastrop, 8. März.

Der Maschinenkontrolleur Schröder in Bram­bauer wurde verhaftet und in das dortige Polizeigefängnis gebracht. Bei ihm sollen angeb­lich einige französische Flugblätter gefunden wor­den sein. Ferner wurde der Schupo-Unterwacht­meister Goldbeck ans Duisburg verhaftet und in das Polizeigefängnis gebracht. Goldbeck soll beleidigende Redensarten gebraucht haben. Der Lehrer Esse in Brambauer wurde verhaftet, weil er eine Schülerin bestraft haben sollte, die sich von den Franzosen habe Esten geben lassen. Ferner wurde der Landwirt Hugo Geiving aus Jelin verhaftet, weil er einen falschen Aus­weis vorgezeigt haben soll. In verschiedenen elektrotechnischen Geschäften wurde für insgesamt anderthalb Millionen Mark Warerequiriert".

Weitere Besetzung.

Beraubung des Bahnhofs von Langendreer.

(Privat-Telegramm.>

Unter scharfer Bewachung.

Mülheim (Ruhr), 8. März. (Privat-Tele- grarnm.) Gestern nachmittag haben dje Fran­zosen das Rathaus wieder geräumt. In verschiedenen Zimmern wurden alle Türen eingefchlagen. Ferner wurden auf dem Rathaus Pläne geraubt. Etwa -hundert Schupobeamte wurden in Lastautos ab­transportiert. Auf federn Lastauto wurden sechs Polizisten von sechs bewaffneten Soldaten be­wacht und hinter jedem fährt ein Panzerauto. (!)

Verschärfter Druck.

Ausdehnung ber Besetzung.

Nachdem die Feinde ihre Truppen nach Darmstadt, Mannhoim, Karlsruhe Vorgeschick, Haben, besetzten sie weiter im Badischen den kleinen Ort Ebersweier östlich von Windschläg, im Bezirk Frankfurt am Main die Bohn- höfe Griesheim und Goldstein, imBergischeu Remscheid, Cronenberg, Wipperfürth und Gum­mersbach. Sie haben damit die letzte Lücke im Ruhrgebiet und auch die westlichen Nord-Süd- bahnen gesperrt. Weichzeitig mit ihren militä­rischen Vormärschen setzen sie ihre rohen Ge­walttaten gegen die deutsche Bevölkerung fort. Täglich kommen neue Nachrichten, die franzö­sische Barbarei erkennen lassen, täglich be­richten auch Auslandszeitungen, mit welcher Rohheit die sranzöstsche Soldateska gegen wehr­lose Männer, Frauen und Kinder vorgeht. Man plündert und raubt, stiehlt Uhren, Gelb, Lebensrnittel und beschlagnahmt Wohnungen. Man beschränkt sich nicht mehr allein auf die Ausweisung unliebsamer Personen und ihre Verurteilung, sondern peitscht sie, tteibt sie wie sie angetrofsen aus den Wohnungen auf die Straße. Man plündert und raubt amtliches, städttsches und privates Eigentum. Ein Teil der Pariser Presse behauptet, nur so könne Deutsch­land gezwungen werden, seine Schul» einzusehen und Frankreich um Gnade anzuflehen. Die Stimmen, die zur Mäßigung raten, verschwin­den. Aber es wird doch in'Paris peinlich emp­funden, daß sich das Ausland bereits mit den französischen Greueln beschäftigt, die. jede Kultur vermissen lassen und den Beweis erbringen, dag die Greuelpropaganda der Franzosen während

unterhandeln, sehe man augenblicklich voraus, daß der Konflikt sich bis ins Unendli­che hinziehcn werde zum großen Unglück für die zunächst beteiligten Länder, aber auch für ganz Europa. Es ist wahrscheinlich, so schreibt das Blatt, daß der Versailler Vertrag revidiert werden wird, aber dieser gro- ßen und komplizierten Operation müsse eine Diskussion auf internationaler Basis vorausgehn Das Unterhaus hat den Antrag der Arbeiterpar­tei, einen Meinungsaustausch zwsichen den Aus­schüssen der britischen, französischen und belgischen Kammer über die Ruhrbesetzung und das Reparations- und Sicherheitsproblem herbeizu­führen, nicht zur Abstimmung gebraüst. Die Sache wurde nach der Rede des Premier­ministers fallen gelassen. Bus der Debatte ist noch nachzutragen, was der ftühere Unterrichts- Minister Fisher sagte. Er erklärte, früher oder später müsse die Reparations - und Si- cherheitssrage durch eine internatio. nale Behörde festgelegt und dabei feder Ver­such gemacht werden, Amerika in diese Kommis­sion hineinzubringen. Er empfiehlt dabei die Be­nutzung der Maschinerie des Völkerbundes. Im übrigen ließ die Aussprache erkennen, daß nicht einmal die Arbeiterpartei geschloffen zu ihrem eigenen Vorschläge stand.

