Nr. 56. — 13 Jahrgang.
Kasseler vreoefts
Donnerstag, 8. März 1923.
hatte dagegen die Reichsbahn noch mehr als drei Milliarden Mark Ueberschuß. Die Ereignisse im Ruhrgebiet werden allerdings jetzt auch Fehlbeträge zeitigen.
Polen mobilisiert sechzehn Jahrgänge. Die Warschauer Zeitungen bringen die öffenüichen Gestellungsbefehle für die Reservejahrgänge 1883 bis 1899 zu einer zweimonatigen Hebung, ferner auch für sämtliche Reserveoffiziere, Aerzte, Ingenieure und Jntendanturbeamten der Jahrgänge bis 1897. Die Einberufungs- cders gelten für alle Mannschaften vom gemeinen Mann bis zum Kapitän.
Neues aus Kasiel.
Die Gorge um die Kiernrenwer.
Verpflichtungen beF Gemeinden.
Nachdem die Durchführung der Kleinrentnerfürsorge bisher von der Zustimmung der Gemeinden abhängig war, hat jetzt der Reichstag rin Gesetz verabschiedet, das die Gemeinden verpflichtet, deutschen Kleinrent- nem oder ihnen Gleichgestellten auf Antrag Fürsorge zu gewähren. Fürsorgeberechtigt sind, wie uns vom Städtischen Nachrichtenamt mitgeteilt wird, bedürftige alte, oder erwerbsunfähige Per- fonen, die infolge eigener oder fremder Vorsorge ohne die eingetretene Geldentwertung oder ohne sonstige Kriegsfolgen nicht auf öffentliche Fürsorge angewiesen wären. Sie müssen also ihren Lebensunterhalt entweder durch Arbeit erworben haben, oder in häuslicher Gemeinschaft tätig gewesen sein, oder eine wissenschfatliche oder gemeinnützige Tätigkeit viele Jahre hindurch aus- gübt haben oder infolge geistiger und körperlicher Gebrechen außerstande sein, ihren Lebensuiter- halt durch Arbeit zu erwerben
Von der Fürsorge sind ansgesckfloffen: Personen, die auf Grund reichsgesetzlicher Bestimmungen gleichwertige Unterstützungen erhalten oder infolge eigenen groben Verschuldens für sorgebedürftig werden. Zuständig für die Gewährung der Fürsorge ist die Gemeinde des Wohnorts des Kleinrentners. Als Wohnort gilt der Ort, an dem sich bet Kleinrentner mit der Absicht längeren oder dauernden Verbleibens und nicht nur tDrübergrhend aufhält. Der Kreis der Fürsorgeberchtigten ist durch das Gesetz wesentlich erweitert worden, einerseits als das bisher erforderliche Mindesteinkommen aus Kapitalvermögen von fünfhundert Mark nicht mehr Voraussetzung für die Fürsorge ist und andererseits. als die Art und Umfang derjenigen für Sozialrentner angepaßt werden soll.
Hilfsbedürftige, die unter den Kreis der Mrsorgeberechtigten fallen und bis jetzt Anträge auf die Unterstützung noch nicht gestellt haben, werden nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß entsprechende Anträge im Geschäftszimmer des Fürsorgeausschusses für Sozial- und Kleinrentner. Rathaus, Hofbaracke, Zimmer Nr. 6, während der Dienststunden gestellt werden können.
Rach öer Xell Aufführung.
Ansammlungen auf dem Friedrichsplatz.
Die gestrige Toll-Aufführung hat im Tempel ter Musen selbst keine Sensationen gebracht. Das Publikum verhielt sich den Weisungen der Thea- terlcititng gemäß ruhig und würdig. Aber vor dsm Theater war eine Menge Volk zusam- mengcströmt, zrrm größten Teil wohl die üblichen „Abholer" der Dheaterbesucher, die nun die große Masse der Neugierigen u. Gaffer angelockt hatten.
