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Hessische Abendzeitung

Nummer 44.

Fernsprecher 951 und 952

Donnerstag, 22. Februar 1923.

Fernsprecher 951 und 953

13. Jahrgang

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Leichen des französischen Mißerfolgs

weiß nicht, wie weit diese Organisation geht, aber sie ist unbedingt eine Gefahr und würde sich zu einer noch größeren auswachsen, wenn nicht wieder ein polizeilicher, von deutscher Seite kom­mandierter Schutz ausgestellt wird.

London, 21. Februar.

In Besprechung der Unterhaussttzung schrei­ben die „Times", daß man heute noch nicht wisse, welches die Ziele Frankreichs an der Ruhr seien. Frankreich habe offiziell diese Spedition unternommen, nm Reparationen zu bekommen. Tatsächlich aber sei Frankreich in die Ruhr eingerückt, um seine Sicherheit zu befesti­gen. Die Lösung des Ruhrkonfliktes müßte darum nach dieser Seite hin versucht werden. Die Hoffnung, Frankreich durch den Völkerbund die nötige Sicherheit gegen einen eventuel­len deutschen Angriff (?) zu geben, dürfe auch heute noch nicht aufgegeben werden. (!) Die „Morningpost" freut sich darüber, daß der Zn- sotzantrag der Liberalen abxewiesen wurde. Es wäre für Frankreich höchst peinlich, eine Inter­vention d«S Völkerbundes anzunehmen, der wohl einen Beschluss fassen könnte, aber nicht d i e M i t t e l und die Macht hätte, um diesen Beschluß zur Durchführung zu bringen. Die Ab­stimmung im Unterhause beweise, daß England eine Regierung habe, die. wenn sie auch nicht zur Seite Frankreichs sich hält, es doch ablehne, Frankreich einen Dolchstoß in den Rücken zu ge­ben, (!) wie es Lloyd George vorschlug.

Auch Brritschrid hofft nicht mehr.

tag sich freiwillig zu Reparationsver- Pflichtungen bekennen, die Industriellen sollen erklären, daß sie ihren »vollen Anteil au den Reparationen" tragen wollen, Deutschland soll freiwillig Zahlungsangebote machen. Eng­land bekennt sich also hier wieder zu dem Standpunkt, daß Deutschland zahlen muffe. Wenn eS auch beabsichtigt, Deut-ö land nur die Lasten aufzuerlegen, die es tragen kann.. Es glaubt, wenn der Zeitpunkt gekom­men ist, daß Deutschland diesen Anregungen folgt wenn Frankreich sich zu Verhandlungen mit Deutschland entschließt, Zeit zum handeln zu erhalten. Dann wird es zu vermitteln ver­suchen, daß Frankreich- das Ruhrgebiet räumt Deutschland Zahlungen übernimmt. Und der Endeffekt ist folgender: England hat ein Ge- chwst gemacht, hat die Gefahr französischer Wirt- chaftlicher Machtentfaltung im Ruhrgebiet ver­hindert und letzten Endes rettet eS noch durch sie deutschen Zahlungsverpflichtungen einen Haufen Geld so nebenbei, Ist das nicht kauf­männisch gedacht? Die englische Politik muß nur vom kaufmännischen Standpunkt beurteilt werden. Wer mehr von England erhofft, wird 'iets irren.

Soziale Fürsorge.

Für arme Rentner und KriegSSsschädigt«.

9er Stücksang der Devisen wirkt leider nicht ^pk dte P.eise eie, da man die Makbesferun« Mt®t für dauernd anfieh«. Jufrisedegen N!NS f9»iale Fürsorge tu erhöhtem Matze fortgesetzt werden. ®a4 darin von amtlicher Seite geschieht, wird in Folgendem mitgeteilt.