Bis ins Unendliche.

Englische Auffassung über die Ruhrfrage.

(Eigene Drahtmelduna.k

London, 8. März.

DieTimes" besprechen die Rede des Reichs­kanzlers und erklären, daß es nm besten wäre, wenn man klar zu erkennen vermöchte, w a s d i e deutsche Regierung bezahlen wolle, wenn wieder normale Äedingungen eintreten. Die verantwortungslosen Erklärungen in dem Sinne, daß die Ruhrbeketzung Deuffchland von seiner Schuld und den Reparationszahlungen be­freie, könnten weder Deutschland noch sonst je­manden helfen. Da Cunos Rede erkennen lasse, daß der passive Widerstand andauern solle bis zu dem Augenblick, in dem Deutschland in der Lage sei, unter gleichen Bedingungen zu

Sin Holländer Bereuet.

Essen, 8. März. (Privattelegramm.) Ein Holländer wurde auf dem Heimwege in der Hanfaftratze von zwei französischen Solda­ten festgehalten. Aus seiner Brieftasche ent­nahm man sünfunddreißig Gulden und fünftau­send Mark deuffches Geld. In seiner Gegenwart wurde das Geld einem Zivilisten gegeben. Dieser Zivilist hatte den Soldaten, als sie noch etwa fünfzig Meter von dem Holländer entfernt wa­ren, auf französisch etwas zugerufen.

trag mit der deutschen Regierung zu beenden oder durch ein Abkommen mit der deutschen In­dustrie. Wenn man sich dort auch mit der Frage beschäftigt, ob es nicht Pflicht wäre, sich recht- Sin »ie Sache zu mischen nnb die französische olitik zu verhindern, so läßt sich aus dem Urteil der Verständigen doch entnehmen, daß sie mit Recht glauben, Deutschland werde niemals einen aufgezwungenen Vertrag mit Frankreich schließen, der die Macht dieses Landes nur noch verstärken könnte. Und zieht man aus Men dem einen Schluß, so ist es der: Frankreich streckt seine Fühler aus, unschlüssig, welchen Weg es gehen soll. Es müssen unbedingt Sttömungen in der französischen Regierung vorhanden fern, die zu einer Entscheidung drängen, ehe die Bla­mage im Ruhrgebiet so offenbar ist, daß der Machtdünkel einen gehörigen Nasenstüber erhal­ten hat.

Dortmund, 8. März.

Gestern vormittag si ch die F.anzosi^a^! Dortmund in Langendreer eingerückt. Die Truppen haben sich um den Hauptbahnhof kon­zentriert. Die Stadt Langendreer war auf den Einbruch der Frauzofcn vorbereitet und die Eifenbahndirektion hatte fämtliche hochwertigen Fahrzeuge und Lokomotiven in Sicherheit brin­gen tonnen. DaS ganze Eisenbabnperfonal wurde mit SolbenfchlSgen vom Bahn­hof vertrieben. Zur Zeit sind die Franzo­fen damit befchöftigt, das noch vorgefundene Material abzurollen. Das Telegraphenamt wur­de besetzt; die Telephonverbindungen mit der Stadt sind unterbrochen. Der Bahnhof Langen­dreer ist einer der größten Verfchiebebahnhöfe.

Sn der Folterkammer.

Täte« der französischen Banditen.

Sn der ganze» Welt hat das «ranzöfi ehe SeHrecken«r»sim«nt im Ruhrrevier, beson­dere« das Verhalten in Bochum ungeheures Aufsehen erregt. Mehr al» alle anderen bisher bekanntgewordeneuNschrichteu Über Schandtaten erzählt der nachfolgende un­bedingt zuverlässige Bericht aus Bochum.