Aber auch diese Sensationslüsternen kamen nicht auf ihre Kosten. Kein Kampfruf und Lied erscholl, die gespannten Gemüter entluden sich nicht in den erwarteten Explosionen. Aber aus dem Friedrichsplatz, auch als die Theaterlampen erloschen waren, stand die Menschemnauer und wich und wantte nicht, sodaß der Schutzpolizei nichts übrig blieb, als einen Keil in die starre Flut zu treiben und sie zur Königstrabe zurück- und dort nach beiden Seiten abzudrängen.
Man setzte der sanften Gewalt der Beamten nirgends Widerstand entgegen, auch mit Spott und Schimpf wurde nicht gÄämpst und nach einiger Zeit war den „®rünen" das schwere Werk gelungen, ohne Reibereien und Zwischenfälle Platz und Straßen von den nie alle werdenden Schau- und Streitlüsternen zu säubern.
Gegen die Baumgegner.
Die bedrohten Kasseler Alleen.
Der Hessische Volksbund, Arbeitsausschuß Nord, hat in der Angelegenheit der bedrohten Alleen an den Herrn Regierungspräsidenten die nachfolgende Zuschrift gerichtet:
Angesichts der bevorsteh ende. Er Ischeidung über das Schicksal der im Bereich der Stadt Kassel liegenden Alleen erhebt der Hessische Volksbimd in zwölfter Stunde feine Stimme um nachdrücklichst vor einer Beseitigung dieser kul- tureßen Werte zu warnen. Der Hessische Volksbund als eine in erster Linie politische Organisation hat sich angesichts der erfreulichen Rührig, feit berufener heimatlicher Vereine bisher in dieser Frage weitgehende Zurückhaltung auferlegt. Er hofft, daß die Vertreter biefer Vereine tn der entscheidenden Sitzung von ihrem Stans- piinkt nicht abgehen und Rückgrat wahren. Desgleichen erwartet er von der preußischen Regierung, daß sie zn einer Zerstörung des heimatlichen Landschaftsbildes unter keinen Umständen die Hand bietet.
Tollte sich bet Hessische Volksbund in seinen Erwartungen getäuscht 'eben, so wird er folgerichtig nicht nur diesen Fall gebührend beleuchten und weitere Schritte unternehmen, sondern auch in Zukunft wieder enie entschiedenere Kampffront für die Erhaltung Heimat sichen Kultnrantes wählen müssen.
* « •
Unter der Fülle der Eingänge, die sich mit der Alleen-Fraae befchäftigen, befindet sich beute auch ein Befürworter der Entfernung der Bäume. In Berücksichtigung unseres Grundsatzes. daß auch der and-re Teil gehört werden müsse foffen wir die Zuschrift eines Anliegers der Ochsenallee folgen. Sie nimmt Bezug auf in einem anderen hiesigen Blatte erschienen^ Darlegungen der Landesverwaltung in Hessen. — Sodann heißt es:
Mit vollem Recht sehen schon beide Einsender ein, daß die alten Pappeln an der Ochsen- allee die Anlieger in sehr hohem Matze, um ein Mehr-aches gegen andere Räume schädigen.
Es sind dieserhalb von den Anliegern der an der Spitze der Lindenbergstraße und der Schan- zcnstraße gelegenen Grundstücke im August und Oftober vorigen Jahres gemeinsame Eingaben an den Magistrat gerichtet mit der Bitte um Beseitigung, oder aber durch Entfernen, der die Grundstücke beschattenden Aeste und Verkürzen des Hauptstammes dazu beizutragen, daß die Länder tn der Ernte nicht beeinträchtigt werden. Die erste Eingabe wurde abgelehnt mit der Begründung, »daß im Interesse der Erhaltung des gerade an dieser Stelle überaus reizvollen Landschaftsbildes weder eine Entfernung noch ein Rückschnitt erfolgen kann".
