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Meier Neueste Nachrichtm

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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

LLummer 51

13. Jahrgang.

Freitag, 2. März 1923

Fernsprecher 951 und 953

Fernsprecher 951 und 952

Frankreich duldet keine Einmischung

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denn eine Ver.

Standpunkt ift troi

Kaiser Ift Wvettäsfigen Nachrichten zufolge nach Mainz in das M ilitärgefängnis gebracht worden. — Rach einem Telegramm aus Paris ist in Essen ei» Prinzvon Lippe von de« französischen Militärbehörden verhaftet wor­den. — Bei den Verhaftungen in Kirberg auf dem Hunsrück war ein junger Mann im Orte nicht mehr vorhanden. An seiner Stelle wurde sein Vater verhaftet. Weil er stch der Verhaftung widersetzte, wurde der alte Mann auf dem Transport ins Gefängnis von einem französischen Offizier mit der Reitpeitsche ge­schlagen.— Die Franzosen nehmen in N e u. stadt bei den ankommenden Reisenden, beson­ders jungen männlich": Personen, die im wehr- pfliilitigen Alter ste!,'.n, LeibeSvtsitatio. n e n vor; «. a. werden die Reisenden gefragt, ob sie einen Gestellungsbefehl von der deutscheu Regierung erhalten haben. (Daran erkennt man die kindische Angst der Franzosen.^

, Der franzftflsche Sewraud.

London, 1. März. (Eigene Drahtznelduag.) Zn der Beschlagnahme der 12 Milliarden durch die Franzosen schreibt „Dailn Ehronicle", die Welt erlebe daS außerordentliche SchanGiel, daß eine alliierte Regierung das Geld der anderen stiehlt und sich weigert, dieses Geld wieder z» erstatten.

Tumult im bayrischen Landtage.

München, 1. März. (Privattelegramm) Im bayrischen Landtage kam es gestern bei der Beratung des Antrages über die Schaffung eines selbständigen bayrischen Staatspräsidenten zu schweren Tumultszenen, als der kom­munistische Abgeordnete Eisenberger die bayrischen Rechtsvarteien als doch, und Lan­desverräter bezeichnete. Auf der Rechten er­hob stch ei« großer Entrüstunassturm und der Abg. Gras von der Bayr. Bolkspartei versetzte dem Redner einen Stoß. Zahlreiche andere Ab­geordnete sammetten sich um das Rednerpult. Der sozialistisch« Abg. Probst ging wieder gegen den Abg. Graf vor und zwar drohend mit einem Stulste. Unter fortwährenden Hinaus- und Pstttrusen der Rechte« konnte Abg. Graf seine Rede forttetzen. Erst nach langer Zeit konnte ihm der Präsident Gehör verschaffe«. Schließ­lich trat wieder Beruhigung rin.

ate Halft!« 'JieueiitnNachrichten erscheinennxichenMch sechsmal und zwar ab end«. Der SiionnementSprei« beträgt monatlich 2500 Work bet tret« Zustellung in« Hau« tn der Geschäftsstelle abgeholt 2455 Mark monatlich. Auswärts durch die Poft bezogen 2500 Marl monatlich einschl Zustellung. Bestellungen werden jeberjeit entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion i Echlachthofftratze 28/M. Kür unverlangt eingesandte BeUräge kann die Redaktion eine Berantroortung oder Gewähr in keinem Kalle übernehmen. Rückzahlung de« Bezugsgeldes ob« Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnüng«mSfttget Lieferung ausgeschlossen.

Sie können es nicht lMm.

Daten eines Messerhelden.

(Eigener Drahtberichl.)

Lörrach (Baden), 1. Marz.

In Höllstein bei Steinen im badischen Wiesen­tal lauerten die Kommunisten den Nationalso­zialisten, als sie um Mitternacht von einer Ver- samnrlung hetmkehrten, auf, und das komm»- nistische Gemeinderatsmitglied von Steine«, Rüdiger, ein mehrfach vorbestrafter Mensch, der auch wegen Landfriedensbruchs «ock eine Strafe zu verbüßen hat, verwundete de« Rational- ökonvmen Dt. W i n t e r durch einen Messer, stich in de« Leib so schwer, daß er an den Fol­gen starb. Ferner verwundete er auch einen anderen Nationalsozialisten durch Messer­stiche. Merkwürdigerweise schritt die Staatsan- walffchast erst 24 Stunden später zur Berhaf- 1 u n g der Kommunisten, nnd zwar nahm sic in Schutzhast, als die Einwohnerschaft von Steinen eine sehr erregte Haltung einnahm «ild mit Lynchjustiz drohte. Die Nationalsozialisten und ein Teil der Einwolmerschast haben in einer Demonstration vor dem Rathaus vom Bürger- meister die Absetzung des Verbrechers «18 Ge­meinderatsmilglied verlangt.

