Nummer 52
Sonnabend, 3. Marz 1923
13. Jahrgang.
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Mckr Nemste Nachrichtm
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
Sorgt für Einheitsfront und Burgfrieden.
Haltet aus!
Mahnruf eines alten Parlamentariers.
Eine furchtbare Zeit der Not ist für ba-3 deutsche Volk zu bestehen. Schlimmer noch als der Kampf, der unsere Streitkräfte vier Jahre lang in den vordersten Schützengräben sah, ist das große Ringen, das jetzt im Ruhrgebiet und in allen besetzten Landestellen durchgeführt werden muß. Waffenlos stehen wir hn Kampf zur Abwehr eines Unrecht», wie es schwerer die Wett noch nicht gesehen und erlebt hat. Es ist selbst- verständlich, daß sich im innersten Herzen der Menschen alles sträubt gegen diese neuartige, nicht illinder kriegerische Führung eines Kanipfes einem friedlichen, arbeitsamen Volle gegenüber! «Lher vor ,g^nannta. psychologische Augenblick tur ein? Vermittlung irgend welcher Art ist noch nicht gekommen. Und je mehr von einer Vermittlung und von Planen und Absichten gesprochen wird, umso weniger steckt dahinter, umso weniger führen sie zum Ziel. Angesichts des furchtbaren Druckes, von dem wir nicht wissen, wie er sich in nächster Zeit auswirlen wird, kann man unserem Volke, das Unsägliches leidet und duldet und das jeden Tag von neuem opfert, immer nur wieder zurufen: Haltet aus! Wir müssen uns klar darüber sein, daß wir Kinder einer Epoche sind, die den Kern der Welt- Wende in sich birgt. Wie die Wett in Jahren und Jahrzehnten aussehen und welche Rolle Deutschland dann in ihr einnehnien wird, das sieht jetzt bei uns!
Dazu schreibt uns ein alter Parlamentarier: In dieser Zeit der Entscheidungen, die in grandioser Gestaltung heranreifen uttd sich entwickeln, darf niemand im deutschen Volke, wer er auch sei, der unmittelbaren Anteilnahme an den G e - schicken des Landes, an den Verhältnissen im Innern und an den Beziehungen zu den Völkern der Erde sich entziehen! Ebenso wie im Kriege bedürfen wir täglich der Unter- ii-J'f.uua .er Beratung und der Führung. Und diei. . tägliche Freund. Mahner und Helfer ist si n f r r e Zeitung! Wir alten Parlamentarier wissen <•§ sehr wohl, welche grundlegenden Aen- drrunscu gerade in wirtschaftlicher Hinsicht eingetreten sind,, aber wir fühlen es auch am meisten — und wir möchten das allen, die es angeht, eindringlich erklären, — daß wir niemals der engsten Verknüpfung mit der ZeitUGg bedürftiger waren als im gegenwärtigen Augenblick. Das sagen wir alten Parlamentarier, die wir jahrzehntelange politische Tätigkeit hinter uns haben! Wir können ganz einfach ohne den Rückhalt durch die Presse weder unsere eigene Arbeit fördern, rcoch unsere Tätigkeit zum Wohl und Nutzen der Gesamtheit von Land und Volk entkatten. Und wenn wir den Ruf erheben: Hattet aus!, und wenn wir zur weiteren entschlossenen und wirklich opferbereiten Ausdauer atlsiordern, dann können wir das nicht, ohne auf das unentbehrliche Fundament hinzuweisen, das uns in diesem Kampf und Ringen unsere Zeitung bietet.
Es ist ein furchtbarer, sorgenvoller Existenz- k a m p f, der sich tägsich und stündlich in den Geschäftsbetrieben und ‘ ■“ Redaktionen der Zeitungen um die Erkaltung der Vresse in dieser wirren Zeit abspielt, und wir sagen es offen: Es irt nicht nur unbegreiflich, sondern auch qe- ladezu peinlich, beobachten zu müssen, daß die Zeitungen immer wieder um Verständnis bei neuen Preisaufschlägen für den Bezugspreis wie für den Anzeigenpreis werben müssen. Alle a n - deren Preisaufschläge werden getragen, oft genug werden sie bei wirklich entbehrlichen und auch schädlichen Dingen ohne weiteres bewilligt. Wenn aber die Zeitung, an der die Teuerung nicht vorübergeht, die sogar am allcr- bärtesten von ihr betroffen wird, eine Erhöhung erbittet, dann gibt es Bedenken und oft genug auch Absagen. Aber wie ost haben gerade diejenigen, die sich von einer Zeitung trennten, schon innerhalb kurzer Zeit erfahren müssen, wie sehr sie gegen ihre eigenen Interessen gehandelt baden. In dieser Zeit Unsicherheit und täglich wechselnden Preise kann ein einziger Mangel in der Unterrichstmo einen Schaden bringen, der durch ein ganzes Jahres-Abonnement, ia durch noch viel mehr nicht ausgeglichen werden kann.