Der rechtswidrige Einbruch der Franzosen in den Ruhvbezirk hat zunächst in den unmittelbar betroffenen Gebieten, dann aber auch im übrigen Reich ein sprunghaftes Anwachsen der Teuerung herbeigeführt, das schwere wirtschaftliche und soziale Schäden zur Folge ha­ben müßte, käme nicht rechtzeitig Hilfe. Die Reichsregierung hat sich deshalb entschlossen, vor allem den besonders gefährdeten Schichten sofort zu Hilfe zu eilen. Sie hat gewaltige Summen - für die Kleinrenier, fiir die Sozial- rentner, 'für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen und für die Unterstützung der Rentenempfänger aus der Invaliden- und Angestelltenverficherung bereit­gestellt. Nicht weniger als zweieinhalb Milliar­den standen bis Ende Januar für die Klein- rentnerfürsor'ge zur Verfügung, von de­nen hundert Millionen vorweg dem besetzten Ge­biet zugeführt wurden. Für Februar und März wurden weitere fünf Milliarden hierfür flüfsig gemacht, wovon hundettsechzig Millionen vor­weg für das altbesetzte Gebiet und eine Milliarde für das gesamte besetzte Gebiet zur Verwendung kommen. Auch die laufenden Dezüüge der So­zialrentner wurden entsprechend erhöht. Daneben aber wurden bereits bis Ende Januar anderthalb MW suchen ^iu- Beschaffung besonders

wichtiger Nahrur-gsmiitcl und Bedarfsgegen- tande für bedürftige Sozialrentner an die Ge­meinden verteilt mit der Maßgabe, daß die Län­der und Gemeinden mindestens noch ein Fünftel des Betrages aus eigenen Mitteln neun Zehnteln dieser vom Reich gewährten Gelder hinzufügen michten. Run ein Zehntel der anderthalb Mil- llarden also wurde den Ländern und Gemein­den bedingungslos gewährt. Neuerdings hat das Reich weitere anderthalb Milliarden für den genannten Zweck ausgeworfen, außerdem eine Ee Milliarde für das altbesetzte und neu- besetzte Gebiet. Der größte Teil dieser ändert- halb Milliarden ist bereits verteilt.

Für die Kriegsbeschädigten, und KriegsHinterbliebenen.Fürsorge stan- den bisher zwei Milliarden zur Verfügung. Die Geldentwertung hat eine neuerliche Erhöhung dieser Summe, und zwar auf dreieinhalb Mil­liarden, notwendig gemacht. Diese gewaltige Summe wurde den Landesregierungen bereits überwiesen. Weitere fünfhundert Millionen wur­den für die,gleichen Zwecke gesondert in das alt- und neubesetzte Gebiet übersandt. Zur Unter» tutzung gemeinnütziger Anst'alten im besetzten Gebiet, die gleichfalls vorzugsweise den Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zugute kommt, werden für Februar und März Hundertfünszig Millionen bereitgestellt. Schließ, uch ist auch noch die Unterstützungsgrenze für Empfänger von Invaliden-, Altersren­ten und Ruhegeld auf 120000 Mark, für Empfänger von Witwen- und Witwerrenten aus 108600 Mark und für Empfänger von Waisen­renten auf 60 00»! Mark jährlich erhöht worden. Diese Zahlen mögen im Verhältnis zur Geld­entwertung niedrig erscheinen. Bedenkt man je­doch, daß die Freigrenze für das Arbeitseinkom­men sich jetzt auf 120000 Mark, für sonstige Be- istge auf 36 000 Mark stellt, so wird man die Er­höhungen angemessen finden, zumal auch die Klnderwichläge nunmehr 15060 Mark betragen.

Ruch die Sätze für die Erwerbslos en- unter st ützung wurden wesentlich heraufge- rtzt- Mr die Zeit vom 15. bis zum 27. Januar haben sie sich um zwei Drittel erhöht. Von da ab erfolgt eine weitere Erhöhung auf das Doppelte ?er vor dem 15. Januar geltenden Sätze. Der ür die Erwerl'slosen-Unterstütznna festgesetzte Höchstsatz eines über einundzwanzig"Jahre alten Arbeiters in Ortsklasse A beträgt jetzt im Mo- nat 21600 Mark. Durch die Heraufsetzung er­höhen sich gleichzeitig die Förderungsbeträge der Produktiven Erwerbsloses - Fürsorge. Darüber hinaus ist der besonderen Teuerung und der ver­mehrten Not der Erwerbslosen des besetzten Ge­bietes dadurch Rechnung getragen daß die in Be- tracht kommenden Länder ermächtigt worden sind, an die Erwerbslosen des besetzten Gebietes höhere Beträge zu zahlen. Aus Mitteln der Er- werbslosenfürsorge wird ein Betrag zur Verfü­gung gestellt, der es ermöglicht, auf den Kopf des unterstützten Erwerbslosen durchschnittlich fünfundzwanzig vom Hundert mehr zu oowäh- ren als im unbesetzten Gebiet. Diese Fürsorge soll den besonders Bedürftigen unter den Er­werbslosen zugute kommen, nach Möglichkeit ins­besondere dadurch, daß ihnen Lebensmittel und andere Sachleistungen unentgeltlich oder zu be­sonders günstigen Bedingungen geliefert werden.