Das einzig Richtige.

Leber die Aussicht«« des Widerstandes.

(Privat-Teleyramm.)

Münster t W , 1. Marz.

Der Abg. Stresemann hielt in Münster einen Vortrag, der indirest den Boden flr die große Koalittv« »orbereittn sollte. Als politffck besonders bemerkenswert verdient her­vorgehoben zu werden, daß Stresemann nicht so sehr PoinrarS, als vielmehr Millrrand für die henttge aus rein politisch« Macht eingestellte Richtung tn Frankreich verantwortlich macht. Dies« Richtung sei durch den Vertrag von Ra- pallo gestört worden. Innenpolitisch wird die Arntzerunq StresemannS stark erörtert werden: Wir werte« selbstverständlich mich einmal zur Besteuerung der Sachwerte greifen müs­se«, aber erst dann, wenn wir wüstten, dast damit eia Ende In den deutschen ReparattonS. Uiiongett erreicht werde»

RHeinftromundReich.

Ei« Wahrzeichen deutscher Treue.

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inRC uc»c jjCTWuijCi'’ivnT* CTwtwn wwvem lieft in Ro6Xen$ unter Öem Xitel »Neues Wfteiuiftfter Merlnr--, fteranSgegebcn vom B-rein bet ©üereOfteunbe. Das Blatt will im SteicftOintereffc ben ieparatistiftSen Bettre» knngen entgegen arbeiten. Wir en, nehmen daraus einen ausgezeichneten Aufsatz von Dr. «lphm»« Nobel »Der Strout ve -1 a#er »reue“.

Fremder ArbrUer-Grsatz.

Essen, 1. März. (Privattelegramm.) Wie die „Daily News" aus London mitteileu, hat die englische Regierung eine Untersuchung über die Lage der unbeschäftigten englischen Eisen­bahner angestellt, die bereit seien, in den zer­störten Gebieten Nordftankretchs Arbeit anzunch- mcn. Rach dem selben Blatte sollen die Arbeits­losen aber in Wirklichkeit für das Ruhrge- biet gewünscht werden. ES wird ferner be- hauptet, datz einigen Arbeitslosen, die sich wei- gerte«, nach dem Ruhrgebiet zu gehen, die Ar- beitslose«unterstützung entzogen worden sei. — I« einer Versammlung französischer Eisenbahner in der Nähe von Esten wurde von fast allen Redner« betont, die französische Regierung habe die Eisenbahner ausdrücklich zu dem Zwecke eingeholt, die druffchen Eisenbahner zu unterstützen. Die seien daher sehr überrascht gewesen, als sie nun dazu mißbraucht wurden, deutsche Eisenbahner aus der Arbeit zu dränge«.

gnferttonSpretfe-.a) SinbetmKd)« Auftrage; Die einspaltige Lnreigenzelle IS0 Mark, Kamt, liennachrtchten, dir Seth 140 Mark die einspaltige Reklameteile 600 Mark b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige «nzeigenzeile IM Mark, die einspaltige Rellamezelle 608 Marl, alle« ein. schließlich Teuerung»;«,chlag inrb Anzekgeufteuer. Mr Anzeigen mkt besonder« schwierigem Satz hundert Prozent Aufschlag Air die Richttgkelt aller durch Fernsprecher ouigegebenen Akt • zeigen, lorote für Allftlahmedate» und Platze kann eine Gewähr nicht übernommen werden Druckerei: SchlachlhOlÜraße 2N/30. «eschaftSttelle: Kölnische Straße 5. Telephan «r. »1 und «52

Unter der fremden Knute.

Verhaftungen und Mitzhoadluuse«.

(Eigener Trabtbericht.)

Düsteldvrf, 1 März.

Aus dem Badischen wird gemeldet: Der Bürgermeister von Offenburg, Tr. Haller, wurde gestern von den Franzosen v e r - haftet. Bürgermeister Dr. Bührer war für nachmittags vor den französischen Befehlshaber geladen. Gendarmerie-Wachtmeister

DurchHakten im Abwehttampf. Eine Antwort im voraus auf etwaige deutsche AnnäHerungs- versuche gibt bereits ein Pariser Telegramm, worin es heißt: .Insbesondere haben sich zahl­reiche französische Deputierte der Linken von der Notwendigkeit (I) der Opera­tionen im Ruhrgebiet überzeugen lassen. Die Regierung PoincarSs habe es sehr gut ver­standen, auch dem Ruhrabenteuer ein uneigen­nütziges Mäntelchen umzuhängen, indem sie er­klärte, datz der Sieg an der Ruhr die Macht des Alldeutschtums brechen und der deutschen Demo­kratie zum Siege verhelfen werde.* — Auf sol­chen Schwindel ist Deutschland schon einmal hereingefallen! Man sollte meinen, die Folgen seien zu bitter, als datz sich irgend eine Pattei wieder auf den Leim locken lietze. K. F. D.

