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Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 46.

Sonnabend, 24. Februar 1923

Fernsprecher 951 unv 952

13. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952

Jus-rtton rvr«tsk-.«i Stnhetmilche Auftrage: Die einspaltige Anzeigenzelle M. 100.—,gamt. ltennachrichten, die Zeile M. «0.—, die einspaltige Reklame,eile M. 400,—. b) Auswärtige Auf. träge: Die einspaltige Anzeigenzetle M, 100.—, die einspaltige Reklamezeile M. 400.—, alles ein. schließlich Teuerungszuschlag undÄnzeigensteuer. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Latz hundert Prozent Aufschlag. Für die Richtigkeit aller durch Fernsprecher aufgegebenen An. zeigen, iowle für Aufnahmedaten und Plätze kann eine Bewähr nicht übernommen werden. Druckerei: Lchlachthofstraße 2R/30. BeschäftSii-lls: Kölnische Straße 5. Telephon Nr. 951 und 952

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Deutsche Gegenmaßnahmen im Westen.

Die (Soldanleihe.

Devisenpolitik der Reichsregierung.

Wie wir durch unsere Berliner Handelsbe­richt- bereits milteilten, ist der Goldanleiheplan seiner Ausführung nahe. Damit ist der erste -schritt zur Schaffung wertbeständiger Anleihen, wie überhaupt wertbeständiger Papiere, getan. Die Reichsregierung hat sich mit den Vertretern der Banken über die Ausgabe einer innerdeutschen Anleihe von zweihnn- dert Millionen Goldmark verständigt. Wir haben es also mit einer seit dem Kriegsende zum erstenmal eingerichteten inneren Goldan­leihe zu tun, wie sie schon viel eher hätte geschaf­fen werden müssen. Ader bisher scheiterte jeder Versuch daran, daß unsere früheren Regierungen kein so allgemeines Vertrauen genoß wie die jetzige.. Der Grund war der, daß die Regie­rung, solange sie durch die Erfüllungspolitik den Alliierten ausgeliefert war, keine Garantie für eine Anleihe hätte geben können. Die jetzige Maßnahme ist die erste Etapipe zur Praktischen Verwirklichung der Theorien über die Mark­st a b i l i s i e r u n g. Bei jeder neuen Markend wertung müssen wir beobachten, daß immer mehr Bevölkerungskreise eine Jagd nach Waren oder Devisen veranstalten. Damit in Verbin­dung steht die Fluchr vor der Mark ins Reich der Effekten mit all den Rückwirkungen, die wir gerade jetzt wieder an der Börse erlebt Haden. Run gibt es aber auch große Volksschichten, die keines dieser drei Fluchtmittel ergreifen können, denen bislang der Weg zur Sicherung ihrer Ka­pitalien, die ohnehin durch die wittschaftlichen ^"f-7,se-isgen zerrüttet, und ze-rifs-» sind, derbe Ur war. So ist man zur Verwirklichung des Ge­dankens der Schaffung einer inneren Goldan­leihe gekommen und zwar so, daß die Gold­mark die Basis wird und Valutacharakter erhält.

Die Notwendigkeiten einer solchen geplanten Reichsgoldanleihe sind an dieser Stelle ebenfalls schon mehrfach gekennzeichnet worden. Die Ab­machungen zwischen der Reichsregierung und den Banken bewegen sich auch im Rahmen dieser Er­fordernisse. Danach wird ein Banken-Konsor- tium einen Bettag von fünfzig Millionen Dol­lar in Schatzanweisungen mit dreiiähri- der Laufzeit auslegen. Die Reichshank garantiert diese auf den Inhaber lautenden Anweisungen. Die Einzahlungen sollen erfolgen in Devisen oder in Gold oder, nach dem jeweiligen Devi­senkurs umgerechnet, in Paviermark. Das ge­ringste Stück ist ein Dollar. Das Banken- lonsottium übernimmt von vornherein die Hälfte der Anleihe fest, während die übrig; Hälfte in Kommission gegeben wird. Die Ga­rantie der Reichsbank für den vorgesehenen Betrag iM absolut geschaffen. Der Goldschatz von etwa" iner Milliarde Goldmark und der De­visen besitz der Reichsbank geben dem Papier eine unbedingte Sicherheit. Sehr wichtig ist die Be­stimmung, daß die Stücke 6ei den Darlehnskassen beliehen werden können. Das wird die Gold­anleihe ganz besonders begehrt machen. Kraft dieser Bestimmung sind sie in Wahrheit mehr als Devisenersatz. Denn nach den neuen Kredit- bestimmnngen der Reichsbank, die sehr streng durchgeführt werden, dürfen Devisen überhaupt nicht mehr zur Grundlage »er Gewährung von Krediten genommen werden, während aber diese neuere innere Valuta-Anleihe Beleihungs-Cha­rakter erhält.