Vielen klangen die bisherigen Meldungen so ungeheuerlich, daß sie kaum geglaubt mürben,, daß man meinte, solche Scheußlichkeiten nicht für möglich halten zu können. Ach, viel Schlimme­rem noch ist B o ch u m in der letzten Woche aus­gesetzt worden; mit wahrhaft sadistischer Wut haben die Franzosen ihr Mütchen an Tausenden gekühlt. Auf den amtlichen Stellen häufen sich die protokollarischen, eidesstattlichen Aussagm der Mißhandelten, auf offener Straße Beraub­ten, der Geplünderten zu Aktenbündeln von un­heimlichem Umfange. Weil französische Spitzel, deren sich an zweitausendsünßhnndert im Ruhr­gebiet nmberireiben, in mehreren Fällen von dem entrüsteten Publikum die wohlverdiente Tracht Prügel empfangen hatten, in wenigen Fällen auch Offiziere mit der Reitpeitsche an die ver­kehrte Adresse gekommen waren, weil ferner Die Geschäfte sich weigerten, Lebensrnittel und Tex­tilien, Schnhwaren und auch andere Artikel, an denen im Ruhrgebiet großer Mangel herrscht, an die Franzosen abzugeben, wurden über die Stadt die allerschärfstenSanftionen" verhäng:. Von sieben Uhr abends bis sieben Uhr morgens darf kein Mensch ans die Straße. Die Innen­stadt ist durch Tankgeschw--der und Truppenko- .'uhw..- aLztfchkossek« lezü^LvLüsr ir. rWer .jene darf seit einer Woche schon den LaDÄff öffnen. Wertvolle, unersetzliche Lebensmittel sind dem Berverben ausgesetzt. Wehe dem, der nach sieben Uhr abends in die französischen Fallen gerat! Er wird unnachsichtlich verhaftet und darf Gott danken, wenn mau ihn nur eine Nacht auf freiem Playe, in strömendem Stegen, stehen läßt. Die meisten werden nach der Oberrealzchule geschafft, dem Sitz des Generalkommanvos. Bis unter das Dach, im Keller, wie in den Wborianlagen sinv dieVerbrecher", die keinen Ausweis hatten, cm- gesperrt, zu Dutzenden in engem Raum. Tage­lang werben sie hier oft festgehalten, bekommen ein paar Scheiben Brot und kaltes Wasser, müs­sen auf Zementboden in ungeheiztem Raum la­gern ober auf dem Boden der gedielten Stuben liegen; glücklich, wer einen Stuhl hat. Es wird den Gefangenen verwehrt, den Raum zu verlas­sen, sie müssen ihreNotdurftimZimmer verrichten. Alt und Jung, hochangesehene Männer, brave Arbeiter, SchuAmaben und Lehr­linge, werden wahllos zusammengepfercht. Mit ausgesttchter Grausamkeit zwingt man alte Her­ren, wie den im In- und Auslände in der Ma­schinenbauindustrie hochgeschätzten Generaldirek­tor Dalcke (er ist nach einigen Tagen wieder entlassen toorben) bas Zimmer und den Abort zu schrubben.

In der Oberrealschule kommt kaum ein Ge­fangener ohne nrebe Mißhandlung davon, eben­so im Telsgraphenamt, bas schon seit anderthalb Wochen besetzt ist Das Riesengebänbe wiber­hallt Taaund Nacht von b en Schmer­zenslauten ber mit Kolben und Reit­peitschen Bearbeiteten; mitten in der Nacht fällt eine Rotte über bie Armen her uno schlägt auf sie ein Viele verlassen die Folter­kammer mit Mutigen Wunden. Statt zahlloser eidlich-er Angaben nur diese eine: Bergproktikant Rebicker nnb Herr Kleinsinglinshaus wurden am 26. Februar verhaftet und in die Oberrealschule gebracht. Sie wurden beschuldigt, an einem An­griff auf französische Offiziere beteiligt zu sein. Mit ihnen war Dr. Phil. Schiller aus Leipzig verhaftet. In ber Nacht drang eine Kolonne Franzosen in den Gefängnisraum nnb schlug mit Stühlen. Gewehrkolben, Reitpeitschen auf alle Gefangenen ein. Viele blieben blutenb am Boden liegen, Dr. Schiller wurde der ganze Oberkiefer zerschlagen. Daß man auf ber Straße des Lebens nicht sicher ist, mußten drei Knapp- schaftSbeamte erfahren, die ahnungslos von Franzosen aefiellt wurden. Einem, dem Knapp­schaftsbeamten Worimann, wurde das Bajonett in da? Gesäß aestoßen mit solcher Wucht, daß es zum Vorderleib herausdrang. Tödlich verletzt mußte der Bedauernswerte ins Krankenhaus ge­bracht werden. Stirbt auch er, bann haben die Franzosen in Bochum bereits vier Un­schuldige ermorbetl

Ihrem wüsten Treiben setzten die Franzosen am letzten Mittwoch die Krone auf, indem sie einen Rmff^ua auf alle öffentlichen Kassen »m- ternckhmen und selbst die Renten für Wit­wen und Waisen stahlen, die von dem Publikum am Postsschalter eingezahlten Gelder, die Stationskasse oie Stadtkasse, die Sparkasse, bie Kreistasse, das Zollamt, die Lotterieeinnah-, men beraubten. Es beißt, daß die Soldaten seit drei Wochen keinen Sold mehr erhalten hatten, daher der Raubzug. Aber damit nicht genug: Es sind auch zahlreiche Fälle bei den Behörden zur Anzeige gelangt, wo Privatpersonen auf der

Macht Frankreichs zu Ende ist und hier mehr die Rache als die Vernunft diktiert.