Der Rhein, das ist das deutsche Land. Man sagt, der Strom sei einmal ein Meer ge­wesen, damals, als sich noch jenes ungeheure Ge birge durch Deutschland zog, dessen abgetragener Retz heute das Schiefergebirge ist. So wäre deutsches Land aus denr Rhein emporgetaucht, und die Liebe dieses Landes zu dies.-m Strom hätte inen schönen Sinn. Der Rhein sieht aus der Ratte aus wie ein Baum, die Quellflüsse sind seine Wurzeln, die Nebenflüsse feine Aeste. Es ist etwas Lebendiges, eine Lebens­einheit in diesem weit durch das Land verästel­ten Gebilde. Aber unter der Einheit herrscht die Mannigfalttgkett; es ist köstlich, toi« AlfonS Paquer in seinen Reiseschilderungen »Der Rhein, eine Reise" das Tausendfache der Formen schil- dett: .Erst ein schmales Band, tief eingegraben in die Felsen; ein Fluß als Oberrhein! von Sttaßbrrrg ab trägt der Mittelrhcin die Bürde, die der Mensch ihm gibt in breiter Schiffbarkeit". Und dort beginnen auch an den Ufern die Lagett Häuser, die Silos, die Dampfmühlen, die Reihen durchsichtiger Krangerüste, die Kais und die sen. Da ist jede deutsche Landschaft: der Bodensee mit der großen Aussicht auf vle Atpen. die fruchtbarste Ebene, wie ein langer Gatten zwischen den Waldketten der Vogesen und des Schwarzwäldes; der Rheingau zwischen Main, und Bingen, dort wo die langgezogenen Inseln den Fluß in viele Sikberflüfse teilen; der Fel­sengraben mit den Weinbergen; der landschaft­liche Wohlklang des Siebengebirges, und dann Niederdeutschland, in dem die breiten Wiesen- .'denen wechseln mit den Schlote« und Essen.

Der Rhein, das ist deutsche Zeit. Wie er als silbernes Band durch all di« Teile deut- frfwr Landschaft fließt und durch sein Fflietzen die­ses Land zum Rheinland und in einem höheren Sinn zu Deutschland zusammenfatzt, so rauscht er auch als der deutsch« Rhein durch all die Men­schenalter und in ihm spiegelt sich nicht nur tausendfaches Geschehen, sondern er war es, um den dies aller geschah und der das Bewußtsein gab, daß im Gnirrde nur ein einziges geschah, die deutsch- Zeit. Uralter Rhein! Grün wie in Pa. tina schimmernde Kett«, die den Beginn unserer Gefchite an die römische Geschichte schließt! Aus den Keltendörfern wurden die römi» schen Lager. Sie hatten Jahrhunderte Zeit, zu verfallen, denn di« Kaiserpfalzen entstanden fern von ihnen, nnd es dauerte lange, bis Bischofssitze und Märkte wieder die alten Stätten auffnchten. — Aus dem bedrückten Leben der kleinen Städte und aus dem Getöse der großen wuchsen die Türme und Bogen der ältesten Kirchen wie eine Saat steinerner Lei­ber auf und überdauern die erschreckend wechsel' volle rheinische Geschichte*. Der Rhein bringt das Erbe der römischen Geschichte in die deutschen Jahrhunderte hinein. Am Rhein auf den Trüm* mein der römischen Paläste und Festungen ler­nen die Deutschen Kirchen bauen.-

Aber am Rhein bauten sie nicht nut Kirchen, sie bauten auch Städte und Fürstentü­mer und wölbten darüber das Reich. Am Rhein war immer die Zuflucht des Reichsge- dankenS, ans dem Rhein schien immer die Kai­serkrone ,u schimmern. Nicht wie die Franzosen und nicht wie die Engländer bauten die Deut­schen das Reich, nicht auf einen flobigen Pfieler der Köni^macht; wie ein Gewölbe der hohen Dome am Rhein war eS gehalten von tausend Säulen und Säulchen, den Städten und Bistü­mern, Grafen und Fürsten. Das Gesetz aber, das es hielt und vor dem Sturze bewahrt«, war nicht das Schwert und nicht di? Macht, sondern nur die Treue. Und als am Rhein die Treue gebrochen wurde versank das Reich. ES gibt kein Symbol, das die deutschen Jahrhunderte besser zusammenfaßte, als der Rhein. So viel Weitz die Seine nicht van Frankreich, und soviel nicht die Themse von England, wie dieser Strom von Deutschland.