Durch die Sicherheitsbessimmnngen wird fer­ner erzielt, daß die auch jetzt noch vielfach fest- gehaltenen Devisenbestände allmählich zum Ver­kauf kommen müssen, denn die Zurückhaltunq von Devisen hat dann, wenn ein anderes bisher fch- lendcs wertbeständiges Mittel zur Sicherung der Substanz geschaffen ist, gar keinen Sinn mehr. So sehen wir, daß die ganze Aktion in engster Verbindung mit der Devisenpolitik der Reichs­regieruna steht, über deren Ziel und innere Kraft wir in den letzten Tagen ja ofsensichtltche Beweise erhalten haben. Wie sehr die maßge­benden Kreise von der guten Wirkung der An­leihe überzeugt sind, aeht schon daraus hervor, daß sie ir. nur zwei Sitzungen der Vertteter der Reichsregierung mit den Großbank-Vertretern geschaffen wurde. Man muß sich vor Augen füh­ren, daß diese Neuerung nur ein Teil der R e- gierungspolttik, namentlich in dem jetzi­gen A b w e h r k a m p f ist. Der Einfluß auf dem Devisenmarkt macht sich schon jetzt gelten». Die Börse bewahrt im Devisengeschäft eine vor­sichtige Zurückhaltung. Wenn die berufsmäßige Spekulation auch nicht der Meinung ist, daß ein derartiges Papier dauernd den Kursstand der Devisen beeinflußen kann, so gibt es anderer­seits auch keinen Zweifel darüber, daß die Be­einflussung doch recht erheblich werden kann. Man nmß diese ganze Aktion auch als einen Teil der Markstabilisierung und »es großen Finanzprogramms ansehen. In gleicher Wei'e wie die Banken jetzt eine Garantie auf der Goldmarkbasis übernommen haben, wird auch die Industrie derartige Bürgschaften über­nehmen müssen, wenn ein wirklicher Erfolg er­

reicht werden soll. Die Verhandlungen sind ein­geleitet. Damit wird der Gedanke der Kredit- aftion der Industrie auf eine neue Grundlage gestellt. Voraussetzung ist bei alledem natürlich, daß die Reichsregierung dauernd in der Lage ist, den Wert der Goldanleihe zu garantieren, -ss-

Deusiche Gegenmaßnahmen. Feindliche Verordnungen werden nicht bxfolgt.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 23. Februar.

Amtlich wird folgender Erlaß der Reichsregie­rung mitgeteilt: Die i n t e r a l l i i e r t e Rhein­landkommission und die Besetzungsbehörde ha­ben ein ganzes System von Verordnungen erlassen, die das deutsche Wirtschastslcben im be­setzten Gebiet und im Einbruchsgebiet erdrosseln, dazu gleichzeitig Zahlungen erpressen. Alle diese Verordnungen sind heute rechts­widrig und rechtsungültig. Ihre Be­folgung ist verboten! Wer sich den Verordnungen unterwirft, macht sich zum Helfer der gegnerischen Gewaltpolitik. Jede Zoll- und Steuerzahlung, jede Devise, jede Ausfuhrabgabe, die den Kassen der interalliierten Organe zu­fließt, jeder Antrag, der bei der französischen Be­hörde auf Grund ihrer Verordnungen gestellt wird, bedeutet ein Verbrechen am deutschen Va­terland. Wer von den Gegnern beschlagnahmte Waren an sich bringt, erwirbt fein Eigentum, er wird bestraft und hat außerdem dem rechtmäßi­gen Eigentümer Schadenersatz in voller Höhe w leisten. Wer mit den gegnerischen Behörden und Stellen in Verbindung tritt, liefert dem Gegner Material für Hanvelsspionage in die Hand. Eine solche Tat ist Landesverrat. Die Reichsregierung verbietet daher aus­drücklich jede Befolgung dieser Verordnungen.

Ardelter-Vrotest gegen Mißhandlungen.