Während so sich der letzte Akt abfpielt, denn Schlimmeres kann es nicht mehr geben, scheinen hinter den verschlossenen Türen der Pariser Diplomatie sich Gedanken zu entwickeln, die nicht mehr weit ab sind von einer Kapitu­lation und der Erienvinis, daß man doch die ganze Aktion vergeblich unternommen hat. Pertmax, der ja immer für Annektionen, für rücksichtÄoses Vorgehen war. dem weder Cle- menceau noch Briand, noch Pomoarä genug tat, um die Rechte Frankreichs wahrzunehtnen, teilte nämlich mit, es werden 'M französischen Mini­sterium bereits Projekte über eine Ver- ständigung ber deutschen und französischen Industrie ausgearbeitet. (Siehe die Meldung auf ber zweiten Seite.) Da es sich nicht um einen Schwätzer handelt, der hiesse Mitteilungen macht, muß man sie beachten. Daß Frankreich heute noch nicht redrt weiß, wie es sich aus der Affäre ziehen soll, ergibt sich daraus am besten, daß heute noch jede Einmischung abgelehnt wird. Wahrscheinlich ist Poincarö der Ansicht, sein Ansehen tonne durch eine Intervention leiden. Es werde ihm gelingen, ohne Einmischung der anderen Mächte, deutsche Vorschläge zu erlangen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Meldun­gen, Frankreich bereite Verhandlungsobiefte vor, Dentfchland anregen soll, sich direckt an Frank­reich zu wenden.

Freilich können toir uns dazu nicht verstehen, fetzt, wo sich der SchlnßÄt ttn Ruhrgebiet ab­spielt, wo die rohe Gewalt jedes Recht mit Füßen tritt, uns mit irgendwelchen Vorschlägen an Franfteich zu toertben. Wir müssen ab« warten, bis der Zeitpunkt gekommen ist. da Frankreich die Glorie seiner Macht von der Stirn genommen hat und bereit ist, mit uns auf dem Boden der Gleichberechtigung zu verhandeln. Wir müssen den Zeitpunkt abwarten, der uns die Gewißheit aibt, daß Frankreich am Ende seiner Kunst ist. Und dieser Zeitpunkt kann doch nicht mehr zu fern fein. Die Manöver, bie Frank­reich ausführt, um auf Deutschland zu drücken, werden uns nicht verblüffen. Meint man wirk­lich etwas zu erreichen, wenn man uns verheißt, daß ein Sonderveriraa zwischen Deutschland einerseits und Frankreich nnb Belgien anderer­seits abgeschlossen werden würde, den nicht Deutschland gut zu heißen hat, sondern der uns einfach diktiert wird? Ein solcher Verttag, der den Versailler Vertrag außer Kraft setzen würde, könnte Frankreich am wenigsten nützen. Hub anßedem haben dann doch die anderen Ber- ttagsgegner wohl mitzuriden. So leicht ist es nicht, wie Poincars meint, die Handrungsfteihcit gegenüber dem englischen Verbündeten zu ge­winnen. Und wenn die französische Presse sagt, es fei nicht nötig, bei den Plänen ängstlich Rück­sicht auf England zu nehmen, so wird doch wohl ober übel kein Beschluß von solcher Tragweite zustande kommen, ber nicht zuvor mit England Vereinbart ist.

In England aber weiß man noch nichts davon, baß Frankreich wirklich Gedanken trägt, bie Ruhraktion, sei es durch einen Sondervrr-

3n Baden und der Pfalz.

U Ausbreitung der Franzosen, (Eigener Drahtbericht.)

ÄadSndfe, 8. Marz.

Im Laufe des gestrigen Vormittags haben die Franzosen das Zollamt in Maxau und die Gemeinde Knieliugen (in der Nähe des Karlsruher Rheinhafens gelegen) besetzt. Die Besetzung von Maxau erfolgte durch 50 Maror kaner, die im Wartesaal des Bahnhofsgebäudes untergebracht find. In der Gemeinde Knie- l i n g e n find hundert Mann und drei Offiziere untergebracht, die in der Turnhalle Quartier br- zogen haben. Die Aufforderung der f r a n z ö - fifchen Offiziere an den Bürgermei- ster von Knielingen, zu Verhandlungen mit ihnen auf die Straße hermrierzukornmen, wurde mit der Erwiderung abgetetmt, daß der Bürger­meister in feinem Amtszimmer zu sprechen sei. Die Franzosen suchten darauf den Bürgermeister in seinem Amtszimmer auf, wo sie von ihm ver­langten, daß er für sie im Orte Quartier fuche. Um die Interessen der Gemeinde und die Rupe der aufgeregten Bevölkerung zu wahren, erklärte sich der Bürgermeister dazu bereu.

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