Die zweite Eingabe, welche um nochmalige Prüfung und Besichtigung durch Sachverständige ersuchte, wnrde ebenfalls abgelehnt. Diesmal mit der Begründung, »daß eine Aenderung des Beschlusses nicht in Frage kommt. Wir bemerken, daß eine örtliche Besichtigung der Bäume durch Sachverständige ftottgefunben hat. Die Bäume haben zu einem früheren Zeitpunkt an ihrem jetzigen Standort gestanden, als die Grundstücke von den derzeitigen Anliegern erworben worden sind. Die örtlichen Verhältnisse mußten also den Anliegern genügend bekannt fein; es war ihnen unbenommen, vor Erwerb der Grundstücke die Verhältnisse gebührend zu berücksichtigen, usw." Es ist dies eine sonderbare Antwort. Es sollte Sache einer Stadtverwaltung sein, berechtigte Wünsche ihrer Steuerzahler gebührend zu berücksichtigen, anstatt vorhandene Schäden und Mängel in alter Verfassung zu lassen und die dauernde Schädigung der Steuerzahler als selbstverständlich hinzunehmen. Es fei noch bemerkt, daß hier nur alte, bereits zum Zerfallen geneigte Bäume in Frage kommen, welche durch Neuanpflanzungen leicht ersetzt werden können. • C. Hofmann.
Ausgaben des Kommunallandtags.
Aus der nächsten Sitzung.
Der Landesausschuß hielt im Ständehaus eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, den Kommunallandtag bereits für den 13. März, vormittags 11 Uhr, einznberusen. Für die diesmalige Tagung des Kommunallandtages sind bis jetzt acht Tage vorgefehen. Der Landes- ausschuß tritt vorher am 12. März noch einmal zusammen, um die letzten Vorlagen an den Kommunallandtag festzustellen.
Aus den bereits fertiggestelltelln Vorlagen an den Kommunallandtag verdient folgende besonders hervorgehoben zu werden: Der Landesausschuß ersucht den Kommunallandtag, zur Behebung der Notlage bei den Anstalten Hephata und dem Siechenbgus in Hofgeismar eine außerordentliche Beihilfe zu bewilligen, und zwar für Hephata zwei Millionen und für das Siechen- baus Hofgeismar eine Million Mark. Für das Psychologische Institut an der Universität Marburg sollen 250000 Mark bereitgestellt werden. Ferner bewilligte der Lcmdescmsschuß in seiner Sitzung aus den Mitteln des M e l i o - rationsfonds mehrere Beihilfen.
Die wichtigste. bis ietzt dem Kommunalland- tag zugegangene Vorlage ist die über die Bewilligung einer Bezirkssteuer - Rach- tragsumlage für das Rechnungsjahr 1922 in Höhe von 326 350 000 Mark. Die vom Kommunallandtag int Vorjahre beschlossene Bezirksfteuermnlage belief, sich auf neunnnddreißig Millionen Mark. Die geforderte Nachtragsmnlage stellt sich also aus rund achthundert Vrozent der ursprünglich beschlossenen Bezirkssteuer. Die Verwatttmgen der StMe, Kreise und- Gemeinden werden schwere Arbeit haben, ehe sie einen Weg zur Aufbringung dieses gewaltigen Bezirkssieuernachtrages gefunden haben.
Lokalnachrichten vom Lage.
-z- Essener Sänger in Kassel. In her »Stadt Stockholm" wird demnächst der Gesangverein „Liedeikranz" das vierzigjährige Säugerjubiläum des Schneidermeisters Knobel begehen, das durch Mtwirkung des bekannten Doppel- guartetts der Essener Sängervereinigung eine besondere Weihe erfahren wird. S.
-4- In voller Fahrt zusammengeprallt. Ein heftiger Zusammenstoß eines Sandstreu- und eines Personenwagens der Straßenbahn erfolgte gestern mittag an der Ecke Zeughausstratze und Töpfenmarft. Die Vorderperrons wurden durch den wuckstigen Zusammenprall eingedrückt, die Glasscheiben zersplitterten in Scherben. Die Führer tränen mit dem Schrecken davon. S.