Ter preußische Minister für Dolkswohlsahrl bat im Anschluß an diese Reicksmaßnahmen den Rvgierungsvräsidenten des besetzten Gebietes,

Frankreichs Mißerfolg.

Rnrtsrrres Durcheinander ist geschaffen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 21. Februar.

Die Ausführungen Poincarös vor dem Kam­merausschutz (Siehe zweite Seite!) werden in hiesigen parlamentarischen Kreisen lebhaft kom­mentiert. Man ist allgemein der Ansicht, daß der französische MiusKervrLiiv"»t b«\? g«c u- nen treffenderen Beweis für den MlLerfvlg der Ruhraktion geben konnte, als durch seine Statistik über die bisherigen „Erfolge" Frank­reichs. Es ergibt sich' aus den Zahlen Poincarös klipp und klar, datz die Franzosen und Belgier bislang als einzigen und zwar negativen Erfolg buchen können: die Ausweisung von 338 höheren Beamten und die Herabdrük- kung des enormen Bahnverkehrs im Ruhrgebiet auf einen Verkehr von täglich siebzig Güterzügen, die gleichfalls auf den verstopften Strecken häufig nicht vorwärts und nicht zurück können. Vergessen hat Herr Poincar« eine Sta- tistik über die bisherigen Eisenbahnunfälle und über die Zahl der Toten, die Frankreich und Belgien dabet zu verzeichnen hatten. Die An­gabe über die erbeuteten Kohlenwagen ist stark übertrieben. Falsch ist auch die Behauptung, datz die Besatzungsbehörden neun Zehntel» der deut­schen Produktion kontrollierten. Von einer Kon­trolle der deutschen Produktion kann gar keine Rede sein, da jeder Versuch einer Kon­trolle mit Arbeftseinstellung beantwortet wird.

Unruhe im oltvesrtzten Gebiet.

Paris 21. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Gesterii hat eine weitere Besprechung über die Ruhrinvasion stattgefunden. an der auch der Oberlommissar Tirard teilnahm. Die Bespre­chung befaßte sich angeblich mit neuen bevorste­henden Ausweisungen und Sanktio­nen gegen deutsche Städte, die den Weisungen von Berlin Folge leisten. Tirarp machte weiter darauf aufmerksam, datz sich in der letzten Zeit im altbesetzten Gebiet eine gewisse Un­ruhe bemerkbar mache.

Nun könnte man glauben, England müsse aber, wenn es logisch handelte, doch dafür sorgen, dag Deutschland zahlungsfähig bliebe. Gewiß, de-Halb hat England auch die Ruhraktion ab­gelehnt. Es sagt sich aber, jetzt kann es die Dinge flch ruhig entwickeln lassen, denn auf der anderen Seite liegt für England ein größerer Gewinn, als in den Zahlungen, die Detltfchlaud an England leisten müßte. England denkt außerdem noch just wie alle Alliierten, aus Deutsaflan-d könne noch fehr viel herausgeholt werden. Es will Deutschland nichts schenken, denn .das H e r z E n g l a n d s ist bei F rank­reich, „die englischen Minister empfinden für Deutschland keine Freundschaft«. England wird solange mit Frankreich gehen, solange Frank­reich England nicht über den Kops wächst. Dann glaubt England immer noch Zeit zu haben, das politische Steuer Herumreißen zu können. Zu- erst das Geschäft! Mit Aufmerksamkeit verfolgt England die französische Politik, die daraus hinausläust, das Ruhr gebt ei zu gewinnen, um dort der starken französi­schen Militärmacht Waffen schmieden zu können. • Während des Weltkrieges war Frank­reich völlig abhängig von den militärischen Lieferungen Amerikas und Enalands. Es be­absichtigt sich durch das Rubrgebiet auf eigene Fuße zu ftellen. Das weiß England wohl. Aber England wich» niemals zulassen, Frank- reich im Ruhrgebiet festen Fuß fassen zu lassen, de- können wir sicher fein. Dadurch würde das englische Geschäft verdorben. Noch aber schade! d,e Aktion Frankreichs nicht, noch kann Eng­land Kohlen verkaufen, dieweil das Ruhrgebiet abgefperrt ist, kann Waren nach Deutschland exportieren, die fonst als Reparation von Deutschland aits dem Ruhrgebiet geleistet werden würden.