Die Zeitungen, die ja viel zu spät der Geldentwertung sich angepaßt haben, weil sie immer das Aeußerfte tragen wollten, nm der Oeffent- hchkeit zu dienen — und die Opfer haben mit dem Tode vieler Existenzen bezahlt werden müs- scn! — müßten unter den heutigen Verhältnissen einen monatlichen Beznaspreis von 12000 bis ">5 000 Mark erbitten. Aber nur der fünfte Teil davon wird ^fordert. Und dafür wird eine dem Außenstehenden ganz unbekannte riesige Arbeit geleistet, muß mft Deveschen-Bureaus. die mit der ganzen Wett in Verbindung stehen, Füh- l'mg gehalten und ein technischer und geistiger Organismus erhaften werden, der ein fabelhaftes Gefüge darftellt. Eine Zeitung, die jetzt ver- sinft, wird nicht so bald wieder aufgebaut werden können. Und Gemeinden und Lese:
schäft, die zu diesem Versinken durch mangelndes Interesse oder geringe Opserfteudigkeit beitragen, werden sich in ihren eigenen Notwendigkeiten auf das Schlimmste geschädigt sehen. Wir wollen uns nicht beschämen lassen von dem Geiste der Opferfreude, der heute rm ganzen deutschen Lande herrscht. Was wir jetzt tun und leisten, geschieht für das Wohl des ganzen Volkes und für die Rettung unseres lieben Vaterlandes. Und in dec vordersten Reihe dieser Kämpfer stcht unsere Presse, steht unsere Zeitung! Darum: Haltet aus, haltet Eurer Zeitung die Treue, als der Vorkämpferin für Euer Recht und für die F r e i h e i t des deutschen Volkes!
Deutsche SmhettsfroM.
Dr. Stresemann über den Burgfriede«. (Eigene Drahtmeldung.)
Münster, 2. März.
In seiner Rede in einer Versammlung der Deirtfchen Bolkspartei ging Abg. Dr. Strese- mann auf dir Frage der Einheitsfront und des Burgfriedens ein. Gewiß könnten Einheitsfront und politischer Burgfriede nur relative Begriffe sein, aber bedauerlich fei es, daß gewisse Kreise gerade die Jetztzeit für gegeben betrachten, um ihre Parieisuppe zu kochen und dabei Parteipolitik anstelle von Na- «ionalpolitit treiben. In dieser Beziehung werde von Links und Rechts gesündigt. Die Borwürfr von beiden Seiten sind völlig haltlos und man müsse fragen, was dahinter stecke, wenn das Vertrauen zu dem Kabinett erschüttert werden solle, wen« man sogar davon spreche, daß Herr Cuno, im Verein mit den Gewerkschastc», eine Art Sozialisierung der Industrie betreibe. Cuno sek weder von der Industrie noch von den Gewerkschaften abhängig, sondern gehe den Weg, den er gewählt habe nach eigener Ueberzeugung. Man solle auch aushören, in diese Debatte de« sozialdemokratischen Reichspräsidenten hineinzuziehen, der gerade bei dem Bbwehrkampfe gegen Frankreich mehr als einmal gezeigt habe, daß er sich über die Partei hinaus auch als Wortführer des deutschen Abwehrwillens fühle.
»le e ci;Glöcmo?rcten im Awwehrkamps.