4- Vollversammlung der Elternbeiräte. In der Fortbildungsschule, Hedwigstraße, fand am letzten Freitag die letzte Vollversammlung des hiesigen Ortsausschusses der Elternbeiräte statt. Die Tagesordnung umsaßte die Kasseler Schulreform des letzten Jahres (A-Klal- sen, Abschlußklassen. Schulkindergärten.)
Auf der Bahn des Verbrechens. Die Einbrüche in Geschäfte der Wikhelmsboher Allee, von denen wir in letzter Zeit mehrfach berichteten, sind jetzt durch die eifrigen Nachforschungen der Kriminalpolizei aufgedeckt worden. Ein vor längerer Zeit von der hiesigen Wach- rmd Schließ- gesellfchast entlassener Wächter hatte seine nächtlichen Erfahrungen sich für seine verwegenen Raubzüge zunutze gemacht. Jetzt hat ihn die Nemesis ereilt.
-T- Aus dem Schwurgericht. Als in der Nacht vom 2. zum 3. Februar das Ehepaar R. sich tn feine Wohnung begeben wollte, folgte ihnen ein Manu, der im Augenblick, als die Frau das Haus betreten wollte, ihr nach Verabfolgung einer Ohrfeige ibre mit 18000 Mark gefüllte Handtasche entriß und dann entfloh. Eine Tchuvosireife griff den Flüchtenden auf, der als der Schlosser Karl Herbst (nicht identisch mit einem Bewohner der Augusta-Viktoriastr. gleichen Vor- und Zunamens) festgestellt wurde. Am Montag stand der nächtliche Held vor den Geschworenen. Tas Urteil lautete: Der Angeklagte Karl Herbst wird wegen Körperverletzung zu sechs Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft, wegen Beleivigung zu 10 000 Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle für je 150 Mark einen Tag Gefängnis verurteilt. — Als letzte Sitzung stand noch die Straffache gegen den Handarbeiter Heinrich Löser, dessen Ehefrau. den 19iährigen Arbeiter Franz L ö s e r, den Kriegsbeschädigten Paul Schmidt und den Arbeiter Wenderoth an. Die Angeklagten wurden beschuldigt, int November vorigen Jahres in einer Wirtschaft in der Turmgasse den Kaufmann M. ans Essen, nachdem sie mit ihm gezecht uns gespielt batten, ausgeplündert und
verprügelt zu haben. Die Anklage lautete auf Raub. Da sich nach Aufruf der Zeugen heraus- tellte, daß der Kaufmann M. wahrscheinlich wegen der Wirren im Ruhrgebiet nicht erschienen war, empfahl der Vorsitzende die Vertagung bet Verhandlung bis zur nächsten Schwurgerichtsperiode. Der Haftbefehl gegen sämtliche Ange- klagten wurde ausgehoben.
-r- Ein Jubilar der Arbeit. Der Fahrbursch Stefan Ehoinacka konnte vorgestern aus eine fünfundzwanztgjährige TätiKeit bei der Eifengroßhandlung August Vorthmann zurückblicken. Herr Oskar Borchmann ließ es sich angelegen sein, den Jübilar für feine treuen Dienste reichlich zu bedenken. Die Angestellten und Arbeiter ehrten den Jubilar eberrfalls durch ein Geschenk.
-T- Neue Samariter vom Roten Kreuz. Im Vereinshaus am Finkenherd fand am letzten Sonntag die Vorstellung der fünfundreißig^neu- ausgebitdeten Mannschaften der älteren eam= lätskolonne, Wache Fuldabrücke im Beisein des Roten Kreuzvertreters Erz. Fritsch, Generalleutnant z. D. Oberstabsarzt Dr. Reymann und oes Vertreters der freiwilligen Krankenpfleger Medizinalrat Dr. Neumann statt. In der Theorie hatte der Kolonnenarzt Dr. Haarfeldt unterwiesen, die praktische Ausbildung, der Kolonnen- sührer R e utz geleitet. Die mustergiltigen Leistungen der Prüflinge sanden die rückhaltlose Anerkennung der hiesigen und auswärtigen Sanitätsvertreter. Kolonnenführer Pfaff sprach dem Unterrichtsleiter den Dank der Kolonne aus und spornte die jüngeren Sanitäter zu frischer, ernster Tat im Dienste der Barmherzigkeit im Bunde mit echter Äameradstvaftstrene an.