Der Rhein das ist die deutsche Arbeit. Hier wurde Deutschland zur I nd u st r i e. lieber die Romantik lagerte stch eine neue Schicht, und nun werden die Zinnen der Mattsburg über­ragt von den Essen, nun schiebt sich an den Rhein die hchnmernde Werkstätte von Rheinland-West­falen. Die größten Binnenhäfen der Wetz wurden am Rhein gehaut, und es gibt keinen an­deren Strom, der so zur Pulsader einer Bttks- wittschaft geworden wäre Und nach ist seine Aufgabe nicht erfüllt. Der Rhein als Fluß fließt von Süden nach Norden, die Aerkehrsttchtung des Rheines geht von Nord nach Süd: Tie Kohl« aus dem Ruhrgebiet. die Baumwolle und Jute

Die falte Schulter,

»eine Gegenliebe im Ausland.

Es gibt in England den Ausdruck »Jemau- dom die kalte Schulter zeigen", das heitzl: man verhält s«h kühl, sieht ihn abweisend über die ^Schulter an. Da es bei uns immer noch Leute gibt, die auf ein Eingreist« des Auslandes in der Ruhrfrage zugunsten Deutschlands hoffen, haben sie noch in der letzten Zeit erfahren müs­sen, daß solche Hoffnung trügettsch ist. Noch ehe die deutsche Regierung irgendwo um Vermitt­lung gebeten hat, winft man überall ab, Wenn mal ein Polittker oder Journalist dieserhalb einen Fühler ausstreckt. Die Reichsregierung bat erklärt, daß sie nicht eher zu einer Verhand­lung bereit sei, bis die Franzosen die neu besetz­ten Gebitte geräumt haben. Das kann unter Umstände« allerdings lange dauern, aber der

Der Kampf gegen die Dresse.

Koblenz, 1. März. (Pttvattttegramm.) Das französtschc Militärgettcht verurteilte den Schriftleiter des sozialistischen Blattes „Rheinische Warte" Pickard »ege« einer Ab- hmrdlung „Drei Tage aus dem Index", die sich gegen das Vertat des genannten Blattes wandte, «nd Einspruch gegen die Maßnahme erhob, z« einem Monat Gefängnis «nd 50000 Matt Geldstrafe. Der Schriftleiter der „Rheini­schen Rundschau", Paule, wurde zu 50 000 Mark Geldstrafe vernrteitt, weil er eine War­nung, di« von den Franzose« gefahrenen Züge zu benu^n, »eröffeuüicht hatte.

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Frankreich lehnt energisch ab.

Es duldet keine Eiumifchuug.

(Eigene Drahttnelduna.l

Patts, 1. März.

Der „Temps" schreibt: Die Gerüchte über eine amerftarrische Einmischung werden durch keine verbürgten Nachttchten aus Washington bestätigt. Es hietze dem Präsidenten Harding «nd dem Staatssekretär Hughes Unrecht tun, wenn man sic für fähig hielte, die Verbündete« Deutschlands gegen Frankreich zu werden. Man erinnert sich, datz dir sranzösische Regierung durch­aus entschlossen ist, keinerlei Ver­mittlung irgend welcher Att anzunehmen. Falls ein deutsches Kabinett Vorschläge ,zu machen haben wird, wird es sie offiziell und in schriftlicher Form der französischen und belgischen Regierung und natürlich, wenn es will, auch den anderen Verbündeten mitzutttlen haben. Diese Notwendigkeit ist in Berlin genau bekannt. Warum verbreitet man trotzdem phantastisch« Meldungen wie die von gestern? — Aehnlich wie in diesem Artikel wird von amtlicher Stelle zu den angeblichen amerikanischen Jnterventions- absichten erklärt, daß es sich um unbestätigte Ge­rüchte handle, die keinen Glaube« verdienen. Die amerikanische Regierung habe dmwn Kennt­nis genommen, datz man in Frankreich eine der- artige Vermittlung nicht anuehmen würde.