Berlin, 2- März. (Prrvattele gramm.) Entgegen französischen Unterstellungen, als ob der sozialdemokratische Parteivorsitzende Wels eine Opposition gegen die Reichsregierung befürworte, ist der sozialdemokratische Parlamcnts- dicnst vom Abgeordnet-n Wels zu folgender Feststellung ermächtigt: „In Deutschland gibt es nicht eine Partei, die dcn Kamps gegen den französischen Militarismus im Ruhrgebiet so entschieden geführt hat und weiter führen wird, wie die Sozialdemokratie. Dir französistschen Hoffnungen, daß die Sozialdemokratie die Interessen Pojn- caräs fördern könne, sind ans diesem Grunde nicht nur falsch, sondern auch trügerisch gegenüber der Bevölkerung Frankreichs."
(Sorgt fSr Innere Geschlossenheit.
Berlin, 2. März. (Privat - Telegramm.) Im Hinblick auf so manche unvernürrstige Rade in den Parlamenten hat der Außenminister Rosenberg an die Parlamentarier die dringende Bitt; gerichtet, in ihren Reden Vorsicht und Mäßigung zu üben, um alles zu vermeiden, was geeignet ist, im gegeirwärtigen kritischen Augenbttck die innere politische G e - schlossenheit irgendwie zu gefährden.
Die BerkehksSage im Westen.
Reine Kohle» nach Frankreich.
(Eigene Drahtmeldua«.)
Düsseldorf, 2. März.
Auch in den letzten vierundzwanzig Stunden ist über die Rhcinbrücke bei Friemersheim kein französifcher Kohleuzug gefahren. Auf der dcn Franzofen von den Engländern neu übergebenen Strecke Reuß-Düren ist ebenstills der Kohlenverkehr noch nicht ausgenommen worden. Bus der Streck« Rüdeshcim-St. Goarshausen hat sich bisher ein Einstutz auf den Verkehr durch die Neubesetzung der sog. „Flascheuhälfe" noch nicht ergeben. Auf dem Bahnhof Honneff ist ein 3 u fl mit zweiuudzwanzig Wagen, die Möbel geladen hatten, an gehalten worden. Ein Wagen, der Umzugsgnt ausgewiesener Beamten hatte, wurde zurückgehalten. — Wie das „Berliner Tageblatt" meldet, ist der vom 23. Ja- ,mar bis 23. Februar besetzt glatten« B a h n -
hofOberhausen von den Frnzosen in gänzlich zerstörtem Zustande zurückgelassen wor- de«. Sämitiche Stell- und Hebelwerke find mit Hämmern zerschlagen. Der am 28. Februar besetzt gewordene Bahnhof Neumühl ist am Abend des gleidfcn Tages wieder geräumt worden. Die Franzosen sind unter Mitnahme von mehreren Lokomottven «nd einer ganzen Anzahl von Koh- >len- u. Güterwagen als geübte Räuber abgezogen. Die Paßkontrolle in Vohwinkel ist scharf. Insbesondere werden sehr häufig höhere deutsche Staatsbeamte angehalten und an der Weiterreise gehindert. Offenbar hat man die Hoffnung, auf diese Weise deutsche, ins besetzte Erbiet reisende Minister auf der Fahtt abzufangen Aus Düren im Rheinland wird ein schwerer Eisenbahnunfall gemeldet. Ein Zug, der auS Aack)cn kam. geriet auf ein falsches Gleis und fuhr auf einen Mllstchendcn Zug. Die ersten beide« Wage« des Znges wurden zertrümmert, zweiunddreißig Personen sollen den Tod gefunden haben.
Unter Ser fremöen Knute.
Neue französische Gewsltmatznahme«.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 2. März.
Der „Petit Parisicn" macht in einer Düsseldorfer Depesche darauf aufmerffam, daß General Dcgoutte, um die Kohlenfteuer cinzutreiben, mög- lichcrwcise zur B e s ch l a g n a h m e der geförderten Kohlen, zur Verhaftung der Grubenbesitzer und zur Verweigerung i-rv Erteilung von Erlaub« i sbewilligmigcn schreiten wird, falls die Kohlcnstcuer nicht bezahl! Wörde. Die härteren Maßnahmen gelten aber nicht für durchführbar, denn man könne keine Kohlen be- sckfiagnahmen, da die Bergarbeiter es ablehnten, außerhalb der Bergwerke irgend etwas für du: Alliierten zu tun. Man könne auch ohne Arbeiter die Waggons nicht mit Kohlen beladen und wegen des Streiks der deutfchen Eisenbahner auch nicht auSführen. Es ist also anzunehmen. daß man sich aller Bergwerksbesitzcr und -Direktoren, sowie -Ingenieure bemächtigen wird, Ms sie es ablehncn, die von den Alliierten vvrgcschlagene Kohlcnstcuer zu entrichten.