Berlin, 23. Februar. (Privattelegramm.) Der Verband der Bergarbeiter Deutschlands, der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutsch­lands, die polnische Bürovereinigung, Abteilung Bergarbeiter, und der Kewerkschaftsverein Hirsch-Dunker, Abteilung Bergarbeiter, richten an die Arbeiter det ganzen Welt einen Auf­ruf, in dem unter Anführung von Beispielen gegen die Mißhandlungen int besetzten Gebiet Protest erhoben wird.

Verwendung der Nuhrhilfe.

Essen, 23. Februar. (Privattelegramm.) Da vom Verwaltungsausschuß noch nickt ausreickien- be Lebensmittel ins besetzte Gebiet über­wiesen find, wird mit allen Mitteln darauf ge­drungen werden, daß die Spenden des Volksopfers verteilt werden. Die Han­delskammer Essen ist dieserhalb beim Minister Hirtsiefer vorstellig geworden, sodaß bestimmt zu hoffen ist, daß durch diesen Schritt die Mittel des Opfers flüssig werden. Die Volkskü­chen der Stadt Essen sollen erhalten und aus­gestaltet werden. Reue werden nicht gebaut.

Englische Arbetterbefuche.

Raubpläne gegen «ufere Bergwerke.

(Eigene Drahtmelduna.)

London, 23. Februar.

Mitglieder der englischen Arbeiterpartei, die das Ruhrgebiet bereist hatten, sind nach London zurückgekehrt unb erstatteten ihren Be­richt, in dem es heißt, daß die Stimmung sehr er- bittet! fei. Die Deutschen seien entschlossen, den Besatzunqstruppen arnf-e Verlegenheiten zu be­reiten. Die Franzosen seien sehr nervös. Die deutschen Bergarbeiter glaubten fest an die Nie­derlage Frankreichs. Die Mitglieder der Arbei­terpartei sckllugen eine Jnternationali- sierung der deutschen Bergwerkes?) durch Frankreich, England, Italien, Belgien und Deutschland vor. Die Verwaltung der Berg­werke könnte von einem internationalen Direk­torium besorgt werden. Die Kohlen würden auf den bisherigen Märkten weiter verkauft werden. In gleicher Weise würden die Dividenden ver­teilt werden. Frankreich müsse unter inter­alliierter Kontrolle zu seiner nationalen Sicherheit (?) gelangen. England seiner­seits sucht Schutz gegen die Weltkonkur- re n z, der es ausgesetzt fein würde, wenn es zu einer Vereinigung des lothringischen Erzes mtt der Ruhrkohle kommen würde.

Neue Taten der Franzosen.

Morde und Gewalttaten.

(Eigene Drabtmrldung.)

Bochum, 23. Februar.

Gestern besetzten die Franzosen in Bochum wieder das Land- und Amtsgericht. Ein Mäd­chen, das an dem Posten, der vor dem Landge­

richt ausgestellt ist, zu nahe vorüberging, wurde von diesem mit dem Gewehrkolben in rohe­ster Weise zurückgestotzeu. Aus der Menge erschol­len Pfuirufe. Hierauf schossen die Posten in die Menge wobei ein Arbeiter getötet und zwei verwundet wurden. Die eine der verwundeten Zivilpersonen ist aus Straßburg gebürtig, also ein Elsässer. — In Oberhau­sen wurde in der vorvergangenen Rächt der Polizeiwachtmeister Luehrt, der vor dem Bahnhof Oberhausen Polizeiposten stzind, von den Franzosen ohne Grund erschos­sen. Der Polizeiwachtmeister Sappi wurde schwer verletzt und darauf von den Franzosen festgenommen. — Vorgestern ereignete sich auf dem Bahnhof Höchst-Ries eine neue Bluttat der Franzosen. Die angekommenen Rei­senden wollten fich vom Bahnsteig begeben, wobei fich vor ihnen ein Marokkaner befand. Als der erste der Reisenden, ein mehr als sechzig Jahre alter Manu, an dem Soldaten vorbei- grhen wollte, hieb jener dem alten Mann mit dem Gewehrkolben über den Kopf, so da: er blutüberströmt zusammenbrach und die Böschung herunterrollte. Andere Reifende leiste­ten dem schwerverletzten Manne erste Hilfe.

Unter den Wilden.

Täglich Verhaftungen im Ruhrgebiet.

(Eigener Druhtberickt.)

Dortmund, 23. Februar.