Handlung mit Frankreich würde doch nur darauf hinauslaufen, daß Frankreich vor allem die völlige Kapitulation Deutschlands fordert, tote Poincarö sagte. Tas würde aber nichts anderes bedeuten, als daß wir uns voll­kommen geschlagen und gedemütigt erklären und alles bedingungslos unterschreiben, was Frankreich diktiert. Daß wir darauf nicht eingehen können, muß Jeder einsehen, der noch einen Funken Vaterlandsliebe in sich trägt. Ta uns die Ruhrbevölkerung ein so herrliches Bei­spiel gibt, wie man gegen die schamlose Unter­drückung standhält, fällt es auch dem ganzen Volke leicht, den Widerstand zu statten und die Regierung in ihrem Festbleiberl zu unterstützen.

Selbst die Sozialdemokratie, die dem Aus­lände gegenüber leicht geneigt ist, nachzugeben, ist heute der Meinung, datz es auf deutscher Seite diesmal kerne Nachgiebigkeit geben darf. Frank­reich muß doch zu der Erkenntnis kommen, daß durch Gewalttaten keine wirtschaftli­chen Gewinne zu erzielen sind und daß bei einem gequälten Volke, in dem durch die Tzran- nel tödlicher Haß genährt wird, keine poli- ttschenErobernngen zu machen sind. Der wahnsinnige Versuch, ein kulturell höher sieben­des Voll zu knechten, kann am allerwenigsten den Franzosen gelingen. Hat diese Einsicht erst einmal in Frankreich' Matz gegriffen, dann ha­ben wir gewonnen. Vorläusig sind wir davon noch wett entfernt, wie das Verhalten aller Al­liierten erkennen läßt. Wenn ein Deutscher kommt, zeigen sie ihm die kalte Schulter. Der unabhängige sozialistische Abgeordntte Dr. Breft- scheid war in England, nm mit dortigen Arbeiterführern die deutsche Notlage zu bespre­chen. Er ist aber krassem Unverstand be­gegnet, so daß er unverrichteter Dinge nach Deutschland zurückkam und erklärte, von drüben fei keine Hilfe zu erwarten.

Deutsche Unabhängige und Kommunisten ha­ben stch auch an ihre französischen Genossen ge­wandt, obwohl sie bort schon oft vergebens an- geklopst haben. Auf internationalen Tagungen unb in der Presse der ftanzösischen Sinken hött «nd Lest man zwar schöne Worte von Verbrü­derung und Bölkerftieden. Wenn es aber baraitf ankomntt, etwas für dieses Ideal zu tun, stellt sich heraus, daß ihre zur Schau getragene Ent­rüstung über den französischen Militattsmus und ihre internattonale Begeisterung eitel Schaumscklägerei sind. Ml ihren Kommunisten machen die Franzosen übrigens kurzen Prozeß, wie der Fall Cachin zeigt, den sie ins Gefängnis steckten, weil er gegen den Ruhrttnbruch agitier­te. Die französischen Sozialisten haben sich schon immer in militättschen Fragen als ttnsttttg er­wiesen. Wenngleich sie nach ihrem Programm den Mkitarismus .bekämpfen*, so sind fit doch insgeheim ganz bannt einverstanden, datz das französischeSeerso stark ist, W Deutschlandbeherrschen z« können. In ihrem Herzen strtt zuerst die „granbe naiion* unb zuletzt die .Internationale*. Dabei be­mühen sie sich oder, in den Herzen ihrer deut­schen Genossen zuerst die Internationale einzu- prägen nnd das Batettandsgefühl zu Vertilgen.

Glücklicherweise herrscht in dem größten Teil der deutschen Arbeiterschaft ein gesunder Sinn >ür bett tsche Selbständigkeit und Würde. Aber schon kommen gewisse Füh­rer. die ihre Patteigrundsätze gefährdet glauben, »-nd drängen znm Verbandeln. Di« illegalen Organisationen werden wieder als die innere Gefahr hingestellt. Als ob die paar tausend Heißsporne überhaupt in der Lage wären, ernste Störungen zu verursachen, wenn die Mebrdttt des Volkes dagegen ift. Auf Abenteuer wirt sich Deutschland nicht einlassen. Aber Verbandlun- gen find, solange die Franzosen mit Södel und Pajonett im Ruhrgebitt wüten, auch zwecklos. Wie bet sozialdenuckrattsche Patteivorfitzerwe Wels in Berlin sehr ttchttg sagte, gehören zum Verhandeln immer zwei. Hat er die kalte Schulter bei Pariser Genossen auch wabrgenom- hrh? Besonders der sozialdemokratische Abge­ordntte Stampfer und der frühere Reichswitt- schasts.minister Stöbert Schmidt befürworten das