Deserttguua der Schvsipviizri.
Essen, 2. März. (Privattelegramm) In der vergangenen Nacht wurden wieder vier Polizeiwache» von den Franzosen in Essen aufgehoben. Die Dick)erhritsverhält- nisse der Stadt haben sich durch den ungenügenden polizeilichen Schutz in erschreckender Weise verschlechtert. Die Diebstähle mehren sich in einem bisher noch nicht gekannten Umfange. Das Obdachlosen-Asyl in Essen ist für französche Zwecke beschlagnahmt worden.
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Schwarze Franzosen.
Soblenz, 2. März. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern morgen ist der Bahnhof Ehrenbreitstein von schwarzen Truppe« besetzt worden. Eine Schwadron französischer farbiger Soldaten (Saphis) rückte gestern in Simmern auf dem Hundsrück ein. Für die farbigen stan- zösischen Mannschaften mutzten Bürgerquartiere zur Verfügung gestellt werden.
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Beamfen-Vrrvaftttng.
Gladbeck, 2. März. (Privattelsgramm.) Oberbürgermeister Dr. Jovi ist gestern morgen aus dem Bett heraus verhaftet morde« «nd wurde dann in einem Lastauto fort- grftchren. Als der verhaftende Offizier die Pistole zog, erschollen aus der Menge, die sich vor dem Hause angesannnelt hatte. Pfuirufe. Nachdem der Oberbürgermeister im Auto Platz genommen hatte, winkte er der Menschenmenge mit einem Taschentuch zv, worauf die Menge mit lebhaften Abschiedsrusen erwiderte. Tie bel- gtscheWache war alarmiert und ging mit gefälltem Bajonett gegen die Menge vor.
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SMyrdung Otr (SrnSyrung.
Duisburg, 2. März. (Privattelcgramm.) Die Franzosen gehen dazu über, von Spediteu- re>i und Empfängern von Lebensmittel- sendungen die Abgabe einer Zolldeklaration zu verlangen. Falls diese Erklärung, mit der gewissermaßen einer Ancrkenung der französischen Zollhoheit auSgedrückt würde, verweigert wird, verhindern die Franzosen mit Gewalt die Entladung von Lebcnsmittclftndun- gen. verhaften die Arbeiter, die damtt brsustragl find und 6ringe«,’5*^e Gefängnis.
3m Schoß der Erde.
Die Kohls« des Ruhrgebiets.
Sa’ ans bas Ruhrgebiet bedeute«, ersetzen tote deutlich aus »er nachstehenden hfufzecchnuriq brr BadenschLtze, bi» bas bratsche WirtseyasiS. leben im Senf* »er Jahre geoh gemacht Haden. Die Bedeutung des Ruhrreviers für unsere Wirtschaft und die großartige Organisation dieses Industriezentrums treten anschaulich hervor aus den Zahlen, die Willi Lindner in einem „Das Herz Deutschlands- betitelten Aufsatz der „Bergstadt" mitteilt. Trotz des starken Abbaues der Flöze ruhen noch für viele Jahrhunderte Kohleiischätzc int Schoß der westfälische« Erde. Der Kohlenreichtum des Ruhrbeckens ivird bis zu 700 Meter Tiefe auf 11 Milliarden Tonnen geschätzt, von 700—1000 Meter auf achtzehn Milliarden, von 1000—1500 Meter auf fünfundzwanzig Milliarden und noch tiefer auf fünf» uiidsiebzig Milliarden Tonnen. Bei einem jährlichen Abbau von durchschnittlich 70—80 Millionen Tonnen würde also der Bestand bis zu 1500 Meter noch die nächsten achthundert Jähre reichen: dami kämen erst die noch tieferen Reserven an die Reihe, und man darf wohl an- nehmen, daß die drohende Erschöpfung durch die Vervollkommnung der technischen Mittel immer weiter hinausgerückt werden wird. Tie Hebung dieser ungeheuren wirffchaftlichen Werte erfolgt durch eine vielgestaltige Organisation, die auf das feinste zusammenarhettet. Der Oberbers. amtsbezirk Dortmund, der sämtliche