In Gelsenkirchen ist ein Gastwirt, der fich geweigert hatte, an französische Soldaten Spiri- tttosen zu verkaufen, und der Sekretär Kör­ner, bei dem Flugblätter gefunden worden wa­ren, verhaftet und abgeführt worden. An­stelle des 75-jährigen Bahnhofsgastwirtes, der wegen Verkaufsverweigerung verhaftet werden sollte, haben fich dessen beide Söhne der Besat- zungsbehörde zur Verfügung gestellt. Sie wur­den in Hast genommen. — In Wetter ist der Bürgermeister, weil er sich weigerte, den französischen Oberkommandanten zu empfangen, verhaftet worden. — In B r a k e l wurden mehrfach Personen, die angeblich keinen ord­nungsmäßigen Ausweis hatten, für einige Stunden festgehalten. Zwei jugendliche Arbeiter, die fich der P a ß k o n t r o l l e zu entziehen ver- üchten, wurden erfolglos beschossen und dann verhaftet. Weiter wurde ein Kriminal­beamter und ein Arbeiter, bei dem ein Dolchmesser gefunden wurde, in Brakel ver - haftet — 3« Waltrop wurde eine Etage des alten Amtshauses für Bürozwccke beschlagnahmt. In Vorhalle wurde ein Goldtransport der Reichsbank festgehalten, dann wieder freigelaffen.

Räuberei auf Bahnhöfen.

Bochum, 23. Februar. (Privattelegramm.) Die Berkehrslage ist unverändert. Truppen- zufammenziehungen in Bochum und in Wanne lassen die Vermutuna zu, daß gegen die dortigen Bahnhöfe neue Ueberfälle ge­plant werden. — Die Besetzung der Eisenbahn- ttecke Weitmar-Bochum stellt fick jetzt als ge­meiner R a u b z u g heraus. Die Franzosen find mit einer Beute von 28 Lokomotiven, 100 mit Kohlen beladenen Wagen, einigen leeren Güter­wagen, einigen Personenwagen «. zwei Schlaf­wagen abgezogen. Weitmar ist inzwischen wie­der geräumt worden. — Rach einer Meldung aus Amiens gehen von dort aus am kommenden Freitag 73 französische Eisenbahner zur Ruhr.

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Dom Kriegsgericht verurteilt.

Herne, 23. Februar. (Privattelegramm.) Der Bürgermeister von Herne, Dr. Süd­kamp, und der Stadtinspektor Henstcrt ind von dem Kriegsgericht in Recklinghausen verurteilt worden und zwar beide zu je sechs Monaten Gefängnis und je 100 000 Mark Geldstrafe. Sie hatten sich geweigert, die be­kannten französischen Befehle zu befolgen.

Drrbvtt und Ausweisungen.

Essen, 23. Februar. (Privattelegramm.) Die „Hemer Zeitung" und der „Hemer Anzei­ger" sind auf acht Tage verboten worden, weil sie sich weigerten, französische Berordnun- iwn aufzunehmen. Die Redakteure beider Zeitungen sind verhaftet worden. — Gene­ral Degoutte hat einen Befehl erlassen, durch den für deutsche Personen über 15 Jahre ein Per­sonalausweis vorgeschrieben wird. — In Bochum wurde gestern der Postdirektor Winter von dem Kommandanten der schwar­zen Truppen verhaftet. Das Postamt wurde durch die schwarzen Trnppen umstellt, der Ver­haftete von Regern nach Bredeneh gebracht.

Zwangs-Lklstungen. Zahlung und Lieferung <m die Feinde.

Die nackiNehnde Aufstellung gibt ein deutliches Bild davon, was ®eutfd)lanb bisher ivo« 11. November 1918 bi« 30. September 1922) an die Feinde hat zahlen und liefern mAffen- Ueber die H ö h e der finanziellen und sachli­chen Leistungen Deutschlands durch Ausführung des Friedensvertrages bestehen vielfach sehr un-> klare Vorstellungen, im Inland sowohl wie im Ausland. Es ist bekannt, wie in den alliierten Ländern, deren Regierungen ihre Macht- und wirtschaftspolitischen Ziele hinter „absichtlichen Verfehlungen" Deutschlands in der Reparations­frage zu verstecken suchen, die Legende Verbrei­tung und Glauben findet, Deutschland habe seit Kriegsende wenig oder so gut wie nichts gelei­stet. Eine lügnerische und hetzerische Propaganda beutet diese Legende neuer­dings in der skrupellosesten Weise aus, und es ist deshalb von Wett, gerade in diesem Augen­blick einmal eine Zusammenstellung zu bringen, die einen genauen Ueberblick über die tat­sächliche Höhe der deutschen Leistungen und Lieferungen jeglicher Att gemäß dem Friedens­vertrag, seinen Vorvetträgen und zusätzlichen Abkommen für die Zeit vom 11. November 1918 bis 30. September 1922 gewährt. Es sollen da­bei in runden Ziffern nur die wesentlichen Leistungen wiedergegeben werden. Aber gerade sie geben, aneinandergereiht, eine Anschauung von den riesigen Summen, die der deutschen Volkswirtschaft für Rcparationszwecke entzogen sind. Ist dem angegebenen Zeitraum Hal