4- Platindiebe. — Messerhelden. Zwei Arbeiter wurden in dem Augenblick ertappt, als sie in der Wäscherei Gerhardt u. Söhne das kostbare Platin von den Blitzableitern stehlen wollten. — In einer Wirtschaft der Altstadt wollten sich zwei Männer mit dem Messer zu Leibe gehen. Schutzpolizei trennte die Kampfhähne, ehe es zum Blutvergießen kam.
--- Blutiger Streit zwischen Vater und Sohn. In der Kaufunger Straße griff ein siebzehnjähriger junger Mann nach einem unseligen Streit mit feinem Vater zum Revolver und jagte sich eine Kugel in die Brust. Der Arheitersamariter- bund Wache Holzmarft, nahm den Schwerverletzten in feine Obhut und schaffte ihn nach dem Krankenhaus. S.
--- Um die Treue betrogen. Täglich melden die Zeitungen von den gerissenen oder auch plumpen Künsten und Schlichen der Heiratsschwindler und doch werden die „törichten Jung- frauen" nicht alle, die ihnen zum Opfer fallen. Einer der lehrreichen Fälle hat sich wieder hier in Kassel zugetragen, wo ein eleganter und galanter Don Juan, aus Hannover, für das väterliche Geschäft hier tätig, das Herz seines Liebchens betört hatte. Auch fein erschöpftes Portemonnaie liest sich der Vielgewandte von »er Angebeteten füllen, die er eines Tages in die Arme seiner Eltern sühren wollte. Die Koffer wurden gepackt und der Zug nach Hannover dampfte in der Halle. Aber dem Bräutigam paßte der Bummelzug nicht, er zoa den D-Zug vor, wollte aber rasch noch einen Geschäftsgang in der Stadt erledigen. Ten Gepäckschein für den Ä -denen Koffer nahm er an sich, ließ die fbige Liebste in einer Konditorei warten und verabschiedete ffch auf Nimmerwiedersehen
Wie wird das Wetter? Die Wetterwarte Weilburg macht über die voraussichtliche Witterung am Donnerstag und Freitag folgende Angäben: Veränderlich, doch meist wolkig 'bis bedeckt mit Niederschlägen, zunächst noch milde. Später Temperatur etwas sinkend. Barometerstand 757,5.
-r- Veranstaltungen am Donnerstag. St a at s- theater: »Trotzdem". 7^ Uhr. — Neues Theater: Das kommt davon," 7,45 Uhr. — Vortrag des Herrn Dr. Goetz-Berlin, Saal der Landesbibliothek, Friedrichsplatz, 8 Uhr. — Winzerstuben: „Kleinkunst", 8 Uhr. — Heute, Mittwoch: „Lichtbilder-Vortrag über SüdbrasÜien", Ev. Vereinshaus, 8 Uhr.
Zuchtschweinemarkt.
Kassel, 7. März Gesamtauftrieb an Ferkeln tm Alter bis zu 13 Wochen 533 Stück, an Läufern im Alter bis zu drei Monaten 226 Stuck. Es wurden gezahlt für das Stück Ferkel im Alter bis zu 6 Wochen 60—80000 M. von 6—8 Wochen alt 80-120000 X von 8—13 Wochen alt 120—170000Jl; Läufer von 3-4 Monaten alt 170—210000 X von 4—5 Monaten alt 210 bis 280000 X über 5 Monate alt 280000 J(
Der Stand des Dollars
Dienstag Mittwoch
amtlWbe Steuerung i 1 llhr nachmittag«
22600 21000
Berliner Börse.