Wenn die Zeit kommt, erscheint England auf dem Plan. Wie richtig diese Annahme ist, be- wetfen and? die neuen englischen Stimmen, die sich auf ein angebliches Interview, das der Vertreter der „Sunday Times« mit Reichskanz­ler Cuno gehabt haben will (dieses Interview bat nie stattgefunden) beziehen. Sie kommen alle dem Anschein nach aus einer Quelle und nnb, wenn sie auch ein Fälschung ernst nehmen, dennoch bemerkenswert. Sie beuten nämlich an, it’te England sich die Lösung des Ko-nfliftes denkt. Deutschland soll durch den Reichs- i

Berlin, 21. Februar. (Privattelegramm.) Der sozialdemokratisch- Avoeordnete Dr. Breit­scheid, dessen Reise nach Loudon in Deutsch­land einiges Aussehen erregt hat, kehrte gestern noch Beilin eurück. Obwohl die große Mehr­heit des britischen Volkes gegen die militärische Erobernng des Ruhrgebietes und gegen die 2er- stückelnng Deutschlands ist, und obwohl beson­ders in der englischen Kaufmannschaft viele Stimmen laut werden, die eine Aenderung der knitschen Politik verfangen, ist Dr. Vreitscheld durchaus pessiMftisch und glaubt nicht, daß QÜRfant» tu den deutsch-französischen Zwist in irgend einer Weise eingreifen wird.

Wettere GewalimgHnahmen.

Die üebergrtff« dr» frauzSstsche» Truppen, (Privat-Telegramm.)

Bochum, 21. Februar.

Gestern nachmittag rückten die Franzosen mit starken Kräften in das Innere von Bochum ein und besetzten das Postamt. Die Be­amten und Angestellten wurden aufgeforbert, unter französischem Belebt weiter zu arbeiten. Als dieses abgelehnt wurde, wurden sie zum Verlassen des Postamtes gezwungen. Ter Poy- betrieb steht still, ebenso wurde der Post- und Telegraphenverkehr von den Franzosen unter- Sunden. — In Brambauer erschienen in der Küche der Speisung der Amerika-Hilfe (Quaker- speisung) französische Soldaten, um die Kes­sel bet Küche zu beschlagnahmen. Ein Hinweis daraus, daß es sich um eine amerifa. nnche Einrichtung handele und daß dir Beschlag- mwme der Kessel die Einstellung der Speisung rind damit für viele Kinder Hunger und Entbehrung bedeute, versagt-.

Jranzöflfche Schwierigkeiten.

Paris, 21. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Gestern wurden fünf Personen in Frankreich angetroffen, dir im Begriff waren, Eisen­bahnschienen der Linie Paris—Köln loS- znschrauben. Die Attentäter konnten entkommen. Es wird daraus hingewiesen, daß diese Linie re­gelmäßig von dem Zuge befahren wird, mit dem der Miniftcr Le Trocquer und die Sachverständi­gen sich nach der Ruhr zu begeben pflegen und man glaubt deshalb, datz es sich um einen poli tifchen Anschlag handelt. — Bus Saarbrücken wird berichtet: Der Aus stand der Bergleute geht ohne Zwischenfälle weiter. Gestern ist eine Reihe von Eifenbnhnzüqen im Saargebiet wegen Kohlenmangel eingestellt worden.

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<$iißland Md Frankreich.

Die jämmerliche „Neutralität".

(Eigene Drahtmeldung.)

England neutral?

Die Brite» machen ihr Geschäft.

England hat wiederholt betont, daß es an- gesichts der Ruhraktion neutral bleiben möchte toe^ c§ Deutschland indirekt unterstützen möryte, oder weil es beabsichtigt, Frankreich ferne ©(Wengfeiten zu machen, sondern lediglich der englischen Geschästspolitik ist dieser Ent- schluß entsprungen. Obwohl wir wissen, daß die Meinung m England für Deutschland ist und sich eine große Mehrheit im britischen Reich mit dem Gedanken vertraut macht, -das Bündnis Mit Frankreich aufzugeben, verfolgt die englische ■ Aegrerung eine gerade Linie in ihrer Politik, die Linie, die wir immer, auch bei dem Eintritt der Engländer in den Weltkrieg erkennen mußten.