Deutschland Folgendes geleistet:

Reichs- und Staatseigentum in den abgetreten nen Gebieten (einschl. Oberschlesien) rund 5,6 Goldmilliarden, Saargruben rund 1 Goldmil­liarde, nichttnilitärische Rücklaßgüter l Westfront) rund 1,9 Goldmilliarden, rollendes Eisenbahn- material und Rheinbrücken rund 2,8 Goldmil­liarden, Seeschiffe und Binnenschiffe rund 6 Goldmilliarden. Kohlen und Koks (Weltmarkt- preis) rund 2,3 Goldmilliarden, liquidiertes deutsches Eigentum im Ausland rnnd 11,7 Gold­milliarden. abgetretene Forderungen des Deut­schen Reiches an seine ehemaligen Kriegsverbün­deten rund 8,6 Koldmilliarden, Barzahlungen einschl. Ausgleichszahlungen rnnd 2,7 Goldmil­liarden, sonstige Leistungen und Sieferunaen jeglicher Art rund 3,5 Goldmilliarden. Deutsch­lands Gesamtleistungen sind also rund 45,6 Gold Milliarden. — Zu diesen Liefern»-, gen und Leistungen kommen in Ausführung des Friedensvertrages noch folgende deutsche Ver­luste hinzu: abgeliefette Kriegsschiffe (ansschl. der bei Scaoa Flow versenkten Schiffe) rund 1.1 Goldmilliarden, sonstige militättsche Abrüstung' rund 6,3 Goldmilliarden, industrielle Abrüstung rund 2.7 Goldmilliarden, innere Ausgaben rnnd 05 Goldmüarden: rnnd 10,9 Goldmilliarden. — Mit Einschluß dieser Ausgaben ergibt sich als Gesamtsumme der deuffchen

Leistungen und staatlichen Verluste ein Betrag von 56,5 Milliarden Gold­mark (in Papier umgerechnet, bei einem Dol­larstand von 20000, ein Betrag von 282)4 Bil­lionen Mark), wobei es noch der Feststellung be­darf, daß in diese Summe der Wert von El- aß-Lothringen (von amerikanischer Seite auf mehr als 20 Milliarden Goldfrancs ge- chatzt) sowie der Wert der Deutschland entrisse- nen Kolonien nicht eingerechnet ist. Unter Hinzurechnung dieser Werte erhöht sich die G«e amtleistung Deutschlands

auf Aber 100 Milliarden Goldmark.

Angesichts dieser ungeheueren Leistungen, wie te noch kein Volk jemals in der Geschichte auf­gebracht hat. haben Frankreich und Belgien den „Mut" gehabt, infolge der verschwindend ae- ttngen Fehlmenge an Holz und Kohle von „ab* ichtlichen Verfehlungen" Deutschlands zu reden, wegen dieser angeblichen Versthlimgen den Ein­bruch ins Ruhrgebitt zu unternehmen und beut» ches Land im Frieden zu besetzen!

Sine Gachwerte-Schenkunyssteuer.

Bei Gescksiistsgründung oder Umwandlung.

Syndikus Fr. Hoch, Barmen, schreibt uns über Steuerfragen: Rach einem jetzt bekannt ge­wordenen Urteil des Reichsfinangbofes (13. De­zember 1922) ist die Entscheidung gefällt worden, daß bei Sachgründungen, mit gleichzett'- ger Einbringung, wenn alle Gesellstbaftek die Sachwette in gleichem Verhältnisse ein­bringen, keine Schenkungssteuer in kommt. Bringen die Gesellschafter hingegen u,,e Sachwette zu den verschieden st en Anieuen ein, so liegt hier nach der Entscheidung eine Schenkung an die anderen Gesellschafter vor. Wird hingegen nach der Gründung ein Gegen­stand oder Geschäft übernommen, insbesondere bei einer „verschleierten Sachgründung", so kann eine Schenkung an die Gesellschaft in Frage kom-