Berlin, 7. März. (Privattelegramm.) Die Devisenkurse haben sich heute »ormittaa weiter abgefchwächt. Der Dollar stany gegen Mittag auf 21000 bis 21 500 Mark. Auf dem Effektenmarkt herrscht weiterhin Zurückhaltung.
England und Frankreich.
Anzeichen einer ernsten Spannung.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 7. März
Ueber die gestrige Debatte im Unterhause wird berichtet: Lord Robert Ceci! erklärte, er betrachte die vorgeschlagenen Schritte betreffend Regelung der Bahnfrage in der britischen Kölner Zone als ungenügend um die ernste Lage zu bessern. Die Verhandlungen würden niemals zum Ziele sühren und nur oazu dienen eine Verbitterung zu erzeugen, die dazu führt, daß sich das französische Volk hinter feiner Regierung zusam- menfchare. Großbritannien und Frankreich treiben heute gegeneinander. Frankreich verfasse jetzt einen „Friedensvertrag" nach feinem eigenen Interesse, ohne irgend einen der Verbündeten heranzuziehen. Die jetzigen Ereignisse bildeten das erste Kapitel eines Abfchnitts uno müßten zu einem Kriege führen, wenn nicht rechtzeitig eingegriffen werden könnte.
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Die schwache englische Regierung.
London, 7. März. (Eigene Drahtmeldung.) Bonar Law erklärte gestern im Unterhause, daß ein Eingreifen tn diesem Augenblick von Frankreich als eine feindselige Handlung aufgefaßt werden würde (!) England sei nicht gewillt, einen derartigen Schritt zu tun. Solange die französischen Staatsmänner an eine Wirkung des Druckes auf Dcutfchland glaubten, fei das Aimebot einer Vermittlung zweck- l o s. Die Wiederherstellungsfrage fei im übrigen ein außergewöhnliches Problem.
Französischer Sadismus.
Die Qualen eines Verhafteten.
(Eigene Drahtmelduna.1
Essen, 7. März
Ein Kaufmann aus Oberfchlesien, Johann Drost, der vor einigen Tagen hier verhaftet worden war, hat von den Franzosen folgende Qualen erdulden müssen: In einem Zimmer in der französischen Kommandantur in der dritten Etage wurde der Verhaftete ohne irgend einen Grund mißhandelt. Man nahm ihm seine Zigarrentasche, seine Uhr und die Barschaft in Höhe von fünfhunderttausend Mark uttb 1400 Gulden ab. Nach Einsichtnahme in seine Papiere behaupteten die Franzosen, er fei ein deutscher Spion und verlangten alles mögliche von ihm Mi wissen. Er wurde mit Fäusten und Linealen geschlagen intb gezwungen, aus dem Spucknapf zu trinken. Abends wurde er an beiden Händen gefeffelt und im Zimmer allein gelassen bis zum andern Mittag, in welcher Zeit er weder Efsen noch Trinken erhielt. Um 3 Uhr wurden die Mißhandlungen fortgefetzt. Man zog ihn vollständig aus und mißhandelte ihn mit Fäusten, Linealen und fchwcren eichenen Spazierstöcken. Ein französischer Soldat vergewaltigte ihn. Von anderen Soldaten würbe er blutig getreten.
Wieder ein Zeftungsverbot.
Dortmund, 7. März. (Privattelegramm.) Am 5. Mürz wurde die „Wests. Allg. Zeitung", das Dortmunder sozialdemokratische Organ, bis zum 19. März einschließlich verboten. Angeblich haben verschiedene Artikel die Franzosen beleidigt.
Heutige Frankfurter Börse.
Weitere Abschwächung der Kurse.
(Eigener telegraphischer Bericht.) Frankfurt a. M., 7. März, 1 Uhr.
Letzte Depesche«.
Thüringer parleiwirtschast.
Beschuldigung her Thüringer Regierung.
(Eigene Drahtmeldung.)