hundertvierundsechzig Zeche«
des Richrrcviers unterstehe«, ist in zwanzig Bcrqreviere eingeteilt, von denen jedes wieder eine befüntmte Anzahl von Zechen umfaßt. Die wichtigsten Zechen sind die der Gelsenkirchener Bergwerks?,esellschaft, die 1921 eine Gesamtbelegschaft von 45 000 Mann aufwiesen und n allez u zehn Millionen Tonne« Kohlen und cnibcrffato Millionen Tonnen Koks produzierten. An zweiter Stelle stcht die Harpener Bergbau-A.-G„ die 37000 Mann Belegschaft zählt und eine Förderziffer von nahezu acht Millionen Tonnen Kohlen und zwei Millionen Tonnen Koks erreichte: dann folgt der Essener Bergwerksverein mit einer Belegschaftsstärke von 28000 Mann und einer Erzeugung von vierundeinhalb Millionen Tonnen Kohlen und einer Million Tonnen Koks. Wetter wären zu nennen die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-A-G. mft 26 000 Man« Belegschaft, dreiundeinhalb Millionen Tonne« Kopien und 853 000 Tonnen KokS. die Rheinischen Stahlwerke mit 15 000 Mann Belegschaft. die Phöni r-Gesellsckaft mit 19000 Mann und die Gute Hoffnungs-Hütte mit 16000 Mann. Neben diesen Privatzechen, revieren, die zu dem Obcrbergamtsbezirk Dort- murtb gehören, hat der preußische Staat seine
staatlichen Zechen
int Ruhrgebiet in vier Berginspektionen zulam» mengesatzt, die wieder der preußischen Berg- Werksdirektton in Recklinghausen unterstehen. Der Präsident dieser Direktton, der Geh. Oberbergrat Reisfeisen, wurde als erster Bergwerks- bcamier von den Franzosen verhaftet. Die Berginspektion 1 in Jb b enbüren bei Osnabrück gehört nicht zum Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, sondern zum niedersächsischen Koh^enwirtschaftsgebiet und kommt daher für den Ruhrberabau nicht in Betracht. Die Berg- inspekio« 2 in Gladbeck umfaßt die Möller- urtb Rheinbaben-SchLchte, die Fett-, Gas- und Gasfchlannnkohle fördern. Die Erzeugung der beiden Schächte betrug 1920 1,2 Millionen Tonnen Steinkohle und 478439 Tonnen Koks. Die Belegschaft zählte 7576 Mann, und in demselben Jahre 1920 waren zweihundertvierundsiebzig Koksöfen in Betrieb. Die Berginspektion 3 in Buer mit den Zechen BergmannSglück und Westerholt fördert Fettkohle, und zwar betrug die Förderung 1920 anderthalb Millionen Tonne« Kohle und 400 553 Tonnen Koks bei 8411' Mann Belegschaft unb 222 Koksöfen. Tie Berg, inspektton 4 bewirtschaftet die Fettkohlenzeche Waltrop, auf der 1920 bei einet Belegschaft von 2470 Mann und 180 Koksöfen 275 872 Tonnen Steinkohle itnb 209781 Tonnen Koks gefördert wurden. Die Berainsvekiton 5, Pie ihren Sitz in Zweckel bei Gladbeck bat. nmiaßt die Zechen Zweckel und Sch olz en und fördert Fettkohle, Gas- unb Gasschlammkohl». Die Förde- r«ng betrug 1920 bei einer Belegschaft von 5140 Man« und bundertzebn Koksöfen 865238 Tonnen Steinkohle und 210 807 Tonnen KokS. Die Gefavttförderuna der staaittchen Zeche« betrug 1920 über Vier Millionen Tonne« Kollle, fi*er eine Million Tonnen KokS bei einer Gesamtbelegschaft von 25786 Mann — Durch ihre Koke- reien gewinnen die statlichen intb Privatzechen
viele Nebenerzeugnisse,
tote Schwefelsäure, Ammoniak, Teer. Rohnaph« tot, Benzol. Leuchtgas, Heizgas, Ziegelsteine. Schwefelkies usto. Die chemische Industrie