9tng beim Weltkrieg England nicht um den Schutz der Kleinen, nicht um die Rettung Frail- reichs, wndern um die Beseitigung des Gegners, der zu mächtig zu werden drohtc und der das englische Weltgefchäft verdarb. Jetzt Horen wir, wohl nicht direkt, aber aus der Sprache der Diplomatie, daß England durchaus nichts tuen möchte, um den deutsch frauzosiichen Streit zu beenden, denn Eng­land müsse diese Zeit benutzen, um den Wüt “S,’?”0 b er n. Während also Frankreich Volkerrechtsverletzungen in himmelschreiender Wenw beacht, während Deutschland zu Grunde gerichtet wirb, beult England noch an die Be­festigung feiner Welthanbelsstellimg.

Mussolini hat in der italienischen Kammer im Grunde dasselbe verkündet: Italien muß'c dabei sein, wo es galt Sanktionen zu ho- leu, Pfander zu sichern, denn es könne als armes Land nicht daran denken, Geschiente zu mmren. Es muß/- sich Ur die Rugraktion in irres!.eren, um nicht ausgeschaltet zu werden, wenn etwa zwischen Deutschland und Frank­reich ein Verwog zustande käme. Lediglich die Vorteile Italiens also haben auch Musso- lmi ,zn seiner Politik veranlaßt. England und Italien denken dargin, aus der Notlage des einen oder anderen ihre Vorteile zu holen S-c werden sich erst, damit müssen wir uns abfin- den, zu einer Intervention beauemen, wenn sie merken, einen zu großen Schaden, ttotz der ge­hofften Vorteile zu erhalten. Wir können je- denfallS liniere Hoffnungen nicht auf England fetzen. England wird den Franzosen auch in ihren Forderungen, über die Freigabe der Bahnen im von EngläiDern besetzten Ge- - -biet entgegenkommen. Es wird jeden Streit ' mit Frankreich vermeiden. Aus einem Streit kann es keine Vorteile holen. Es denkt "ucb nicht die Entente zu zerbrechen, denn auch darin liegt kein Geschäft.

Eine Stimme der Erkenntnis.

P a r i s, 21. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Die,/Sre Rondelle" schreibt zu den Erklärungen Poincarss vor der Kammerkommisstou: Es ist vor allem hervorzuheben, daß Poinrars endgül­tig auf die Ausbeutung des Ruhrgebietes verzichtet zu haben fcheint und nur noch von der bloßen Kontrolle der Ruhrprodukte spricht. Ans seinen Erklärungen geht aber gleich- zeittg hervor, daß die Produktion in der Ruhr bedeutend z u r ü ck g e g a n g e n ist. Wir kontrollieren somit eine Unterproduktion und spie­len deshalb eine lächerliche Rolle. Pöin- carö zählt ohne Zweifel auf ein baldiges Ver- segen der Berliner Regierung Wir fürchten, daß unsere Regierung sich dabei von einem übertrie­benen Optimismus leiten läßt. Es ist zum mindesten unvorsichtig, unseren Wiederaufbau und unser Prestige an die Kapitulation oder Nichtkavitulation Deutschlands zu binden. Wenn jedoch der deutsche Widerstand sich fort­setzen sollte und wenn wir gezwungen wären, auf die Ausbeutung des Ruhrbeckens zmcverzich- ten, so wird unser Budget mit einer erschrecken­den neuen Last belegt werden. Der franzö­sische Steuerzahler wird dann letzten Eiü>es den Schaden zu tragen haben.

Zeichen der Lnruhe.

Kommunistische Rüstung«» im Ruhrgebiet. (Privat-Telegramm.)

Essen. 21. Februar.

Tie K o m mu nisten fangen bereits an, wie die »Boss. Ztg." zu berichten weift, sich militä­risch zu organisieren. Sie bilden Zeh­ner- unb Hunbert-Mannschasten, unb es wirb be­hauptet. daß zum Beispiel in der Eußstahkfabrik von Krupp bereits eine sehr starke Organisation durchgeführt sei Die Sozialdemokraten nahmen in ihren Parteiblättern eifrig gegen biefe Organisation Stellung unb es wird ge­warnt, sich ihr irgendwie anzuschlietzen. Man