Der Devisenmarkt steht weiter unter Druck und die Preise neigten zu Beginn der heutigen Börse bei geringen Umsätzen nach unten. Der Dollar eröffnete mit 22 200 bis 21000. Am Effektenmarkt war die Stimmung, obwohl die feierliche Protestrede des Reichskanzlers allgemein einer günstigen Aufnahme begegnete, sehr stark auf Abgaben eingestellt, die sich auf das ganze Marktgebiet ausbehnten und teiütoeife erhöhte Einbußen bewirkten.
Erfurt, 7. März.
Ein auffehenerregender Prozeß fand gestern vor dem hiesigen Landgericht statt. Unter der Anklage, die thüringische Regierung beleidigt zu haben stand der R e d a k t e u r der „Mitteldeutschen Zeitung", Reinhard Wendel. Die Beleidigung wird erblickt in einem Artikel des genannten Blattes, betitelt: „Pferdekur", vom März 1922. In dem Artikel wird unter anderem behauptet, in Thüringen würde dieAxtandieRetchs- pflege gelegt, gegen die Schulen planmäßig vorgegangen und statt Aufbau vollziehe sich ein Niederreißen. Bor allem herrsche eine ausgesprochene Parteiherrschaft. Jeder frei werdende Posten in der Verwaltung sei nur für die Gefinnungstüchtigen reserviert. Vorbildung, Fachkrnntnifle und Erfahrurig spielten keine Rolle. Unter anderem wurde hingewiesen auf den Fall des Mnisterialdirettors Dr. Freund (einen zweiunddreißigjährigen früheren Assistenzarzt), der mit der Bearbeitung der wichtigen Kreis- und Gemeindeordnung betraut wurde. Als RebcnNSger hatte sich der frühere Justizmini- fter Freiherr von Beneckcnstein der Anklage an- gefchloffen, da ihm zum Borwurs gemacht worden war, daß er zu denjenigen zähle, die kein Vaterland besitzen. Die Beweisaufnahme ergab daß der Wahrheitsbeweis dem Beschuldigten vollkommeu gelungen sei. Lediglich we gen formeller Beleidigung wurde er zu zwanzigtausend Mark Geldstrafe verurteilt.
Gelsenkirch.
Adlerw. . .
. 7000.
. 27000. .43000.
59000.
62500.
Sali Aschers!. Mcrnnm.-Rh.
Th.Goldschmidt 17200 —
Höchst. Färb- 19500.—
Buderus-Eisen. 25000.— D.-Luxemb.
Rüttgers W- . 21200.—
Aceum.Berlin. —
J.LG-(Karlsw.) —
Lahrneyer . . . 20000.—
Lichtu.Kraft; . 15200^- Schuckert . . . —
Siemens LH. . —
Holzfabr.Fulda — Gummi Peter . —
Heddernh. K- . 9500.—
Hirsch, K.u.M. 29000.-
Bank-Aktien
Darrnst. B.. . . 7300.—
DeutscheB. . . 16500.—
Disk.-Ges. . . . 9000.—
Dresdner B.. . 5500.—
Met.-B.u-m.G- —
Bergwerks-Aktien
Phönix Berg . 53000.— Rh.Sthl Dsbg. 47000.—
Industrie-Aktien
PH. Holzmann. 8950.— WayßLFreyt.. 9500.— Hess. Herkules • — — Anglo.-Guan. . —.— Bad. Anilin . . 24500.— D-G.-u.S.-Sct). 24000.—
<yuum. ,varu- — Hamb.-A.-Pak. 35000.— Farben Bayer . 20000.— Rordd. Lloyd . 20000.—
Beck L Henkel. —.- Daimler Mot. . 8000.- Frankf-M.Pok. —.- Heiligenst.Gieß. —
Rh.Met.(V.-A.)
S" lnd.-Äufferm. —.-
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I. Sichel L Co- 8100.- Hammers.,Osb. - •- Berzinker. Hilg. — Zellst. (Waldh.) 18000.-
Schiffahrtsgesellsch.
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